Beweisfoto

Towel-Day im Taxi, Quelle: Sash

Towel-Day im Taxi, Quelle: Sash

Nur falls mir jemand nicht glauben sollte, dass ich gestern mein Handtuch dabei hatte 😉

Kommissar Z. strikes again!

Manchmal sind Zufälle schon was feines. Fundsachen zum Beispiel habe ich sehr selten nur im Auto. Um so schöner, wenn ich ausgerechnet ein Feuerzeug im Wagen finde, wenn meines gerade den Geist aufgibt. Gut, 24 Stunden später war das Teil dann auch leer, aber für einen Anflug von Freude hat es gereicht 😀

Herrentag…

…ist so ein Tag, der mir als Südgemüse beinahe unbekannt ist. Dank des ungemein eifrigen Vormarsches des überbordenden Alkoholkonsums waren zum Ende meiner Zeit in Stuttgart natürlich auch hier und da im Umland „Herrenpartien“ angesagt, aber groß geworden bin ich im festen Glauben, dass es einfach ein Vatertag wie auch der Muttertag ist. Man bastelt den Eltern Geschenke, mehr gewollt als gekonnt, und hat wahrscheinlich das ein oder andere Mal mit ausuferndem Desinteresse gewisse Traumata ausgelöst. Also wenn die „Geschenke“ nicht ausgereicht haben.

Wenn ich und meine Freunde in der Pubertät davon Wind bekommen hätten, dass man diesen Tag auch mit einer gemeinsamen Sauftour feiern kann, dann wäre wahrscheinlich gerade unseren Vätern ein großer Gefallen getan gewesen 🙂

Das Ganze als christlichen Feiertag („Jesus-go-home!“) zu betrachten, lag glücklicherweise kaum jemandem ferner als den Menschen, die sich meine Anwesenheit in diesen Jahren gefallen ließen.

Naja, als Nachwuchs-Ossi (oder meinetwegen auch -Nordi) weiss ich ja jetzt Bescheid und hoffe darauf, dass heute Abend entsprechend was los ist in der Umgebung. Grundsätzlich kann ich mir zwar wesentlich schöneres vorstellen als herummarodierende Horden alkoholisierter Männer, aber wozu trainiere ich denn gelegentlich am Matrix? 😀

Die heutige Nachtschicht war schon eine gute Einleitung – vielleicht schaffe ich ja umsatzmäßig ein Vier-Tage-Wochenende! Ich werde jedenfalls auch auf der Straße sein. Nüchtern und mit Auto. Ich nehme an, meine Dienste werden benötigt…

Ge(ld)beutelt

Mit der Abrechnung am  Dienstag habe ich es nun auch endlich geschafft, mir ein neues Portemonnaie bei meinem Chef zu holen. Normalerweise bekommen wir nämlich alle zum Einstieg in die Firma eines geschenkt.

Ich musste auf dieses Angebot damals nicht zurückgreifen, weil ich ja tatsächlich eines in meinem Haushalt rumliegen hatte. Wie einige der Langzeitleser hier sicher wissen, war Ozies Vater vor Ewigkeiten auch Taxifahrer und dessen Portemonnaie habe ich nun in den ersten anderthalb Jahren genutzt. Aber es war davor schon nicht ganz taufrisch, und so langsam zeigte es dann doch „erste“ Ermüdungserscheinungen:

Hat die besten Tage hinter sich, Quelle: Sash

Hat die besten Tage hinter sich, Quelle: Sash

Auch wenn es nicht so aussieht: Es hält noch dicht, es fällt nichts raus. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, würde ich sagen. Und da mein Chef mich damals gebeten hat, unbedingt auf ihn zurückzukommen, wenn das Ding kaputt ist, weil schließlich alle in der Firma ein Portemonnaie bekommen, habe ich das eben nun getan.

Die Umstellung wird mir ein bisschen schwer fallen, schließlich hat das neue andere Fächereinteilungen, und insbesondere das große aufklappbare Kleingeldfach werde ich nicht verwenden, sondern weiterhin mein Kleingeld im Reißverschluss-gesicherten Teil unterbringen. Da bleibt eine ganze Menge Platz ungenutzt. Mir außerdem ein bisschen rätselhaft geblieben ist, warum die Einsteck-Hüllen für Karten sich jetzt in eben jenem Reißverschluss-Fach befinden.

Das wiederum ist mir recht egal, da ich die Dinger nicht nutze, ich habe in diesem Portemonnaie keine Karten.

Positiv ist dagegen, dass die Fächer tiefer sind, und jetzt z.B. meine Betriebsnachweise (Schichtabschreiber) einmal gefaltet wirklich reinpassen und nicht oben rausstehen.

