Muffel

Ja, ich kriege tatsächlich 6 Leute rein in die Kiste. Alles nicht so leicht, denn wir will nach hinten, wer nach vorne, wo ist vorne überhaupt, wo sind die Sitze und warum reden alle gleichzeitig? Eine ganz normale Fragestellung bei jugendlichen Großgruppen am frühen Morgen kurz vor Sonnenaufgang.

Dann, rund zwei Minuten, einige eiligst aufgerauchte Zigaretten und ungelenkes Krabbeln später sitzen wir alle im Taxi. Prima.

„Was kostet es denn zum Hans-Kennsteschon-Platz?“

„Muss ich überlegen… nee ich frag besser das Navi wegen der genauen Strecke.“

„Können wir da nicht irgendwie so einen Preis fest machen und…“

„Nee, geht nicht. Kostet Pi mal Daumen 20 €, vielleicht etwas mehr mit den Zuschlägen…“

„Komm, wir machen 15.“

„Nee.“

„16.“

„Nein. Werde ich nicht machen.“

„Komm schon, 17 €? Ist doch eine Menge Geld. Wir sind arme Studenten.“

„Ja, und ich bin armer Taxifahrer und ihr seid zu sechst und ich alleine.“

„Wir könnten einfach 16 € machen und gut ist.“

„Weisste was? Machen wir doch 22 €!“

„Ey, du hast gerade noch 20 gesagt!“

„Wenn du den Preis nicht zahlen willst, kann ich ja auch einen anderen verlangen. Ist genauso illegal wie deine Idee.“

„Ach, ist schon ok, fahr einfach…“

Man muss dazusagen, dass er inzwischen auch die Mitreisenden ziemlich genervt hat und auch von der Seite aus die Bitte kam, es doch gut sein zu lassen. Der Rest der Truppe war auch super in Ordnung, es war bisweilen sogar vonnöten, die ein oder anderen High Five zu erwidern ob mancher Sprüche. Aber Obernerv-Kandidat Beifahrer war nicht so schnell fertig:

„Ist ok, wenn ich eine rauche?“

„Nee, isses nicht. Aber wir sind ja in zehn Minuten da.“

„Also ist ok?“

„Nein.“

„Und wenn ich Fenster aufmache?“

„Auch dann nicht.“

„Also ist ok, wenn ich Fenster aufmache?“

„Nein!“

„Aber ich mach ja auch Fenster auf!“

„Trotzdem nicht. Hey, ich verkneife mir das Rauchen im Auto, und ich sitze deutlich länger drin. Die paar Minuten bringen einen auch als Raucher nicht um.“

„Also mit Fenster ist ok?“

„NEIN! Es ist nicht ok!“

„Du kannst auch einfach sagen, dass es nicht ok ist, dann passt das. Also? OK?“

„Ich hab doch schon nein gesagt – wie oft willste es denn noch hören?“

Ein paar vom Hintermann angedrohte Schläge später gab er auch das Thema mit dem Rauchen auf. Aber er machte das Fenster runter. Das war mir egal, es war ziemlich warm im Auto. Die Mitreisenden, von der 5°C kalten Zugluft umweht, fanden es nicht so toll. Dann entspann sich eine fünfminütige Diskussion übers offene Fenster, die ich zu schlichten versucht habe, indem ich anbot, dass ich die Heizung ausmache und wir das Fenster ziemlich weit schließen. Letztlich waren es doch wieder die Schläge, die ihn umstimmten.

Mit mir geredet hat der Sympathieentrückte natürlich nicht mehr. Außer beim Zahlen der 20,40 €. Da hat er etwas zerknirscht aber hochanständig

„22, stimmt so.“

gesagt.

Einer der Fahrgäste ist noch ein ganzes Stück weiter mitgefahren und hat größtes Unverständnis geäußert. Die Schlüsselsätze laueteten wie folgt:

„Ey, nüchtern ist der auch ganz anders. Du würdest dich wundern. Ich meine, der hat ja sogar einen Job, bei dem er jedem in den Arsch kriechen muss. Warum der sich jetzt so aufführt…“

Nach oben bücken, nach unten treten – mir schien das nur zu logisch. Primitiv, traurig, aber logisch und verbreitet. Naja, war jedenfalls schön, dass ich die Fahrt noch mit einem netten Gespräch beenden durfte.

