Uber „darf“ wieder fahren.

Gestern wurde in Frankfurt die neulich erlassene einstweilige Verfügung gegen Uber, keine Fahrten mit nicht zugelassenen Fahrern und/oder Autos durchzuführen, wieder gekippt. Wenngleich das überraschend war und die Begründung durchaus ihre, nun ja, Schwächen hat, ist das deswegen kein übergroßes Drama. Es ging nur darum, ob das Rechtsmittel der einstweiligen Verfügung in diesem Fall angemessen war oder nicht. Da Uber weiterhin alles verschweigt, was ihnen nicht so ganz in ihre Welt passt, schreibe ich das hier noch einmal ganz klar:

Noch nie und nirgends hat bis heute ein deutsches Gericht die Rechtmäßigkeit von UberPop auch nur ansatzweise bestätigt!

Im Gegenteil. Sowohl beim Verbotsrückzug in Hamburg als auch jetzt bei dem der bundesweiten einstweiligen Verfügung haben die Richter klargestellt, dass, diplomatisch ausgedrückt, erhebliche Zweifel an der Legalität dieses Geschäftsmodells bestehen.

Den Uber-Blogartikel gestern hätte man freilich auch vor einer Woche schon schreiben können. Da steht wie üblich drin, wie geil sie sind. Ob sie das trotz oder wegen eines Urteils sind, ist auf deren Planeten ohnehin nur ein Wortspiel.

Obwohl viele Medien das jetzt auch wieder schreiben, ist das nicht einmal ein „Etappensieg“ für Uber in der Sache an sich. Es spielt ihnen allerdings in die Hände, das muss man zugeben. Schließlich setzt Uber auf die eigene Beliebtheit in der Bevölkerung und braucht sie, um Druck zu machen. Schön finde ich die Entscheidung des Gerichts also trotzdem nicht.

Zumal wegen der Begründung. Laut dem oben verlinkten Heise-Artikel ist das Gericht der Uber-Darlegung gefolgt, Ihr Geschäftsmodell sei seit 2013 bekannt gewesen, was Taxi Deutschland die Möglichkeit gegeben hätte, frühzeitig ein Hauptverfahren einzuleiten anstelle des jetztigen Eilantrages der einstweiligen Verfügung. Ob das juristisch korrekt ist, kann ich als Laie nicht einschätzen, zumal ich auf die Schnelle keine Quellen gefunden habe, wann Uber die Vermittlung via UberPop in Deutschland angekündigt hat. Zufälligerweise war es jedoch im Jahr 2013, als Uber seinen Limousinenservice Black erstmalig in Berlin gestartet hat, der ja nach wie vor auch legal und vom Taxigewerbe weitgehend unangegriffen ist. Ich hab ja ein bisschen Sorge wegen etwaiger Pop-Black-Verschmandungen bei der Entscheidung. Aber sei’s drum. Taxi Deutschland haben in ihrer Presseerklärung jedenfalls halbwegs plausibel begründet, weswegen sie nicht schneller sein konnten als sie es waren.

Einen kleinen Funfact liefert der oben verlinkte Heise-Artikel noch. Uber hat sich offenbar des Staatsrechtlers und ehemaligen Verteidigungsministers Rupert Scholz bedient, der ihnen ein Gutachten schrieb, das die eigentlich doch schon lange widerlegte These, UberPop sei eine Mitfahrgelegenheit, bejahte. Der vorsitzende Richter soll entgegnet haben:

„Nicht jedes Gutachten, was von einem Hochschullehrer verfasst wurde, ist automatisch geeignet, die Rechtssprechung, wie es vielleicht gewünscht ist, zu beeinflussen.“

Und Fabien Nestmann, Uber-Sprecher für Deutschland, liest von seinem Blatt ab, dass die heutige Entscheidung zeigt, dass die Richter sich offenbar „aufgeschlossen“ für neue Ideen zeigen.

