Und die letzte Fahrt noch zum Krankenhaus …

Ein eilig an seinen Klamotten nestelnder Kunde passt mich auf dem Heimweg ab und will zum Krankenhaus. Obwohl’s mir jetzt egal sein könnte und die Schicht eigentlich auch nicht schlecht war, ist das nicht gerade der beste Schichtabschluss.

„Oh, ist was schlimmes?“

„Nee, gar nicht.“

OK, das klingt gut. 🙂

„Meine Frau bekommt jetzt das Kind!“

Na, da will ich mich mal nicht beschwert haben über die letzte Tour! Auch wenn sie nur kurz ist. Einer der Fälle, wo es sich richtig gut anfühlt zu wissen, dass die Fahrgäste diese Fahrt schon eine halbe Stunde später auf ewig vergessen haben werden. Manchmal gibt’s halt wichtigeres.

Was Kunden zu sagen haben

„Hey, darf ick Dir was sagen?“

„Selbstverständlich. Was ist denn?“

Der Kerl war schon ziemlich hinüber, aber ein lustiger Geselle mit einer für mich gut passenden Fahrt.

„Ich … ich liebe Dich!“

„Oh. Das war jetzt überraschend!“

„Ja, ne? Aba keine Sorge, Meista! Das is‘ nur, weil ick so lange gewartet hab und betrunken bin.“

„Na dann …“

„Ja, siehste, is‘ also alles ok.“

Gut, dass wir darüber mal geredet haben. 🙂

Unerwartetes Lob

Ich will nicht angeben, aber ich werde oft gelobt im Taxi. Immerhin deutlich öfter, als ich kritisiert werde. Durchaus aus unterschiedlichen Gründen. Meist für meine Freundlichkeit, manchmal auch für Antworten auf Fragen, Ratschläge, meine Routen oder gar den Fahrstil. Erst diese Woche hat ein angetrunkener Oberprolet, der die ganze Zeit ein bisschen stressig war, mir am Ende bei einem Handschlag versichert, ich wäre echt super gefahren. Und nicht einmal ironisch.

Dann aber hatte ich neulich auch noch eine Truppe feiernder Mädels dabei, die angefangen haben, mich für meine Stimme zu loben. Wieso auch immer sie auf die Idee gekommen sind. Aber gut, ich füg’s der Gute-Eigenschaften-Liste hinzu … 😉

Witzigkeitsbedingte Aufmerksamkeitspanne

„Und hatten Sie eine längere Reise?“

„Jetzt, wo Sie fragen: Das ist witzig, weil … also eigentlich, also es war komisch, ich hab richtiggehend gelacht, weil ich jetzt … ähm, ich hab den Faden verloren – was haben Sie gefragt?“

„Ob Sie eine längere Reise hatten.“

„Ach, haha! Nee.“

*PS: Ja, richtig; das ist kein Schreibfehler in der Überschrift. 😉

Es zahlt sich halt doch aus!

Ich hab bemerkt, dass ich seit geraumer Zeit im Taxi auch dazu tendiere, mich öfter mal zu ärgern. Es gibt so viel vermeidbaren Stress und manches Mal gehe ich hier inzwischen härter mit Kunden ins Gericht, als ich das vor ein paar Jahren noch getan hab. Interessant daran ist, dass das stimmt – es aber vermutlich noch von keinem Kunden bemerkt worden ist.

Natürlich nerven mich – um einen halbsoliden Übergang zum Grund des Eintrages zu bringen – Preisfeilscher heute nach hunderten Versuchen mehr als früher. Aber eben nicht, weil mir plötzlich über Nacht die Empathie für Leute verloren gegangen ist, die ähnlich wenig Geld haben wie ich; sondern weil es auf Dauer ermüdend und langweilig ist. Über die einzelnen Leute sagt das nach wie vor nix aus und deswegen bin ich in dem Fall z.B. immer noch nicht pissig den Kunden gegenüber. Fragen ist nicht verboten und Geld sparen müssen wir nunmal alle mehr oder weniger.

Die potenzielle Kundschaft nun hat auch gar keine wilden Vorstellungen gehabt. Das Pärchen wollte m späten Abend vom Ostbahnhof zum Boxhagener Platz und hat nach einer Kurzstrecke gefragt. Ich hab nett wie immer runtergebetet, dass das vom Stand nicht geht, der Normalpreis so um die 8 € beträgt und sie sich im Zweifel gerne ums Eck einen Kollegen ranwinken könnten. Sie haben das auch ohne Murren zur Kenntnis genommen und wollten fortan dennoch den Bus nehmen, da der „sicher bald“ kommen würde. Auch ok.

„Trotzdem einen schönen Abend Euch beiden noch!“

Zwei Minuten später kamen sie wieder. Der Bus würde noch 20 Minuten brauchen, sie würden nun gerne mit mir fahren. Na also. 😉

Natürlich sind 8 € eine unterdurchschnittliche Tour – aber von Position 11 am Stand ist das schon ein guter Deal, selbst ohne die später anfallenden fast 2 € Trinkgeld, die auf den Zehner noch gefehlt hätten. Kollegen waren genug da, aber es hat schon Gründe, warum die Leute zu mir zurückkommen und nicht zu denen, die sagen:

„Ma’ick nüsch!“

Die Fahrt war dann sogar auch noch recht witzig, denn die beiden berichteten mir, dass sie es eilig hätten. Also quasi.

