Wirklich alles, sogar hochdeutsch!

Als eine der Sechsertruppe mir erzählte, dass sie vor 20 Stunden aus Stuttgart hergeflogen waren und so langsam müde seien, hatte  ich damit nicht gerechnet. Sie kamen zwar nicht direkt aus meiner Heimatstadt, aber mehr Dialekt als ich nach 8 Jahren Berlin war bei denen auch kaum hängengeblieben.

Naja, nun zum Hotel, war ein durchweg weiblicher Jungesellinnenabschied, was offenbar ebenso lustig wie die männliche Variante ist, dabei aber niemand bereits im Taxi Brocken lachen muss. Eigentlich sehr sympathisch. 🙂

Naja, als ich mich dann auch als Exilschwabe geoutet hatte, hat das die Stimmung nicht verschlechtert, im Gegenteil. Immer wieder nett. Überhaupt war’s für die Konstellation „6 betrunkene Mädels und eine Fahrt durch die halbe Stadt“ geradezu vorbildlich von Fahrgastseite und ich hab mich natürlich auch halbwegs bemüht.

Nun sollte man meinen, dass Taxifahren mit Schwaben immerhin einen entscheidenden Nachteil hat, aber Pustekuchen:

„Das wären dann 24,50 €.“

„Dann stimmt das so.“

„Oh. Dankeschön.“

„Sehr gerne. Ach so, das waren 30, oder?“

„Äh, ja.“

„Dann ist ja gut.“

🙂

Glücksgriffe

Ich bin dieses Wochenende (mal wieder) kaum zum Taxifahren gekommen. Das ist ok, der Monat lief bis dato ganz gut – und mit Flurrenovierung (ja, noch immer!), Wohnungsentschmandung und Familienbesuch hatte ich gleich drei triftige Gründe dafür. Umso schöner ist es dann, wenn man noch für zwei Stunden rausfährt, dabei einfach mal auf Verdacht eine Hauptstraße im Berliner Osten langgurkt, tatsächlich Winker findet und sie reichlich unemotional erst einen Zielpunkt in 30 € Entfernung angeben, dann aber gleich nachschieben, dass es danach noch weitergehen wird.

Die Truppe war todmüde, aber nicht betrunken oder sonstwie bedenklich, außerdem wollte sie keine Musik, keine Unterhaltung und hat nebenbei völlig selbstverständlich am Ende Zielansagen im Umland gemacht, so dass ich nicht einmal das Navi bemühen musste. Es fing unspektakulär an, ging unspektakulär weiter und endete ebenso unspektakulär. Abgesehen davon, dass der Umsatz am Ende über 50 € betragen hat und das trotz aller Leserfahrten und sonstiger Ausnahmetouren immer noch locker unter die Top-2% fallen dürfte.

Es bleibt allenfalls die Befürchtung, dass ich insgesamt ein sehr lukratives Wochenende verpasst habe. Aber irgendwas ist ja immer.

Fahrtkombinationen

Man wundert sich ja nur selten darüber, wo die Kunden hinwollen. Man mag vielleicht diese oder jene Location selbst nicht, aber aus Sicht der Kundschaft ist das eben was anderes. Die Menschen sind verschieden, so ist es halt. Hellhörig wird man aber, wenn Kundschaft, Start und Ziel einfach nicht zusammen passen wollen.

Eigentlich begegnet einem derlei ja schon bei der mündlichen Ortskundeprüfung. Da könnte es passieren, dass einen die Prüfer vom Unfallkrankenhaus zur Spielbank fahren lassen, von Marzahn ins Hotel Adlon oder von der TU zur Julius-Leber-Kaserne. OK, letzterer war etwas gemein. 😉

Aber ja, an sowas hab ich vorher denken müssen, als ich zwei Fahrgäste von einem Auto-Tuning-Event zu einem veganen Bio-Hotel gefahren hab. Ich will die kleine Randgruppe veganer PS-Freunde echt nicht vors Schienbein treten, aber: Euch gibt’s nicht! 😀

Und ungeachtet dessen, ob das jetzt nur blöde Klischees meinerseits waren, ich hatte recht:

„Is ja so’n Bio-Hotel, veganes Essen und so … haben wir ja nicht selbst gebucht. Aber egal, hauptsache einen Platz zum Pennen.“

Alles wichtige schnell abklären

Eine ältere Frau stieg mir während des gestrigen Deutschland-Spiels ins Auto und fragte nach der Vergewisserung, ob es immer noch 1:0 stehe:

„Und, hat der Gauland noch irgendwelchen Mist verzapft, während ich weg war?“

<3

Aller guten Dinge sind drei!

