Trinkgeldkleinigkeiten

Trinkgeld war heute mal wieder so mittel. Keinen großen Anteil daran hatte eine einzelne Kundin, die ich aber dennoch erwähnen muss, denn sie hat seit langem mal wieder ein sehr seltsames Trinkgeld gegeben: Die leicht überzogene Kurzstrecke für 5,50€ hat sie mit 5,80€ beglichen.

Gleich vorweg: Ja, damit fällt man weit (!) mehr auf, als wenn man kein Trinkgeld gibt. 😉

Ansonsten war das für heute Nacht bedeutsam, weil sie damit endgültig dafür gesorgt hat, dass ich Scheine in Münzen wechseln musste, denn nach den 4,20€ Wechselgeld hatte ich wirklich nur noch 80 Cent in der Tasche, sowas passiert wenn’s hochkommt alle drei Jahre mal.

Lustigerweise passt das auch zu einem Artikel, den mir Sören zugeschickt hat, bei dem es um einen Polizeieinsatz wegen ganzen drei Cent (!) Trinkgeld geht. Für Nichtklicker: Der Fahrgast hat drei Cent Trinkgeld gegeben, der Taxifahrer hat es abgelehnt. Der Kunde schmeißt’s ins Auto, der Fahrer aus dem Fenster und daraufhin will der Fahrgast nicht aussteigen.

So weit, so absurd. Aber ich weiß ja von einigen Kommentaren hier, dass manche Kollegen bei solchen Beträgen auch schnell genervt sind und ebenso handeln würden. Im Übrigen hab ich beim Verlauf der obigen Geschichte durchaus die Vermutung, dass das „Trinkgeld“ in diesem Fall wirklich herablassend gemeint war. Aber ich möchte da auch mal ganz ehrlich und nicht böse gemeint genau jene Kollegen fragen: Was bringt’s Euch eigentlich? Also mal abgesehen davon, dass ich persönlich glaube, dass man da auch einigen Kollateralschaden unter einfach nicht nachdenkenden Kunden anrichtet: Was gibt einem das, wenn man dann seinerseits herablassend ist?

Ich meine, Ihr habt recht: Auf den einen Kunden oder diese paar Cent kommt’s natürlich nicht an. Aber ist das nicht eigentlich eine Bestätigung für den Kunden, dass man kleinlich ist oder sich schnell ärgern lässt? Ich hab diese Kunden ja auch, aber ich hatte nach dem oberflächlichen „Schönen Abend noch!“ nie das Gefühl, dass da einer ausgestiegen ist, der glaubte, es mir jetzt aber gezeigt zu haben oder dergleichen. Dazu all der Stress … ich blick’s echt nicht. Deswegen wäre ich echt froh über Erklärungen, die einen Schritt über „Ich lass nicht alles mit mir machen“ rausgehen. 🙂

Warum Journalisten die bescheuertsten Fahrgäste Berlins sind

Na gut, na gut, Ihr habt mich erwischt: Das war eine völlig substanzlos übergeigte Überschrift, die die Realität überhaupt nicht widerspiegelt und gerade ich als nicht nur Taxifahrer (sondern auch Blogger und Autor) hab mit Journalisten auch schon grandiose Erfahrungen gemacht. Was kein Wunder ist, denn zum einen gibt’s tausende unterschiedliche Journalisten, zum anderen eint sie wenigstens ein Job, der ein Interesse an ihrem Gegenüber erfordert.

Und eines verbindet dann uns Journalisten und Taxifahrer wirklich: Wir haben beide immer nur sehr wenig Zeit für ein bestimmtes Gegenüber und müssen es in eine Schublade einsortieren.

An dieser Stelle kommen wir an den Punkt, an dem ich ein Problem mit einem vor ein paar Tagen bei der Welt erschienenen Text von Dennis Sand (Link zu Twitter) habe. Ich als Taxifahrer und noch mehr als Taxiblogger packe meine Fahrgäste natürlich auch in Schubladen. Gute wie schlechte, falsche wie richtige. Natürlich landet auch der einmal in 10 Jahren Betrunkene mal versehentlich in der Immer-Party-Schublade, andererseits sind Fächer wie „Axel-Springer-Journalisten, die glauben, das Taxigewerbe verstanden zu haben“ dann doch eng genug gefasst, um Dennis Sand einfach mal unbesorgt reinzulegen.