„Wir hätten ja vor einer Stunde schon da sein sollen. Aber egal, die anderen sind auch zu spät!“

„Geht’s dann genau zum Boxi? Wenn ja: Welche Ecke?“

„Äh, wir müssen zum Feuermelder!“

DAS ist immerhin mal was neues. Der Feuermelder ist eine prima Absturzkneipe. Ich mag den Laden, auch wenn ich mir Ausgehen nicht sonderlich oft erlauben kann. (Vielleicht muss ich mir aber auch einfach nur abgewöhnen, die 3,30 € für ein Augustiner jedes Mal mit 4 € zu veranschlagen 😉 )
Dass man aus dem Laden also viel zu spät raustorkelt, kann ich absolut nachvollzuiehen. Dass man aber zu spät dort hinkommen kann … man lernt nie aus.

Einfach mal fragen

Es war wirklich bescheuert von mir, an den Ostbahnhof ranzufahren. Die letzten Züge waren raus, der McDonald’s hatte bereits zu und von den umliegenden Clubs hatte keiner überhaupt erst aufgemacht. Aussichtsloser kann’s für Taxifahrer nicht mehr werden. Also vor allem für einen Nichtfunker wie mich. Aber ich fuhr gerade so vorbei und da stand ein mir bekannter Kollege. Also hab ich angehalten und ihn mal gefragt, ob hier noch was gehen würde. Die Antwort lautete ungefähr:

„Nee, ganz bestimmt nicht. Gerade kam ein Reisebus an, aber die zwei an der Haltestelle dort vorne sind die einzigen übrigen Menschen hier und die warten wohl auf den Nachtbus.“

Und der kam dann auch und sackte sie ein.

Ich und der Kollege quatschten kurz, dann kam von weiter hinten doch noch ein Pärchen an. Die beiden waren alt und langsam, also sagte ich dem Kollegen, er solle vorfahren – wenn sie tatsächlich kein Taxi brauchen würden, würde ich ihn wieder auf Position eins lassen. Wir waren ja die beiden einzigen dort. Also ist er vorgefahren und hat die Leute tatsächlich eingeladen.

Da hab ich dann aufgegeben. Es waren endgültig alle Menschen weg und der Kollege nun auch. Und ich hatte mich nicht reingesteigert, dort noch eine Tour zu bekommen. Also hab ich noch während des Einladevorgangs der anderen den Kollegen überholt und bin einfach losgefahren. Wohin auch immer. Und dann stand ganz ganz am Ende der Haltestelle noch ein kleiner alter Mann mit großem Koffer und guckte mich skeptisch an. Also hab ich’s riskiert und einfach mal gefragt, ob er zufällig ein Taxi brauchen könnte.

Und siehe da: Er konnte ein Taxi brauchen! 🙂

Es stellte sich schnell raus, dass er wegen seines schweren Asthmas nicht bis zum Stand laufen konnte – von Rufen wollen wir gar nicht reden! Er brauchte auch im Auto noch ein paar Minuten, um wieder ordentlich atmen zu können, aber immerhin hatte er schon eine grobe Ecke in Hellersdorf genannt. Eine 25€-Tour, das tat gut nach langem Leerlauf bei mir. Der überaus lustige Kauz hat mir erzählt, er sei in Südfrankreich gewesen un dieses und jenes und überhaupt. Bis in die Sechziger zurück haben seine Geschichten gereicht.

Das Fahrtziel konnte ich nur auf vielleicht einen Kilometer genau einschätzen, also fragte ich zwischendurch mal nach, ob mein vorgeschlagener Weg ok sei. Er meinte dann, dass er anders fahren würde, er zeige es mir. Ich hab nix gegen solche Ansagen – und der alte Herr hatte mir einige Jahrzehnte Ortskunde voraus. Dass das nicht viel aussagte, wurde mir dann drei Minuten später bewusst, denn er brachte einige Straßen ziemlich durcheinander – was an dem Punkt dann bedeutete, dass wir einen ziemlich gewaltigen Haken fahren mussten und ich vorher doch lieber meinem Instinkt hätte vertrauen sollen.

Aber der freundliche Greis entschuldigte sich noch bei mir und sagte, ich solle die Uhr ruhig anlassen.

„Ick ärger mir, wenn dit’n Fahrer so von sich aus macht. Aber war ja nu auch mein Fehler, so’n bisschen, wa?“

Wir haben uns drauf geeinigt, dass wir ein wenig aneinander vorbeigeredet hätten – auch wenn er wirklich argen Bockmist bei seinen Ansagen verzapft hat. Am Ende war aus der 25€-Fahrt eine Tour geworden, bei der 29,00 € auf der Uhr standen – satte drei Kilometer Umweg. Das war in der lauen Nacht Geschenk genug, ich hab mich in Gedanken mit dem erwarteten einen Euro Trinkgeld zufrieden gegeben. Und dann streckt mir der Vogel einen Fuffi zu und meint:

„Gib’s ma’n Zehner wieder! OK?“

Meine aufrichtigen Dankesworte quittierte er mit den Worten:

„Ach, dit war allet so teuer, da kommt’s darauf och nich‘ mehr an. Man muss dit Jeld unta de Leute bring‘, saick imma!“

Ein Leut dankt! Und ist froh, dass es gefragt hat. 🙂

„Sie würden sich freuen!“

„So, dann befreien wir noch schnell das Gepäck …“

„Ja, bitte!“

„Sind auch immer die unangenehmsten Fahrten, wenn ich mit den Koffern abhaue …“

„Ach, da sind zwei edle Flaschen Schnaps drin, SIE würden sich freuen!“

„…“

„Obwohl … Sie müssen ja fahren, oder?“

Mal abgesehen davon, dass Schnaps fast jeglicher Art nicht mein Fall ist: Der hatte ja keine Ahnung, wie schnell ich Feierabend* machen kann, wenn ich will! 😉

*Hab gerade „Feuerabend“ getippfehlert – wohl so eine Art freud’scher Vertipper.