Drive-by-Kundschaft

Es gibt Dinge, die erwartet man ald Taxifahrer einfach nicht. Zum Beispiel eine zaghafte Winkerin am Bahnhof Marzahn. Also, ja, gut, winken am Bahnhof ist ja vielleicht noch ein Ding. Aber sie wollte in die Schaperstraße. Da kenne ich nun eine in Charlottenburg. aber das wäre ja absurd gewesen: 40€ oder so. Als Winkertour in Marzahn, schon klar …

„Kennen Sie? Da bei der Nürnberger Straße, nah beim Ku’damm?“

Verdammt, die meinte wirklich diese Straße! 0.0

Zugegeben, eigentlich wollte ich gerade noch das Auto waschen, aber dann doch lieber sowas!

Wir fuhren also los und so langsam gefiel mir dieser Schichtbeginn außerordentlich gut. Das ging etwa zweieinhalb Kilometer gut. Dann bemerkte sie (in jeder Hinsicht unerwartet):

„Ach, hier is‘ ja ein IKEA! Na, dann lassen Sie mich bitte hier raus!“

0.o

Ganz ehrlich: Ich wusste bis dato nicht, dass IKEA überhaupt jemals Laufkundschaft gehabt hat.

9 Kommentare bis “Drive-by-Kundschaft”

  1. Die Frage ist, was man als Laufkundschaft bei I* kaufen will – vielleicht ne Packung mit den berühmten halbabbrendenden Teelichter?

    Ich gebe zu, ich war noch nicht ein Mal in jenen Geschäften. Und als ich dann irgendwann mitbekommen habe, dass auch der nette Schwede im Sozialismus für nen Appel und nen Ei hat produzieren lassen, weswegen es dann für die DDR-eigenen Bürger, wenn überhaupt, nur Schrankwände der zweiten Wahl zu kaufen gab, hat das mein Sympathielevel auch nicht erhöht. Insofern bin ich vielleicht voreingenommen. Aber nen „Billy“ ist fürs Handtäschchen vielleicht doch zu sperrig, oder? (Wenn man nicht gerade das Handtäschchen von Hermine Granger hat…) 😉

    Unabhängig davon hier nochmal die Wise Guys für die passende Liedgutuntermalung: https://www.youtube.com/watch?v=SvGFQ2r4a-w

  2. Xylakant sagt:

    Vor jedem IKEA wartet eine ganze Reihe von Lieferdiensten (Möbeltaxi) darauf, den Einkauf gegen kleines Geld in die heimische Wohnung zu transportieren. Das geht also schon.

  3. Cliff McLane sagt:

    Tatsächlich gibt es für Frauen nur 2 Gründe, dringend zu Ikea zu müssen:
    1) Heißhunger auf Köttbullar (die Dinger, von denen ich nicht einmal genau weiß, wie man das schreibt, geschweige denn je eins gegessne zu haben)
    2) akuter Teelicht-Notstand

    @gedankenknick, nicht nur IKEA ließ in der DDR produzieren, auch das westdeutsche Versandhaus Quelle war da gut dabei. Ja, die verkauften auch Möbel. Mein erstes „richtiges“ Kinderzimmer war von denen und „made in GDR“. Ebenso wie Bekleidung und Elektrogeräte der Hausmarke „privileg“.

    Das mit den Frauen weiß ich übrigens durch Freundin 2.0, die mich einmal mit in einen solchen Laden schleppte. Weitere Besuche konnte ich vermeiden, indem ich ihr drohte, „Du, das läuft eine Durchsage hinaus, ‚Freundin 2.0 möge den kleinen Cliff bitte im Kinderland abholen und ein Bier mitbringen, er hat Durst'“.

  4. Roichi sagt:

    Also wenn ich mir ansehe, was so in der Straßenbahn an IKEA Einkäufen bewegt wird….
    Wahrscheinlich nicht zu Sashs üblichen Zeiten der ÖPNV Nutzung. Aber doch signifikant.

  5. Panama Jack sagt:

    Denkt man da „wäre ich doch woanders langgefahren“?

  6. Sash sagt:

    @gedankenknick:
    Also auch wenn ich als Ikea-Kunde sicher befangen bin (und zeitgleich als Linker Vorbehalte gegen Ikeas Geschäftsmodell im Großen und Ganzen habe): Wenn ein kapitalistischer Betrieb entdeckt, dass er in einem sozialistischen Staat mehr Kohle machen kann … wer hat sich da wirklich verraten?
    PS: Hatte gerade keinen Nerv für Musikvideos, hole das aber nach.