(Sorry, dass ich solche Kleinigkeiten manchmal breittrete, aber ich bin offenbar ein zu ehrlicher Mensch und einfach nur bei jeder neuen Wortmeldung von Uber entsetzt über deren Tatsachenverdrehungen und Desinformationen. Sich einen auf ihre Digitalität runterholen und dann aber darauf zu setzen, dass die Menschen zu dumm sind, einfache Internet-Recherchemöglichkeiten zu nutzen. Ekelhaft! Dass sie eine andere Meinung haben als ich, kann ich akzeptieren. Würde ich aber schreiben wie sie schreiben, würde ich sogar mich selbst widerlich finden.)

Als kleinen positiven Bonus gibt’s hier noch einen Zeit-Artikel, der klarstellt, dass es bei Uber und co. nicht um Taxis, sondern um Weltanschauungen geht.

Tarifverhandlungen gescheitert

Dank Uber war ich gewerbepolitisch in letzter Zeit leider andersweitig beschäftigt und habe das Thema Mindestlohn aufgeschoben. Nun also ein kurzer Zwischenstandsbericht:

Der deutsche Mietwagenverband BZP hat sich im Laufe des Jahres zum Tarifpartner auf Arbeitgeberseite aufwerten lassen und vertritt nun tarifpolitisch die Taxiunternehmen. Und zwar weil ein schon vor 2015 bestehender Tarifvertrag (in diesem Fall mit Ver.di) die einzige noch verbleibende Möglichkeit ist, die Einführung des Mindestlohns im Taxigewerbe zum Beginn nächsten Jahres zu verzögern.
Sprich: schließt man jetzt noch eilig einen Tarifvertrag mit Löhnen unter 8,50 € ab, besteht für die Arbeitgeber die Möglichkeit, diesen sonst ab dem kommenden ersten Januar verpflichtenden Betrag nach einer stufenweisen Annäherung erst ab Anfang 2017 zahlen zu müssen.
Da die Löhne im Taxigewerbe fast überall – zumindest aber durchschnittlich – weit unter 8,50 € (nämlich eher bei 6,50 €) liegen, wäre den Unternehmen daran natürlich viel gelegen.

Doch der Traum scheint erst einmal geplatzt zu sein.

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Ist das nun gut oder schlecht?

Das ist ganz klar eine Meinungsfrage. Die umgehende Einführung des Mindestlohns wird zweifelsohne Arbeitsplätze kosten. Das behaupten Vertreter aller Branchen, bei uns ist das aber eklatant sichtbar. Wenn der Gewinn eines Taxiunternehmens bei 5 bis 10% des Umsatzes liegt, dann kann der Lohn des Fahrers nicht um 20 oder 30% erhöht werden – dann wird dieser Fahrer seinen Job verlieren oder das Unternehmen pleite gehen, so ist das einfach. Die Frage ist demnach: ist es sinnvoller, alle Arbeitsplätze wie bisher zu erhalten – oder nach einem Abbau den restlichen Fahrern zumindest mal den Mindestlohn zu bezahlen? Und je nach Weltanschauung kann man da zu unterschiedlichen Ansichten kommen.

Meine ist klar:

Ich bin für den Mindestlohn und dementsprechend froh darüber, dass die Tarifverhandlungen geplatzt sind!

Und das nicht, weil ich Taxiunternehmer für böse halte und ihnen den Untergang wünsche. Im Gegenteil: ich bin mit sehr guten und sehr sozialen Chefs gesegnet, deren Unternehmen ich grundsätzlich bereit bin auch mit eigenen Mitteln mitzuverteidigen. Mir ist klar, dass sie mit dem Mindestlohn Probleme bekommen werden und in diesem einen Fall weiß ich, dass das nicht ihr Fehler ist. Ich werde wie die meisten Berliner Taxifahrer am Umsatz beteiligt und liege dank günstiger Arbeitszeiten jetzt schon über 8,50 € Lohn pro Stunde. Aber der Umsatz des einzelnen Fahrers (und in Berlin auch Unternehmens) lässt sich nicht beliebig steuern. Wenn in der Stadt mehr Taxis zugelassen werden (seit meinem Eintritt ins Gewerbe 2008 waren das irgendwas um 500 bis 1000 neue), dann sinkt entsprechend der Umsatz des einzelnen. Die meisten Aufträge werden hier von Zentralen vermittelt, die nicht mit den Unternehmen identisch sind – ergo kann man sich als Unternehmer auch durch z.B. bessere Qualität nicht deutlich mehr Kunden sichern. Was soll ein Unternehmen hier schon machen, außer sich mit mehr Fahrern mehr Anteil sichern?

