Neuer Taxikunde

Die meisten Leute, die hier lesen, werden Taxen wahrscheinlich eher freiwillig benutzen. Und ja: Auch der betrunkene Heimweg via Taxi nach einem durchfeierten Wochenende fällt ja letztlich unter die Kategorie „freiwillig“.

Viele Menschen aber würden eigentlich gerne selber fahren, sind aber aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen dazu nicht in der Lage, oder aus… äh ja… anderen Gründen. So einen Neukunden haben wir wohl jetzt wieder mal „gewonnen“, zumindest ist so schnell nicht damit zu rechnen, dass der Mann selbst ins Auto steigt, dem wir diese herrlich zynisch geschriebene Polizeipressemeldung vom 28.3.2011 verdanken:

Link zur Pressemeldung

Die Polizei hat am Hohenzollerndamm einen Smartfahrer gestoppt, der mit 90 km/h unterwegs gewesen sein soll. Das liest sich dann wie folgt:

„Nachdem die Polizisten den „Smart“ gestoppt hatten und auf den Unterschied zwischen „erlaubt“ und „nicht erlaubt“ hinwiesen, eröffneten die Beamten dem 31-Jährigen, dass für solche Missachtungen der Verkehrsregeln vorgesehene Fahrverbot.“

Der beste Teil kommt aber erst noch:

„Der niedergeschlagene Fahrer bat die Beamten höflich um Aufschub des Fahrverbots bis zur bestandenen Führerscheinprüfung.“

Also, wenngleich die Aktion ja an sich schon dämlich war: Es ist ja wohl die absolute Krönung, sich jetzt nicht etwa darüber zu freuen, dass man gar keinen Führerschein zu verlieren hat, sondern darum zu bitten, abzuwarten, um ihn nach Erhalt abgeben zu können. Der Kerl hat mir echt den Tag versüßt.

Das Ende der Geschichte ist dann dennoch entsprechend nüchtern:

„Über den weiteren Verlauf der Kraftfahrerkarriere des 31-Jährigen entscheiden nun Gericht und Verwaltungsbehörde.“

(Quelle: Polizei Berlin)

Und da ich glaube, mir ausmalen zu können, wie sich die Behörden in so einem Fall entscheiden, gehe ich davon aus, bald einen neuen Kunden bei uns im Gewerbe begrüßen zu dürfen. Wobei ich vermute, dass ihm die Geschwindigkeiten bei uns nicht so recht gefallen werden.

Ich bin nämlich beispielsweise neulich die Landsberger Allee gen Heimat langgegurkt und sehe vor mir plötzlich Team Green Blue am Fahrbahnrand stehen, kurz vor dem neuen Ikea. Mit den Augen direkt in die Laserpistole blickend dachte ich mir dann:

„Mist, jetzt isses auch zu spät!“

und verzichtete auf die Vollbremsung. Kurzer Blick auf den Tacho: ca.48 km/h. Ja, liebe Leut, es geht tatsächlich ohne Raserei. Ohne Witz!

PS: Die Genehmigung zum Zitieren der Pressemeldung kam leider erst nach 3 Tagen, deswegen ist dieser Artikel erst jetzt zu lesen.

Morgen Nacht im Server

So, liebe Leute.

Ich hab mich tatsächlich zu einem Serverwechsel durchgerungen. Ich bleibe nach wie vor bei meinem alten Hoster all-inkl.com, den ich heute einmal mehr jedem ans Herz legen kann, der guten Service zu schätzen weiss. Ich hab, seit ich mal angedeutet habe, dass ich den Server wechseln möchte, gleich mehrere (!) Angebote bekommen, meine Seite kostenlos unterzubringen. Dafür ein dickes Danke den Leuten! (Ihr wisst ja, wer ihr seid 😉 )