Ein Zehner…

Ich hätte da eine heitere Geschichte von zwei jungen Männern, die zum Puff gefahren werden wollen. Aber die ist nicht heiter.

Mir sind in Friedrichshain zwei Typen ins Auto gesprungen, die vom Alter her deutlich unter mir lagen. Das Fahrtziel haben sie nur recht grob in Form einer S-Bahn-Station angegeben, und so kam es, dass ich irgendwann gefragt habe, ob sie jetzt Party machen würden.

„Wir gehen jetzt ficken, Alter! Aber egal, Party ist ja immer ficken, oder Alter?“

Ich hab das nicht vorschnell dementiert und ohne den beiden davon zu verraten ein wenig über den sicher nicht sehr philosophisch gemeinten Satz nachgedacht. Das Ergebnis ist recht simpel und lässt sich in meinem Fall wie folgt zusammenfassen: Meistens: Nein, in Gedanken: Schon , Lösung: Drogen. Aber das nur nebenbei.

Da mir die Adresse unbekannt war, hab ich sie nach ein paar Details gefragt. Preise und so. Gibt ja öfter fragende Kunden, und da schadet zusätzliches Wissen nie. Die Antwort fand ich erschütternd.

Dass man hier in Berlin für 35 € schon Sex kriegt ist hart genug, war mir aber bekannt. In diesem Laden (bei dem ich den Teufel tun werde, ihn zu empfehlen) reicht das wohl für 20 Minuten. Das wirklich miese war dann:

„…ohne Kondom 45.“

Was bitte??? Ich weiss, während meiner Jugend war der Hype um Aids sicher größer als heute – aber wie zivilisiert, wie fortschrittlich, wie gut ist denn bitte eine Gesellschaft, in der Prostituierte (und Kunden natürlich) mal eben für einen Zehner ihr Leben riskieren?

Das sind die Momente, wo es mir bitter aufstößt, wie gut es mir selbst eigentlich geht…

5 Minuten meines Lebens…

Wow! Tatsächlich Winker!

Schon die ersten zehn Minuten meiner Fahrt durch die Stadt haben mir gezeigt, dass das keine berauschende Schicht wird. Keine Leute auf der Straße, irgendwie nix los. Dabei ist das Wetter noch halbwegs gut gewesen.

Aber da waren ja sie: Die Winker!

Ein Haufen Jugendlicher, ziemlich aufgekratzt, aber entgegen erster Befürchtungen nicht mal unter Drogeneinfluß. Nee, wahrscheinlich waren sie einfach nur dumm. Im Grunde hätte ich das schon ahnen können, als sie ins Auto gekrabbelt sind und einen ihrer Kumpels durch die geschlossenen Scheiben beleidigt haben. Aber mein Gott! Kein Weltuntergang!

Ich hab sie einfach gefragt, ob sie einen fünften Sitz brauchen würden. Klar, cool, damit hatten sie nicht gerechnet. Aber der Kumpel war ja sowieso nur zum Spaß beleidigt worden, also ist er auch gerne mit reingekommen. Nach einer höchstens einminütigen Erklärung hat auch der dritte Töffel von der Rückbank begriffen, dass er noch mal raus muss, damit ich den Zusatzsitz ausklappen kann.

Das war wie immer schnell gemacht, und es fand sich auch ein halbwegs vernünftiger junger Mann, der eingesehen hat, dass es sinnvoll ist, als kleinster auf dem Sitz mit der wenigsten Beinfreiheit zu sitzen.

Als ich wieder vorne eingestiegen bin, hab ich mich gleich beliebt gemacht, in dem ich mich auf die Hand meines Beifahrers gesetzt habe. Mit Entschuldigungen hab ich mich allerdings nicht lange aufgehalten, weil a) seine Hand da nicht hingehört und ich b)  dem Kerl erst einmal mein Deo entwenden durfte, damit er es seinen Kumpels nicht (weiter) ins Gesicht sprüht.

