Offensichtlichkeiten

An Silvester ist die Kundschaft ja immer ein wenig in der Überzahl. Als ich in Hohenschönhausen an einer großen Kreuzung stand, winkten bereits gegenüber 3 Leute, dann aber sah ich ein älteres Paar auf mich zustürmen, noch schnell über die rote Fußgängerampel hinweg. Ich bin, als es grün geworden ist, gleich rechts rangefahren und hab auf sie gewartet.

Die Frau riss die Tür auf, stieg aber nicht ein. Stattdessen sagte sie:

„Da drüben an der Ampel stehen drei Leute, die gerne mit ihnen fahren würden.“

Vielen vielen Dank für diese wichtige Meldung! Hätten die beiden mich nicht angehalten, dann wäre ich einfach rübergefahren, jetzt musste ich eine Rotphase länger stehenbleiben. Der größte Witz aber war, dass mir dann jemand ins Auto gesprungen ist und ich die Jungs gegenüber doch nicht gefahren hab…

„Schaffste noch!“

Bevor ich vorletztes Jahr das erste Mal an Silvester gefahren bin, haben mich die Kollegen nicht nur vor den Kotzern gewarnt, sondern viel mehr auch vor den Unglücklichen. Nicht etwa, weil sie gefährlich wären, sondern weil sie einem gehörig die Laune verderben können an diesem sonst so wundervollen Tag für uns.

Ich hatte damals auch umgehend eine ziemlich deprimierte Frau im Auto, mit der ich just die längste Fahrt des Abends hatte und richtig froh war, danach wieder kurz vor dem Ausfall stehende betrunkene Jugendliche zu befördern. Aber ja: Der Jahreswechsel lädt einen ja nicht nur zum Feiern ein, sondern auch zum Nachdenken, was man in den letzten 12 Monaten so zustande gekriegt hat. Dass der Abend eher weniger schön ist, wenn ein Jahr im Rückblick nur aus zerbrochenen Beziehungen und toten Verwandten besteht, kann ich nachvollziehen.

Eher selten sind allerdings die Leute, denen die Silvesterfeiern selbst auf den Zeiger gehen – von den Hardcore-Spaßverweigerern mal abgesehen. Mich ereilte das diesjährige Glück kurz vor meiner Haustüre, als ich mich gerade auf eine Pause gefreut hatte. Aber ich kann ja nicht nein sagen, wenn man mich nett fragt, ob ich nicht noch vielleicht kurz…

Die Fahrt war tatsächlich nicht lang, vielleicht 3 Kilometer, etwas das mir an Silvester immer gut gefällt. Da es an Kundschaft eh nicht mangelt, erhöht das Stunden- und Kilometerschnitt doch beträchtlich.

Jedenfalls wollte er nur in eine Hochhaussiedlung unweit meiner Heimat und das Gespräch landete recht schnell bei der Feier. Er hätte keinen Bock mehr und geht jetzt „nach Hause“. Was aber gar nicht zu Hause war. Er hat sich hier eine Wohnung für eine Nacht angemietet, denn er war extra aus Frankfurt am Main wegen Silvester zu seiner Freundin gefahren.

Ich hab mich kurz umgeschaut, keine Freundin gefunden und besser mal nicht gefragt.

Dann hat er selbst ausgeholt zum Erzählen: Er ist ein wenig verspätet angekommen, dummerweise war er damit so ziemlich der einzige nüchterne Mensch auf der Party. Seine Freundin war bereits so nahe an komatösen Zuständen, dass sie weder geradeaus gucken, noch ihn ernsthaft erkennen würde. Ihm ist das also tierisch auf die Nüsse gegangen und er hat sich gefrustet auf den Heimweg gemacht. Ich hab ihn mit ein paar Allgemeinplätzen des Bedauerns bedacht, wurde dabei jedoch von seinem Telefon unterbrochen. Zunächst rief die Freundin an, was er nach einer Minute abbrach, da sie ihm offenbar nicht sinnig oder überhaupt wie begründen konnte, weswegen er umkehren sollte.

