Warum Journalisten die bescheuertsten Fahrgäste Berlins sind

Na gut, na gut, Ihr habt mich erwischt: Das war eine völlig substanzlos übergeigte Überschrift, die die Realität überhaupt nicht widerspiegelt und gerade ich als nicht nur Taxifahrer (sondern auch Blogger und Autor) hab mit Journalisten auch schon grandiose Erfahrungen gemacht. Was kein Wunder ist, denn zum einen gibt’s tausende unterschiedliche Journalisten, zum anderen eint sie wenigstens ein Job, der ein Interesse an ihrem Gegenüber erfordert.

Und eines verbindet dann uns Journalisten und Taxifahrer wirklich: Wir haben beide immer nur sehr wenig Zeit für ein bestimmtes Gegenüber und müssen es in eine Schublade einsortieren.

An dieser Stelle kommen wir an den Punkt, an dem ich ein Problem mit einem vor ein paar Tagen bei der Welt erschienenen Text von Dennis Sand (Link zu Twitter) habe. Ich als Taxifahrer und noch mehr als Taxiblogger packe meine Fahrgäste natürlich auch in Schubladen. Gute wie schlechte, falsche wie richtige. Natürlich landet auch der einmal in 10 Jahren Betrunkene mal versehentlich in der Immer-Party-Schublade, andererseits sind Fächer wie „Axel-Springer-Journalisten, die glauben, das Taxigewerbe verstanden zu haben“ dann doch eng genug gefasst, um Dennis Sand einfach mal unbesorgt reinzulegen.

Eben genau so, wie für Journalisten alles was ein Taxifahrer macht darauf zurückzuführen ist, dass er Taxifahrer ist. Und die Absurdität zeigt sich schon am oberflächlichen Aufhänger von Sands ganzem Artikel: Dass Cem Özdemir wohl mehr als einmal in Berlin Probleme mit türkisch-nationalistisch eingestellten Taxifahrern hatte. Ich will da nicht allzu pingelig sein, aber da hab ich als deutscher Antinationalist UND Berliner Taxifahrer jetzt ein paar kleine Schwierigkeiten mit der Anwendung dieser Pauschalkritik auf mich. Und das trifft ebenso auf die an dem Vollpfosten zu, der sich handgreiflich gewehrt haben soll, den Journalisten Sand eine kurze Strecke zu befördern.

Andererseits habe ich dann neulich den netten Kollegen gesehen, dessen Taxi ihn völlig blöd auf Position zwei am Stand ausgeschlossen hat, was in dem Fall sicher blöd  für suchende Kunden ist, was aber nix daran ändert, dass die erste Beschwerde hier an die Zentralverriegelungs-Konstruktionsabteilung von Opel oder die Werkstatt der Taxifirma gehen sollte anstatt an „DIE Berliner Taxifahrer“.

Wir beide, Journalisten und Taxifahrer, liegen bei der Einsortierung oft daneben. Ebenso wie ich in diesem Leben wohl schwer noch zu einem türkischen Nationalisten werde, wird der Axel-Springer-Verlag zum Beispiel ehrlich genug, um zuzugeben, dass der bücherschreibende Taxifahrer der Bild kein Interview geben wollte und man deshalb Zitate aus der Welt zurechtgeschnitten hat, um diesen Eindruck zu erwecken. Wo kämen wir auch hin, wir  haben eben alle unsere Prinzipien, nicht wahr?

Aber gut, genug von mir. Der betreffende Text von Dennis Sand trägt den geradezu poetisch anmutenden Titel „Warum eine Taxifahrt in Berlin die ultimative Demütigung ist„. Vier kuriose Fahrer ergeben da ein Gesamtbild von Berlins über 10.000 Taxifahrern, aber was will ich als Berliner Taxifahrer schon sagen, denn Sand hat sie „alle erlebt“.

Was rechnerisch unwahrscheinlich ist, von der Sache her aber potenziell möglich erscheint.

Andererseits stellt sich dann schon die Frage, wie er bis dato an die „Seelenverwandtschaft“ zwischen Journalisten und Taxifahrern glauben konnte, weil er und seinesgleichen ebenso wie die Taxifahrer das Vertrauen einer Person gewinnen müssten. Sie natürlich wegen wichtiger Dinge und Taxifahrer wegen des Trinkgeldes.

