So tun …

„Guten Abend, junger Mann!“

„Guten Abend.“

„Wollen Sie uns mitnehmen?“

„Sehr gerne doch. Und, um ganz ehrlich zu sein: ich muss sogar.“

„Ach? Sie könnten doch aber auch einfach so tun, als seien Sie kein Taxi.“

0.o

Da wusste ich auch nichts mehr drauf zu sagen. Auf solche Ideen können einen aber auch echt nur Kunden bringen.

Gemeiner Sash!

Ich hab mich dieses Wochenende ziemlich sicher bei einem Kollegen unbeliebt gemacht. Ich hatte allerdings keine Ahnung. Als ich in der Wiener Straße auf Höhe der Lausitzer wenden wollte, war an sich kein Ding. Da hatte ich auch eindeutig Vorfahrt vor dem Kollegen, der bereits an der rechten Seite wartete. Für einen Moment dachte ich noch, dass es mich ja ein bisschen nerven würde, wenn sich so auf den letzten Drücker noch ein freier Kollege vor mich quetscht, aber dann war ich auch schon abgelenkt: Direkt beim Wenden nahm ich von den zwei Leuten am Straßenrand ein – Ja! Ein Winken! Juhu, Kundschaft! Äh, wo waren wir?

Genau so war es. Ich hielt also kurz und die Kunden stiegen ein. Dass ich ein paar Meter an ihnen vorbeigefahren bin, entschuldigte ich umgehend:

„Sorry, ich war mir nicht ganz sicher, ob sie gewunken haben …“

„Ja, äh, haben wir auch, also nicht so direkt. Eigentlich haben wir dem Kollegen gewunken, aber uns ist es ja letztlich egal, welches Taxi wir nehmen.“

Das ist fies. Ich hab mich aus der anderen Perspektive auch schon über sowas aufgeregt. Denn: Ja, für die Kunden ist es natürlich egal. Und im Optimalfall läuft das Taxigeschäft halt so. Für uns Fahrer ist es halt leider nicht so egal. Wir freuen uns über jeden Kunden der uns anhält und wir haben einfach nullkommagarnix davon, dass der Kollege XY jetzt Umsatz macht, während wir leer ausgehen. Insofern tut es mir bei aller Rechtmäßigkeit etwas leid, ich wollte dem Kollegen die Fahrt nicht abluchsen.

Aber ich muss auch mal „Wow!“ sagen am Ende: Alleine die Tour hat fast einen Zwanni gebracht. Insgesamt hab ich in der Folge 75 € in zwei Stunden eingefahren – das liegt schon auf gutem Wege in Richtung Silvesterschicht. Ich hoffe, besagtem Kollegen ging es genauso. Manchmal sind es ja auch die nicht angenommenen Touren, die den Auftakt zu einer Serie geben. Glücklicherweise weiß man das ja nie.

Schicksal, alte Arschkrampe!

Ich liebe es so, wenn mal alles läuft, wie es soll. Ich stand auf der Danziger, Ecke Kollwitz. Fahrtrichtung Osten. Während die Ampel noch rot war, schiebt sich ein ebenfalls freier Kollege auf die linke Spur neben mir. Kaum, dass die Ampel grün wird, drückt er das Gaspedal voll durch und zieht mir davon …

Zunächst dachte ich, er will vielleicht 100 Meter weiter links ab in die Prenzlauer Allee. Aber nix da. Er hat die Ampel einfach mal genutzt, um mich überholen zu können. Was mal unter aller Sau ist. Außer egoistischem Arschlochgeprolle gibt es nichts, was dafür spricht, sich nicht an die Regel, keine freien Taxen zu überholen, wenn man selbst frei ist, zu halten. Natürlich nerven einen auch mal Kollegen, die gefühlt zu langsam vor einem herzuckeln, aber dann ist das halt so.
Die Situation dort vor Ort ist noch dazu in anderer Hinsicht doof. Zu manchen Stunden sind die Ampeln dort so scheiße geschaltet, dass man von der Ampel an der Kollwitzstraße direkt auf die an der Greifswalder trifft, wenn sie auf Rot schaltet. Man muss auf den 100 Metern schon auf 60 oder 70 hochbeschleunigen, um sie bei der Schaltung gerade noch bei Gelb zu kriegen. Das schaffe ich zugegebenermaßen mit meinem Auto gar nicht. Oder ja, vielleicht irgendwie ganz knapp gerade so … es war mir immer zu eng, um es zu versuchen.
Was, bei allem Ärgernis übers Warten, immer noch kein Grund ist, mich zu überholen. Ich bremse schließlich auch manchmal, um mich hinter einem Kollegen einzureihen. Wäre ja noch schöner, wenn künftig die Motorgröße oder die zufällige Anfangsgeschwindigkeit über die Vorfahrt entscheidet.

Und was passierte nun?

