Mal was zu Schönefeld / BBI

Nachdem wir uns gestern alle so schön einig waren, dass Zusammenarbeit was praktisches ist, hab ich heute mal ein etwas schwereres Thema.

Inzwischen sollten die meisten hier wissen, dass ich kein Flughafenfahrer bin. Ich schätze, das ist eine Gemütsfrage. Ich will mir einfach nicht regelmäßig eine zweistündige Wartezeit antun. Oder auch mal noch länger…

Abgesehen davon, dass ich sicher bin, mit mehreren kurzen Fahrten in derselben Zeit mehr Trinkgeld zu machen, bin ich einfach nicht geduldig genug. 2 Stunden am Stück rumlungern? Ich lese zwar gerne und ich schreibe gerne – aber zwischendrin möchte ich auch mal ein paar Leute im Auto haben. Mir ist klar, dass man auch so sein Geld in dem Gewerbe verdienen kann, für mich ist es zumindest derzeit keine Option.

Außerdem haben die Fahrer in Schönefeld es ja so schwer…

Ich wollte mal ein paar Worte zum Streit im Taxigewerbe um den Flughafen loswerden. Erst einmal ein kurzes Fazit vorweg:

Ich finde es schade fürs Gewerbe! Diese armselige Streiterei kotzt mich an! Wegen genau sowas haben wir Taxifahrer unseren schlechten Ruf weg!

Worum geht es? Ganz kurz: Der Flughafen liegt nicht in Berlin, sondern im Landkreis Dahme-Spreewald. Aufgrund einer Sonderregelung dürfen Taxen aus beiden Kreisen dort Kundschaft aufnehmen. Abgesehen vom Hickhack um die unterschiedlichen Tarife ist es vor allem so, dass die Taxifahrer sich dort gegenseitig nicht akzeptieren wollen. Es gibt eine Regelung zur „Gleichberechtigung“, die vorsieht, dass am Flughafen eine Art Reißverschluss-System herrscht: Ein Taxi aus Berlin, danach eines aus LDS. Die Berliner Taxler fühlen sich benachteiligt, weil es (weit!) weniger LDS-Taxen gibt und diese somit wesentlich schneller wieder laden können. Die Brandenburger hingegen fallen auch nicht gerade durch Wortarmut auf und verweisen darauf, dass der Flughafen nunmal ihrer sei und die Berliner ja gerne ganz wegbleiben können.

Die Positionen sind beide genauso verständlich wie unverständlich zugleich. Die wenigen LDS-Taxen könnten nie alleine den Flughafenverkehr schmeißen und die Berliner stehen sich ja mehrheitlich selbst im Weg und es ist meist nur blanker Neid, der sie vermuten lässt, es würde viel besser sein, wenn die Brandenburger weg wären.

In diesen konkreten Streitpunkten enthalte ich mich. Ich kenne die genauen Zahlen nicht und es stimmt sowohl, dass der Flughafen in LDS liegt, als auch, dass er letztlich hauptsächlich zu Berlin gehört. Ein Flughafen bietet eine Menge Umsatz für eine Menge Taxifahrer – und die sollten sich gefälligst einigen oder wenigstens an die ausgemachten Regeln halten. Jedem Fahrer steht es frei, den Flughafen zu meiden! Hab ich mal irgendwo eine Schlägerei angefangen, weil gerade am Ostbahnhof weniger Züge ankommen?

Ob die Regelung nun 1:1 oder (wie geplant) 5:1 fairer ist, weiss ich nicht. Fakt ist aber auch, dass das besser kein Taxler entscheiden sollte, der gerade sauer ist, weil im einer aus dem „anderen Lager“ eine gute Tour weggeschnappt hat.

Und nun dazu, weswegen ich das überhaupt schreibe, wo es mich doch gar nicht interessiert:

Vor einer Woche hat ein ungestümer „Kollege“ aus LDS, der scheibar auch noch ordnungsgemäß unter Klarnamen kommentiert hat, gemeint, im oben verlinkten Beitrag herumpöbeln zu müssen und Berliner Taxifahrern, wenn sie sich nicht „benehmen“, angedroht, dass sie „was auf die Fresse“ bekommen. Dabei sprach er auch noch schön von „uns“ und „wir“ und nannte eine (den Kollegen sicher bekannte) Gewerbevertretung.

