Es geht doch …

„Wer langsam kackt, kriegt auch ’nen Haufen.“

Eine zur Gelassenheit mahnende Weisheit, für die mir oft genug – wenn mich was ärgert z.B. – auch der Sinn fehlt. Aber gut, merken wir uns doch bei all dem Mist, der so passiert, dass heute am 20.12. endlich mal ein kleiner Erfolg in Punkto „Taxiabzocke“ für die Berliner Polizei zu vermelden war: Sie haben einen der Verdächtigen erwischt und dass sie gleich sein Taxi einbehalten haben, lässt darauf schließen, dass sie sich der Sache recht sicher sind und es hier wirklich auf ein Verfahren und nicht nur ein kleines Bußgeld rauslaufen wird.

Ich bin jedenfalls gespannt. Und guter Laune. 🙂

Ein Jahr im Taxi (2)

Fünfzig, das Handy und die Polizei:

Die kleine 1925 gewann an Fahrt und die beiden Fahrgäste schienen guter Laune zu sein. Nach eigener Aussage wollten sie noch Feiern, alles spitze, nur „bisschen besoffen“. Na klar.

„Wo is‘ mein Handy?“

Oha. Ich hatte natürlich keine Ahnung, der zweite Fahrgast ebensowenig.

„Wo is‘ mein Handy?“

Ja nee, immer noch nicht!

Auf der Uhr standen gerade einmal 3,60 €, da wurde ich um folgendes gebeten:

„Halt mal an!“

Das Schlimme daran war, dass es auf einmal so klang, als würde es um den Mageninhalt gehen. Ich lasse meinen Finger auf den Knopf für die Warnblinkanlage niedersausen, halte an der rechten Fahrbahnseite und der junge Mann von hinten links beginnt, sich über seinen Kollegen einen Weg ins Freie zu suchen. Es lässt sich schwer vermeiden, beim Anblick der beiden ins Grübeln zu kommen, ob da nicht sexuelle Komponenten im Spiel sind, aber letztlich krabbelt der junge Mann mit den Händen voran aus meinem Taxi ohne unterwegs die Hose des anderen geöffnet zu haben. Wäre das geschehen, wäre die Fahrt jedoch nur unwesentlich seltsamer geworden. Der hinten rechts sitzende Fahrgast grinste und zeigte mir einen Geldschein:

„Fünfzig.“

„Naja, so viel brauchen wir jetzt ja erstmal nicht.“

Den Titel „Ein Jahr im Taxi“ habe ich übrigens gewählt, weil die Fahrt ansonsten so ziemlich alles abgedeckt hat, was einem binnen eines Jahres so in einem hellelfenbeinfarbenen Auto passieren kann.

Der junge Kunde im teuren Zwirn steht nun reichlich benebelt am Fahrbahnrand, offensichtlich in der festen Absicht, zurückzulaufen und sein Handy zu suchen. Während ich also mit Warnblinkanlage mitten im Wald stehe und der verbliebene Fahrgast selig grinst, rollt ein Streifenwagen heran und verlangsamt die Fahrt. Ich hab mir zunächst Gedanken gemacht, ob sie mich wegen meines ungünstigen Halts auf freier Strecke ermahnen wollten, dann wurde mir jedoch klar, dass wir hier fern jeder Zivilisation (also zumindest 400 Meter) durchaus den Eindruck erwecken konnten, dass etwas nicht stimmt. Panne, Überfall, hätte ja alles sein können!

Ich ließ die Scheibe herunter und versicherte den Beamten, dass alles in Ordnung sei und wir auch umgehend wieder weiterfahren würden. Gelassenheit breitete sich aus und der Wald verschluckte wenig später den silberblauen Wagen wieder.

N‘ Juter mit Pommes

„Ick bin’n Juter! Nimmste mich mit?“

„Kommt drauf an: was hattet ihr denn für ein Problem?“

Es ist nicht oft so, dass ich potenzielle Kundschaft über irgendwelchen Stress per se ausfrage. Dass der Kollege vor mir z.B. den Kunden abgelehnt hatte, wäre mir egal gewesen. Dass der „Jute“ allerdings kurz zuvor den Fahrer davor als Taxi-Lutscher beschimpft und bereits als ich ankam ein kleines Stelldichein mit Polizeibeamten hatte, hat mich skeptisch gestimmt.

So für den Moment wirkte der Kerl wirklich nett wie sonstnochwas und stand mir auch höflich Rede und Antwort. Der erste Fahrer hätte ihn nicht mitgenommen, weil er sich Pommes geholt hätte …

Aha. Das ist vielleicht nicht notwendig, aber hey – ich hatte auch schon Pommes im Auto verteilt und akzeptiere es, wenn Kollegen da nein sagen.

