Neue Fotos von Sash!

Ja, ganz recht: Ich hab Post von der Thüringer Polizei bekommen…

Natürlich keine Gratulationen zur Hochzeit, keine Wünsche für ein frohes neues Jahr, sondern die Antwort auf mein verkehrswidriges Verhalten auf der Fahrt nach Stuttgart im November. Richtig klassisch hab ich damals auf der Autobahn einen langsameren Fahrer überholen wollen, hab gar nicht aufs Tempolimit geachtet, bin dann aber doch besser in die Eisen, weil plötzlich ein Blitzer am Straßenrand auftauchte. Es blitzte, ich ärgerte mich und am Ende stand bis jetzt die Frage: Wie schnell war ich eigentlich und wie schnell hätte ich eigentlich sein dürfen?

Ich hatte ein wenig die Befürchtung, dass wegen der Baustelle irgendwo in der Nähe noch Tempo 80 gegolten hat, dass ich etwas über 100 gefahren bin, wusste ich. Aber mit Punkten hab ich vorsichtshalber gerechnet – denn ich hatte wirklich mal ausnahmsweise nicht aufgepasst. Aber gut, mein P-Schein wurde gerade verlängert, einen besseren Zeitpunkt für Punkte gäbe es kaum – wenn man schon welche kriegt!

Aber weit gefehlt. Zunächst mal das Foto:

T-T-T-Turbo-Sash, Quelle: Sash

Den Anlagen entnehme ich dann, dass ich bei 100 erlaubten Stundenkilometern 114, abzüglich Toleranz 110 gefahren bin. Puh! Noch dazu verlangen sie nur ein Bußgeld von 10 €, was ich – wenn es mich nicht so freuen würde -, schon wieder für zu niedrig halten würde. Da die Cops diesmal von links geblitzt haben, ist mein Gesicht auch leider nicht komplett hinter dem Rückspiegel verschwunden, allzu viel Hoffnungen mache ich mir also auch bei einer Anfechtung nicht…

Wobei es wirklich schon vorteilhaftere Fotos von mir gab als das hier:

Profis wären mit Skimaske gefahren! Quelle: Sash

Ganz ehrlich: Das ist ok so. Ist ja nicht so, dass ich nicht zu schnell unterwegs gewesen wäre – also was soll ich mich aufregen? Das war der nunmehr dritte Blitzer (mit Ergebnis) in 10 Jahren Führerschein, davon ca. 8 als beruflicher Fahrer. Da kann man mit leben und da kann man auch noch nicht behaupten, dass ich allzu selbstmörderisch unterwegs bin…

Falsch geparkt

Im Großen und Ganzen versuche mich mich da darin, zumindest den Anschein zu erweckend, die StVO einzuhalten. Da macht das Parken keine große Ausnahme. Sicher muss man als Taxifahrer mal in zweiter Reihe halten und wenn es ganz dumm läuft, dann passiert das auch mal an einer einspurigen Straße. Das ist nicht immer schön für alle unfreiwillig Beteiligten hinter mir, aber wer selbst schon mal mit einem Taxi wohin musste, wird verstehen, dass die meisten Kunden vom Fahrer sicher nicht hören wollen, dass er mal eben um den Block fährt, um einen Parkplatz zu finden.

Da ich nachts unterwegs bin, hält sich das Behinderungsrisiko allerdings in engen Grenzen – und nebenbei ergeben sich auch sonst mehr Haltemöglichkeiten als tagsüber. Am Hauptbahnhof zum Beispiel. Jeden Tag ein unerträgliches Gewimmel auf dem kleinen Europaplatz zwischen der Invalidenstraße und dem Bahnhofsgebäude! Nachts, wenn der letzte Zug bereits raus ist, sieht das anders aus.

Deswegen war ich am Wochenende auch gar nicht zimperlich und hab mich auf den Entladeplatz für Taxen gestellt. Das ist insofern nicht legal gewesen, als ich mich eigentlich nur selbst entladen wollte und kurz auf einen Sprung zur Apotheke rein. Ich sollte meiner Freundin ein paar Tabletten mitbringen und da die Nacht gut lief, hatte ich keine große Lust, mich länger dort aufzuhalten.

Also bin ich schnell aus dem Auto rausgesprungen und die 10 Meter zur Tür gelaufen…

Und habe auf der Stelle bedauert, dass ich genau diesen Parkplatz zu diesem Zeitpunkt gewählt hatte. Denn statt die von mir erwartete gähnende Leere auf der anderen Seite der Tür vorzufinden, drückten sich plötzlich ein paar hundert Hooligans durch die Tür, dem Anschein nach zwei Truppen, die nicht so sonderlich gut aufeinander zu sprechen waren. Team Green war natürlich auch dabei, und so folgten ein oder zwei Einsatzhundertschaften dem aufgewühlten Mob und keine 30 Sekunden, nachdem ich mein Auto verlassen hatte, war es umzingelt von Hassparolen brüllenden betrunkenen Typen und ein paar Polizeiwannen nebst dazugehörigem Schlägertrupp. Als der erste Böller geflogen ist, hab ich nicht mehr damit gerechnet, mit meiner guten alten 1925 noch irgendwohin fahren zu können.

