Günther

„Hallo ich bin der Günther, wie heißt du?“

Um mir diese Frage zu stellen, hat er sich extra von seiner Sektflasche gelöst, an der er die letzten paar Minuten zwischen einigem Kichern immer mal wieder genuckelt hat.

„Sash.“

„Sash? Das ist ein schöner Name!“

„Danke.“

„Sash, bist du Taxifahrer?“

„Ja, allerdings.“

„Können wir dann ein bisschen mit deinem Taxi rumfahren? Einfach so ein bisschen rumfahren?“

„Günther, das können wir machen. Aber das Problem ist: Das kostet Geld.“

„Einfach rumfahren?“

„Ja, auch das.“

Zugegeben, ich habe selten eine dämlichere Frage gestellt bekommen am Taxistand. Aber es war unschwer zu erkennen, dass Günther nicht wirklich geistig auf der Höhe war – und das nicht des Alkohols wegen. Deswegen hab ich die Fragen geduldig über mich ergehen lassen. Und zack! Kaum 10 Minuten später wusste ich, dass er sich in Berlin auch ganz doll auskennt, weil – und die Logik ist beachtlich – er in einem betreuten Wohnen in Zeuthen wohnt. Ich erfuhr von seinem zweitägigen Urlaub und der Tatsache, dass er jetzt ja nur betrunken tut, weil er sonst eigentlich nicht trinkt. Bei ihm im betreuten Wohnen würden sie immer zusammen kochen, ein Paar Rezepte hat er auch gleich noch aufgezählt.

Anstrengend war er, ja.

Aber nach 10 Minuten meinte er dann, als er mir ganz weltmännisch die Hand schüttelte:

„Sash, war schön, dich kennenzulernen. Schönen Abend noch!“

Und dann ist er wieder zu seiner Sektflasche gegangen, der Günther.

3 Kommentare bis “Günther”

  1. MG sagt:

    Schöne Geschichte, aber irgendwie total traurig!

  2. highwayfloh sagt:

    Finde ich gut, wie Du das gehandelt hast! Ehrlich!

    Selbst wenn „er“ kein „wirklicher“ Fahrgast war, aber Du hast im „Menschlichkeit“ zurückgegeben!

    Das ist heutzutage so verdammt selten geworden!

    Dafür ein aufrichtiges und dickes Lob von mir!

  3. Sash sagt:

    @MG:
    Ach mal im Ernst: Ich weiss nicht, ob ich das traurig finden soll. An dem Abend hatten wir jedenfalls beide gute Laune 🙂

    @highwayflo:
    Das klingt ein bisschen so, als hätte ich irgendwas total tolles gemacht. Im Grunde hab ich mich einfach nur nicht beschwert darüber, dass er mich anlabert und hier und da mal genickt. Hat mir nicht durchgehend Spaß gemacht, ihm wahrscheinlich schon. Also passt das 🙂

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