Naja. Während ich bereits wieder runterbremste, weil die Ampel vor mir auf gelb schaltete, drückte der Kollege, inzwischen gut 30 bis 40 Meter vor mir, nochmal voll das Gaspedal seiner E-Klasse durch. Fast exakt zeitgleich mit seinem Passieren der Haltelinie reckte ein erstaunter Fahrgast am Fußgängerweg der Ampel seine Hand. Ich hab für den Hauch einer Zehntelsekunde die Bremslichter des Daimlers aufleuchten sehen. Aber der „Kollege“ sah wohl ein, dass eine Vollbremsung bei dem Tempo ihn wohl nur irgendwo mitten auf der Kreuzung ins Schleudern hätte geraten lassen. Also bin ich dem über das andere Taxi etwas irritierten Kunden entgegengefahren und habe – die Ampel war ja sowieso rot 😉 – vor ihm gehalten und ihm mit seinem Gepäck geholfen. Soll das Arschloch von Taxifahrer doch Vorsprung haben, so lange ich Kundschaft habe. 😀

Es wurde eine sehr unterhaltsame Tour zum Hauptbahnhof. Nichts aufregendes, aber 11 € plus Trinkgeld, dazu ein in Österreich lebender Amsterdamer auf dem Weg nach München mit viel Reiseerfahrung und netten Berlin-Anekdoten. Hat mir finanziell zudem bis auf 2 € an mein Tagesziel herangereicht. Manchmal zahlt es sich halt doch aus, einer von den Guten und nicht einer von den Schnellen zu sein …

Lautlos

„Das gibt es doch gar nicht!“

Doch, hundertpro! Und zwar wahrscheinlich im Taxi. Auch wenn selbst meine haarsträubendsten Geschichten eigentlich immer noch halbwegs normal sind, meist sogar legal und und und … man lernt beim Taxifahren, dass es nichts gibt, das es nicht gibt. Hier mal wieder was harmloses, aber für mich neues: Ich hab lautlos abkassiert. Also ohne Worte, ohne Klimpern, alles so leise wie möglich.

Das war scheinbar „notwendig“, denn einer meiner Fahrgäste hatte Zoff mit seiner Freundin und musste dieser am Telefon irgendeine nicht so ganz wahre Story auftischen. Also galt kurz vor dem endgültigen Stopp:

„Können wir bitte mal kurz so tun, als seien wir nicht im Taxi!?“

Ich werde mich sicher hüten, für jemanden zu lügen, ohne wirklich Ahnnung davon zu haben, wo ich reingerate. Aber mal die Klappe halten … warum eigentlich nicht? 🙂

Voll verarscht … oder so.

Genial: Eigentlich wollte ich zum Berghain, aber als ich auf dem Weg am Ostbahnhof vorbeifuhr, stand kein einziges Taxi am Stand. Dafür aber drei Jugendliche. Die hatten zwar „nur“ eine Tour zum Watergate, aber da ich ja nicht warten musste, war ich regelrecht erfreut. Ich fuhr los und nach drei Sätzen einleitenden Geplänkels meinte mein Beifahrer:

„Ja, unsere Kumpels sitzen da vorne in dem Mercedes von deinem Kollegen. Wieso hast Du eigentlich keinen Mercedes? Willst Du uns verarschen?“

„Nee, das nicht. Aber hey: Wie viele Kumpels sitzen denn da drin?“

„Auch drei.“

„Dann herzlichen Glückwunsch: In meinem Auto hätte ich Euch alle auf einmal mitnehmen können …“

Man bekommt ja selten Gelegenheit, die Vorzüge seines Autos mal an derart passender Stelle so auf dem Silbertablett servieren zu können. 😉

Ausgehen in Berlin

Nicht ins Berghain reinkommen – das passiert nun ja einigen Touristen. Die wenigsten sehen es so gelassen wie die fast noch jugendliche Truppe, die ich eine Stunde zuvor im Auto hatte. Sie hatten zwar nicht unbedingt jenen Plan B, den ich der harten Türpolitik wegen allen Leuten empfehlen würde, aber sie hatten sich bereits durchs halbe Internet gegoogelt und hatten jede Menge Ideen und Vorschläge. Einer davon war das Kitkat. OK. Wie wild es da wirklich zugeht, und ob an jenem Tag irgendeine besondere Veranstaltung war, weiß ich nicht. Wirklich überregional bekannt ist der Club allerdings vor allem wegen der dort gelebten sexuellen Freizügigkeit in allerlei Richtungen, und danach sahen die Jungs nun so eher weniger aus.
Gut, des Aussehens wegen braucht man keine Vorurteile haben – ich hab da bislang auch nur Leute hingebracht, bei denen es mich nicht wundern würde, sie morgen in der Bank als Kundenbetreuer zu sehen. Aber da mir als Alternativziele die üblichen Verdächtigen (Tresor, Watergate und sogar das Matrix) genannt wurden, war ich froh, dass sie sich letztlich zum Tresor bringen ließen. Was ja ohnehin direkt ums Eck war.

