Offenheit…

…ist ja quasi eine Schlüsselqualifikation heutzutage.

„Gnädige Frau, bringen sie mich bitte zur Fickzentrale! Ich bin der Sash, dass da sind meine notgeilen Anhänger, und ich hab heute sowas von dicke Eier… bin ich froh, dass ich nachher noch ficken kann. Und da drüben, also das… das ist eine FICKGARANTIE! Da werd ich mir aber sowas von… Endlich!“

Würde ich so bei einer Taxifahrerin einsteigen? Natürlich nicht. Ist aber so ziemlich genau das, was ich mir heute anhören durfte. Nur vom anderen Ufer. Ehrlich gesagt, finde ich den Umgang der meisten Schwulen mit ihrer Sexualität beeindruckend. Im Positiven Sinn. Nicht nur (aber sicher auch), weil ich Homosexuellen in Anbetracht ihrer (immer noch andauernden) Unterdrückung in so einem Fall Mut zugestehen muss, sondern weil ich es grundsätzlich nicht schlimm finde, Sexualität als einen Teil des Lebens zu betrachten, und selbigen somit auch benennen zu können. Folglich habe ich auch kein Problem mit deutlichen Ansagen. Noch dazu war in diesem Fall ja CSD, also kam die Feierlaune natürlich auch noch dazu. Aber wirklich an der Grenze war dann die Aussage:

(Minderjährige bitte erblinden!)

„Ich hab mir den Aaaaafter auch schon eingecremt. Das ist so eine lange wirkende Creme, weisst du?“

Meine Antwort hat wenigstens seine Mitreisenden erheitert, ich habe damit nur klargestellt, dass er das für mich nicht hätte tun müssen:

„Das ist ja nicht schlecht, sonst wäre das ja völlig umsonst gewesen…“

Aber da man solche Aussagen schnell mal in den falschen Hals bekommen kann: Ich möchte hier echt mal eine Lanze für meine schwule Kundschaft brechen: Ich hab zwar schon viele Dinge von ihnen erfahren, die mich als Hetero nur begrenzt interessieren, aber ich habe mich niemals bedrängt gefühlt. Mal abgesehen davon, dass ich auch schon eine Menge übles Geschwätz von sexuell anders orientierten Menschen abbekommen habe. Die Schwulen waren bisher immer (und da zählt auch der Meister von heute – abgesehen von seiner Wortwahl – dazu) angenehme Kunden, die sich zu benehmen wussten. Noch dazu waren es meist lustige und interessante Leute. Also versteht das hier nicht als Klischeegelaber über Schwule.

Kurioses Bezahlverhalten Nr. x+1

Ich hatte Glück, und hab nach kurzer Zeit vom Matrix aus eine 13-14€-Tour bekommen. Naja, so in etwa. Dummerweise war auf dem besten Wege eine nicht ganz unbedeutende Straße gesperrt, sodass ich mal eben locker zwei Kilometer Umweg fahren musste. Die Kunden waren zwei Herrschaften, vielleicht 10 Jahre älter als ich. Angetrunken aber locker drauf, und nicht sparsam mit Lob für mich.

Während ich notgedrungen den Umweg fuhr, unterhielten sie sich ganz konzentriert über die Gestaltung dieses, sowie nächsten Abends. Das beinhaltete zum großen Teil verschiedene Formen der Entleerung ihrer Testikel, aber ich hab jetzt nicht das große Problem mit solchen Gesprächen, so lange sie nicht irgendwie widerlich werden oder gar persönlich.

Am Ziel angekommen zeigte das Taxameter nunmehr 16,70 € an, und ich rechnete eigentlich mit nichts bösem, weil die beiden den Umweg selbst (in Übereinstimmung mit der Prophezeihung dem Navi) vorgeschlagen haben, und dank gelegentlichem Aufblicken aus ihren feuchten Träumen auch über die aktuelle Preisentwicklung stets informiert waren.

Sie lotsten mich bis direkt vors Haus und stiegen aus. Der eine bewegte sich gleich Richtung Eingang, und der andere drückte mir zwei Scheine in die Hand und meinte völlig ohne Gefühlsregung:

„Da haste 15, mehr haben wir leider nicht dabei.“

Wie bitte?