Eben genau so, wie für Journalisten alles was ein Taxifahrer macht darauf zurückzuführen ist, dass er Taxifahrer ist. Und die Absurdität zeigt sich schon am oberflächlichen Aufhänger von Sands ganzem Artikel: Dass Cem Özdemir wohl mehr als einmal in Berlin Probleme mit türkisch-nationalistisch eingestellten Taxifahrern hatte. Ich will da nicht allzu pingelig sein, aber da hab ich als deutscher Antinationalist UND Berliner Taxifahrer jetzt ein paar kleine Schwierigkeiten mit der Anwendung dieser Pauschalkritik auf mich. Und das trifft ebenso auf die an dem Vollpfosten zu, der sich handgreiflich gewehrt haben soll, den Journalisten Sand eine kurze Strecke zu befördern.

Andererseits habe ich dann neulich den netten Kollegen gesehen, dessen Taxi ihn völlig blöd auf Position zwei am Stand ausgeschlossen hat, was in dem Fall sicher blöd  für suchende Kunden ist, was aber nix daran ändert, dass die erste Beschwerde hier an die Zentralverriegelungs-Konstruktionsabteilung von Opel oder die Werkstatt der Taxifirma gehen sollte anstatt an „DIE Berliner Taxifahrer“.

Wir beide, Journalisten und Taxifahrer, liegen bei der Einsortierung oft daneben. Ebenso wie ich in diesem Leben wohl schwer noch zu einem türkischen Nationalisten werde, wird der Axel-Springer-Verlag zum Beispiel ehrlich genug, um zuzugeben, dass der bücherschreibende Taxifahrer der Bild kein Interview geben wollte und man deshalb Zitate aus der Welt zurechtgeschnitten hat, um diesen Eindruck zu erwecken. Wo kämen wir auch hin, wir  haben eben alle unsere Prinzipien, nicht wahr?

Aber gut, genug von mir. Der betreffende Text von Dennis Sand trägt den geradezu poetisch anmutenden Titel „Warum eine Taxifahrt in Berlin die ultimative Demütigung ist„. Vier kuriose Fahrer ergeben da ein Gesamtbild von Berlins über 10.000 Taxifahrern, aber was will ich als Berliner Taxifahrer schon sagen, denn Sand hat sie „alle erlebt“.

Was rechnerisch unwahrscheinlich ist, von der Sache her aber potenziell möglich erscheint.

Andererseits stellt sich dann schon die Frage, wie er bis dato an die „Seelenverwandtschaft“ zwischen Journalisten und Taxifahrern glauben konnte, weil er und seinesgleichen ebenso wie die Taxifahrer das Vertrauen einer Person gewinnen müssten. Sie natürlich wegen wichtiger Dinge und Taxifahrer wegen des Trinkgeldes.

Hier ein kurzes „BÄM, MOTHERFUCKER!“ an die gutgläubigen Journalisten da draußen: Das ist Bullshit! Ich versuch seit 8 Jahren ein netter Taxifahrer zu sein und so wie’s aussieht, ist das Trinkgeld bei uns langfristig fast auf den Cent genau gleich. Nur Kollegen, die unverschämt betteln, machen wirklich ein Plus. So viel zur tieferen Informationsebene. „Die Fahrgäste“ als Gesamtpublikum sind sogar noch bescheuerter als „DIE Journalisten“ oder  „DIE Taxifahrer“.

