Der Taxitourgenerator

Der Umsatz war wieder einmal supermittelprächtig, ich hab bei so ziemlich jeder Halte die kürzeste Tour der Stunde abgekriegt. Aber darüber ärgere ich mich gerade gar nicht, ich hab viel zu viel Spaß gerade an meinen kurzen Taxiwochenenden mit dem schönen Auto bei gutem Wetter. Das Glück mit dem Umsatz kommt schon auch mal wieder.

Genau genommen war die letzte Tour ja schon eine sehr gute. Von der Frankfurter Allee zum Artemis, Winker für 30 €. Nix besonderes an sich, aber irgendwie dann halt doch so ein typisches Zufallsprodukt, dass vornehmlich beim Taxitourengenerator anfällt. Oder wer unter den Nicht-Taxifahrern in meiner Leserschaft hat sich schon mal mit chinesischen Architekten auf dem Weg zum Puff über die Schönheit des Schwarzwaldes und über Globalisierung unterhalten. Hände hoch! 😉

Und da ich jetzt das schöne Wort Taxitour(en)generator erfunden habe: Hab ich vielleicht Mitleser, die sowas programmieren (und vor allem designen, in HTML würd ich’s ganz simpel auch hinkriegen) könnten. Genauere Ideen könnte ich bei Interesse anfügen. Und auch wenn meine Ressourcen begrenzt sind: Es soll nicht umsonst sein.

Irgendwas mit Kirschen …

Winkerin in Friedrichshain. Super!

„In die Egon-Erwin-Kirsch-Zeile.“

„Zeile?“

„Ja, das ist in Schöneweide.“

„Oh, ok. Ich gebe zu, die kenne ich nicht. Egon-Erwin-Kisch-Straße ja, aber die wäre in Hohenschönhausen.“

„Nee nee, aber ich kann ihnen den Weg zeigen …“

Prima!

Aber ich habe trotzdem das Navi angeschaltet. E-G-O-N …  nix passendes! Aber die Kundin wusste ja den Weg.

Nicht nur das: Sie wusste ihn sogar so genau, dass ich noch eine Abkürzung im 2€-Bereich kannte. Aber der Egon-Erwin da unten? Und mein Navi wusste auch nix, sehr seltsam. Und darüber unterhielten wir uns dann.

„Oder nur Erwin-Kirsch? Beim Egon bin ich mir nicht sicher …“

Hab ich also ‚Erwin‘ eingegeben. Wieder nix hilfreiches. War ja nicht schlimm, die Kundin kannte ja den Weg und all das mit dem kürzesten Weg lasse ich jetzt sowieso mal weg. Ich zoomte mir also einen Wolf im angesagten Viertel und kam etwa 500 Meter vor dem Ziel auch auf die richtige Straße: Die Fritz-Kirsch-Zeile …

Mal abgesehen davon, dass die Kundin das Ziel kannte und es somit egal war: Der Worst-Case! 90% der Leute hängen dem alten Egon-Erwin statt „Kisch“ den Nachnamen „Kirsch“ an. Das kenne ich inzwischen. Dass aber ausgerechnet das „Kirsch“ richtig ist und stattdessen beide (!) Vornamen falsch … mal ganz ehrlich: Hätte die Kundin keinen Stadtteil genannt und wir wären in Hohenschönhausen gelandet, hätte ich auf den vollen Preis bestanden!

Und einfach nur mal so als Gedanke: Wie wäre diese Fahrt wohl ausgegangen, wäre das ein selbstfahrendes Taxi gewesen. Und mir geht’s nicht darum, die Technik schlechtzureden, die mich dereinst in diesem Job ersetzen wird, die Frage ist ernst gemeint: Was hätte die Kundin wohl als Ziel angegeben, wenn z.B. nur die Postleitzahl als Orientierungshilfe angegeben worden wäre? Die Egon-Erwin-Kisch-Straße oder die Fritz-Kirsch-Zeile?

Gewürzlandwirte. Oder so …

Ein augenscheinlich ungleiches Paar. Also ja, „METAL FTW!!!“ brüllten die beiden schon ihrer Klamotten wegen gleichermaßen, aber während er noch lustig und eloquent untwegs war, hat sie sich mehr oder weniger einfach auf die Rückbank fallen lassen. In Anbetracht der offensichtlichen Umstände erfreute es mich geradezu, dass er die Zielplanung übernommen hatte:

„Die Dillbauer-Straße!“

Was?