Eine Minute später klingelte es wieder. Das Gespräch dauerte ähnlich lange, mein Fahrgast beendete es mit den Worten:

„Na das schaffste auch noch, wenn ihr so weitermacht!“

Etwas zögerlich hab ich gefragt, ob es schlechte Neuigkeiten gäbe. Er hat seine Stirn in Falten gelegt, als wüsste er selbst nicht so genau, was er davon zu halten habe. Dann sagte er:

„Ach, das war einer von den Typen, die vorher schon so furchtbar an meiner Freundin rumgebaggert haben. Und jetzt erzählt der mir hier wunder weiß was über sie. Soll er sie doch abschleppen, ist mir jetzt auch egal!“

Dann ist er mit einem gequälten Lächeln auf den Lippen ausgestiegen und hat mir ein sattes Trinkgeld vermacht. Ich hab gequält zurückgelächelt und mich innerlich gefreut, dass mein Jahr damit dann doch etwas besser anfängt…

Superman-Hemd, yes!

Ich hab nicht ohne Grund meinen „Silvester im Taxi„-Artikel geschrieben. Die Situation an Silvester war eben genau so, wie es zu erwarten war: Die unbesetzten Taxen waren rar und folglich waren auch ein paar eher verzweifelte Gesellen unterwegs. Nach wie vor tut mir das leid für jeden einzelnen. Ich würde ja gerne alle Fahrgäste in dieser Nacht mitnehmen, aber mein Tag hat auch nur 24 Stunden…

Mein letzter Fahrgast vor der Autopanne war insgesamt eine halbe Stunde in meinem Wagen und sichtlich irritiert davon, wie viele Menschen winken, wenngleich wir doch wenigstens ohne leuchtende Fackel unterwegs waren. Er selbst gehörte zur eher lockeren Sorte und lud mich mehr oder weniger zu einer Raucherpause mit laufender Uhr an der East-Side-Gallery ein. Ein paar hundert Meter vorher hatten wir dann allerdings die „freundlichste“ Begegnung des Abends. Ein reichlich genervt und dümmlich dreinblickender junger Mann beließ es nicht beim Winken, sondern schritt auf die Fahrbahn, als ich keine Anstalten machte, das Tempo zu drosseln.
Das tat ich fortan zwar leicht, wechselte ansonsten aber auf die linke Spur und fuhr zügig vorbei. Die an sich völlig logische Tatsache, dass ich meinen Fahrgast noch zu seinem Ziel bringe, anstatt besser den übereifrigen Fußgänger einzuladen, quittierte er damit, dass er uns sein Bier in einem Schwall über die Windschutzscheibe leerte, als wir vorbeifuhren.

OK, der Scheibenwischer lief eh und der Kerl hatte jetzt weniger Bier… was soll’s?

Wir hielten also bald darauf an und rauchten wie geplant eine Zigarette. Kurz darauf kam just jener Evolutionsverweigerer mit seiner Truppe angelatscht, wir lagen wohl auf dem Weg. Dann machte er mich mit genervtem Unterton an, wer von uns denn „dieses Ding da“ fahren würde.

Daraufhin hab ich in Anbetracht der vergangenen Ereignisse ziemlich gehässig gesagt:

„Ich. Aber mach dir keine Hoffnung, denn DICH werde ich ohnehin nicht fahren!“

Wirklich gerafft hat er das nicht, aber einer seiner Kumpels fühlte sich berufen, zu fragen:

„Was soll’n des? Wohl mit’m Superman-Hemd geschlafen heute Nacht!?“

„Ja, heute ausnahmsweise mal schon. Viel Spaß noch bei der Taxi-Suche!“

Leute, ganz im Ernst: So rede ich eigentlich nie mit potenziellen Kunden! Egal, ob ich besetzt bin oder nicht. Aber derartige Dünnbrettbohrer könnten mir auch Montags gestohlen bleiben! Es ist schön, sie in einer Nacht zu treffen, wo man sich im Nachhinein mal kein schlechtes Gewissen machen muss. 😀

Es tut mir leid für alle, die in dieser Nacht leider kein Taxi erwischt haben, aber ich und meine Kollegen haben alles menschenmögliche versucht. Wer meint, es ausgerechnet uns, die wir arbeiten, während fast alle anderen feiern, mit Häme, Gewalt oder Missgunst danken zu müssen, der muss halt laufen. Für diese Form der Gerechtigkeit lege ich mir gerne Nachts das Superman-Hemd an 😉

Silvesterunglücke

Das erste, was mir zum Thema Unglücke an Silvester einfällt, ist mal das Design von GNIT. Das hat sich in der vergangenen Nacht auf kuriose Weise verselbständigt und verweigert sich beharrlich einer Operation. Obwohl meine bessere Hälfte und ich versiert genug sind, um uns über die Leute schlappzulachen, die behaupten, sie hätten „nichts gemacht“, bevor der Fehler auftrat, stehen wir nun vor einem Rätsel. Denn wir haben das buchstäbliche Nichts gemacht. Es sei denn, es ist ein Feature von WordPress, dass das Kommentieren unter den Beiträgen das Design verändert. Wie dem auch sei: Wir arbeiten daran!