Aber ungeachtet dessen: 6,50 € können kein vernünftiger Stundenlohn sein!

Das Jammern über den Verlust von Arbeitsplätzen unterschlägt immer, dass es dabei verdammt nochmal um Arbeitsplätze geht, die mit unter 8,50 € pro Stunde bezahlt werden. Da sind reihenweise Arbeitsplätze dabei, die jetzt schon dank Aufstockung staatlich mitalimentiert sind und andere, bei denen Leute ihre Familien um den Preis sie nicht mehr zu sehen ernähren. 6,50 € brutto bedeuten gerade mal 1300 € im Monat – bei mehr als 40 Wochenstunden! Natürlich hätte es eigentlich anderer Mittel bedurft, das Problem zu lösen. Der Senat hätte die Anzahl der Taxis begrenzen können. Man hätte durch Tarifsenkungen, Werbung oder Qualitätsverbesserungen mehr Kunden finden können oder auch einfach wenigstens aktiv die Schwarzarbeit bekämpfen, die immer noch zu viel Geld aus dem Gewerbe zieht.

Hätte, könnte. Fakt ist: das hat gerade hier in Berlin niemand geschafft. Und selbst in Anbetracht des bevorstehenden Mindestlohnes poltert der „Taxiverband Berlin Brandenburg“ als eine der Gewerbevertretungen schon wieder los, man bräuchte (ein Jahr nach der letzten Erhöhung) 23% Aufschlag auf den Taxitarif. Falls wer sein Milchmädchen vermisst: es arbeitet offenbar beim TVB.

Das Grundproblem ist hier wie überall eine grundsätzliche (Ausnahmen bestätigen die Regel …) Überversorgung mit Taxis. Wir müssen zwar um verfügbar zu sein Leerlaufzeiten haben, dennoch braucht es bei den meisten in Deutschland gültigen Tarifen kaum mehr als vielleicht 10 bis 13 besetzt gefahrene Kilometer pro Taxi und Stunde, um auch mit Mindestlohn wirtschaftlich zu sein. Und das ist wirklich kein utopischer Wert, selbst wenn wir weiterhin eine Versorgung garantieren wollen. Autos, die mit von der Beschäftigung abhängigen Fahrern zwei Drittel der Zeit stehen, sind Überfluss.

Nun wird es halt der Mindestlohn schaffen, das durchzurütteln. Das Dumme daran ist zweifelsohne, dass er unfair ist. Der Mindestlohn sorgt nicht automatisch für eine Bevorzugung der ehrlichen Unternehmen und spielt gleichermaßen auch jenen in die Hände, die schon jetzt wirtschaftliche Vorteile durch, nun ja, „kreative Buchführung“ haben.

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Bemerkenswert ist aber auch die Argumentation der beiden Tarifparteien:

Hier die Presseerklärung von Ver.di.

Hier die Presseerklärung des BZP.

Dass beide Parteien „Mimimi, die anderen sind schuld!“ rufen, ist die eine Sache. Der BZP allerdings wird wirklich albern. In Verhandlungen mit einer Gewerkschaft zu gehen um den Lohn zu senken ist das eine. Dabei allerdings überrascht zu sein, dass die das nicht tun, ohne andere Zugeständnisse zu kriegen – das ist nur noch lächerlich.

