Trinkgeld aus der Schüssel?

Das ist jetzt vielleicht ein etwas verstörender Eintrag. Vor allem für Saarländer.

Es ist nicht viel passiert während der Tour. Ich hab ein paar junge Männer einmal quer von Ost nach West durch die halbe Stadt gebracht, sie standen alsbald sicher und zufrieden vor ihrem Hotel. Der Fahrpreis betrug trinkgeldoptimierte 15,20 € – und tatsächlich wurde mir ein Zwanziger mit der Bestätigung, dass das so stimme, überreicht. Dazu lieferte der zahlende Kunde folgende Aussage:

„So viel Trinkgeld würden sie immer bekommen, wenn sie im Saarland arbeiten würden.“

Nun zum Grund, weswegen ich in diesem Moment irgendwie nicht um ein unangenehmes Grinsen herumkam und weswegen dieser Artikel für Saarländer eventuell etwas verstörend sein könnte:

Unser zweites Klo in der Wohnung hat den Spitznamen Saarland. Da das kleine beschauliche Bundesland in meinem Leben eigentlich nie vorkommt, verwende ich das inzwischen beinahe synonym. Und so waren meine Gedanken beim Statement des Kunden eher ein wenig… durcheinander.

In meinem privaten Blog wird das Saarland hier ganz gut erklärt.

Enn-Öh!

Ganz frisch in der Birne hat der Typ nicht mehr gewirkt, der mich an der Frankfurter Allee unweit des Centers angehalten hat. Ich hab mich gefreut, für die Tour dorthin bin ich ewig am Ostbahnhof gestanden. Da passte mir eine zweite Tour ganz gut rein.

„Sachma, bringste mich nach Kaulsdorf?“

„Klar.“

„Für’n Zehner?“

„Nee, das wird etwas mehr kosten.“

„Aber es regnet. Mehr hab ich nicht. Machste oder machste nicht?“

Er ist schon mal zielstrebig auf die Türe hinten links zugegegangen in der Erwartung, sich gleich hinsetzen zu können. Festpreisanfragen sind das eine. Aber es dann auch noch als Selbstverständlichkeit auffassen, dass der Fahrer einwilligt? Nicht mit mir, sorry.

„Nö.“

„Nö?“

„Nö.“

„Ähm… is zum Bahnhof. Bahnhof Kaulsdorf.“

„Aber nicht für’n Zehner!“

„Nö?“

„Nö.“

„Ja, äh…“

„Ich wünsche dennoch einen schönen Abend.“

„Äh… ok. Dir auch.“

Ja, vielleicht kann man mal eine die Regel bestätigende Ausnahme machen. Aber ich sage es mal so: Es ist nicht so, dass ich nicht auch für manche Fahrten gerne das doppelte des Tarifs nehmen würde. Darf ich nicht, kann ich nicht, mach ich nicht. Nicht an beschissenen Montagen und auch nicht an Silvester. Deswegen bin ich auch relativ kaltherzig bei den gefühlten 30% der nächtlichen Fahrgäste, die der Meinung sind, ihre einzige Taxifahrt in 3 Jahren müsste ich jetzt aber selbstverständlich mit irgendeinem Rabatt belohnen.

Ganz abgesehen von der vielleicht auch manchmal recht unschönen rechtlichen Seite: Ich mach den Job ja gerne und ich bemühe mich, ihn auch gut zu machen. Aber ganz ehrlich: Ich muss auch ein bisschen Geld damit verdienen.

Schlafstörung

Die von euch, die meinem Geschwurbel auch bei Facebook oder Twitter folgen, haben den folgenden Dialogfetzen bereits Ende letzten Jahres mitbekommen. Aber da er so schön war, wollte ich ihn auch hier im Blog nochmal aufgreifen.

