Mittendrin statt nur dabei

Das ist ein Slogan, der aufs Taxifahren wesentlich eher zutrifft als aufs Sportfernsehen. So manches Mal ist man mitten drin in einer Party, einer Beziehungskrise oder einer spannenden Diskussion. Manchmal auch durchaus ungewollt.

Im Großen und Ganzen weiß ich zu schätzen, dass die Leute in der gefühlten Anonymität des Taxis mal eben alles loswerden, was sie bedrückt – oder weiterfeiern als wären wir noch im Club. Neulich hatte ich erst ein Gespräch mit einer Psychologin (Wofür Termine? Die fahren ja auch Taxi 😉 ) und die meinte, ich hätte ja den großen Vorteil, keine Schweigepflicht zu haben. Oh ja, was würde mir mein Blog fehlen, wenn es so etwas gäbe!

Aber alles ausplaudern kann ich auch nicht. Ich würde ja gerne erzählen, bei welchem Verein der Fußballer kickt, der hackevoll vom Matrix zur Bank gefahren werden wollte und erklärte:

„Ich verdien 500.000 € im Jahr. Ist mir doch egal, was die Fahrt kostet!“

Da gibt es natürlich Grenzen. Oder die Mitarbeiter einer großen Firma, die über einen Kollegen sagten, dass sie es nicht aushalten würden, wie dieser direkt gegenüber der Firma zu wohnen und auf den Schriftzug des Arbeitgebers zu blicken… das sind so Dinge, die ich in ihrer ganzen Pracht dann doch auch alleine genießen muss – alles andere wäre unfair!

Was ich aber kann – und darüber bin ich sehr froh! – ist, obwohl in einer Beziehung lebend, darüber reden, dass ich derletzt nach langer Zeit mal wieder einen Kuss als Dankeschön akzeptiert habe für eine Anfrage nach einer Adresse. Ist vielleicht ein bisschen viel Mittendrin, aber Spaß muss bekanntlich sein 😉

„Der totale Taxi-GAU“

Es ist in diesen Tagen vielleicht nicht unbedingt angebracht, wegen solcher Kleinigkeiten wie dem Taxifahren von einem GAU zu sprechen, aber das ist die Wortwahl meiner Kundin. Die stand da, ich war noch gar nicht richtig losgefahren, am Straßenrand, konnte ihre aufgewickelten langen Dreads kaum bändigen (was sie mir im Übrigen sympathisch gemacht hat) und winkte. Einfach so. An einem miesen Mittwoch.

Im Übrigen sei angemerkt, dass ein GAU ja immerhin ein Ereignis ist, mit dem zu rechnen und das zu beherrschen ist. Da wird ja derzeit in der Berichterstattung um Japan auch viel Schindluder getrieben mit den Worten GAU und Super-GAU. Aber das nur nebenbei. In dem Fall hilft nämlich schon Wikipedia.

Bei meiner Kundin war es schon von der Sache her harmloser, denn bei allem Mist, den ich mit meinen Kollegen manchmal verzapfe: Mit havarierten Kernkraftwerken kann wahrscheinlich keiner von uns mithalten.

Was also war der Taxi-GAU?

Sie stieg bei mir ein, telefonierend, und fragte gleich:

„Du bist aber nicht bestellt, oder?“

„Nein…“

Daraufhin wandte sie sich dem Gesprächspartner zu und meinte:

„Nein, ist nicht das bestellte Taxi. Gut, ok. Dankeschön.“

Da bin ich ja erstmal hellhörig geworden. Fahrtenklau geht schließlich gar nicht, und auch wenn es verdammt schön ist, ein paar hundert Meter nach Schichtbeginn einen Winker zu haben: So kollegial, die Fahrt abzulehnen, muss man sein.

Also erzählte sie kurz, dass sie wie immer erst auf die Straße gegangen ist, weil dort ständig Taxen fahren würden. War auch eine große Hauptstraße. Natürlich kamen just jetzt keine Kollegen vorbei. Daraufhin hat sie einen Wagen bestellt.
Genau nachdem sie dies getan hat, tauchten zwei Kollegen auf. Jetzt kommt dann der Teil, weswegen ich sie so schätze:

„Da hab ich natürlich nicht gewunken. Ich hab Freunde, die selber Taxi fahren. Die haben mich erzogen, da artig zu sein!“

Und danach passierte – die Kollegen erahnen es bereits – nichts mehr. Das bestellte Taxi kam nicht. Ich weiss nun nicht genau, wie lange sie gewartet hat – allerdings hatte sie beim Einstieg in mein Auto just die Funkzentrale am Telefon, die die Fahrt abgeschrieben hat und nur kurz nachgefragt haben wollte, ob ich vielleicht der bestellte Fahrer bin. War also sicher nicht nur eine Minute her, dass sie bestellt hat.