Aber da flötete die während der Fahrt dann völlig weggetretene Begleiterin dann doch dazwischen:

„DIRSCHAUER STRASSE!“

Höflich ginge anders, aber mit der Dirschauer konnte ich wenigstens was anfangen. 🙂

Drive-by-Kundschaft

Es gibt Dinge, die erwartet man ald Taxifahrer einfach nicht. Zum Beispiel eine zaghafte Winkerin am Bahnhof Marzahn. Also, ja, gut, winken am Bahnhof ist ja vielleicht noch ein Ding. Aber sie wollte in die Schaperstraße. Da kenne ich nun eine in Charlottenburg. aber das wäre ja absurd gewesen: 40€ oder so. Als Winkertour in Marzahn, schon klar …

„Kennen Sie? Da bei der Nürnberger Straße, nah beim Ku’damm?“

Verdammt, die meinte wirklich diese Straße! 0.0

Zugegeben, eigentlich wollte ich gerade noch das Auto waschen, aber dann doch lieber sowas!

Wir fuhren also los und so langsam gefiel mir dieser Schichtbeginn außerordentlich gut. Das ging etwa zweieinhalb Kilometer gut. Dann bemerkte sie (in jeder Hinsicht unerwartet):

„Ach, hier is‘ ja ein IKEA! Na, dann lassen Sie mich bitte hier raus!“

0.o

Ganz ehrlich: Ich wusste bis dato nicht, dass IKEA überhaupt jemals Laufkundschaft gehabt hat.

Zur rechten Zeit

Meine Laune ist derzeit ungebrochen, das Geschäft allerdings ist dafür nur so mittel verantwortlich. Die alte Weiheit „Zwischen Ostern und Pfingsten ist der Verdienst am geringsten“ scheint sich zu bewahrheiten, was nach erwartungsgemäßen Osterferien und einem vorzeigbar schlechten Januar nun echt nicht noch hätte sein müssen fürs erste Halbjahr 2017. Aber egal, ich hab’s durchgezogen und kann wenigstens behaupten, es versucht zu haben. Und etwas mehr als gar nix kommt dann ja doch zusammen.

Bezeichnend  für dieses Wochenende war aber, dass beide Wochenendschichten ungefähr zur Mitte hin von unerwartet langen Touren aufgehübscht wurden. Am Freitag torkelte ein Betrunkener rund 10 Minuten kreuz und quer um mein Taxi in Friedrichsfelde herum, um am Ende wie nebenbei eine Fahrt nach Erkner zu ordern. Am Samstag dann winkte es nach hundsmiserablen vier Stunden auf der Warschauer Brücke und ich durfte von dort nach Ludwigsfelde fahren.

Schätze, das ist dieses „Glück im Unglück“. Oder selbiges, das angeblich mit den Tüchtigen ist. 😉

Unterschiedliche Koordinatensysteme

Etwas überrascht führte ich mit der Kundin rund ums Engelbecken Gespräche über den ehemaligen Gewässerverlauf. Da mussten wir allerdings beide geschichtlich passen. Ich hab dann eingeworfen, dass die Straßen in Berlin mir schon umfangreich genug seien, woraufhin sie sagte:

„Sehen Sie: Mich können Sie überall in Berlin aussetzen und ich hab keine Ahnung, wo ich bin. Es sei denn, es liegt an einem Gewässer.“

„Also nehme ich an, dass sie beruflich was mit Wasser machen?“

„Ich kartiere Wasserstraßen.“

Geil!

Ich meine: Eine riesige Stadt wie Berlin kann man auf 1000 Arten erschließen. Auch als Taxifahrer zum Beispiel ist man ja mit seinem Schwerpunkt auf Straßennamen (und z.B. eher Schwächen beim U-Bahn-Netz oder den Radwegen) auch ein Spezialfall. Aber die Kartierung von Wasserstraßen, da jubelt der Nerd in mir, das finde ich großartig. Einfach nur, weil es das auch gibt! 🙂

Die Club-Kundschaft …

Ich  musste nicht einmal warten wie die gefühlt fünfhundert Leute in der Schlange vor dem Club. Taxis waren keine da, ich blinkte nur kurz rechts und nahm die erste Kundin auf, die mir bereits fröhlich entgegengehüpft kam.

Nach über acht Jahren wird man nur noch selten überrascht, die jedoch hat das schon mit dem Gesprächseinstieg geschafft, denn der dürfte einzigartig gewesen sein:

„Hey, guck mal: Avocados! Hihi.“

Und was soll ich sagen: Sie trug Leggings mit Avocado-Muster.

Ein weiteres Highlight war folgende Erkenntnis:

„Gott sei Dank hab ich so viel Glitzer im Gesicht. Sonst hätte ich übelst die Augenringe!“

Und beendet wurde das Ganze nach 10 Minuten mit dem Dank, ich sei „der beste Nachhause-Taxifahrer der Welt“.

Sowas nimmt man doch gerne mal mit. 🙂