Der BZP behauptet z.B., dass eine Arbeitszeiterfassung via Taxameter technisch noch nicht möglich und problematisch beim Datenschutz wäre. Was für eine Zumutung! Arbeitgeber sollen wissen, wann ihre Arbeitnehmer arbeiten! Man stelle sich das mal in anderen Branchen vor … oh, wait! (Und by the way: natürlich protokolliert mein Taxameter meine Arbeitszeit …)

Und eine 40-Stunden-Woche ist nicht einführbar wegen Großveranstaltungen und dem Wetter!? Will irgendwer mal zum BZP gehen und denen sowas wie Überstunden, Freizeitausgleich etc. pp. erklären?

Nicht zu vergessen der weinerliche Hinweis darauf, dass es voll gemein wäre und Ver.di doch irgendwie hätte großzügiger sein müssen, weil die Branche ja keine Sonderregelung bekommen hätte. Ganz ehrlich, lieber BZP: WTF? Ihr habt noch nicht geschnallt, dass wegen Arbeitgebervertretern wie Euch sowas wie ein Mindestlohn erst nötig war und unser Gewerbe keine Ausnahmegenehmigung bekommen hat, weil gesamtgesellschaftlich nichts gegen 8,50 € Lohn für Taxifahrer spricht, sondern ausschließlich die teils hausgemachte Misere innerhalb des Gewerbes.

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Ich freue mich nicht darüber, dass Unternehmen pleite gehen und Fahrer entlassen werden. Schon gar nicht, wenn es Unternehmen betrifft, die es besser machen wollten, aber nicht konnten – oder Fahrer, die zufrieden waren mit dem Status Quo. Aber mal im Ernst: das Taxigewerbe ist wichtig und hat sich im Laufe der Jahrzehnte teils eigenverantwortlich, teils durch miserable Verkehrspolitik in eine Lage gefahren, die prinzipiell abartig ist. Obwohl uns Qualität abverlangt wird, verdienen wir Dienstleister so wenig, dass es uns spaltet in die, die mit Herzblut bei der Sache sind und dafür alles hinnehmen – und andererseits die, für die es „immerhin besser als nix“ ist und teilweise auch dementsprechend arbeiten. Eigentlich ist der Mindestlohn für nix davon eine angemessene Lösung, aber immerhin ein Schritt in die richtige Richtung – nämlich das Dilemma unserer Unterbeschäftigung zu beseitigen.
Ich möchte dafür nicht die Freiheiten geopfert sehen, die die Arbeit mit sich bringt; aber im Gegenzug sollten wir zufriedenen Fahrer, die gerne hätten, dass alles so bleibt wie bisher, uns auch mal fragen, ob es im Gegenzug ok ist, dass sich in unseren Reihen Leute kaputtschuften, nur um noch ein paar Euro mehr als HartzIV zu bekommen (Und das ist eine realistische Darstellung, wenn man z.B. von einer Familie ausgeht, bei der nur ein Elternteil arbeitet). Wer von uns arbeitet den WIRKLICH freiwillig 60 Stunden die Woche? Was könnten wir erst reissen, wenn wir besser verdienen würden und deswegen weniger arbeiten müssten?

Kleines Uber-Update

Gefühlt ist es in der letzten Woche sehr ruhig um Uber geworden. Dass gar nix passiert ist, lässt sich allerdings auch nicht sagen. Nach dem deutschlandweiten Verbot, Fahrgäste gegen die gesetzlichen Regelungen zu befördern, hat Uber ja weitergemacht und in einem ersten PR-Stunt die Preise (und damit – nur dass niemand das vergisst! – auch die Erlöse der Fahrer)  in Berlin um 30% gesenkt. Dann Stille.

Zumindest weitgehend im öffentlichen Raum. Den Fahrern hat Uber eine SMS geschickt, dass sie das Verbot nicht interessieren brauche, weil es sich nur gegen die Firma richte. Das war auf dreiste Art richtig und doch hinterhältig, denn nur weil dieses eine Urteil sich auf Uber als Unternehmen bezog, ist die Arbeit der UberPop-Fahrer kein Stück legaler geworden. Das lernt jetzt immerhin schon mal ein einzelner, dem das Befördern von Personen nun ebenfalls untersagt wurde. Laut Spiegel Online drohen auch ihm nun 250.000 € Strafe bei einem Verstoß.

