Bonne nuit!

Wenn ich eines mit Sicherheit sagen kann, dann dass es kein Fehler war, Französisch in der Schule abzuwählen. Französisch ist zweifellos eine wunderschöne Sprache, mir persönlich liegt sie allerdings gar nicht. Theoretisch hätte ich an meiner Schule sogar das französische Abi machen können, bei mir war es aber eher so, dass mich die ein oder andere Stunde histoire etliches Geschichtswissen gekostet hat, anstatt es mir näherzubringen.
Ich stehe im Allgemeinen mit der Grammatik ein wenig auf Kriegsfuß, und das wird der Grund sein, weswegen ich mich mit Englisch zwar anfreunden kann, Französisch aber immer einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt.*

Aber eines muss man dieser Sprache lassen: Richtig ausgesprochen ist es die beste Form, Einladungen ins Schlafgemach glaubhaft zu machen.

Nun, ganz so zügellos geht es meinem Taxi dann auch nicht zu. Aber ich hab mich dazu breitschlagen lassen, ein paar Worte auf französisch zu reden mit der reizenden jungen Dame, die in ihr Hotel gebracht werden wollte. Also sind wir ehrlich: Einen wirklich holperfreien Satz hab ich allenfalls zur Verabschiedung zustande gebracht (manche Dinge vergisst man halt doch nie) – aber es hat tatsächlich ein wenig Spaß gemacht. Und ein paar Worte haben die 7 Jahre Unterricht dann ja doch hinterlassen. Während ich in Spanien wirklich ausschließlich zwei Bier bestellen kann, kann ich in Frankreich schon erklären, dass ich mit dem Auto da bin und lieber etwas alkoholfreies hätte.

Aber wir (will heißen: Sie) hatten schon einiges zu lachen. Am Ende hat sie zusätzlich zu ihrem netten Trinkgeld noch im Geldbeutel gekramt, eine Münze rausgeholt und sie mir mit einem umwerfenden Lächeln in die Hand gedrückt:

„C’est pour toi, mon ami. Pour collectionner. Bonne nuit.“

Ganz ehrlich: Obwohl ich jedes Wort verstanden hab, ist es mir kalt den Rücken runtergelaufen. Rrrr!

Was die Münze angeht, hatte ich ja auf einen Franc gehofft, wäre ja wirklich nett, eine nicht mehr im Umlauf befindliche Münze zu erhalten. Aber leider war meine wohlwollende Kundin wohl aus der Schweiz.

Aber wenn ich gerade dabei bin:

Zut alors! Trop tard pour écrire des textes longues… Bonne nuit, mes copains!

Wer in den Sätzen Fehler findet, darf sie gerne behalten. Ich kann schließlich gar kein Französisch und hab es jetzt nicht überprüft.

*Hey, an diesem bewusst zweideutigen Wortspiel hab ich hart gearbeitet – also lacht bitte auch! 🙂

Wie ich mal eineinhalb Touren vom Ostbahnhof fuhr…

Zugegeben, die ein oder andere verkürzte Tour hatte ich ja schon. Die heutige Nacht sollte aber tatsächlich einen besonderen Glücksfall an meiner Stammhalte für mich bereithalten.

Zunächst war es alles andere als toll. Die Wartezeit war mit 45 Minuten zwar nicht das Maximum, aber auch nicht gerade das, was man sich am Wochenende so erhofft. Gut, ich habe die Zeit genutzt, mich mit Kollege Carsten zu unterhalten, wir hatten uns schon ein paar Tage nicht gesehen. Dann kam der Auftritt eines jugendlichen Milchbubis, der aus lauter Panik vor der fremden Sprache nicht einmal registrierte, dass ich ich ihm durchaus auf Englisch geantwortet habe.

„English?“

„Yes, a little bit!“

„You know a student home?“

Ich nehme an, er meint ein Studentenwohnheim…

„Its a big comlex…“

Aha.

Ich hab ihn dann gefragt, ob er eine Adresse hätte. Natürlich Fehlanzeige!