Fakt ist aber, dass ich wirklich wirklich zufrieden bin mit meinem Anbieter, und das seit nunmehr 5 oder 6 Jahren. Im Internet eine Ewigkeit. Dummerweise ist mein Tarif auch noch aus der Zeit, und somit zahlte ich bisher (noch wegen der Mehrwertsteuererhöhung!) etwas mehr als für den günstigsten Tarif notwendig, zum anderen war aber vor allem der Speicherplatz auf 1 GB (Ja, sowas gab es.) begrenzt. Da würde ich jetzt schon 10 GB für kriegen…

Desweiteren aber wollte ich spätestens seit dem bildblog-Link mal vorsichtshalber auf einen schnelleren Server umziehen, bei dem auch keine Traffic-Begrenzung mehr existiert. Nach einer kurzen telefonischen Rückfrage wegen einiger Details hab ich nun auf das PrivatPlus-Paket gewechselt, mit dem ich wahrscheinlich bis zum Erreichen 6-stelliger täglicher Leserzahlen gut bedient bin. Nun ist alles erledigt, alle Einstellungen sind geändert und nun bleibt nur noch eines abzuwarten: Der Serverwechsel.

All-inkl.com macht die Serverumzüge grundsätzlich Nachts zwischen 2 und 6 Uhr, und folglich wird diese Seite (wie auch meine andere) entweder heute oder morgen Nacht  für bis zu vier Stunden nicht erreichbar sein. Also weinen dürft ihr deswegen natürlich, aber Sorgen machen muss sich niemand. Das gehört dazu.

Und wenn sich jemand wundert, warum ich hier so die Werbetrommel für meinen Hoster rühre: Ich bin wirklich zufrieden, ich hab jedes Mal bei Supportanfragen ohne ewige Warteschleife gleich kompetente Mitarbeiter an der Hotline, technische Störungen gab es noch nie, selbst meine heutige Speicherplatzüberschreitung führte nicht zu Drohmails oder Abschaltung, sondern lediglich zu einem Hinweis. So was findet man einfach nicht mehr oft. Und das weiss ich zu schätzen. Rabatt gibt es für diese Links keinen 😉

Nachtrag:
So, Serverwechsel ist erledigt. Scheint alles gut gelaufen zu sein. Na denn: Hang!

Polizeipressemeldungen mit Taxibezug

Letzte Woche schon gab es einen Überfall, zu dem ich den Link allerdings gerade nicht finde. Die neueren Meldungen sind hingegen auch nicht besser:

In Kreuzberg wurde am 23.3. ein Kollege ausgeraubt, wie so oft natürlich bewaffnet und einmal mehr sehr früh (gegen 20 Uhr).  Abgesehen vom finanziellen Verlust ist dem Fahrer glücklicherweise nichts passiert. Allerbeste Genesungswünsche bezüglich der psychischen Auswirkungen von meiner Seite!

Leider gibt es auch mal wieder einen Unfall mit Taxibeteiligung zu melden: Am 24.3. hat ein Kollege einen Fußgänger an der Beusselstraße angefahren. Auch hier natürlich alles Gute an beide Beteiligten!

Anmerkungen zum Kabel1-Bericht

Thomas hat mir zu meinem Text über die versemmelte Funkbestellung in den Kommentaren den Link zu einem Video von Kabel1 geschickt. Hab ich natürlich mal draufgeklickt…

Gleich vorweg: Ich bin Taxifahrer und ich fahre in Berlin. Das allerdings tue ich ohne Funk. Ich hab noch uralten Sprachfunk (einer anderen Zentrale) im Auto, aber ich nutze ihn nicht. Insofern bin ich als Fachmann sicher nicht erste Wahl.
Ein paar Kleinigkeiten wollte ich gerne dennoch anmerken. Ich orientiere mich hierbei (so Pi mal Daumen) an den Zeitmarken des Videos, das sollte einfacher nachzuvollziehen sein.

0.00:
Ich möchte nur mal erwähnen, dass es vielleicht die größte Zentrale Deutschlands ist, sie aber keineswegs alle Taxen in Berlin erreicht, bzw. dort die einzige ist. Die Größte: ja.

