Ich gestehe, dass ich lachen musste, als ich das hier gelesen habe. Was wir Taxifahrer aber auch alles ablehnen…
😀
Ich gestehe, dass ich lachen musste, als ich das hier gelesen habe. Was wir Taxifahrer aber auch alles ablehnen…
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Die Facebook-Gruppe der GNIT-Leser wächst weiterhin. Schön! Noch sind es knapp über 50 Leute, die sich da angesammelt haben – aber wir sind alle gespannt, wie viele es noch werden.
Nun hab ich gerade eine Anfrage von einem Philipp […] versehentlich ignoriert und weiss nicht, wie ich ihn dennoch hinzufügen kann (bin ja selbst eher Facebook-Noob).
Zum einen würde ich mich natürlich freuen, wenn Philipp es noch einmal versucht, zum anderen kann ich den nachfolgenden Leuten – ich hoffe ja, es kommen noch ein paar – nur anraten, es nochmal zu versuchen, falls zwei Tage lang keine Antwort kommt. Die Gruppe ist öffentlich, und wenn die Anfrage unbeantwortet bleibt, dann liegt das wohl daran, dass ich daneben geklickt habe… 🙁
Also: Neuer Versuch!
😀
Wie der Tagesspiegel gerade online berichtet hat, ist in Berlin ein Pilotversuch mit Fiskaltaxametern angelaufen. Zu diesem Artikel hier ein Kommentar. Ich möchte vorweg anmerken, dass ich über die Geräte nur sehr grob Bescheid weiß, also sicher nicht alle Vor- und Nachteile mal eben benennen kann.
Worum geht es überhaupt?
Steuerhinterziehung ist im Taxigewerbe eine weit verbreitete Problematik, natürlich auch in Berlin. Wenn man den Medien glauben kann, dann weit mehr als in anderen Branchen. Ob das den Tatsachen entspricht, kann ich schlecht bewerten. Aber ja: Es gibt Unternehmer, die ihre Fahrer schwarz arbeiten lassen und auf dem ein oder anderen Weg ihre Einnahmen am Fiskus vorbei mogeln. Welche Möglichkeiten es da gibt, kann ich nicht mal aufzählen, dazu bin ich wohl zu ehrlich 😉
Der Tagesspiegel bringt jedenfalls einmal mehr die ominöse Schätzung eines „zweistelligen Millionenbetrags“, in der Vergangenheit war oft von 50 Millionen Euro die Rede, die im Berliner Taxigewerbe an Steuern hinterzogen wird.
Ich persönlich vermute, diese Zahl ist Bullshit. Ich kenne nicht alle Zahlen, aber schon alleine, wenn man diesen Betrag auf die 12.000 Fahrer in Berlin umlegt, bescheisst JEDER den Staat um durchschnittlich 4.000 Euro im Jahr. Das liegt schon weit entfernt dessen, was ein durchschnittlicher Fahrer überhaupt an Steuern zahlen muss, wenn er legal arbeitet. Und die einzelnen Genies im Gewerbe, die ihre 4.000 bis 6.000 € Umsatz pro Monat machen, werden die Statistik kaum derart verfälschen. Aber gut, das nur als Rahmeninformation. Ungeachtet des Betrages ist und bleibt Schwarzarbeit ein Problem in der Branche – da gehe ich mit dem Autor des Artikels durchaus konform.
Fiskaltaxameter sollen dabei (in absehbarer Zukunft gesetzlich vorgeschrieben) eine Lücke schließen, die bisher existiert hat: Die Manipulation der Einnahmen. Das Grundprinzip der Steuerhinterziehung ist ja stets das Gleiche: Man rechnet seine Einnahmen herunter. Fiskaltaxameter sorgen nun dafür, dass die Daten (also die Umsätze und Strecken) „manipulationssicher“ auf einen Server übertragen werden, wo sie von den Behörden abgeglichen werden können mit den Angaben, die die Unternehmer beim Finanzamt machen. Im Grunde ist das eine gar nicht so dumme Idee, und sie dürfte tatsächlich dem ein oder anderen Betrüger das Wasser abgraben.
