Sonnenschein-Paradoxon

OK, zugegeben: So richtig paradox isses nicht, aber es verwundert durchaus, dass jetzt mit steigenden Temperaturen auch wieder mehr Taxifahrgäste zu verzeichnen sind. Eine allgemeine Logik, die alleine im Wetter begründet liegt, ist aber auch nicht erkennbar. Denn witzigerweise liegen ja im Taxigewerbe der durchschnittlich beste Monat (Dezember) und der schlechteste (Januar) unmittelbar nebeneinander, meist im Winter. (Meteorologische Ausnahmen in den letzten Jahren zwingen mich zu dieser Relativierung)

Mich hat’s heute der Sonne wegen ein bisschen zu früh aus dem Bettchen gebrezelt, da dachte ich, ich könnte Euch optimale Zielgruppe doch mal fragen, wann ihr lieber ins Taxi steigt:

Im Winter, wenn es zu kalt zum Laufen und zu dunkel ist, um im Weg herumliegende Baugruben zu sehen – oder im Sommer, wenn man bei jedem Schritt ins Schwitzen gerät und wenn man im Taxi wenigstens gesehen wird?

Fahrt Ihr öfter Taxi, wenn es warm und hell ist?

  • Ich mag ja lieber Spaghetti Napoli. (50%, 237 Votes)
  • Da ändert sich bei mir nix. (27%, 127 Votes)
  • Nö, natürlich eher im Winter, wenn Laufen nervt. (18%, 87 Votes)
  • Sicher, da bin ich ja öfter unterwegs. (5%, 23 Votes)

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Mein Feiertag

So, der erste Mai steht vor der Türe.

„Wie sieht’s aus? Fährste am ersten?“

„Nö, wie jedes Jahr.“

„Is‘ wohl besser so, nich‘ dass de Ärja kriechst mit all de Chaoten …“

Das ist jetzt der fünfte erste Mai in der Firma und mein Tagfahrer weiß immer noch nicht, dass ich wohl auch einer von „de Chaoten“ bin – im Übrigen einer derjenigen, der immer am ersten Mai mit dem Taxi heimfährt, also als Kunde. Hat sich eher zufällig eingebürgert, ist inzwischen aber festes Ritual. Und auch wenn ich nach den unerträglich langen Tagen (also wirklich Tag, mit Sonne und so) ins Taxi falle, rieche ich sicher nicht unbedingt nach Blümchen und Frühlingswiese – die Fahrer, die mich trotzdem mitnehmen, haben es aber definitiv nie bereut. Wenn ich fertig oder wie letztes Jahr auch etwas angetrunken bin, dann bin ich trotz leerer Haushaltskassen doch immer ein Freund davon gewesen, großzügig aufzurunden. Am ersten Mai gebe ich jedenfalls – sobald auch nur der Hauch einer Berechtigung besteht – ein Trinkgeld, das ich selbst verbloggen würde.

So wie es die netten Kunden an Weihnachten und Silvester machen, weil wir ja „ach je“, selbst jetzt noch arbeiten müssen. 🙂

Ich hab keine Ahnung, wie mein Schlafrhytmus bis morgen sein wird, aber egal: Wenn mir nicht eine handfeste Krankheit in die Quere kommt, bin ich sowohl vormittags zugegen, um das blöde Nazipack vor der Haustüre meiner Chefs wegzujagen, als auch in den Abendstunden bei der revolutionären Mai-Demo in Kreuzberg. Hat ja jeder so seine Feiertagsvorhaben.

Dass ich mich natürlich besonders freuen würde, irgendwen von euch ausgerechnet bei einer Anti-Nazi-Aktion kennenzulernen, versteht sich von selbst. Ansonsten wünsche ich insbesondere allen Berlinern einen gutgelaunten und feierintensiven ersten Mai!

Kommet zuhauf, fahrt mit dem Taxi, wo es nur geht – und nie vergessen:

Kein Sex mit Nazis!

Aber wem sage ich das? 😉

Dreister als dreist

Ich hab’s grad nicht so mit der Arbeit. Die macht mich gerade fertig, ich krieg’s nicht gebacken. Also hab ich mich heute nach einem viel zu kurzen Besuch auf Berlins Straßen gleich wieder vom Acker machen wollen. Ich schielte im Vorbeifahren auf die Anzeige der Straßenbahnhaltestellen. Noch 4 Minuten bis zu meiner Bahn! Das ist das praktische daran, dass der Weg zum Abstellplatz parallel zu meiner Bahnlinie verläuft. Ich kann immer sehen, wie viel Zeit ich haben werde, wenn ich heimfahre.
Gut, ich kann bei den letzten paar Stopps ein bis zwei Minuten rausschlagen, aber ein wenig Eile wäre bei 4 Minuten schon angebracht. Der ganze Papierkram im Auto benötigt ja auch seine Zeit …

Nun aber: rote Ampel. So weit, so gut. Ampeln liegen natürlich auch auf dem Weg, aber die sind in der Rechnung schon mit drin.