Ich hab sie also mitgenommen. Mir sind im Umfeld auf Anhieb drei Taxihalten bekannt, von wo aus die Anfahrt niemals über 2 Minuten dauern kann, also nehme ich an, dass ein freier Kollege auf der Straße die Tour angenommen hat, und dabei – soll ja angeblich gelegentlich passieren – eine „etwas optimistische“ Zeit genannt hat, in der er es dann nicht geschafft hat. Die Halten selbst sind in diesem Fall sicher nicht direkt angesprochen worden, weil es sich um einen „Handy-Auftrag“ gehandelt hat.

Kurze Erklärung für die Unwissenden: Die Funkzentrale (im Falle vom Sprachfunk – für den Datenfunk kann das gerne ein Kollege in den Kommentaren erklären. Aro?) gibt den Auftrag normalerweise zunächst an den nächsten Taxistand weiter. Dort dürfen sich dann die Kollegen melden, die dort stehen. Derjenige, der an vorderster Position steht, bekommt den Auftrag. Meldet sich dort keiner, wird der Auftrag an den zweitnächsten Stand weitergegeben – hier dann das selbe Procedere.
Sollte dies erfolglos sein (Keine Taxen am Stand, bzw. kein Fahrer meldet sich) ODER es ist ein „Handy-Auftrag“ (also die Person steht schon an der Straße) kann sich theoretisch jeder Taxifahrer auf den Auftrag melden. Dabei muss er angeben, wie schnell er da sein kann. Auch hier erhält der „Nächste“ den Zuschlag. Wenn ein Fahrer sich meldet und seine Fahrtdauer zum Ort des Kunden nennt, dürfen sich nur noch Kollegen melden, die mindestens 3 Minuten schneller dort sind. Mit anderen Worten, wahrscheinlich ist die häufigst genannte Minutenzahl im Funk 3.
Denn wenn ein Kollege funkt

„Taxe xyz in 3“

dann bekommt er den Zuschlag. Also ist es – obwohl die Funkzentrale durchaus Sperren für mehrmalige Verstöße verhängt – natürlich beliebt, sich näher an die Kunden heranzulügen, denn ansonsten besteht ja die Gefahr, dass man den Auftrag an einen Kollegen in der Nähe verliert. Das Ganze geht dann nicht nur zu Last der betrogenen Kollegen, sondern natürlich auch des Kunden. Denn der bekommt natürlich mitgeteilt, dass sein Taxi in 3 Minuten da ist, und wenn der Kollege dann 10 Minuten braucht, ist der Frust natürlich groß.

Mit anderen Worten: Wenn es – was wahrscheinlich ist – in dem Fall so war, dann war es schon ok, dass ich die Kundin eingesackt habe. Die Zentrale hat dem Kollegen dann mitgeteilt, dass die Kundin weg ist und ihn ggf. noch gerügt für seine unwahre Zeitangabe.

Die Tour war dann furchtbar nett. Ganze 18 € hat sie gebracht, und ich hab wirklich selten so lange und ausführlich mit jemandem im Taxi geredet. War echt schade, dass es keine richtige Ferntour war 🙂

So viel also zum GAU der Kundin: 2 mal Geduld bewiesen und dann doch das falsche Taxi (mit dem immerhin hoffentlich genau richtigen Fahrer 😉 ) bekommen.

Ich möchte an dieser Stelle aber auch noch was zu der Problematik mit den geklauten Fahrten sagen. Ich hab da als Nichtnutzer meines Funkgerätes natürlich eigentlich nie was mit zu tun. Höchstens mal – wie jetzt – auf der „Gewinnerseite“. Aber da es ein Ärgernis für viele Kollegen ist, kann es hier ja ruhig auch mal Thema sein.

Berlin hat de facto noch 2 Funkzentralen. Die eine davon ist zwar auch wieder ein Zusammenschluss von mehreren, aber sie ist unter all diesen Nummern erreichbar. Abgesehen von der verurteilenswerten schamlosen Abzocker-Mentalität so mancher Kollegen scheint mir indes tatsächlich auch der Auftritt der Zentralen ein Problem zu sein. Gerade die zusammengewürfelte Große wirbt auf ihrer Seite beispielsweise mit „4100 Taxen in Berlin und Umland“. Und die andere hat natürlich auch den Hinweis darauf, dass das Taxi bei einem Anruf dort schnell vor Ort ist. Verständlich natürlich.