Dass die Fahrt zum Alex gehen würde, war mir hingegen recht und auch der Grund, weswegen ich gar nicht lange darüber nachgedacht habe, sie gleich zu beenden. Mit den Fünfen lege ich mich nicht in einer dunklen Gasse, sondern am größten Platz Berlins an. Wenn es nötig sein sollte…

Ich hab über Begleitschutz via Kollegen nachgedacht, aber meine Kundschaft war so herzerweichend blöd, dass ich ihnen einfach nicht mehr zugetraut hätte, als ohne zu zahlen abzuhauen. Das wäre sicher nicht schön gewesen, aber verkraftbar.

Ich hab das Taxameter angemacht, und wie zu erwarten war, war das natürlich eine Provokation sondersgleichen. Auf die beneidenswert unreflektierte Aussage

„Nee nee, mach mal Uhr später an!“

hab ich erst einmal die Zuschläge für den fünften Mann eingetippt. Das war relativ wirksam, denn mit sowas hatte keiner der fünf gerechnet. Während einer noch stammelte

„Du musst jetzt Kurzstrecke machen – und dann erst machst du Uhr normal an!“

(was von der Grundidee gar nicht geht, bzw. beim einfachen Laufenlassen den gleichen Preis bedeutet hätte)

fiel schon von hinten der nächste ein:

„Zuschläge? Was für Zuschläge?“

„Na für die fünfte Person.“

Gut, ich hatte es ausnahmsweise nicht erwähnt gehabt. Aber was macht es für einen Unterschied? Hätte ich „2 € pauschal“ gesagt, hätten sie 1,50 € verlangt. Nee nee, das klären wir später.

Der nächste Ampelstopp wurde von einem der Fünf als Aufforderung, zu versuchen, aufs Dach zu klettern, verstanden und wie sie es geschafft haben, binnen kürzester Zeit dreimal (teils sogar versehentlich) die Türe aufzumachen, das verschließt sich einem Menschen wie mir, der gelegentlich Auto fährt.

Zwei, drei mal hab ich um Ruhe gebeten, bis dann klar war, dass sie mit Musik in gewisser Weise ruhig zu stellen waren. Auch nicht schlecht. OK, zugegeben: Sie haben bezüglich Musikwünschen wie so ziemlich alle „obercoolen“ dem traurigen Klischee entsprochen und derb langweilige Chartkacke hören wollen. Witzig war das eigentlich nur in einem Moment, aber der war besonders feierlich. Nämlich als einer von der Rückbank die Ansage eines Moderators im Radio mit

„Fick disch, spiel Lied, Alta!“

kommentiert hat.

Nach etwa 35 Sekunden guter Laune ob der ach so tollen Musik hab ich die Entscheidung aber schon wieder bereut, weil mein Beifahrer nun so am rumflippen war, dass er mir beinahe den Innenspiegel runtergerissen hätte.

„Noch 500 Meter, dann haste Zeugen…“

hab ich so bei mir gedacht.

Am Alex haben sie sich auch kaum streiten müssen, wo sie aussteigen wollen und die letzte Richtungsansage kam etwa beim Überfahren der entsprechenden Ampel. Ich wusste glücklicherweise vorher, wo ich sie rauszulassen gedachte.

Während ich dann (natürlich mit längst geöffneter Beifahrertür) an den Straßenrand gefahren bin, hab ich drauf geachtet, meinen Geldbeutel in Sicherheit zu halten und schnell genug an der hinteren Tür zu sein. Selbst wenn sie abhauen sollten: Den Knilch im Kofferraum krieg ich!

Aber sie waren relativ human an dieser letzten Etappe der Tour. Es kam nur einmal die Frage, ob sie mich wirklich bezahlen müssten und einmal der Einwand, dass ich die 1,50 € Zuschlag nicht berechnen dürfe, weil ich sie da getäuscht hätte. Gleichzeitig hat aber einer schon mehr als einen Drittel des Fahrpreises rausgeholt und der einzige halbwegs Vernünftige (der hinten drin) hat die mit Zuschlag auf 9,50 € lautende Rechnung mit einem Zehner und „Stimmt so“ beglichen.