Die Situation war folgende: An einer Ecke hab ich 3 Winker aufgenommen, allesamt weiblich. Ein durchgängiges Gespräch wollte sich weder unter ihnen, noch mit mir ergeben. So hat eine der drei Grazien irgendwann ihr Handy gezückt, um mit einer mir unbekannten Person zu telefonieren. Gleich zu Beginn sagte sie dann folgenden Satz, den man sich echt mal auf der Zunge zergehen lassen sollte:

„Hab ich dich gestört oder schläfst du schon?“

Schwarze Schafe

Ein bisschen klischeemäßig war die Tour vom Ostbahnhof zum BKA dann schon. Also bei Leuten in Polizeiuniform, die zum Bundeskriminalamt wollen, ist einfach kein Funken Kreativität mehr zu erkennen 😉

Ich hab den Textbaustein-Bastelkit in meinem Gehirn angeschmissen, was der Fahrt einen lockeren Start gab:

„BKA? Das kriegen wir hin. Wäre sonst ja auch eher nicht so gut, oder?“

„Wie meinen sie das?“

„Naja, wenn ich sie da nicht hinbringen könnte, würde ich wohl den falschen Beruf ausüben.“

„Haha! Kann sein…“

Das Schwierige an diesem Eröffnungszug ist, dass man recht schnell bei den schwarzen Schafen der Branche landet, die eine solche Fahrt dann eben nicht zur Zufriedenheit der Kunden durchziehen. Aber glücklicherweise war mein Fahrgast diesbezüglich doch eher unbeleckt:

„Also ich hab eigentlich immer nur gute Erfahrungen gemacht. Ich kann nichts gegen ihren Berufsstand sagen.“

Das konnte ich nun nicht unbedingt zurückgeben. Meiner sehr subjektiven Erfahrung nach arbeitet die Polizei irgendwie immer gegen mich. Im einfachsten Fall durch ein wenig Inkompetenz, in komplizierteren Zusammenhängen dann doch eher organisiert. Aber das war nicht Thema während der kurzen Fahrt. Ich hab diplomatisch den Kopf aus der Schlinge gezogen und gemeint:

„Das freut mich doch zu hören. Schließlich behält man die schwarzen Schafe doch wesentlich eher im Kopf. Und es ist ja keine Lüge, dass es die gibt.“

Und dann hat er einen einfachen Satz gesagt, der mich doch sehr erfreut hat:

„Da haben sie allerdings Recht! Die gibt es bei uns ja auch zur Genüge.“

Das hat mir gegenüber so direkt noch keiner aus dem Verein eingestanden.

Verkehrsfluss

Es gibt immer wieder Situationen im Taxi, da stellen einen Fahrgäste vor Aufgaben, bei denen wir uns zwischen Kundenservice und Verkehrsregeln entscheiden müssen. Der klassische Fall ist natürlich der verspätete Fahrgast, der uns zu Geschwindigkeitsübertretungen animieren will, um den Zug, den Flug oder die Happy Hour noch zu erwischen.

Die Entscheidung fällt nicht immer leicht, denn es gibt zum einen verschiedene Verkehrsverstöße und zum anderen verschiedene Kunden. Auf der Stadtautobahn zum Flughafen Schönefeld auch mal 90 oder 95 km/h zu fahren statt der erlaubten 80, das passiert einem ja auch ohne Kundschaft mal. Und natürlich will ich meine Kundschaft zufriedenstellen! Denn auch wenn meistens stimmt, dass die Kunden sich selbst in die missliche Lage gebracht haben, so freut man sich als Dienstleister ja doch, wenn man es schafft, sie mit einem bisschen Extra-Engagement da rausholen zu können.

Die dabei versprochenen Trinkgelder erweisen sich zwar regelmäßig als infame Übertreibungen und Lügen, dennoch sind auch im Taxigewerbe die glücklichen Kunden die guten Kunden.

Und so hatte ich neulich mit mir zu kämpfen, als ich in der Warschauer Straße an einer Ampel stand und einer meiner Fahrgäste meinte:

„Oh! Cool! ‚Ne Volksbank! Kannste hier mal rechts halten?“

…und ich stand wirklich ganz vorne links an der Ampel.

