N‘ Zehner für’n Umweg…

Nee, das wusste ich vorher schon.

Die Frau mittleren Alters erwischte mich am Ostbahnhof noch hinter der letzten offiziellen Rücke. Schwer bepackt mit Kleidung bat sie mich, sie doch bitte mitzunehmen, auch wenn ich so weit hinten stünde. Klar.

„Ich muss nur bis zum Mariannenplatz… aber ich zahl auch 10 €!“

„Vielen Dank, aber selbstverständlich müssen sie das nicht!“

„Ich weiss, aber ich mach das auch gerne. Und wenn es doch nur so eine kurze Strecke ist.“

Ein Gesprächsthema hatten wir also auch schon 🙂
Ich kann schon jetzt nicht mehr mitzählen, wie oft ich Kunden versichert habe, dass ich mit kurzen Fahrten kein Problem habe – auch wenn es natürlich nicht so lukrativ ist wie eine lange. Sie erzählte freudestrahlend, dass sie das immer mit einem guten Trinkgeld ausgleichen würde, wenn sie schon so faul sei. Sie hätte ja auch selbst mit dem Auto fahren können und und und… nur einmal hätte der Fahrer das nicht angenommen.

Und auch wenn ich inzwischen sicher bin, dass unsere Branche wie auch die komplette Menschheit ausschließlich aus komischen Käuzen besteht, so war mir das dann auch neu.

„Der wollte ganz strikt nur das haben, was auf dem Taxameter steht. Der hatte wohl seine Prinzipien.“

Und während ich darüber nachdachte, wie man Taxifahren auch noch ohne die Annahme von Trinkgeld bewerkstelligt, hab ich natürlich prompt vergessen, abzubiegen. Na gut, geht der Umweg eben von meinem Trinkgeld ab 🙂

Die Frau vermutete noch, dass der Kollege ihr deshalb nicht so viel Trinkgeld abnehmen wollte, weil sie schon so alt sei, aber sie sei noch topfit. Wie zum Beweis hat sie mir meinen Umweg auch gleich vorgehalten. Nicht im Bösen glücklicherweise, und so haben wir eben den längeren von 2 möglichen Umwegen genommen. 4 € für mich sind am Ende immer noch übrig geblieben…

Wat ein Montag…

Ich hab schon so oft geschrieben, wie nervig Montage sein können. Keine Sau ist nach den Wochenendeskapaden und dem ersten Arbeitstag Nachts auf der Straße. Verständlicherweise. Also steht man sich als Taxifahrer die Reifen platt. Ich achte Montags immer darauf, dass ich genug zu lesen und Essen dabei habe, um die langen Wartezeiten irgendwie zu überstehen.

Heute Nacht hätte ich mir das sparen können!

Ich bin auch nur mit mäßiger Motivation in den Tag gestartet. Ich wollte keinesfalls mehr als 8 Stunden arbeiten, und im Optimalfall noch vorher Feierabend machen – wenn ich den obligatorischen Hunni bis dahin eingefahren hätte.

Gleich am Stellplatz des Autos ging es los. Eine junge Frau musste mit ihrer im Baumarkt erworbenen Spüle ein Stückchen in die Stadt rein. An den Bahnhöfen ging es zeitweilig auch drunter und drüber, weil mal wieder etliche S-Bahnen ausgefallen sind. Ich hab letztlich eine Runde bis nahezu zu meinen Heimatgefilden gedreht, und zwar fast ununterbrochen besetzt. So kamen binnen anderthalb Stunden 4 Touren zusammen mit dem abenteuerlichen Umsatz von rund 51 €. Das ist quasi mein Silvesterschnitt!

An einem stinknormalen Montag!

Völlig absurd ist es aber dann geworden, als ich mich doch noch am Ostbahnhof eingefunden habe. Ich stehe gemütliche 10 Minütchen an, da tritt jemand an den ersten Kollegen der zweiten Rücke heran. Dann geht er weiter zum Zweiten. Ich, Dritter, spitze schonmal die Ohren:

„Kann ich bei ihnen mit ec-Karte zahlen?“

Schade.

Dann kam er zu mir und wollte gerade loslegen, da hab ich gemeint:

„Ich hab gerade schon mitgehört. Ich hab leider auch keinen Kartenleser!“

Ich weiss nicht, ob ich damit bereits kommunikativer war als die Kollegen, oder ob er einfach keinen Bock mehr zu suchen hatte. Jedenfalls erkundigte er sich, was denn die Fahrt nach Eggersdorf kosten würde. Ich hab ziemlich diplomatisch klargestellt, dass ich bei Eggersdorf höchstens ausschließen könnte, dass es sich jenseits des Atlantiks befindet, und ich jetzt erst einmal gar keine Vorstellung davon habe. Aber er hat sich die Zeit genommen, und als ich auf seine Frage

„Fünfzig, sechzig Euro?“

antworten konnte:

„Höchstens!“

sprang er ins Auto mit den Worten:

„Na, so viel Geld hab ich ja schon noch dabei!“

Soviel zum Wunder der menschlichen Kommunikation. Die sehr angenehme Tour hat dann auf einen Schlag nochmal 45 € in meine Kasse gespült, und da stand ich dann mit einem akzeptablen Kilometerschnitt und 96 € in der Tasche nach gerade mal 3 Stunden Arbeit vor meiner Haustüre. Ich hätte am liebsten gleich Feierabend gemacht. Aber eine kurze Runde durch in die Stadt musste ich so oder so noch. Auf dem Weg hab ich dann noch Winker gefunden – und das obwohl ich verpennt hab, die Lampe anzumachen.