„Und dann war ich sauer und hab ihm Pommes auf die Scheibe geschmiert …“

Ach so, nee ist klar.

„Und dann hat der die Bullen gerufen! Echt jetzt Mann, die Bullen!“

„Ähm, dein Beitrag war jetzt aber auch nicht die feine englische, oder?“

„Naja, aber …“

Eine knappe Minute hat er sich damit zu rechtfertigen versucht, dass es auch schlimme Taxifahrer gibt. Tut ja auch voll was zur Sache in dem Moment. Wenn er jetzt irgendwas gegen den Kollegen hätte vorbringen können – aber nein: der Hinweis, dass er ihn mit Pommes nicht mitnehmen würde, war wohl wirklich alles. Als hab ich ihn weiter eher fragend und vorwurfsvoll angesehen. Und er so:

„Hey, ich bin nicht mehr ganz nüchtern – ok. Aber ich bin’n Juter. Ehrlich. Ich bezahl Dich, ist eine Fahrt mehr. Ich weiß, wo ich wohn, alles easy. Ist deine Entscheidung, ich lauf auch. Ehrlich, kein Problem. Wäre eine gute Tour für dich, aber wenn Du nicht willst … echt, ich will nur nach Hause, ich lauf auch, so ist es nicht, ich bin da nicht so, SCHEISSE, DANN LAUF ICH HALT!“

Sprach’s und knallte seine frisch erworbenen Pommes vor dem Taxistand auf den Boden. Ich hab wirklich nix gemacht bis dahin, war aber froh, dass sich die Geschichte so erledigt hat. So wie der drauf war, hätte der mir wahrscheinlich vor Hass auf eine rote Ampel demonstrativ ins Auto gekotzt oder sowas. Echt, Leute gibt es …

Fotosession

Kaum hab ich mal guten Umsatz und fahr nach außerhalb …

Naja, GNIT ist wahrscheinlich bald um ein Foto von mir reicher. Mal sehen, ob es vorzeigbar ist, aber das will ich bei voraussichtlich 35 € Kosten doch mal hoffen.

Eine Minute vor dem wirklich fiesen Blitz – nachts kann einen das ja durchaus ermuntern, mal spontan ins nächste Haus zu donnern – hab ich sogar noch darüber nachgedacht, wie viel hier erlaubt ist. Geschlossene Ortschaft ja, aber war da ein 60er-Schild? Offenbar nicht, denn viel mehr hatte ich wohl nicht, als ich geblitzdingst wurde. Im Gegensatz zu vielen anderen lege ich ja bei Blitzern keine Vollbremsung* hin – ist nur gefährlich und bringt auch nichts mehr, so dass ich danach noch recht gut sehen kann, wie schnell ich war. Mein Tacho stand bei 65, vermutlich waren 50 erlaubt. Tja, dumm gelaufen. Vielleicht reicht es mit Tacho-Ungenauigkeit und Toleranz noch unter die Grenze, vielleicht muss ich halt doch nicht nur 15 € latzen. Mein Fehler.

Ich mach einfach einen Running Gag draus, dass es mich nie in Berlin erwischt. 😉

Und ich bin verdammt nochmal dafür, dass die nachts nur eine Warnleuchte, dafür aber einen Schwarzlichtblitzer nehmen. Ist nicht so praktisch, wenn man mit überhöhter Geschwindigkeit zwei Sekunden lang blind durch die Nacht pfeffert …

*Beim letzten Blitzer hab ich sogar nicht einmal gebremst, obwohl ich ihn gesehen habe. Was sind schon 10 € gegen einen Unfall?

Taxistand. Taxistand! TAXISTAND!!!

Ich bin wirklich keiner dieser sturen Rechthaber, die immer alles nach ihren Wünschen und ihrem Wissen durchprügeln müssen. Gerade im Verkehr. Im Grunde gibt es für mich eine einzige wirklich entscheidende Verkehrsregel. Und das ist witzigerweise die erste überhaupt: Straßenverkehrsordnung, §1:

(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

(2) Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, daß kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

Ich bin mir sicher, dass 95% allen Ärgers vermieden werden könnten, würden wir uns alle an diese Regel halten. Aber das ist natürlich Auslegungssache, weswegen wir all die anderen Paragraphen gleich noch miterfunden haben.