Diese wenig internetaffine Vertretung antwortete mir im Gegensatz zu dem „Kollegen“ auch und schrieb folgendes:

„Wir werden versuchen heraus zu bekommen, wer der Schreiber M. K. (so es
der richtige Name ist) wirklich ist. Dann werden wir Ihn gemeinsam zur Rede
stellen. Desweiteren verwahren wir uns gegen solche Behauptungen und Wortspielereien
und vor allem Drohungen gegen andere Kollegen, egal aus welchen Grund.
Dieses kannst und sollst Du auch in deinem Forum wiedergeben.“

(der Name wurde von mir gekürzt, die Vertretung kennt ihn selbstredend)

Die Gewerbevertretungen sind nicht meine Lieblinge und ich möchte dieses Statement nicht einfach so für bare Münze nehmen. Die streiten sich ja auch wunderbar ums Thema – aber das ist in ihren Kreisen auch angemessen und nötig. Ich bin mir sicher, dass sich hier alle Beteiligten (also auch die Berliner) nichts schenken.

Aber eines möchte ich an dieser Stelle klarmachen: Der Kommentar des Kollegen ist zufällig (wie derletzt schon viele andere) im Spamordner gelandet. Zum Glück. Denn derartige Scheiße will ich hier nicht lesen! Ich biete mit dem Artikel eine Möglichkeit, auch hier über die Regelung in Schönefeld zu diskutieren und vielleicht auch um Infos auszutauschen. Es würde mich freuen, wenn das passiert. Dazu sind auch ganz explizit Kollegen aus LDS eingeladen!

Was jedoch nicht sein kann, ist, dass GNIT hier missbraucht wird, damit sich Taxifahrer gegenseitig Drohungen an den Kopf werfen können! Ich weiss, dass in unserem Gewerbe nicht Friede-Freude-Eierkuchen herrscht und wir alle unser Geld verdienen müssen und wollen. Das kann aber kein Grund sein, die eigenen Kollegen anzugehen! Und wer sich nur deswegen im Recht fühlt, weil er meint, er sei aus einer besseren Gegend, der kann sich verpissen von hier, und zwar für immer!

Tariferhöhung/BBI

Was bisher eher gewerbeinternes Gemurmel und Gebettel war, scheint jetzt den Weg auch in die Presse zu finden: In Berlin wird an einer erneuten Taxitariferhöhung gebastelt. Bekannt ist mir das Thema schon länger, allerdings bedurfte es dank meinem Unwillen, mich durch die einschlägigen Gewerbevertretungsveröffentlichungen zu schlagen, des gestrigen Artikels des Taxibloggers, bzw. des von ihm verlinkten Artikels in der Berliner Zeitung, um mal genauere Infos zu bekommen. Meine Meinung zur ganzen Sache hat sich dadurch nicht maßgeblich gewandelt, ich bin erst recht strikt GEGEN diese Erhöhung!

Schon die Überschrift stößt mir bitter auf: „Taxifahrer wollen nachts mehr kassieren“. Damit sind wir schon beim Dreh- und Angelpunkt der ganzen Geschichte: Es macht einen schlechten Eindruck und noch dazu einen falschen.

Vielleicht kenne ich ja einfach die falschen Leute, aber sicher ist eines: Ich kenne niemanden, der für eine Tariferhöhung wäre. Kein Taxifahrer, kein Kunde und nicht einmal meine Chefs sind dafür! Und das nicht ohne Grund…

Unsere Gewerbe“vertretungen“ treten sich seit Jahren mit der immergleichen Milchmädchenrechnung auf die Füße und die Stadt Berlin nickt letztlich die Erhöhungen sogar ab. Ob nur teilweise oder vollumfänglich spielt kaum eine Rolle. Immer wieder wird vereinfacht gesagt darauf verwiesen, wie schlecht man im Gewerbe verdient, dann wird das aktuelle Einkommen (pro Tour oder pro Stunde) auf einen neuen Tarif hochgerechnet und dabei kommt dann das goldene Zukunftszeitalter des Taxigewerbes raus, weil unser Einkommen um genau den Prozentsatz der Tariferhöhung steigt. Super, nicht?