Hier ein kurzes „BÄM, MOTHERFUCKER!“ an die gutgläubigen Journalisten da draußen: Das ist Bullshit! Ich versuch seit 8 Jahren ein netter Taxifahrer zu sein und so wie’s aussieht, ist das Trinkgeld bei uns langfristig fast auf den Cent genau gleich. Nur Kollegen, die unverschämt betteln, machen wirklich ein Plus. So viel zur tieferen Informationsebene. „Die Fahrgäste“ als Gesamtpublikum sind sogar noch bescheuerter als „DIE Journalisten“ oder  „DIE Taxifahrer“.

Ich  hatte anfangs gedacht, dass ich den Text hier ein bisschen parodieähnlich einfach entlang des verlinkten Artikels schreiben könnte, eine Art 1:1-Gegenüberstellung. Das hab ich nach dem Lesen allerdings aufgegeben, denn für mich als Taxifahrer liegt die Niveaugrenze eben über dem Asphalt und für alle, die sowieso nicht gerne zur Welt verlinkt werden:

Laut Sand ist es schlimm, dass Fahrer kurze Fahrten ablehnen, nicht da sind, lange Fahrten ablehnen, zu viel Trinkgeld erwarten, pampig sind oder türkische Nationalisten, Verschörungstheorien verbreiten und einem den Tod wünschen. Auch erwähnt: allgemein eine schlechte politische Diskussionskultur und schlichtweg Menschenhass.

Und nicht vergessen: Diese Liste soll auf eine irgendwie geheimnisvolle Weise ausgerechnet das Berliner Taxigewerbe widerspiegeln, obwohl das fast schon das bestmögliche Beispiel für eine Barnum-Aussage über einen aufsichtslosen Großstadtkindergarten, die letzte Betriebsfeier eines Mittelständlers oder die gesamte fucking Menschheit ist. Natürlich kann man da noch einiges hinzufügen, andererseits reicht die Bandbreite schon, um ganze Dörfer zu diskreditieren.

Ich weiß … wer bis hierhin gelesen hat und vielleicht eher Sympathien mit „DEN Journalisten“ hegt und Taxifahrer für eher so semi-proevolutionär hält: Ich hab Euch bis hierhin vorenthalten, wer Dennis Sands liebster Taxifahrer war …

„Dann war da der Mann, der sich selber Ali Ferrari nannte und eigentlich ein wahnsinnig netter Kerl war, der mir aber erzählte, dass er dreimal (!) fast (?) seinen Führerschein verloren hätte, weil er beim Fahren gekokst und Speed konsumiert hat, was richtig „scheiße von den Bullen“ gewesen wäre, weil er ja bald als Rapper durchstarten wollen würde und dafür eben mit dem Taxifahren nebenbei Geld verdienen müsste. Ali Ferrari, der mich beim Aussteigen fragte, ob Ali Ferrari nicht vielleicht doch ein blöder Name sei („Quatsch, einen besseren Namen kann ich mir nicht vorstellen“), ist der einzige Taxifahrer in Berlin, dem ich alles Gute wünsche.“

Und da muss ich passen. Das wäre, als würde ich Donald Trumps Twitter-Account „ironisch“ einen Journalismuspreis für faire Berichterstattung überreichen, da setzt’s einfach aus, sorry.

Was ich eigentlich sagen wollte: Ja, wir haben alle andere Ansichten, andere Erfahrungshintergründe und andere Jobs. Und natürlich gibt’s da Muster und Häufungen, reale und vermutliche. Und es gibt klischeebestätigende tatsächliche Arschlöcher ebenso wie überraschend vielschichtig Interessierte. Als Taxifahrer hab ich mich im Text von Dennis Sand nicht wiedergefunden. Mich würde jetzt interessieren, ob’s ihm als Journalist in meinem Text anders ging.

PS:
Ich danke @Remmo_Lade (Link zu Twitter) und  ein paar anonymen Lesern für den Hinweis!