Der Rest der Fahrer ist sich aber sicher, dass Uber sich schon um sie kümmert. Steht zwar nicht im Vertrag, aber hey, wer wird denn den Pressemitteilungen eines seriösen Unternehmens misstrauen, das in weniger als 100 Staaten Verfahren am Hals hat?

Seltsam muten im Gegenzug Gerüchte an, dass Obereinheizer Travis Kalanick formal nicht mehr Uber-Chef für Deutschland sein soll. Wenn diese Informationen richtig sein sollten, hat da wohl jemand ganz gewaltig Muffensausen bekommen …

Aber: kein Uber-Artikel ohne Neuwahl des Deppen vom Dienst – der dieses Mal wohl Sigmar Gabriel heißt und sich eine Anpassung der Regelungen an das neue Mobilitätsbedürfnis vorstellen könnte. OK, zugegeben, natürlich erst nach einer Überprüfung und „gegebenenfalls“. Interessant ist daran vor allem, dass sich das trotzdem liest, als sei das Wirtschaftsministerium informationsmäßig noch auf dem Stand von Anfang Juni, als alle Medien noch glaubten, das Problem an UberPop sei seine Apphaftigkeit. Aber gut, wenn jemand wie Sarrazin in der SPD bleiben kann, dann ist für die alterwürdige Arbeiterpartei selbstverständlich auch Neoliberalismus und Schwarzarbeit prinzipiell interessant; das ist nur konsequent, schätze ich.

Vergessen wir bei all dem nicht, wie gut Uber eigentlich ist: sie werden geliebt, auch wenn sie scheiße sind:

 


PS: Am Dienstag steht die mündliche Verhandlung zur einstweiligen Verfügung an, die UberPop bisher in Deutschland untersagt. Das wird entweder spannend oder lustig – ich freue mich darauf. 🙂

Kleinigkeiten

Zum einen hab ich mein Auto wieder und das Navi funktioniert. Hab es noch nicht zielführend einsetzen müssen, aber getestet. Alles prima. Yes! \o/

Zum anderen wurde GNIT heute Nacht auf einen anderen, leistungsstärkeren Server verlegt. Deswegen war die Seite zwischen etwa 2.00 Uhr und 3.30 Uhr nicht erreichbar. Jetzt sollte alles wieder ok sein. Da solche Umzüge aber bisweilen ganz eigene Probleme mit sich bringen, würde ich mich freuen, wenn Ihr ggf. auftretende Fehler einfach mal bei mir melden würdet. Man weiß ja nie.
Im Rahmen dessen möchte ich aber auch noch allen angehenden Seitenbetreibern nahelegen, meinen Hoster zu nehmen. Die sind nicht nur ohnehin seit 10 Jahren mit gutem Service stets für mich da – nein, auch die Aktion jetzt ist fantastisch. Sie haben von sich aus erkannt, dass es hier und da mal Performance-Probleme gab (und meines Wissens nach hieß das nie, das GNIT nicht erreichbar war) und den Blog deswegen auf einen schnelleren Server verfrachtet. Einfach so, mit Ankündigung und ohne Kosten für mich. Obwohl noch viel Luft nach oben ist bei ihren Serverpaketen – sie hätten mir also auch einfach ein höherpreisiges Produkt andrehen können. Darüber hinaus haben sie den Serverwechsel wie immer spät nachts vollzogen und allem Anschein nach wieder einmal problemlos.
Ich gebe zu: vor 10 Jahren hab ich sie zufällig gewählt, weil sie günstig waren. Inzwischen gibt es noch billigere Anbieter, dafür glänzen sie aber mit allerfeinstem Kundenservice – selbst wenn es mal Probleme wie Trafficüberschreitung o.ä. gibt.

Vielen Dank dafür an das Team von all-inkl.com!