Was meines Erachtens nach ein wenig zu kurz kommt, ist der Hinweis darauf, dass diese ganzen Taxen, die für die schnelle Bestellung den Funk nutzen, ja keineswegs beliebig austauschbar sind. Im Gegensatz zu vielen kleineren Städten sind die Funkzentralen nämlich keineswegs mit den Unternehmen identisch. Während sich die Taxen also ca. 2500 (?) zu 4100 auf die Funkzentralen verteilen, gibt es in Berlin rund 7000 Taxen in 5000 Unternehmen.
Klar, die Funkzentralen weisen die Kunden darauf hin, dass sie nur in das eine bestellte Taxi einsteigen sollen – aber für viele gelegentliche Kunden ist es Jacke wie Hose, welches Taxi gerade kommt. Mir sind auch schon Leute eingestiegen und haben mal eben locker gesagt, ich solle doch kurz der Zentrale Bescheid sagen, sie würden jetzt mit mir fahren.

Anstatt klarzustellen, dass jeder einzelne Fahrer da draussen seine Arbeit zum Wohle der Kunden macht und durchaus mal irgendwo 2 Stunden auf diese eine Tour wartet, wird als Hauptkriterium die Schnelligkeit festgelegt. Die ist zweifelsohne wichtig in unserem Gewerbe und unterscheidet uns maßgeblich von den anderen öffentlichen Verkehrsmitteln – aber sie ist nicht alles!

Denn, ja: Auch ein Taxi braucht eine gewisse Zeit, um von A nach B zu kommen. Und das Gewerbe ist trotz offenbar nur zwei Zentralen sehr diversifiziert. Es bringt Kollege U. nichts, wenn Kollege T. jetzt die Fahrt macht. Im Gegenteil: Unter Umständen hat ihn das 3 Stunden Zeit gekostet, die er nicht bezahlt bekommt.

Sicher, im Grunde könnten es die Kunden auch einfach durch Nachdenken herausfinden. Ich persönlich finde aber, dass es ihnen bisweilen auch schwer gemacht wird…

Änderungen unerwünscht?

Ich verstehe so manche Kollegen im Taxigewerbe nicht. Zu allererst natürlich die, die sich den Job stressig machen, indem sie sich wegen kurzen Touren mit den Kunden streiten und sich Ärger einhandeln, weil sie sich nicht an die Regeln halten.
Ähnlich wenig Verständnis hab ich für die Kollegen, die denen das durchgehen lassen. Ein paar Kollegen meckern seit einiger Zeit schon rum, dass sie immer öfter von unbesetzten „Kollegen“ überholt werden und es allgemein rau zugeht. Da hab ich wohl immer Glück gehabt. Insbesondere Anfeindungen bin ich nun wirklich noch nicht ausgesetzt gewesen.

Und dann erzählt mir Kollege Manfred folgendes:

Er ist wohl leer unterwegs gewesen, kurzer Abstecher über die Stadtautobahn zu einer anderen Halte. Er selbst ist auf der 80er-Strecke mit knapp unter hundert unterwegs, und die Fackel hat er – trotz Verbot – der Einfachheit halber eingeschaltet gelassen. Wenn man es eng nimmt, kann man ja da schon was sagen 😉

Aber gut, nun der Auftritt des Kollegen: Mit von Manfred geschätzten 140 Sachen zieht besagter Kollege in seinem Daimler an ihm vorbei, die Fackel natürlich ebenfalls an.
Wie der Zufall es so will, treffen sich die beiden kurz hinter der nächsten Ausfahrt hintereinander an der Halte. Manfred steigt aus, und ich gebe hier mal sinngemäß das Gespräch wieder:

„He Kollege, muss ja wohl nicht sein, dass du mich auf der Autobahn so stehen lässt…“

„Was? Mir doch egal! Auf der Autobahn muss ich gar nix!“

„Ich würde an deiner Stelle mal vorsichtig sein, da mit 140 langzuschießen. Wie viele Führerscheine hast du denn bitte?“

„Scheißegal. Dann schmeiß ich den Führerschein weg und schlag dich tot!“

Manfred ist daraufhin ums Auto herumgegangen und hat sich ganz demonstrativ die Konzessionsnummer angesehen. Dann hat er sich wieder in sein Auto verzogen. Daraufhin kam der ungehaltene Kollege aus seinem Wagen, kam zu Manfred und hat sich entschuldigt. Irgendwas von „war nicht so gemeint“. So eine von den ganz ganz ehrlichen Entschuldigungen, bei denen Mami hinter einem steht und einen stupst, wenn man sich nicht traut.