Dumm nur, dass sich das Spielchen so nicht ewig spielen lässt. Denn letztlich brauchen wir auch Kunden, die die Preise zahlen können und wollen. Und je weniger Kunden mit uns fahren, desto weniger verdienen wir. Ansatzpunkte zu einer verträglicheren Lösung gibt es verschiedene: Man könnte mehr Kunden gewinnen, indem man die Attraktivität unserer Dienstleistung erhöht. Sprich: Mehr Service.
Gleichzeitig könnte man die Zahl der Taxen etwas reduzieren, indem man die seit Jahren angedachten 6 (!) Planstellen beim LABO für Kontrolleure bewilligt. Denn nach wie vor haben wir ein enormes Schwarzarbeitsproblem in der Branche. Verschiedenste (leider nicht immer seriöse) Berechnungen zeigen, dass diese Kontrolleure am Ende mehr Geld einbringen als sie kosten, dennoch wird hier nix gemacht!
Zu guter Letzt könnte man aber mit stagnierenden Tarifen werben. Glaubt es mir: Die meisten Wenig- oder Nicht-Taxikunden haben Angst vor unseren Preisen. So mancher würde eher mal mit uns fahren, wenn er nicht dieses meist falsche Bild im Kopf hätte.

Stattdessen sollen wir nun also die paar verbleibenden Kunden noch mehr ausquetschen.

Als Nebenbegründung für die neuerliche Erhöhung muss ausgerechnet der Flughafen BBI herhalten, der nächstes Jahr eröffnet wird. Dort gibt es sowieso seit Jahren Streit unter den Taxifahrern aus Berlin und dem Landkreis Dahme-Spreewald. Beide dürfen dort laden und werden beim Nachrücken getrennt behandelt: Nach jeder Berliner Taxe rutscht ein LDS-ler vor, was unter den Berlinern für Unmut sorgte, weil es wesentlich weniger LDS-Taxen gibt, und die somit um einiges schneller drankommen.
Es gab dort schon Prügeleien um die Reihenfolge, böse Worte und Gezeter auf höchster Verwaltungsebene. Für die Kunden war das meist unsichtbar, sie hatten letztlich nur das Tarifproblem: Die LDS-Taxen haben bisher mehr gekostet. (Ich hab nur diese private Unternehmer-Seite als Quelle für den aktuellen LDS-Tarif gefunden, wer etwas besseres findet, kann es gerne in den Kommentaren verlinken!)

Dass dieser Zustand bescheuert ist, ist ja ein richtiges Analyseergebnis. Glückwunsch an die Beteiligten! Das Problem ließe sich mit einem gesonderten Flughafentarif lösen. Ob der jetzt höher oder niedriger oder einfach nur lustig ist, ist ja erstmal egal. Nun soll die Lösung aber laut Innungs-Chef Gawehn sein, gleich komplett den höheren LDS-Tarif zu übernehmen. Das würde einen echt abenteuerlichen Preisschub bedeuten.
Gawehn liegt aber nicht etwa nur was am höheren Kilometerpreis, er fände den LDS-Tarif auch an ganz anderen Stellen nett: Die kostenlose Minute Wartezeit könnte man streichen und einen Nacht- und Feiertagszuschlag kann man auch (wieder) einführen. Im Vergleich zu den LDS-Taxen sind übrigens in Berlin die ersten Kilometer teurer. Diesen Preis sollte man natürlich beibehalten. Ich hab im Artikel der Berliner Zeitung keinen Hinweis zum Gepäckzuschlag in LDS gefunden, würde mich aber nicht wundern, wenn Gawehn den auch übernehmen wollte…

Ich kann nur immer wieder betonen, was ich auch in Hinblick auf kurze Fahrten immer sage: Keine einzige Fahrt im Taxigewerbe ist nicht lohnend! Selbst die Kurzstrecke bringt uns genug Geld! Das, was unser Problem ist, ist die geringe Anzahl an Kunden!  Wir stehen bis zu 70% unserer Zeit in der Gegend herum ohne Kundschaft. Daran muss man was ändern! Der jetztige Tarif reicht aus, um ein Taxiunternehmen mit Gewinn zu führen, wir müssten nur ein paar mehr Kunden gewinnen, um ein vernünftiges Auskommen zu haben!