31 Kommentare bis “Warum Journalisten die bescheuertsten Fahrgäste Berlins sind”

  1. Ulf sagt:

    Ist es nicht andersrum, rechnerisch möglich aber allerhögschtunwahrscheinlich ?

  2. W. Örthersee sagt:

    Sorry, aber als Lokalredakteur einer Tageszeitung würde ich Dir diesen umständlichen Text zur Überarbeitung zurückgeben.

    Ich würde es das ‚Thomas Fischer-Syndrom‘ nennen:
    Der Bundesverfassungsrichter der bei DIE ZEIT ONLINE den ‚Fischer im Recht‘-Blog betreibt.
    Der hat auch nur wenig Zeit dafür, weil er einen Hauptjob hat genau wie Du, deshalb sind seine Texte immer sooo lang.
    Mit etwas mehr Zeit, in die Texte investiert, könnte man den Lesern sowohl bei Fischer wie bei Bors ein bisschen wiewaswarum-Lesemühe ersparen.

    Der Unterschied zu Fischer ist: Der schreibt immer so umständlich lang und Du nur ausnahmsweise. Und Du bist nicht Bundesrichter. Körperform und Körpergröße scheint übrigens ähnlich zu sein.

  3. W. Örthersee sagt:

    Und mit der WELT habe ich, es ist lange her, ähnliche Erfahrungen. Das sind eben sehr rüde Bräuche. Aus einem Text von mir der dort gedruckt wurde, waren die schönsten Teile gestrichen worden. Die erschienen dann in einem Artikel eines WELT-Redakteurs..

  4. Wahlberliner sagt:

    Netter Hinweis auf den Twitter-Account von Donald Trump – immerhin haben beide bei ihrem Twitter-Benutzernamen das Wort „real“ davorgestellt. Das führt natürlich dazu, dass man da eine gewisse geistige Nähe zueinander vermuten kann, was das Entstehen eines Textes wie den von Herrn Sand etwas logischer erscheinen lässt.
    Außerdem: Der Mensch arbeitet für den Axel-Springer-Verlag, kann also schon daher keine besondere Leuchte sein. Wer weiß also, wie oft er sich schon mit noch anderen von ihm verfassten Texten in die Nesseln gesetzt hat, indem er versucht hat, Andere mit dem Dreck zu bewerfen, welcher dann doch immer wieder nur an ihm selbst kleben bleibt…

  5. MsTaxi sagt:

    Herr Sand scheint seinen Job, sein Leben und die Wekt ja schwer zu hassen. Nach seiner Lesart wäre er als Berliner Taxifahrer echt besser am Platz.

  6. MsTaxi sagt:

    Streiche ein „k“ und ersetze durch „l“. *mich selbst anknurre*

  7. Jürgen sagt:

    Ich dachte, Journalisten wären welterfahrene, kommunikative und neugierige Menschen, immer auf der Suche nach einer guten Geschichte? Anscheinend nicht, denn dann hätte er sich doch die Nummer des Taxis aufschreiben können, sich bei der Taxiinnung, dem LAGESO und dem betreffenden Taxiunternehmen melden und nachfragen können, was da los war? Und schon hätte er Stoff für mindestens drei weitere Texte. Aber so? Ganz schwache Leistung.

  8. Aponette sagt:

    Dass Journalisten fair und objektiv berichten, glaube ich schon länger nicht mehr. Seit gut 15 Jahren diffamieren sie (allen voran der Spiegel und die FAZ) meinen Berufsstand als „Apothekerzunft“ die ihre „Pründe“ verteidigt. Die „mächtige Apothekerlobby“ die reihenweise alle Politiker zum kuschen bringt ist zwar genau so ein Gehirngespinst, wie die goldenen Nasen, die wir uns immer verdienen, aber daß wir wichtige tragende Säulen unseres Berufes aufgeben mußten, wird nie erwähnt. Die Leser der Zeitungen werden mit Halbwahrheiten belogen (z.B. Das Apothekenhonorar wurde erhöht! SKANDAL, daß das erst nach fast zehn Jahren geschah und um grandiose 25Cent, wird verschwiegen).
    Wäre es denn eine Story gewesen, wenn er über nette und hilfsbereite Taxifahrer geschrieben hätte? Sicher, aber für die Bäckerblume, für die Welt muß etwas reißerisches her. Also immer kräftig mit Dreck schmeißen. Alternative Fakten und überhaupt zählt nur meine gefühlte Welt, nicht die echte – postfaktisch.