„Wow! Trinkgeld von der unterbelichtetsten Mannschaft seit langem. Das glaubt mir keiner!“

Bei der Abrechnung wahrscheinlich nicht mal mein Chef. Während ich nämlich am Auto alle Fenster wieder hochkurbeln durfte, hatte einer der Spaßvögel nichts besseres zu tun als zielsicher noch mal 50 Cent Zuschlag ins Taxameter zu hauen.

„Is schon’n cooler Job. Ich glaub, ich mach auch’n Taxischein!“

meinte einer zu Beginn der Fahrt. Wenn der je ein Kollege sein sollte, dann fahr ich mit ihm bei -20°C von Marzahn bis Steglitz. Und zwar nach dem Verzehr von einem Kilo Chili con Carne und mit dem dezent vorgetragenen Wunsch, ein Mixtape mit Heino und Cannibal Corpse auf Anschlag zu hören. „Für Kurzstrecke“ natürlich!

Nach der Tour hab ich erst mal eine halbe Stunde Pause zum Wagenreinigen gemacht und mich davon zu überzeugen versucht, dass damit der schlimmste Teil der Woche vorbei ist. Und wahrscheinlich habe ich damit Recht 😉

Zufriedenheit

Dass die 5 Jungs nicht ganz zufrieden mit den Preisverhandlungen waren, ist mir nicht entgangen. Die Strecke vom Club zu ihrem Hostel kostet entweder 10 € bis direkt vor die Tür, oder aber etwa 9,40 € bis gegenüber – was einmal um den Block fahren gegen einmal über die Straße laufen bedeutet.

Plus die 1,50 € Zuschlag für die 5. Person.

Insofern lagen sie mit ihrem Wunsch, einen Zehner bis zum Ziel zu zahlen, nicht arg daneben. Ich denke aber, dass 5 Partygänger die 20 bis 30 Cent pro Person für eine Heimfahrt durchaus eher entbehren können, als ich auf meiner Lohnabrechnung. Und für den Zuschlag klappe ich ja immerhin auch die Sitze um, akzeptiere dass alles, was im Kofferraum liegt, für 5 Minuten zum Spielzeug wird, riskiere, dass einer kotzen muss, der nicht schnell aus dem Auto kommt und verbrauche mehr Sprit.

Um mal die Gründe zu nennen, die mir auf Anhieb einfallen.

Naja, gänzlich zufrieden waren sie also nicht, aber in Ermangelung an Alternativen, bzw. an Lust, diese zu suchen, haben sie dann doch beschlossen, dass 11 € auch noch ok wären.

Unterhalten haben sie sich teilweise auf Englisch, teilweise in einer mir unbekannten Sprache – obwohl es auch Englisch gewesen sein könnte. Wie dem auch sei: Es fielen einige unschöne Worte, die sicher nicht alle mit mir zu tun hatten, aber da sie sich weiterhin darüber aufregten, dass sie am Vortag (wahrscheinlich zu viert) nur 10 € bezahlt haben, gehe ich stark davon aus, dass es immer noch Stein des Anstoßes war.

Irgendwann zwischendrin fiel dann ausgerechnet dem Lautesten von allen noch auf, dass er sein Portemonnaie verloren hat, bzw. es ihm sicher geklaut wurde. Eine panische Suche im Taxi entbrannte, und seine Wut auf dieses beschissene Land mit den Schlampen, die ihm den Geldbeutel klauen und den nervigen Taxifahrern wuchs permanent an.

Als wir am Ziel waren, zahlte bis auf ihn jeder seinen Obolus, und insgesamt kamen die 10,90 € dann auch zusammen. Kein Cent Trinkgeld natürlich, aber das war zu erwarten. Der Meister tobte und schimpfte wie ein Rohrspatz, als seine Freunde sich über ihn lustig machten, weil er so blöd sei, im Ausland sein Portemonnaie zu verlieren.

Ich hab noch gewartet, bis er gerade dabei war, sich loszureissen und wutentbrannt Richtung Hostel zu verschwinden, bis ich relativ siegessicher in die Seitentasche der rechten Tür gegriffen, seinen Geldbeutel rausgezogen und ihn ihm hingehalten hab.

