Umweg

So können unterhaltsame Abschiede am Ziel aussehen:

„So, dann sind wir bei 42,20 €.“

„Das ist ja was. Die Hinfahrt hat aber 42 Komma Null gekostet!“

„Autsch! Da haben sie mich aber erwischt. Ja, ich bin einen Umweg gefahren. Waren wohl 80 Meter oder so…“

@Anise: Ja, es war die Tour. Und nur unter uns: Man schafft das auch für unter 41 €, aber ich höre aus eben diesem Grund gerne auf die Kundschaft 😉
Im Ernst: War eine wirklich heitere Tour. Ich hoffe, die andere Seite bewertet das ähnlich. Ich bin offen für Kritik, falls es nicht so sein sollte.

Wer dann doch laufen muss…

Morgens nach etlichen Kilometern Leerfahrt sind Winker immer erfrischend. Auch Kurzstrecken! An der Ecke Revaler / Modersohn hab ich sie aufgegriffen und sie wollten eben mit einer Kurzstrecke zum Strausberger Platz. Das kam mir ein wenig weit vor. Aber ich bin erst einmal losgefahren, viele Kunden fahren die Strecken ja mehrmals, ich muss jedes Mal aufs Neue abschätzen. Man wird schließlich kaum jemals am gleichen Platz in die gleiche Richtung zu einer Kurzstrecke rausgewunken.

Am Frankfurter Tor hab ich dann aber mal nachgefragt:

„Seid ihr die Strecke schon öfter mit Kurzstrecke…“

„Ja!“

„Also reicht es?“

„Also bisher hat der Taxifahrer immer irgendwann ausgemacht.“

„Also reicht es nicht…“

Tja, da haben die Jungs – im Übrigen ohne zu protestieren – noch geschätzte 800 Meter zu Fuß zurücklegen müssen. Wunder der Kommunikation: Mit dem Satz „Nee, reicht nicht ganz, den Rest laufen wir.“ wären ihre Chancen rapide angestiegen, dass ich ein Auge zugedrückt hätte.

Die Geschichte mit dem Glück

Man vergisst als Taxifahrer oft genug, dass der Umsatz oftmals dem Glück geschuldet ist. Nehmen wir mal exemplarisch Montag und Donnerstag.

Montag:
Ich stelle mich um 23 Uhr an die Halte am Ostbahnhof. Letzte Rücke, es ist schon ziemlich spät um sich so weit hinten anzustellen. Kollegen die ich kenne, sind nicht aufzutreiben. Kein Fahrgast will mich bereits hinten aus der Schlange herauspicken, und so stehe ich tatsächlich eine geschlagene Stunde rum. Es ist langweilig, alle paar Minuten ist die große Abwechslung, den Motor zu starten und 5 Meter vorzurollen. Dann die Welt aus einem etwas veränderten Blickwinkel betrachten und sich weiter langweilen.

Dann, als erster in der Reihe:

„Sagen sie, würden sie uns nach Strausberg fahren?“

Am Ende der Fahrt, ca. 0.30 Uhr:

„Dann wären wir bei 45,80 €.“

„Stimmt so…“

Ergebnis: 50 € in der Tasche.

Donnerstag:
Ich stelle mich um 23 Uhr an die Halte am Ostbahnhof. Letzte Rücke, es ist schon ziemlich spät um sich so weit hinten anzustellen. Kollegen die ich kenne, fahren gleich wieder weg. Kein Fahrgast will mich bereits hinten aus der Schlange herauspicken, und so stehe ich tatsächlich fast anderthalb geschlagene Stunden rum. Es ist langweilig, alle paar Minuten ist die große Abwechslung, den Motor zu starten und 5 Meter vorzurollen. Dann die Welt aus einem etwas veränderten Blickwinkel betrachten und sich weiter langweilen.

Dann, als erster in der Reihe:

„Bringen sie uns in die Muskauer?“

Am Ende der Fahrt, ca. 0.30 Uhr:

„Dann wären wir bei 5,80 €.“

„Stimmt so…“

Ergebnis: 6 € in der Tasche.