(Für Interessierte: ein Ref-Link ist gaaanz unten rechts in der Seitenleiste zu finden)

Trinkgeld-Abzüge

„… also hatten Sie einen entspannten Urlaub.“

fasste ich den Monolog des Mannes zusammen. Was dann kam, war eher unerwartet:

„Jetzt kiek Dir den an. Hat der mich einfach jesiezt! Wenn de das nochmal machst, jibt’s keen Trinkgeld, mein Lieba!“

An was für Regeln man sich als Dienstleister nicht alles halten muss …

Am Ende gab es trotz weiteren Fehlers noch Trinkgeld. Nicht viel, aber das war ja ganz offensichtlich meine Schuld. 😉

Naja. Sowas kann schon nerven, aber am Ende geht es zum einen Ohr rein, zum anderen wieder raus. Und der Kerl im Speziellen war sowieso mehr so die Marke künstlich-lustig und hat einen auf Verbrüderung machen wollen, anstatt ernsthaft zu nerven.

PS:

Der neulich angesprochene Fehler, dass man beim Kommentieren eine Timeout-Meldung bekommt, müsste inzwischen behoben sein. Falls es bei irgendwem immer noch Probleme gibt, würde ich mich über einen Hinweis freuen – bis dahin gehe ich aber einfach mal davon aus, dass die nächtliche Notoperation erfolgreich war.

Uber in Deutschland verboten

So wie es aussieht, hat das Landgericht Frankfurt Uber die Vermittlung von Fahrten über ihre App verboten.

(genau genommen die Fahrten mit ungeeigneten Fahrern/Fahrzeugen, wenn sie entgeltlich erfolgen – im Grunde also UberPOP)

Das Ganze bundesweit und bei Androhung von 250.000 € Strafe pro Fahrt. Und zwar dieses Mal für Uber, nicht für die ohnehin bedauernswerten Fahrer. Das ist – wie die bisherigen Verbote – auch noch keine endgültige Sache. Im oben verlinkten Pressebericht klingt es jedoch, als ob Uber nicht wie bisher schnell mal widersprechen und dann weitermachen kann, bis es ernst wird. Ich als juristischer Laie kann den Wahrheitsgehalt dieses Aspektes jedoch nicht einschätzen, sorry.

Aber auf die Gerichtsverfahren darf man sich wohl dennoch freuen, denn z.B. die Antwort der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation in Hamburg (Link zum PDF), die Uber das erste Verbot eingebrockt hatte, ist in meinen Augen mörderlustig, wenn es um die Argumente von Uber geht – aber da hab ich vielleicht einen speziellen Nerd-Humor, wer weiß …

OK, trotzdem: einige werden hier gelandet und sauer sein. „UberPOP war so geil und so billig – immer muss man alles verbieten!“
Hab ich alles schon gehört. Das macht’s nicht richtiger, egal ob man’s fehlerfrei aus dem Uber-Blog kopiert hat oder sonstwoher der Meinung ist. Ja, ein App-Anbieter hat sich ein Verbot eingefangen, weil er illegale Dienstleistungen angeboten und null Kooperationsbereitschaft gezeigt hat. In vielen anderen Bereichen freut man sich dagegen über schnelles Handeln: Pferdefleisch in Lasagne war eigentlich auch ’ne geile neue Idee, um Dinge billiger zu machen – oder etwa nicht?

Und selbst wenn ihr Verbots-Kritiker seid, dann freut Euch über die Entscheidungshilfe des Gerichts! Es ist Euch nur zuvorgekommen. Uber war hier neu, geil und hip. Schön. Angeboten haben sie aber „nur“ Personenbeförderung. Eine Dienstleistung, die wie alle anderen mal zu vollster Zufriedenheit aller verläuft, manchmal nicht. Seit Uber glauben aber scheinbar alle, dass schlechte Taxifahrten auf „das System Taxi“ zurückzuführen wären.

Ach ja?