Da ich in der Situation eh nicht viel machen konnte, bin ich in den Bahnhof und hab versucht, durch einen möglichst intellektuellen Blick der soeben nachrückenden Polizei das Gefühl zu vermitteln, ich sei kein Angriffsziel. Erfolgreich.

Als ich, nachdem ich in der Apotheke beim Security-Mitarbeiter Tabletten kaufen wollte und sie letztlich doch vom Apotheker bekam, wieder draussen war, musste ich mich immer noch durch die Menge drücken, aber Hools sind auch nur Menschen und als solche überwiegend kleiner als ich. Mein Auto stand allerdings schon wieder ausserhalb des operativen Einsatzgebietes aller Beteiligten und ich konnte nun als Außenstehender verfolgen, wie die Cops hinter einem Rudel Vollhorste herrannte, um sie wieder in den Bahnhof zu bugsieren.

Nochmal gut gegangen!

Und zudem hab ich jetzt eines der beklopptesten Argumente gegens Falschparken:

Nicht falsch parken, denn es könnte sein, dass euer Auto dann von Hooligans oder der Polizei beschädigt wird! 🙂

Aber vielleicht leuchtet bei der Polizei auch irgendwo ein Lämpchen auf, wenn ich illegal vor einer Apotheke halte und sie kommen deswegen…

Polizei und Verkehr

Als Taxifahrer kommt man nicht umhin, gelegentlich mit dem uniformierten Teil der Bevölkerung in Kontakt zu kommen. Zum einen hat man tatsächlich mal Anliegen, bei denen sie eine Hilfe sein können, zum anderen sind Nachts auf Berlins Straßen sowieso fast nur Taxen und Polizeifahrzeuge unterwegs. Von kleinen Konflikten bezüglich der Verkehrsregeln ganz zu schweigen. 😉

Ich will jetzt aber gar nicht so weit ausholen bezüglich meines Verhältnisses zur Polizei, ich wollte mich einfach mal ein bisschen beschweren über den Umgang einiger Staatsbediensteter mit der StVO.

„Dass die Polizei alles darf“ ist ja leider ein weit verbreitetes Bild in der Gesellschaft. Das wird im Allgemeinen durch die Medien gestützt, und ebenso wie eine erschreckend hohe Anzahl an Menschen in diesem Land bei schweren Verbrechen eine Körperverletzung seitens der Beamten für durchaus angemessen empfindet, so finden auch viele es ganz normal, dass im Verkehr für die Gesetzeshüter eben genau die Gesetze anscheinend nicht gelten. Abgesehen von denen, deren Bildungsniveau schon bei den Überschriften der Bild an seine Grenzen stößt, lehnen die meisten es vielleicht noch ab, wenn die Polizei wie bei „Alarm für Cobra 11“ schwere Verkehrsunfälle mit Todesfolge für eine legitime Ermittlungsarbeit hält, beim alltäglichen Rasen und Nötigen lächeln viele dann doch und tun es als Kleinigkeit ab.

Warum eigentlich?

In erster Linie sind Polizisten selbst im Dienst normale Verkehrsteilnehmer und haben sich im Interesse der Sicherheit an die selben Regeln zu halten wie jeder andere auch. Sie stehen nicht über dem Gesetz – wenn man nicht an den inzwischen berühmten „Richter Bleifuß“ gerät, dessen abenteuerlich egoistische Auslegung der StVO aber sicher auch bald ein Ende haben wird.

Ich hab nun wirklich kein großes Interesse am Erbsenzählen und finde es durchaus in Ordnung, wenn mal der gesunde Menschenverstand hier und da zu Ungunsten des gesetzlichen Wortlautes verwendet wird. Aber warum bitte wundere ich mich inzwischen, wenn ich mal auf ein Einsatzfahrzeug treffe, das sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält?