  9. Börni sagt:

    Also die message in deiner Prosa hier kommt nicht so richtig rüber. Von daher möchte ich mich meinem Vorredner zu #2 vom W. Örthersee anschließen.

  10. Thomas sagt:

    Zu dem Artikel in der Welt fallen mir nur 3 Wörter ein! Fakenews, hatespech und postfaktisch !!! Mehr muss man zu diesem Mann und dieser Zeitung nicht sagen.

  11. Sash sagt:

    @W.Örthersee und @Börni:
    Ihr habt Recht. Ich wollte, obwohl ich schon ziemlich müde war, den Text unbedingt noch fertig machen und raushauen. Hätte ich mal besser noch ein paar Stunden verschoben.

  12. the passenger sagt:

    Naja, komm, Sash. Ganz unrecht hat er nicht. Regst Dich doch selber oft genug über manche Deiner Kollegen auf.

    Klar ist der Artikel überspitzt und die Verallgemeinerung eigentlich nicht okay. Aber es gibt ihn nunmal – den Taxifahrer, der hier beschrieben wird.

    Vor vielen Jahren wollte ich als Tourist selbst mal in Berlin Taxi fahren. Zugegeben – ein kurze Strecke. Was ich zu dem Zeitpunkt ala Ortsfremder aber nicht wusste. Die ersten beiden Fahrer am Stand behaupteten einfach, die Straße nicht zu kennen. Der dritte Fahrer meinte: „Klar, dass die nicht wollen. Das kostet nur etwa sechs bis sieben Euro. Ich fahre Sie – aber ich sag Ihnen gleich; ich nehme mindestens zehn.“

    Schmunzel über dem Bericht und sei stolz, dass Du ein besserer Fahrer bist 🙂

  13. Beartrix Humpe sagt:

    Ich wollte mich auch mal beschweren, hatte neulich in Berlin einen Taxifahrer, der auf dem Weg nach SXF andauernd in seine Knoblauchwurst gebissen hat, die auf dem Beifahrersitz lag. An der Kreuzung Glienicker Weg / Adlergestell hat er seine Pobacke hochgehoben und hat einen dampfen lassen und danach noch so ein Geräusch „aaaaach herrlich“. Dann hat er erzählt, dass die LDS Taxen alles Schweine sind, ich soll rückwärts, wenn ich wiederkomme aus dem Urlaub, nicht Taxi fahren, weil die Schweine sind, die aufgeknüpft gehören.
    Fahre sowieso nicht mehr!!!

  14. Mic ha sagt:

    Ich nehm ihm nicht eine seiner Anekdoten ab.
    Bald sollten sie eine neue Rubrik eröffnen: Journalisten schreiben hysterische Artikel über Taxifahrer. Das ist Nummer 8 oder so, die ich darüber las.

  15. MsTaxi sagt:

    Btw: den Autofahrer in Deutschland möchte ich sehen, der in drei Einzelfällen von der Polizei den Konsum harter Drogen nachgewiesen bekam und deshalb dreimal zur MPU durfte und dann noch als Taxifahrer einen Job bekommt. Se non `e vero `e bon trovato oder ganz miese Recherche.

  16. Mic ha sagt:

    Den gibt es nicht, da wette ich drauf. Ich glaube, den Namen Ali Ferrari hat der Schreiber von dem Rapper Xatar geklaut, der ihn in nem gesprochenen Intro erfunden hat. Der Typ von der Welt kennt ihn wahrscheinlich, da er des Öfteren im Kulturteil über Rapper schreibt.
    Und wer schmeißt einem anderen wegen 2 Euro Trinkgeld Münzen ins Gesicht, wenn der nur bezahlen will? Oder verprügelt ihn, weil der das Wort „Fahrgastbeförderungspflicht“ erwähnt?
    Ich finde das nicht glaubhaft.