Anfänglich wird es sicher eine Umgewöhnung sein. Ich hoffe, das legt sich. Aber ich kann mir bei einem Geschäftsportemonnaie auch vorstellen, mal etwas Geld für ein richtig gutes liegen zu lassen. Bisher vertrete ich bei Geldbeuteln eher die Ansicht, dass es wenig Sinn gibt, sein ganzes Geld für einen Beutel auszugeben, wenn damit durch die Anschaffung die Existenz desselben obsolet wird.

So weit wie mein Vater, der seinerzeit einen 15 Jahre alten Ledergelbeutel noch mit Tackern zu retten versucht hat, würde ich allerdings auch nicht gehen 😉

Ooschdrn

Ostern ist vorbei. Juhu? Schade? Ach, mir ist es egal.

Ostern lief bei mir unspektakulär, aber wie üblich verwirrend. Am Donnerstag hatte ich frei gemacht und dann am Freitag richtig reingerockt. Der Umsatz war mit 220 € gut, allerdings muss ich anfügen, dass ich dafür auch 11,50 Stunden unterwegs war. mein Tagfahrer hat das Ganze Wochenende frei gemacht, sodass ich problemlos das Auto mit nach Hause nehmen konnte und eben erst Samstag früh um 8 Uhr gefeierabend habe.

[Kurzer Einschub: Warum gibt es das Wort gefeierabend eigentlich nicht?]

Am Samstag bin ich dann spät aufgestanden und spät losgefahren. Das hatte seinen Sinn, denn ich hatte einen grundsätzlich idiotischen Plan zu meinem Schlafrhytmus ersonnen. Am Sonntag war nämlich ein kurzes Oster-Stelldichein bei Ozies Family in Potsdam geplant, und so hatte ich vor, nach der Schicht nicht zu schlafen, sondern das noch mit abzuhandeln.

Die Samstagsschicht verlief umsatzmäßig genauso wie Freitags, allerdings hab ich ein paar Stunden weniger gearbeitet, sodass letztlich auch deutlich weniger rauskam. Aber immerhin sind einige Blogeinträge aus den Fahrten entstanden. Ist ja auch was!

Tja, dann habe ich mich morgens um 9.30 Uhr also wieder ins Auto gesetzt und bin mit Ozie nach Potsdam gegurkt. Um 15 Uhr ging es wieder zurück. Da war ich dann schon 22 Stunden wach, und ich gestehe, dass ich ohne ein buntes Potpourri an Wachmachern nicht in der Lage gewesen wäre, Auto zu fahren. Aber was über den Tag 2 Cofees, ein schwarzer Tee und ein Kaffee in vernünftigen Abständen alles bewirken kann…

Nach 24 Stunden bin ich dann ins Bett gefallen und hab ein paar Stunden geschlafen.

Mitternacht wieder aus dem Bett gequält, um morgens wieder müde zu sein, damit der Rhytmus wieder passt. Hat aber alles hervorragend geklappt, und da ich jetzt am Monatsanfang eine Fülle freier Tage habe, wäre es auch nicht schlimm gewesen, wenn ich mal eine Schicht dumm müde aus der Wäsche geschaut und früher abgebrochen hätte.

Aber so habe ich eine fast zehnstündige Montagsschicht gearbeitet, die mir wider Erwarten dann doch noch 135 € gebracht hat. Das ist mein zweitbester Montag bisher, weil ich sonst einfach früher aufgebe. Aber gestern war das einfach nicht normal. Ich hab mir die Reifen überall wo ich hinkam plattgestanden, und nach einem anderthalbstündigen Matrix-Aufenthalt um 2.30 Uhr mit unter hundert Euro in der Tasche hatte ich dann wirklich keinen Bock mehr. Aber natürlich habe ich da noch eine Fahrt nach Köpenick bekommen. Dass ich dann – als ich endlich Feierabend machen wollte – keine 500 Meter vom Abstellplatz entfernt zweimal in Folge noch Winker eingesammelt habe, zeigt nur mal wieder, dass man besser nichts plant, wenn man im Taxi sitzt 🙂

Ja, heute bin ich ein bisschen früh aus den Federn gefallen, aber arg viel mehr als eine fast schon unnötige Abrechnung habe ich eigentlich nicht vor. Für Dienstags habe ich mir gerade mal 6 Stunden Arbeit auferlegt, was man letztlich ja fast auf einer Arschbacke absitzen kann.

Und Morgen Abend ist dann wieder frei…

Ich hoffe, ihr habt Ostern auch gut überlebt!