Neulich bin ich erst wieder auf der Autobahn im ach so gefährlichen Tunnel von einem silber-blauen Geschoss mit 150 Sachen überholt worden. Wo soll denn da bitte mein Gefahrenbewusstsein herkommen?
Und was das Einsetzen von Blaulicht und „Einsatzhorn“ angeht, haben einige in Berlin ein bisschen Nachschulung nötig. Während ein gemeinsames Mannschaftsfrühstück beim McDonalds am Ostbahnhof offenbar als Bedingung für Blaulicht ausreicht (Ich vermute mal „Abwendung von schweren gesundheitlichen Schäden“ nach §38 StVO), hatte ich nun auch schon öfter mal Begnungen mit dängelnden Gesetzeshütern, die auf ihr Anliegen glaubten, mit Hupe oder Lichthupe hinweisen zu müssen – wohl im Wissen darum, dass sie eigentlich gerade keine Sonderfahrrechte genießen.
So wurde ich neulich erst genötigt, in der (zugegeben schmalen) Adalbertstraße rückwärts zu fahren, bloß weil ein übereifriger Polizist seine Fahrzeuglänge beim Abbiegen falsch eingeschätzt hat und sich damit zwischen mir und der Fahrbahnbegrenzung eingekeilt hat. Aber sowohl mein Fahrgast als auch ich waren uns einig, dass es den Ärger nicht wert gewesen wäre, einfach zurück zu hupen und zu warten…

Für mich persönlich besonders ärgerlich ist das ständige Halten der Einsatzfahrzeuge am Taxistand am Ostbahnhof. Eine Menge Falschparker blockiert da ständig den Betrieb und sorgt für Verwirrung, da bedarf es wirklich keiner Polizisten mehr, die das auch noch vormachen. Was wohl passieren würde, wenn wir mal deren Parkplatz dort vor Ort als Halte benutzen?

Ganz widerlich sind natürlich die Typen, die sich – wie Klaus eindrucksvoll geschildert hat – Sonderrechte auch noch rausnehmen, wenn sie gar nicht im Dienst sind, und sich auf ihren Status berufen, sobald ihnen jemand ein Vergehen zum Vorwurf macht, bzw. sogar damit drohen, ihre Funktion auszunutzen, um einem das Leben schwer zu machen.
Aber wahrscheinlich sind das genau die Polizisten, die ihr Einsatzfahrzeug hier beim Kaiser’s vor meiner Türe auf dem Behindertenparkplatz abstellen, wenn sie sich ihr Mittagessen holen. In diesem Fall mit dem Behindertenparkplatz kann man meiner Meinung dann allerdings darüber nachdenken, ob nicht das Verhalten selbst sozusagen schon die Berechtigung begründet…

Auswurf, braun-rot

„Eine Leiche gibt’s immer…“

lächelte die junge Dame gequält, als sie einen massiven Typen auf die Rückbank schiebt. Der ist nicht mehr in allerbestem Zustand, grenzwertig auf jeden Fall. Aber lasse ich die Kunden jetzt stehen? Verzichte ich auf das Geld? Vertraue ich den Aussagen, er würde es sicher packen? In diesem – wie in den meisten Fällen – hab ich mich zum Transport entschieden, mit einer Mischung aus Verantwortungsbewusstsein und Geldgeilheit. Wie das beim Taxifahren wohl immer der Fall ist.

„Dann ist es aber nicht so gut, wenn er ganz links sitzt – da geht die Tür nämlich nicht auf!“

„Ach, im Notfall sagen wir Bescheid.“

Jetzt springen sicher gleich ein paar Kollegen auf und meinen, dass ich ja hier schon hätte abbrechen können. Gewiss, eine konkrete Gefahr bestand. Aber ich führe diese Dialoge so oft – und es passiert fast nie was. Ich hab mit solchen Truppen schon lustigste Fahrten und beste Trinkgelder gehabt – meist schafft man im Ernstfall ja noch so eine ganz eigene Art „Gefahrenbremsung“.

In diesem Fall war es ein Fehler. Als ich auf Bitten eines Mitreisenden angehalten habe, hatte „die Leiche“ schon lautlos aus dem Fenster gekotzt und eine ansehnliche Spur auf der Außenseite des Wagens hinterlassen. Es folgte eine kurze Pause, einiges an Abwischerei, und ich war immerhin froh, dass kaum etwas im Auto zu finden war. Die Truppe war zudem recht nett, sie kümmerten sich um ihren Freund und ich bekam auch schon den ersten Zehner „fürs Anhalten“ zugesteckt.

Ich hab das mit einem Verweis auf die laufende Uhr abgetan und gesagt, dass wir mal sehen würden, wie wir das hinkriegen. Bisher sah es zudem wirklich so aus, als ob die Geschichte mit einmal Waschanlage erledigt sein würde.

Den nächsten Kilometer verbrachte die Leiche dann auf der rechten Seite, wo die Türe auch von innen zu öffnen ist. Die Bitte zum abermaligen Anhalten kam auch dieses Mal kurz nach Entleerung des Magens aus dem Fenster. Na danke!
Damit waren das Auto, die Laune und absehbar die Schicht im Arsch. Warum hätte ich sie nicht noch eben bis nach Hause mitnehmen sollen?