Ein bisschen dürftig fällt im Tagesspiegel die Kritik an den Geräten aus. Sie wird dort ausschließlich in folgendem Absatz angedeutet:
„Zum Einbau sind aber bei weitem nicht alle Unternehmen oder Alleinfahrer bereit. Auf Schwarzarbeit und Manipulationen sei man angesichts der dürftigen Einkommen mehr oder weniger angewiesen, heißt es im Gewerbe ziemlich offen.“
Nun, das finde ich doch ein wenig oberflächlich. Ich bin wie gesagt grundsätzlich dafür, aber natürlich würde die Einführung gewisse Probleme bereiten. Vielleicht keine dramatischen oder unlösbaren, aber immerhin.
Zum einen ist die Annahme, die Daten seien „manipulationssicher“ in jedem Fall ein Euphemismus. Das mag im Alltagsgebrauch stimmen, aber man muss kein Computerspezialist sein, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass Daten – insbesondere wenn sie auf einem Server gelagert werden – immer von irgendwem manipuliert werden können. Zudem stellt sich natürlich die Frage, inwiefern der Datenschutz gewährleistet ist.
Die direkte Manipulation des Taxameters ist auch heute schon technisch versierteren Leuten vorbehalten und wird wahrscheinlich nicht flächendeckend betrieben. Viel problematischer ist im Alltag sicher, dass auf das Einschalten des Taxameters gleich ganz verzichtet wird.
Und – auch wenn es Erbsenzählerei sein mag: Was passiert mit all den Fehlfahrten? Es kommt vor, dass man als Fahrer mal den falschen Knopf drückt. Zack, und schon sind 3,20 € auf der Uhr! Oder mal 50 ct Zuschlag. Oder Kunden zahlen nicht. Muss man auf diesen gar nicht gemachten Umsatz in Zukunft Steuern zahlen?
Aber das sind nur ein paar Überlegungen von der Fahrerseite aus.
Im Übrigen finde ich es unschön, zu behaupten, „im Gewerbe“ werde die Manipulation „ziemlich offen“ verteidigt. Alle Taxiverbände und alle Unternehmer ohne Dreck am Stecken sind eindeutig dagegen. Es gibt diese Stimmen, zweifelsohne. Aber das Gewerbe repräsentieren die sicher nicht.
…und so.
Muss man ja sein. Immer und überall.
Ganz im Ernst: Ich bin kein Über-Hypling, was Social Networks angeht. Der Kontaktpflege wegen bin ich aber seit einiger Zeit (noch nicht so lange) bei Facebook beigetreten. Einige findige Leser haben das auch schon rausgefunden und mir Freundschaftsanfragen gesendet. Bis auf ein oder zwei Stück habe ich die aber nicht angenommen.
Tja.
Das ist nicht böse gemeint, aber meine Freundesliste besteht aus Leuten, die ich tatsächlich kenne oder deren Bekanntschaft ich zumindest schon mal machen durfte ohne dass ein Monitor und 500 km Kabel dazwischen waren. Ich habe bei Facebook rumprobiert, hab eine GNIT-Seite erstellt und wieder verworfen und wieder erstellt und wieder verworfen. Schließlich würde ich ja schon gerne die Möglichkeit haben, mit den geneigten Lesern auch mal über einen alternativen Weg in Kontakt zu kommen. Mir als ewiggestrigem Web-Einsnuller liegt es aber nicht, Familie und Gelegenheitsleser in einen Topf zu schmeißen.
Deswegen hab ich nun eine Gruppe gegründet. Bei Facebook. Ich hab noch keine Ahnung, was und wieviel von dem was ich da machen werde, aber es gibt sie jetzt. Ich hab noch nicht einmal eine Ahnung, wie man an die URL der selbigen kommt, deswegen kann ich nur empfehlen, bei FB nach „gestern-nacht-im-taxi.de-Leser“ zu suchen. Solltet ihr dort auch noch GNIT als Seite angezeigt bekommen: Die ist gelöscht. Ich meine die Gruppe!
Also stellt einen Antrag, wenn ihr Bock habt. Aber verzeiht mir, wenn es etwas dauert, bis ich euch reinlasse. Bin zwar zu Hause, aber immer noch krank…
Nicht erst seit der Verlinkung dieses Blogs bei bildblog geht der Name dieser Seite ein wenig durchs Netz. Verlinkungen lassen das Herz jedes Bloggers höher schlagen und so geniesse auch ich das. Es freut mich, wenn die Leute diese Seite für empfehlenswert halten.
Und wenn der Webmaster einer Seite sich dann bei mir meldet, und fragt, ob wir Links tauschen möchten, dann finde ich das zunächst auch immer gut. Solche Anfragen ehren einen, und im Grunde profitieren ja beide Seiten davon.