Naja, jedenfalls hab ich meinem Wunsch nach früh Feierabend gemacht: Nach knapp 5 Stunden mit 115 €. Danke!

Unentschieden!

Sehr kurzes Gespräch über den Fahrpreis zwischen zwei Mädels und mir:

„Hey, können wir nen Abi-Sonderpreis machen?“

„Leider nicht, sonst müsste ich ja für meines auch einen Aufpreis verlangen.“

„Hmm, stimmt. Naja, versuchen kann man es ja mal…“

Netter Kontakt, gerne wieder.  Oh, falsche Website…

In fremden Zungen (2)

Etwas hilflos hat die Frau mit ihrem Kinderwagen geschaut, als sie am Ostbahnhof an den Taxistand herantrat. Ein guter Kollege von mir fährt nur einen Daimler und konnte mit ihrem Kinderwagen (ohne Kind) nicht so viel anfangen. Also hat er sie zu mir geschickt. Ich hab mich mit ihrer Mithilfe ans Einladen gemacht und im Grunde ging das recht flott, nur hat sie in keinster Weise auf meine Frage reagiert, wo es hingehen sollte. Letztlich hat sie jemanden angerufen, und der hat mir dann am Telefon bei miesester Verbindung gesagt:

„Bringe zu Bumastr. 10! Nicht weit. Du bist Taxi?“

„Bumastr.?“

„Lumastr.!“

„L-U-…?“

„L-Y!“

„Lynarstr.?“

„Ja, Lumastr.! Wedding!“

Also so in etwa. In Wirklichkeit hat es drei Minuten länger gedauert und war ein paar Stufen lauter. Aber die Lynarstr. passt zusammen, am Ende hat er selbst die Tanke an der Ecke erwähnt und damit war die Sache dann geritzt. Unterwegs hab ich dann rausgefunden, dass die junge Frau gut Englisch spricht, somit war das schon wieder ok. Dumm nur, dass sie sich offenbar im Bahnhof vertan hat oder so, denn

„five minutes“

ist definitiv etwas optimistisch für die Strecke. Und die knapp 15 € am Ende waren auch leider keine Abzocke, sondern der normale Fahrpreis. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie mir das nicht geglaubt hat, aber was will ich machen. Ich hab ihr erklärt, dass es vom Hauptbahnhof deutlich kürzer gewesen wäre und ich befürchte, sie hätte dort aussteigen sollen, ich hab das Navi angemacht, damit sie sehen kann, dass ich den kürzesten Weg nehme. Dass sie mir letztlich vor der Haustüre nicht einmal mehr glauben wollte, dass das das richtige Haus ist:

„You talked to him, I don’t know!“

hat mich zudem etwas erstaunt hinterlassen. Irgendwer hat sie letztlich doch abgeholt und dann haben sie sich gegenseitig offenbar über den Fahrpreis beschwert. Ich bin dann einfach in die regnerische Nacht entschwunden. Am Ende einer solchen Fahrt beneide ich dann wieder den Kollegen mit dem Daimler…

In fremden Zungen (1)

Ein guter Anfang für eine Tour ist es, wenn ein Winker mit englischem Akzent am Moritzplatz folgendes verlangt:

„Nach Mitte!“

Das schließt immerhin 2 von 4 Richtungen aus. Die Frage nach der Straße beantwortet er mit:

„Zoostr.!“

Uff! Ich gebe ja immer wieder gern öffentlich zu, dass ich nicht alles in Berlin kenne, aber eine Zoostr. müsste doch drin sein. Aber würde die nicht eher Richtung Zoo liegen – also Charlottenburg und nicht Mitte?

„Wirklich Zoostr.?

„Ja, Zoostr. Ecke Gormänn!“

„OK! TORstr….“

Naja, Hauptsache angekommen!

Die sich selbst verlängernde Kurzstrecke

An einem Donnerstag runde 70% der Touren als Winker zu bekommen ist selten. Da kann man nach nur 4 Arbeitsstunden im Wochenendrhytmus  bei über 80 € auch mal auf übermütige Ideen kommen. In der Revaler Str. stürmten die nächsten auf mein Auto zu und wollten zum S-Bahnhof Treptower Park.