„Ist nur um die Ecke.“

Diese Ecke maß etwa 3 Kilometer Fahrtweg. Dann standen wir da, und nachdem der Typ sich – trotz einiger Beherrschung in den letzten Minuten – gleich auf der Straße wieder erbrochen hat, ging es ans Bezahlen. Dem netten Beifahrer hab ich nach dem Herumreichen von Tüchern, kurzem Wischen hier und dort Herumgucken dann auch gesagt, dass jetzt natürlich der unangenehme Teil kommt. Ruhig und sachlich, wie das meine Art ist.

Was denn jetzt auf der Uhr stehen würde?

„15,90 €. Aber es ist wohl klar, dass das nicht der Preis ist, über den wir jetzt verhandeln.“

Völlig entgeistert wurde ich von hier und dort angeschaut. Ob ich etwa mehr haben wollte? Außerdem hätte ich ja schon einen Zehner…

Ich hab meinem Beifahrer mit angemessenem Bedauern erklärt, dass mir klar ist, dass das ein unschönes Ende für einen Partyabend ist, aber dass ich auch mein Geld verdienen muss. Dass ich das Auto jetzt erst einmal sauberzumachen hätte, und das – natürlich ausgerechnet – zu quasi der besten Zeit der Woche, zu der ich an jeder Ecke Kunden mitnehmen könnte. Und bei allem Verständnis für ihre missliche Lage: Ich würde nicht auf mein Geld verzichten, nur weil ihr Kumpel einen über den Durst getrunken hätte.

Etwas zögernd reichte er mir einen Zwanziger und erwartete so etwas wie ein

„Alles klar, schönen Abend noch!“

Das hat er natürlich nicht bekommen. Inzwischen wurden die Stimmen ums Auto herum lauter. Vom unangenehm drohenden

„Meister, du hast jetzt 30 €!“

bis hin zu

„Ey, 15 €! Auf dem Hinweg haben wir 5 € bezahlt! 5!“

war alles dabei. Noch viel besser: Ich hätte sie vorher darüber aufklären müssen, was es kostet, ins Auto zu kotzen. Außerdem sei ich selber schuld, weil ich die Kindersicherung links drin hätte. Im Umkehrschluß – als ich erwähnte, dass die Kindersicherung extra dazu da ist, dass Betrunkene nicht einfach auf die Straße springen, war ich dann selber schuld, weil die Kindersicherung ja schon beweisen würde, dass ich Betrunkene mitnehmen würde. Wir erinnern uns daran, wie froh die Truppe vor einer halben Stunde war, dass sie jemand mitgenommen hat, und dass ich auf die Kindersicherung hingewiesen habe.
Der Vorwurf mit den Kosten für die Fahrt ist auch extrem lustig, da sie mir nie ein Fahrtziel genannt, sondern die Strecke unterwegs angesagt haben. Und etwa 5 km Fahrtweg mit 5 Personen zuzüglich etwa 10 Minuten Wartezeit… kommt mir ziemlich tarifgerecht vor.

Aber gut, während der Großteil der Gruppe entweder kotzte oder mir vorwarf, ich wolle sie übelst über den Tisch ziehen, saß mein Beifahrer möchtegerngelassen da und wähnte sich in einer total guten Position. Die 14,10 €, die er mir nun quasi freiwillig obenauf überlassen hat, waren in seinen Augen unanfechtbarer Beweis, dass die Sache nun geklärt ist. Mit einem süffisanten Lächeln wollte er hören, was ich denn nun noch haben wolle. Ob ich etwa glauben würde, er solle mir nun 50 – oder gar 100! – Euro geben.

„Und ob ich das glaube.“

Die Antworten darauf könnte man als Beleidigung auffassen, aber da bin ich hart im Nehmen. Ich hab ihm nochmal erklärt, dass das nicht einmal sonderlich hochgegriffen ist, und ich wenn es nach meinem Chef ginge, die Kiste jetzt sowieso erst einmal professionell reinigen lassen müsste. Dass das wiederum noch mehr Zeit kostet und schnell mal bei mehreren hundert Euro liegt.

Sein Kumpel meldete sich wieder von der Seite und meinte, das eine Mal Waschanlage sei ja wohl von den 30 € locker mitbezahlt.