Dann aber das Beste: Winker vor der Ampel. Drei … hmm, Jugendliche? Zumindest aber mal junge Erwachsene. Da sich meine Arbeitsunlust ganz bestimmt nicht gegen Kunden richtete, hab ich mich sogar gefreut. Na gut, also doch noch eine Tour! Finanziell mehr als notwendig – und zudem sind Winker immer ein Glücksfall. Touren, auf die man nicht warten muss, reißen das Ergebnis immer nach oben raus, da spielt es – außer vielleicht an Silvester – überhaupt keine Rolle, wie weit es letztlich geht.

Ich halte an der Ampel und damit direkt vor dem Winker. Der Rest der Truppe scheint sich gar nicht für das Taxi zu interessieren. Na gut, dann will wohl nur er heim.
Ich lasse einfach mal das Fenster runter und er beugt sich tatsächlich herab, anstatt gleich die Türe aufzumachen. Dann mal schauen …

„Sorry? Haste vielleicht Feuer?“

Ich bin ein lieber Mensch. Ich hab ihm also Feuer gegeben und es hat auch alles so gepasst, dass ich als es grün wurde durchstarten konnte. Aber mal im Ernst: Leute, das ist wirklich scheiße! Schön und gut, dass wir Taxifahrer tatsächlich fast immer reagieren, wenn man uns den Arm hinhält – aber wir machen das, um Geld zu verdienen! Wenn wir anhalten und ein ebenfalls freier Kollege an uns vorbeizieht, dann versaut uns das die Chance auf den nächsten Kunden. Diese Nettigkeit kann uns empfindlich Geld kosten. Und es ist reichlich unfair, dass ausgerechnet die netten Fahrer am Ende draufzahlen, oder?

In dem Fall war wie gesagt die Ampel rot und mir war es ohnehin recht egal, was aus diesem Abend noch wird. Ich hätte trotzdem in dem Moment gerne die Zeit gehabt, dem Kerl mitzuteilen, was ich nun hier geschrieben habe. Aber das hatte ich eben nicht. Bahn in 4 Minuten und so …

Immer noch nett

Wieder zurück im Cockpit. Endlich. Dank der Party letztes Wochenende, wegen der ich insgesamt über 24 Stunden unterwegs war, bin ich schon seit einer Weile nicht mehr im Auto gesessen – was in Anbetracht der durchzechten Nächte und der räumlichen Distanz zu Berlin ja auch einen gewissen Sinn ergab. Ein altes Sprichwort sagte jedoch mal sowas ähnliches wie „Der Mensch kann nicht ununterbrochen von kaltem Augustiner und selbstgemachter Steinofenpizza leben“.
(Vielleicht ist das nicht der genaue Wortlaut, ich wollte aber gerade nicht bei Wikiquote suchen.)

Da die enthemmte Feierei im Ausland zwar Spaß macht, aber Geld kostet, hab ich mich seit … (Hm, ich könnte hier wahrscheinlich eine Jahreszahl einsetzen.) mal wieder an einem Mittwoch ins Taxi gesetzt. Ich bin in letzter Zeit nicht mehr sonderlich akkurat im Bezug auf Umsatzwünsche bei Bonustagen, so dass ich erst sehr spät aus dem Haus bin. Wofür ich die Schuld aber in meinem Spieltrieb sehe, weniger in der Faulheit.

Ich habe nämlich ein neues Handy. Und völlig aus dem Häuschen bin ich weit weniger wegen all der tollen Knöpfchen und Farben, sondern weil es mir wirklich völlig überraschend und ohne Vorankündigung von einem Leser zugeschickt wurde. Was das bedeutet, wo ich so viel Stress mit meinem alten hatte, weil ich es ständig überfordert habe, bin ich kaum in der Lage, in Worte zu fassen. Und in der Tat hab ich in den letzten Monaten wahrscheinlich selten so einen stammeligen Text geschrieben wie die vorläufige Dankesmail.

