Voll korrekte Hilfeleistung

Die junge Dame, die da in Latzhosen angesprintet kam, ließ sich auf den Rücksitz fallen und rief gleich los:

„Fahr ma bisschen vor bis da bei der Tussi in dem hässlichen Kleid, die schafft’s nicht bis hierher!“

Gut, bis zu diesem Zeitpunkt war die besagte Frau auch schon auf fast 15 Meter an mein Taxi herangekommen, aber wer bin ich, dass ich zahlender Kundschaft Wünsche abschlage? Der Dank indes war groß. Weniger von der Kleiderträgerin, als mehr von meiner Mitfahrerin hinten:

„Du bist mal korrekt! Find ich gut!“

„Ach, wenn ich mit solchen Kleinigkeiten schon helfen kann, dann bin ich immer dabei, keine Sorge!“

Und siehe da: Trotz der etwas ruppigeren Ansprache erwies sich die letzten Endes aus vier Frauen bestehende Truppe als vollkommen problemlos. Die Party war mit ein paar Cocktails bereits im Gange, ich brachte sie dann eben noch schnell zur Fortsetzung der selbigen in Steglitz. Ja, sie wollten ein bisschen komische Musik hören und redeten etwas laut. Andererseits waren sie auch selbstironisch genug, sich als „die schlimmsten Kunden heute“ zu bezeichnen und gaben am Ende gutes  Trinkgeld. In dem Fall wusste ich das allerdings schon vorher. Denn Miss Latzhose hat bereits auf halber Strecke im Rahmen der durcheinanderspringenden Gespräche angemerkt, dass ihre Mutter ebenfalls Taxi fährt. Und bei Fahrten mit Taxifahrerkindern läuft am Ende wirklich selten irgendwas nicht optimal. 🙂

Wirklich alles, sogar hochdeutsch!

Als eine der Sechsertruppe mir erzählte, dass sie vor 20 Stunden aus Stuttgart hergeflogen waren und so langsam müde seien, hatte  ich damit nicht gerechnet. Sie kamen zwar nicht direkt aus meiner Heimatstadt, aber mehr Dialekt als ich nach 8 Jahren Berlin war bei denen auch kaum hängengeblieben.

Naja, nun zum Hotel, war ein durchweg weiblicher Jungesellinnenabschied, was offenbar ebenso lustig wie die männliche Variante ist, dabei aber niemand bereits im Taxi Brocken lachen muss. Eigentlich sehr sympathisch. 🙂

Naja, als ich mich dann auch als Exilschwabe geoutet hatte, hat das die Stimmung nicht verschlechtert, im Gegenteil. Immer wieder nett. Überhaupt war’s für die Konstellation „6 betrunkene Mädels und eine Fahrt durch die halbe Stadt“ geradezu vorbildlich von Fahrgastseite und ich hab mich natürlich auch halbwegs bemüht.

Nun sollte man meinen, dass Taxifahren mit Schwaben immerhin einen entscheidenden Nachteil hat, aber Pustekuchen:

„Das wären dann 24,50 €.“

„Dann stimmt das so.“

„Oh. Dankeschön.“

„Sehr gerne. Ach so, das waren 30, oder?“

„Äh, ja.“

„Dann ist ja gut.“

🙂

Wortklaubereien

Ich hatte überraschend einen Winker, der weit in den Westen wollte. Juhu! \o/

Mein gar nicht so uncleverer Weg führte unter anderem über die Tiergartenstraße, die insbesondere dank dem für die Fanmeile gesperrten 17. Juni ganz gut befahren war. Aber das natürlich nur im Nachtschichtsinne. Tatsächlich sind wir da locker mit 50 langgegurkt und im Gegenverkehr lief es ähnlich. Als wir kurz vor der Hofjägerallee waren, hielt es auf der Gegenspur aber ein Porsche-Fahrer nicht mehr aus, überholte den Wagen vor sich und kam uns ein bisschen arg schnell auf unserer Spur entgegen.

Grund zur Sorge hatte ich nicht, denn es war genug Platz zur Seite vorhanden. Ich konnte etwas weiter rechts fahren und der Typ hat sich sowieso nicht drum geschert, den vor sich am Ende noch zu schneiden, um ihm mal zu zeigen, wie gefährlich verkehrsregelkonformes Fahren so ist.

Da ich also nicht hektisch reagiert habe, dachte ich gar nicht, dass mein in sein Smartphone vertiefter und hinten sitzender Kunde das überhaupt mitkriegen würde. Aber Fehlanzeige:

„Ui, das hätte fast gescheppert!“

„Ja, das war schon mutig.“

„Nein, das war strunzdumm!“

Ich möchte mich hiermit für meine unangebrachte Wortwahl entschuldigen. Der Fahrgast hatte natürlich recht. 🙂

Den nehmen wir auch noch mit!

Der Kunde kam am Ostbahnhof schwer beschäftigt mit einem Handytelefonat an. Mir ging es derweil spitze, ich hatte überraschend schnell Umsatz gemacht in der Schicht und mir fehlten nur noch knapp 50 €, um ins Wochenende zu starten. Wo immer er auch hinwill: Er würde einen signifikanten Anteil an der Sache haben, also nehmen wir den noch mit!

Statt zu mir quatschte er ins Handy, aber nach kurzer Zeit vermutete ich schon, er würde es an mich weiterreichen, da er kaum deutsch sprach. Ich vernahm ein „S’Banoesfelde“ und fragte einfach mal proaktiv nach:

„S-Bahnhof Ahrensfelde?“

„Ja.“

BÄM! Knappe 30.