„Ach ja? Mit den übrigen 14,10 € komme ich auf Uhr gerade mal bis zur Waschanlage. Ohne zusätzliche Kosten und die Zeit, die das dauert!“

„Hör mal, bevor ich hier 100 € zahle, nehm ich dir dein ganzes Auto auseinander!“

„Gerne. Das ist auch eine Möglichkeit! Dann bleibt nur mein Verdienstausfall…“

Aber natürlich spinne ich total, bin unverschämt, ein Arschloch und dergleichen. Er stellte klar, dass er nicht zahlen werde, und ich, dass ich diesbezüglich nicht einverstanden bin und die Polizei rufen werde. Relativ friedlich eigentlich. Auf die Frage, ob ich irgendeinen Namen bekommen würde, bekam ich die Antwort

„Nimm Karl-Heinz oder so.“

Alles klar. Ich stand vor ihrem Haus, ihr Fenster war als einziges beleuchtet und die Haustüre haben sie gnädigerweise geöffnet gelassen, was die beiden angeforderten Streifenpolizisten auch dankbar nutzten, um zu ihrer Wohnung zu gelangen. Und was soll ich sagen? Selten habe ich zufriedener in ein WTF-Gesicht gesehen als heute morgen um 5 Uhr. 😀

Die Personalien sind also ausgetauscht, und zack – keine halbe Stunde später (etwa der Gegenwert der 14,10 €) – konnte ich mich also ans Putzen machen. Ich hab die Uhr angemacht, mir Putzutensilien von der Tanke und von zu Hause besorgt und die Kiste nach allen Regeln der Kunst bearbeitet und pünktlich zum Schichtbeginn meines Tagfahrers flecken- und geruchsfrei am Abstellort bereitgestellt. 70,60 € standen auf der Uhr, und in Anbetracht der Tatsache, dass ich ihnen eine teure Reinigung und (übers Wochenende!) gleich mehrere Tage Verdienstausfall erspart habe, ist eine Pauschale von 100 € fürs Putzen auch nicht unangemessen. Sind dann also irgendwas um die 170 €. Ich bin ja gespannt, ob darüber ein Gericht entscheiden muss, oder an welchem Punkt sie beschließen, es besser sein zu lassen. Beim netten Brief von mir, bei dem vom Anwalt, beim Mahnbescheid?

Mir soll es egal sein, ich hab Zeit.

Donald und das Gift

So, das Wochenende bietet erfahrungsgemäß wenig Zeit zum Bloggen – aber eine Fahrt vom Freitag muss ich dringend noch unter die Leute bringen. Ich hatte eine frühmorgendliche Ostbahnhof-Kurzstrecke für nicht ganz 6 € zur Warschauer Straße hinter mir. Da hab ich dann beschlossen, mal einen Blick in die Revaler zu werfen.

Das hätte ich mir vielleicht besser erspart. Wenn man morgens als Taxifahrer durch die Revaler Straße in Friedrichshain gurkt, dann kann man einiges erwarten. Eine bunte Mischung an Partygängern aus verschiedenen Clubs watschelt über die Straße, und insbesondere der Beleuchtung wegen ist es eine der Straßen, wo ich die erlaubten 50 km/h eigentlich nie ausreize.

Ich war also auf der Suche nach irgendeinem verstrahlten Pärchen, das heim nach Kreuzberg wollte. So in etwa stellte ich mir die Fahrt vor. Die Nacht war bis dato fantastisch gelaufen, dank etlicher Leute auf der Straße wollte ich gar keine lange Tour in einen Außenbezirk, sondern möglichst eine 10€-Tour, die mich nur 10 Minuten kostet, um dann gleich weiterzumachen, wo ich dann lande.

Statt feierwütiger Clubgänger erspähten meine Augen Donald Rumsfeld. Ich nehme zwar an, er war es nicht wirklich, aber er sah so aus. Von den Haaren über die Brille bis zum Körperbau sah er diesem nicht sehr sympathischen Amerikaner sehr ähnlich, er trug einen Trenchcoat und stand so bekloppt auf der Straße, dass ich es kaum beschreiben kann. Nicht nur, dass er mittig die Fahrbahn versperrte, er stand auch mit ausgebreiteten Armen, jedoch stark zu seiner Rechten geneigt, einfach recht reglos im Weg.

Zunächst wollte ich vorsichtig vorbeifahren, doch er versuchte mir den Weg zu versperren. Nicht, dass ich das sonderlich toll fand, aber ich hab dennoch mal das Fenster an der Beifahrerseite runtergelassen und abgewartet, was er zu sagen hatte. Und was er zu sagen hatte, hätte irritierender kaum sein können. Insbesondere in Kombination mit dem Wie!

Während er die Arme weiterhin ausgebreitet ließ, beugte er sich seitlich herunter und nuschelte aus einem Mundwinkel mit sonst fast starrem Gesicht:

„Brings‘ mich Krankenhaus? Gift!“

„Wie bitte?“

„Brings‘ du mich Krankenhaus. Gift!“

„Wie, Gift?“

„Jemand hat mich vergiftet!“

Na heilige Scheiße. Wat machste nu?