Natürlich wiederholen sich endlos viele Sachen auch beim Taxifahren, obwohl es sicher ein vergleichsweise abwechslungsreicher Job ist. Die langjährigen Leser merken das ja auch an meinem Blog. Dass ich heute Nacht allerdings schon wieder bei einem Burger-King am Drive-in-Schalter stand, war allerdings schon seltsam. Denn vor nicht einmal einem Monat war es erst dieser Jüngling, der aus einem BK-Besuch „So eine schöne Sache“ gemacht hat; und kurz darauf fiel ein schneller Stopp beim selben Fastfood-Restaurant bei der Fahrt in die Waldsiedlung an. Und nun ein junges Pärchen bei einer Tour vom Ostbahnhof über den Boxhagener Kiez nach Tempelhof geführt hat und mit allen Wartezeiten einmal mehr die 30€-Marke geknackt hat.

Und das ist in letzter Zeit mehr als nur dreimal passiert: Dass der Abend furchtbar verlief und am Ende eine oder zwei Touren weit über dem Durchschnitt alles wieder gerade gerückt haben. In diesem Fall zählte zu meinem Glück noch ein fantastisch gelaunter Bostoner, der von Tempelhof nach Mitte wollte und mit dem ich mich unter anderem über das Englisch von Günther Oettinger amüsiert habe. Das in Kombination mit mehr als 50 € Umsatz in einer Stunde ist schwer zu schlagen! 😀

Die schnellen Stunden am Ostbahnhof

Ich hab mich an den Bahnhof gestellt. Letzte Rücke, eine lange Taxischlange also. Eine Zigarette, einmal den Radiosender wechseln, und schon bekam ich mit, dass eine Kundin beim Fahrer zwei Autos vor mir an der Rücke ihren Koffer wieder auslud und nach hinten lief. Neben mir stoppte sie unsicher und ich fragte sie, was denn das Problem mit dem Kollegen gewesen sei, der nun eben gen zweiter Nachrücke vorzog.

Ja, der wollte sie nicht mitnehmen, weil sie nur zur Pücklerstraße müsste.

Diese Arschlöcher, orrr!

Die Kundin nahm’s eher gelassen:

„Naja, er sagte, er warte schon seit über einer Stunde, da verstehe ich das ja …“

Vorweg mal ganz im Ernst: Kurze Touren ablehnen ist einfach scheiße! Und wenn man das nur mit Lügen rechtfertigen kann, dann ist man so ein erbärmlicher Wichser, dass mir dafür viele Beschimpfungen einfallen, wobei ich aber bei keiner das Wort „Taxifahrer“ mit verunglimpfen würde.

Etwas ironisch würde ich aber anmerken:

Respekt, Kollege! Dein Optimismus ist vollkommen deckungsgleich mit deiner Arschlochhaftigkeit: Unübertreffbar! Wenn Du auf Position 14 ungefähr schon über eine Stunde gestanden hast (wo 30 Minuten vorher auch nur die Plätze 1 bis 15 belegt waren, ich war vor Ort), dann hast Du dich in über 60 Minuten höchstens einen Platz in der Schlange bewegt und hast dennoch erwartet, in absehbarer Zeit eine Tour zu bekommen, die dich für diese Wartezeit mehr entschädigt als diese 8€-Tour. Sicher, so eine 120€-Fahrt kann man durchaus als schichtrettend bezeichnen, nur würde ich keine 14 Stunden darauf warten, weil meine Schicht da schon lange vorüber ist. War sie auch an diesem Abend, und das sogar mit mehr als 120 €, trotz der einen kurzen Fahrt. Aber gut, unsere Stunden scheinen ja ohnehin in verschiedenen Universen zu vergehen, selbst am Ostbahnhof.

😉

Mit Ansage!

Der Typ war dermaßen verstrahlt, rückblickend wunderte ich mich nicht einmal mehr, dass er mich mitten auf einer Kreuzung zweier Hauptstraßen herangewunken hatte. Wobei ich fairerweise anerkennen muss, dass er von dort aus kürzestmöglichen Zugriff auf 10 Richtungsfahrbahnen für Autos, sowie vier von Straßenbahnen Zugriff hatte. Wahrscheinlich ein Statistiker.

Naja, er bat sich jedenfalls eine Kurzstrecke aus und war unnötig angetan davon, dass ich Schaltwagen fuhr. Nachdem die Richtung klar war, fragte ich nach dem Ausstiegspunkt und er nannte einen großen und bekannten Platz, ließ aber fallen, dass ich, also eigentlich, so von der Sache her, ich könnte auch noch ein wenig weiter. Er hat das dann auch eloquent mit der Tatsache begründet, dass dort eh noch ein paar hundert Meter das Wenden nicht erlaubt sei und ich mich schlecht damit rausreden könne, dass ich wo anders hinwolle. Da musste ich einschreiten:

„Haste Recht. Aber auch hier in der weiten Prärie deines Heimatstadtteils stehen manchmal Winker, die ich nicht einsacken könnte, wenn Du noch drinsitzt.“

Am Ende isser brav ausgestiegen, es war nur ein Versuch, passt schon.

Und dann hatte ich 300 Meter weiter Winker. ICH HAB’S JA GESAGT! 😀