„Hm, da kann ich ja mal versuchen, Kurzstrecke zu machen.“

„Äh, ja. Boah, das wäre ja cool, wenn das reicht…“

„Versprechen kann ich nichts. Wenn’s vorher piept: Anhalten?“

„Äh… nee, jetzt noch durch den Regen wollen wir auch nicht.“

Schöne Geschichte! Das Ende der Fahrt war allerdings derart unglücklich, dass die beiden tatsächlich 7,00 € zahlen mussten. Das heisst, die Kurzstrecke war vorbei, und für die letzten 300 Meter haben sie damit 3 € extra bezahlt. Eine Art Worst-Case-Szenario für die Berechner von Teilstrecken 😉

Aber die beiden haben noch ein kleines Trinkgeld (sie nannten es T-Geld) gegeben, und ich war tatsächlich ziemlich zufrieden, nun bereits 90 € in der Tasche zu haben. Ich hab kurz die Tourdaten notiert und bin losgefahren. In dem Moment brüllt jemand aus Richtung des S-Bahnhofes und ich sehe eine winkende Gestalt. Also Bremse!

Als er näherkam, erkannte ich, dass es doch kein neuer Fahrgast war, sondern einer der alten, und er vermisste sein Handy. Ich habe es tatsächlich in der Seitentasche der Tür gefunden, und er war ziemlich glücklich darüber, dass wir das noch hingekriegt haben.

„Hey, ich danke dir auch! Ist ja immer mords der Aufwand mit dem Zurückbringen und so…“

Sie wollten mit der S-Bahn weiter, und so verzog er sich wieder zu seinem Kumpel. Ich – immer noch grinsend wie die leicht unglücklich beim Vergrößern deformierte Version eines Honigkuchenpferdes – hab das Auto an der nächsten Ecke gewendet und bin gen Matrix geschossen. Wollte gen Matrix schießen.

Am S-Bahnhof winkten drei Leute. Meine beiden und ein weiterer…

„Fährt keine Bahn mehr…“

meinte der eine gleich beim Einsteigen.

„Wir müssten dann doch nach Adlershof.“

Wow! So leid es mir für die Jungs getan hat, so sehr hab ich mich doch auch für mich und mein chronisch unterfüttertes Portemonnaie gefreut.

„Da haben wir dir ja doch noch ne ganz nette Tour verschafft, was?“

„Allerdings! Ihr werdet keine Beschwerden von mir hören!“

Die drei haben sich überwiegend selbst unterhalten, aber im Laufe der Zeit kristallisierte sich eine weitere Verdienstmöglichkeit heraus. Der dritte im Bunde wollte auch nur in Adlershof in den Nachtbus wechseln, eine Weile weiterfahren und dann eine Dreiviertelstunde (!) heimlaufen. Irgendwann fielen sie dann endlich, die warmherzigen Worte:

„Sag mal, was würde das denn von Adlershof nach Eichwalde kosten?“

Das alles war letztlich eine mehr als lockere Tour, die sogar noch einen fünfminütigen Stopp beim McDrive in Adlershof einschloss. Die Jungs waren allesamt super relaxt (der eine sogar aus hormonellen Gründen überzufrieden) und so kam es, dass das was ich als Kurzstrecke in Friedrichshain gestartet habe, irgendwo im tiefsten Schulzendorfer Wald geendet hat mit insgesamt 46,60 € auf der Uhr und – auch wenn es nicht viel ist für so eine Tour – 80 Cent Trinkgeld.

Möge der Neid in Form ätzender Säure aus den Arschlöchern der Kollegen rinnen, die gerne kurze Touren ablehnen…
(OK, das ist hart ausgedrückt, aber es war ein mir tief innewohnendes Bedürfniss!)

Taxifahren ist teuer…

Eine prinzipiell wahre Aussage. Ich schreibe mir ja auch den Bildschirm pixelig darüber, warum das so ist, und dass es auf der anderen Seite auch gar nicht so schlimm ist, wenn man mal genau nachrechnet. Naja, jedenfalls hatte ich Winker. Glücklicherweise, denn der Abend lief beschissen bis dato.

Zwei junge Leute, die nachts um 1:30 Uhr am schlesischen Tor stehen. Mit einer Kofferraumladung Gepäck. Ungewöhnlich, aber warum auch nicht?

Zur Bornholmer Straße wollten sie. Höhe S-Bahnhof etwa. Ich hab mich mit einem Grinsen daran erinnert, dass ich Ozie vor vielleicht 55 Stunden gesagt habe, dass ich die Straße da oben nun derart auswendig kenne, laufender-, sitzender- und liegenderweise, dass ich sie in näherer Zukunft nicht auch noch mit dem Auto abfahren müsste.

Ob das denn weit sei von hier, wollte mein Fahrgast wissen.

„Naja, ist schon ein ganzes Stückchen!“

hab ich geantwortet, denn gefühlt ist es ja schon einmal durch die halbe Stadt, fast 10 km und definitiv eine überdurchschnittliche Tour.

„Aber unter 100 €, oder?“

Dem Kunden hab ich ein freundliches Lachen entgegengebracht und ihm versichert, dass wir nicht einmal über 20 € kommen würden. Gedacht hab ich mir zwischenzeitlich allerdings auch:

„100 €? Meine ganze verdammte Schicht bleibt unter 100 €!“

War aber eine wirklich nette Fahrt, die ich nicht missen möchte.

Hab mir nebenbei überlegt, ob man es über den Berliner Ring vielleicht schaffen würde… 😉