0.50:
Koordinatoren wie hier an der Messe sind extrem selten. In der Regel organisieren wir Fahrer unsere Aufstellung vor Veranstaltungen selbst. Und nicht, dass ich das Einladen außerhalb der dafür vorgesehenen Plätze verteidigen will – oder die Funkzentrale diskreditieren – aber den Tonfall, mit dem der Kollege hier mit dem Fahrer spricht, der nicht mal für die Zentrale fährt (es fehlt der Kleber in der Scheibe) müsste nun ja auch nicht sein. Aber ich sollte mich raushalten: Mich hat es als Nachtfahrer bisher noch nie zur Messe verschlagen. Vielleicht sagt ein Tagfahrer mal was dazu.

1.25:
„Rein rechtlich haben Taxikunden eigentlich die freie Wahl“ klingt ein bisschen herabwürdigend – bei allem Verständnis dafür, dass Ordnung hier Not tut. Aber ich halte dieses Recht für wichtig!

3.02:
Ja, so hat man sich das an Silvester vorzustellen: Der Kunde steigt ein, und überall Beschwerden, er wäre nicht dran. Ist für den einzelnen Fahrgast immer blöd, als Fahrer hat man leider auch keinen Überblick…

4.00:
Ich persönlich finde es nur lustig, dass die erste Szene am Spittelmarkt spielt, der Fahrer die Fahrt dann aber woanders (Reichstag, oder?) annimmt. Aber das lassen wir mal als Dramaturgie gelten 😉

6.07:
Das mit dem Gehalt trifft nicht auf jede Stadt zu, aber da es um Berlin geht, ist das wohl richtig.

6.30:
150 € Umsatz mindestens? Naja, ich hab einen niedrigeren Lebensstandard, wie mir erscheint. Wobei ich zweifelsohne froh wäre, wenn es so laufen würde…

6.35:
Also Kollege! Degressiver Tarif? Es stimmt ja, dass das Fahren ab dem 7. Kilometer billiger wird – aber nicht „immer um ein paar Cent“. Die ersten 7 Kilometer kosten derzeit 1,65 €, die danach 1,28 €. Da gibt es keine Zwischenschritte oder sonstwas. Ich würde es mit meiner bescheidenen Kenntnis von Tarifmodellen eher für einen Stufentarif halten. Aber ich hab auch Leute bei mir in der Firma, die nach Jahren noch nicht wissen, wie sich ihr Gehalt errechnet…

7.00:
Der Kollege darf von 20 € nur 7,50 € brutto behalten. Das sind 37,5%. Falls du das siehst, Kollege: Ich weiss, wo man deutlich mehr bekommt…

7.20:
Soso, ein Taxi wird nach dreieinhalb Jahren ausgetauscht? Mal ganz im Ernst: Das halten alle 5.000 voneinander unabhängige Taxiunternehmen also genau gleich? An dem Punkt merkt man dann, dass man nicht blind allen Zahlen vertrauen sollte…

7.45:
Folien sind tatsächlich eine Alternative zu Lackierungen. Allerdings ist es natürlich nicht gerade neutral, was die werte Dame da erzählt. Zum einen fahren immer noch viele Taxen lackiert und nicht foliert herum. Dann ist der Lack natürlich am Ende gewissermaßen neuwertig, die Entfernung der Folie aber keinesfalls kostenneutral – und es wird oft vergessen, dass Taxen auch nach kurzer Laufzeit enorm viele Kilometer runtergerissen haben. Die Schwankungen wegen der Lackierung beim Verkaufspreis eines Fahrzeugs, das zwischen 200.000 und 600.000 km hinter sich hat, ist nicht ganz so entscheidend, wie es hier vielleicht klingen mag 🙂

8.27:
Betrug unmöglich? Ich würde es gerne glauben. Aber die einfachste Betrugsvariante ist, nach dem Eichen kleinere, und zum Eichen wieder größere Reifen aufzuziehen… was es noch an Optionen für technisch versierte Leute gibt, kann ich nicht einschätzen – mit der Vokabel unmöglich wäre ich aber vorsichtig!