  17. Mic ha sagt:

    P.S: Das Dümmste: Taxifahrer, der nicht aus dem Kiez will. Ihr seid ja alle Taxifahrer, habt ihr so was schon mal gehört?

  18. Elder Driver sagt:

    Mit der „bücherschreibende Taxifahrer der BILD kein Interview geben wollte und man deshalb Zitate aus der Welt zurechtgeschnitten hat, um diesen Eindruck zu erwecken“ bist wohl du gemeint, oder? Hier war die zeitliche Abfolge allerdings so:

    05.03.2015: http://www.bild.de/reise/deutschland/taxifahrer/gestern-nacht-im-taxi-sascha-bors-39993526,var=b,view=conversionToLogin.bild.html

    18.03.2015: https://www.welt.de/reise/deutschland/article138525470/Ein-Scheich-gab-drei-Zahnstocher-als-Bezahlung.html

    Aber ganz unabhänging von der zeitlichen Abfolge: Sind nicht sowohl BILD als auch Welt aus dem Hause Springer? Und warst nicht du es, der niemals etwas mit Springer zu tun haben wollte? Hast nicht du die Springer Journalisten aufgefordert, dich in Ruhe zu lassen, weil du nichts mit ihnen zu tun haben wolltest? Und warst du es nicht, der der Springer Presse gedroht hat, vor Gericht zu ziehen, sollte sie etwas über dich schreiben, was nicht der Wahrheit entspricht?

    Jetzt wäre die Gelegenheit!

    Elder Driver

  19. W. Örthersee sagt:

    Gähn..

  20. Cliff McLane sagt:

    Ich fühle mich hier gerade ein wenig diskriminiert. Weil, nach Abitur und Zwangsverpflichtung zum DDR abhören (Fernmeldeaufklärer, deutsche Bundeswehr) war mein erster erlernter Beruf, you name it, Zeitungsschreiber. „Journalist“ würde ich das nicht nennen. Meinen ersten längeren Artikel durfte ich, kein Scherz jetzt!, über die Jahreshauptversammlung des örtlichen Geflügelzüchtervereins schreiben, und mein Chefredakteur nahm ihn sogar an mit Ausnahme des Intros, wo ich schrieb, „Schon von Weitem hört man die Hähne krähen. Man betritt den Saal, und es riecht intensiv nach Huhn.“ Das mit den Hähnen hat er behalten, den Satz mit der Hühnerkacke hat er gestrichen.

    Na ja, lang ist’s her. Ich bin dann eben Sozialarbeiter geworden, das ist sowas wie Taxifahrer: Du kannst dir deine Kunden nicht aussuchen und musst jeden irgendwie irgendwo hin befördern. Ein klein wenig masochistisch veranlagt muss man in dem Job schon sein, sonst schafft man’s nicht. Stimmst du mir da zu, Sash?

    Aber eigentlich wollte ich hier was Nettes über Journalisten schreiben, nur, beim zweiten Mal lesen stelle ich fest, dass du das bereits getan hast. Deine Gelassenheit möchte ich mal haben. Am Ende entschuldigst du den Journalisten noch, ja, hat Mist geschrieben, aber shit happens. NEIN, das darf nicht! Gerade als Journalist hat man eine besondere Verantwortung. Du würdest es einem Polizisten ja auch nicht verzeihen, wenn er auf Verdacht mal eben jemanden erschießt.

    Ich will hier jetzt nicht übertreiben und die Macht der Presse allzu hoch hängen, denn so ist es nicht. Ein Großteil aller verkauften Zeitungen wird überhaupt nicht gelesen, die Verlage kassieren, weil viele Leute zu faul sind ihr Abo zu kündigen. Aber dennoch hat man Macht als Journalist, und selbst wenn man nur für eine kleine Regionalzeitung schreibt, sollte man sich dessen bewusst sein und verantwortungsvoll damit umgehen.