Ich  hatte anfangs gedacht, dass ich den Text hier ein bisschen parodieähnlich einfach entlang des verlinkten Artikels schreiben könnte, eine Art 1:1-Gegenüberstellung. Das hab ich nach dem Lesen allerdings aufgegeben, denn für mich als Taxifahrer liegt die Niveaugrenze eben über dem Asphalt und für alle, die sowieso nicht gerne zur Welt verlinkt werden:

Laut Sand ist es schlimm, dass Fahrer kurze Fahrten ablehnen, nicht da sind, lange Fahrten ablehnen, zu viel Trinkgeld erwarten, pampig sind oder türkische Nationalisten, Verschörungstheorien verbreiten und einem den Tod wünschen. Auch erwähnt: allgemein eine schlechte politische Diskussionskultur und schlichtweg Menschenhass.

Und nicht vergessen: Diese Liste soll auf eine irgendwie geheimnisvolle Weise ausgerechnet das Berliner Taxigewerbe widerspiegeln, obwohl das fast schon das bestmögliche Beispiel für eine Barnum-Aussage über einen aufsichtslosen Großstadtkindergarten, die letzte Betriebsfeier eines Mittelständlers oder die gesamte fucking Menschheit ist. Natürlich kann man da noch einiges hinzufügen, andererseits reicht die Bandbreite schon, um ganze Dörfer zu diskreditieren.

Ich weiß … wer bis hierhin gelesen hat und vielleicht eher Sympathien mit „DEN Journalisten“ hegt und Taxifahrer für eher so semi-proevolutionär hält: Ich hab Euch bis hierhin vorenthalten, wer Dennis Sands liebster Taxifahrer war …

„Dann war da der Mann, der sich selber Ali Ferrari nannte und eigentlich ein wahnsinnig netter Kerl war, der mir aber erzählte, dass er dreimal (!) fast (?) seinen Führerschein verloren hätte, weil er beim Fahren gekokst und Speed konsumiert hat, was richtig „scheiße von den Bullen“ gewesen wäre, weil er ja bald als Rapper durchstarten wollen würde und dafür eben mit dem Taxifahren nebenbei Geld verdienen müsste. Ali Ferrari, der mich beim Aussteigen fragte, ob Ali Ferrari nicht vielleicht doch ein blöder Name sei („Quatsch, einen besseren Namen kann ich mir nicht vorstellen“), ist der einzige Taxifahrer in Berlin, dem ich alles Gute wünsche.“

Und da muss ich passen. Das wäre, als würde ich Donald Trumps Twitter-Account „ironisch“ einen Journalismuspreis für faire Berichterstattung überreichen, da setzt’s einfach aus, sorry.

Was ich eigentlich sagen wollte: Ja, wir haben alle andere Ansichten, andere Erfahrungshintergründe und andere Jobs. Und natürlich gibt’s da Muster und Häufungen, reale und vermutliche. Und es gibt klischeebestätigende tatsächliche Arschlöcher ebenso wie überraschend vielschichtig Interessierte. Als Taxifahrer hab ich mich im Text von Dennis Sand nicht wiedergefunden. Mich würde jetzt interessieren, ob’s ihm als Journalist in meinem Text anders ging.

PS:
Ich danke @Remmo_Lade (Link zu Twitter) und  ein paar anonymen Lesern für den Hinweis!

Frohe Festtage allerseits!

Gestriges Weihnachtssingen in der alten Försterei, Quelle: Sash

Nachdem die letzte Zeit bei GNIT etwas ereignisarm verlaufen ist und ich auch meinen Privatblog noch nicht gefixt habe, wollte ich zu Beginn des allseits einsetzenden Plätzchenkomas kurz mal schreiben, dass hier alles gut ist und die kleine Pause hier vor allem der kleinen Pause im Taxi, bzw. teilweise auch der wenig spektakulären Ereignisse während der letzten Schichten zu verdanken ist.

Mir geht’s gut, GNIT ist auch nicht tot oder so, es ist einfach Weihnachten. Das wird auch nicht der letzte Eintrag 2016 sein, ab 29.12. mache ich wieder die Straßen unsicher, inklusive Silvester. Es ist also noch ein paar Tage zu früh, mich aus dem Reader zu schmeißen. 😉

Ich hoffe, Ihr habt bis dahin alle ein paar schöne Tage, möglichst wenig Stress und viel gutes Essen!