Pricing Fail

Nach Köpenick wollten sie, zum Schloßplatz. Ich hatte den Abend über schon die ganze Zeit Glück mit den Touren. Da fiel mir diese Fahrt vom Matrix aus kaum noch auf. Aufgefallen ist hingegen, dass die Besatzung meines Taxis trotz der Aussage einer Protagonistin (Boah, ich bin derbe voll“) durchaus in angenehmem Zustand war.

Sie quittierten Selbstverständlichkeiten wie Fensteröffnen auf Wunsch und die Wahl des Radiosenders mit Freude und fanden mich deswegen total toll. Schön, wenn man mit so wenig Einsatz so ein Ergebnis erzielen kann.

Was meint ihr, wie die Stimmung war, als ich bei Gefallen der Musik ein wenig lauter gemacht hab? 😀

Wir haben an der Sparkasse gehalten, ein sehr betrunkener junger Mann hat die bisher aufgelaufenen 22 € zuzüglich eines Euros Trinkgeld aus Geldbeutel und Bankautomat zusammengekratzt und eigentlich wäre es das gewesen. Dann kam der Auftritt eines Autofahrers, der ziemlich verzweifelt eine Adresse in Köpenick gesucht hat, und dem ich beim besten Willen erst einmal nicht weiterhelfen konnte, weil die verschachtelte Altstadt auf bei mir eine Aufgabe ist, die gefälligst mein Navi zu lösen hat – und er hatte selber eines. So aus dem Stand konnte ich dazu also gar nix sagen.

Letztlich ist dieser Auftritt nur interessant, weil er mich Zeit kostete. Zeit, die zwei meiner ehemaligen Fahrgäste gebraucht hatten, um festzustellen, dass kein Bus mehr fährt. Sie kamen wild diskutierend auf mich zu, das Geld war knapp und eigentlich wollten sie kein Taxi nehmen, aber weiter wussten sie auch nicht.

Was es nach Friedrichshagen, zum Bahnhof, kosten würde?

Puh, so wirklich gut bin ich da unten in Punkto Ortskunde noch nicht. Also hab ich mein Navi kurz angeschmissen, die 4,3 km hab ich dann wie folgt kommentiert:

„Also, ihr habt jetzt echt das Glück, dass das Taxameter noch nicht weggeschaltet hat. Also meinetwegen könnten wir die Fahrt noch fortsetzen. Dann sind die Kilometer günstiger, und die 3,20 € entfallen auch. So um die 6 € würde ich vermuten.“

„Sie meinen also, wenn wir jetzt noch einen Zehner haben, dann reicht das?“

„Locker.“

Gut, der Rest war schnell bequatscht und sie saßen nach ein paar Späßen mit ihrem betrunkenen Freund wieder im Auto. Ich bin losgefahren und sie haben mir angeboten, mich zu lotsen, wo sie genau hinwollen. Nun, und irgendwo hat sich dabei ein Kommunikationsfehler eingeschlichen, denn als wir den Bahnhof Friedrichshagen Richtung Rahnsdorf passierten, war klar, dass sie das andere -hagen gemeint hatten. Wilhelmshagen. Das sind ein paar km weiter.

Ehrlich gesagt, ich kann nicht mehr nachvollziehen, wer wann wie welchen Namen eingeworfen hatte. Und nun saßen wir im Auto, und die Uhr zeigte die bereits bezahlten 22 €, die vom Freund netterweise bereits angezahlten 2 € und 9 von den 10 € an, die die Mädels noch in der Tasche hatten. Mitten im Wald bei Rahnsdorf.

Ich hab dann gesagt, dass ich bei 34 € die Uhr ausmache, weil ich sie schlecht hier im Wald rauslassen kann.

Ich meine, natürlich hätte ich es können. War trotzdem besser so.

Zumal ich so oder so nicht mehr sagen könnte, ob nur ich mich verhört habe. Naja, letztlich hatte ich noch einen Zehner mehr Umsatz, die beiden sind heimgekommen, und der Weg ist dem Auto sicher leichter gefallen, als den beiden zu Fuß.

Naja, gute Tat für die Woche abgehakt…

Fakten, Fakten, Fakten…

1.
8,00 € ist für eine Winkertour ein durchschnittlicher, netter Betrag.

2.
2 € Trinkgeld können sich sehen lassen und liegen gut über dem Durchschnitt. Insbesondere diesen Monat.