  21. Sash sagt:

    @the passenger:
    Ja, dass es das alles gibt, ist ja in Ordnung. Und es ist auch ok, darüber mal etwas polemischer zu schreiben. Aber der Text ist so bescheuert wie das „Lügenpresse“-Gerufe von Idioten, denen einfach die Meinung von Journalisten nicht passt. Und diese Retourkutsche wollte ich deswegen loswerden. Missstände anprangern ist ok, aber trotz aller schwarzen Schafe ist es eben nicht so, dass jeder Taxifahrer eigentlich auf die ein oder andere Art ein Schwein ist. Genau wie ein paar Fehler natürlich auch nicht „alle Journalisten“ doof macht. Und auch wenn ich meine Gedanken nicht mehr sonderlich gut sortiert habe: Dass die Überschrift bewusst provozierend war, ist vermutlich aufgefallen.

    @Beatrix Humpe:
    Konzessionsnummer aufschreiben und beim LABO, der Innung oder dem Arbeitgeber melden. Nicht irgendwelche Kommentare bei jemandem schreiben, der ein ähnlich angemaltes Auto hat.

    @Mic ha:
    Die Sache ist die: Irgendeinen Idioten, der irgendwas total bescheuertes macht, gibt es immer. Ja, es gibt Taxifahrer, die „nicht nach Neukölln“ fahren oder dergleichen, das kann ich – ob erfunden oder nicht – nicht widerlegen.

    @Elder Driver:
    Die zeitliche Abfolge der Veröffentlichungen mag so sein, das Interview hab ich dennoch zähneknirschend meinem Verlag zuliebe der Welt gegeben. Dann kam die Bild und wollte auch ein Gespräch, wobei ich abgelehnt habe und mich am Telefon mit so ziemlich allen Mitarbeitern des Verlags nacheinander gestritten habe. Am Ende haben sie (als +Artikel) ein „Interview“ gebracht, das aus einem schon weit im Vorfeld für die Öffentlichkeitsarbeit des Verlags erstellten Fragebogen bestand, bzw. Teile des Welt-Interviews mitbenutzt. Wie sie das nutzen, darüber gab’s nie Absprachen und ich hatte auch nie vor, meinem Verlag deswegen noch mehr Stress zu machen. Am Ende geht’s nur um Textzeilen wie „sprach mit BILD“ oder dergleichen, nicht um inhaltliche Falschaussagen oder dergleichen. Bei allem Ärger mit dem Verein wirklich kein Grund, sich in einen Rechtsstreit zu stürzen. Dass kann ich machen, wenn es wirklich um mehr als mein Ego geht und keine dritte Partei mit im Boot sitzt.

    @Cliff McLane:
    Ach, wir sind doch beide zu gut für diese Welt. 😉

  22. Mic ha sagt:

    Widerlegen kann ich es auch nicht, Sash. Aber ich mach nicht den Fehler, wegen rechtsgerichteter Vollspacken, die bei jeder Gelegenheit Lügenpresse! brüllen, den eigenen Instinkt abzustellen.
    Die Journalisten haben aufgrund von Clickbaiting und Geschwätzigkeit ihren Teil zur Unglaubwürdigkeit beigetragen. Zu weinen, dass Journalismus ein wichtiger Pfeiler dieser Demokratie ist, scheint mir bei solchen Artikeln so geheuchelt. Dieser Artikel stinkt. Denn er offenbart die Intention schon durch den Titel (auf Twitter nennt er es payback) und klingt dabei wie eine Entschuldigung für den kommenden Schrott, der die Charaktere so überzeichnet und unglaubwürdig macht.
    Wenn der Typ vor dir am Späti stehen würde und diese Geschichte erzählte, würdest du ihm diese abkaufen? Ich auf keinsten.
    Nichts davon.
    Nach Neukölln nicht fahren zu wollen, damals, ok. Heute Hipsterhochburg. Hätte weder was mit dem Kiez zu tun, noch mit dem Weg zum Flughafen, sondern allein mit dem Alltagsrassismus damals. Hättest du diesen Artikel „erfunden“ wäre er glaubwürdiger geworden.