Sicher ist ein Inflationsausgleich gelegentlich notwendig, aber nicht so! Solange ich gelegentlich eine Stunde auf den nächsten Kunden warten muss, scheint es mir nicht gegeben zu sein, dass man die Preise erhöhen kann. Durch Auslassen einer Erhöhung würde Taxifahren genau der bösen Inflation wegen attraktiver für die Kundschaft, wir könnten es wirklich mal wieder probieren!

Taxi-Kurzstrecke in Berlin

Die hier bei GNIT schon oft erwähnte Kurzstrecke für Taxifahrten ist eine Besonderheit des Berliner Taxitarifs. Ebenso wie die BVG und die meisten anderen Verkehrsbetriebe für den öffentlichen Nahverkehr einen Sondertarif für kurze Fahrten anbieten, haben wir Taxifahrer hier den Kurzstreckentarif für unsere Kunden.

Wer nur eine kurze quasi-tabellarische Zusammenfassung haben will, findet diese am unteren Ende des Artikels.

Die Meinungen zur Kurzstrecke gehen stark auseinander, das Wissen darüber ist außer bei den regelmäßigen Nutzern gering. Aber selbst langjährige Taxikunden offenbaren gelegentlich Wissenslücken bei diesem einfachen Auszug aus der Taxitarifordnung.

Oft genug ist beispielsweise am Taxistand die Begrüßung folgende:

„Sagen sie mal, wie ist das jetzt? Könnte man da nicht auch mit der Kurzstrecke irgendwas machen?“

„Steigen sie mal kurz aus und schauen sie nach, ob sich meine Räder drehen. Wenn ja, dann gerne!“

Die Kurzstrecke ist in Berlin der einzige Tarif neben dem Normaltarif. Alle weiteren Besonderheiten werden hier über Zuschläge geregelt. Entsprechend ihrer Sonderstellung hat sie auch gewisse Eigenheiten.
Bei der BVG gilt für Kurzstrecken eine Beschränkung der Fahrtstrecke, gemessen in Stationen. Im Taxi gibt es eine solche Begrenzung ebenfalls. Sie liegt bei 2 Kilometern.

Wie in den Bussen und Bahnen der BVG Einschränkungen bezüglich Umsteigen etc. damit einhergehen, ist die Kurzstrecke im Taxi in Berlin auch etwas beschnitten von der Nutzbarkeit. Die wichtigste Regel werden die meisten kennen: Nach Kurzstreckentarif fahren kann man nur, wenn man sich ein Taxi heranwinkt. Bei Bestellungen oder Fahrten von einem Taxistand aus ist dieser Tarif nicht wählbar. Dann lohnt er sich nämlich mitunter nicht für die Fahrer, und erfunden wurde der Tarif nicht als Geschenk, sondern um zusätzliches Geld in unsere Kassen zu spülen.

Eine weitere, eher unbekannte Einschränkung ist, dass man keinen Zwischenstopp auf einer Kurzstrecke einlegen darf. Da der Preis pauschal ist, wird hier keine Wartezeit berechnet. Es ist hoffentlich verständlich, dass ein Taxifahrer nicht mal eben eine halbe Stunde irgendwo wartet, ohne diese Arbeitszeit bezahlt zu bekommen. Ich hab es einmal zu Beginn versehentlich gemacht und lege keinen Wert auf Wiederholung.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist eigentlich bekannt – wird aber dennoch oft vergessen:
Man muss als Kunde die Kurzstrecke vor Fahrtbeginn konkret wünschen. Mal abgesehen davon, dass wir Taxifahrer was zu lachen haben, wenn die Leute sich den Begriff nicht merken können (siehe PS ganz unten), hat das handfeste Gründe:
Erstens können wir das Taxameter mitten in der Fahrt nicht von einem Tarif auf den anderen umstellen. Zweitens: Die Kurzstrecke hat Einschränkungen und die Kunden alleine wissen gleich zu Beginn, ob die mit ihrer Fahrt vereinbar sind.
Zudem: Es ist nicht der Normaltarif. Die Kurzstrecke ist ausdrücklich eine Vergünstigung für besondere Einschränkungen. Wenngleich es Gerüchte gibt, dass wir Taxifahrer in Berlin jeden Kunden darauf hinweisen müssten, dass es die Kurzstrecke gibt: So ist es nicht und wir haben ja auch nichts davon. Im Gegenteil: wir verdienen weniger Geld, wenn wir weniger Umsatz machen.