„Do you know in which area it is located? You know a station nearby?“

„It is, äh… somewhere, äh… like Wiesenhausen!“

Wiesen-Hausen…

Also das sagte mir mal gar nix. Vielleicht Weissensee? Oder Biesdorf? Der junge Kerl hatte keine Ahnung und war ziemlich verzweifelt. Sicherheitshalber hab ich ihn aufgeklärt, dass ich ihn nicht ärgern will, aber dass Berlin nunmal groß ist, und es für keinen von uns sonderlich sinnvoll wäre, wenn ich ihn jetzt ins völlig falsche Eck der Stadt fahren würde. Ich bat ihn, doch wen anzurufen, und wie üblich ist ihm die Idee tatsächlich vorher nicht gekommen.

Genutzt hat es nur bedingt etwas:

„Biesdorf!“

Ja, das ist ein Berliner Stadtteil. Einer von rund 100. Insofern ist die Suche schon mal eingegrenzt. Carsten meinte, dass da an der Oberfeldstraße etwas derartiges sei, und auch mir fiel ein, dass ich da in die Ecke schon mal Leute gebracht hatte. Wohin genau? Argh!

„What would it cost?“

„A bit more than 20 €. 22 maybe.“

„Ok. You’re a lucky guy! Bring me there!“

Dass die 20€-Tour gut war, schien er also zu wissen – allerdings nicht, in welche Straße er musste. So sonderlich „lucky“ hab ich mich nicht gefühlt. Aber ich war guter Dinge, dass wir das hinkriegen. Und wenn ich am Ende für 2 Kilometer die Uhr ausmachen müsste – das wäre wenigstens die gute Tat für den Tag.

Der sichtlich erleichterte Jüngling bat mich, durchzustarten, und so wendete ich also…

„Wait wait! Can you stop here!?“

„Äh, of course…“

„See… oh, I’m sorry! There are my friends! I just go with them! Is this ok?“

Da stand ich also. Direkt vor meinem Lieblingsbahnhof. Seit meiner Ankunft war inzwischen eine Stunde vergangen. Ich hatte 3,20 € auf der Uhr und mich gerade gefreut, mal eben schön 20 € einzufahren. Aber was sollte ich sagen?

„Nein, du musst jetzt im Auto bleiben!“

„Ja, aber du musst jetzt die ganze Fahrt bezahlen!“

„Hör zu: Ich lass dich sowieso nur leben, wenn du mir deine Schwester schenkst!“

Meine Fresse, natürlich hab ich mich geärgert, dass diese blöden Freunde ausgerechnet jetzt am Taxistand vorbeischlendern mussten. Hätten die das nicht 5 Minuten früher oder später tun können? Aber gut, jetzt hatte ich den Salat.
Der junge Kerl hat mir allerdings auch ohne zu handeln oder sonstwie betrübt darüber zu sein, die 3,20 € mit zwei Zweiern beglichen. Es war ihm auch unangenehm. Was sollte ich schon dagegen sagen. Wer weiss: Vielleicht hat er mir auch eine Tour mit ewigem Gesuche erspart.

Am Bahnhof war es glücklicherweise immer noch ziemlich leer, was Taxen anging. Also legte ich den Rückwärtsgang ein…
Da öffnete sich das Fenster bei einem Kollegen:

„Na komm, fahr kurz wieder vor!“

Gleich zwei Kollegen haben mich vorgelassen, und da dort gerade Platz war, hab ich mich dort dann zwischen den Danksagungen eingereiht. Ich war quasi umgehend wieder Dritter. Gefragt hätte ich danach nicht, denn natürlich stellt man sich auch nach jeder anderen 4€-Tour wieder hinten an…

Im Übrigen hab ich mit beiden entsprechenden Kollegen bis dato höchstens mal ein „Abend!“ gewechselt. Ich kenne sie im Grunde nicht. Das macht das Angebot umso ehrenwerter! Wenn sie allerdings gewusst hätten, was das bedeutet…

10 Minuten später:

„Sagen sie, was würde es denn etwa bis Grünau kosten?“

„Hm, 30 €? Vielleicht 35…“

Aber gut, es war eine Großraumtour, die beiden Kollegen mit ihrer E-Klasse hätten sie so oder so nicht bekommen. Sonst hätte ich ernstlich ein schlechtes Gewissen 🙂
Naja, die Tour war sehr nett, allerdings Trinkgeldlos. Aber besser anderthalb Touren als nur eine halbe…

Trinkgeld-Extreme

Wenn ich es gerade bei Torsten drüben lese, dann muss ich doch irgendwie auch meinen Senf dazugeben 🙂

Trinkgeld ist ja nun wirklich eine schwer zu bemeckernde Tatsache. Schon alleine, dass jemand Trinkgeld gibt, ist toll, das tun beileibe nicht alle Taxikunden. Manche tun es aus Unwissenheit über unseren Job nicht, manche aus Prinzip und manche sind vielleicht wirklich vom Service enttäuscht. Leider erfährt man es meist nicht.