Ich bin echt aus allen Wolken gefallen. Ich bin zwar kein Festpreis-Anbieter, aber ich hätte in Anbetracht des Umwegs (und der Tatsache, dass es einen dritten, etwas kürzeren Weg – den man allerdings schon zu Beginn hätte fahren müssen, sprich: Ich hätte die Sperrung abgespeichert haben müssen) ja vorneweg mit mir reden lassen bei knapper Kasse – aber so? Nee!

„Das hättet ihr aber früher sagen können!“

„Ja, aber wegen dem Umweg und mehr haben wir echt nicht. Ist ja auch ganz nett von dir, dass du uns mitgenommen hast. Ist doch nicht viel Geld…“

„Mag ja sein, aber die 1,70 muss ICH bei meinem Chef abliefern!“

Ich dachte, ich hör nicht richtig. Aber die Sache wandte sich noch zum Guten: Der andere der beiden kam zurück und meinte:

„Was schulden wir dir denn noch?“

Sein Kollege meint vorlaut:

„Lass! Des is alles geklärt!“

Ich dazu:

„Äh nein, nicht wirklich!“

Er kramte Münzen hervor und meinte:

„Was fehlt? 1,70? Dann nimm den Zweier hier. Und den nimmste als Trinkgeld…“

Sprach’s, und ließ zwei 2€-Münzen in meine Hand kullern. Na also, war doch gar nicht so schwer…

Warum hab ich…

…warum habe ich ihn nicht einfach stehen lassen? Wahrscheinlich weil er kaum mehr stehen konnte. Nein, das wird keine Kotzgeschichte, aber dafür etwas (hoffentlich nicht!!!) sehr typisches…

Er fällt also ins Auto und meint:

„Vollgas!“

„Wohin denn?“

„Einfach Vollgas!“

Na das kann ja heiter werden…

„Also geradeaus?“

„Jjjja!? Hiierlng.“

Um es kurz zu machen: Die Kommunikation fiel schwer. Die Strecke, die er mit mir zu fahren gedachte, war allerdings nur rund 1,5 km lang und beinhaltete genau einen Richtungswechsel. Da war sogar das erträglich. Es ist zwar gar nicht so leicht „glich daaa vorne hinten bei den dem vor dem Ampel nee dahinten weissu weiter vorne neee stopp!“ zu halten, aber irgendwie habe ich auch das hinbekommen.

„Das macht dann 5.30 €.“

Verständnisloser Blick.

„Ich bekomme 5.30 € von ihnen.“

Verständnisloser Gesichtsausdruck, Versuch einer Kommunikation:

„Hmm!?“

In einem aberwitzigen Zeitlupentempo hat er dann seinen Rucksack geöffnet und ist in autistische Wühlversuche versunken. Ich bin ruhig geblieben, und habe meine Geldgier verflucht. Dann fischte er etwas aus seinem Geldbeutel und drückte mir Geld in die Hand: 5 Cent.

„Hm, das sind jetzt 5 Cent… da fehlen aber noch 5,25 €“, hab ich so diplomatisch wie möglich gesagt.

Er versteifte sich wieder in seinen Suchmodus und kramte weitere Münzen hervor. Damit kamen wir auf einen Gesamtbetrag von 2,03 €. Ich wies ihn mit meiner Engelsgeduld darauf hin, dass immer noch mindestens 3 € fehlen würden. Er drückte mir seinen Rucksack in die Hand mit einem Blick, den ich aus meiner Arbeit mit geistig behinderten Menschen kenne. Und das meine ich ernst, und keineswegs herabwürdigend – obwohl mir bewusst ist, dass seine geistige Umnachtung selbstverschuldet war. Er grinste mich auf eine debil-zufriedene Art an, und stieg aus, um zu pinkeln.

Ich hab seinen Rucksack kurz durchgeschaut, und ihn gleich gefragt, ob sein Geldbeutel etwa da drin sei.

„Hmmm!?“

OK, also Rucksack durchwühlt… aber nix gefunden. Super!