Mal wieder verschätzt…

Dass man sich bei Kunden verschätzen kann, ist klar. Ich denke, das haben auch Kunden schon mit Fahrern erlebt. Recht selten ist es dann allerdings, dass man Leute ins Auto gesetzt bekommt, die man nie und nimmer für Kunden gehalten hätte.

Während ich so am Lesen am Bahnhof war, schlichen ein paar Jugendliche um die Taxen und fragten hier und da die Fahrer nach irgendwelchen Preisen, die offenbar keinen Gefallen finden wollten. Daneben auf der Bank saßen zwei alte Penner und haben Bier getrunken, während gegenüber die Polizei sowas ähnliches wie einen Großeinsatz plante. Der Ostbahnhof wie er leibt und lebt an einem Wochenende.

Als ich nach einiger Zeit – die Jugendlichen waren schon weg – eine Zigarette rauchen wollte, standen plötzlich die beiden Suffköppe vor mir. Beide schwankend, irgendwo in den letzten 10 Jahren vor dem Rentenalter angekommen und offenbar ernstlich an einer Taxifahrt interessiert.

Gleich vorweg: Ich hab die herabwürdigenden Begriffe nur der „Dramatik“ wegen verwendet. Damit auch jeder weiss, wie man sich die beiden vorzustellen hat. Als sie dann bei mir waren, waren sie die Vorzeigekunden schlechthin. Wenn man über 2 Promille hinwegsehen kann. Der eine sprach mich an und fragte ganz nett, ob ich seinen Kumpel denn nach Neukölln bringen würde. Die Straße hat mir erstmal nichts gesagt, aber er hat dann das Krankenhaus Neukölln als Tipp gegeben, und damit war eigentlich so ziemlich alles klar.

Hinter mir versuchte indes der andere einzusteigen, was seiner Angeschlagenheit wegen eher schwierig war. Also hat sein Kumpel ihm geholfen (lag übrigens nicht daran, dass der kurz vor Koma war, sondern eher an Rheuma oder sowas).

Der Kumpel drückte mir auch gleich einen Zehner in die Hand,

„damit de weisst, wir woll’n dir nich verarschen!“

und selbst mein eigentlicher Kunde machte glaubhaft, dass er noch Geld dabei hat. Als ich gerade was zur Bierflasche sagen wollte, reichte er sie seinem fürsorglichen Freund und meinte

„Nimm du mal det Bier, ick hab jenuch!“

Also ging es irgendwann los, und ich hab einfach gleich mal gefragt:

„Also soll ich einfach über Kotti und Hermannplatz…“

„Nee, nee! Fährste mal… Elsenbrücke kennste?“

„Klar.“

„Ja, dann fährste am Besten da Dammweg oder so. Is schneller.“

Am Dammweg selbst kam er dann noch auf die hervorragende Idee, kurz über die Autobahn zu fahren, und insgesamt hat die Tour sicher 2 € mehr gebracht als auf dem schnellsten Weg. Unter diesen Umständen war der eine Euro Trinkgeld schon wieder recht viel.

Dazwischen lagen einige Minuten nette Unterhaltung und so kann man das Ganze als nicht schlechte, sehr angenehme Tour abtun. Trotzdem würde ich wahrscheinlich auch heute noch skeptisch gucken, wenn die Typen wieder mal anfragen…

Ich studiere NICHT!

Ca. 50 bis 70% meiner Kunden sagen ihn, den einen immer gleichen Satz:

„Und wie ist das, studieren sie nebenher?“

Meine Antwort ist in der Regel ein von einem dezenten Lachen begleitetes

„Nein, ich mache das hauptberuflich und freiwillig…“

Es ist faszinierend, dass ich als noch verhältnismäßig (zumindest im Vergleich zu Heesters und Berlusconi) junger Mensch diesen Satz immer wieder zu hören bekomme. Klar, das Klischee vom Studenten, der nebenher Taxi fährt, existiert noch. In Berlin ist jedoch dank straffer Studienpläne und einer recht harten Ortskundeprüfung die Wahrscheinlichkeit größer, dass der alte Fahrer ein Professor ist, als dass ein Jungspund wie meine Wenigkeit Student ist.

Ich kann die Frage schon verstehen, aber in einer gewissen Art und Weise nervt sie auch. Das liegt noch nicht einmal an der Frage selbst – sie impliziert doch eigentlich eher, dass die Fahrgäste den Eindruck haben, ich hätte eigentlich mehr auf dem Kasten, als ein Auto durch die Nacht zu lenken. Habe ich sicher auch.