„Äh… welches Krankenhaus denn?“

„Is egal, bring mich nur ins Krankenhaus! Irgendeins!“

Etwas überfordert bin ich die Optionen durchgegangen. Notarzt wäre vielleicht nicht unsinnig gewesen, aber mir fielen auf Anhieb 3 Krankenhäuser in 10 Minuten Umkreis ein. Also bei optimistischer Auslegung der Verkehrsregeln. Ich hab mich für das Klinikum im Friedrichshain entschieden, weil es am günstigsten zu erreichen war, und ich da zudem schon mal an der Rettunsstelle war, und die nicht erst hätte suchen müssen.

Donald kraxelte ins Auto, ziemlich steif, die Arme nach wie vor mehr oder minder ausgebreitet. Ging aber erstaunlich gut. Sah halt völlig bekloppt aus. Ich war mir ziemlich sicher, dass er einfach betrunken ist und vielleicht einen Hexenschuß in Kombination mit Paranoia hat – also nix wirklich ernstes. Aber man weiss ja nie. Während den etwa 3 Minuten, die ich von der Revaler bis zur Mühsamstraße etwa gebraucht habe…

(Hier dürfen die Tagfahrer ein bisschen weinen)

…hab ich versucht, ein paar nähere Infos aus ihm herauszubekommen. Wo er war, wer ihn vergiftet hat, was ihm eigentlich fehlt. Die Antworten waren weitgehend wertlos. Vielleicht war er ja doch wenigstens Politiker. Er war was trinken. Wo, weiss er nicht, ebensowenig wer ihn vergiftet habe. Er könne sich nicht mehr bewegen. Ins Krankenhaus. Schnell!

Irgendwann meinte er dann noch, ihm sei schlecht. In meinem Kopf spukten Gedanken umher, wie es aussehen muss, wenn der Kerl mit erhobenen Armen messiasgleich neben der Straße beginnt, sich von seinem Essen zu verabschieden. Ich konnte den Gedanken allerdings bei weitem nicht ausreichend genießen.

Da sackte er plötzlich mit einem Stöhnen in sich zusammen und fragte, wo wir wären und wo wir hinfahren.

„Äh, wir sind auf der Petersburger. Ich biege jetzt da vorne an der Landsberger links ab und dann sind wir gleich am Krankenhaus.“

„Fahr mich mal zur S-Bahn!“

„Wie jetzt? Kein Krankenhaus?“

„Nee, lass mal. Geht schon wieder.“

„Geht schon wieder? Ich dachte, sie wurden vergiftet!“

„Ja, vielleicht. Aber geht schon wieder. Ich hab ja schon oft zu viel, aber sowas… wow!“

„Ja… wow…“

Ich hab ihn dann auf vermehrtes Drängen hin zum S-Bahnhof Landsberger Allee gebracht. Dort angekommen hatte ich 7,60 € auf der Uhr und der Kerl war eigentlich immer noch ziemlich verstrahlt. Aber wahrscheinlich waren es eben doch nur 3 Bier zu viel. Naja, vielleicht 4.

„Wat krissn?“

„7,60 €.“

„Ok.“

Er kramte in seinem Geldbeutel und förderte einen Fünfer zu Tage. Er begutachtete ihn und meinte:

„Zu wenig.“

Da war was Wahres dran. Er nestelte weiter in seinem heiligen Lederbeutel, öffnete das Kleingeldfach und sagte:

„Auch zu wenig.“

Dann sank er grinsend in sich zusammen. Da er erst einmal keine Anstalten machte, diesen Zustand zu ändern, fragte ich ihn, was nun sei. Plötzlich strahlte er übers ganze Gesicht, so als hätte er irgendwo im Hinterland geheime Massenvernichtungswaffen gefunden und verkündete:

„Haha! Jetz‘ kommt die Schummelkasse!“

Er öffnete das „Geheimfach“ an seinem Portemonnaie und sah mich mit herunterhängenden Mundwinkeln an:

„Auch leer…“

Na meine Fresse! Ist ja klar! Ich scheine die Bekloppten ja mal wieder anzuziehen. Eine Minute später war nicht nur meine Geduld zu Ende, sondern er hatte auch noch mehr oder minder glaubhaft versichert, dass auf der Bank nix zu holen sei. Also was tun?

