„Was kost’n nach Spandau?“
Was für ein Glück! Fast anderthalb Stunden bin ich am Ostbahnhof versauert. Davon gut eine halbe Stunde auf erster Position. Ich hatte schon mit allen Kollegen rumgescherzt, ich würde jetzt mal eben kurz zum Boxhagener Platz rüberfahren. Und dann das! Spandau! Locker 30 €, je nachdem wohin. Ach ja:
„Ich sag jetzt mal 25 bis 35 €. Kommt drauf an, wohin es genau gehen soll.“
„Ja, so zum Rathaus. Also eher so Falkenseer Platz, er hier muss dann aber noch weiter bis nach Staaken.“
„Na das ist ja dann komplett einmal durch. Also ich hoffe, dass wir da mit 35 € hinkommen.“
„Können wir da nicht was pauschal machen?“
„Können wir nicht. Aber wenn ich jetzt sage, dass das etwas über 35 werden, dann werden wir auch nicht bei 50 landen. Versprochen! Also mit 2 € Spielraum denke ich, dass ich 35 € anbieten kann.“
Dachte ich wirklich. Das wäre zwar ganz schön eng geworden, wenn ich mir das jetzt auf dem Routenplaner ansehe, aber in solchen Fällen halte ich in der Regel ja mein Wort und mache die Uhr aus. Die beiden haben es aber drauf angelegt:
„Na dann sagen wir doch 30!“
„Nee. Also ihr könnt das sagen, aber für 30 fahr ich nicht.“
„Aber machen doch alle…“
„Meinetwegen. Ich erkenne bloß nicht, wo da jetzt der große Vorteil für mich liegen soll.“
„Na Mensch, du kannst doch die Uhr auslassen und dann haste ’ne super Tour. Muss der Chef ja nicht wissen!“
Wenn, ja selbst wenn ich mich darauf einlassen würde – dann doch mit Sicherheit nicht bei der größten Tour am Abend, bei der ich dann locker 30 „Leerkilometer“ ansammeln würde…
„Jungs, dazu verstehe ich mich mit meinem Chef aber eindeutig zu gut.“
„Ja, aber wir…“
„Ja, ich aber auch!“
„Dann schauen wir halt, ob sich ein Kollege nicht so gut mit seinem Chef versteht…“
An diesem nicht sehr sinnvollen Punkt der Unterhaltung angelangt, guckten die beiden ziemlich dumm in der Gegend rum, sodass zwei andere an mein Taxi herantraten.
„Sind sie frei?“
„Ich schätze mal ja!“
„Könnten sie uns zur Revaler 99 bringen?“
Seufz.
„Na klar!“
Dass ich gerade 30 € Umsatz gegen 6 € getauscht hatte, war ärgerlich. Viel ärgerlicher war jedoch, dass ich mir sicher war, dass Dennis – der Kollege hinter mir – ähnlich verzweifelt war wie ich und (wenn auch nicht schwarz) gerne mal eine Tour fährt, so lange sie nur irgendwie Umsatz bringt 🙁
Ich hab die beiden anderen Jungs dann kurz zur Revaler gebracht, hab meine 6 € nebst einem Zwickel Trinkgeld bekommen und bin nach einer erfolglosen Runde durch den Boxhagener Kiez wieder am Ostbahnhof aufgeschlagen. 10 Minuten später vielleicht. Und wer steht da an erster Position? Dennis!
Ich bin gleich rüber und hab ihn gefragt:
„Na, haste se auch nicht gefahren?“
„Nee!“
„Was haben sie dir geboten?“
„Wollten 30 zahlen. Ich hab gesagt, dass es 50 sind.“
(Das war wirklich ein bisschen übers Ziel hinaus, aber in dem Fall fand ich es lustig 🙂 )
„Und dann?“
„Die müssten noch hier sein. Die haben alle Kollegen hier gefragt. Wollte keiner Festpreis machen!“
Dass ich das noch erleben durfte 😀