Da Uber derzeit praktischerweise bei Smartphonebesitzern ein großes Thema ist, hab ich heute Nacht mal kurz bei Twitter nachgesehen und z.B. in den USA, wo Uber schon eine Weile aktiv ist, neben vielen positiven Statements unter anderem folgende gefunden:

 

 

Stinkige Karren, Verspätungen, überhöhte Preise, keine Ortskunde, Unzuverlässigkeit, etc. pp. … ist das nicht das, was eigentlich nur Taxifahrern passiert?

Im Ernst, Leute: Uber hat den Problemen im Gewerbe strukturell nichts entgegenzusetzen. Für die regelt der Markt alles. In der Liste war ursprünglich sogar noch ein inzwischen gelöschter Tweet, in dem eine Frau fragte, wie viele Sterne man dem Fahrer bei der Bewertung abziehen sollte, wenn dieser einen am Ende zu begrapschen versucht. War sicher ironisch gemeint, hat aber das Problem gut auf den Punkt gebracht.

Es tut mir ja auch leid, dass Uber nur Blinki-blinki-Bullshit ist und nicht die Revolution, die sie uns versprochen haben. Sicher verändert sich Mobilität und sicher muss man dazu auch mal aus alten Strukturen raus. Deswegen ist halt trotzdem nicht automatisch alles besser, was sich als Alternative anpreist, dieser Umkehrschluss ist einfach immer schon falsch gewesen, sorry.

Nächstes Jahr kommt wahrscheinlich der Mindestlohn im Taxigewerbe, 2 Jahre später das Fiskaltaxameter. Damit werden hoffentlich sowohl der allermiesesten Bezahlung als auch der Schwarzarbeit ein paar Riegel vorgeschoben. Es geht nicht immer schnell, leider. Aber das, kombiniert mit mündigen Kunden – die vielleicht statt sich übers Uber-Verbot zu beschweren einmal das Ordnungsamt rufen, wenn ein Taxifahrer scheiße war und sich ihre Lieblingstaxifahrer in ihrer App markieren – könnte die „bösen Taxis“ auch wieder ins Rennen bringen. Und das billiger als UberPOP (wenn man mal das wöchentliche Surge-Pricing mit einbezieht), ohne illegale Ausbeutung und inklusive der Grundversorgung, die wir Taxifahrer nebenbei noch leisten. Und alle, die die schwarze S-Klasse mit Minibar wirklich brauchen, können das immer noch bei all den Limousinenanbietern kriegen, wenn sie ein paar Euro extra auf den Tisch legen.

Ich versuche ja zumindest irgendwie, das nicht nur als Taxifahrer zu sehen, aber ich hab echt keine Ahnung, was an positivem mit einem Verbot von Uber wirklich verloren geht …

PS: Die Datenlage zum Verbot war noch recht dünn, als ich den Artikel geschrieben (und immer wieder umgearbeitet) habe. Die grundsätzlichen Aussagen gelten jedoch ungeachtet der derzeitigen juristischen Geschehnisse.

Update (2. Sept., 17 Uhr):

Uber kündigt an, weiterzumachen. Einfach so. Schätze, die nächsten Tage werden spannend …

Jetzt neu: UberFAIR?

„We have to bring out the truth about how dark and dangerous and evil the taxi side is.“

– Travis Kalanick, Uber-CEO (Quelle)

Während die Quellen bezüglich des natürlich furchtbar bösen Taxikartells weiter ihrer Veröffentlichung harren, hat das Magazin „The Verge“ die Tage interessante Infos aus dem Uber-Reich geleakt:

Die beiden Fahrdienst-App-Anbieter Uber und Lyft liegen in den USA seit Beginn an im Clinch. Das weltweit die Gerichte strapazierende Angebot UberPOP startete ungefähr zeitgleich mit Lyfts Angebot und die Meinungen darüber, wer von wem abgeguckt haben könnte, gehen auseinander und das hat schon zu unschönen Debatten zwischen den jeweiligen Gründern geführt.