Das Nervige an dieser Frage ist eigentlich das, was nach meiner Antwort eintritt: Eine kurze verlegene Stille…

Ich weiss, Taxifahrer verdienen nicht gut, und die geistigen Fähigkeiten, die nötig sind, um diesen Job durchschnittlich auszuführen, bewegen sich irgendwo kurz hinter dem Evolutionssprung, der die Menschheit dereinst veranlasste, sich nicht mehr mit Affen zu paaren. Sollte man meinen. Dabei stoßen mir zwei Dinge bitter auf:

Zum einen:
Klar kann jeder Depp prinzipiell mit ein wenig Talent ein Auto steuern und Befehle entgegennehmen. Für die tatsächliche Dienstleistung, die zum Teil ja auch aus der Unterhaltung und der Zufriedenstellung der Fahrgäste besteht, sollte man dennoch eine gewisse Intelligenz und Sozialkompetenz mitbringen. Schließlich „muss“ ich als Taxifahrer Gelangweilte unterhalten, Gestressten Ruhe und Ängstlichen Sicherheit vermitteln, Besoffene zur Ordnung mahnen, Deprimierte aufbauen, Verzweifelte trösten und… ach ja, nebenher Auto fahren und das alles verarbeiten.

Zum anderen:
Ja, ich bin nicht der Dümmste, ich kann mich ausdrücken und trotz meines besch… eidenen Abiturs hätte ich sicher die Möglichkeit gehabt, einen anderen, „besseren“ Job zu machen. Dennoch sitze ich Abend für Abend in meiner Taxe und bin – wirklich fast jeden Abend – ein ums andere Mal froh, dass ich diesen Weg gewählt habe.

„Ich habe mein Abitur gemacht, um auswählen zu können, was ich machen will – nicht, um auf jeden Fall zu studieren!“

pflege ich gerne zu sagen. Mir ist klar, dass dieser Lebensentwurf insbesondere beim konservativen Teil der Bevölkerung ewig auf Unverständnis stoßen wird. Dass die unterschwellige Überzeugung, man könne ja wohl nur im „Notfall“ Taxifahrer werden, so weit verbreitet ist, lässt mich dann doch manchmal geradezu verzweifeln.

Natürlich stehen am Ende solcher Diskussionen immer wieder Sätze wie

„Das finde ich gut!“,

„So eine Einstellung ist echt positiv!“,

„Ich habe echt Respekt vor solchen Leuten!“,

und natürlich ist das irgendwie schön. Wahrscheinlich habe ich sogar wirklich schon den ein oder anderen davon überzeugen können, dass dieser Job nicht zwingend die letzte Haltestelle vor Hartz4 ist. Auf der anderen Seite ist es wahrlich erschreckend zu sehen, wie viele – die sich völlig selbstverständlich im Taxi chauffieren lassen – offenbar davon ausgehen, dass das ja kein „richtiger“ Beruf ist.

Diese Konfrontation mit pseudo-mitleidiger Kundschaft teile ich wahrscheinlich mit Putzfrauen, Zimmermädchen, Altenpflegern und wahrscheinlich sogar mit Krankenschwestern.

Ich kann damit wirklich ohne weiteres umgehen, denn ich bin ein Mensch, der inzwischen ein vernünftiges Selbstwertgefühl entwickelt hat. Zumal – so zeitintensiv sie sein mag – meine Arbeit stets nur Ausdruck meiner Einstellung ist, und nicht meine Identität bestimmt.

Ich bin „nur“ Taxifahrer, das ist wahr. Aber in dieser Position befinde ich mich täglich auf Augenhöhe mit Wirtschaftsprofessoren und besoffenen Punks gleichermaßen. Und im Gegensatz zu den meisten sehe ich mich diesbezüglich in einem sozialen Vorteil – nicht etwa irgendwo unten, nur weil auf meinem Gehaltsnachweis ein paar Euro mehr oder weniger im Vergleich zu den anderen draufstehen.

Zumal ich auch hier mal wieder die sozialrevolutionäre Karte ausspielen und fragen könnte: Könnten wir eher auf den Manager von Daimler verzichten, oder auf den Typen, der da die Bremsen installiert? Eben.

Aber um noch kurz ein Fazit zu bringen:

Fragt doch, was ihr wollt! Nach den Anforderungen meiner Kundschaft müsste ich über die Bettenqualität in 5-Sterne-Hotels ebenso Bescheid wissen, wie über die Preise und Hygiene auf dem Straßenstrich. Ich möchte mal das Studium sehen, das mir dieses Wissen zuteil werden lässt…