Meist allerdings lehne ich ab.
Warum das so ist, und warum ich das auch den vielen Bloggern empfehlen möchte, die es noch nicht auf die magischen 1.000 Besucher täglich gebracht haben, möchte ich gerne exemplarisch schildern.
Heute morgen bekam ich eine sehr freundliche Mail von H.H., der eine Taxi-Seite. Er bot mir an, seine Seite zu verlinken, er hätte meine schon verlinkt. Für einen Backlink versprach er einen „viel wertvolleren Link“, nicht nur unter den „Empfehlungen“, sondern auf einer seiner „Städte-Unterseiten“.
Wie wertvoll dieser Link ist, will ich nicht bewerten. Ich wollte die Seite nicht gleich auf Herz, Nieren und Zugriffszahlen prüfen – schätze aber, sie ist nicht so bekannt wie meine. Ist ja auch nicht schlimm!
Interessant ist allerdings, dass die „Empfehlungen“ wirklich nur auf der Hauptseite verlinkt sind. Also wirklich: Verlinkt! Nicht angezeigt. Noch dazu verlieren sich die Empfehlungen auf mehreren Unterseiten, und die Linksammlung dort zeigt mir an, dass sich dort ein buntes Sammelsurium an Seiten findet, von denen einzelne sich sogar damit rühmen, fiktive Geschichten zu erzählen.
Sorry, lieber Lieblingskontrahent, dieser Seitenhieb musste sein! 😉
Aber das ist ja nicht alles. Grundsätzlich finde ich die (grob zusammengefasste) Aussage „Und wenn sie mich nicht verlinken, dann entferne ich den Link wieder“ ziemlich unhöflich. Ich weiss, dass das Netz auch ein Geschäftsraum ist. Auch ich habe hier im Blog Flattr, Paypal und Amazon untergebracht, um den Reichtum zu erlangen, den ich mit Taxifahren nicht erreichen kann. Aber thematisch verwandte und interessante Seiten verlinke ich freiwillig, wenn ich sie für lesenswert halte, nicht als Gegenleistung.
Und mal abgesehen davon, dass ich es gar nicht darauf anlege, dass meine Seite in einer Art Rufnummernverzeichnis (was an sich ja eine gute Idee ist) gefunden wird, ist mir eine weitere Kleinigkeit bitter aufgestossen. Ich zitiere hiermit von H.H.’s Berlin-Seite (die mehr oder weniger gleich zumindest für eine weitere Großstadt angelegt wurde):
„Da die Kosten für Taxis in Berlin recht verschieden sein können, lohnt es sich immer zu vergleichen. Am besten vereinbaren Sie mit dem Taxifahrer einen Festpreis.“
Da mich bei meiner täglichen Arbeit kaum etwas mehr nervt als immer wieder irgendwelchen Leuten zu erklären, dass es illegal ist, Festpreise in der Stadt zu machen, sehe ich es dreimal nicht ein, eine solche Seite zu unterstützen.
Meine Antwortmail liest sich komplett so:
„Sehr geehrter Herr H.,
ich danke ihnen für die Anfrage.
Wie jeder Blogger hätte ich gerne mehr Besucher auf meiner Seite, und
wie jeder Blogger bin ich einem freundschaftlichen Linktausch nicht
abgeneigt.
In diesem Fall möchte ich allerdings ablehnen und damit in Kauf nehmen,
dass sie meinen Link wieder entfernen.
In der Hoffnung, sie sind ernsthaft interessiert und schreiben nicht nur
wahllos Seiten mit dem Suchbegriff „Taxi“ an, möchte ich ihnen gerne
eine Begründung liefern:
Zum einen stellt meine Seite für das Angebot ihrer Seite keinen Mehrwert
da. Ich blogge über meine Erlebnisse als Taxifahrer, aber auch wenn ich
für mein Publikum meine Nummer angebe, so ist das in keinem Fall eine
adäquate Möglichkeit, in Berlin ein Taxi zu bekommen, da meine
Arbeitszeiten doch recht beschränkt sind.
Dann bin ich persönlich kein Freund von Links, die mit Bedingungen
einhergehen. Das mag geschäftlich Usus sein, nicht ohne Grund aber ist
meine Seite keine offizielle Geschäftsseite. Wenn sie meine Seite nicht
ohne Gegenleistung für empfehlenswert halten, dann verlinken sie sie
nicht. Das ist völlig ok.
