Fucking Police!

Nachdem wir trotz seines ziemlichen Slangs geklärt hatten, in welches Hotel er genau müsse und dass er nur einen Zehner dabei hat, den Rest aber vor Ort begleichen würde, ging’s auch schon los:

„Fucking Shit, man! Fucking Police! They fucked me!“

„Calm down! What happened?“

„They, they just took everything: my phone, my wallet!“

„OK!? But why?“

„Man, they handcuffed me and took everything. EVERYTHING! Understand?“

„I understood. But what did you do?“

„I just walked down the tracks …“

„The tracks? So you were the reason, why they stopped the train traffic on the main line in Berlin?“

„Yes, I am. But hey, I was drunk, DRUNK! Understand?“

Geht so. 0.o

Und seinem Kumpel vor’m Hotel ging’s nicht arg viel besser. Der war völlig sprachlos und bat mich vielmals um Entschuldigung, während er die Rechnung für den verärgerten Fahrgast beglich. Aber was willste dazu auch sagen? Nehme an, das Nachspiel für ihn wird nicht lustig.

Voll geile Gründe

„Sag mal, kannste vielleicht ’n bisschen billiger machen? Eigentlich sollte das Geld noch fürs Sonnenstudio reichen.“

Ich bin inzwischen ja wirklich schmerzbefreit bei Ausreden, warum ich heute mal wieder weniger Geld verdienen soll – aber bei der guten Frau hab ich mich wirklich gefragt, ob sie gelegentlich noch mitkriegt, was sie so redet.

Bevor mich jemand schilt, weil ich Sonnenstudios so viel unwichtiger nehme als die Bezahlung meiner eigenen Arbeitszeit: Es ließ sich ein einfacher Kompromiss finden – der sich da Kurzstrecke nannte. Aber ich war selten so kurz davor, diesen Tarif versehentlich zu vergessen, das ist mal sicher …

Begrenzte Gehirnkapazitäten

Man sollte vermuten, zumindest die Grundrechenarten im einstelligen Zahlenbereich sollten bei allen Leuten, die man nachts zum Trinken auf die Straße lässt, funktionieren. Aber ja, dem ist wohl nicht so.

Ich hatte die Truppe aus drei Mädels schon aus hundert Meter Entfernung auf die Straße rennen sehen. Dabei gedacht hab ich mir eigentlich nur „Fuck!“, denn ich war bereits etliche Umwege entlanggegurkt, in der Hoffnung, Winker zu bekommen – und nun hielten sie den ebenfalls freien Kollegen vor mir an, der sich eine Kreuzung vor mir auf die Straße geschlängelt hatte. Wie sich das nachts auf breiten Straßen gehört, hat der Kollege auf der mittleren von drei Spuren gehalten und die Damen schwirrten um ihn herum. Ohne einzusteigen allerdings. Also hab ich mich mal vorsichtig genähert.

Der Kollege gab alsbald Gas und fuhr davon, daraufhin kamen sie zu mir. Was wohl sollte das werden? Fernfahrt, mit Hund, betrunkener Kumpel, Kartenzahlung, Schwarztour?

„Sagen Sie mal: Können wir bei Ihnen auch zu acht rein?“

„Äh … nein?“

„Bitte, ist auch nur ganz kurz …“

„Nein. Ende. Bis zu sechs Leute kann ich mitnehmen. Und das ist schon eng. Außerdem isses nicht erlaubt, die Verantwortung dafür liegt bei mir und ich mach das nicht!“

„Aber wir machen das voll oft, das geht schon. Was sollen wir denn sonst machen? Die Bahn kommt nicht und es ist voll wichtig, weil mein Kumpel, der hat Geburtstag und …“

„Dann müsst Ihr halt in den sauren Apfel beißen, einen Fünfer mehr ausgeben und zwei Taxis nehmen.“

Ich hatte an der Stelle mit viel gerechnet. Dass sie wie alle Gruppen aus mehr als sechs Leuten, die in irgendeinem angesagten Club Cocktails für 12,50 € schlürfen, natürlich keine 20 € fürs Taxi eingeplant haben (war eine 10€-Tour) oder dass sie keine 4+4-Konstellation finden, bei der nicht zwei sich erschlagen und zwei andere versehentlich miteinander schlafen. Aber weit gefehlt:

„Da … daran hab ich noch gar nicht gedacht.“

WTF?