Vor gar nicht allzu langer Zeit beschuldigte Lyft Uber dann, tausendfach Lyft-Fahrten angeordert und gecancelt zu haben, was Uber natürlich umgehend bestritt und Lyft des selben Vergehens bezichtigte. Obwohl die Telefondatenabgleiche bei Lyft eine deutliche Sprache zu sprechen scheinen und zumindest ich mich persönlich frage, wie das bei Uber Sinn macht, wo sie doch eine Storno-Gebühr erheben. Teil der Debatte war auch, dass Uber-Mitarbeiter Lyft-Fahrten buchten, um die Fahrer abzuwerben.

Bis zum investigativen Artikel von „The Verge“ war das der Stand der Dinge: zwei konkurrierende Unternehmen mit offenbar etwas übereifrigen Mitarbeitern ringen miteinander. Was das (im übrigen keineswegs für Uber-Kritik bekannte) Magazin dann enthüllte, war jedoch etwas handfester:

Uber beschäftigt eine eigene Riege von Leuten, die sich – über eigens eingerichtete Online-Plattformen – organisiert dem Abwerben von Lyft-Fahrern widmet. Um im System von Lyft keine Spuren zu hinterlassen, können diese Mitarbeiter – einfach per Formular  – mal eben schnell angeben, wie viele Kreditkarten oder nicht zurückverfolgbare, weil nur zum einmaligen Gebrauch gedachte, Smartphones sie von Uber bräuchten. Irgendwo muss das viele Geld ja offensichtlich hin. Der Name der Operation: SLOG. Englisch sowohl für „schuften“, „ackern“, jedoch zeitgleich auch in der Form „to slog someone“ verwendet für „verprügeln“, „verdreschen“. Was nicht überraschend ist, wenn man bedenkt, dass alleine ein vielfaches „Besetzen“ von Fahrzeugen mit Nicht-Kunden durchaus schädigende Wirkung in dem Geschäft haben kann. Dass mindestens in einer „The Verve“ vorliegenden Mail der Hashtag #shavethestach („Rasiert den Schnurrbart“ – ein Werbeslogan von Uber, der auf die rosanen Schnurrbärte anspielt, die Lyft-Autos auf dem Kühlergrill haben) trägt, lässt es plausibel erscheinen, dass das Ziel nicht „nur“ das Ausspionieren von Lyft, sondern zumindest nebenbei auch die Schädigung des Konkurrenten war.

Wohl in Anbetracht der Enthüllungen von „The Verve“ veröffentlichte Uber umgehend eine wie immer rundgeschliffene Antwort, in der sie die Operation SLOG (laut Uber für „Supplying Long-term Operations Growth“ – ob das ein Backronym ist, ist vermutlich eine Glaubensfrage) einräumen und neben wunderbar wohlklingender Werbung für ihren Dienst an der Menschheit als einzigen Satz unterstreichen:

„We never use marketing tactics that prevent a driver from making their living“,

dass sie also niemals absichtlich Fahrten gecancelt haben. Wobei bemerkenswert ist, dass sie intentionally – absichtlich – eingefügt haben (natürlich fällt sowas wegen mangelnder Abstimmung im Rahmen so einer Operation auch mal versehentlich an) und die übrigen Aktionen, die je nach Ansprechpartner als „nur“ unmoralisch oder aber sogar illegal eingestuft werden, gar nicht erst anfechten. Und obwohl Lyft rechtlich ebenso viele Fragen offen lässt wie UberPOP/UberX, darf man fragen, inwiefern selbst für ein aggressives Unternehmen wie Uber überhaupt die Notwendigkeit besteht, Konkurrenten so zu behandeln, die man vermutlich auch einfach aufkaufen könnte.

Der von Kalanick gegenüber Fahrern, Nutzern und auch der Politik verwendete Narrativ ist der, dass zu ihren Ungunsten fairer Wettbewerb verhindert wird. Vielleicht wäre es in Anbetracht der Fakten Zeit, ihn auf sein hier einleitend verwendetes Zitat aufmerksam zu machen und ihn zu fragen, ob wir nicht mal auf beiden Seiten die Wahrheit über das „Gefährliche“, das „Dunkle“ und das „Böse“ suchen sollten.