8.45:
Auftritt Axel. Axel ist auch mein Lehrer gewesen – ein sehr netter Kerl übrigens. Er gibt auch den Spezialatlas heraus, eine prima Hilfe zum Lernen auf die Ortskundeprüfung. Ohne seinen „Werbeauftritt“ jetzt diskreditieren zu wollen: Normalerweise macht man keine Übungsfahrten zum Lernen – es sei denn, das ist sein neues Konzept – zum anderen wird das sicher nicht über die Zentrale vermittelt. Sieht nett aus, keine Frage. Aber in der Realität steht Axel dann doch eher vor einem Stadtplan und fragt ungemütliche Sachen à la „Wie kommen wir denn am besten vom Brandenburger Tor zum Unfallkrankenhaus Berlin?“
Und so läuft auch die Prüfung ab. Man muss keine Bedingungen erfüllen, um sie zu machen. Legt 55 € auf den Tisch – je nach Jahreszeit beim TVB oder der Innung –  macht einen Termin aus und nehmt teil! Axel ist hier keine Instanz, die über die Zulassung zur Prüfung richtet, seinen Kurs kann ich dennoch empfehlen, denn er erhöht die Wahrscheinlichkeit, es zu schaffen.
Außerdem steht Axel hier jenseits des Taxistandes im absoluten Halteverbot 😉

9.52:
Die Prüfer sind „relativ streng“? Die Wortwahl kenne ich von Axel eher nicht. Lag wohl an der Kamera. Wer das unzensiert hören möchte, sollte sich an ihn wenden 😀

10.00:
190.000 mögliche Routen? Ich hab Axel angefragt, die Zahl ist seine Berechnung. Ich hab hier noch leise Zweifel, aber die Angabe lässt sich sowieso nicht genau bestimmen., weil es viele Überschneidungen gibt. Man kann grundsätzlich sagen, dass es verdammt schwer ist, genau die zwei Strecken zu erraten, die einem in der Prüfung vorgelegt werden 🙂

10.18:
Das Lachen nach der Frage, ob man nachts schon von den Straßen träumt, war echt. Das kenne ich von Axel zur Genüge 😉

10.50:
Übrigens: Ich zweifel die 18.000 Kollegen mal an. Das ist das erste Mal, dass ich diese Zahl höre. Natürlich kann sie stimmen, ich hab bisher aber immer nur von 12.000 gehört. Wer hier irgendwelche verlässlichen Daten hat, kann mir die gerne zukommen lassen. Aber vorerst halte ich aufgrund der meist doch etwas längeren Schichten und der vielen (meist selbständigen) Alleinfahrer die Annahme für wahrscheinlicher, dass es pro zugelassenem Taxi weniger als 2 Fahrer gibt, und nicht beinahe 3. Und die Zahl der Taxen liegt knapp über 7000.

11.05:
Ganz im Ernst: Das ist nervige Werbung für die neue App! Ehrlich: Natürlich ist es eine tolle Idee (mal abgesehen davon, dass sie sich aufs iPhone beschränkt), aber es spricht nicht viel dafür, dass eine herkömmliche Funkvermittlung zwingend langsamer sein muss. Selbst wenn sie das ernstlich ausprobiert haben – was ich bezweifle – ist das eine nette Anekdote, keine verlässliche Messung.
Ansonsten: Wer am Potsdamer Platz überhaupt ein Auto bestellt, ist selten dämlich bei der Menge an Taxen, die da rumkurvt. Ich würde am Funk auch keinen Auftrag dahin aufnehmen, da die Wahrscheinlichkeit, dass die Kunden einen zufällig vorbeifahrenden Kollegen anhalten, irgendwo jenseits der 90% liegt…

13.25:
Und mal wieder – wie im Bild-Artikel vor einiger Zeit – ein ungerader Betrag…
Seit dem ersten Juli 2009 ist das unmöglich! Das Taxameter zählt in 20ct-Intervallen! Verdammt nochmal! Die Preise kriegt man nur mit Zuschlägen hin. Und was eine einzelne Person ohne Gepäck an Zuschlägen kostet, soll mir mal jemand erklären…