Entweder ich hole die Cops, und in einer Dreiviertelstunde bin ich hier weg. Dann krieg ich irgendwann meine 2,50 € überwiesen und wir sind alle genervt. Oder…

„Na komm, hau ab!“

„Ehrlich?“

„Pass mal auf: Ich mach den Job, um Geld zu verdienen. Und wenn ich das von dir nicht krieg: Die da vorne am Hotel sehen aus, als könnten sie ein Taxi brauchen. Ich hab jetzt keinen Bock auf großen Stress, also haste mal Glück gehabt. Begeistert bin ich nicht, aber du versaust mir meinen Umsatz mehr, wenn wir jetzt um die Zwofuffzich einen Aufstand machen. Also hau ab!“

2,50 € für eine gute Geschichte. Nicht schön, normalerweise gibt es die umsonst. Aber entweder ich zapfe meine 27 € Trinkgeld für den Quatsch an oder ich lass mir die Kohle als Fehlfahrt gutschreiben. Ist ja kein Weltuntergang. Da ich nach der Tour aber noch mal zackige 50 € Umsatz in den letzten eineinviertel Stunden gemacht habe, sollte auch Cheffe mir diese Nachsicht verzeihen können 😉

Taxi als Fluchtwagen?

Eine Pressemeldung der Polizei hat mich gestern aufmerksam gemacht:

Räuberduo flüchtet mit Taxi – Festnahme

Gut, zugegeben: Eine besondere Rolle hat das Taxi bei der Sache eigentlich nicht gespielt, aber ich hab mir irgendwie meine Gedanken drüber machen müssen, wie ich mir wohl vorkommen würde, wenn bei mir zwei Leute in Eile einsteigen, und ich kurz darauf von der Polizei angehalten werde und meine Fahrgäste verhaftet werden.

Da freut man sich dann sicher auch…

Ich wollte mal wissen, ob einem Kollegen irgend sowas schon mal passiert ist, und – nicht dass das das Wichtigste wäre – hat die Polizei die Fahrgäste die Fahrt bezahlen lassen, oder wie läuft das dann?

Mal ganz abgesehen davon, dass ich solche Idioten nicht im Auto haben will. Also Straßenverkäufer überfallen ist ja fast noch mal eine Niveaustufe unter Taxiüberfällen. Und von denen halte ich bekanntlich schon gar nix!

Schichtende (1)

OK, gleich vorweg:

Dieser Eintrag wird etwas länger und ich schreibe ihn, bevor ich ins Bett gehe. Es kann also sein, dass die Fehlerdichte etwas höher ist als sonst. 🙂

Es geht ganz aktuell um das Ende der heutigen Schicht. Meine Planungen für selbiges waren eigentlich recht ausgereift. Das Auto pünktlich auf spätestens 3 Uhr waschen und tanken, danach eine Runde zum Matrix. Wenn es schnell geht und ich eine kurze Tour erwische, dann schaff ich die Bahn um 3.50 Uhr nach Hause, andernfalls die um 4.20 Uhr. Danach war in Marzahn Kochsession mit meiner besseren Hälfte und Kässpätzle angesagt. Bis zum Punkt mit Waschen und Tanken lief alles astrein.

Am Matrix fand ich mich in dritter Position wieder. Um 3 Uhr kann das alles zwischen einer Minute und einer Stunde Wartezeit bedeuten. Meine dauerte rund 20 Minuten. 2 Mädels enterten das Auto, wobei die eine nicht gerade den fittesten Eindruck machte. Da man aber von Fahrgästen alles erwarten, nicht aber unbedingt das, wonach es aussieht, hab ich erst einmal gute Miene zum bösen Spiel gemacht und gefragt, wo es hingehen sollte.

Eine Straße im selben Stadtteil wie mein eigenes Domizil. 20 €, vielleicht ein bisschen mehr. Na holla die Waldfee! Glück muss man haben – und die Schicht war so schon ganz ok.

„Gibt es irgendwo Spucktüten?“

holte mich die blonde der beiden Grazien aus meinen Träumen zurück. Ihrer Cousine gehe es nicht so gut. Och nöö!

Ich hab gesagt, dass ich keine dabei habe und dass vielleicht der beste Weg erstmal wäre, sie von der Tür mit der Kindersicherung umzusetzen.

„Aber das Fenster geht auf?“

„Ja, natürlich. Aber das ist keine gute…“

„Schnell! Aufmachen, schnell!“

Ficken!

Da stand das Auto, noch keinen Meter vom Fleck bewegt, und hinten links reiherte mein Fahrgast einen sprudelnden Mix aus unglaublich absurd riechenden Alkoholika aufs schöne Pflaster. Die Cousine hing hinten an ihr dran, hielt sie an den Schultern und erklärte ihr, dass sie das „ganz fein“ mache. Ob wir nicht irgendwie? Also trotzdem?