Entsprechend gibt es leider auch Kollegen, die Kurzstrecken komplett ablehnen. Das ist natürlich nicht rechtens. Wenn ein Kunde eine kurze Fahrt von der Straße weg und ohne Zwischenhalt mit einer Kurzstrecke fahren will, dann müssen wir das auch machen!

Und wenn es mal doch länger wird?
Gar kein Problem: Wenn man die 2km-Marke überschreitet, schaltet das Taxameter nach einer kurzen Umschaltphase einfach in den Normaltarif um. Das heisst, für einen kurzen Moment läuft die Uhr sehr schnell, um dann nach ein paar hundert Metern auf normale Geschwindigkeit zu wechseln. Die meisten Taxameter kündigen dies übrigens mit einem Piepsen an.
Wer eine längere Fahrt vorhat, fällt eben auch im Taxi nicht mehr unter Kurzstrecke. Aber das ist ja bei der BVG nicht anders.

Die Kurzstrecke ganz kurz:

Update: Seit dem 30.6.2015 kostet die Kurzstrecke 5,00 €.

Die Tabelle lautet jetzt entsprechend:

Was? Bis zu 2 Kilometern Taxifahren.
Was nicht? Taxi vom Stand, Taxi bestellt, Zwischenstopps.
Wieviel? 5,00 € pauschal.
Wann? Wenn man ein Taxi heranwinkt.
Wie? Vor Fahrtbeginn sagen, dass man eine Kurzstrecke möchte.

PS: Da die BVG offenbar so eine Art gedankliches Patent auf die Kurzstrecke zu haben scheint, weichen Fahrgäste gerne mal auf andere Formulierungen aus. Zum Beispiel Kurztarif, Kurzfahrt, Friedrichshain-Special-Preis, 2-Kilometer-Preis, dieses Pauschalkurzding, Kurz-Sonder-Taxi, Billig-Tarif, Ranwink-Preis, 5€-Taxi, Fünfertarif etc.

Der Taxitarif in Berlin

UPDATE: Dieser Artikel ist nicht mehr aktuell! Am 19. Februar 2014 wurde der Tarif geändert!

Was kostet ein Taxi in Berlin? Der Taxitarif sollte eigentlich allen Lesern hier (mehr oder weniger) bekannt sein. Dennoch kann es, wie mir die Anfragen an mich bestätigen, nicht schaden, ihn nochmal kurz aufzuzeigen.

Die letzte Anfrage bekam ich natürlich im Taxi selbst, und zwar in Form einer Diskussion mit einer Kundin darüber, ob es egal sei, dass ich das Taxameter bei einem kurzen Zwischenstopp nicht ausgeschaltet habe oder nicht.

Wer es ganz kurz tabellarisch haben will, sollte gleich runterscrollen, ansonsten in schönen Worten und für alle zum Mitschreiben: Derzeit (leider wohl nicht mehr lange, die nächste Tariferhöhung kommt bald) ist der Berliner Taxitarif folgender:

Beim Einstieg ins Taxi, bzw. bei dessen Ankunft beim Kunden, werden 3,20 € Startpreis fällig. Darin enthalten sind die ersten paar Meter Fahrtweg. Wen die genauen Zahlen zu den zurücklegbaren Wegstrecken und den Schaltstufen haben will, der findet sie hier.