Und, was ist die Moral von der Geschichte? Keine!

Manfred nix weiter gemacht. Er hat aber jetzt eine tolle Anekdote, und passenderweise war der Fahrer auch noch Türke. Da lässt sich das bei bestimmten „Kollegen“ gleich nochmal gehässiger erzählen.

Mit anderen Worten: Ein eigentlich bekanntes Arschloch fährt weiter unbehelligt Taxi in dieser Stadt, hat nicht einmal eine Beschwerde gekriegt, und sicher 10 Kollegen haben jetzt eine tolle Geschichte, die beweisen soll, dass alle türkischen Taxifahrer in der Stadt ja totale Arschlöcher sind…

Ja, so lösen sich Probleme!

Manchmal tut es wirklich weh, einen Job zu machen, der weitgehend vom Intelligenzprekariat beherrscht wird! 🙁

Und nun…

finde ich, dass wir mal diskutieren sollten, was im Taxigewerbe notwendig (bzw. sinnvoll) ist, und was nicht.

Hammer-Kiste ;) Quelle: Sash

Hammer-Kiste 😉 Quelle: Sash

Im Übrigen finde ich an der Sache eines wirklich geil: Sie machen Werbung mit unseren Preisen: „Hummer fahren zum Taxipreis“ steht in der hinteren Seitenscheibe.

Das Maria mal wieder

Ich war gerade dabei, ein wenig über mich selbst zu lachen. Im Radio erzählte der Sprecher etwas von den 17 Euro-Ländern, und dank der Betonung hatte ich mich zunächst gefragt, welche runtergekommenen Staaten denn jetzt bitte zu den 17-Euro-Ländern gehören würden.

Da trat ein Anzugträger an mein Auto heran und fragte mich, ob es hier etwa irgendwo einen Club namens Maria geben würde. Etwas anders formuliert höre ich die Nachfrage nach dem Club am Ostbahnhof ja recht regelmäßig. Wie auch in jedem anderen Fall war ich mir nicht zu fein, die 400 m Fußweg mit einmaligem Abbiegen zu beschreiben.

Der sehr nette Kerl bedankte sich höflich, zögerte dann aber doch.

„Sagen sie, könnten sie mich da auch hinfahren?“

„Klar, wenn sie wollen. Aber wegen des Einstiegspreises sind wir da auch gleich bei 4 Euro.“

Im Grunde sage ich das hauptsächlich, weil es mir als Kunde für die paar Meter echt zu teuer wäre. Aber just ein paar Stunden zuvor hatte ich eine nicht ganz so kurze Tour, genau 2 Kilometer, bei der ich am Ende der Strecke vom Fahrgast zu den 6,60 € zu hören bekam:

„Na das sind ja Preise! Für das Stückchen!?“

Der hier war locker.

„Na dann würde ich sie bitten! Ich bin ja so halb im Urlaub hier!“

Da ich gerade mal ein paar Minuten dort stand, lag mir selbst der Gedanke fern, mich irgendwie zu beschweren oder auch nur zu ärgern.

Die Fahrt selber war so kurz, dass es wirklich nichts besonderes zu berichten gibt. Ich zeigte ihm die nicht gerade einladend wirkende Tür im Zaun, die zum Club führt, und er kramte in seinem Geldbeutel, um die aufgelaufenen exakt 4,00 € zu begleichen.

Dass er das nicht mit 4,00 € getan hat, auch nicht mit dem üblichen Fünfer, sondern mit 7,00 € – das ist der Grund, warum es jetzt hier steht. Außerdem hab ich mir grinsend gedacht:

„Wenn du jetzt noch einen Zehner einfährst, gründest du ein 17-Euro-Land!“

😀

Rauchertaxen

Es gibt sie nicht (mehr).

Rauchertaxen.