  23. Mic ha sagt:

    Sorry für die Penetranz, aber lass uns doch mal darauf schauen, wie das abläuft. Er schreibt einen polemischen Artikel, den sowohl der Onlinepräsenz Aufmerksamkeit also Klickzahlen bringt, und er pinnt ihn online auf Twitter, da dort v.a. lautgehalse durchgreift und Follower einbringt. Ist das nicht eine Ausrichtung, deren er sich vor dem Schreiben unerstellt? Und dann überzeichnet er seine Protagonisten im Artikel derart, dass es wie im Theaterstück klingt. Ich würde mich genauso wie du ziemlich verarscht vorkommen, wenn es meinen Berufszweig treffen würde.

  24. Sash sagt:

    @Mic ha:
    Im Grunde stimme ich Dir bei so ziemlich allem zu. Und ich finde, dass daraufhin eigentlich eine „Hey, schaut mal, was hier für ein Mist geschrieben wurde!“-Antwort ganz ok ist. Sicher, ich könnte das in die eine oder andere Richtung ändern. Ja, vermutlich hätte ich dies deutlicher, jenes aber weniger deutlich schreiben können. Wie meistens.
    Ich danke Dir wirklich von ganzem Herzen für den Zuspruch und die Gedanken, tatsächlich aber ruhe ich gerade ziemlich in mir selbst und kann sowohl mit meinem Bashing leben als auch mit dem, das zurückkommt. 😀

  25. Mic ha sagt:

    Ich finds bemerkenswert, wie du mit der Kritik an deinem Artikel umgegangen bist.
    Und bin zudem froh, dass Elder wieder hier schreibt, ich las ihn immer unglaublich gerne hier unter deinen schönen Texte. Wie ein feiner Zusatz, der einen runter lockte.

  26. Elder Driver sagt:

    @Sash:
    Dein Buch hast du geschrieben, oder? Davon gehe ich zumindest aus, denn nur du bist als Autor genannt. Sollten andere da mitgeschrieben haben, wäre das Betrug am Leser. Als Autor entscheidest du, wem du ein Interview gibst und wem nicht. Mir ist kein Buchvertrag bekannt, wo drin steht, wem der Autor ein Interview geben muss. Und selbst wenn es so gewesen ist, wäre es an dir gewesen, BILD und Welt aus dem Vertrag streichen zu lassen, weil du ja mit der Springer Presse nichts zu tun haben wolltest, wie bis kurz nach dem Erscheinen der beiden Interviews hier auf deiner Seite zu lesen war. Dein Verlag kann dich zu nichts zwingen, was nicht vertraglich vereinbart ist. Du hast dich für die Interviews entschieden, vermutlich um dein Buch bekannt zu machen und den Verkauf anzukurbeln. Das ist legitim, aber es war deine Entscheidung.

  27. Ernst sagt:

    Beatrix Humpe mit ihrer Pub-Story bzw. Flatulenzgeschichte des Taxifahrers:
    Das müsste man doch merken, dass das ein Spaß war.

  28. Sash sagt:

    @Mic ha:
    Du solltest nicht so viel auf ähnliche Nicknames vertrauen. 😉

    @Elder Driver:
    Da hast Du völlig recht, ich dachte nur, ich erkläre mal nebenbei, dass es das niedliche schwarz-weiß nicht überall gibt. Du bist auch nur ein Kommentator und es könnte mir völlig am Arsch vorbeigehen, was Du schreibst. Das wird sogar ziemlich oft empfohlen. Ich denk mir halt: Hey, an dieser oder jener Kritik ist auch mal was dran. Und ja, ich wünschte auch, ich hätte der Welt das Interview nicht gegeben, aber andererseits haben die Leute vom Verlag mir das Geld für das Buch gezahlt und mir eine Menge dabei geholfen. In solchen wechselseitigen Beziehungen kann’s schon mal vorkommen, dass man Kompromisse macht und ja, für sie war jede Form von Öffentlichkeit gut. Ist insgesamt ein relativ normaler Vorgang unter erwachsenen Menschen, auch wenn Dir hier das Ergebnis offenbar völlig gegen den Strich geht.

  29. Mic ha sagt:

    Mist, hehe.

  30. Peter sagt:

    Um welches Buch geht es denn?

  31. Demir sagt:

    Ich muss immer noch über deinen Text, ob nun war oder nicht, lachen. Bin selber Türke und auch EWU in Berlin und echt, danke für den Lacher. Lg

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