Der Preis für jeden der ersten 7 Kilometer ist 1,65 €, alle weiteren schlagen mit 1,28 € zu Buche.

Der Wartepreis beträgt 25,00 € pro Stunde, wobei bei jedem Stopp eine Minute Wartezeit kostenlos ist. Die o.g. Kundin hatte also Unrecht. Die Wartezeit addiert sich nicht während einer Fahrt auf, sondern startet an jeder Ampel erneut – de facto ist ohne extremen Stau in Berlin der Wartezeittarif bei einer normalen Taxifahrt irrelevant.

Als Sondertarif gibt es in Berlin ausschließlich die Kurzstrecke (also keinen Nacht-, Feiertags- oder allgemeingültigen Großraumtarif).
Die Kurzstrecke kostet 4,00 € pauschal ab dem Einstieg und gilt für bis zu 2 Kilometer Fahrt. Der Kurzstreckentarif gilt nicht bei Bestellungen oder Fahrten von einem Taxistand, sondern nur für Taxen, die herangewunken werden. Zwischenstopps sind nicht erlaubt und außerdem muss die Kurzstrecke vom Fahrgast ausdrücklich verlangt werden. Ich habe extra zur Kurzstrecke in Berlin noch einen eigenen Artikel geschrieben.

Zuschläge können erhoben werden für Gepäckstücke, die zu groß für den Kofferraum sind (je 1,00 €), bargeldlose Zahlung (1,50 €), Fahrten ab Flughafen Tegel (0,50 €) und für jede zusätzliche Person ab der fünften (je 1,50 €).

Innerhalb Berlins ist jede Unter- oder Überschreitung des Tarifs nicht erlaubt. Also keine Festpreise und kein Feilschen bitte!

Kurz und knackig:

Einstiegspreis: 3,20 €
Kilometer 1-7: 1,65 €
Kilometer 7-?: 1,28 €

Kurzstrecke: 4,00 €

Zuschläge
großes Gepäck: je 1,00 €
bargeldlos: 1,50 €
Flughafen Tegel: 0,50 €
mehr als 4 Personen: je 1,50 €

Weitere Infos zum Tarif gibt es natürlich auch in der FAQ-Seite zum Taxitarif. Wer hätte das gedacht 😉

So, und jetzt hoffe ich mal, dass unsere werten Suchmaschinen diese Seite in Zukunft gelegentlich vorschlagen werden.

UPDATE: Dieser Artikel ist nicht mehr aktuell! Am 19. Februar 2014 wurde der Tarif geändert!

Lange Taxifahrt, hoher Preis?

Peter hat in den Kommentaren von einer ziemlich mies verlaufenen Taxifahrt erzählt. Also erstmal ist es natürlich schade, dass man sowas immer wieder hören muss!
Dann hat er aber folgende Frage gestellt:

Was ich aber nicht ganz verstehe: Warum ist es üblich für Fahrten nach “weit außerhalb” mehr zu nehmen, als nach Taxameter? Der Tarif ist für mich die Obergrenze was ich zahlen möchte, egal wie weit es geht. Aber gerade für weite Strecken (die dann irgendwann zwangsläufig außerhalb des Pflichtfahrgebietes liegen) hatte ich eigentlich einen Rabatt erwartet. Deswegen bin ich verwundert, dass es sogar anders herum sein soll!?

Ja, das ist auch eine der unverständlichsten Problematiken im Taxigewerbe: Warum sind lange Fahrten besonders teuer?

Dazu muss man zwei Dinge betrachten: Zum einen die umsatzbasierte Bezahlung von uns Fahrern und zum anderen die Existenz des Pflichtfahrgebietes und seine Bedeutung.

