Der Erdgas-Tankstress gerade

Die meisten Autofahrer werden es schon lange wieder vergessen haben: Es gab da vor einer Weile mal ein paar Probleme mit Erdgas-Tanks bei VW, die wegen ein bisschen Korrosion zu unschönen Dingen wie z.B. einer Explosion neigten:

Nun muss ich ja sagen, dass ich schon aufgrund meines eigenen Feuerwehreinsatzes wegen inzwischen noch weit gechillter in Sachen Erdgas bin als ich es schon die Jahre zuvor war. Natürlich ist die Tatsache, dass der Kraftstoff meines Taxis mit 200 Bar in den Tank gepresst wird, ein weiteres Risiko, aber wenn man bedenkt, dass Benzin seit jeher als Freund notorischer Brandstifter dient und uns inzwischen auch die Handys meines derzeitigen Herstellers um die Ohren fliegen, bleibe ich gelassen, so lange die Spontantod-Statistiken dazu immer noch besser aussehen als bezüglich der Zigarette, die ich gerade beim Schreiben zwischen Mittel- und Zeigefinger der rechten Hand klemmen hab.

Tatsächlich aber ist das je nach Tankstelle jeden Arbeitstag erneut ein Thema, denn auch wenn das oben eingebundene Video bereits ein paar Tage alt ist: An den meisten Erdgas-Tankstellen Berlins ist immer noch das Betanken besagter VW-Modelle untersagt und im Hinblick auf die durchschnittliche Vernunft von Autofahrern – die allumfassend mit dem Satz „MIR passiert schon nix!“ umschrieben ist – bedeutet das, dass die Zapfsäulen meist gesperrt sind und man erst bei einem Angestellten, der dann einen Blick aufs Automodell werfen kann, eine Freigabe erbeten muss.

Ich will ehrlich sein: Ich hab keine Zahlen dazu, wie wahrscheinlich einem derzeit ein fünf bis elf (?) Jahre alter VW um die Ohren fliegt beim Kraftstoff-Nachrüsseln. Entsprechend auch nicht, ob das jetzt eher Panikmache oder sinnvoll ist. Da die meisten Fahrer auf deutschen Straßen aber weiterhin mit Benzin oder Diesel unterwegs sind, wollte ich das mal als Ausnahmeerscheinung erwähnt wissen. Denn mal abgesehen von den sicher gar nicht so selten betroffenen VW-Taxi-Fahrern, die jetzt wirklich ein Heidengeld für Sprit anstatt für Gas raushauen müssen, sind vor allem viele andere Taxifahrer wenigstens Fahrer anderer Erdgasmodelle, bei denen jetzt das Tanken noch absurdere Zeiten einnimmt als ohnehin schon*.

Lustigerweise hab ich noch keinen Tankwart gefunden, der sich – trotz potenzieller Explosionsgefahr seines Arbeitsplatzes – wirklich für die Maßnahme begeistern konnte. Einige setzen sie sogar teilweise aus, ohne dass das irgendwo verzeichnet wird. Aber wer wo und wann … ich, *hüstel*, weiß das natürlich auch nicht. 😉

*Erdgas zu tanken ist eine sehr sehr sehr lahme Angelegenheit, wenn man Benzin und co. gewohnt ist. In der Zeit, in der ich 12 kg Erdgas tanke, füllt ein Trucker locker 300 Liter Diesel nach. Grob geschätzt.

13 Kommentare bis “Der Erdgas-Tankstress gerade”

  1. SaltyCat sagt:

    *hust* LKW-Säulen pumpen bis zu 200 Liter/min. 300 liter truckdiesel sind schneller gezapft als 80 liter super im dicken Audi. 😉

    (Wer es genau wissen will: 300 liter bei 200l/min = 1:30 min, 80 liter bei 50l/min = 1:36 min 😉 )

    P.S. Nicht suchen. Es wurde nirgendwo im Text ein Audi erwähnt. das war ein Beispiel. 😀

  2. bauerber sagt:

    Ich fahr mittlerweile seit 10 Jahren ausschließlich mit Erdgas rum, allerdings nicht mit VW, ist mir gottseidank zu teuer 🙂

    Zurzeit ist es an manchen Tanken ärgerlich, jedes mal reinzugehen und zu sagen: „Ich möchte gern Tanken, ich hab keinen VW…“
    Bei manchen Tanken – meistens die mit Kombisäulen mit nur einer Anzeige für Gas und Benzin – kann das übrigens gar nicht getrennt abgestellt werden. An der blauen Tanke, die ich wöchentlich mindestens zweimal aufsuche ist das so. Nach 2 Wochen jedes mal reingehen hab ich den Tankwart mal gefragt, wie ich mir das vorstellen darf, ob ich jetzt wöchentlich zweimals reinkommen muss und obiges sagen.
    Der hat dann nur gemeint: „Die kann ich eh nicht abstellen, so lange Du nicht mit nem VW kommst… Tank einfach“ 🙂

    Das leicht lahmarschige ist IMO der einzige echte Nachteil beim Erdgas.

    @SaltyCat: 200L/min ist echt beachtlich!

  3. W. Örthersee sagt:

    In der Wartezeit: Fremdsprache lernen per App ?

  4. Andy sagt:

    …Oder Kniebeugen und Liegestütze für die Fitness?

  5. Cliff McLane sagt:

    > eine Freigabe erbeten muss

    Meinst du grammatikalisch ernst? Man muss sie sich erbeten? So richtig mit Vaterunser, Avemaria, ego confiteor, mea maxima culpa, und allem was dazugehört?

