Polizeipressemeldungen mit Taxibezug

Letzte Woche schon gab es einen Überfall, zu dem ich den Link allerdings gerade nicht finde. Die neueren Meldungen sind hingegen auch nicht besser:

In Kreuzberg wurde am 23.3. ein Kollege ausgeraubt, wie so oft natürlich bewaffnet und einmal mehr sehr früh (gegen 20 Uhr).  Abgesehen vom finanziellen Verlust ist dem Fahrer glücklicherweise nichts passiert. Allerbeste Genesungswünsche bezüglich der psychischen Auswirkungen von meiner Seite!

Leider gibt es auch mal wieder einen Unfall mit Taxibeteiligung zu melden: Am 24.3. hat ein Kollege einen Fußgänger an der Beusselstraße angefahren. Auch hier natürlich alles Gute an beide Beteiligten!

Im Nachhinein wenigstens lustig?

Aus Berlin gibt es von der Polizei über Taxifahrer leider nur das Übliche: Ein Kollege ist überfallen worden. Schon vor ein paar Tagen, ich hab es vergessen zu bloggen – soweit sind wir schon 🙁 . Das ist natürlich traurig und kein Bisschen lustig.

Dafür fand in Salzgitter ein vermeintlicher Überfall wohl gar nicht statt. Die Polizei fand dort ein verlassenes Taxi vor und vermutete gleich allerschlimmste Dinge, da selbst das Portemonnaie des Fahrers noch da war. Und wie allgemein bekannt ist, verlassen wir die Dinger nur selten. Die Sache hat sich dann allerdings recht bald aufgeklärt:

Der Fahrer des Taxi hatte mehrere Personen aufgenommen, die stark angetrunken in das Braunschweiger Vergnügungsviertel gefahren werden wollten. Als der Fahrgast auf dem Beifahrersitz plötzlich und unvermutet und sehr lautstark und aggressiv in einer fremden Sprache losbrüllte, nahm der Taxifahrer Reißaus. Die Fahrgäste waren wohl so verblüfft, das sie ebenfalls dann ausstiegen und den Pkw samt Geldbörse herrenlos zurückließen.

War sicher eine beschissene Situation. Ich hoffe aber, der Kollege kann im Nachhinein wenigstens drüber lachen, dass ihm doch offensichtlich niemand was böses wollte 🙂

Auswurf, braun-rot

„Eine Leiche gibt’s immer…“

lächelte die junge Dame gequält, als sie einen massiven Typen auf die Rückbank schiebt. Der ist nicht mehr in allerbestem Zustand, grenzwertig auf jeden Fall. Aber lasse ich die Kunden jetzt stehen? Verzichte ich auf das Geld? Vertraue ich den Aussagen, er würde es sicher packen? In diesem – wie in den meisten Fällen – hab ich mich zum Transport entschieden, mit einer Mischung aus Verantwortungsbewusstsein und Geldgeilheit. Wie das beim Taxifahren wohl immer der Fall ist.

„Dann ist es aber nicht so gut, wenn er ganz links sitzt – da geht die Tür nämlich nicht auf!“

„Ach, im Notfall sagen wir Bescheid.“

Jetzt springen sicher gleich ein paar Kollegen auf und meinen, dass ich ja hier schon hätte abbrechen können. Gewiss, eine konkrete Gefahr bestand. Aber ich führe diese Dialoge so oft – und es passiert fast nie was. Ich hab mit solchen Truppen schon lustigste Fahrten und beste Trinkgelder gehabt – meist schafft man im Ernstfall ja noch so eine ganz eigene Art „Gefahrenbremsung“.

In diesem Fall war es ein Fehler. Als ich auf Bitten eines Mitreisenden angehalten habe, hatte „die Leiche“ schon lautlos aus dem Fenster gekotzt und eine ansehnliche Spur auf der Außenseite des Wagens hinterlassen. Es folgte eine kurze Pause, einiges an Abwischerei, und ich war immerhin froh, dass kaum etwas im Auto zu finden war. Die Truppe war zudem recht nett, sie kümmerten sich um ihren Freund und ich bekam auch schon den ersten Zehner „fürs Anhalten“ zugesteckt.

Ich hab das mit einem Verweis auf die laufende Uhr abgetan und gesagt, dass wir mal sehen würden, wie wir das hinkriegen. Bisher sah es zudem wirklich so aus, als ob die Geschichte mit einmal Waschanlage erledigt sein würde.

Den nächsten Kilometer verbrachte die Leiche dann auf der rechten Seite, wo die Türe auch von innen zu öffnen ist. Die Bitte zum abermaligen Anhalten kam auch dieses Mal kurz nach Entleerung des Magens aus dem Fenster. Na danke!
Damit waren das Auto, die Laune und absehbar die Schicht im Arsch. Warum hätte ich sie nicht noch eben bis nach Hause mitnehmen sollen?

„Ist nur um die Ecke.“

Diese Ecke maß etwa 3 Kilometer Fahrtweg. Dann standen wir da, und nachdem der Typ sich – trotz einiger Beherrschung in den letzten Minuten – gleich auf der Straße wieder erbrochen hat, ging es ans Bezahlen. Dem netten Beifahrer hab ich nach dem Herumreichen von Tüchern, kurzem Wischen hier und dort Herumgucken dann auch gesagt, dass jetzt natürlich der unangenehme Teil kommt. Ruhig und sachlich, wie das meine Art ist.

Was denn jetzt auf der Uhr stehen würde?

„15,90 €. Aber es ist wohl klar, dass das nicht der Preis ist, über den wir jetzt verhandeln.“

Völlig entgeistert wurde ich von hier und dort angeschaut. Ob ich etwa mehr haben wollte? Außerdem hätte ich ja schon einen Zehner…

Ich hab meinem Beifahrer mit angemessenem Bedauern erklärt, dass mir klar ist, dass das ein unschönes Ende für einen Partyabend ist, aber dass ich auch mein Geld verdienen muss. Dass ich das Auto jetzt erst einmal sauberzumachen hätte, und das – natürlich ausgerechnet – zu quasi der besten Zeit der Woche, zu der ich an jeder Ecke Kunden mitnehmen könnte. Und bei allem Verständnis für ihre missliche Lage: Ich würde nicht auf mein Geld verzichten, nur weil ihr Kumpel einen über den Durst getrunken hätte.

Etwas zögernd reichte er mir einen Zwanziger und erwartete so etwas wie ein

„Alles klar, schönen Abend noch!“

Das hat er natürlich nicht bekommen. Inzwischen wurden die Stimmen ums Auto herum lauter. Vom unangenehm drohenden

„Meister, du hast jetzt 30 €!“

bis hin zu

„Ey, 15 €! Auf dem Hinweg haben wir 5 € bezahlt! 5!“

war alles dabei. Noch viel besser: Ich hätte sie vorher darüber aufklären müssen, was es kostet, ins Auto zu kotzen. Außerdem sei ich selber schuld, weil ich die Kindersicherung links drin hätte. Im Umkehrschluß – als ich erwähnte, dass die Kindersicherung extra dazu da ist, dass Betrunkene nicht einfach auf die Straße springen, war ich dann selber schuld, weil die Kindersicherung ja schon beweisen würde, dass ich Betrunkene mitnehmen würde. Wir erinnern uns daran, wie froh die Truppe vor einer halben Stunde war, dass sie jemand mitgenommen hat, und dass ich auf die Kindersicherung hingewiesen habe.
Der Vorwurf mit den Kosten für die Fahrt ist auch extrem lustig, da sie mir nie ein Fahrtziel genannt, sondern die Strecke unterwegs angesagt haben. Und etwa 5 km Fahrtweg mit 5 Personen zuzüglich etwa 10 Minuten Wartezeit… kommt mir ziemlich tarifgerecht vor.

Aber gut, während der Großteil der Gruppe entweder kotzte oder mir vorwarf, ich wolle sie übelst über den Tisch ziehen, saß mein Beifahrer möchtegerngelassen da und wähnte sich in einer total guten Position. Die 14,10 €, die er mir nun quasi freiwillig obenauf überlassen hat, waren in seinen Augen unanfechtbarer Beweis, dass die Sache nun geklärt ist. Mit einem süffisanten Lächeln wollte er hören, was ich denn nun noch haben wolle. Ob ich etwa glauben würde, er solle mir nun 50 – oder gar 100! – Euro geben.

„Und ob ich das glaube.“

Die Antworten darauf könnte man als Beleidigung auffassen, aber da bin ich hart im Nehmen. Ich hab ihm nochmal erklärt, dass das nicht einmal sonderlich hochgegriffen ist, und ich wenn es nach meinem Chef ginge, die Kiste jetzt sowieso erst einmal professionell reinigen lassen müsste. Dass das wiederum noch mehr Zeit kostet und schnell mal bei mehreren hundert Euro liegt.

Sein Kumpel meldete sich wieder von der Seite und meinte, das eine Mal Waschanlage sei ja wohl von den 30 € locker mitbezahlt.