„Also, was machen wir jetzt? Hier fehlen noch mindestens drei Euro!“

„Hmm… l.. ll.. lllogger bleim!“

„Keine Sorge. Ich bin ziemlich locker. Aber ich mach das hier nicht nur aus Spaß an der Freude, sondern ich verdiene so mein Geld. Und wenn das Endergebnis dann „Ich kann leider kein Geld finden“ ist, dann ist das eben nicht so sonderlich erheiternd!“

„Lllogger… du weissss janich, ob der anne.. re nich nur Schbasss macht!“

„Und, war das ein Spaß?“

„Weissich nich.“

Nach dieser erschöpfenden Auskunft starrte er aus dem Fenster und schien auf eine Antwort von da draussen zu warten. Ich holte ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und meinte:

„Sie sollten das aber wissen! Wir sind hier nämlich die einzigen beiden, und ich weiss es nicht!“

„Hmm?“

Der zu dieser Aussage zugehörige Blick war dermaßen dämlich, dass ich mir wirklich überlegt habe, ob ich ihn nicht fotografieren sollte. Stattdessen habe ich gefragt:

„Und? Was nun?“

„Kmmml mt rüüübr!“

„Haben sie noch Geld in der Wohnung?“

„Geld???“

„Ja, Geld! Sie schulden mir noch 5,30 €!“

Bevor mich jemand fragt: Ich hab permanent darüber nachgedacht, ob ich nicht einfach mit den 2,03 € abzischen sollte. Ob es das wirklich wert wäre. Aber ich hab mir gedacht, dass ich ihn so nicht davonkommen lasse. Ich bin also mit ihm rüber gekommen und dieses Rüber war glücklicherweise eine Sparkasse. Tasche nach der Karte durchsuchen überspringe ich mal ganz dezent und bleibe gleich bei der PIN hängen. Er hat meine Warnung, dass PIN’s im Allgemeinen und bei der Berliner Sparkasse im Besonderen keine 7 Ziffern haben, natürlich ignorieren müssen. Also habe ich gefragt, ob ich behilflich sein könnte.

Seinem Blick nach war immerhin sein Verständnis von Datenschutz noch recht ausgeprägt.

Naja, er hat Geld bekommen und war trotz allgemeiner Debilität auch gewillt, zu zahlen.

„Was krissn vmir?“

„Mindestens 5,30 €, obwohl ich eingedenk der Tatsache, dass wir hier jetzt seit einer Viertelstunde rummachen, gerne mehr verlangen würde…“

„Wieviel?“

„5,30 €!!!“

Er streckt mir einen Zehner hin und meint:

„Machse fünff!“

„Nein! Ich werde nicht fünf machen! Sie schulden mir 5,30 €!“

…und für den seelischen Schaden locker nen Zehner obenauf!

„Dann machse vier!“

Ich hab das als „Gib mir 4 € zurück“ interpretiert und war heilfroh, als ich den Kerl los war. Besoffen ist ja schön und gut – ich nehm auch meistens nur ein Taxi, wenn ich schon einen gelötet hab – aber ein Mindestmaß an Koordinationsfähigkeit und Einschätzungsvermögen sollte doch eigentlich schon dazugehören…

Nach dem Feiertag: Niederschlag!

Es ist nicht einmal so, dass mich der Niederschlag, der in den Niederungen des Niederbarnim niederschlägt, niederschlägt. Sorry, war wohl so eine Art grammatikalischer Schlaganfall.

Der Regen ist nervig, aber meine Laune ist wirklich nicht deswegen mies. Klar, schlechtes Wetter sorgt immer auch für stressigere Arbeitsumstände. Aber dafür auch für mehr Kunden. Nein, der Grund ist ein ganz anderer: Die Kunden heute. Also nicht alle! Nicht einmal die Mehrzahl. Aber immerhin gleich zwei Truppen, die mich im Nachhinein so ankotzen, das glaubt ihr gar nicht.

Das erste waren drei Faschos. Ich kann gar nicht bestreiten, dass sie mir gegenüber nett waren. Warum auch nicht, ich sehe ja ordentlich deutsch aus. Von denen gibt es eigentlich nix besonderes zu berichten – mich hat einfach die Anwesenheit dieser Deppen genervt, und ich suche gerade noch nach einem Projekt, dem ich meine Nazi-Einnahmen spenden kann. Ich hab mir überlegt, dass das wohl eine einfache und vielleicht doch schöne Option ist. Klar, ich könnte solche Fahrten aus irgendwelchen fadenscheinigen Gründen heraus ablehnen. Das darf ich aber nicht, bringt mir also nicht nur Ärger mit den Töffeln selbst, sondern kann richtig ins Geld gehen. Warum also nicht das Geld unauffällig in eine Ecke umleiten, wo es mir lieber ist? Könnt ja in den Kommentaren schreiben, was ihr davon haltet, mit den Einnahmen irgendwelche sozialen Projekte oder so zu sponsoren.