Wie der Zufall es so will, hatte ich nun, eine Stunde später, Kundschaft aus dem Berghain im Wagen, die ganz offensichtlich allerlei Abenteuern nicht abgeneigt war. Ob heute im Kitkat was los sei, wollten die beiden Kerle wissen. Ich verneinte, musste aber zur allgemeinen Belustigung anführen, wie ich kurz zuvor die Kiddies dort nicht hingebracht hatte. Einer der beiden fasste das dann so zusammen:

„Jaja, das Kitkat. Als ich das erste Mal da war, war ich etwas geschockt. Ich wollte nur kurz auf’s Klo und da lag dann ein Typ in Ganzkörper-Latexkostüm im Pissoir und hat mich angefleht, ihn anzupinkeln …“

Nein, ich schätze, das wäre doch etwas mehr gewesen, als sich die anderen vom „Ausgehen in Berlin“ so erhofft hatten. 😉

Wenn, dann richtig …

Ach herrje! Das war so ein Tag, der scheinbar nicht mehr zu retten war. Und er hatte gerade erst angefangen! Quasi. Ganze anderthalb Stunden stand ich doof am Bahnhof rum und kam einfach nicht weg. So sehr Wartezeit auch zum Job gehört, so wenig hab ich mich in den bislang knapp 5 Jahren daran gewöhnt. Um kurz vor 10 Uhr jedenfalls kam dann doch meine erste Fahrt zustande. Immerhin nicht gerade eine Kurzstrecke: Bis an die Grenze von Pankow sollte es herangehen. Nur die südliche, aber hey – immerhin 16 €!

Und dann überlegte ich, was ich tun sollte. Bahnhof lohnte sich offenbar (noch) nicht, aber auf den Straßen war viel los. Also vielleicht mal die Schönhauser, die Tor- und Oranienburger Straße entlanggurken …

Doof war das nicht, denn bereits in der Schönhauser zuckte ein Arm, woraufhin ich neben einem Mittfünfziger mit Schnauzbart, langen Haaren und Hut hielt. Cowboyesk lupfte er den Hut mit zwei Fingern, begrüßte mich und sagte, er müsse zum ZOB. Nee, is‘ klar! Eine gute 20€-Tour, ohne Wartezeit, nicht nach jwd, es war abgesehen von der katastrophalen Baustellenlage in Mitte absolut nichts, was an dieser Tour nicht perfekt gewesen wäre. Sogar der Typ war recht lustig. Neben seinem etwas kuriosen Auftreten war er nämlich auch noch Bayer mit entsprechendem Dialekt. Und was macht ein Bayer mit Cowboyhut nachts auf der Strecke? Richtig: Heimfahren. Er war auf dem Konzert einer Band, die älter war als er selbst, und nun ging es mit einem Nachtbus zurück zur Familie.

Die Route, die ich mir gedanklich zurechtgepfrimelt hatte, war trotz Baustellen eigentlich ok. Dummerweise standen wir derentwegen ziemlich oft irgendwo in der Gegend rum. Doch während ich den Groll meines Fahrgastes befürchtete, taute der erst einmal auf und freute sich, wenigstens mal wieder kurz in Berlin zu sein. Damals, Studium, West-Berlin, diese Geschichten. Dafür kannte er sich noch ziemlich gut aus, erzählte mit blendender Laune diese und jene Anekdote und verwarf die Sorgen mit der Eile: um 23 Uhr sollte der Bus fahren. Und mehr als eine Dreiviertelstunde würden wir ja auch niemals brauchen.

Wohl wahr, aber ganz alltäglich blieb die Fahrt nicht. Wie schon letztes Mal war es am Ernst-Reuter-Platz, als fast unmittelbar vor meiner Nase abgesperrt wurde, um einer ausgedehnten Polizei- und Limousinenkolonne Platz zu machen. Dieses Mal allerdings dauerte das Ganze noch länger, so dass selbst mein Fahrgast anfing zu überlegen, ob man nicht „mit Wenden und dann da hinten und über die Kantstraße“ irgendwie anders ans Ziel käme. Aber wie immer: Sobald man sich gedanklich ernsthaft an eine Lösung macht, isses auch schon vorbei.

Am Ende waren es wirklich nur noch 10 Minuten, die mein Kunde bis zu seinem Bus hatte. Immerhin kein ewiges Warten. Ich bin auf dem Rückweg Richtung Osten der Kolonne nochmal über den Weg gefahren. Da kam sie gerade aus dem Spreeweg. War also wahrscheinlich der Bundespräsident. Der dürfte meinetwegen auch gerne mal irgendwo warten. Andererseits: Seine Kundschaft wünsche ich mir auch nicht unbedingt …