N‘ Zehner für’n Umweg…

Nee, das wusste ich vorher schon.

Die Frau mittleren Alters erwischte mich am Ostbahnhof noch hinter der letzten offiziellen Rücke. Schwer bepackt mit Kleidung bat sie mich, sie doch bitte mitzunehmen, auch wenn ich so weit hinten stünde. Klar.

„Ich muss nur bis zum Mariannenplatz… aber ich zahl auch 10 €!“

„Vielen Dank, aber selbstverständlich müssen sie das nicht!“

„Ich weiss, aber ich mach das auch gerne. Und wenn es doch nur so eine kurze Strecke ist.“

Ein Gesprächsthema hatten wir also auch schon 🙂
Ich kann schon jetzt nicht mehr mitzählen, wie oft ich Kunden versichert habe, dass ich mit kurzen Fahrten kein Problem habe – auch wenn es natürlich nicht so lukrativ ist wie eine lange. Sie erzählte freudestrahlend, dass sie das immer mit einem guten Trinkgeld ausgleichen würde, wenn sie schon so faul sei. Sie hätte ja auch selbst mit dem Auto fahren können und und und… nur einmal hätte der Fahrer das nicht angenommen.

Und auch wenn ich inzwischen sicher bin, dass unsere Branche wie auch die komplette Menschheit ausschließlich aus komischen Käuzen besteht, so war mir das dann auch neu.

„Der wollte ganz strikt nur das haben, was auf dem Taxameter steht. Der hatte wohl seine Prinzipien.“

Und während ich darüber nachdachte, wie man Taxifahren auch noch ohne die Annahme von Trinkgeld bewerkstelligt, hab ich natürlich prompt vergessen, abzubiegen. Na gut, geht der Umweg eben von meinem Trinkgeld ab 🙂

Die Frau vermutete noch, dass der Kollege ihr deshalb nicht so viel Trinkgeld abnehmen wollte, weil sie schon so alt sei, aber sie sei noch topfit. Wie zum Beweis hat sie mir meinen Umweg auch gleich vorgehalten. Nicht im Bösen glücklicherweise, und so haben wir eben den längeren von 2 möglichen Umwegen genommen. 4 € für mich sind am Ende immer noch übrig geblieben…

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