Gut, direkt darauf kam dann aber die zweite Truppe – und bei der bin ich mir recht sicher, dass wir noch voneinander hören werden. War eine Gruppe von 4 Jugendlichen – von denen sich einer offenbar beim Skateboarden das Bein verletzt hat. Er hat den Rest überredet, ein Taxi zu nehmen – und ich stand gerade da. Sie haben gefragt, ob es zur Muskauer mit 7 € reicht, was ich bejahen konnte. Ob wir damit auch bis zum Kotti weiter könnten, fragten sie dann. Ich hab gesagt, dass es so in etwa passen müsste, und daraufhin sind sie gut gelaunt eingestiegen und haben sich bedankt, endlich mal einen netten Taxifahrer zu haben. Soweit kann ich das Standard nennen.

Einer der Kerle hat sich gleich mal unbeliebt gemacht, in dem er drei ernste Aufforderungen gebraucht hat, bis er seine Zigarette wieder ausgemacht hat. Ach ja, wir hatten uns in der Minute davor darüber unterhalten, dass Rauchen leider nicht erlaubt sei, aber man das die paar Meter ja auch gut hinkriegt. In der Muskauer ist der mit dem kaputten Bein dann ausgestiegen. Die anderen wollten nach wie vor zum Kotti, hatten aber plötzlich nur noch 5,40 € – aber das könne ich ja wohl auch machen. Das Ganze ging ein bisschen hin und her, und ich hab klargestellt, dass ich das nicht machen werde. Wir sind uns mit 7 € einig gewesen, das Rückgeld hätten sie selbstverständlich wiederbekommen, wenn es nur 6,60 € geworden wären – also warum das jetzt?

Der Eine fing dann gleich an mit „Ja, er könne das ja verstehen, er würde das als Taxifahrer auch nicht machen, aber eine Ausnahme sei doch sicher drin…

Ich hab dann gesagt, dass sie, wenn sie nur 5,40 € haben, gerne hier aussteigen können – es standen immerhin schon 5,60 € auf der Uhr – dass ich aber keine Lust darauf hätte, dass ich dann am Kotti nur noch 4,50 € kriege, wenn sie sich schon nicht an Abmachungen halten.

Genervt hat sie meine Hartnäckigkeit durchaus, und so war ich etwas erstaunt, als mir der eine von der Rückbank die 5,40 € in die Hand drückte, und meinte: „Naja, was soll’s? Du warst korrekt!“ Daraufhin hat der Rest der Bande das Auto auch verlassen. Nervige Tour, kommt vor, alles halb so wild. Dachte ich.

Wieder am Ostbahnhof habe ich dann – just als ich neue Kundschaft bekam – festgestellt, warum die Jungs so zufrieden ausgestiegen sind. Meine Kamera und mein Handy waren weg! Ich bin die Tour mit den Kunden noch gefahren und hab ihnen mein Problem erläutert – woraufhin sie mir kulanterweise (ich bin ihnen aber auch im Preis entgegengekommen) ihr Handy geliehen haben, um die Cops zu erreichen.

So ist mir ein guter Teil einer lukrativen Wochenendschicht dadurch flöten gegangen, dass ich mich mit der Polizei unterhalten habe, und nach Hause gefahren bin, um Handy und Karte zu sperren, sowie das weitere Vorgehen mit Ozie zu belabern.

Ich hab mir in den letzten 10 Stunden wirklich viele Gedanken zum Thema gemacht – weil es mich selbst ein wenig ärgert, wie sehr es mich ärgert. Ganz im Ernst: Wären das sympathischere Zeitgenossen gewesen, und es wäre nur mein Handy weg, dann hätte ich sicher den Teufel getan, und wegen so einer Lappalie die Cops auf den Plan gerufen. Aber das mit der Kamera nervt mich ungemein mehr. Nicht nur des Preises wegen – die ist ja noch nicht einmal abbezahlt – sondern weil ich sie inzwischen einfach ständig nutze und es einfach nicht einsehe, dass ausgerechnet ein paar Intelligenzbremsen wie die vier Jungs sich jetzt wunder weiss wie clever vorkommen. Wer ist denn bitte so dämlich, und beklaut einen Menschen, der gerade seinen Kumpel direkt vor die Haustüre gebracht hat? Ich weiss, wo er wohnt, wie er aussieht – wie schwer soll es schon werden, den Jungs Ärger zu machen?