Zur Bezahlung: In irgendeiner Form sind die Fahrer im Taxigewerbe meist am Umsatz beteiligt. Im Extremfall wie bei mir besteht der ganze Lohn ausschließlich aus einer Umsatzbeteiligung. Sollte man also nicht selbständig sein (dann kann man seinen Lohn ja quasi frei bestimmen) kostet man einen guten Teil des Umsatzes. Ich selbst kriege 45% des Umsatzes als Bruttolohn laut Arbeitsvertrag – in der Rechnung meiner Chefs dürften das mit Lohnnebenkosten über 50% sein.
Bei einer weiten und damit schnellen Fahrt (Autobahn, Landstraße) verdiene ich als Fahrer also ziemlich viel. Während ein Fahrer mit Stundenlohn vielleicht für die 100 km Wegstrecke nur die Stunde hin und eine zurück à 10 € gezahlt bekommt, würde ich in der Stunde Hinfahrt mal eben 60 € verdienen. Das Rechenbeispiel ist nur grob und orientiert sich am Berliner Tarif, der für alle Kilometer ab dem achten 1,28 € beträgt.

Jetzt betrachten wir zwischenrein mal das Pflichtfahrgebiet. Das Pflichtfahrgebiet ist die Stadt (oder der Landkreis) in dem wir mit dem Taxi unterwegs sind und eine Beförderungspflicht haben. Sprich: Dort müssen wir hinfahren und dort dürfen wir auch Kunden aufnehmen. Verlassen wir dieses Pflichtfahrgebiet für eine weite Strecke, dann müssen wir zwangsläufig leer wieder zurückfahren, da wir außerhalb (bzw. im Pflichtfahrgebiet der anderen Stadt) nicht berechtigt sind, Kunden aufzunehmen – außer wenn wir direkt bestellt sind. Auch das hat seinen Sinn, schließlich gelten dort andere Taxitarife, auf die unsere Taxameter nicht eingestellt sind – und die Kollegen dort wollen ja auch von etwas leben. Um es kurz zu machen: Für eine Fahrt weit außerhalb des Pflichtfahrgebietes entstehen uns (also unseren Chefs) Kosten für die leere Fahrt zurück.

Die Kombination dieser Dinge sorgt dann für den höheren Preis:
Wenn ich für 128 € 100 km weit weg fahre, dann muss mein Chef bereits für den Fahrer rund 60 bis 70 € einplanen. Wenn wir dann von den üblichen Betriebskosten eines Autos von 25 bis 35 Cent pro Kilometer ausgehen, kommen wir schnell an den Punkt, wo der Chef rechnerisch ein Minus macht, weil diese Kosten für 200 km (Hin- und Rückfahrt) anfallen – also 50 bis 70 € betragen.
Auch hier: Die Werte sind sehr grob, sie dienen nur der Veranschaulichung.

Dass das bei Peters doch noch recht kurzer Strecke bereits viel ausgemacht hat, glaube ich nicht, mein Chef sagt mir auch, dass ich bis zum Berliner Ring ohne weiteres nach Taxameter fahren kann. Aber grundsätzlich ist es eben so, dass bei einer weiten Fahrt der Rückweg mit eingepreist werden muss. Denn die Tarife sind im Hinblick auf die Gegebenheiten des Pflichtfahrgebietes ausgehandelt. Dort decken sie auch die üblichen Leerkilometer bis zur nächsten Halte etc. ab, bei allem was darüber hinausgeht, kann die Sache eben anders aussehen.

Ich möchte im Übrigen klarstellen, dass das in anderen Kreisen gleich ganz anders sein kann, wenn dort die Entlohnung der Fahrer oder die Tarife besonders von Berlin abweichen!
Grundsätzlich – also auch ohne die Fahrerlöhne zu betrachten – lässt es sich darauf herunterbrechen, dass man bei weiten Strecken die Rückfahrt auch bezahlen muss, weil das Taxi diese Strecke zwingend leer zurücklegen muss.

Ich hoffe, ich konnte ein wenig zur Klärung beitragen.

Ich wäre übrigens froh, wenn ihr mir solche Fragen per Mail zukommen lasst. Ich hab zwar das Formular „Frage an Sash“ gelöscht, aber meine Mailadresse findet sich unter Kontakt und Impressum immer noch. Per Mail kann ich sie persönlicher beantworten (wenn ich keinen Artikel daraus mache) und dann gehen sie nicht verloren unter einem Artikel oder einer Seite, wo sie thematisch nicht so wirklich passen 🙂