Ein Galaxy S3 ist es zwar nicht geworden, aber ein in meinen Augen durchaus würdiger Ersatz. Im Vergleich zum alten jedenfalls isses riesig, schnell, besser … abgesehen von der noch ungewohnten Bedienung weiß ich echt nicht, wo ich mit dem Lob anfangen soll. Als erstes hab ich mich natürlich trotzdem wie ein Trottel benommen und bin – als sich das Netz plötzlich verabschiedet hatte – nicht auf die logischste aller Ideen seit Win 3.11 gekommen: Einfach mal neustarten. *Grummel*
Aber woher sollte ich es gewohnt sein? Mein altes Handy brauchte ungelogen (fragt den Schwob) ein paar Minuten zum Booten und mein PC hier zuhause … naja, so einmal im Monat starte ich ihn vielleicht neu. 😉

War hoffentlich ein eher seltener Bug. Dennoch bin ich ziemlich nervös unterwegs gewesen, so ganz ohne Verbindung zur Außenwelt. Bin da ja ein Gewohnheitstier und mag es nicht, wenn etwas nicht tut. Und ich hatte die Befürchtung, dass sich das auch auf die Arbeit auswirkt. Stattdessen aber hatte ich nach ein bisschen Wartezeit drei betagte Damen an Bord, die mit ihrem Wunsch – mit drei extragroßen Koffern in die Görlitzer Straße gebracht zu werden – bei einem Kollegen auf taube Ohren, bzw. auch ein unpassendes Auto gestoßen sind. Mir sollte es nur recht sein, obwohl der Kerl sich schon während des Wartens völlig krude benommen hatte. Eine kurze Fahrt von der letzten Rücke wollte er nicht machen (da hatte die Kundin allerdings schon gefragt, ob sie nicht lieber doch weiter nach hinten gehen soll), dann hat er 5 Minuten gewartet, bis die Lücke zum nächsten etwa 8 Fahrzeuglängen betrug. Plötzlich ist er mit einem Affenzahn losgefahren und wollte offensichtlich ganz vom Bahnhof weg, nur um sich dann nach einer etwas eierigen Bremsaktion doch noch rückwärts einzureihen, bevor ich zu ihm aufgeschlossen hatte. Vielleicht war es also wirklich besser, dass ich die drei alten Frauen eingeladen habe.

Ich hab auf der kurzen Strecke nur mal so kurz nach ihrem Urlaub gefragt und ein zwei Anmerkungen zu meiner Route angefügt, was meine Beifahrerin dann recht zügig zu folgender Aussage inspirierte:

„Also Sie sind aber mal wirklich ein außergewöhnlich netter Taxifahrer.“

Hab ich dann einfach mal hingenommen. Ebenso wie die glatten drei Euro Trinkgeld.

Mal sehen, wie nett ich erst heute Nacht bin, wenn auch noch das Handy nach meiner Pfeife tanzt. 🙂

Gerade zurück …

…und schon geht es wieder voll los.

Das ist wohl immer so. Ich beispielsweise komme gerade von einem ziemlich ausgiebigen Partywochenende, einige von Euch haben ja bereits gemerkt, dass ich nicht so wirklich anwesend war. Aber da es mich bis ins Ausland verschlagen hat, hab ich mal komplett Abstand davon genommen, in irgendeiner Form erreichbar zu sein. Wie man sieht: Auch Ihr habt es überlebt – wobei das bei mir eigentlich wesentlich fraglicher war. (Gruß an alle, die dabei waren an dieser Stelle!)

Kulturprogramm vor Ort, an dem ich nicht teilgenommen habe. Quelle: Sash

Kulturprogramm vor Ort, an dem ich nicht teilgenommen habe. Quelle: Sash

Während ich mich trotz weit mehr als 1500 zurückgelegten Bahnkilometern nicht über die DB beschweren kann, treffe ich beim Arbeiten ja meist auf Leute, die es etwas schlimmer erwischt hat. Ist auch verständlich, schließlich steigt die Bereitschaft, ein Taxi zu nehmen, enorm, wenn man sowieso schon zu spät ist, da treten solch verzerrte Wahrnehmungen auf. Während meine Taxikundschaft also in der Regel mehr als 30 Minuten Verspätung mit der Bahn hat, habe ich das am ganzen Wochenende mit allen Zügen nicht zusammenbekommen.