Klar, ob ich auch nur eines von den Geräten wiedersehe, weiss ich nicht. Ich gehe eher nicht davon aus. Aber ob sich das gelohnt hat?

Naja, ich bin mal gespannt, wie es weitergeht. Ansonsten haben auch noch ein paar Kleinigkeiten nicht funktioniert, und die schöne Schicht war letztlich eben auch nur mittelprächtig dank des Zeitverlustes.

Ja, an dieser Stelle würde ich gerne ein paar Fotos des Einkaufs zeigen, aber das hat sich vorerst wohl erledigt…

Vielen Dank… für die Kunden

…vielen Dank, wie lieb von Dir *sing*

Deppen, die sich als Taxifahrer tarnen, sind ja leider oft zu finden. Ist ja nicht das erste Mal, dass ich es anspreche. Heute habe ich einen guten Teil meiner Einnahmen ausgerechnet einem Kollegen zu verdanken, der mit so abenteuerlicher Penetranz nach Umsatzeinbußen geschrieen hat, dass er sie prompt bekam.

Im Laufe einer Dreiviertelstunde habe ich mich durch die Warteschlange am Ostbahnhof gekämpft. Da stand ich nun, als Zweiter. Den Fahrer vor mir beschäftigt ein Bahn-Zugbegleiter. Das sind häufige Fahrgäste, und wie neulich erwähnt nicht bei allen gern gesehen, weil sie immer mit Coupons von der Bahn bezahlen. Ich habe dann auf jeden Fall sehen können, wie der Fahrer die Coupons argwöhnisch begutachtet, sich über den (zugegeben nicht ganz perfekten) Stempel beschwert, und dann die Coupons an sich nimmt. DIE CouponS. Mehrzahl. Der Fahrgast moniert, er bräuchte den zweiten aber noch für die Rückfahrt, woraufhin der Fahrer irgendwas im Sinne von „Stell dich nicht so an, du!“ sagt. Protestierenderweise hat sich der Fahrgast beide Gutscheine zurückerobert und hat dann sein Gepäck aus dem Kofferraum geholt. Der Fahrer meinte noch zu ihm: „Bist aber auch ne ziemliche Zimtzicke!“

War eine hervorragende 15€-Tour mit einem übrigens sehr netten und gar nicht anstrengenden Fahrgast für mich. Aber damit nicht genug! Während der Fahrt hat er mich gleich gefragt, wie es mit der Rückfahrt aussehen würde. Er reise um 4 Uhr bereits wieder ab. Also habe ich mit ihm noch die Rückfahrt fest vereinbart auf 4.20 Uhr vom Hotel wieder zurück zum Bahnhof. Ist zwar um die Zeit noch genug los, aber so eine Fahrt sicher zu haben, dazu noch mit einem Zielpunkt im Radius von 800m ums Berghain ist super.

Das war schon klasse. Richtig gut war es dann aber, als ich ihn am Hotel abgesetzt habe, und mir gleich dort noch 3 Leute ins Auto sprangen, die zur Kulturbrauerei wollten. Das ist sogar noch ein Stückchen weiter. Insgesamt habe ich also fast 50 € Umsatz gemacht, über den sich mein unfreundlicher Kollege jetzt nicht freuen kann. Insbesondere da das alles zeitlich gut gepasst hat, glaube ich nicht, dass er in der selben Zeit ähnlichen Umsatz gemacht hat.

Aber ohne furioses Finale wäre das ja immer noch nichts. Ich habe dem Bahn-Menschen also versucht, zu beweisen, dass es auch vernünftige Taxifahrer in der Hauptstadt gibt. Dann hole ich ihn morgens am Hotel ab. Vor mir stehen noch zwei Kollegen. Mein Fahrgast kommt raus, begrüßt mich und will einsteigen. Da kommt dann gleich der erste in der Reihe an und will ihn zwingen, bei ihm einzusteigen. Ich erkläre kurz, dass ich vorbestellt bin, woraufhin er nicht etwa klein bei gibt, sondern meint: „Ich auch!“

„Schön für dich“, denke ich mir – aber nicht von diesem Kunden. Der Kollege wartete sogar auf jemanden vom selben Zug, aber das ändert ja nichts daran, dass ich das mit meinem Kunden persönlich ausgemacht habe, dass wir uns hier treffen. So richtig akzeptieren wollte er nicht einmal, dass es – zumindest von meinem Fahrgast – gar keine Funkvorbestellung gab, auf die er sich berufen hat.