Einen großen Dank Euch allen für die vielen Kommentare, Hinweise, Anregungen, netten Unterhaltungen, Taxifahrten und was sonst so alles die letzten Monate ausgemacht hat!

Nun feiert schön, ich werde es auch machen. Und dann geht’s weiter! 😀

Blogmedley Kurzstreckenfahrt

Meine hochgeschätzte Bloggerkollegin Pharmama hat mich bezüglich eines Blogeintrags bei apothekentheater angefragt, ob ich nicht hier und da erwähnt hätte, dass kurze Strecken von uns Taxifahrern nicht abgelehnt werden dürfen, weil es in dem Text genau um so etwas ging: Eine nicht mehr ganz fitte (also entkräftete und nicht wegen 18 Wodka leicht schwankende) Kundin wurde wohl erst vom vierten erreichbaren Taxiunternehmen überhaupt angenommen, dazu mit dem Hinweis, die Anfahrt sei natürlich auch zu bezahlen.

Einmal mehr nicht das beste Licht, das auf meinen Berufsstand geworfen wird. Grmpf. -.-

Aber da die Welt nicht schwarz-weiß ist und einige Fragen offen geblieben sind, antworte ich hier mal.

Unabhängig der rechtlichen Lage möchte ich anmerken, dass die Ablehnung kurzer Strecken bei hilfsbedürftigen Kunden schon mal völlig daneben ist. Sicher: Dass sich bei einer Vermittlung am Ende kein Fahrer findet, kann passieren, aber dann auch noch so dreist sagen, dass sich das nicht lohnt, finde ich unprofessionell auf jeder Ebene.

Ob die Ablehnung rechtens war, kann ich leider nicht sagen, denn bei apothekentheater finde ich keinen halbwegs schnell auffindbaren Hinweis auf den Ort des Geschehens. Das verstehe ich aufgrund der notwendigen Anonymisierung absolut, aber ich bin mit den Taxiregelungen in der gesamten Republik auch etwas überfordert. Das Taxigewerbe ist stets regional verankert, gerade weil in München und Buxtehude sowohl Lebenshaltungskosten als auch Fahrtenprofil unterschiedlich sind.

In Deutschland aber zumindest muss man festhalten, dass mit dem Wort „Taxi“ (vermutlich?) überall auch der Begriff „Beförderungspflicht“ eine Rolle spielt. Auch wenn wir von unbedarften Kunden oft in den selben Topf wie z.B. Mietwagen wie „Minicars“ oder pathologisch illegal operierenden Buden wie „Uber“ geschmissen werden: In Deutschland ist das Taxi ein Teil des öffentlichen Nahverkehrs und damit nicht nur preismäßig gebunden, sondern eben auch mit z.B. der Pflicht behaftet, alle Kunden befördern zu müssen. Aber mein Wissen ist beschränkt: Wenn es dort irgendwo Ausnahmen geben sollte, bin ich auf Kommentare von Kollegen angewiesen!

Was die Kosten für die Anfahrt angeht: Das kann gut der Wahrheit entsprochen haben. Wie gesagt: Wir bestimmen unsere Preise nicht selbst und die Tarife nicht weniger Orte in Deutschland legen für uns wie auch die Kunden verbindlich fest, dass die Anfahrt bezahlt werden muss. Diese Konditionen sind aber definitiv transparent und mit großer Sicherheit alleine durch Googeln von „$Gemeindename Taxitarif“ herauszufinden.

Um aber einmal mehr die unbeliebte Moralkeule zu schwingen: Obwohl wir Taxifahrer wohl nirgendwo ansatzweise gut verdienen und das Geld immer ein entscheidender Faktor ist: Ich halte es für grundfalsch, in Anbetracht einer hilfsbedürftigen Kundin so sehr wie beschriebener Kollege raushängen zu lassen, dass es nur darum geht.
apothekentheater hat Recht: Wir Taxifahrer machen keinen „sozialen Beruf“, nichtsdestotrotz landen unsere Aufträge oft im Grenzbereich zwischen Sozialarbeit und Dienstleistung. Und zumindest ich denke, dass wir die alle professionell handhaben sollten und nicht nur die, die uns gerade besser passen.