Zu guter Letzt und zum ausschlaggebenden Grund:
Ich begrüße es, wenn das Netz informative Taxiseiten bereithält. Unser
Gewerbe benötigt dringend Offenheit und Transparenz! Aber ich werde
sicher keinen Linktausch mit einer Seite eingehen, die für Berlin
empfiehlt, mit den Fahrern einen Festpreis auszuhandeln.
Das mag jetzt vielleicht kleinlich klingen, aber in meinem Arbeitsalltag
besteht die größte Herausforderung darin, potenziellen Fahrgästen
klarzumachen, dass genau das – einen Festpreis aushandeln – illegal ist.
Zu ihren Gunsten gehe ich davon aus, das sie das aus Unwissenheit
geschrieben haben, möchte sie aber unabhängig von einem Linktausch als
offenbar am selben Thema interessierter Mensch darum bitten, sich
schnellstmöglich mit dem Berliner Taxitarif auseinanderzusetzen und
diese Fehlinformation von ihrer Seite zu entfernen.
Auch wenn ich ihrer Anfrage negativ entsprochen habe, möchte ich ihnen
viel Erfolg mit ihrer Seite wünschen.
Sash
PS:
Ich werde meine Leser vielleicht über diese Anfrage informieren und
meine Ablehnungsgründe offenlegen. Wenn ich sie erwähne, verlinke ich
selbstverständlich auch ihre Seite.“
Und wirklich: Das war eine der seriösesten Anfragen überhaupt!
Liebe „kleine“ Blogger da draussen: Ich weiss, wie sehr es einen reizt, ein solches Angebot anzunehmen. Und vielleicht ist auch wirklich mal der Deal dabei, den man sich immer erwünscht hat. Aber vergesst das Nachdenken nicht! Was einen Blog gut macht, sind nicht gekaufte Links, sondern der Content. Wenn man es gut macht, wird das schon. Es mag dauern, aber es wird!
PS: Ich weiss, dass ich der Seite jetzt doch noch den Link gegeben habe. Das ist ok, soll Herr H. es sich auf seine Fahnen schreiben, so er möchte!
Ich wollte ein anschauliches Beispiel zeigen, und das war es wert.
In meinem letzten – bei bildblog verlinkten (wow!) – Eintrag habe ich neben dem ganzen Schmu im Artikel bei bild.de auch thematisiert, dass ich mich via Mail an den TVB gewandt habe, um bezüglich des etwas verunglückten Zitates von Boto Töpfer eine Stellungnahme zu bekommen. Die Mail war sehr direkt, und ich hab – gerade als bildblog-Leser – natürlich die Möglichkeit mit eingeschlossen, dass das Zitat falsch sein könnte. Meine Mail sah ungekürzt wie folgt aus:
Guten Abend,
sicher ist ihnen der unschöne Artikel bei bild.de über unsere Branche nicht entgangen.
http://www.bild.de/BILD/regional/berlin/aktuell/2011/01/28/grosser-berliner-taxi-test/branche-in-der-kritik.html
Als Berliner Taxifahrer und zugleich Blogger bin ich immer interessiert an derartigen Meldungen. Interessant an diesem Artikel fand ich die Worte, mit denen Herr Töpfer mit Verweis auf den TVB zitiert wurde:
„Dass keine Fahrt über Umwege gelaufen ist, ist verwunderlich. Denn gerade bei Kurzstrecken haben wir oft Beschwerden von Kunden.“
Dass es diese Beschwerden gibt, weiß ich aus meinem Arbeitsalltag nur zu genau, von einem Branchenverbandssprecher aber ausgerechnet Verwunderung über Ehrlichkeit zu hören, irritiert.
Nun ist die Bild nicht gerade für seriöse Berichterstattung bekannt und ich wollte deswegen anfragen, ob
a) dieses Zitat richtig ist und
b) dieses Zitat so für sich stehen sollte, oder aus einem größeren Zusammenhang gerissen wurde.
Für den Fall, dass dieses Zitat richtig ist, würde ich mich über eine Erklärung freuen, weswegen man einer bekannt reisserisch berichtenden Zeitung so einen negativen Satz vorlegen musste.
Ich wäre erfreut, ihre Antwort in meinem Blog rund ums Taxifahren
http://www.gestern-nacht-im-taxi.de
zitieren zu können.