Die letzten paar Meter verliefen um einiges ruhiger. Hatte wahrscheinlich damit zu tun, dass ich ihm mit auf den Weg gegeben habe, er solle sich nochmal Gedanken über meinen Service und die Schlampen in der Disco machen…

Definitiv ein Klassiker

Nachdem ich euch gestern eine tolle Geschichte angekündigt hab, kommt jetzt eine, nach der ich diesen Blog beenden kann. Darüber wird nichts mehr rausgehen! Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Fahrgast jemals wird toppen können, was dieser junge Mann gemacht hat. Keine Panik, ich will meinen Blog nicht so jung sterben lassen, aber als All-Time-Favorit könnte dieser Beitrag es in die Herzen aller Besucher schaffen, da bin ich überzeugt von!

Also, was war?

Ich hab mich – was selten genug vorkommt – ans Watergate gestellt. Eine Viertelstunde hab ich vielleicht gewartet. Soweit nichts besonderes. Dann kam er raus. Vom Alter her würde ich ihn auf 25 schätzen, ein bisschen jünger als ich.

Er torkelte schon ziemlich umher und traf dennoch zielsicher das Taxi. Naja.

„Keine Angst, ich kotze nicht!“

„OK, schön das zu hören! Im Notfall einfach Signal geben.“

„Kein Problem. Ich möchte in die Köpenicker Str.“

Och nee… Selbst wenn ich verkehrsgerecht noch über die Oberbaumbrücke fahr, komme ich je nach Entfernung auf höchstens 6 €. Wahrscheinlich wohnt der Töffel auch noch direkt am Schlesischen Tor.

„Die in… in… Biesdorf bitte!“

OK,  Friede sei mit ihm, eine 20 €-Tour!

„Was, was macht das?“

„Pi mal Daumen 20 €, ich würde lieber mal mit 25 rechnen. Wenn es weniger wird, stört es ja niemanden.“

„Du! Du bist genau mein Mann!“

„Das klären wir gegebenenfalls mit meiner Freundin, aber für die Fahrt soll es mal so sein!“

Mein Tag! Wenn mir sogar ein schlagfertiger Kommentar gelingt, dann ist die Welt ok. Normalerweise versage ich da relativ regelmäßig. Jo sei mein Zeuge dafür 😉

„Soll ich dann einfach die B1 rausfahren?“

„Äh, ja, mach mal!“

Er nannte mir noch eine Nummer, und dann waren wir schon unterwegs. Die Fahrt war auch völlig unspektakulär, er hat meist vor sich hingedöst. So hab ich mich bei der Hausnummer aufs Navi verlassen und ihn geweckt, als wir direkt davor standen.

„So, hier wären wir.“

„Hier ist das? Köpenicker xy?“

„Ja, genau. Das Haus müsste es sein. Noch nie hiergewesen oder wie? Ich dachte, es geht nach Hause?“

„Jaja, aber ich wohn eigentlich in der Köpenicker in Kreuzberg…“

Schock! Was falsch verstanden? Nein. Definitiv nicht!

„Du hast mir aber Biesdorf gesagt!“

„Jaja, mir hat im Club vorher ’n Kumpel erzählt, dass es hier auch noch eine gibt. Da hab ich mir gedacht: Ich muss doch mal gucken, wie das hier aussieht…“

„Du hast WAS?“ (Ich glaube, ich hab wirklich gebrüllt…)

„Ja, ich wollt mir das nur mal ansehen. Hier ist ja echt nix los.“

„Das hätte ich dir vorher sagen können.“

„Egal, bringst mich in die Köpenicker nach Kreuzberg?“

„Ähm, ausgesprochen gerne, aber war es das wert?“

„Pff, als ob ich morgen noch weiss, wofür ich mein Geld ausgegeben hab…“

„Naja, Preis kannste ja einschätzen jetzt…“

„Kriegst meinen Notfall-Fuffi. Weck mich, wenn wir… *schnarch* „

Klar, Hausnummer und Weg kenne ich ja…

Das war die mit weitem Abstand absurdeste Fahrt, die ich jemals gemacht habe!