Die Halte am Ostbahnhof ist bekloppt. Ich habe das die Tage erst ausgesprochen und von einem Kunden (der dann bei einem Kollegen einstieg) bestätigt bekommen. Wir müssen an dieser Halte nämlich wenden. Das wird schon dadurch erschwert, dass auf der zu erreichenden Seite direkt an den Taxistand eine Halte für Einsatzwagen der Polizei grenzt. Dieses Problem ist rein geometrischer Natur – auf den letzten Platz der ersten Rücke könnten wir einfach leichter vorrücken, wenn der Platz frei wäre.

Das war er auch, als ein Kollege zum Blinken und Herüberrücken ansetzte. Doch dann geschah das hier:

Polizeifahrzeug parkt am Taxistand

„Weg gegangen Platz gefangen, nänänänänänä!“ Quelle: Sash

Ein Polizist hielt eben mal kurz am Taxistand (die Trennung zwischen den beiden Ständen ist das Schild hinter dem Corsa!) und ging in den Bahnhof. Der Kollege vor mir hatte ziemlich zu rödeln, um sein Auto (hier inzwischen vor dem Polizei-Corsa) zu wenden. Schließlich war er auf der anderen Seite (die, von der aus ich das Foto gemacht habe) bereits so weit vorgerückt, dass er vor dem Polizei-Bus hätte bequem einscheren können.

Aber man nimmt das ja mal hin. Abgesehen davon, dass man sich ungerne mit der Exekutive direkt anlegt. Man weiß ja auch nicht: Ist das wichtig? 5 Minuten später kam der blaubefrackte Scheinkollege dann zurück. Mit einer McDonalds-Tüte. Fragwürdig genug. Nun aber dauerte es zwei (zwei! ZWEI!!!) Minuten, bis er den Corsa aus der engen (siehe Foto) Lücke herausmanövriert hatte und mich derweil am Wenden hinderte …

Ja, die Polizei hat wichtige Dinge zu erledigen. Klar. Da werden wir uns drauf einigen können. Aber wenn es ums Essen geht, dann wäre es doch schön, wenn diejenigen die Plätze nutzen, die damit auch umzugehen wissen und dazu befugt sind. Und manchmal sind das eben auch wir Taxifahrer …

Baecker, Hans (7)

Ich bin zackige Ansagen von Sanitätern gewohnt. Im Gegensatz zu mir haben die noch öfter mit renitentem Publikum zu tun, da muss das manchmal sein. Der eine nun anwesende war für meinen Geschmack allerdings ein bisschen zu heftig. Er hat nichts schlimmes angestellt, aber meiner Meinung nach hat der dem armen Herrn Baecker etwas zu deutlich mitgeteilt, dass er ihn für bekloppt hält. Er hätte sich z.B. in dessen Beisein nicht an seinen Kollegen wenden müssen und sagen:

„Hab ich doch gesagt: Alles südlich der Bornholmer ist scheiße!“

Zumal der Baecker nach wie vor ein Vorzeige-Patient war und allen Anweisungen geduldig Folge leistete.

Auch die Sanis stellten schnell fest, dass an der Wohnung nicht der Name Baecker stand, mich hat es ein wenig verwundert, dass ich sie auf die Idee bringen musste, dass der arme Tropf offenbar eher aus einem Heim abgehauen ist und hier früher mal gewohnt hat. Allzu aufwändig war dieser Gedankensprung ja nun nicht mehr.

Recht schnell war nun aber klar: Die Cops müssen her. Der unsympathische Sanitäter hat zwar auch mal schnell die Tasche meines Kunden durchforstet und dort ein Schreiben einer Krankenkasse gefunden, das für Herrn Baecker, Hans eine andere Anschrift auswies, alleine eine Bestätigung fehlte noch.

Der kleine Mann wurde mehr oder minder gezwungen (durchaus zu seinem Nutzen!), auf einer Fensterbank zu verharren und Ruhe zu bewahren, bis die Cops anrückten. Einmal mehr flutete das zuckende Blaulicht die kleine Straße, abermals zogen Nachbarn die Vorhänge zu. Zwei Beamte sprangen schnell aus dem Wagen und eilten auf den Rettungswagen zu. Wir – am Straßenrand – lotsten sie zu uns und gaben ihnen unsere Vermutung weiter. Keine Minute später krächzte das Funkgerät der jungen Polizistin ein paar Daten zu Baecker, Hans. Inklusive seiner Adresse. Die am Friedrichshain sein sollte.

In meinen Augen war es zwar nur die Bestätigung des offensichtlichen – alle anderen nahmen scheinbar überrascht zur Kenntnis, dass es sich um ein Heim handelte …

(Geht noch bis 12 Uhr weiter …)