Vielen Dank im Voraus,
Sascha Bors
Erfreulicherweise erreichte mich heute Nacht noch eine Antwort, und zwar von Herrn Töpfer persönlich. Sie ist sehr ausführlich, mitnichten eine Standardantwort, und am Besten ist es wohl, sie auch hier zu zeigen. Ich wollte sie zunächst ausschnittsweise zitieren, da sie sehr lang ist und z.B. auf das Thema Schwarzarbeit weiter eingeht als es im Zusammenhang mit dem Zitat notwendig wäre. Ich habe aber nun beschlossen, die Mail zunächst unkommentiert stehen zu lassen, damit sich jeder selbst ein Bild davon machen kann, gerne auch öffentlich unter Einbeziehung der Kommentarfunktion. Ich werde Herr Töpfer noch einmal persönlich kontaktieren.
Bitte sehr:
Sehr geehrter Kollege Bors,
vielen Dank für Ihre Mail vom 1.2.2011 an den TVB.
„Dass keine Fahrt über Umwege gelaufen ist, ist verwunderlich. Denn gerade bei Kurzstrecken haben wir oft Beschwerden von Kunden.“ In dieser Äußerung werde ich richtig zitiert.
Das Interview fand unangemeldet am Telefon statt und war von sehr kurzer Dauer. Der Interviewer war verwundert, dass ich das für die Berliner Taxifahrer gute Testergebnis nicht mit Begeisterung quittierte. Daraufhin machte ich die zitierte Äußerung.
Meine Verwunderung richtete sich zunächst auf den Aspekt, ob das Testergebnis vom Interviewer selbst richtig verstanden worden war. Denn ich kannte den Test selbst nicht und musste mich also auf die Interpretation des Interviewers verlassen. Dieser versicherte mir, dass kein Fahrer Umwege gefahren sei. Wie ich später im Testbericht las, ist der „unerfahrene Fahrer“ aber für 29 € von der Sonntagstr. zum SXF gefahren, Kollege Cengiz T. für 31,20 €. Offensichtlich ist dem Interviewer also nicht klar geworden, dass Cengiz einen Umweg von 1,7 km gefahren ist – nicht ganz unerheblich zu Lasten des Kunden. Und auch der „freundliche Fahrer“ ist 1,2 km Umwege gefahren – und das, obwohl der Beste in dieser Dreierrunde sich erstmal in einer Sackgasse verirrt hat und dabei gewiß auch unnötige Strecke verbraucht hat. Ich denke, meine Verwunderung ist hier also angebracht.
Der zweite Aspekt meiner Verwunderung richtete sich auf die Frage, ob das Testergebnis mit drei Fahrten auf sechs verschiedenen Strecken repräsentativ sein kann. Diese Frage richtete ich auch an den Interviewer, der meine Bedenken als unverständlich abtat. Sie haben in Ihrer Stellungnahme zum Taxi-Test sehr gut begründet, dass dieser Test natürlich nicht repräsentativ sein kann und daher wertlos sein muss! Auch hier scheint mir meine Verwunderung gerechtfertigt zu sein.
Ich bin also nicht über die Ehrlichkeit der Taxifahrer verwundert. Die allermeisten sind sicherlich bemüht, auf dem kürzesten Weg wie vorgeschrieben den Fahrgast zu befördern. Ich bin über das Zustandekommen und die Auswertung des Test verwundert, denn leider gibt es zuviele Kollegen, die nicht wie vom Interviewer behauptet den kürzesten Weg fahren – siehe Sonntagstraße – SXF. Das zeigt uns auch der Beschwerdeeingang im TVB, den wir sehr genau auswerten. Fahrten von TXL zum Ku-damm für 35 € sind da keine Seltenheit. Es sind diese Fahrten und diese Kollegen, die uns Taxifahrer in Misskredit bringen. Und beim nächsten Mal fahren wir dann nicht mehr, sondern der nette Neffe mit seinem neuen Auto, mitgesponsort durch die Tante, nimmt uns diese Tour dann weg!
Abschließend noch eine Bemerkung zur Schwarzarbeit, die natürlich bei solchen Tests überhaupt nicht erkannt werden kann. Das haben Sie völlig richtig geschrieben! Mit Schwarzarbeit verbinden die meisten Interviewer das Fahren ohne eingeschalteten Taxameter. Diese Form von Schwarzarbeit ist ja nur ein kleiner Teil des Problems, den die meisten Fahrer auch ablehnen und daher nicht praktizieren.