Das letztlich viel schmerzhaftere Unglück betrifft meine gute alte 1925, mit der ich die Silvesterschicht absolviert habe. Dass die Bremsen gequietscht haben, hab ich gestern bereits geschrieben, der davon allerdings völlig unabhängige Schichtverlauf war jedoch nicht zu erahnen. Zunächst bin ich recht spät (1:30 Uhr) aus dem Haus gekommen – unter anderem wegen GNIT, da mich das Design-Problem beschäftigte.

Dann verlief Silvester wie zu erwarten göttlich. Ein bunter Reigen verschiedenster Leute hat mein Taxi geentert, wobei ich bisweilen überrascht war, dennoch mal 2 oder 3 Leerkilometer zu verbuchen. Egal, dafür waren die Fahrten insbesondere Anfangs eher kurz, sodass ich mich bezüglich des Umsatzes nicht beschweren will. Den ersten Hunni hatte ich nach fast punktgenau 2 Stunden eingefahren – arg viel besser geht es nicht. Die nächsten anderthalb Stunden brachten ebenfalls 75 € ein, so hätte es meinetwegen munter weitergehen können. Während der letzten, mit 32 € auch sehr langen, Tour meldete sich aber die Batteriewarnlampe.

Äh!? Watt bitte?

Die Frage nach der Sinnigkeit der Lampe wurde umgehend beantwortet, nachdem der Kunde das Auto verlassen hatte. Gutes Timing an und für sich…

Die Servolenkung fiel aus.

An dieser Stelle, soll sich jeder Leser überlegen, was er zu dieser Situation gesagt hätte, denn ich führe hier ja einen Blog, der angenehm zu lesen… SCHEIßDRECK! VERFICKTER BOCKMIST, ELENDER!

Sorry, aber das tut selbst geschrieben noch sehr gut 🙂

Grundsätzlich kann ich ein Auto auch ohne Servolenkung fahren, aber mir war klar, dass ich keinen Abenteuerurlaub anzubieten habe, und so hab ich schweren Herzens die Fackel ausgemacht, um gen Heimat zu gurken. Unterwegs jammerte mein Kistchen zunächst, dass mit dem ABS etwas nicht stimmt, woraufhin ich erfreut feststellte, dass zumindest der Bremskraftverstärker wohl noch tut.
Irgendwann ging dann das Radio nicht mehr und kurz vor Marzahn ereilte mich dann der absoltute Super-GAU: Das Licht ging aus. Dass das Taxameter sich auch verabschiedete, spielte zu diesem Zeitpunkt ja glücklicherweise keine Rolle mehr… 🙁

So langsam geriet ich dann doch ein wenig in Panik, denn wo zur Hölle sollte ich in einer Nebenstraße von Friedrichsfelde auch noch ein Taxi auftreiben, um überhaupt heimzukommen?

Das Glück ereilte mich in Form eines Kollegen, der mein nur noch gelegentlich blinkendes Gefährt skeptisch beäugte und meiner Bitte, mich kurz noch heim zu eskortieren auch in dieser elend geilen Silvesterschicht selbstredend und mit kollegialer Freundlichkeit entsprach. Als ich dann hinter im hergetuckert bin und gehofft habe, dass keine Cops unseren Weg kreuzen, war mein Auto dann schon komplett dunkel und ich hab mich an seine Rücklichter geklebt. Ewig lang erscheinende 5 Minuten später hab ich bei mir vor der Türe einen Parkplatz gefunden, in den ich mein Auto mit letzter Not reinwuchten konnte.

Der Kollege bemitleidete mich noch ein wenig und weigerte sich kategorisch, den Zwanni von mir für die Fahrt anzunehmen, wenngleich mir seine Freundlichkeit auch locker das Doppelte wert gewesen wäre. Ich wäre irre geworden, wenn ich in dieser Nacht Winker zu Gunsten eines nicht zahlenden Typen hätte stehen lassen müssen, ganz ehrlich!