Der Erdgas-Tankstress gerade

Die meisten Autofahrer werden es schon lange wieder vergessen haben: Es gab da vor einer Weile mal ein paar Probleme mit Erdgas-Tanks bei VW, die wegen ein bisschen Korrosion zu unschönen Dingen wie z.B. einer Explosion neigten:

Nun muss ich ja sagen, dass ich schon aufgrund meines eigenen Feuerwehreinsatzes wegen inzwischen noch weit gechillter in Sachen Erdgas bin als ich es schon die Jahre zuvor war. Natürlich ist die Tatsache, dass der Kraftstoff meines Taxis mit 200 Bar in den Tank gepresst wird, ein weiteres Risiko, aber wenn man bedenkt, dass Benzin seit jeher als Freund notorischer Brandstifter dient und uns inzwischen auch die Handys meines derzeitigen Herstellers um die Ohren fliegen, bleibe ich gelassen, so lange die Spontantod-Statistiken dazu immer noch besser aussehen als bezüglich der Zigarette, die ich gerade beim Schreiben zwischen Mittel- und Zeigefinger der rechten Hand klemmen hab.

Tatsächlich aber ist das je nach Tankstelle jeden Arbeitstag erneut ein Thema, denn auch wenn das oben eingebundene Video bereits ein paar Tage alt ist: An den meisten Erdgas-Tankstellen Berlins ist immer noch das Betanken besagter VW-Modelle untersagt und im Hinblick auf die durchschnittliche Vernunft von Autofahrern – die allumfassend mit dem Satz „MIR passiert schon nix!“ umschrieben ist – bedeutet das, dass die Zapfsäulen meist gesperrt sind und man erst bei einem Angestellten, der dann einen Blick aufs Automodell werfen kann, eine Freigabe erbeten muss.

Ich will ehrlich sein: Ich hab keine Zahlen dazu, wie wahrscheinlich einem derzeit ein fünf bis elf (?) Jahre alter VW um die Ohren fliegt beim Kraftstoff-Nachrüsseln. Entsprechend auch nicht, ob das jetzt eher Panikmache oder sinnvoll ist. Da die meisten Fahrer auf deutschen Straßen aber weiterhin mit Benzin oder Diesel unterwegs sind, wollte ich das mal als Ausnahmeerscheinung erwähnt wissen. Denn mal abgesehen von den sicher gar nicht so selten betroffenen VW-Taxi-Fahrern, die jetzt wirklich ein Heidengeld für Sprit anstatt für Gas raushauen müssen, sind vor allem viele andere Taxifahrer wenigstens Fahrer anderer Erdgasmodelle, bei denen jetzt das Tanken noch absurdere Zeiten einnimmt als ohnehin schon*.

Lustigerweise hab ich noch keinen Tankwart gefunden, der sich – trotz potenzieller Explosionsgefahr seines Arbeitsplatzes – wirklich für die Maßnahme begeistern konnte. Einige setzen sie sogar teilweise aus, ohne dass das irgendwo verzeichnet wird. Aber wer wo und wann … ich, *hüstel*, weiß das natürlich auch nicht. 😉

*Erdgas zu tanken ist eine sehr sehr sehr lahme Angelegenheit, wenn man Benzin und co. gewohnt ist. In der Zeit, in der ich 12 kg Erdgas tanke, füllt ein Trucker locker 300 Liter Diesel nach. Grob geschätzt.

Kleiner Buchtipp: Taxifalle

Es ist schon eine ganze Weile her, da erreichte mich ein Brief von Olaf. Nun, Olaf war offensichtlich nicht der Nachtschichtkollege, der mir gleich in den Sinn kam, sondern ein Ex-Kollege, noch dazu aus Bremen. Er outete sich als GNIT-Leser und dem Brief lag als Geschenk ein Buch bei. Seines. Ui, über sowas freue ich mich immer!