„Ach ja? Mit den übrigen 14,10 € komme ich auf Uhr gerade mal bis zur Waschanlage. Ohne zusätzliche Kosten und die Zeit, die das dauert!“

„Hör mal, bevor ich hier 100 € zahle, nehm ich dir dein ganzes Auto auseinander!“

„Gerne. Das ist auch eine Möglichkeit! Dann bleibt nur mein Verdienstausfall…“

Aber natürlich spinne ich total, bin unverschämt, ein Arschloch und dergleichen. Er stellte klar, dass er nicht zahlen werde, und ich, dass ich diesbezüglich nicht einverstanden bin und die Polizei rufen werde. Relativ friedlich eigentlich. Auf die Frage, ob ich irgendeinen Namen bekommen würde, bekam ich die Antwort

„Nimm Karl-Heinz oder so.“

Alles klar. Ich stand vor ihrem Haus, ihr Fenster war als einziges beleuchtet und die Haustüre haben sie gnädigerweise geöffnet gelassen, was die beiden angeforderten Streifenpolizisten auch dankbar nutzten, um zu ihrer Wohnung zu gelangen. Und was soll ich sagen? Selten habe ich zufriedener in ein WTF-Gesicht gesehen als heute morgen um 5 Uhr. 😀

Die Personalien sind also ausgetauscht, und zack – keine halbe Stunde später (etwa der Gegenwert der 14,10 €) – konnte ich mich also ans Putzen machen. Ich hab die Uhr angemacht, mir Putzutensilien von der Tanke und von zu Hause besorgt und die Kiste nach allen Regeln der Kunst bearbeitet und pünktlich zum Schichtbeginn meines Tagfahrers flecken- und geruchsfrei am Abstellort bereitgestellt. 70,60 € standen auf der Uhr, und in Anbetracht der Tatsache, dass ich ihnen eine teure Reinigung und (übers Wochenende!) gleich mehrere Tage Verdienstausfall erspart habe, ist eine Pauschale von 100 € fürs Putzen auch nicht unangemessen. Sind dann also irgendwas um die 170 €. Ich bin ja gespannt, ob darüber ein Gericht entscheiden muss, oder an welchem Punkt sie beschließen, es besser sein zu lassen. Beim netten Brief von mir, bei dem vom Anwalt, beim Mahnbescheid?

Mir soll es egal sein, ich hab Zeit.

Neujahr, 1:50 Uhr

„Ein Glück, dass ich sie hier gefunden hab!“

Wie wahr. Ich sollte diesen Satz noch öfter hören in dieser Nacht, und wann wenn nicht in der Silvesternacht ist er gerechtfertigt? Taxen sind Mangelware, Kunden ausnahmsweise nicht.

Er müsse nur ums Eck, zu einer Apotheke.

Wow! An Silvester ein Notfall – noch dazu einer, der nichts mit weggesprengten Händen, Verbrennungen, Alkoholvergiftungen oder Depressionen zu tun hat. Also gut. Auf ums Eck, für Wärmepflaster und Schmerzmittel!

Der Hinweg dauerte tatsächlich nur runde 4 Minuten, mein Fahrgast beteuerte, er wäre eigentlich davon ausgegangen, er müsse sowieso die ganze Strecke laufen. Mir war das nur recht. Die kurzen Touren sind an Silvester das A und O. Der Umsatz pro Kilometer ist höher, man ist schneller wieder frei für die nächsten 3,20 € Einstiegspreis, bei Fahrgästen an jeder Ecke sind lange Touren gar nicht so toll. Wenn ich über Silvester meckern wollte, würde ich sagen: Natürlich kriegt man aber ausgerechnet in dieser Nacht die langen Touren. Ist aber ehrlich so.

Ich setzte meinen Fahrgast vor der Apotheke ab, und wartete wie mir geheißen wurde. Ich war nun noch keine Stunde unterwegs, hatte bereits knapp 40 € Umsatz gemacht, aber eine Pause brauchte ich noch nicht wirklich. Doch wer will meckern an diesem Tag?

Gleich zu Beginn verscheuchte ich potenzielle Neukunden, obwohl es rein vom Geld her klasse gewesen wäre, nicht die sonst gerne gesehenen 25€/Std. an Wartezeittarif kassieren zu können, sondern gleich mit neuer Kundschaft über die gar nicht so glatten Straßen davonzubrezeln.

Eine wunderschöne Situation übrigens, um die Kunden mit dem Tarif zu versöhnen, die sonst gerne den Spruch „Sei doch froh, wenn du wenigstens nen Fünfer verdienst!“ bringen, um ihre 7€-Tour etwas billiger zu bekommen.