Aber im Gegensatz zu mir hatte er schon über 400 € zusammen und spätestens seit heute verbinde ich mit russischem Akzent wahrscheinlich eine Liebenswürdigkeit, die die Sprache selbst nicht hergibt. Es gibt diese Kollegen also doch noch! 🙂

Wenn das ein Omen fürs neue Jahr ist, dann wird 2012 wohl scheiße, aber kollegial. Ich bin mal gespannt. Und es tut auch eher psychisch weh als finanziell. Die 50 bis 100 €, die ich verloren habe, wären zwar ein guter Grundstock fürs neue Handy geworden, aber ein Weltuntergang ist es eigentlich nicht. Jetzt ist nur die Frage, was meine Chefs dazu sagen. So langsam ist das Autochen ja auch in einem Alter, in dem jede Panne die letzte sein könnte…

Vorsätzliches

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und abgesehen von meiner Vorfreude auf Silvester im Taxi merkt man das auch hier und da an der Kundschaft:

„Und, wo feiern sie Silvester?“

„Hauptsächlich hier im Taxi.“

„Sie…? Oje, das tut mir leid.“

„Muss es nicht. Ich arbeite freiwillig. Und irgendwer muss ja die Feiernden heimbringen… außerdem will ich mal wieder ein Bisschen mehr arbeiten…“

„Haha, auch ein guter Vorsatz!“

„Naja, eigentlich mach ich mir keine Vorsätze.“

„Ich schon. Immer. Dieses Jahr will ich endlich mal mit dem Rauchen aufhören. Meine Mutter werde ich 2012 öfter besuchen und dieses Mal spare ich wirklich auf einen Urlaub im Herbst!“

„Oha! Und setzen sie ihre Vorsätze auch immer um?“

„Nee, eher nicht so…“

„Das ist schwieriger als der Schwur am Abend, nicht wahr?“

„Ja, aber dieses Jahr habe ich den Vorsatz gefasst, meine Vorsätze besser einzuhalten!“

Dabei grinst er mich ein wenig schief an und versucht sichtlich gequält, das witzig klingen zu lassen – wobei er ganz offensichtlich eher befürchtete, dass es wieder nichts wird. Ein wenig erbärmlich wirkt er dabei.

Und das ist der Grund, weswegen ich eigentlich nicht auf diese Vorsätze stehe. Irgendwelche Pläne umzusetzen hat natürlich jeder immer mal wieder vor. Aber mir reicht es, im Rückblick zu sehen, dass irgendwas geklappt hat – oder vielleicht auch nicht so gut gelaufen ist. Für mich wird 2012 auch spannend. Ein neuer Blog, das erste Jahr Ehe, hoffentlich das Loswerden des ersten Buches, noch hoffentlicher ein Stipendium und nicht zuletzt gegen Ende dann das Lachen über die ganzen deprimierten Weltuntergangspropheten, die sich heimschleichen, weil nix passiert ist. Aber davon werden wir im Laufe dieses Jahres hören, nicht jetzt.

Wie haltet ihr es mit Vorsätzen zu Silvester?

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Da ich noch nicht weiß, ob ich morgen groß zum Bloggen komme, wünsche ich euch schon mal einen guten Rutsch und einen feucht-fröhlichen Jahreswechsel. Und ärgert die Taxifahrer in der Silvester-Nacht nicht! 🙂

Maritim-Fail

Es gibt so Fahrten zum Aufregen. Gelegentlich ist das auf die Kundschaft zurückzuführen, manchmal allerdings auf sich selbst.

Als ich neulich an meinen Bahnhof herangegurkt bin, ergab es sich, dass die Wartezeit nur sehr kurz war, da ein entfernt bekannter Kollege seine E-Klasse am Stand zum Stehen brachte und mich und den Kollegen, mit dem ich gerade redete, fragte:

„Kann einer von euch fünfe nehmen?“

„Jepp, ich.“

„Ich hab hier gerade’n Auftrag angenommen, Pariser Kommune. Jetzt sind die aber zu fünft…“

„Kein Problem, wo genau?“

„Nummer 16, die stehen schon an der Straße, sind Vietnamesen.“

Ich dachte mir, dass das eine Konstellation ist, die man kaum verfehlen kann. die Hausnummern kenne ich jetzt ja auch nicht auswendig. Denkste! Aber der Kollge ist mir ohnehin hinterhergefahren und hat mich gleich zu ihnen gelotst. War schon dunkel, Baustelle, bla… man kriegt ja nicht alles mit! Aber sehr nett vom Kollegen, war ja offenbar nicht seine Schuld, er hätte es ja auch auf sich beruhen lassen können. Er ist mit ausgestiegen, hat den Leuten erklärt, dass ich sie jetzt fahren werde, alles gar kein Thema.