Komisch ist es irgendwie oftmals, wenn es wenig Trinkgeld gibt. Klar geben manche einfach eisern genau einen Euro oder 10 Prozent, was mich dann bisweilen überrascht, weil ich bei einer Fahrt für 8,80 € nicht gerade erwarte, auf 9,80 € herauszugeben, oder bei 6 € Fahrpreis über die Ansage „6,60 €“ stolpere. Das ist einfach ungewöhnlich. Die beiden Beispiele lagen jetzt allerdings durchaus im Rahmen.

So ein ähnliches Beispiel wie Torsten hatte ich derletzt allerdings auch. Ich hatte ein paar Winker am Straßenrand in Friedrichshain, und sie wollten zum bekanntesten Bordell der Stadt, zum Artemis. Sie waren entzückt darüber, dass ich 5 Sitze habe, so konnten sie sich das zweite Taxi sparen. Unterwegs unterhielten wir uns nett – notgedrungen auf englisch, aber durchaus ausführlich – über alles mögliche von Berlins Sehenswürdigkeiten bis zu ihrer Heimat, übers Taxifahren, das Wetter, Fußball und nicht zuletzt über ihre Zieladresse. Einmal waren sie schon dagewesen, sie priesen Qualität und Sauberkeit und Service, und auch die Taxifahrer seien bisher alle so super gewesen, das würden sie gar nicht kennen von zu Hause.
Die Fahrt war also nicht nur relativ lang, sondern auch angenehm. Dazu hatte ich Kunden im Auto, die sich um die Ohren warfen, welchen Luxus sie sich gleich hier für einen Fuffi, da für einen Hunni extra leisten würden, und wie schön doch die Stadt sei. Am Ende standen 21,80 € auf der Uhr, und nachdem ich dem Fünften im Bunde geholfen habe, die dritte Sitzreihe zu verlassen, bekam ich 22 € gereicht und mit einem Klopfen auf die Schulter wurde mir bedeutet, ich könne den Rest doch gerne behalten, war ja schließlich so nett mit mir…

Man muss ihnen zu gute halten, dass sie immerhin kein hohes Trinkgeld versprochen haben.

Und dann hat man zwei Stunden später einen älteren HartzIV-Empfänger im Auto, der wegen einer Bahnverspätung nur noch einen ungünstigen S-Bahn-Anschluss nach Hause hatte. Der hat es sich nicht nehmen lassen, ein bisschen zu jammern, dass der Besuch bei seiner kranken Mutter doch eh schon ein tiefes Loch in die Haushaltskasse gerissen hätte, was ich ihm schlecht verdenken kann. Und dann rundet der Kerl mit einem zahnlosen Lächeln die 12,20 € auf 15 € auf und meint, darauf käme es jetzt auch nicht mehr an, er freue sich, dass ihm mal jemand zuhört.

Da wusste ich dann wirklich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte…

Es ist ja klar, dass nicht jeder meinen Briten (Hey Torsten, bei mir zieht einer alleine den Schnitt schon nach oben! 😉 ) toppen kann. Das wäre auch etwas zu viel verlangt. Ich bin mit den durchschnittlichen 10 Prozent Trinkgeld zufrieden. Schade finde ich, dass es wirklich oft vorkommt, dass das wenigste Trinkgeld von den Leuten kommt, die es sich entweder leisten könnten oder auch noch damit prahlen, es zu tun.

Und hey, ich weiss, dass ich nicht die angenehme Art von Service biete, die Prostituierte ihren Kunden angedeihen lassen. Aber sind 2 € für den Taxifahrer echt so unvorstellbar, wenn man gleich 500 € im Puff liegen lässt?

Onneff (2)

„Onneff!“

Ich bin ja ehrlich sowas von froh, inzwischen mit der Aussprache von Touristen ganz gut zurecht zu kommen. Was war Onneff natürlich? Hönow!

Nun kann ich auch mal das Hotel aufklären: Das HEP in der Mahlsdorfer Straße 61a war es. Im Wissen, dass Hönow nun wirklich direkt an Mahlsdorf grenzt, bin ich also dorthin geschossen und hab die Mahlsdorfer Adresse eingegeben. Es ist natürlich mords der Umweg gewesen, sodass die Summe auf dem Taxameter inzwischen an den 30 € kratzte, während wir noch ein ganzes Stückchen vom Ziel entfernt waren.

Ich hab meinen immer noch feierwütigen Fahrgästen erklärt wie es aussieht, mich entschuldigt, dass ich auch nicht drauf gekommen bin und gefragt, wie wir das jetzt handhaben. Sie haben es mehr als nur locker genommen und gemeint, dass es jetzt ja noch nicht soo teuer sei, schließlich hätte man ihnen erzählt, 30 bis 35 € müssten sie für den Weg schon bezahlen. Herzlichen Dank an die Reiseleitung, da könnte man also quasi immer so fahren…

Naja, ich hab bei 32 € (was locker 5 € mehr waren, als der direkte Weg gekostet hätte) die Uhr ausgemacht und bin der Adresse entgegengeflogen. Bisher könnte man das vielleicht noch als dummen Fehler der Touris abtun – wieso stimmen drei Leute bei Köpenick zu? Wegen dem Ö? – aber natürlich fand sich an der angegebenen Adresse auch kein Hotel.

Das war jetzt gänzlich mein Fehler. Denn nicht nur weiss ich, dass mein Navi bei Hausnummern gerne mal einen Mittelwert berechnet und schon bei kurzen Straßen mal 100 Meter danebenliegt, vor allem aber kennt es keine Gnade bei Ortsgrenzen. Da mag die Adresse nur 100 Meter hinter der Stadtgrenze liegen, ich muss die richtige Gemeinde eingeben! Und genau das ist hier natürlich der Fall. Das Hotel liegt genau in der gleichen Mahlsdorfer Straße, in der ich inzwischen innerlich leicht panisch an einer Tankstelle angehalten habe, um mir zu überlegen, wie ich jetzt am besten diese Touristen loswerde, weil an der angeblichen Nummer 61 immer noch kein Hotel war.

Ein alter Mann war mir auch nicht wirklich eine Hilfe, der wies mir einen Weg, der so grob Richtung Berlin-Mitte lag, also entgegengesetzt des eigentlichen Ziels. Ich hab die Sache dann so angegangen, dass ich die Adresse nochmal in Hönow eingegeben habe – was dann auch gepasst hat.

Im Übrigen erklärt das auch das Fehlen des Hotels im Robertha. Dort ist es nämlich ganz deutlich und richtig verzeichnet: Als Übernachtungsmöglichkeit im Umland – halt nicht in Berlin 😉

Es ist aber auch absurd, dass das Navi mir für die Mahlsdorfer 61 einen Haltepunkt in Mahlsdorf angibt, auf derselben Straße (nur in Hönow) allerdings einen anderen… da muss man ja durcheinanderkommen. Naja, letztlich war die kurze Umherzuckelei nachher nicht mehr zu Ungunsten der Kunden, und ab jetzt kenne ich das Hotel! Die Tatsache, dass es bereits in Hönow liegt, hat nachträglich sogar das Uhrausmachen legalisiert, da ich ja nach Außerhalb Festpreise nehmen darf. Dass der nächstes Mal etwas niedriger wird, ist natürlich auch klar.

Aber was war eigentlich mit den Kunden?

Die waren happy! Die haben sich kaputtgelacht darüber, dass sie so lange gebraucht haben, haben sich nettestens bedankt und haben mir das kein bisschen übel genommen. Also wesentlich weniger als ich selbst zumindest!

Der endgültige Hammer kam dann beim Trinkgeld. Sie haben die 32 € mit einem Lächeln bezahlt und auf volle 40 € (!) aufgerundet. Sie haben viel Spaß gehabt und außerdem wäre es ja so oder so eine Frechheit, ein Hotel so weit auf dem Land zu nehmen…

Ich weiss nicht, wie oft ich mich bedankt habe, aber mir kommt es jedes Mal vor, als sei es mindestens einmal zu wenig gewesen 😀

obszönes Tulpentaxi, das

Nachdem ich die beiden fucking students abgelehnt hatte, bzw. nachdem sie durch Flucht der Kommunikation entkommen sind, hatte ich mal wieder Holländer im Auto. Holländer – so lange zurechnungsfähig – sind ja einfach schon der Sprache wegen unterhaltsam. Und was noch besser ist, als sich einfach über die Sprache zu amüsieren, ist sich mit ihnen über beide Sprachen zu amüsieren.

Manch einer kann meine Faszination für Sprache vielleicht nicht teilen, aber ich finde ja, dass Dialekte, Akzente und völliges Kauderwelsch sehr sehr schön sein können, und einen ganz eigenen Reiz besitzen. Ich freue mich zwar immer wieder, wenn ich feststelle, dass es noch Menschen gibt, die einer Hochsprache mächtig sind, aber gerade der Satz neulich:

„Ich habe eine Katze wacht!„

Das ist doch fantastisch. Ich bewundere Leute, die so sorglos in einer fremden Sprache losreden und dabei manchmal echt Klassiker erschaffen. Alle anderen, die sich dafür auch begeistern können, sollten mal einen Blick auf das Buch

Blume ist Kind von Wiese
oder Deutsch ist meine neue Zunge

von Helga Glantschnig werfen. Aber gut, eigentlich waren wir bei den Holländern. Niederländisch ist dem Deutschen in Ansätzen ja nicht unähnlich, und entsprechend klingt es ja schon wie missratenes Deutsch, wenn sie in ihrer Heimatsprache reden 🙂

Die, die ich im Auto hatte, waren allerdings nicht gerade gewillt, neue sprachliche Höhen zu erklimmen. 2 Mädels und ein Kerl, alle im besten Sinne alkoholisiert. Das heisst: Angeheitert und lustig, aber weit entfernt von jedem Stresspotenzial und jedem Ins-Auto-Reihern.

Angefangen hat alles damit, dass sie irgendwelche (mir unbekannten) deutschen Lieder gesungen haben, wobei sie die Worte ausschließlich nach Hörensagen gebildet haben, was es umso unwahrscheinlicher macht, dass ich diese Lieder jemals kennen werde.

Der Hauptgrund, warum ich diese Zeilen schreibe, ist eigentlich der, dass ich es zwingend irgendwie vermerken will, wann mir das erste Mal eine Holländerin

„Ik hou van je“

gesagt hat. Entgegen meiner sonst eher bescheidenen Sprachbildung war mir der Satz schon bekannt, was ich keinem geringeren als Bodo Wartke und seinem Liebeslied zu verdanken habe. Falls es wen interessiert, der das noch nicht wusste: Auf seiner Seite gibt es einen Liebesliedgenerator, wo man aus 88 Sprachen und Dialekten sein Lied kombinieren (und dann runterladen) kann. Ich möchte allerdings anmerken, dass die schwäbische Variante nicht so klingt, als hätte er sie mit einem Muttersprachler zusammen entworfen.

Zurück zu ik hou van je. Wie so ziemlich alles auf dieser Fahrt, war dieser Satz nicht ganz ernst gemeint, meine bessere Hälfte kann also beruhigt sein.
Was meine Aussage ein wenig unwahrscheinlich erscheinen lässt, ist die Tatsache, dass ich seit der vergangenen Nacht auch weiss, dass sich in Holland „Ficken in der Küche“ reimt. Ehrlich! Das heisst:

„neuken in de keuken“

Ist doch eine absolut geile Sprache, oder? 😀

Für meinen nächsten Urlaub in Holland hab ich also das nötige Vokabular zusammen. Dafür kann ich meiner Kundschaft nur dankbar sein. Ob ich jetzt allerdings jemals dazu kommen werde, auf niederländisch zu sagen, dass ich den schönsten Bart in Deutschland habe, weiss ich nicht. Wie dem auch sei: Geile Fahrt, wir hatten alle viel Spass!

Und zu guter Letzt nehmen sie einem auch noch die Worte vorweg, die man zum Trinkgeld zu sagen gedenkt. Ich verlangte 17,20 €, daraufhin wurde mir ein Zwanziger gereicht. Ich wurde schief angegrinst und dann hieß es:

„Das ist schön.“

Schön, gut, nett, alles das Gleiche! Ja, und trifft auch alles auf diese Fahrt zu. Gut, niveauvoll oder anständig ist was anderes, aber immerhin hat der männliche Part der Truppe nicht mein Taxi geswaffelt.

West Berlin, 5 €

Anfragen von Kunden sind erst einmal immer schön. Ich will Geld verdienen, und was ich dazu brauche, sind Kunden, die Geld für meine Dienstleistung ausgeben wollen. Also antworte ich auf Kundenanfragen eigentlich immer mit der gebotenen Höflichkeit und mit guter Laune. Heute Nacht ist mir das zugegebenermaßen schwer gefallen.

Vor der Narva Lounge (also im Grunde das Matrix) laberten mich zwei Quatschköppe auf englisch zu. Damit komme ich auch eigentlich gut klar, aber wenn ich bedenke, dass sich manch einer über Schwaben in Berlin aufregt, dann sollte man sich meines Erachtens nach gleich danach die Australier ansehen.

Ich hab ja nun einige Australier im Auto, aber es ist schlicht schwer, einen Slang zu verstehen, wenn man selbst bei der eigentlichen Sprache noch diverse Lücken hat.

„West Berlin, to West Berlin, the Zoo. In the Hostel. 5 €!“

Das war so das, was ich mit Mühe und Not aus einem dreißigsekündigen Monolog entnehmen konnte. Aber das war ein schlechter Scherz. Denke ich mir so.

Zum Zoo sind es vom Matrix aus runde 16 bis 18 €, also weit entfernt von dem, was die Jungs mir geboten hatten. Ich hab sie über den Preis aufgeklärt, unseren Tarif, unsere Pflicht, selbigen einzuhalten und darüber, dass ich ja auch mein Geld verdienen muss.

Dennoch haben sie mein Angebot angenommen, einen anderen Fahrer zu fragen.

Kein Wunder, dass sie letzlich zurück kamen. In unserem Gewerbe tummeln sich einige Gestalten, die Festpreise liebend gerne annehmen, aber die 5 € sind ja nicht einmal schwarz ohne Uhr eine Alternative.

So kam es dann, dass sie mich letztlich auch noch mit folgendem grandiosen Argument belästigten:

„Fuck, we’re only fucking students!“

Ich bin sonst ja ein Meister der Konfliktbewältigung, aber darauf ist mir nichts anderes eingefallen als:

„Fuck, and I’m just a fucking cabdriver!“

Habe eine Katze wacht!

Sprachbarrieren gibt es ja nun öfter im Taxi. Klar, wir hatten letztes Jahr anscheinend 9 Millionen Touristen in Berlin. Da ist es kein Wunder, dass der ein oder andere davon auch mal bei mir im Wagen landet.

Ich hatte schon Anfragen in die „Zoostraße“, sie sich dann als Torstraße entpuppt hat. Kaum schlagbar ist der „Suhlischdagaaden“, den die Berliner dann wiederum als Zoo kennen, und einmal ist mir eine potenzielle Kundin dann sogar weggerannt, weil wir uns nicht weiter verständigen konnten. Ich glaubte (zu Recht), sie habe eigentlich ein Taxi bestellt, während sie nur in den „Weeehin“ wollte. Und dann ging sie „Na’ucken“ – wie sie es nannte.

Aber die Touristen sind nur die eine Seite der Sprachvielfalt in dieser Stadt. Auf der anderen Seite gibt es ja noch jede Menge zugewanderte Menschen. Meiner Herkunft sei Dank bin ich noch nicht aufgeschmissen, wenn jemand „zom Friedrisshoi“ will, manch andere Dinge sind dann wieder schwer zu entschlüsseln.

Mein netter Winker war in seinem früheren Leben wohl Holländer.

Das ist per se nicht schlimm, und in Anbetracht des steigenden Meeresspiegels würde ich mich in seinem Fall auch nicht darauf verlassen, dass es sich lohnt, in der Heimat eine Existenz aufzubauen. Es war nur eine Kurzstrecke, und er hat mir kurz recht problemlos auf deutsch erklärt, wo er hin müsse. Also hab ich die paar Pferde unter der Haube aufgescheucht, um ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Dann sagte er folgendes:

„Ich habe eine Katze wacht!“

Wie bitte?

„Ich habe eine Katze wacht!“

Klingt lustig, aber er meinte es offenbar ernst. Und nun will ich vor einer Auflösung mal ein paar Vorschläge hören, was der Kerl nun genau hatte 😀