Allerdings muss ich gestehen, dass ich damals mit Taxiliteratur überversorgt war und auch sonst gerade keine große Lust auf einen Taxi-Roman hatte. Dementsprechend war „Taxifalle“ fortan eines von ungefähr hundert Büchern auf meinem Nachttisch, aber immerhin keines der seit Ewigkeiten ungefähr acht angefangenen.

Als ich gestern ungewohnterweise zur Mittagszeit aufgewacht bin, hat es dann irgendwie mein Interesse geweckt und ich hab zu lesen angefangen. Das Ganze endete mit einem durchwachten Nachmittag und meinem speziellen Finishing-Move für Bücher, die ich „nachts“ „mal kurz“ aufschlage: Ich habe am frühen Abend das Licht angeschaltet, um es fertig lesen zu können.

Ich vergebe bei Büchern ungerne Bestnoten, weil ich mich selbst oft genug an Toprezensionen gerieben habe, aber ich muss doch gestehen, dass mich „Taxifalle“ wachgehalten hat. Ich wollte dem abgedrehten und im Übrigen ziemlich fiesen Hauptprotagonisten Marcus Meyer weiter folgen, ich wollte wissen, wie der Scheiß ausgeht. Das Taxigewerbe in Olaf Kretschmers Roman ist ein ganz anderes als das, was ich hier bei GNIT schildere: Ein versiffter Moloch, in dem man es dem Helden nicht einmal richtig übel nehmen kann, dass er sich der dunklen Seite zuwendet und mehr oder weniger ein abgebrühter Abzocker seiner Kundschaft wird.

Trotz vieler (dem Vorwort nach nicht unbedingt unauthentischer) Taxianekdoten handelt das Buch überwiegend von der schmutzigen Schattenwelt im Bremen der 1980er- und 1990er-Jahre: Sex, Drugs and Cabdriving. Ich möchte anmerken, dass ich bei dieser Milieustudie manches Mal etwas abgeschreckt vom rauen Ton und der offensiven Sprache war, andererseits ist mir die Ironie dabei nicht entgangen und man hätte dieses Buch einfach auch nicht netter schreiben können. Die Welt des Protagonisten ist krass, teils ekelhaft und trotzdem einfach faszinierend und – ich weiß, wie sehr das manchen als Götterlästerung erscheint – einfach um Klassen authentischer als der in meinen Augen langweilige Karen-Duve-Roman „Taxi“.

Vielleicht nicht wirklich ein Buch für jeden einzelnen GNIT-Leser, aber vermutlich nicht der schlechteste Tipp für Bremer knapp über meinem Alter, für Taxifahrer und Ex-Taxifahrer, sowie für Freunde von Milieustudien und regional verankerter Literatur. Ich hab’s jedenfalls sehr gern gelesen und möchte an der Stelle auch dem Autor nochmal fürs Zusenden danken: Danke für die vergnüglichen Stunden, Olaf! Ich hoffe, Du hattest entsprechend auch ein paar solche  hier bei  GNIT! 🙂

Olaf Kretschmer:
Taxifalle
KellnerVerlag, 2016
ISBN: 978-3-95651-111-0
Amazon-Link: Taxifalle

Schneller sterben mit Koffein?

Die meisten regelmäßigen Leser wissen, dass ich wie sehr viele Menschen da draußen auch tendenziell eher zu viel Koffein zu mir nehme, außerdem, dass ich selbiges im Gegensatz zu den meisten in Form von Koffeintabletten tue. Und während das für mich selbst soweit ok ist, wundere ich mich bisweilen, wenn ich mir die Tabletten hole, denn wirklich ausnahmslos alle Apotheker warnen mich immer sehr sehr besorgt, ich solle auf keinen Fall mehr als eine Tablette pro Tag nehmen (obwohl schon die Packungsbeilage zwei als Obergrenze nennt).