Ich will den Beitrag nicht unnötig schlechtreden. Es hat schon schlimmere Berichte über mein Gewerbe gegeben, das muss ich anerkennen. Aber ganz ehrlich: Manchmal nehmen sie es hier wirklich an unnötigen Punkten (siehe der letzte) nicht so genau. Zum Abschluss zitiere ich eine Mail, die Axel an die Verantwortliche nach der Ausstrahlung geschrieben hat:

“Hallo S., war ja ein lustiger Beitrag. Allerdings zugleich
beeindruckend, wie viel frei erfundener Schwachsinn in ein paar Minuten
Sendezeit passt. Warum fragt Ihr uns denn nicht, wenn Ihr Sachen nicht
wisst? Du hast mich doch als auskunftswillig erlebt. Ich würde sagen, so
haben die Zuschauer kaum Fakten erfahren.“

Im Nachhinein wenigstens lustig?

Aus Berlin gibt es von der Polizei über Taxifahrer leider nur das Übliche: Ein Kollege ist überfallen worden. Schon vor ein paar Tagen, ich hab es vergessen zu bloggen – soweit sind wir schon 🙁 . Das ist natürlich traurig und kein Bisschen lustig.

Dafür fand in Salzgitter ein vermeintlicher Überfall wohl gar nicht statt. Die Polizei fand dort ein verlassenes Taxi vor und vermutete gleich allerschlimmste Dinge, da selbst das Portemonnaie des Fahrers noch da war. Und wie allgemein bekannt ist, verlassen wir die Dinger nur selten. Die Sache hat sich dann allerdings recht bald aufgeklärt:

Der Fahrer des Taxi hatte mehrere Personen aufgenommen, die stark angetrunken in das Braunschweiger Vergnügungsviertel gefahren werden wollten. Als der Fahrgast auf dem Beifahrersitz plötzlich und unvermutet und sehr lautstark und aggressiv in einer fremden Sprache losbrüllte, nahm der Taxifahrer Reißaus. Die Fahrgäste waren wohl so verblüfft, das sie ebenfalls dann ausstiegen und den Pkw samt Geldbörse herrenlos zurückließen.

War sicher eine beschissene Situation. Ich hoffe aber, der Kollege kann im Nachhinein wenigstens drüber lachen, dass ihm doch offensichtlich niemand was böses wollte 🙂

„Der totale Taxi-GAU“

Es ist in diesen Tagen vielleicht nicht unbedingt angebracht, wegen solcher Kleinigkeiten wie dem Taxifahren von einem GAU zu sprechen, aber das ist die Wortwahl meiner Kundin. Die stand da, ich war noch gar nicht richtig losgefahren, am Straßenrand, konnte ihre aufgewickelten langen Dreads kaum bändigen (was sie mir im Übrigen sympathisch gemacht hat) und winkte. Einfach so. An einem miesen Mittwoch.

Im Übrigen sei angemerkt, dass ein GAU ja immerhin ein Ereignis ist, mit dem zu rechnen und das zu beherrschen ist. Da wird ja derzeit in der Berichterstattung um Japan auch viel Schindluder getrieben mit den Worten GAU und Super-GAU. Aber das nur nebenbei. In dem Fall hilft nämlich schon Wikipedia.

Bei meiner Kundin war es schon von der Sache her harmloser, denn bei allem Mist, den ich mit meinen Kollegen manchmal verzapfe: Mit havarierten Kernkraftwerken kann wahrscheinlich keiner von uns mithalten.

Was also war der Taxi-GAU?

Sie stieg bei mir ein, telefonierend, und fragte gleich:

„Du bist aber nicht bestellt, oder?“

„Nein…“

Daraufhin wandte sie sich dem Gesprächspartner zu und meinte:

„Nein, ist nicht das bestellte Taxi. Gut, ok. Dankeschön.“

Da bin ich ja erstmal hellhörig geworden. Fahrtenklau geht schließlich gar nicht, und auch wenn es verdammt schön ist, ein paar hundert Meter nach Schichtbeginn einen Winker zu haben: So kollegial, die Fahrt abzulehnen, muss man sein.