„Also ohne Tüten geht gleich dreimal nix! Seid froh, dass es bisher nicht INS Auto ging!“

„Vorschlag: Ich halte sie und sie holen eine Tüte!“

„Äh, nein? Wenn ich eine Tüte dabei hätte, dann hätte ich sie doch längst schon geholt. Und woher soll ich jetzt eine nehmen?“

„OK, anderer Vorschlag: Sie halten sie und ich hole eine Tüte…“

Viel Spaß…

Um es abzukürzen: 2 Minuten später hielt sie es für geboten, einen Notarzt zu rufen. Gemacht hab das natürlich ich, denn das Cousinchen des Cousinchens konnte alles, nur nicht mehr gerade sitzen – was aber just in diesem Fall geholfen hätte. Der Mensch am Notruf bestätigte, sie würden in 5 Minuten etwa da sein. Puh!

Die Auswurfamsel bereitete mir da eigentlich keine Sorgen mehr, denn die saß hackeprall da, hat die verantwortlichen Giftstoffe fein säuberlich auf dem Gehsteig verteilt und professionelle Hilfe war im Kommen begriffen. Wayne? Hauptsache, sie bleibt dabei, aus dem Auto raus zu reihern…

Aber Cousinchen entwickelte einen lebhaften Bemutterungstrieb, und zwischen all den „Fein machst du das“ verlangte sie nach Licht, um ihre Pupillen zu kontrollieren, versuchte sie in zig Positionen zu halten, ihr gut zuzureden und ihr zu erklären, sie dürfe jetzt bloß nicht einschlafen. Ich hab das Ganze dann eher gelassen mit ein paar Tüchern zum Abwischen von Auto und Mund (jeweils getrennt versteht sich) unterstützt und die Heizung hochgedreht, weil es empfindlich kalt war.

Unmittelbar vor dem Eintreffen des Rettungswagens wollte Cousinchen mich schon dazu zwingen, nochmal anzurufen – obwohl nun wirklich noch nicht viel nennenswerte Zeit vergangen war.

Der Sani hat erst einmal den wichtigsten Satz des Abends gesprochen:

„Nee, das is jetzt nich euer Ernst!“

Ob das darauf bezogen war, dass die Dame noch recht unzugänglich im Taxi lag oder daran, dass er sich ihr erst nähern konnte, nachdem er mit den Fußsohlen schonmal Kontakt zum Corpus Conflicti  aufnehmen musste, weiss ich nicht. Fakt ist, ich hätte ihn auch längst bringen sollen!

Die erste sinnvolle Handlung jedenfalls war dann, Cousinchen zu entfernen. Die hat die folgenden Minuten damit verbracht, einem Helfer auf die Nerven zu gehen mit den Worten:

„Aber sie fahren jetzt nicht mit meiner Cousine los? Das tun sie nicht, oder? Bitte fahren sie nicht los!“

[…]

„Und??? Was ist??? Was hat sie???“

„Na, die is betrunken.“

Danke! Das hat mich mit der Situation auch versöhnt. Cousinchen begann, sich ausschweifend zu entschuldigen und bestand darauf, mir die Seitenschweller des Wagens nochmal zu putzen. Und Geld wollte sie mir auch unbedingt geben.

Ja, in Anbetracht der Tatsache, dass ich inzwischen mindestens 6 Kollegen besetzt habe wegfahren sehen, war es nur ein fairer Deal. Verschmutzungen gab es indes keine mehr. Ich fand es ok, dass sie mir einen Zehner zugesteckt hat, obwohl mehr jetzt in Anbetracht der Ekligkeit ihrer Verwandschaft nicht übertrieben gewesen wäre.

Definitiv übertrieben war allerdings der nervige Kollege hinter mir, der zwar nix sinnvolles zur Situation beigetragen hat, aber Cousinchen und mich dringend davon überzeugen wollte, dass ich jetzt eine 300€-Rechnung schreibe.

Denkzettel für Kotzer schön und gut. Dass Wartezeit auch Geld ist – ja. Aber wenn das Taxameter gelaufen wäre, wären vielleicht 15 € draufgestanden und am Auto war wie gesagt nix. Warum einer letharigischen Koma-Braut und einer hysterischen und offensichtlich geschockten Angehörigen da das Leben noch schwerer machen?

Naja, bald darauf waren die Helfer mit den beiden Mädels gen Krankenhaus verschwunden und ich stand da. Etwas genervt, kurz vor meinem eigentlichen Feierabend-Zeitpunkt, und neben der Hintertür erstreckte sich eine Lache ziemlich übelriechenden Zeugs.

Während ich darüber nachdachte, wie man das am Besten verbloggt, traten zwei Mädels auf. Beide betrunken, eine hangelte sich nur an der anderen entlang, und sie fragten:

„Taxi? Bist du etwa frei?“

„Ja, jetzt schon…“

Und was aus dieser Tour geworden ist, das schreibe ich morgen!