Letztes Wochenende war es dann überwiegend die S-Bahn, die mal wieder für Unmut im östlichen Berlin gesorgt hat, so dass ich an meinem Lieblingsbahnhof ganz gut zu tun hatte. Einige meiner Kollegen beschwerten sich anschließend, dass sie zwar auch stets nur kurz gewartet hätten, dann aber auch nur ums Eck gekommen sind. Einmal zur Warschauer bitte, was kostet das bis zum Ostkreuz und reicht das mit acht Euro bis zum Wismarplatz?

Ich hatte nach 5 Minuten eine Fahrt nach Köpenick. So kann’s gehen. 🙂

Erfreulich war vor allem, dass ich auf dem Rückweg gleich noch eine mit zwölf Euro immerhin durchschnittliche Tour nach Kreuzberg hatte. Meckern können hätte ich also nicht einmal über den Kilometerschnitt. Und das, wo wir Taxifahrer das doch so gerne machen …
Ich hatte nun aber nach den ersten 70 oder 80 Minuten bereits 40 Euro Umsatz, da wäre ich sogar einer kleinen Pause nicht abgeneigt gewesen. Da ich sowieso gerade nur zwei Kilometer entfernt war, hab ich mich also wieder in Richtung Bahnhof aufgemacht, um mich dort für zumindest eine Zigarettenlänge wieder an den Taxistand zu schmeißen, der – wie ich bereits bei der Anfahrt erkennen konnte, wenigstens mit zwölf bis vierzehn Taxen besetzt war. Die heiße Phase der S-Bahn-Störung war wohl vorbei. Aber noch vor dem Intercity-Hotel, quasi an der letzten Nachrücke (an der ich nicht einmal stehen zu bleiben gedachte), schnellte ein Arm empor und ich hatte die nächste Tour. Nach Karlshorst, wieder überdurchschnittlich. Gerade zurück und dann sowas …

Es gibt so Momente, da ist man einfach zufrieden.

So wie ich jetzt. Dank sehr großzügiger Reiseplanung, die unter anderem den wohl langsamsten ICE Deutschlands mit eingeschlossen hat (8 Stunden Fahrt von München nach Hannover), war ich von gestern Mittag um 13 Uhr bis heute morgen um 7.30 Uhr nur unterwegs. Für eine Kippe hab ich mich sogar kurz am Ostbahnhof an den Taxistand gestellt, als Fußgänger. Mehr als einen Gruß an einen Kollegen bin ich aber nicht losgeworden, ich hab die S-Bahn genommen. Mit dem nächsten Ausfall warten wir einfach, bis ich wieder im Taxi sitze. Und das wird diese Woche bereits am Mittwoch der Fall sein.

Zum Abschluss noch ein Foto für die, die lange kein Fernweh mehr hatten:

BERG – (für) Berliner Einheimische Rätselhaftes Gebilde. Quelle: Sash

BERG – (für) Berliner Einheimische Rätselhaftes Gebilde. Quelle: Sash

Journalist, was soll das werden?

Der Tagesspiegel hatte gestern ein besonderes Schmankerl auf seiner Online-Präsenz zu bieten. Unter dem schönen Titel „Kutscher, was soll das werden?“ (Nebentitel „Desorientierte Taxifahrer in Berlin“) echauffiert sich eine offensichtlich gerne anonym bleiben wollende Journalistin* über eine Taxifahrerin, der das Fahrtziel nichts sagte und die daraufhin ein Navigationssystem zu Hilfe nahm. Die Route des Navis war dank Stau und Baustellen wohl alles andere als optimal. So weit, so ärgerlich natürlich.

Ein bisschen kurios würde ich das nennen, was dann folgt. Um es zusammenzufassen: Die Journalistin ärgert sich darüber, dass wir Taxifahrer immer weniger wüssten und dass wir das doch eigentlich gerade jetzt anders halten müssten, wo doch unser Beruf dank Car-Sharing usw. ohnehin immer mehr in die Ecke gedrängt würde.

Die Grundthese finde ich eigentlich ganz ok. Natürlich – das hab ich zum Anlass diverser „Taxitests“ ja auch immer wieder gesagt – steigt und fällt die Qualität einer Taxifahrt mit dem Fahrer. Ortskenntnis, Professionalität, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft – all das macht den Unterschied zwischen einer fantastischen und einer grottigen Taxifahrt aus. Weit mehr als das die Automarke z.B. vermag. Wieso man aber am Punkt der Nutzung eines Navigationssystems ansetzen muss, verschließt sich mir.