Mit Trinkgeld sogar sehr genau; und das, obwohl er nach drei Vierteln des Wegs plötzlich anfing, mir eine Straße dort in der Nähe zu buchstabieren. Ich war anfangs etwas ernüchtert, denn es ist schade, sich mit Fahrgästen nur der Sprache wegen nicht unterhalten zu können, aber frei nach Aussehen, Zieladresse und geschichtlicher Entwicklung schlußfolgerte ich, dass es wohl ein Vietnamese war und ich da echt nix machen konnte. Aber was soll’s? Gute Tour, und Schweigen ist ja nicht das Schlimmste. Mein Fahrgast beschäftigte sich mit seinem Telefon. So lange ihm nicht langweilig sein sollte, ist es ja egal. Ich hab ja den Straßenverkehr, um mich zu konzentrieren.

Am Ziel ein Paar (für Taxifahrer) wunderbare Wortfetzen zwischen uns:

„Kanndu fun Minud waade?“

Ey, so schlecht war sein Deutsch ja gar nicht!

„Sicher.“

„Un dann su-uk?“

„Zurück?“

„Ja.“

„Ja. Aber lassen Sie mir bitte etwas da! Geld oder etwas anderes.“

„Sahle dreißig. Waade? Fun Minud?“

„OK. Kein Problem. Die Uhr stoppen und eine neue Fahrt oder weiterlaufen lassen?“

„Mache stop! Stop ok?“

„Ist ok.“

Sicher: Eine ausführliche Tarifaufklärung sieht anders aus. Und stoppen müssen hätte ich das Taxameter gleich dreimal nicht. Nur wäre das alles vergleichsweise schwierig zu klären gewesen. Kommunikation kann auch über enorme Sprachbarrieren hinweg sehr einfach sein, aber wenn es an Wenn-Dann-Konstruktionen und andere Kausalitäten geht, wird es schnell schwierig. Und ich sehe das als einen unklaren Fall. Ja, natürlich hat er mich gebeten zu warten und so gesehen auch die Wartezeit zu bezahlen. Andererseits ist so eine lange Tour ja auch deutlich teurer, wenn man sie neu startet: 3,90 € Startpreis + 7 x die 0,50 € extra bei den Kilometern fallen da alleine als Mehrpreis an. Dafür kann man einige Minuten warten!

Und auch die Vorteile waren eigentlich fair verteilt: Ich hätte wohl, wäre ich abgehauen, bis weit in die Stadt zurückfahren müssen, um neue Kundschaft zu kriegen; er hätte vermutlich einige Zeit gebraucht, ein Taxi zu bekommen.

In Anbetracht der Sprachbarriere war es wohl ok, dass ich einfach gewartet habe und er für den Rückweg den ziemlich genau selben Preis wie für die Hinfahrt erwarten konnte. Mir hätten 5 Minuten mehr Wartezeit nicht wehgetan, und meinem sehr pünktlichen Fahrgast ging es mit den vielleicht 2 € Mehrkosten bei unserem Arrangement ähnlich. Immerhin hat er beide Fahrten auf 30 aufgerundet.

Und so hab ich wider Erwarten schon mit „einer“ Tour mein Soll erreicht gehabt. Aber da ich eh wieder am Ostbahnhof war und das einem Kollegen unter die Nase reiben musste, ging es danach sogar noch weiter. 😉

Alles wichtige schnell abklären

Eine ältere Frau stieg mir während des gestrigen Deutschland-Spiels ins Auto und fragte nach der Vergewisserung, ob es immer noch 1:0 stehe:

„Und, hat der Gauland noch irgendwelchen Mist verzapft, während ich weg war?“

<3

Da lang?

„Hi, wir hätten eine Frage: Zum Fritzclub*, wo müssen wir da hin? Da lang?“

Sprach’s und deutete auf die Mühlenstraße.

„Kann man machen …“,

hab ich geantwortet.

„Aber einfacher wär’s, gleich das Gebäude hier vorne zu nehmen.“

Die Gruppe hat gelacht, sich bedankt, alles prima. Dann hab ich zu dem Kollegen, mit dem ich mein Gespräch wegen dieser Anfrage unterbrochen hatte, gemeint:

„Ich mag’s, wenn sie noch so klein sind. Da lachen sie auch über den letzten Bullshit.“

Da hat er dann auch angefangen zu lachen.

Ich mag’s, wenn die Leute um mich rum lachen. 🙂

*Ja, der Club heißt inzwischen Postbahnhof- oder Pbhf-Club, aber sie haben selbst den alten Namen verwendet.

Die Frage, die Taxifahrer am wenigsten hören wollen

„Sagen Sie, hätten wir da hinten nicht links ab gemusst?“

Argh!

Sich als Taxifahrer verfahren ist immer peinlich. Andererseits ärgert man sich – wenn auch oft zu Unrecht – dass diese Frage nicht ein paar Meter früher in der Form „Fahren Sie dann da vorne links?“ gekommen ist.

Bei meinem Fahrgast war das glücklicherweise einmal mehr anders:

„Äh, nein. Ich muss da vorne rechts, und dann sind wir quasi schon da.“

„Schon? Oh! Wir kommen von DER Seite! Jetzt seh‘ ich es auch!“

Waren am Ende übrigens zwei Euro weniger, als die Route, die er im Kopf hatte, gebracht hätte. Aber gut, auch der andere Fall wird mal wieder eintreten, das ist schon klar …