Und ich hätte auch gerne Mal das Geld so locker sitzen…

Pricing Fail

Nach Köpenick wollten sie, zum Schloßplatz. Ich hatte den Abend über schon die ganze Zeit Glück mit den Touren. Da fiel mir diese Fahrt vom Matrix aus kaum noch auf. Aufgefallen ist hingegen, dass die Besatzung meines Taxis trotz der Aussage einer Protagonistin (Boah, ich bin derbe voll“) durchaus in angenehmem Zustand war.

Sie quittierten Selbstverständlichkeiten wie Fensteröffnen auf Wunsch und die Wahl des Radiosenders mit Freude und fanden mich deswegen total toll. Schön, wenn man mit so wenig Einsatz so ein Ergebnis erzielen kann.

Was meint ihr, wie die Stimmung war, als ich bei Gefallen der Musik ein wenig lauter gemacht hab? 😀

Wir haben an der Sparkasse gehalten, ein sehr betrunkener junger Mann hat die bisher aufgelaufenen 22 € zuzüglich eines Euros Trinkgeld aus Geldbeutel und Bankautomat zusammengekratzt und eigentlich wäre es das gewesen. Dann kam der Auftritt eines Autofahrers, der ziemlich verzweifelt eine Adresse in Köpenick gesucht hat, und dem ich beim besten Willen erst einmal nicht weiterhelfen konnte, weil die verschachtelte Altstadt auf bei mir eine Aufgabe ist, die gefälligst mein Navi zu lösen hat – und er hatte selber eines. So aus dem Stand konnte ich dazu also gar nix sagen.

Letztlich ist dieser Auftritt nur interessant, weil er mich Zeit kostete. Zeit, die zwei meiner ehemaligen Fahrgäste gebraucht hatten, um festzustellen, dass kein Bus mehr fährt. Sie kamen wild diskutierend auf mich zu, das Geld war knapp und eigentlich wollten sie kein Taxi nehmen, aber weiter wussten sie auch nicht.

Was es nach Friedrichshagen, zum Bahnhof, kosten würde?

Puh, so wirklich gut bin ich da unten in Punkto Ortskunde noch nicht. Also hab ich mein Navi kurz angeschmissen, die 4,3 km hab ich dann wie folgt kommentiert:

„Also, ihr habt jetzt echt das Glück, dass das Taxameter noch nicht weggeschaltet hat. Also meinetwegen könnten wir die Fahrt noch fortsetzen. Dann sind die Kilometer günstiger, und die 3,20 € entfallen auch. So um die 6 € würde ich vermuten.“

„Sie meinen also, wenn wir jetzt noch einen Zehner haben, dann reicht das?“

„Locker.“

Gut, der Rest war schnell bequatscht und sie saßen nach ein paar Späßen mit ihrem betrunkenen Freund wieder im Auto. Ich bin losgefahren und sie haben mir angeboten, mich zu lotsen, wo sie genau hinwollen. Nun, und irgendwo hat sich dabei ein Kommunikationsfehler eingeschlichen, denn als wir den Bahnhof Friedrichshagen Richtung Rahnsdorf passierten, war klar, dass sie das andere -hagen gemeint hatten. Wilhelmshagen. Das sind ein paar km weiter.

Ehrlich gesagt, ich kann nicht mehr nachvollziehen, wer wann wie welchen Namen eingeworfen hatte. Und nun saßen wir im Auto, und die Uhr zeigte die bereits bezahlten 22 €, die vom Freund netterweise bereits angezahlten 2 € und 9 von den 10 € an, die die Mädels noch in der Tasche hatten. Mitten im Wald bei Rahnsdorf.

Ich hab dann gesagt, dass ich bei 34 € die Uhr ausmache, weil ich sie schlecht hier im Wald rauslassen kann.

Ich meine, natürlich hätte ich es können. War trotzdem besser so.

Zumal ich so oder so nicht mehr sagen könnte, ob nur ich mich verhört habe. Naja, letztlich hatte ich noch einen Zehner mehr Umsatz, die beiden sind heimgekommen, und der Weg ist dem Auto sicher leichter gefallen, als den beiden zu Fuß.