Dann stand ich an der Ecke, völlig verkehrswidrig, und wartete auf meinen Kunden. Ich versuchte, eine Zigarette zu rauchen, aber mein dämliches Feuerzeug hatte den Dienst quittiert. Na klasse! Als ob ich Lust und Zeit hätte, nachher an einer Tanke zu halten! Mein halbseitig auf einem Schneehügel auf im Parkverbot, Kreuzungsbereich und wahrscheinlich auch vor einer Feuerwehrzufahrt stehendes Gefährt blinkte monoton im Warn-Modus, als sich nahezu lautlos im Vergleich zum langsam verhallenden Getöse des Feuerwerks ein Passat der Gesetzeshüter nähert.

Ich hab meine Zigaretten-Anzünd-Versuche eingestellt und gehofft, mein Kunde käme gleich wieder. Die Uhr stand bei etwa 6,40 €, nichts was Ärger wert gewesen wäre.

Die Polizei rollt auf mich zu, stellt sich quer auf die Straße, behindert nun ihrerseits allen möglichen Verkehr an der T-Kreuzung und das Fenster gleitet (wesentlich lautloser als das an meinem Taxi) in die Versenkung. Der junge Ordnungshüter hat einen fragenden Blick aufgesetzt, ich befürchte, nach dem Zweck meines ungebührlichen Verhaltens gefragt zu werden, schiele nervös zu meinem Kunden, der auf der anderen Straßenseite gerade zum dritten Mal von der Apothekerin verlassen wird.

„Entschuldigen sie…“

Ach nee, ich kann nicht anders. Der Rest der Straße ist gesprengt! Sie stehen selbst verkehrswidrig! Der Kunde wollte es so! Verhaften sie ihn! Lassen sie mich in Frieden! Ich hab einen Platten! Ich muss weg! Da hinten, ein Mörder!
Keine Chance, jetzt darf ich an Silvester 15 € abdrücken für meine Kundenfreundlichkeit. Nee, eher 25, wegen gemeingefährlichen Parkens (wäre ja berechtigt, ich gebe es zu!) oder ich gehe in den Knast wegen Terrorgefahr.

„Entschuldigen sie…“

Andere Taktik, Pokerface, ich weiss von nix!

„Entschuldigen sie, könnten sie uns sagen, wo die Dringendstraße 1 ist?“

Nicht im Ernst.

Dummerweise hab ich es ihnen nicht sagen können, weil der Straßenverlauf dort tatsächlich ein wenig blöd ist. Ein bisschen peinlich, wenn man bedenkt, dass das Büro meines Chefs keine 50 Hausnummern weiter ist, aber ich war mir nicht sicher. Allerdings hab ich ihnen meine Vermutung mitgeteilt, die sich im Nachhinein als richtig herausgestellt hat. Die beiden Beamten hatten allerdings wenig davon, sie kamen mir 3 Minuten später an selber Stelle abermals entgegen.

Ich brauch irgendwoher ein Feuerzeug, jetzt brauch ich eine Kippe!

Aber mein Kunde war schon wieder da.

„Haben die nach dem Weg gefragt, oder was?“

„Ja, Gott sei dank!“

Bei 9,20 € bekam ich liebenswerte 2,80 € Trinkgeld, und hoffte, möglichst bald ein Feuerzeug auftreiben zu können.

Neues aus der Honkologie

Wo meine Kundschaft in der Regel nur durch dumme Sprüche und liebenswerte Anekdoten auffällt, wird es anderswo schon mal handgreiflich. Überfälle gibt es ja schon genug, aber manchmal werden leider auch Meinungsverschiedenheiten im schlechtesten Sinne nonverbal geklärt.

Hier ist mal wieder eine Polizeipressemeldung von vergangener Nacht. Der Fahrgast hat den Fahrer geschlagen und ist dann in eine Pizzeria gegangen. Was immer auch los war, clever ist was anderes. Für die Polizei jedenfalls war er recht leicht zu finden…

Das erinnert mich an einen Kollegen, der neulich am Ostbahnhof nach Zeugen gesucht hat, die ihm bestätigen können, dass sein Fahrgast (der mal kurz zum McDonalds ist) ihm beim Aussteigen gegens Auto getreten hat. 🙁

Mir ist ja bewusst, dass es im und ums Taxi mal zu Streit kommen kann. Aber wenn wir ehrlich sind, geht es selten um mehr als 10 €. Mal ganz im Ernst: Wer prügelt sich wegen so einer Summe?