Sicher: Mit einem Rotverstoß hätte ich rechts ranfahren können, ansonsten hätte ich den wie üblich aufgestauten Verkehr über Gebühr behindern müssen, um dieses Spielchen mitzuspielen. Also hab ich die Frage verneint. Ich hab angeboten, etwas weiter die Straße runter anzuhalten, bzw. bei der nächsten Gelegenheit eine Runde um den Block zu fahren. Aber klar: Das kostet natürlich ebenso wie das Abheben bei einer anderen Bank.

Da wir ohnehin die Revaler Straße als Ziel hatten, hab ich die dortige Sparkasse vorgeschlagen – ein Vorschlag, der für mich als Fahrer mit der Frage, in welche Richtung es gleich geht, ziemlich langsam entschieden wurde. Immerhin hat die Kundschaft es eingesehen, da sind nicht alle so locker drauf.

Hätte ich im Vorfeld schon gewusst, dass wir an einer Bank, einer Volksbank gar, anhalten müssten, dann hätten wir das natürlich auch hinbekommen. Aber so sehr man es sich im Einzelfall vielleicht als Kunde (oder auch Fahrer 😉 ) mal wünscht: Taxen haben keine Sonderrechte im Verkehr, abgesehen von der Benutzung der ein oder anderen Busspur und dem Anhalten an der rechten Straßenseite! Wir müssen uns auch an die Regeln halten und sind abgesehen von ein bisschen Routine im Umgang mit dem Verkehr sind auch wir nicht total unanfällig für Stress. Ich hoffe, das ist soweit verständlich.

Draufzahlen

Kunden sind zweifelsohne ein rätselhaftes Völkchen. Ein Kollege erzählte mir folgendes Kleinod aus den letzten Tagen:

Ein Typ sei bei ihm eingestiegen zu einer mittelkurzen Tour. Am Ende fragte er, was er zu zahlen hätte. Der Kollege stoppte die Uhr und meinte:

„8,80 €.“

Die Antwort war ein wenig überraschend:

„Ich kann dir auch einen blasen. Aber da musste noch draufzahlen!“

Da ich diese Vergleiche so liebe: Hat irgendjemand sowas schon mal in einer Bäckerei mitgekriegt? Ich hab nämlich irgendwie die Befürchtung, das passiert wirklich nur im Taxi…

Wenigstens Auswahl!

Er hat mir sein Fahrtziel genannt und meinte, während ich das Taxameter angeschaltet habe:

„Du kannst hier dein Dings auch auslassen. N‘ Zwanni kriegste. Kannst’s dir aussuchen!“

N‘ Zwanni! Für etwa fünf Kilometer Strecke. Na da war ich aber ziemlich gespannt. Festpreisler hatte ich schon lange nicht mehr in erwähnenswerter Form im Auto. Selbst der Kerl hat keine Anstalten gemacht, mich überreden zu wollen. Meine Entscheidung sollte es also sein.

Selbst wenn man den rechtlichen Aspekt mal außen vorlässt und behauptet, dass man ja eh nicht erwischt wird:

Warum wollen die Leute mir eigentlich immer gönnerhaft vorschlagen, meinen Chef zu bescheissen? Wegen der paar Euro! Zumal eine erstaunliche Schnittmenge zwischen den Leuten besteht und denen, die mich bemitleiden, weil ich ja nur einen Opel fahre…

Aber das Thema ist echt ein wenig ausgelutscht, ich hab auch nichts mehr dazu gesagt. Was die Fahrt dennoch hier landen lässt, ist die Tatsache, dass er mir wirklich den Zwanziger gegeben hat. Für 11,80 € auf der Uhr. Denn im Normalfall erlischt die Gönnerhaftigkeit dann doch, wenn die Menschen sehen, dass die Fahrt ja eigentlich viel günstiger ist.

Jetzt hab ich von den 20 € etwa 13 bekommen und meinem Chef bleiben als Gewinn vielleicht ein oder zwei übrig. Mal ganz ehrlich: So könnte es doch immer laufen 🙂