Wir sind dann einfach eingestiegen und losgefahren.

Würde mich nicht einmal wundern, wenn ich jetzt noch irgendwo angeschwärzt werden würde, weil ich dem Kollegen eine Fahrt geklaut habe… aber sei es drum. Ich will ja eigentlich gar nicht so genau wissen, wie solche Leute es schaffen, diesen Beruf zum Stress zu machen…

Russen-Disco!

Steigen am Berghain drei Leute ein. Schon von der Besetzung her hätte mir klar sein sollen, dass das nicht gerade eine normale Fahrt wird. Die Protagonisten neben mir:

Dame 1, im Folgenden D1 genannt: Ende 20, blond, unauffällig

Dame 2, im Folgenden D2 genannt: Mitte 30, etwas verlebtes Gesicht, auffallend alkoholisiert, eher freizügig bekleidet

Herr 3, im Folgenden H3 genannt: Mindestens 50, ebenso alkoholisiert und Anzugträger

Gut gelaunt sind sie eingestiegen und haben als Fahrtziel „die Russen-Disco“ genannt. Sagte mir erstmal nichts. Auch als sie dann sagten, sie meinten das „CCCP“ am Rosenthaler Platz, wusste ich es nicht so recht, aber wie ich zum Rosenthaler komme, weiss ich ja. Nach ungefähr dreieinhalb Sekunden habe ich mich davon überzeugen können, dass die Manieren der drei nicht… sagen wir mal: der Norm entsprechen.

„Schmeiß mal die Scheiß-Sitzheizung an!“, tönte H3.

„Heh, des heisst „Muschi-Heizung“!“, korrigierte D2 ihn brüllend.

Sie fing dann auch gleich an zu reden:

„Geil, du hast’n CD-Player! Kannste des mal reinmachen!? Jetzt gibt’s hier mal echt geile Mucke! Mach mal lauter. Noch lauter. Nee, noch’n bisschen. Noch mehr. Dreh doch mal voll auf…“

Und ich hab tatsächlich nach jeder Bitte lauter gemacht. Hab ja nichts gegen Musik. Nicht mal gegen Elektro. Wie ich irgendwo schon einmal erwähnte: Für fünf Minuten kann ich mir alles antun!

Nun aber ging es los: Die ganze Fahrt über diskutierten sie nur darüber, wo sie nicht stattdessen hingehen könnten. Das Fahrtziel wurde mehrmals verschoben, aber immer wieder gleich korrigiert. Dank der Musik funktionierte das natürlich auch nur brüllenderweise. Irgendwann sprang dann die CD, wofür angeblich auch nur der Player was konnte, und selbst nach der Entnahme der Digitalscheibe und deren Begutachtung war klar, dass die natürlich vorher nicht so verkratzt war. Immerhin forderte niemand Schadensersatz, und wir stiegen um auf Radio in Lautstärke 10,5 (von 10). Der verstörendste Moment war dann zweifelsohne der, als es darum ging, ob sie jetzt in das Café oder die Disco wollen, und H3 sich lautstark für die Disco aussprach.

Daraufhin sprach D1 nämlich relativ leise jene Worte, die kein Mann jemals nicht verstanden hat – selbst wenn es sich um ein Flüstergespräch im Innern einer Flugzeugturbine bei Höchstlast handelt:

„Schade, ich wollte heute eigentlich noch ficken…“

Ob ihr’s glaubt oder nicht: Sowas ist nicht einmal sonderlich ungewöhnlich im Taxi. Verstörend wurde es in dem Moment, als ich daraufhin in den Rückspiegel gesehen habe, und in zwei schmachtende Augen blickte, die MICH fixierten. Warum passiert einem sowas eigentlich nur, wenn man gerade eine Beziehung führt, die man für nichts aufgeben würde? Hätte die nicht 4 Jahre vorher kommen können?

Ich hab dann total männlich darauf reagiert, und für den Rest der Fahrt nicht mehr in den Rückspiegel geschaut…

Sie sind dann schließlich an der „Russen-Disco“ ausgestiegen, und ich bekam immerhin über zwei Euro Trinkgeld. Aber von ihm – nicht, dass ihr jetzt denkt…

14,40€/km – Tarifwahnsinn in Berlin!

