Guter Anfang …

So kann es gehen: Ich fuhr zu Schichtbeginn zum Sisyphos und fand mich erschreckend alleine dort wieder. Was aber kein Problem war, da ich sofort rangewunken wurde. Perfekt! Die Tour ging zum Berghain und war dank eines Bankbesuchs zwischendrin schon 15 € wert. Der Teil bis dahin wurde umgehend bezahlt, dann aber wollte einer der illusteren Truppe noch seine Klamotten wechseln.

Ich hab ihm ganz uneigennützig vorgeschlagen, doch gleich mit mir weiterzufahren, da das deutlich billiger sei, als gleich ein anderes Taxi zu nehmen. Mit Erfolg. Und wohin ging’s? Zum Markgrafendamm. Für die Ortsunkundigen: das ist vom Berghain aus etwa zwei Drittel der Strecke zum Sisyphos zurück …

Damit aber nicht genug. Ich sollte kurz draußen warten und dann wieder zum Berghain fahren. Eine nette Zickzacktour, die mich mit 25,80 € auf der Uhr direkt an einer meiner Lieblingshalten aufschlagen ließ. Perfekt! Da ja trotzdem immer irgendwas ist: dass ich die Tour in zwei Etappen bezahlt bekam, war nur so semilustig – zwei Fuffis bei der ersten Tour. -.-

Aber wer will sich schon ärgern, wenn dann am Berghain nicht einmal ein Kollege (!) steht und man umgehend bezahlt weiterfahren kann?

Ich sag’s gelegentlich zur Erdung der Mitlesenden: Leider ist das alles andere als normal in unserem Gewerbe. Aber wenn’s mal so läuft, entschädigt das für so manche flaue Stunde …

Überraschung!

Öfter mal was neues! Man hält sich ja an, nicht immer nur den selben Quatsch zu machen.

Ich – als Inbegriff eines Gewohnheitstieres – komme nicht so oft von selbst auf neue Ideen, kann aber immerhin recht sicher sein, dass meine Fahrgäste da auch von alleine für sorgen. So hatte ich ja nun schon einige Leserfahrten mit Euch – allen bisher aber war gemein, dass ihr davon wusstet. Nun ergab sich die Chance, daran etwas zu ändern. Was gar nicht so leicht war.

Vor einiger Zeit nämlich meldete sich Felicitas Then bei mir. Das; traurigerweise, wenn man ehrlich ist; nicht etwa, um für mich zu kochen, sondern um mich zu fragen, ob wir es irgendwie hinkriegen würden, dass ich als Überraschung zum Geburtstag ihres Freundes Tammo auftauchen würde. Und das gestaltete sich nicht so leicht wie gedacht, denn handelsübliche Geburtstage haben den Nachteil, außerhalb meiner Arbeitszeiten zu liegen.
Am Ende waren es zwei Telefonate und mehrere Mails, bis der Plan stand, einmal wurde sogar mein Schlaf vorzeitig beendet. Aber zu guter Letzt stand ich als Überraschung mit einer noch erstaunlich kühlen Flasche Sekt in Kreuzberg und habe mal wieder zu spät gemerkt, dass Aliens sich wie vor jeder Fahrt mit anschließendem Foto meiner Frisur bemächtigt hatten.

Ganz sicher entspannter als am Vorabend, als die beiden damit beschäftigt waren, 300 Burger fürs Hoffest des regierenden Bürgermeisters anzurichten, standen sie dann pünktlich vor mir und dank viel Selbstdisziplin bin ich wohl eine gute Wahl gewesen. Die Tage davor hätte ich nämlich gerne irgendwas angedeutet, aber wie soll man das machen, wenn man weiß, dass es insbesondere von der Person gelesen wird, die es zu überraschen gilt?

So gesehen ist nicht nur vom Überraschungen nicht ganz so sehr mögenden Geburtstagskind sondern auch von der Überraschung selbst einiges an Spannung abgefallen, als wir letztlich fröhlich plaudernd zu dritt in der 72 saßen. Am Ende sind es zwei Fahrten geworden, beide schön – gerade im Vergleich zur sonst sehr mauen halben Schicht.

Gut, darüber, dass ich in einem Anflug völliger geistiger Umnachtung einmal beinahe 4 € Wechselgeld zu wenig rausgegeben habe, sollte ich vielleicht besser schweigen, aber sonst glauben ja wieder alle, sowas passiere mir gar nicht. Da will ich meinem Aufklärungsauftrag dann ja doch auch nachkommen. 😉

Wäre die angedachte dritte Fahrt noch zustande gekommen, wäre ich in dem Abend mehr Privatchauffeur als Taxifahrer gewesen, was eigentlich ganz ok war. Insofern, an Felicitas gerichtet: wenn das mit dem eigenen Chauffeur irgendwann klappt, sieh‘ das hier einfach als Bewerbungsschreiben! 😀

Und nun, abschließend, wie sicher schon erwartet: das Beweisfoto (dafür, dass sich schon wieder Aliens an meiner Frisur zu schaffen gemacht haben)

Sash, Felicitas, Tammo. Quelle: auf Autodach abgestellte Kamera.

Sash, Felicitas, Tammo. Quelle: auf Autodach abgestellte Kamera.


Volle Jungs machen halbe Sachen

Und dann auch noch ausgerechnet beim Bezahlen!

