OK, zugegeben: Die Route ist alt. Aber ich möchte sie für alle Nichtberliner doch nochmal auf der Karte haben:
„Dann nehmen wir.“
„Eine schönes guten Abend.“
Holländer. Supi! 🙂
„Funf Euro für der Alexanderplatz wird ok sein?“
Da das als Preis für den Platz wirklich ein bisschen tiefgestapelt ist, habe ich gleich vermutet, dass sie nur nach dem Fahrtpreis dorthin fragten:
„Nein, sorry. Das werden eher so 7 bis 8 Euro.“
„Oh, ist der Preisen mit Taxometer?“
„Ja.“
„OK, dann nehmen wir. Viele Dank!“
So dürfen Verhandlungen gerne öfter laufen: „Ist das der Taxameterpreis?“ – „Ja.“ – „Super, dann nehmen wir den!“ Hach.
Und am Ende hielten sie es sogar für eine gute Idee, doch lieber gleich zum Bahnhof Friedrichstraße zu fahren. Das waren dann zwar schon 10,40 €, aber das Eis war offenbar gebrochen. 😀
Leute gibt es …
Klar, das könnte man immer schreiben. Aber der heute nacht war wirklich ein Spezialfall. Ich hütete die erste Position am Stand, schon so auf Kundenfang fixiert, dass ich bereits eine Passantin unerwünschterweise angelabert hatte, die sich offenbar für die Werbung auf der 1925 interessierte.
(Das ist ja ein ganz eigenes Thema: Ab wann kann ich Kunden als solche ansprechen, wenn sie nicht direkten Blickkontakt suchen?)
Aber gut. Ich wartete so vor mich hin, bin dann wieder ausgestiegen, um eine Zigarette zu rauchen und kurz danach trat von hinten jemand an mich heran. Auf der Fahrerseite. Schon selten genug. Dass er kein Taxi haben wollte, hab ich gleich gesehen – woran auch immer. Daran, dass er ein wenig verratzt und betrunken daherkam, kann’s nicht gelegen haben. Solche Leute fahre ich ja dauernd. 😉
Er war schätzungsweise um die vierzig, blickte glasig durch die Gegend und kratze sich am Kinn, das bereits vom Bartwuchs einer ganzen Woche gezeichnet war. Er blickte an mir hoch, seine Augenbrauen hoben sich mit und er setzte einen fragenden Gesichtsausdruck auf. Kam mir ziemlich bekannt vor, denn gelegentlich werden wir Taxifahrer am Ostbahnhof von ein paar Obdachlosen nach Kippen oder Kleingeld angeschnorrt. Er hatte allerdings nur eine Frage:
„Samma, Meista: Dis is Berlin, oder?“
„Ähm, ja.“
„Reichshauptstadt?“
„Nee, das nun nicht mehr wirklich …“
„Aber Hauptstadt? Ohne Reich.“
„Darauf können wir uns einigen.“
„OK, dann’s jut.“
Und dann isser ungelenken Schrittes im Bahnhof verschwunden.
WTF?
Seltene Anfragen
Was wollen die Leute nicht alles von einem wissen! Wo es in der Nähe ein gutes Restaurant gibt, ob man nun in Ost- oder Westberlin ist, wo der nächste Puff ist, wo man sich selbst gerade befindet – alles schon gehört.
Als die zwei Jungs an mich und meinen Kollegen herantraten, vermutete ich die Frage nach einem guten Club. Stattdessen erwiesen sie ihren Wanderrucksäcken alle Ehre und fragten, wohin sie gehen sollten, wenn sie per Anhalter zu einer bestimmten Stadt in Polen fahren wollen.
0.o
Glücklicherweise wusste der Kollege besser Bescheid als ich. 🙂
Immer daran denken: Es gibt nichts, was es nicht gibt!
Mit den Fingern
Wenn es darum geht, ein Fahrtziel zu bestimmen, greifen die Fahrgäste meist auf ihre Stimme zurück. Das ist nicht immer ganz einfach, schließlich kann es sein, dass sich die Sprachkenntnisse nicht mit meinen decken oder die Stimme insgesamt nicht will. Dafür gibt es dann Hände und insbesondere Finger. Gott sei Dank!
Auf Karten sind Finger besonders hilfreich, denn auf Karten kenne ich mich recht gut aus. In diesem Fall zeigten die Touris allerdings mitten in die Landschaft. Ohne das hätte ich ihre Anfrage allerdings auch wirklich nicht verstehen können:
„We wanna go to the needle place.“
…und der Finger zeigte zum Fernsehturm.
Aber gut, ist abgespeichert. Der „Nadelplatz“, sowas muss man als Taxifahrer halt wissen, nicht wahr? 😉
Würde ich nieee tun …
Die fast noch schönere Alternative zum beliebten Satz „Sind Sie frei?“ – über den gerne geredet wird, weil er aus Kundensicht logisch, aus Fahrersicht völlig unnötig ist – ist folgender:
„Sagen Sie, Fahren Sie?“
Was hab ich mir da schon für tolle Antworten überlegt:
– „Manchmal.“
– „Gerade nicht.“
– „Falls ja, laufen Sie aber verdammt schnell.“
– „Nein! Sowas würde ich nieee tun!“
Macht man natürlich nicht. So auch in diesem Fall. Ich stehe am Ostbahnhof, inzwischen auf dem dritten Platz, und will gerade vorrücken, weil ein Kollege weggekommen ist. Da tritt eine junge Dame mit o.g. Satz an mein Auto heran. Ich antworte mit einem höflichen „Selbstverständlich!“. Statt Erleichterung kam eine weitere zögerliche Nachfrage:
„Auch bis nach Hönow?“
Ich freue mich über alle Leute, die nett fragen und sich auch dafür interessieren, ob uns ihre Anfrage gerade reinpasst oder nicht. Und ja, Hönow liegt außerhalb des Pflichtfahrgebietes, da dürfte ich sogar ablehnen. Ist also alles ok. Meine Gedanken bei solchen Touren sind dann immer etwa folgende:
„Halt sofort die Klappe!
Sonst kriegt noch ein Kollege mit, was das für eine geile Tour ist und will Dich abwerben!“
Oder so ähnlich zumindest. 😉
0.o
„We wanna go to the waterclub.“
„The Watergate?“
„Maybe.“
Na dann. Ist ja nicht so, dass Berlin nicht genügend Clubs am Wasser hätte …