Das Problem Schwarzarbeit bedeutet ja für alle sauber abrechnenden Taxifahrer und Unternehmer eine unerträgliche Wettbewerbsverzerrung, da hier Steuern und Sozialabgaben von leider viel zu vielen Betrieben kleingerechnet werden. Es ist schon ein Unterschied, ob ein Unternehmer für ein zweischichtig gefahrenes Taxi 700 € jährlich an die Berufsgenossenschaft überweisen muss oder nur 175 €. Während der Ehrliche noch die 525 € einfahren muss, liegt der Verkürzer schon am Strand und genießt den Urlaub. Wohlgemerkt, der Verkürzer hatte die gleiche Lohnsumme wie der Ehrliche! Nur angegeben hat er sie nicht. Rechnet man diese Wettbewerbsverzerrung auf alle Sozialversicherungszweige um und bezieht auch noch alle Arten von Steuern ein, die zu zahlen sind, haben Sie, ich und alle sauber wirtschaftenden Kollegen einen Wettbewerbsnachteil von 5000 – 6000 € im Jahr. Bei mehreren Taxen in einem Betrieb muss man diese Beträge sogar noch multiplizieren.
Obwohl wir also als Taxifahrer alle den gleichen Job machen, spielen alle Beteiligten in zwei unterschiedlichen Ligen, was den Ertrag angeht. Eine unerträgliche Ungerechtigkeit. Diese Art des massiven Betrugs geht Gott sei Dank nicht zu Lasten des Fahrgastes und so wird der Fahrgast auch nicht wegbleiben. Deshalb sollten wir offen im Taxigewerbe über das Problem Wettbewerbsverzerrung reden. Wir im TVB tun dies.
Ich hoffe, ich konnte Ihrer Bitte um Erklärung zum Interview entsprechen. Sie können auch gerne meine Stellungnahme in Ihrem Blog zitieren. Ganz besonders würde ich mich freuen, wenn Sie mich im TVB ansprechen würden, falls Ihnen etwas stinkt. Kritische Kollegen wie Sie sind im TVB immer sehr willkommen!
Mit kollegialen Grüßen
Töpfer
In den letzten Tagen des kalten Januars 2011 trafen sich die zwei Journalisten Löbker und Schultz. Mir ist nicht bekannt, wie dieses Treffen zustande gekommen ist, das verheerende Ergebnis dieser Zusammenkunft lässt sich jedoch seit einigen Tagen im Netz nachlesen. Im Verlauf ihres Beisammenseins entdeckten sie einen unglaublichen Skandal. Und das nicht irgendwo. Im Taxigewerbe.
Im Taxigewerbe wird betrogen und abgezockt. Eine Wonne für Enthüllungs-Journalisten jeglicher Couleur!
Ausgerechnet der Branchenverband TVB, der Taxi-Verband Berlin, lässt unglaubliches verlauten:
„…dass jeder zweite Euro schwarz verdient wird, Fahrer Stütze vom Amt kassieren, heimlich arbeiten. Absichtliche Umwege nehmen, die Fahrgäste Geld kosten. Trinkgeld nicht versteuert wird.“
Und das in Berlin!
Aber sie beide würden das alles aufdecken, publik machen, die Leute endlich wachrütteln! Und so kam es, dass sie einen perfiden Plan ausheckten. Ein Test! Sie würden einen Test machen. Mit Taxifahrern! Das hatte es bestimmt noch nicht gegeben!
Zunächst trafen sie eine Entscheidung, die so brilliant wie auch einfach ist, dass man sich als Leser fragt, wieso man da nicht selber drauf gekommen ist: Sie würden Taxi fahren. Und zwar oft! Sie würden diese betrügerischen Taxifahrer mit Geld ködern und sie danach vorführen. Hervorragend!
Der Plan nahm irgendwann konkrete Formen an, es sollten 18 Fahrten werden. Nicht mehr und nicht weniger. Die beiden überlegten sich ein paar Fahrtziele und tüftelten an den Stolpersteinen herum. Kurze Strecken mussten unbedingt dabei sein, schließlich ist ja bekannt, dass Taxifahrer bei kurzen Strecken gerne mal schlecht gelaunt sind. Damit das auch wirklich eintrifft, wurden diese Fahrten ausschließlich von Bahnhöfen mit längeren Taxischlangen gefahren. Die Idee war so gut und so underground, dass sie wahrscheinlich in Gedanken Günter Wallraff rehabilitierten.
An dieser Stelle möchte ich mich gerne persönlich beim Axel-Springer-Verlag dafür bedanken, dass sie insgesamt 255,10 € in unser Gewerbe investiert haben.