Ich als Raucher habe natürlich ein zwiegespaltenes Verhältnis. Aber im Grunde bin ich froh darum. Natürlich wünsche ich mir manchmal im Winter, nicht in die Kälte zu müssen – andererseits rauche ich dann weniger – und für die nichtrauchenden Fahrgäste ist es sicher ein Segen. Zumal selbst ich als Raucher den Geruch nur leiden kann, wenn er nicht übermäßig und vor allem nicht abgestanden und kalt ist.

Dass ich als Nachtfahrer zudem ständig mit Brandlöchern in den Sitzen, brennenden Jugendlichen und nicht zuletzt mit Drogentests dank Passiv-Kiffen zu tun hätte, sind weitere Gründe, weswegen ich das Verbot gar nicht so schlimm finde.

Aber das müssen ja nicht alle so sehen. Mal abgesehen von den vielen Fahrern, die die ganze Zeit im Auto quarzen und glauben, man merkt es nicht, wenn man die Kippe rausschmeisst, sobald der Fahrgast einsteigt – die Fahrgäste sind bisweilen auch mehr als nur durchschnittlich süchtig.

Manche betteln eine komplette fünfminütige Fahrt durch, dass sie doch bitte eine Zigarette rauchen wollen, und sind plötzlich ganz überrascht am Ziel, andere lassen schon am Stand nicht locker. Dann läuft es so wie neulich. Ein potenzieller Kunde tritt – mit den Resten einer brennenden Kippe in der Hand – an mein Auto heran:

„Scheiße, bei dir kann ich nicht rauchen, oder?“

„Nein, leider nicht.“

„Na gut…“

Er wendet sich ab und will zum nächsten Taxi. Ich will noch was für die Aufklärung tun:

„Es gibt keine Rauchertaxen mehr.“

„Wie bitte?“

„Ich sagte, es gibt keine Rauchertaxen mehr.“

„Im Ernst?“

„Ja.“

„Aber manchmal darf ich doch…“

„Aber mit Sicherheit dürfen sie das nicht wirklich, unter der Hand vielleicht.“

„Also darf ich bei dir?“

„Nein.“

„Scheiße!“

Pfandlos unglücklich

Es ist nachts nicht selten, dass ich Leute im Auto habe, die nicht genug Geld dabei haben. Ein bisschen dusselig würde ich es schon nennen, aber klar kann es mal vorkommen, dass man das Geld ausgibt, und dann am Ende doch gerne mit dem Taxi heim möchte.

Vielen Kollegen scheint das inzwischen zu heikel zu sein, jedenfalls landen bei mir öfter die Leute, die vorher bei 3 Kollegen abgeblitzt sind, nur weil sie noch kurz unterwegs zur Bank wollen.

Ein junger Mann zeigte sich neulich schwer erfreut, dass ich ihn dennoch mitgenommen habe, es wurde eine der nettesten und trinkgeldreichsten Fahrten der gesamten letzten Monate – wenngleich sie nicht sonderlich lang war. Ich glaube wirklich nicht, dass ich zu den Fahrern gehöre, die vorschnell eine Tour ablehnen.

Anders verhalten hat es sich hingegen mit einem Jugendlichen, der am Ostbahnhof schon reichlich prall auf mich zugerudert kam.

„Sangsemall. Ich müsste nach Teeejl auf ’ne voooll wichtige Party…“

Aha. Die wievielte heute?

„Nu is so: Ich hab nich jenuch Jeld…“

Er wollte, ich fasse das mal in normalem Deutsch kurz zusammen, auf eine Party in Tegel. Eine gute 20€-Tour. Er hatte kein Geld, aber auf der Party seien voll gute Freunde von ihm. Er müsse da also nur kurz rein. So weit, so gut.

Ich hab dann gleich nach einem Pfand gefragt, schon alleine, weil ich bei der Nase befürchtet hab, dass er nach Betreten des Gebäudes umgehend einschlafen würde.

Perso? Zu Hause.

Handy? Hat er nicht mehr, Stress mit den Eltern.

Geldbeutel? Nur noch 5 € hätte er lose dabei.

Sonstiges? mp3-Player etc.? Nix.

Ob wir unterwegs an einer Bank halten könnten? Kein Konto, er ist erst 16.

Wir sind dann in friedlicher Übereinstimmung zum Ergebnis gekommen, dass trotz aller Nachteile die Bahn vielleicht doch eher das Transportmittel seiner Wahl ist. War ein netter Kerl, vielleicht hab ich ihm auch Unrecht getan. Immerhin hat er das ohne Murren eingesehen. Aber irgendeine Sicherheit muss doch drin sein.