Ich bin auch froh um jede Tour, bei der ich das Navi nicht brauche, hier und da schalte ich es aber sogar dann mal ein. Das Drama fängt schon damit an, dass auch die werte Journalistin als Kundin im Taxi das Recht hat, den Weg zu bestimmen. Von diesem Recht Gebrauch gemacht hat sie offensichtlich nicht. Und tut sie das nicht, ist ihre Fahrerin schon gesetzlich an den kürzesten Weg gebunden. Gerade für solche Fälle sind Navis super! Man kennt die Adresse nicht wirklich, weiß nicht, ob man da von hinten oder vorne besser rankommt. Dafür gibt es die Teile. Pi mal Daumen nach Weißensee wäre die Fahrerin ziemlich sicher auch so gekommen. Natürlich wäre der Optimalfall gewesen, dass sie sich besser ausgekannt hätte und schnell noch eingeworfen hätte:

„Die Hauptstraße wäre zwar kürzer, aber wegen der Baustellen ist es hinten rum schneller. Kostet halt 80 Cent mehr.“

Ist toll, sowas – so wünsche ich mir meine Fahrten auch immer.

Aber genauso würde ich mir von Journalisten auch immer die Recherche wünschen, die ganz offensichtlich wie bei uns die Ortskenntnis eines der Hauptqualitätsmerkmale ist. Dadurch, dass ich im Taxigewerbe inzwischen einiges an Wissen gesammelt hab, schüttele ich immer wieder den Kopf und frage mich, wieso die Journalisten so ein einfaches Thema so grottenfalsch wiedergeben. Dabei sind die Fehler oft verzeihlich. Haben sie doch enormen Zeitdruck, werden schlecht bezahlt und haben einfach nicht die Möglichkeit, sich wegen eines Artikels übers Taxifahren in die Materie richtig tief einzuarbeiten.

Nun, das ist mit der Ortskenntnis aber nicht anders. Berlin hat eine Fläche von 891 km². Auf dieser Fläche liegen unzählige vermeintlich wichtige Punkte. Weit mehr, als sie ein Mensch erfassen, geschweige denn abspeichern könnte. Zumal sich vieles permanent ändert. Straßennamen vielleicht nicht so oft, bei Club- und Hotelnamen ist die Fluktuation aber beispielsweise legendär. Ich neige jetzt auch dazu, zu sagen:

„Naja, aber hallo: Weißensee, die Hauptstraßen … von Friedrichshain aus? Das sollte man aber doch wissen …“

Während das aber für die werte Journalistin vielleicht der Nabel der Welt ist, so könnte die besagte Taxifahrerin ihr hauptsächliches Arbeitsgebiet in Zehlendorf haben. Das wäre dann zwanzig Kilometer entfernt.

Ich war vor ein paar Stunden mal wieder in Spandau. Das ist – manche Berliner wird’s überraschen – noch Berlin. Den gesamten Bezirk sehe ich inzwischen allerhöchstens zweimal jährlich. Als Taxifahrer, bei dem das zum Pflichtfahrgebiet gehört …
Wenn wir jetzt noch vom „normalen“ Fahrer ausgehen, der diesen Job Vollzeit macht, sagen wir 55 Stunden die Woche – dann kommt der vielleicht in derselben Zeit viermal nach Spandau. (Oder, wenn er eher im Westen unterwegs ist nach Treptow-Köpenick)
Spandau hat aber 100 km², sicher 1000 Straßen und wahrscheinlich 300 bis 500 für eventuelle Kundschaft interessante Adressen.

Wann, so meine Frage an die Journalistin, sollen wir uns die Ortskunde dafür aneignen?

Ich denke, ich spreche für alle halbwegs an ihrem Job interessierte Kollegen, dass wir uns bemühen, unsere Arbeit gut zu machen. Aber ebenso wie man als Journalist heute wohl kaum noch umhinkommt, wenigstens ein Handy zu benutzen, eine eMail-Adresse zu haben oder mal in der Wikipedia was nachzusehen, haben auch wir nicht immer alles ohne Hilfsmittel im Blick. Und Taxifahren besteht ebensowenig daraus, einfach alle Straßen in Weißensee zu kennen, wie Journalismus nur daraus besteht, 26 Buchstaben halbwegs sinnvoll aneinanderzureihen.