Beim Rest der Fahrten wurden sie etwas ungeduldig, sie unterteilten sie willkürlich in Nacht- und Normalfahrten, auch wenn es von der Sache her keinen Unterschied machen würde. Eine Strecke musste wahrscheinlich aus Zeitgründen doppelt gefahren werden, aber durch ein bisschen Kreativität bei der Suche nach Straßennamen konnte man das auch unter den Tisch kehren. Insgesamt 285 Minuten verbrachten sie im Taxi. Als sie feststellten, dass das quasi 5 Stunden und damit schon mindestens die Hälfte einer ganzen Schicht für einen Taxifahrer wäre, wussten sie auch, dass das groß war. Ganz groß.
Und sie nannten ihr Werk
Der große Berliner TAXI-Test
Hut ab.
So stelle ich mir jedenfalls die Entstehungsgeschichte des „TAXI-Test“ vor. Und damit kommen wir zum eigentlichen Problem: Der angekündigte große Test ist eine Karikatur seiner selbst. Abgesehen davon, dass wie bei solchen Tests üblich nicht einmal ansatzweise repräsentative Daten erhoben worden sind, ist auch kaum belegt worden, was am Anfang des Textes befürchtet wurde.
Schlimmer noch: Das Machwerk strotzt nur so vor inhaltlichen Fehlern und lässt nicht einmal irgendwelche Kriterien erkennen, nach denen getestet wurde. Im Grunde haben hier zwei Bild-Reporter in meiner Meinung nach ziemlich kargen Sätzen ihre Taxierlebnisse niedergeschrieben.
Schauen wir uns doch mal eben die Fakten an. Eine Zahl, die bei allen Fahrten genannt wird, ist die Strecke. Da stellt man gleich bei der ersten von den 6 Routen fest, dass sie natürlich nicht 1,7 sondern 1,2 Kilometer lang ist. Das hätte im Übrigen ein simpler Abgleich mit dem Berliner Taxitarif ergeben, den man bei einem „TAXI-Test“ ja wohl erwarten kann. Die Krönung ist dann die letzte Strecke zum Flughafen, bei der im Gegenzug mal eben ein Drittel der Strecke irgendwo im Nichts verschwunden ist. Ein Haufen irritierter Taxifahrer überlegt sich inzwischen nämlich, wie man die 20km-Strecke auf 13,8 verkürzen kann.
Dann zeigt ein Foto Herrn Löbker beim Einstieg in ein Taxi am Potsdamer Platz. Wer errät, von welchem großen Berliner Platz keine der genannten Touren gefahren wurde?
Mehr im Argen liegt allerdings bei der 3. „Normalfahrt“ auf der ersten Strecke. Da stehen angeblich 15,50 € auf der Uhr. Das zeugt von einer enormen Unkenntnis des Berliner Tarifs, der ohne Zuschläge seit nunmehr anderthalb Jahren nicht zu einem ungeraden 10ct-Betrag führen kann, da das Taxameter in 20ct-Schritten zählt.
Die inhaltlichen Fehler sind aber nur die Spitze des Eisberges und lassen allenfalls erahnen, mit welcher Sorgfalt hier „getestet“ wurde. Wenn als einzige Kriterien Strecke und Zeit herhalten müssen, sollten wenigstens diese Daten plausibel sein.
Was nun aber das Hauptproblem gewesen sein muss: Auf alle relevanten Fragen lieferten die Fahrten keine Antwort. Auch die Vorwürfe wurden nur unzureichend bestätigt.
Zwei Fahrer haben das Taxameter nicht angeschaltet. Das ist ein schwerer Verstoß, bestätigt aber bei weitem nicht die vermuteten 50% schwarz erwirtschaftetes Geld.
Zwei Meckerer haben sie gefunden, gut.
Ob jemand komplett schwarz arbeitet, konnten sie natürlich nicht mal eben kurz herausfinden, und besonders absurd wird es dann bei den Umwegen:
Einen wirklich bedeutenden Umweg ist anscheinend keiner gefahren, also wird flugs Boto Töpfer vom Taxi-Verband Berlin zitiert, der sich (als vermeintlich einzige Branchenvertretung) auch noch darüber wundert, dass kein Fahrer eine zu lange Strecke gewählt hat. Ich habe am Abend des 1. Februar eine Mail an den TVB geschickt, in der ich die Frage stelle, ob das Zitat in dieser Form korrekt ist.