3.
Das lauteste je persönlich vernommene Geräusch ist nun nicht mehr der Gitarrist von Hanns-Martin Slayer, der im Vorprogramm von Such a Surge anno wasweissich ziemlich einmalig den Headliner hat leise erscheinen lassen, sondern ein weiblicher Fahrgast von 4en.

4.
Schwarze Spitzen-Slips passen mal überhaupt nicht zu Leopardenlook-Satin-BH’s.

5.
Ich suche noch verzweifelt nach einer Ausrede für Ozie, warum ich 4. überhaupt weiss…

Manchmal verstehe ich die Leute, die einen Bürojob ohne Kundenkontakt machen und lieben. Selten, aber manchmal eben schon…

Nur eine Frage…

„Ich hätte nur eine Frage an den Taxifahrer. Ist das OK?“

Mein eben erworbener Fahrgast stimmte zu.

„Wieviel kostet ein Taxi bis zum Schlesischen Tor?“

„Puh, etwa 8 €, etwas mehr vielleicht.“

Da fragte mein Fahrgast dann, ob er alleine fahren möchte, oder einsteigen will. Ich hab bei Sammelfahrten immer irgendeinen ewig alten Blogeintrag von Torsten im Hinterkopf, in dem er sinngemäß meint, dass das zwar keine allzu schlechte Idee ist, aber nur wenn die Bezahlung der Parteien im Vorfeld geklärt ist – weil untereinander Unbekannte gerne zur Uneinigkeit neigen, wenn es dann ums Geld geht.

Da hatte ich allerdings Glück. Mein erster Fahrgast meinte, der andere solle 4 € zahlen, ob das ok wäre. Der war happy, Geld gespart zu haben, alles supi. Ich hab mich meist mit Fahrgast 2 unterhalten, bis von hinten die Stimme kam:

„Ich unterbreche nur ungern, aber ich müsste dann hier raus…“

Er hat großzügige 7 € gezahlt, und als ich mit dem zweiten Fahrgast am Magnet angekommen bin, stand die Uhr auf 9,20 €.

„Puh, wow! Da hab ich ja richtig Geld gespart!“

meinte er zu mir.

4 € hat er dann allerdings doch gezahlt. Fand ich dann irgendwie auch nett 😉

Zu jung…

Im Grunde bin ich sehr froh darüber, dass ich – manchmal nicht ganz unüberrascht – noch zu den jungen Leuten gezählt werde. Nicht nur sinkt damit die Wahrscheinlichkeit für mich, überfallen zu werden, nein es wirkt auch noch nicht gekünstelt, wenn ich mit ein paar Partygängern locker daher rede.

Es ist ein unbeschreiblicher Vorteil, manchmal mehr für den Blog als für mich, dass die Leute mir gerne ihre Drogengeschichten beichten, weil sie glauben, ich nehme selber welche. Die Anfragen nach den coolsten Clubs könnten zwar gerne nachlassen, aber bei vielem anderen weiss ich es zu schätzen.

In wenigen Einzelfällen leidet aber natürlich die Autorität darunter. Und die habe ich in meinem Auto zwangsläufig und auch sehr gerne. Das erspart mir nämlich eine Menge Arbeit. Spätestens beim Aufräumen. In der Regel ist das nicht schlimm, meist geht es darum, dass ich einmal mehr hartnäckig darauf bestehen muss, dass es keinen Festpreis gibt oder dass der Döner in Form einer bierkastengroßen explodierten Deckenleuchte nicht mit Stäbchen und balancierend auf dem Autodach gegessen werden darf.

Also bin ich nach wie vor gerne der nette und beratende Kumpel beim Taxifahren, wenn die Kunden es gerne so haben.

Und was passiert dann?

Dann wird man plötzlich von fremden Mädels gekitzelt, dazu aufgefordert, mit hinten in die letzte Sitzreihe* zu kommen und irgendein neu erworbener Kumpel gibt sein OK und meint, er fahre auch gerne für mich. WTF???

Da war aber schnell wieder Ruhe im Karton, das könnt ihr mir glauben!

Ist trotzdem noch eine nette und vergnügliche Fahrt geworden 😀

*da passe ich höchstens in Einzelteilen rein, und auch das nicht mit weiteren Leuten!