  6. SaltyCat sagt:

    @bauerber: ja, ist auch ne beachtliche sauerei, wenn dir der schlauch da mal abrutscht. glaub mir. 😀

  7. Dr. Klaus Throphobie sagt:

    Warum nicht?
    http://www.duden.de/rechtschreibung/erbeten_gewuenscht „gewünscht, angefordert“

    Man sagt ja auch „Fürbitte“ oder hat mal „ungebetene Gäste“.

  8. Cliff McLane sagt:

    @Dr., ja eben, „erbitten“ ist Präsens bitteschön. Ob man sich etwas erbeten kann, entzieht sich als Atheist meiner Kenntnis.

    btw, wundert mich, dass noch niemand den brennenden Tesla angesprochen hat.
    „Indianapolis Fire Department Battalion Chief Kevin Jones explained that although he and his team have been trained on how to respond to fires in hybrid or electrical vehicles, fires related to high-voltage lithium-ion batteries require „copious amounts of water“ to extinguish“
    http://mashable.com/2016/11/04/fatal-tesla-crash-batteries-fires/#P2amegkKxaqA

    „copious amounts of water“, aha. Welcher Depp löscht Alkalimetalle mit Wasser? Da werden die erst richtig reaktiv. Ein „battalion chief“ ist sowas wie ein Einsatzleiter, wenn ich das richtig verstanden habe, der sollte das wissen, aber wenn es in Amerika wirklich dem Ausbildungsstand entspricht, sowas mit Wasser löschen zu wollen, dann … möchte ich nicht in Amerika leben.

  9. Taxi 123 sagt:

    Es geht doch nichts über einen Diesel – am besten W123 2,0l. Da ist nichts was explodieren oder mal eben schnell abbrennen kann. 😉
    Der hatte auch noch Stoßstangen und keine Knautschzone…

  10. bauerber sagt:

    @Taxi 123:
    Der hatte auch noch keine Probleme mit „Fein“staub 🙂

  11. @Cliff McLane
    Das Alkali-Metalle-Ablöschen mit Wasser ist doch legitim. (Heißt doch auch „gelöschter Kalk“ 😉 ). Wenn das Feuer aus ist kann man sich sicher sein, dass alle Gefahrenstoffe rein stöchiometrisch abreagiert sind. „Indianapolis Fire Department Battalion Chief“ beweist dann seine Kompetenz, indem er das Ab(-Lösch-)wasser mittels Zugabe von rauchender Salzsäure (oder leichter händelbar: konzentrierte Schwefelsäure) neutralisiert. Wenn man dann noch die Reste mittels Ionenaustauscherkartusche entsalzt, ist man ökologisch voll korrekt dabei. 😀
    Btw: Baut Tesla seine Akkufabrik vielleicht deshalb, weil sie die Teile vorher bei SingSang eingekauft haben? Und hat SingSang die Teile in die Telefone eingebaut, nachdem Tesla als Kunde weggebrochen ist? Fragen über Fragen… 😛

    @Problem und @bauerber
    Der Vorteil von Flüssigkeiten mit „hohem“ Siedepunkt (also >45°C) ist nun mal, dass eine Flüssigkeit auch bei Druckänderung ihr Volumen nicht (messbar) ändert. Ob ich den Diesel jetzt mit 2 oder 200bar pumpe, wenn ein Löchlein im Schlauch ist tropft halt etwas Flüssigkeit raus (und mehr passiert erst mal nicht).
    Flüssigkeiten mit niedriger Siedetemperatur (also z.B. Flüssiggase) ändert bei Druckverkleinerung den Aggrergatzustand in gasförmig – und damit einher geht eine recht extreme Volumenzunahme. Das ist blöd weil extrem gefährlich – hier hat man eine „Explosion“ sogar ohne Zündquelle. Daher muss man bei der Umfüllung von Flüssiggasen und Gasen vorsichtiger sein, und dies erreicht man nur mit entweder extrem verkomplizierter Technik oder aber mit langsamerer Befüllung.
    Oder auf Grundschulnievau: „Alles Gute ist nie beisammen.“ 😉

  12. Cliff McLane sagt:

    @gedankenknick
    > Wenn man dann noch die Reste mittels Ionenaustauscherkartusche entsalzt, ist man ökologisch voll korrekt dabei.
    *lol* — Ja klar, und das Lithiumhydroxid kann man dann gleich als Psychopharmakon verwenden, so auf dem Wege der Zweitverwertung. Oder beim Löschen einmal tief einatmen, das schützt dann auf Jahrzehnte vor Depressionen.

    Bring übrigens die Leute nicht auf dumme Gedanken.
    old and busted: Zu Selbstmordzwecken einen Benziner gegen den Baum rammen
    new hotness: Zu Selbstmordzwecken einen Tesla mit zehn Kisten Mineralwasser beladen und gegen den Baum rammen

  13. @Cliff McLane:
    Das LiOH ist mittels HCl zu LiCl und H2O abreagiert.
    LiCl sollte sich mit einem Ionenaustauscher oder auch mit einem gegenosmotischen Filter ohne Schwierigkeiten aus wässriger Lösung entfernen lassen…

    Als Antidepressivum nimmt man eher Lithiumcarbonat. Lithium ist unter anderem bei bipolaren Störungen und schizoaffektiven Psychosen wirksam – wäre also für einen kokelnden Feuerwehrmann vielleicht eine Therapieoption…

    Wiki sagt: „Lithium ist in Form seine Salze häufig Bestandteil von Mineralwasser.“ Das eröffnet der Feuerwehr dann völlig neue Absatzmärkte… 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: