Neues aus der Aussprachenwelt

Berlin. Wahrscheinlich immer noch die Stadt in Deutschland mit den meisten doppelten Straßennamen. Wahrscheinlich auch immer noch die Stadt mit den meisten Straßennamen überhaupt.

Beide Tatsachen sind für uns als Taxifahrer nicht leicht. Ich bin als Schwabe nun wirklich nicht der Mensch, der andere wegen unsauber ausgesprochenen Straßennamen verurteilt. Während der Arbeit allerdings könnte ich manchmal durchdrehen. Es mag ja für den durchschnittlichen bayrischen Dorfbewohner komisch klingen, aber es existieren in Berlin tatsächlich die Husemannstraße und die Hosemannstraße. Und wenn ich zweimal nachfrage, dann tue ich das, um den Kunden Kosten zu ersparen.

Heute allerdings wusste ich mit dem Straßennamen gar nichts anzufangen:

„Bossdem-Straße!“

Auf meine Nachfrage hin bekam ich gesagt:

„Boss. Temm. Straße!“

Da werden die Berliner Kollegen jetzt wohl auch dumm aus der Wäsche gucken. Mit einem Hinweis habe ich es dann allerdings gefunden. Und dabei handelte es sich um eine Querstraße:

„Buhlen-Straße!“

Na, wo sind die erfahrenen Köpfe des Gewerbes? Lasst es in den Kommentaren krachen!

+++Eil: Schotte gibt Trinkgeld+++

Berlin/gnit Augenzeugenberichten nach ist in der deutschen Hauptstafdt gestern Nacht etwas Besorgnis erregendes in einem Taxi vorgefallen. Ein Fahrgast, laut eigenen Angaben ein Schotte, gab dem Taxifahrer Trinkgeld. Sogar verhältnismäßig spendabel soll er sich gezeigt haben, weiß Taxifahrer Sascha B. zu berichten:

„Hätte ich ja auch nicht gedacht. Ich meine, er war ja ganz nett und im Gegenzug zu sonst bin ich auch mal fast anständig gefahren. Aber als er erzählt hat, er wäre Schotte… ganz ehrlich: Ich wollte ihn eigentlich gleich rausschmeißen.“

Eine ausnahmsweise nicht auf Rot geschaltete Ampel in Berlin-Friedrichshain verhinderte schlimmeres. Taxifahrer B. gab GNIT gegenüber zu verstehen, dass selbst er Kunden nicht der Nationalität wegen aus dem fahrenden Wagen stößt.

Am Ziel angekommen, nahm B. 10 € entgegen und kann sich bis jetzt nicht erklären, was genau vorgefallen ist:

„Ich meine, die Fahrt hat ja nur 7,80 € gekostet. War ja so oder so nicht so dolle. Dann meint der aber auch noch, ich soll das Geld behalten. Ich werde den Schein demnächst mal der Polizei zum Überprüfen geben, das muss ja Falschgeld sein oder so. Aber so sicher bin ich mir nicht, sieht aus wie Euro, obwohl der von den Schotten kommt. Echt komisch!“

Während der Berliner Senat nach dieser Meldung Mehreinnamen in Millionenhöhe einplant, sollte nicht zu voreilig davon ausgegangen werden, dass das Geld über ausschweifenden Konsum letztlich im Stadtsäckel landet. Taxifahrer B. seinerseits ist nämlich ein Schwabe.

Italienische Schmetterlinge

Bella Italia! Ein Land, das mir persönlich völlig unbekannt ist, abgesehen von der meist miesen Wirtschaft, der korrupten Regierung und der Mafia aber sicher sehr lebenswert ist.

Im Berliner Taxigewerbe dienen Italiener meist als Vorzeigebeispiele für die Nicht-Trinkgeldgeber. Aber – o Wunder! – die Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel, und im Grunde muss man das gar nicht weiter breittreten.

Italiener jedenfalls waren es, die heute Nacht vor dem Matrix gleich zwei Taxen enterten. Der Kollege vor mir bekam 5 Fahrgäste, ich 4.

„Follow that Taxi!“

Ach, was liebe ich solche Ansagen 🙁

Aber in dem Moment kam der Kollege kruz rübergesprintet und meinte, wir fahren sie zum Cesar’s Palace – einem Bordell in Friedrichshain.

Na gut, warum nicht? Ich stelle es mir zwar für die entsprechenden Dienstleister dort ziemlich abenteuerlich vor, wenn 9 betrunkene Kerle da auf einmal auftauchen, aber wahrscheinlich ist da Kundschaft auch Kundschaft, wie bei uns.

Ich war heilfroh, dass der Kollege mich noch kurz aufgeklärt hat, denn wie nicht anders zu erwarten war, habe ich ihn an einer Ampel verloren. Das sollte aber noch nicht die Krönung des ganzen Weges sein, denn mein Beifahrer musste kurz raus, um sich sein Essen nochmal durch den Kopf gehen zu lassen. Das war aber überhaupt kein Problem, immerhin war er so gefasst, dass er einem Kumpel die Übersetzung ins Englische überlassen hat.

Das nächste Problem war, dass mein Kollege sich entschlossen hat, einen einfachen Weg zum Puff zu fahren, der nur einen kleinen Haken hat: Seit dem Wegfall einer Baustelle ist dort das Linksabbiegen wieder illegal. Ich vergesse das auch noch öfter mal bei der Tourenplanung, aber heute hatte ich keine Chance mehr zur Korrektur, als ich darauf kam, und nicht einmal die Chance, das Problem illegal zu umgehen, da vor mir an der Ampel ausgerechnet die Cops standen…

Das Rumrangieren, um die Sache in trockene Tücher zu bekommen, wurde aber nur bis zur näheren Erläuterung meinerseits mit Häme bedacht, es war also alles ok, als wir ankamen.

Alles? Naja.

Der Rest der Truppe (mein Kollege war schon weg) meinte gleich, dass sie in einen anderen Laden wollen. Weniger Barbetrieb, einfach nur Puff, bla Keks. Ein zweites Taxi wurde mal schnell angehalten, und so hab ich kurz mit dem Kollegen beraten, und er schlug das Butterfly vor.
Ich hätte auch einen näheren Laden gewusst, aber ich hab dem Kollegen bezüglich Barbetrieb mal geglaubt. Ein bisschen absurd, wenn man bedenkt, dass das Butterfly sich seiner Shows auf der Leuchtreklame rühmt. Immerhin hatte ich nun fünf Leute im Auto…

So langsam hat sich abgezeichnet, dass das eine durchaus ansprechende Tour werden könnte. Da würde der Kollege von der Halte am Matrix nicht mithalten können, der sich gerade stolz wie Bolle eine 12€-Tour gesichert hatte.
Es ging um den Kartoffelsack auf dem Beifahrersitz, der nach mancher Meinung nicht mal mehr taxitauglich war, ganz sicher aber nicht mehr paarungswillig.

Ob ich ihn zu seinem Hostel fahren könne, wenn ich den Rest abgesetzt habe?

„Of course!“

Natürlich ist einem als Fahrer nicht wohl dabei, wenn man einen Kotzer transportiert, aber der Kerl war in bester Verfassung und vor allem: Er konnte sich artikulieren bevor es zu spät war!

„Which Hostel do you mean?“

„Well, this is the card. I don’t have the address.“

Sehr schön! Meiningers! Fallen mir spontan 4 Hostels ein.

Naja, so ein Drama war es dann nicht, einer der Kumpels aus der anderen Taxe hatte die Adresse, und damit war mir ja auch klar, um welches es geht. Eine gemütliche Pause am Butterfly kam dennoch zusammen, da mein Beifahrer nochmal eine Stange Essen ins Eck stellen musste. Seine Kumpels haben ihn professionell unterstützt, und währenddessen hat mir der Chef der Runde einen Fuffi in die Hand gedrückt und mir gesagt, ich solle seinem Kumpel dann einfach den Rest zurück geben.

Kein Thema. Zugegeben: Die Hoffnung, der Kotzprofi lässt mich den Rest behalten, lag für einen Moment in der Luft, aber das würden immer noch über 20 € sein. Also nee!

Die „Sorgen“ waren allerdings unbegründet. Nicht nur, dass er selbst darauf kam, nachzufragen. Nein, ein offenbar telefonisch vor die Türe beorderter Freund wachte darüber, dass ich die korrekte Summe ausbezahle. Immerhin kamen mit all der Wartezeit und dem Zuschlag für die übergangsweise mitreisende Nummer 5 letztlich 28,90 € zusammen.

Aber sie haben es geschafft, den Vorurteilen gerecht zu werden: Nicht mal auf 29 € haben sie aufgerundet 😉

Muss ich das blicken?

An der Rückseite vom Berghain, kurz nach drölf Uhr und im Schein des Mondes spielte sich folgende Geschichte ab.

Ein mit gutem Umsatz gesegneter Sash schießt die Wedekindstraße entlang, froh ob der Tatsache, dass ihm an dieser Stelle nicht wie vor kurzem ein Kollege mit Fernlicht entgegenkommt. Stattdessen: Winker!

Gleich 4 Leute stehen in der Gegend rum und einer rennt zu mir und beginnt mich zu fragen, wie man zum lab.oratory kommt.

„As far as I know it’s inside this building, but the entrance is on the other side.“

sagte ich und deutete etwas irritiert auf die Rückwand des Berghain. Den Weg hab ich mittels Gesten noch angedeutet, und irgendwann tönte es aus der Gruppe:

„We take the taxi!“

Im Auto bot ich dem Mann auf dem Beifahrersitz auf Englisch an, seinen Sitz zurückzuschieben, woraufhin dieser meinte, ich könne Deutsch mit ihm reden. Und die da hinten kenne er gar nicht.

Das Fahrtziel hieß nun Warschauer Str., und ich hab es gar nicht mehr geblickt. Also wurde mir erklärt, ich solle erstmal zum Berghain, bzw. zum lab.oratory fahren. Da steigen dann die beiden englischsprachigen Gäste aus. Die bezahlen bis dorthin, die beiden Deutschen dann den Rest zu ihrem Fahrtziel. Das Ganze hätte vor Ort noch etwas komplizierter werden können, da ich von den Berghain-Spezialisten nur 2 € für die Kurzstrecken bekommen hatte – obwohl die im Auto verbliebenen soo ja gar nicht teilen wollten.

Aber sie haben es hingenommen. Glücklicherweise.

Mir haben sie dann noch erzählt, dass sie die beiden Gestalten auch nur zufällig an der Ecke getroffen haben, wo ich sie dann aufgegabelt habe. Der Ruf „we take the taxi“ war so gemeint gewesen, dass er und sein Kumpel mit mir fahren, wenn die anderen mich nicht bräuchten. Die seien dann aber einfach mitgekommen.

Die Krönung war aber, wo die beiden Niesel ohne Deutschkenntnisse gerade herkamen. Genau: aus dem Berghain…

WTF?

Durch die Gegend fliegen …und zurück!

So, gerade erst gestartet, quasi frisch geduscht auf die Straße geworfen, kämpft sich Sash durch den Friedrichshainer Abendverkehr, der eigentlich relativ langweilig ist. Der auf Winker-Wahrscheinlichkeit optimierte Umweg Richtung Ostbahnhof erweist sich einmal mehr die paar Überkilometer wert und so kommt es, dass vor der O2-World ein Taxifahrer und ein Kunde aufeinandertreffen.

Da dies nicht wörtlich zu verstehen ist, steigt der junge Mann auch ein und hat einen sonderbaren Fahrtenwunsch:

„AirBerlin, Airport Tempelhof!“

Einen Moment bitte, holpert AirBerlin jetzt über die grüne Wiese?

„Was it Tempelhof? Or Schönefeld. No! I mean Tegel!!! Airport Tegel!“

Also es ist nicht so, dass ich nicht alle drei gerne hintereinander abgefahren wäre, aber bei Fluggästen spielt ja meist auch die Zeit eine gewisse Rolle.

Nicht so jedoch bei ihm! Nachdem ich mich dreimal vergewisser habe, ob er wirklich wirklich nach Tegel will, habe ich ihn natürlich auch nach der Dringlichkeit gefragt. Denn er hatte z.B. kein Gepäck dabei, das wundert einen ja doch. Dann erzählte er, leicht alkoholisiert, dass er erst am nächsten Morgen fliegen würde. Aha!?

Er hätte für die Nacht keine Bude mehr und bringt die paar Stunden am Flughafen rum. Aber angeblich war er mehrere Tage in der Stadt… kuriose Type.

Als ich dann mit ihm bereits grob Richtung Brandenburger Tor unterwegs war, änderte er seine Reisepläne ein weiteres Mal. Er habe sein Handy vergessen, und wolle nun doch zurück zu seiner Wohnung (wo kommt die denn plötzlich her?) nach Kreuzberg, in der Nähe vom Kottbusser Tor.

Das war jetzt natürlich ein ziemliches Rumgegurke. Vom Startpunkt aus hätte fast noch eine Kurzstrecke zum Kotti gereicht, nun standen bereits 15 € auf der Uhr, als er langsam unruhig wurde, und mich fragte, ob es denn noch weit sei. Ich hab mir inzwischen meinen Teil gedacht und mich gefragt, ob er denn überhaupt Geld dabei hat. Oder ob das wirklich seine Wohnung ist, ob er tatsächlich zum Flughafen muss etc…

So gesehen war ich dann erleichtert, als er gemeint hat, ich solle nicht auf ihn warten, er würde doch noch ein bisschen da bleiben. Das bisschen Schwitzen am Fahrtende wurde übrigens durch die 3,20 € Trinkgeld wieder wettgemacht, die er nachher gegeben hat. Aber irgendwie würde mich immer noch interessieren, was da Sache war…

Viel Spaß damit!

Winker! Schon wieder!

Ich hab gerade einen kurzen Stopp am Hauptbahnhof eingelegt. Da hatte ich zwar am Wochenende in den frühen Morgenstunden nicht vor, mich anzustellen – aber ich konnte mir ein paar Coffees besorgen. Dem Grinsen im Gesicht des Apothekers nach hatte ich sie ziemlich nötig.

Und jetzt, auf dem Weg zu meinen Lieblings-Abstauber-Straßen winkt es schon an einem Hotel in der Invalidenstraße. Auch nicht schlecht. Die Drogenbesorgung hat mich Zeit gekostet, und die ist – wie man allerorten hört – bekanntlich Geld.

Ich wurde gestoppt von einem Haufen reichlich finsterer Gestalten. Finster war allerdings nur ihre Hautfarbe, die Jungs waren allesamt ziemlich cool drauf. Ihr Fahrtwunsch brachte mich etwas ins Schwitzen, denn er betraf einen Club, den ich dereinst mal nicht gefunden habe. Eine unrühmliche Fahrt damals mit ziemlichem Ärger, vermindertem Fahrpreis und einem schlechten Gewissen. Damals hab ich die Clubadresse im Robertha nachgeschlagen, er war allerdings inzwischen umgezogen. Die neue Adresse war nur so ungefähr überliefert, und ich hab ihn seitdem nicht mehr angefahren. Nicht, dass ich aus meinem Fehler nicht gelernt hätte: Die neue Adresse hab ich am selben Tag noch ergoogelt, sie ins Buch eingetragen. Ins alte natürlich. Inzwischen hab ich die neue Ausgabe, und da steht plötzlich schon wieder eine andere Adresse drin. Ob die nun aktuell ist – oder die letzte mir (quasi teilweise) bekannte, die mir die Fahrgäste bestätigt haben, das wollte ich noch irgendwie rausfinden.

Aber in ihrem Übermut waren die Jungs schon dabei, selbst auszuprobieren, wie man die Sitze hinten ausklappt, da sie zu fünft waren, und die Diskussion in breitestem englischen Slang war auch nicht gerade einfach zu führen für 4er-Schüler wie mich.

Sollten die Fahrgäste Recht haben, dann läge der Club übrigens rund 800 Meter entfernt.

In diesem Augenblick, nach rund 2 Minuten Durcheinander und Handy-Googelei von allen Seiten trat ein Kollege auf den Plan. Er hielt an und ich ahnte da schon fast, was kommen würde. Er hielt sich auch nicht lange mit Nettigkeiten auf, als ich ihn fragte, ob er etwa eine Bestellung hat.

„Haste doch gehört, dass ich die vor 3 Minuten angenommen hab!“

Nein, tut mir leid! Funk war leider aus. Aber natürlich klau ich keine Fahrten. Schon gar keine über 800 Meter… (Dank der freundlichen Begrüßung war durchaus etwas Schadenfreude dabei).

Als ob das Durcheinander noch nicht perfekt war, kam jetzt auch noch ein Hotelbediensteter und entschuldigte sich bei mir, er habe leider ein Taxi bestellt. Ich glaub es euch ja! Kein Problem! Ehrlich!

Ich hab dann versucht, mich zu verdrücken, bevor dem Kollegen klar wird, dass er sich um eine 6€-Tour streitet – oder mit 5 Jungs diskutieren muss, warum der Club doch woanders ist. Für mich war der Abflug durchaus ok, Kunden gab es in der Nacht fast überall. Nur die Fahrgäste wollten erst nicht. 20 € Trinkgeld versprachen sie mir, wenn sie mit mir fahren dürften. Ich hab sie nett und in feinstem Schulenglisch darüber aufgeklärt, dass es wirklich unfair wäre, dem Kollegen die Fahrt zu klauen, wo er ganz offensichtlich eine Weile drauf gewartet hat.

Ich bin letztlich 2 Kilometer weiter gefahren, und hatte eine nette 18€-Tour bis nach Wilmersdorf. Den Club (2BE-Club) hab ich danach natürlich nochmal gegoogelt. Ich bin immer noch nicht schlauer. Ist er jetzt in der Heidestr. 73 – wo meine Beinahe-Fahrgäste ihn vermuteten? Oder in der Bornimer 6 in Charlottenburg – was auf einigen Seiten als Adresse zu finden ist. Dass er nicht mehr in der Ziegelstr. ist, weiss ich. Und woher kommt die Angabe Englische Str. im Robertha?

Ich wäre ja froh, das das nächste Mal zu wissen.

Ach ja, und dem Kollegen wünsche ich natürlich trotzdem, dass er eine angenehme Tour hatte 😉

Nachtrag: Hab nochmal im Netz geschaut. In der Klosterstr. 44 soll der Club auch sein. WTF?

Don’t try this…

„Hey, what’s that car?“

„It’s an Opel.“

„Oh, a Corsa?“

„No, a Zafira.“

„Zafira… that would be a nice Name for a Girl. I wanna fuck Zafira in the ass!“

„Please, don’t try this with my car!“