Zuletzt stellt sich noch die Frage nach dem Versteuern der Trinkgelder. Zum einen müssen zumindest die Angestellten Trinkgelder gar nicht versteuern, zum anderen fehlt im Verlauf des tollen „TAXI-Test“ jeglicher Hinweis darauf, ob die Journalisten überhaupt welches gegeben haben.
Wir haben also eine These vom miesen Taxigewerbe und eine mehr als dürftige Teilbestätigung. Und nun?
Schreiben die Bildlinge einfach mal ein paar Sätze zu den Fahrten. Oftmals wird dabei der Gesprächsinhalt wiedergegeben, wichtige Fakten lassen sich nur bei einzelnen Fahrten erahnen, niemals aber vernünftig vergleichen. Am Besten lässt sich das an der letzten und längsten Fahrt von der Sonntagstraße zum Flughafen Schönefeld verdeutlichen:
„1. Fahrt: Cengiz T. (42) plaudert viel. Er ist seit 18 Jahren in Deutschland, hat in der Türkei Betriebswirtschaft studiert. „Leider wurde der Abschluss hier nicht anerkannt. Mit dem Taxi-Job ernähre ich meine Frau und zwei Töchter.“ Hält das Lenkrad sicher mit beiden Händen. Dauer: 27 Min., Preis: 31,20 Euro.“
Er hat Familie, einen türkischen Abschluss und hält das Lenkrad sicher. Äh, ja.
„2. Fahrt: Der freundliche Fahrer (Foto links, seit 31 Jahren im Job, ohne Navi) nimmt den Koffer in Empfang, legt ihn in den Kofferraum. Dauer: 29 Min., Preis: 30,60 Euro.“
Preis und Fahrtzeit sind also fast identisch, der Fahrer ist freundlich. War Cengiz auch nett und hat beim Gepäck geholfen? Wer weiß? Und ist das fehlende Navi nun gut oder schlecht? Bei einer anderen Fahrt wurde das fehlen eines Navis nämlich bemängelt. Das Foto vom Fahrer existiert übrigens nicht bei bild.de.
„3. Fahrt: Der unerfahrene Fahrer (seit August 2010 im Job) lässt sein Navi aus, fährt zunächst in eine Sackgasse. Sucht dann den richtigen Weg in einem Stadtplan raus. Er telefoniert gleich zweimal über Lautsprecher mit seiner Freundin, die auch noch maulig ist. Immerhin hilft er beim Gepäck. Dauer: 41 Min., Preis: 29 Euro.“
So, hier ist wohl einiges schief gelaufen. Die Fahrt dauert wesentlich länger und – Moment mal! – ist die mit Abstand günstigste der drei. Trotz Verfahren ist der Weg fast 2 Kilometer kürzer als der von Cengiz. Aber wird daraus ein Fazit gezogen? Ist der bessere Preis vielleicht das Gemaule der Freundin wert? Keine Ahnung, denn das sind die letzten Sätze dieses großen Taxi-Tests, er endet mit den Worten „Preis: 29 Euro.“
Es bleiben also durchaus einige Fragen offen nach dem Lesen. Zum Beispiel würde ich gerne wissen, was aus Hijazi M. geworden ist. Der ist die Tour schwarz gefahren, hat die Verkehrsregeln missachtet und schien auch sonst nicht gerade serös zu sein. Wurde hier eine Anzeige erstattet, eine Beschwerde formuliert, oder war das nun alles nur Unterhaltung?
Ich möchte noch anmerken, dass bild.de meiner Meinung nach einmal mehr unterschwellig Stimmung gegen die nicht-deutschen Kollegen machen möchte. Wer die Namen der Fahrer durchliest, stößt auf 9 Namen, davon 7 türkische, einen arabischen und einen ivorischen. Die anderen 9 heißen „Fahrer“, „netter Fahrer“, „Uriger Berliner“ usw.
Das Ergebnis ist klar: Taxifahrer sind schlimm, das Gegenteil beweisen sie nicht wirklich und waren das nicht alles Ausländer?
Im Gegensatz zum großen „TAXI-Test“ möchte ich mit einem Fazit schließen:
Dieses pseudojournalistische Geschwurbel ist nutzloses Füllmaterial für die Seite bild.de, das bezüglich der leider tatsächlich vorhandenen Probleme im Taxigewerbe nichts erklärt, nichts testet und nichts ändern wird.
(Das ganze hab ich überhaupt nur via Klaus gefunden)