Also erzählte sie kurz, dass sie wie immer erst auf die Straße gegangen ist, weil dort ständig Taxen fahren würden. War auch eine große Hauptstraße. Natürlich kamen just jetzt keine Kollegen vorbei. Daraufhin hat sie einen Wagen bestellt.
Genau nachdem sie dies getan hat, tauchten zwei Kollegen auf. Jetzt kommt dann der Teil, weswegen ich sie so schätze:

„Da hab ich natürlich nicht gewunken. Ich hab Freunde, die selber Taxi fahren. Die haben mich erzogen, da artig zu sein!“

Und danach passierte – die Kollegen erahnen es bereits – nichts mehr. Das bestellte Taxi kam nicht. Ich weiss nun nicht genau, wie lange sie gewartet hat – allerdings hatte sie beim Einstieg in mein Auto just die Funkzentrale am Telefon, die die Fahrt abgeschrieben hat und nur kurz nachgefragt haben wollte, ob ich vielleicht der bestellte Fahrer bin. War also sicher nicht nur eine Minute her, dass sie bestellt hat.

Ich hab sie also mitgenommen. Mir sind im Umfeld auf Anhieb drei Taxihalten bekannt, von wo aus die Anfahrt niemals über 2 Minuten dauern kann, also nehme ich an, dass ein freier Kollege auf der Straße die Tour angenommen hat, und dabei – soll ja angeblich gelegentlich passieren – eine „etwas optimistische“ Zeit genannt hat, in der er es dann nicht geschafft hat. Die Halten selbst sind in diesem Fall sicher nicht direkt angesprochen worden, weil es sich um einen „Handy-Auftrag“ gehandelt hat.

Kurze Erklärung für die Unwissenden: Die Funkzentrale (im Falle vom Sprachfunk – für den Datenfunk kann das gerne ein Kollege in den Kommentaren erklären. Aro?) gibt den Auftrag normalerweise zunächst an den nächsten Taxistand weiter. Dort dürfen sich dann die Kollegen melden, die dort stehen. Derjenige, der an vorderster Position steht, bekommt den Auftrag. Meldet sich dort keiner, wird der Auftrag an den zweitnächsten Stand weitergegeben – hier dann das selbe Procedere.
Sollte dies erfolglos sein (Keine Taxen am Stand, bzw. kein Fahrer meldet sich) ODER es ist ein „Handy-Auftrag“ (also die Person steht schon an der Straße) kann sich theoretisch jeder Taxifahrer auf den Auftrag melden. Dabei muss er angeben, wie schnell er da sein kann. Auch hier erhält der „Nächste“ den Zuschlag. Wenn ein Fahrer sich meldet und seine Fahrtdauer zum Ort des Kunden nennt, dürfen sich nur noch Kollegen melden, die mindestens 3 Minuten schneller dort sind. Mit anderen Worten, wahrscheinlich ist die häufigst genannte Minutenzahl im Funk 3.
Denn wenn ein Kollege funkt

„Taxe xyz in 3“

dann bekommt er den Zuschlag. Also ist es – obwohl die Funkzentrale durchaus Sperren für mehrmalige Verstöße verhängt – natürlich beliebt, sich näher an die Kunden heranzulügen, denn ansonsten besteht ja die Gefahr, dass man den Auftrag an einen Kollegen in der Nähe verliert. Das Ganze geht dann nicht nur zu Last der betrogenen Kollegen, sondern natürlich auch des Kunden. Denn der bekommt natürlich mitgeteilt, dass sein Taxi in 3 Minuten da ist, und wenn der Kollege dann 10 Minuten braucht, ist der Frust natürlich groß.

Mit anderen Worten: Wenn es – was wahrscheinlich ist – in dem Fall so war, dann war es schon ok, dass ich die Kundin eingesackt habe. Die Zentrale hat dem Kollegen dann mitgeteilt, dass die Kundin weg ist und ihn ggf. noch gerügt für seine unwahre Zeitangabe.