Naja, und wenn wir schon in der Abteilung Honkologie sind, dann möchte ich auch die Spaßvögel ermahnen, dass ich die Bäckervergleiche hier im Blog nicht mache, damit ab jetzt Bäckereien überfallen werden. Doofe Sache, das.

Geld ist Geld (Hoffe ich doch…)

Das Matrix. Unerschöpflicher Quell kurioser Fahrgäste.

Dieses Mal hatte ich es zu tun mit zwei Brasilianern, die ganz schön einen über den Durst getrunken hatten. Sie waren zu aufrechter Bewegung fähig, allerdings vermute ich, dass die beiden das nur als Zweiergespann schaffen konnten. Was auf den ersten Blick wie gegenseitiges Schubsen aussah, war in Wirklichkeit wohl eher sowas wie Stützen.

Aber zwei herzensgute Kerle, rund um ihr zwanzigstes Lebensjahr.

Was es denn nach Kaulsdorf kosten würde.

„Maybe 25 €…“

Mit einem dicken Grinsen sind sie ins Auto gesprungen und haben mich augenblicklich vollgelabert, wie geil die Stadt ist und was nicht alles sie schon gesehen hätten in den anderthalb Tagen, die sie nun hier sind.

Ihr Englisch war schlechter als meines, aber die Grundaussage über die Stadt und die ein oder andere Sehenswürdigkeit war stets:

„This is very ok!“

Das kann man als Kompliment an die Stadt verstehen. Keiner von den beiden neigte zu oraler Inkontinenz, es war eine lustige Tour, und von der Länge konnte ich kaum was besseres erwarten – wenngleich wir „nur“ bei rund 20 € waren am Ende. Aber natürlich gab es einen Haken:

„I guess we have no money!“

meinte der eine nach dem Durchforsten seines Geldbeutels. Der andere pflichtete bei:

„No no no no money. No money!“

Ach nee, ist ja klar! Ich hab das Spielchen einfach mal mitgespielt und hab gesagt:

„Well Guys, that’s no big deal. I’ll call the police and they will decide what to do with you…“

Ehrlich gesagt bin ich ziemlich sicher gewesen, dass die Cops gar nicht viel machen können. Aber die beiden waren keine Abzocker. Ihr Mitleid mit meiner finanziellen Schieflage hielt sich zwar sichtbar in Grenzen, aber wahrscheinlich hat es sich einfach mit dem siebten Cocktail im Hinterkopf versteckt. Ich hab dann noch ein paar hoffentlich eindrucksvolle Sätze über die Polizei und ärgerliche Gefängnisaufenthalte von bis zu 48 Stunden fallen lassen. Natürlich im Wissen, dass ihre Reise sie bereits morgen nach Prag führen sollte.

Ich hab sie gefragt, ob sie denn gar kein Geld mehr hätten.

Naja, nicht so wirklich. Auf jeden Fall keine Euro mehr.

Ob wir zur Bank fahren könnten?

Nein, der Reisekassennachschub der Eltern kommt wohl erst zum ersten…

„OK, let me see what you have!“

Und dann ist dem einen eingefallen, dass er noch brasilianische Reais hat.

Puh! Wie bitte ist denn der Umrechnungskurs zum Euro? Während der eine seine Scheinchen auspackte, erzählte der andere was von

„Two Reais is one Euro!“

Zwei zu eins. Hm? Ich wollte gerade den Segen des mobilen Internets nutzen, um nachzusehen. Da wedelt der Kumpel mit ein paar Scheinen vor mir herum:

„Take it all. No Police! Please! Please! No Police!“

Als ob mir daran gelegen wäre, brasilianische Jugendliche deutschen Cops auszuliefern… wegen 20 €. Ich hab ihnen gesagt, sie sollen abhauen. Ziemlich genervt natürlich. Mir werden die Scheine unter ständigem

„No Police!“

in die Hand gedrückt und die beiden verschwinden in Richtung ihres Hotels. Was für eine Abschlusstour… 🙁

Dann hab ich mal kurz die Scheinchen durchgezählt und das Internet befragt. Was für eine Abschlusstour!!! 😀

Eigentlich echt schon zu heftig, Quelle: Sash

Eigentlich echt schon zu heftig, Quelle: Sash

127 Reais. Auf die erste Anfrage spuckt das Internet als Gegenwert 54,59 € aus. Wenn ich jetzt noch eine Bank finde, die das annimmt, will ich mal nix gegen meine Kundschaft sagen…