Gut, beim Bezahlen kann eine Menge schief gehen – sogar wenn niemand die Gegenseite über den Tisch ziehen will. Und das war bei den beiden Typen so. Aufgegabelt haben sie mich an einer Ampel im Berliner Nordosten und wollten nach Lichtenberg. Eine problemlose Fahrt von knapp über 5 Kilometern. War nicht ganz der kürzeste Weg, dafür aber haben wir es bei nur zweimal abbiegen belassen.Ohne insbesondere auf den sehr besoffenen der beiden zu hören, hätte ich es sicher für unter 11 € geschafft, so standen halt 11,80 € auf der Uhr. Große Dramen sehen anders aus. Mir wurde ein Zwanziger gereicht und ich gab schon mal das Wechselgeld raus, bis mir eine, nun ja, geringfügige Unzulänglichkeit des Geldscheins auffällt: Er hatte, anders als seine Artgenossen in meinem Portemonnaie, keine zwei Hälften, sondern eine. Mit anderen Worten: er war nicht, wie ich zunächst dachte, gefaltet, sondern durchgerissen.

Da sich bekanntlich mit einem halben Schein nix anfangen lässt – bei einer so sauberen Trennung in der Mitte mit keiner der beiden Seiten – bin ich von einem Versehen ausgegangen und hab dem Nüchterneren (der auch bezahlt hatte) den Schein hingehalten.

„Schätze, da fehlt leider noch was.“

Er stierte den halben Schein an, und stellte fest:

„Öh, ja. Ein halber Zwanni quasi.“

Sein Kumpel hat überhaupt nicht begriffen, worum es ging und nebenher angefangen, darüber zu philosophieren, wie bei 11,80 € ein halber Zwanni fehlen könnte. Der letztlich nur in Maßen zurechnungsfähigere Geldgeber fragte indes, was er jetzt tun solle. Ich gab ihm den naheliegenden Tipp, vielleicht mal nachzusehen, ob er die andere Hälfte noch hätte.

Und siehe da:

Bisschen Klebeband, und der sieht wieder aus wie neu! Quelle: Sash

Bisschen Klebeband und der sieht wieder aus wie neu! Quelle: Sash


Tage wie diese Nacht

Autsch.

Ich hab mich gestern – mein Taxi-Wochenanfang – erst spät aufgemacht, die Straßen zu erobern. Das war auch ok, denn ich hatte prima ausgeschlafen, danach ein paar Dinge im Haushalt erledigt und war sowieso noch ziemlich guter Laune, weil mir in der Nacht zuvor endlich mein Buchvertrag zugegangen war. \o/

Um 21 Uhr statt 19 Uhr zu starten war da schon ok. Dann halt erst um 3 Uhr heim und nicht schon um 1 Uhr.

(Nicht wundern: Donnerstag ist bei mir immer nur eine halbe Schicht eingeplant!)

Danach folgte lange Zeit nix. Zwei Touren mit je rund 7 € und ein paar Cent Trinkgeld, die erste sogar gleich noch mit einem Hunderter beglichen … wahrlich zum Abgewöhnen!

Da man aber wie immer selten eine ganze (halbe) Schicht lang der Arsch vom Dienst ist, hatte ich in der Zeit wenigstens zwei Anfragen nach Touren – später am Abend. Eine von Marzahn aus, eine von Schönefeld aus, eine Anfrage via SMS, eine via Twitter. Und beide nur eine halbe Stunde hintereinander. Ja, puh …

Aber es hat geklappt. Mal abgesehen davon, dass ich Leerkilometer runtergerissen hab, die die Schicht an die Grenzen der Rentabilität geführt haben (gut, dass mein Schnitt sonst in Ordnung ist!), hab ich’s gepackt. Die erste Tour startete verfrüht, die zweite verspätet, und dazwischen war das Radio laut. Zwei nette Fahrgäste und außerdem mal eben 75% des Schichtumsatzes. Damit ist der Abend dann noch halbwegs sowas wie im Normbereich gelandet.

Bin ich froh, Leser zu haben! 🙂

Wechselgeld mal andersrum

Ich hab ja schon oft geschrieben, dass wir Taxifahrer nicht viel Wechselgeld dabei haben. Ich finde das selbst nicht toll, aber dank der immer noch ungefähr täglich stattfindenden Überfälle – alleine in Berlin – ist es sinnvoll. Für den einzelnen Fahrer natürlich kein Bisschen, für die Kunden noch weniger – aber eben in der großen Masse. Je erfolgloser Taxiüberfälle sind, desto eher wird ihre Zahl zurückgehen – man muss nicht studiert haben, um diese Idee nachvollziehbar zu finden.

Und nun stand ich an der Tanke und hab mit der üblichen lahmen Geschwindigkeit Erdgas in den Tank der 89 pressen lassen. An der Säule gegenüber hielt ein mir unbekannter Kollege, und wie man halt so ist: man grüßt einander. Daraus wird in der Regel nicht einmal Smalltalk, aber jener Kollege fragte mich dann was, was ich ungelogen noch kein einziges Mal bisher gehört habe:

„Sach ma‘, brauchste vielleicht kleine Scheine?“

Natürlich isses angenehm, zur Abrechnung beim Chef nicht nur Fünfer mitzubringen. Aber Taxifahrer, die ihre kleinen Scheine gerne, freiwillig und ohne Anfrage gegen große tauschen … das war wirklich ein Novum für mich. Aber hey, einen Fünfziger kleinwechseln wollte ich so oder so an der Tanke … 😉

Erpressung light

Sie waren wirklich nett, da kann man nix sagen. Aber beim Bezahlen …

„OK, dann wären das 8,80 €.“

Zähl, zähl, raschel, klimper.

„Also wir hätten hier einen Hunni. Oder halt nur 7,50 €.“

Und nun folgte aus der Reihe „Dinge, die ich selten sage“:

„Schon ok, der Hunni passt prima …“

Bei der vorletzten Tour geht das ja alles locker von der Hand. Aber bitte, Leute: Das kann auch schiefgehen! Und es ist laut Taxiordnung der Kunde, zu dessen Lasten man irgendwo hinfährt, um Wechselgeld zu bekommen …