Boah, ist das eine Bild-mäßige Überschrift! *stolzbin*

Nachdem ich gerade die fünfte Taxi-Dialog-Folge online gestellt habe, dachte ich mir, es könne wahrscheinlich niemand verstehen, weswegen mich sowas nicht aufregt. Naja, es war das Ende der Fahrt – und wie die gelaufen ist, das könnt ihr hier nachlesen:

Es war eine kleine Dreiergruppe an Fahrgästen am Ostbahnhof, wahrscheinlich Polen. Der Sprache nach irgendwas östliches, so gut kenne ich mich da nicht aus. Naja, sie waren also zu einem Techno-Event da. Westbam ist unter anderem am Start gewesen – der sagt ja sogar mir was. Nur wo? Ganz in der Nähe: Kopenickenstraße – also Köpenicker Str. Und dort in einem Club. Na klasse! Ich hab die Jungs und Mädels aufgeklärt, dass ich neu bin, nicht alles kenne, mir nur zwei Clubs einfallen, ich aber leider nicht wisse, ob einer davon der richtige ist: Tresor und Spindler&Klatt. Gut gelaunt sind sie eingestiegen, und wollten, dass ich sie zum Tresor fahre. Dort angekommen, mit 5,20 € oder so auf der Uhr, stellten sie natürlich fest, dass es der falsche Club ist.

Nummer 112 sollte es sein! Äh, ok! Mein Navi kapiert die Hausnummern an der Köpenicker nicht, es springt immer auf 143. Aber es soll hinter uns liegen. Na klasse, schließlich ist die Köpenicker seit geraumer Zeit just vor dem Tresor in diese Richtung gesperrt. Dann kam nochmal ein klärendes Gespräch mit einem Freund, der offenbar im Club war, und die Hausnummer auf 126 erhöhte. Naja. Meine (mit Tiefenentspannung gesegneten) Fahrgäste wollten erstmal das Spindler&Klatt sehen, ehe sie ernstlich auf den Rat des Freundes hörten. Warum auch immer! Also bin ich mords den Umweg zurück gefahren, quasi am Ostbahnhof vorbei, am Maria, um dann vor einem unbeleuchteten Spindler&Klatt zu stehen. Prima. Waren nun schon um die 10 € auf der Uhr, ich hab das Taxameter bei der nun folgenden Warte- und Überlegungszeit einfach mal zwischenzeitlich gestoppt.

Irgendwann war dann klar: Es geht weiter, wir suchen die 112 – oder 126, wie auch immer! Nächste Straße beim Maria sollte es sein… Köpenicker halt, soweit waren wir vor 20 Minuten schon. Immerhin durfte ich inzwischen auch den vermeintlichen Namen des Clubs wissen: Reifen! Oder Rai-Fen. Oder Rahi-Fehn. Wie auch immer.

Auf dem Weg zum Ziel beschlossen sie, noch einmal Rücksprache zu halten mit irgendwelchen Freunden, und so kam es, dass zwei von ihnen an einer Telefonzelle vor der Köpenicker Str. 127 – 129 ausstiegen, um zu telefonieren. Ca. 1 € später haben war dann endgültig klar, dass es Nummer 126 ist, und somit waren wir eigentlich ja genau da.

Der Club heisst übrigens „relais“, ist saumäßig unauffällig bei Nacht, und höchstens 1 km vom Ostbahnhof entfernt. Die Uhr zeigte 14,40 €. „15! Ist ok!“ haben sie gesagt, bevor das mit der Zeitung kam. Kein Stress, nicht einmal eine verzogene Miene. Immer nur Lachen und freundliches Kopfschütteln ob der obskuren Situation. So sollte es immer sein…

Aber mal im Ernst: Ich bin zwar der Überzeugung, dass man wenigstens wissen sollte, wo man hin will, wenn man ein Taxi nimmt – aber in dem Fall hätte ich wegen Eigenbeteiligung durchaus mit mir reden lassen, was den Preis angeht. Keine Frage! Aber irgendwie waren sie so zufrieden, als sie ausgestiegen sind, da wollte ich ihnen nun wirklich nicht noch dumm kommen 😉

PS: Weswegen das hier auch unter „Nicht so schönes“ eingeordnet ist: Mich stressen solche Fahrten! Wahnsinnig! Nicht, dass ich den Kunden was übelnehmen würde, es ist so ein unbestimmter Stress, nicht die Erwartungen erfüllen zu können, nicht helfen zu können. Vielleicht etwas übertrieben, aber bei mir sehr ausgeprägt…