Das Bundeskanzleramt – eines der Beispiele im Text – hab ich ehrlich gesagt noch nie anfahren müssen. Da weiß ich, wo es liegt. Immerhin. Bei der ein oder anderen Botschaft muss ich schon passen. Und sonderlich unwichtig würde ich diese Adressen nicht nennen. Aber hey, ich kenn die Preise von einigen Bordellen, ich kenne vielleicht einen guten Club für elektronische Musik in ihrer Nähe, weiß, dass in Marzahn diese oder jene Straße gesperrt ist, kann von mir zu Hause bis zum Sitz ihrer Zeitung alle Straßennamen und Richtungswechsel runterbeten, kann betrunkene Kerle zum Benehmen ermahnen, trauernde Frauen trösten. Ich kann den Fahrpreis im Vorfeld auf vielleicht einen Euro genau im Kopf ausrechnen, kenne alle 95 Stadtteile und tausende von Straßen. Das alles gerade mal fünf Jahre, nachdem ich nach Berlin gezogen bin und zum Vorzugspreis von lumpigen acht Euro pro Stunde, wenn’s mal ein halbwegs guter Tag ist.

Zu ihrer Adresse, sehr geehrte namenlose Journalistin, würde ich aber vermutlich das Navi anschalten. Denn wer weiß, was morgen in der Zeitung steht, wenn ich mich ausgerechnet in Weißensee vertun sollte und der Fahrpreis etwas zu hoch ausfällt …

*Ist nicht böse gemeint, aber ich hab den Namen zwischen all der Werbung und dem sonstigen Gedöns auf der Seite nicht gefunden.

Nachtrag: Inzwischen hat die Autorin einen Namen. Das war zum Zeitpunkt des Entstehens meines Artikels definitiv nicht der Fall.

Nachtrag 2: Bernd ist in seinem Taxiblog auch noch eine bissige Bemerkung zum Thema losgeworden.

 

PS: Danke an die vielen Hinweisgeber!

Wochenendauftakt

So, dem ein oder anderen hab ich es schon mitgeteilt: Arbeitsreiches Wochenende ist angesagt!

Ich hab sturmfrei, was immer noch irgendwie kindischen Übermut bei mir hervorruft, sich aber nach spätestens zwei Tagen in besonders eindrucksvolle Langeweile umwandeln wird. Ich kenn das ja. Deswegen hab ich mir auch kein Party- und Flauschweekend verordnet, sondern Arbeit. Nicht nur im Taxi, eher mehr sogar beim Schreiben. Nicht nur hier, vor allem auch am Buch – ihr kennt das ja, ich tanze ja auf vielen Parties gleichzeitig.
Motiviert bin ich bis in die Haarspitzen, dummerweise liegt hier für GNIT kaum noch verwertbares Zeug rum. Ich hab um Ostern viel freigemacht, weil die Umsätze maximal bis zum Kellerfenster gereicht haben. Also muss ich erst einmal wieder auf die Straße, damit ich irgendwas zu berichten hab – logisch, ne?

Aber ganz ohne Unterhaltung will ich Euch heute auch nicht sitzen lassen. Bei Facebook (Hey, GNIT hat bald 500 Likes! 🙂 ) hab ich heute morgen schon die aktuelle Taxigeschichte von Aro verlinkt. Also wenn es nur ums Bloggen gehen würde, wäre das ja dieses Wochenende meine Traumkundschaft. Ansonsten darf es ruhig etwas weniger anstrengend werden …

Auch nur für die nicht bei FB am Ball bleibenden neu sein wird dieses Video, ein in meinen Augen echt schon ein bisschen zu weit gehender Scherz. Aber auf der anderen Seite hab ich auch gelacht, muss ich ja zugeben:

(gefunden via cartoonland.de)

Dann noch was in eigener Sache: Ich hab Stress mit meinen Zusatzakkus. Ziemlich. Ich hab keine Ahnung, weswegen, ich hab ein wenig die Befürchtung, echte Montagsmodelle erwischt zu haben. 🙁
Jedenfalls ist ohne die Zusatzakkus für mich derzeit GPS, bzw. MyTaxi, in unerreichbare Ferne gerückt. Mein Handy – welches ich wirklich baldestmöglich mal durch ein neues ersetzen will – hält mit GPS wirklich gerade einmal zwei Stunden durch. Muss die Woche wohl erstmal ausbleiben, ich bin noch am Überlegen, wie ich das alles auf den Plan kriege. Ob jetzt mit neuen Akkus, neuer Verkabelung, neuem Handy.

Ihr wisst ja, wie das ist: am Ende mangelt es vor allem am nötigen Kleingeld. Muss wohl doch mehr Bücher verkaufen … 😉

Wie dem auch sei, ich wünsche schon mal all jenen einen guten Start ins Wochenende, bei denen es bevorsteht. Ich arrangiere mich irgendwie mit meinem.