    @Xylakant:
    Mal abgesehen davon, dass die Gegen-kleines-Geld-Tarife in der Regel ziemlich teuer im Verhältnis zu einem Taxi sind: Was hat das jetzt damit zu tun?

    @Cliff McLane:
    Männer-Frauen-Klischees, ernsthaft? Ich meine, ich lächele ja auch gerne über streitende „Ikea-Pärchen“, aber vor allem, während ich mit Ozie durch den Ikea schlendere. Ich will sicher nicht behaupten, dass an dem Laden alles erste Sahne ist – aber hast Du dir mal die gruseligen Vorgänger angeschaut? Mir ist bewusst, dass Ikea aufdringlich wirken kann, aber mir hat noch keiner erklären können, was an Möbel Höffner und Konsorten angenehmer sein soll …

    @Roichi:
    Das ist in der Tat beachtlich. Und ich möchte festhalten, dass ich das nur selten mache! 😉

    @Panama Jack:
    Ach, wieso? Immerhin lag so die Autowäsche noch in Reichweite. So kurios es auch war: Ich bin es als Taxifahrer ja gewöhnt, Kunden zu unterschiedlichen Orten zu bringen und diese ggf. auch noch unterwegs zu wechseln. Und Winkertouren sind am Ende doch IMMER „besser als nix“.

  7. SaltyCat sagt:

    @sash: nicht ganz wach gewesen? Xylakant hat – sogar mit korrekter einrückung – auf den kommi geantwortet, dass „billy“ nicht in die handtasche passt. Und darauf verwiesen, dass draussen die aasgeier auf ein hilfloses „billy“ warten, um es für xy euro ans ziel zu bringen.

    Interessante subkultur übrigens. Ich habe dort bisher nur zwei arten von fahrern getroffen:
    – die, die keine anderen touren mehr bekommen, quasi wirtschaftlich tot und nur zu stur umzufallen
    Und
    – die, die „ganz vergessen haben“ ein gewerbe anzumelden.

  8. Cliff McLane sagt:

    @Sash,
    > Männer-Frauen-Klischees, ernsthaft?
    Du, manchmal stimmen Klischee und Wirklichkeit durchaus überein. Jedes Klischee hat ja schließlich ein Vorbild in der wirklichen Welt.

    Ich finde eigentlich jedes Möbelhaus grauenhaft. Und als Anti-Kapitalist stehe ich sowieso auf Gebrauchtmöbel. Meine letzte Möbelanschaffung, ein Sofa, habe ich bei Ebay ersteigert. Und erst vor wenigen Tagen habe ich anlässlich der Renovierung einer Bäckerei vier alte Sitzmöbel von deren Terrassencafé für mich ergeiert. Astreiner Zustand, nur die Farbe (dunkelgrün) passte denen nicht mehr, es muss jetzt anthrazit sein.

    Man kommt eigentlich immer günstig bis kostenlos an gute Möbel, wenn man von der Einstellung abrückt, dass es GENAU DAS und JETZT SOFORT sein muss. Wobei „sofort“ im Möbelhaus ja auch so ’ne Sache ist: Ich habe im Bekanntenkreis von Lieferzeiten gehört, dass man meinen möchte, die transportieren das von Alpha Centauri hierher.

    (Und das war, wie immer, completely off topic.)

  9. Sash sagt:

    @SaltyCat:
    Mag schon sein, ich hab auch nicht immer jeden Subton im Überblick und verstehe nicht jede Anspielung. 🙂

    @Cliff McLane:
    Ich will ja nicht sagen, dass dies oder das nicht auch passiert. Verallgemeinerungen haben halt oft so einen miesen Beigeschmack. Ich will das jetzt auch gewiss nicht zu einer großen Sache hochstilisieren, aber ich gebe zu, dass ich inzwischen wesentlich weniger über stereotype Witze lachen kann.
    Eine Ablehnung von Ikea und anderen Möbelhäusern finde ich völlig ok und Gebrauchtmöbel sind was wirklich feines, da will ich nicht gegenreden. Es ist hier wie da halt ein Ausgleich von Ansprüchen und man kann die Entscheidung sicher in beide Richtungen fällen.

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