„Wo darf’s denn hingehen?“

„Friedrichstraße.“

„OK, wo da genau?“

„Hotel Maritim.“

Es ist jetzt nicht so, dass ich das toll finde, aber ich bin tatsächlich in 3 Jahren niemals am Maritim gewesen. Dafür hatte ich eine Menge Zeit, den Ortskundekatalog wieder zu vergessen… so ungefähr wusste ich zwar schon Bescheid, aber da gerade Busse den Eingang verdeckt haben, bin ich mal eiskalt an einem der bekanntesten Hotels der Stadt vorbeigegurkt 🙁

Und was macht meine Kundschaft?

Die hat mir satte 2,50 € Trinkgeld gegeben und mich gefragt, ob ich sie am nächsten Mittag nicht auch fahren könne – es wäre so nett mit mir gewesen…

Man baut solchen Mist ja nicht täglich, aber ich denke trotzdem manchmal mit Sorge daran, dass es auch bei mir mal die Fahrt geben wird, wo der Kunde ohnehin schon ein Arschloch ist und sich in so einem Fall dann zu Recht bitter beschwert 🙁

Silvester im Taxi

Auch dieses Jahr wird es mich in der Silvesternacht ins Taxi ziehen. Und auch dieses Jahr möchte ich vor der Nacht aller Nächte ein bisschen zur Besonnenheit aufrufen.

Für uns Taxifahrer ist Silvester Himmel und Hölle zugleich. Zum einen haben wir an diesem Tag endlich mal so viele Fahrgäste, wie wir uns nur wünschen können – zum anderen sind fast alle betrunken, fast alle haben schon ewig auf ein Taxi gewartet, ja oftmals bricht sogar Streit unter den Bewerbern aus.

Ich möchte euch – wenn ihr ein Taxi brauchen solltet – bitten, daran zu denken, dass die Fahrer, die sich diese Nacht – in der fast alle anderen feiern – um die Ohren schlagen, die letzten sind, die schuld daran sind, wenn es mal wieder nicht so recht klappen will. In dieser Nacht werdet ihr zumindest die meiste Zeit kein Taxi bestellen können! Es geht nicht! Meist springen uns die Fahrgäste umgehend ins Auto, wenn wir die letzten noch gar nicht losgeworden sind. Da ist nichts mit mal eben drei Kilometer irgendwohin fahren ohne Kundschaft! Zumindest eben meistens nicht.

Seid euch sicher, dass die Kollegen, die wie ich auf der Straße sind, an diesem Abend wirklich besseres zu tun haben, als uns auch noch Streitereien zu geben. Wir verdienen gut dabei, aber es ist eine anstrengende Nacht, das könnt ihr mir glauben. Und ich kann noch nicht einmal aus der Sicht der Kollegen sprechen, die an diesem Tag 15 Stunden runterreißen…

Eigentlich kann ich nur die Tipps vom Vorjahr wiederholen:

1. Schaut doch mal, ob ihr nicht doch einen nüchternen Fahrer im Bekanntenkreis habt. Ich will euch keineswegs vom Taxifahren abhalten, aber wenn ihr die Möglichkeit habt, denkt drüber nach!

2. Wenn euer Ziel eine halbe Stunde Fahrt entfernt liegt, dann rechnet nicht damit, in 40 Minuten dazusein. Rechnet eine Stunde oder anderthalb! Vielleicht werdet ihr eine Stunde ein Taxi suchen müssen und vielleicht sind auch die Bedingungen zum Fahren durch Wetter und Pyrotechnik eingeschränkt. Verzweifelt nicht, seht es als Glücksspiel 😉

3. Bitte bewahrt Ruhe! Wie gesagt: Wir Fahrer auf der Straße sind die ganze Zeit besetzt und rocken eine Fahrt nach der anderen weg. Wer meint, uns dafür auch noch beschimpfen zu müssen, kommt garantiert als Letzter weg. Wenn überhaupt…

So böse das immer klingt: Ich will nur, dass wir diese Nacht alle gut und wenigstens halbwegs zufrieden rumkriegen! Ich freue mich wirklich auf diese Irrsinns-Schicht und ich will niemandem Angst machen. Aber es ist nunmal ein bisschen anders…

Aber wie überall im Leben, läuft es mit Gelassenheit, Freundlichkeit und Bestechung einfach am Besten 😉

Ich werde mich schätzungsweise ab 1 Uhr wieder hinters Steuer klemmen und hoffen, dass der Wagen weder ausbrennt, noch mit einer Reifenpanne liegenbleibt. Alles andere kann ich wahrscheinlich managen. Kommt am ersten Morgen des Jahres 2012 gut und sicher zu Hause an und habt einfach Spaß!