Naja, gute Tat für die Woche abgehakt…

Sinn für Humor

🙁

Ich hab Sinn für Humor, bin für alles offen, nicht krampfhaft korrekt und für eine kleine Überdosis Adrenalin auch immer zu haben. Aber würden die Leute da draussen bitte bitte mal nachdenken?

Ich bin die Revaler langsam entlanggegurkt. Dort lässt sich leicht mal ein Winker aufgabeln, ich bin als Taxifahrer in der Str. immer hochkonzentriert. Der Anzahl an Leuten unangemessen ist die unzureichende Beleuchtung, die beinahe alles jenseits der parkenden Fahrzeuge im Dunkeln lässt und die Tatsache, dass man eigentlich 50 fahren dürfte.

Meist zuckel ich also langsamer durch die Straße, und die meisten Kollegen tun es mir gleich. Wie so oft laufen die Leute kreuz und quer über die Straße, und das ist nichts, was mich ernsthaft stört. Ich hab in vielen Punkten ein dickes Fell, Fußgänger auf der Fahrbahn fallen da in den meisten Fällen nicht in die Kategorie „Anbrüllenswert“.

Als einer von vielen löste sich am linken Fahrbahnrand ein Passant aus der Nacht und betrat langsam die Straße. Er lief langsam, um mich vorbeizulassen, ich verringerte meine Geschwindigkeit ein wenig, um der Situation angepasst unterwegs zu sein. Alles bestens. Während ich an ihm vorbeirollte, hatte er bereits fast die halbe Fahrbahn überquert, eine Verkehrssituation wie jede andere, die irgendwie auf Zusammenarbeit beruht.

Und auf einmal fällt dem Töffel nichts besseres ein, als auf meine Tür zuzuspringen und mich mit einem lauten

„Buh!“

zu erschrecken.

Ich weiss nicht, woher ich meine Reflexe beim Fahren habe. In Momenten, in denen etwas unvorhergesehenes passiert ist, habe ich bisher immer zu 100% richtig reagiert. Bremste ein Vordermann je zu stark, gelang mir eine Vollbremsung. Als ein Fußgänger auf die Fahrbahn rannte, riss ich das Steuer rechtzeitig rum. Die Gefahr, in Fellbach bei einer vereisten Autobahnausfahrt von der Straße getragen zu werden, löste ich durch Loslassen der Bremse und vorsichtigem Einschlag, und selbst als ich nach einer fahrlässig provozierten Situation mit 4 Freunden an Bord die Kontrolle über das Auto meiner Mutter zu verlieren schien, hab ich an der Grenze des physikalisch Machbaren korrekt gegengelenkt und gebremst, um die Kiste auf die Spur zurückzukriegen und sie nicht um einen Laternenpfahl zu wickeln.
Und heute Nacht habe ich ebenso passend gar nichts gemacht. Glücklicherweise!

10 Meter vor mir liefen Leute über die Straße, rechts hatte ich etwa 30 cm Abstand zu den parkenden Fahrzeugen und links von mir stürzte ein Idiot auf mich zu. Hätte ich beschleunigt, hätte ich vielleicht die unbeteiligten Leute erwischt, wäre ich nach rechts ausgewichen, hätte ich einen Blechschaden im 4- bis 5-stelligen Bereich fabriziert. Und wenn ich eine Vollbremsung getätigt hätte, wäre mir ein Idiot gegens Auto gelaufen, der sich wahrscheinlich den Fuß verstaucht und mich dafür verklagt hätte. Was bin ich froh, halbwegs fit in der Birne zu sein.

Aber auf welchem Alter muss man geistig stehengeblieben sein, um vorbeifahrende Autofahrer zu erschrecken? Ich hab über eine Tonne Stahl unterm Hintern, die nur meiner Konzentration wegen harmloser ist als ein durchschnittlicher Amoklauf! Für irgendjemanden in der Umgebung kann sowas immer lebensgefährlich sein.

Mal abgesehen davon, dass der ein oder andere vielleicht mal aussteigt, und einem eines auf die Nuss gibt…