Was an und für sich sicher kein schlechter Rat ist, gerade bei Drogen und Genussmitteln. Auch ganz allgemein gesprochen soll ja die Dosis das Gift machen, da will man die Meinung der Fachleute ja nicht beiseite wischen.

Andererseits hab ich halt noch nie so einen harmlosen Beipackzettel wie den der Coffees gelesen und wie vermutlich jeder da draußen kenne ich Leute, die im Laufe eines langen Arbeitstages vom Aufstehen über die Kaffeepause im Büro bis hin zum Kuchen am Nachmittag bequem und ohne Not 8 Tassen Kaffee trinken. Was je nach Kaffeevorliebe 2 bis 4 Koffeintabletten entspricht.

Und als der letzte Apotheker mir die Packung mit den Worten „Nicht, dass Sie irgendwann umfallen!“ in die Hand gedrückt hat, hab ich mich mal an die geschätzte Bloggerkollegin Pharmama gewandt und etwas plakativ gefragt:

Wisst Ihr Apotheker_innen irgendwas über Koffein, was sonst niemand weiß?

Und was will man sagen: Natürlich weiß Pharmama eine Menge über Koffein und Ihr könnt ihre Antwort auf meine Frage in voller Länge drüben bei ihr im Blog nachlesen. Viel wissenswertes über die Wirkungsweise und natürlich auch die Gefahren: Koffein macht nur kurzfristig wach, kann zu Herzrasen führen, macht abhängig, dazu kann es mit Medikamenten wechselwirken und vorhandene Krankheiten verstärken.

Das ist jetzt natürlich nicht nichts, aber im Vergleich dazu liest sich der Beipackzettel von Aspirin wie ein Horrorroman.

Und trotz der vielen interessanten Infos hab ich jetzt eigentlich auch keinen zusätzlichen Ansatzpunkt gefunden, weswegen ich mit den Tabletten vorsichtiger sein sollte als jeder x-beliebige Kaffee- oder Teetrinker. Das in meiner Anfrage an Pharmama postulierte eine Gramm Koffein pro Tag bei den Hardcore-Kaffies in meiner Umgebung mag vielleicht etwas ab- oder aufzurunden sein, allerdings finden sich auch Zahlen, die darauf hindeuten, dass eine 200mg-Tablette vielleicht gerade mal den täglichen Durchschnittskoffeinverbrauch eines Erwachsenen repräsentiert. Und gerade die schnell einsetzende Gewöhnung an Koffein sorgt ja dafür, dass man von 50mg eben kein Herzrasen mehr bekommt.

Ich weiß es natürlich zu schätzen, dass Apotheker und Apothekerinnen da bezüglich der Beratung sehr gewissenhaft sind, das ist eine ihrer Kernkompetenzen. Trotzdem bleibt am Ende ein bisschen der Verdacht, dass die Warnungen vor einem baldigen Ableben aufgrund von Koffein vielleicht ein wenig übertrieben sein könnten und nur deswegen kommen, weil ich statt einem Pfund Kaffee eine Packung Tabletten kaufe, während die Kollegen an der Tanke wegen der zwei Tassen jeden Abend einfach gerne als Stammkunden gesehen sind. Aber so ist wohl das Leben.

Ein dickes Danke jedenfalls an Pharmama, insbesondere für die schnelle Antwort und den sehr informativen Artikel! Wer nicht ohnehin schon bei ihr liest, könnte jetzt ja mal damit anfangen. 🙂

PS: Trotz allem gilt das, was ich auch kotzenden Kunden immer gerne mitgebe: Seid vorsichtig mit Drogen! Mir geht’s nicht um eine Verharmlosung, nicht einmal bei Koffein. Es ist auch kein Allheilmittel, hilft nicht gegen wirklich schlimme Übermüdung und kann zweifelsohne lebensbedrohlich überdosiert werden. In dem Fall wollte ich’s nur mal wissen, weil ich mich da konsummäßig eigentlich eher im Mittelfeld sehen würde und trotzdem immer gewarnt werde.