Die Tour war dann furchtbar nett. Ganze 18 € hat sie gebracht, und ich hab wirklich selten so lange und ausführlich mit jemandem im Taxi geredet. War echt schade, dass es keine richtige Ferntour war 🙂

So viel also zum GAU der Kundin: 2 mal Geduld bewiesen und dann doch das falsche Taxi (mit dem immerhin hoffentlich genau richtigen Fahrer 😉 ) bekommen.

Ich möchte an dieser Stelle aber auch noch was zu der Problematik mit den geklauten Fahrten sagen. Ich hab da als Nichtnutzer meines Funkgerätes natürlich eigentlich nie was mit zu tun. Höchstens mal – wie jetzt – auf der „Gewinnerseite“. Aber da es ein Ärgernis für viele Kollegen ist, kann es hier ja ruhig auch mal Thema sein.

Berlin hat de facto noch 2 Funkzentralen. Die eine davon ist zwar auch wieder ein Zusammenschluss von mehreren, aber sie ist unter all diesen Nummern erreichbar. Abgesehen von der verurteilenswerten schamlosen Abzocker-Mentalität so mancher Kollegen scheint mir indes tatsächlich auch der Auftritt der Zentralen ein Problem zu sein. Gerade die zusammengewürfelte Große wirbt auf ihrer Seite beispielsweise mit „4100 Taxen in Berlin und Umland“. Und die andere hat natürlich auch den Hinweis darauf, dass das Taxi bei einem Anruf dort schnell vor Ort ist. Verständlich natürlich.

Was meines Erachtens nach ein wenig zu kurz kommt, ist der Hinweis darauf, dass diese ganzen Taxen, die für die schnelle Bestellung den Funk nutzen, ja keineswegs beliebig austauschbar sind. Im Gegensatz zu vielen kleineren Städten sind die Funkzentralen nämlich keineswegs mit den Unternehmen identisch. Während sich die Taxen also ca. 2500 (?) zu 4100 auf die Funkzentralen verteilen, gibt es in Berlin rund 7000 Taxen in 5000 Unternehmen.
Klar, die Funkzentralen weisen die Kunden darauf hin, dass sie nur in das eine bestellte Taxi einsteigen sollen – aber für viele gelegentliche Kunden ist es Jacke wie Hose, welches Taxi gerade kommt. Mir sind auch schon Leute eingestiegen und haben mal eben locker gesagt, ich solle doch kurz der Zentrale Bescheid sagen, sie würden jetzt mit mir fahren.

Anstatt klarzustellen, dass jeder einzelne Fahrer da draussen seine Arbeit zum Wohle der Kunden macht und durchaus mal irgendwo 2 Stunden auf diese eine Tour wartet, wird als Hauptkriterium die Schnelligkeit festgelegt. Die ist zweifelsohne wichtig in unserem Gewerbe und unterscheidet uns maßgeblich von den anderen öffentlichen Verkehrsmitteln – aber sie ist nicht alles!

Denn, ja: Auch ein Taxi braucht eine gewisse Zeit, um von A nach B zu kommen. Und das Gewerbe ist trotz offenbar nur zwei Zentralen sehr diversifiziert. Es bringt Kollege U. nichts, wenn Kollege T. jetzt die Fahrt macht. Im Gegenteil: Unter Umständen hat ihn das 3 Stunden Zeit gekostet, die er nicht bezahlt bekommt.

Sicher, im Grunde könnten es die Kunden auch einfach durch Nachdenken herausfinden. Ich persönlich finde aber, dass es ihnen bisweilen auch schwer gemacht wird…

Wieder ein Überfall

Ja, zwischenrein einmal mehr die traurige Meldung, dass es abermals einen Überfall auf einen Berliner Taxifahrer gab. Der Kollege ist dabei zwar offensichtlich wenigstens renitent gewesen, hat aber letztlich doch einiges verloren. Verdammte Kacke!

Alles Gute an ihn!