Am Ende sind dann aber auch nicht vier der insgesamt acht Leute mit mir mitgefahren, weil … keine Ahnung. Aber ich war auf jeden Fall schuld an der Misere, weil ich diese tolle Idee ja nicht gebracht hatte, als noch das andere Taxi („Hier kommen ja niiiieee Taxis vorbei!“) da war. Also bevor sie mich gefragt hatten. Schon klar. *facepalm*

Vorspiel

Ich war mir nur so mittelsicher, ob es ok wäre, jetzt Feierabend zu machen. Ich hatte meinen Wunschumsatz zwar zusammen, hatte mir aber eine extra lange Schicht verordnet, um auch mal drüber rauszukommen. Zumal die Tage davor nur so mittel waren. Aber jetzt war ich schon fast daheim und eigentlich sind neuneinhalb Stunden dann ja doch auch wirklich genug, selbst mit kurzer Pause …

Und dann, 300 Meter vor der Haustüre und 50 Meter vor dem Abschalten der Fackel (die Differenz ist dem Sicherheitsabstand zu meinem Stammdöner und dessen Kundschaft geschuldet), winkte es doch nochmal. Ein paar aufgeregte junge Kerle, vermutlich Vietnamesen, wuselten um mein Auto und freuten sich sichtbar, so kurz vor Sonnenaufgang ein Taxi draußen in Marzahn gefunden zu haben. Also dann … machen wir mal eben schnell noch einen Zehner!

Und dann guckte mich der Typ auf dem Beifahrersitz über beide Ohren grinsend an und sagt:

„Wi gehe Ficki-Ficki mache!“

Obwohl es wahrscheinlich mit Abstand die schlimmsten Worte für diese zweifelsohne begeisternde Freizeitbeschäftigung waren, war der Kerl schon wieder niedlich. Und mit der deutschen Sprache sah es ohnehin nur eher so mittel aus. Denn als ich sie gefragt habe, wo es hingehen soll, bekam ich aus allen Mündern Antworten, die scheinbar dasselbe sagen sollten, mir aber vom Berliner Dom bis zur Stromstraße die volle Freiheit gelassen hätten, zu welcher falschen Adresse ich sie bringen hätte können.

Mit etwas Händen und Füßen und „Ubannostomsetrass“ war dann aber nur wenige Minuten nach Einstieg geklärt, dass es zum U-Bahnhof Turmstraße gehen sollte. Ich kenne da in der Umgebung kein Bordell, aber wo das da genau liegen sollte, dazu haben sie ohnehin schwer verständliche oder offensichtlich gegensätzliche Angaben gemacht. Also zum U-Bahnhof, im Zweifelsfall wollte ich es mir ab da zeigen lassen.

Schon von Zeit und Richtung her hat mir die Tour nicht so sonderlich gut gepasst, aber ich hab mich mit dem Gedanken an die ca. 30 € Umsatz wachgehalten und gute Miene zum bösen Spiel gemacht. Denn traurigerweise war eine nette Unterhaltung ja ebenfalls nur schwer möglich – wobei sich wenigstens der Komiker neben mir zunächst noch darin versucht hat, mir zu erklären, was „Ficki-Ficki“ nun genau bedeutet. Der direkt hinter mir war allerdings wirklich nervig. Er konnte als einziger eigentlich recht gut Englisch, hat das aber nur benutzt, um zu meckern, dass er eigentlich zum Westhafen wolle, wie lange das denn bitte dauern würde und wie schlimm es sei, dass ich das Bordell nicht kennen würde. Ich hab’s ignoriert und mich lieber auf die Strecke konzentriert.

Als wir am Ende dann wirklich am U-Bahnhof stoppten und sie mir nicht näher sagen wollten, wo dort denn jetzt genau der Laden liegen solle, bezahlte einer von ihnen mit 30 Cent Trinkgeld und der Typ, der hinter mir saß, hat sich zu guter Letzt wirklich noch genötigt gefühlt, sich vor mir aufzubauen (es ist eigentlich immer eher drollig, wenn das 1,70m-Typen tun …) und mich mit scharfer Zunge zu fragen, wie es denn bitte sein könne, dass ich eigentlich keine Ahnung hätte, welchen Laden sie meinen würden. Ich hab’s sportlich genommen und ihm geantwortet:

„Well, you recognized it the most, how long the tour took – so Berlin seems to be a big city, where it’s difficult to know everything. And in the end: Maybe I would have known a handful of better places. Think about that …“

So wutschnaubend hinterlasse ich Kundschaft ja wirklich nur, wenn sie’s verdient hat. Und war ja auch nur einer, die anderen hatten mir den Halt dort ja auferlegt und waren zufrieden. Konnte mir in dem Moment aber auch egal sein, denn ich hatte schon einen neuen Interessenten, den ich dann auch schnellstens in den Wedding gefahren hab. Und das war dann auch die wirklich letzte Tour an dem Abend …

PS:
Hab an dem Abend eine neue Kundenschublade aufgemacht: „Menschen, die fürs Vögeln schon im Taxi mehr als 30 € liegen lassen müssen, mir aber Unwissen unterstellen“. Ist keine Schublade für nette Menschen, aber von denen hab ich ja schon genug. 😉

Wenn ich eigentlich keine Kunden kriegen will

Wir sind hier bei GNIT ja unter uns. Da kann ich schwierige Themen ja auch mal ansprechen.

Grundsätzlich bin ich immer froh über Kundschaft. Je überraschender, desto besser. Andererseits stelle ich mich natürlich auch darauf ein, in manchen Gegenden nicht auf Fahrgäste zu hoffen. Und so kam es, dass ich unweit des Treptower Parks mit gutem Gewissen einen dringend notwendig gewordenen Furz ins Leder der 2925 gedrückt habe.

Ich will hier gewiss keine Träume zerstören, aber natürlich steige ich dazu in der Regel nicht aus.

Nun aber winkte es ungelogen in genau jenem Moment, in dem so langsam alle am eher unschönen Prozess beteiligten Muskeln sich gerade wieder in die Ruheposition begeben hatten. Ich will es nicht schönreden, ich hab darüber nachgedacht, die Kunden stehen zu lassen, weil es in meinem Auto unschön gerochen hat.

Andererseits war ich vielleicht das erste Taxi in den letzten zehn Minuten und vielleicht könnte ich die Kunden ja noch ein wenig vor dem Auto mit offenen Fenstern hinhalten …

Was natürlich eine Illusion war. So schnell wie die beiden sind mir quasi noch nie Fahrgäste eingestiegen.

Die Fahrt dauerte mit rund 2 Minuten kaum länger als auch nur nötig war, um wieder halbwegs brauchbare Zustände im Auto herzustellen. Dennoch war die Stimmung gut und zudem fiel das Trinkgeld mit 2,90 € recht üppig aus. Ich bin nun erstmal damit beschäftigt, mir das als Strategie für gute Tips auszureden …

Von Puffs und Lamas

Ich will mein Licht gewiss nicht unter’n Scheffel stellen, aber es gibt Kollegen, die sind deutlich schlagfertiger als ich. Glücklicherweise, sonst wäre das Leben nämlich nur halb so lustig. Und so geschah es dann, dass sich am Taxistand folgender Dialog ergab, als ein Typ an mich und zwei Kollegen rantrat und zu verstehen gab, dass er mit dem Gedanken spielte, sich Sex käuflich zu erwerben.

„Und wie is’s so mit guten Puffs? Was kostet das hier so?“

„So drei bis vier Scheine sollteste schon minimum rechnen.“

„Und billiger?“

„Kannst in’n Tierpark gehen und dir vom Lama einen blasen lassen.“

😀

Nun ist es so: Natürlich wollte der Kollege einen Laden empfehlen, bei dem für ihn am Ende der berüchtigte gehaltvolle Händedruck bei abfällt. Andererseits hat er in der Folge durchaus gesagt, dass es billigere Läden gibt. Ob das Abraten von denen nun moralisch sinnvoll oder nur geschäftsorientiert war … wahrscheinlich lässt sich darüber streiten. Wie dem auch sei: Das Lama hat seinen Dienst in gewisser Weise getan: Das Eis war gebrochen und der Kollege hat den Kunden tatsächlich zu einem gut zahlenden Etablissement bringen können. Es sei ihm (und dem verschonten Lama) gegönnt. 🙂

Dafuq?

Manchmal weiß man als Taxifahrer ja nicht, ob man Fahrgäste für komisch halten soll wegen dem, was sie sagen – oder oder dem, wie sie es sagen.

Der Typ, um den es geht, kam wie gerufen. Ich hatte gerade eine Tour beendet, gewendet und schon stand er da. Mit einem Rollkoffer, den er gerne neben sich auf die Rückbank quetschen wollte und einer Fahrt von ungefähr 800 Metern.

„Na, da mache ich mal Kurzstrecke, oder?“

„Das wäre sehr nett. Und sie sollten übrigens unbedingt mal Sport betreiben.“

WTF?

Und nun mal im Ernst: Ich weiß, dass ich übergewichtig bin. So weit, so offensichtlich. Ebenso ist mir bewusst, dass im Sitzen arbeiten und Übergewicht eine schlechte Combo ist. Um zu der Erkenntnis zu gelangen, braucht man sich ironischerweise nicht einmal aus dem Haus zu bewegen. Aber was zur Hölle bewegt Menschen zu so einem Gesprächseinstieg? Ich habe noch nie Fahrgäste begrüßt, indem ich gesagt habe, dass das jetzt ungefähr 20 € kostet und sie sich mal einen anderen Modegeschmack zulegen oder endlich die Abendschule besuchen sollten, damit aus ihnen auch noch was wird. Und es ist beileibe nicht so, dass es mir dafür an Adressaten gemangelt hätte.

Aber der Typ war merkbefreit. Binnen anderthalb Minuten hat er weiter runtergebetet, wie wichtig Sport wäre und wie hart mein Job mit dem ständigen Sitzen doch sei. Die Fahrt blieb trinkgeldlos und am Ende verbrachten wir noch einige Zeit damit, eine Münze zu suchen, die er in meinem Auto verloren hatte. Weniger schlau geworden bin ich selten aus Fahrgästen.

Was vielleicht noch erwähnenswert ist: Er selbst hatte meiner semiprofessionellen Schätzung nach ungefähr 40 kg Übergewicht.