Hauaho!

Und schon wieder wurde meine Stammtanke unfreiwillig zum Taxistand. Bereits als ich noch optimistisch war, die Zapfsäule würde dieses Mal genug Druck bereitstellen, um den Tank wenigstens halbvoll zu bekommen, stakste ein kleiner asiatisch aussehender Mann auf mich zu.

„Hauaho?“

Auf dieser Basis hat sich tatsächlich eine Art Gespräch entwickelt, denn  in begrenztem Maße konnte er Deutsch. Für mein untrainiertes Ohr klang es allerdings so, als hätte er beim Lernen die Konsonanten einfach ausgelassen.

Mittels einer ausgedruckten Zugverbindung der Bahn war dann allerdings recht schnell klar, dass er zum Hauptbahnhof wollte.

Ich hab wirklich versucht, mich klar und deutlich auszudrücken, habe es auf Englisch versucht, mehr war nicht drin. Die Unterhaltung war ziemlich anstrengend. Jetzt könnte man sagen, dass es im Zweifelsfall nicht unbedingt darauf ankommt, möglichst Smalltalk im Taxi zu halten… OK! Da stimme ich trotz meiner allgemeinen Quassellaune zu. Aber wie erklärt man jemandem, der nur etwa jedes zehnte Wort* versteht, dass es wohl nicht so einfach sein wird, die Bahn davon zu überzeugen, dass er mit seinem Ticket, das von Hamburg irgendwo nach Schweden gilt, jetzt auch bis Hamburg fahren kann, weil er im Zug eingeschlafen und am Ostbahnhof aufgewacht ist?

Ich wünsche ihm wirklich, dass er es noch geschafft hat – aber ich mach mir bei unserer Bahn keine großen Hoffnungen. Mir reicht ja das, was ich dort desöfteren als Englisch verkauft bekomme!

* Das könnte im Glücksfall auch helfen, weil die Schriebe der Bahn sicher gut 90% im Normalfall irrelevanten Sermon enthalten, und es somit das Verständnis erhöhen könnte, nur den relevanten Part zu kapieren 😉

Rückgeld-Profis

Am Ostbahnhof haben sie mich aufgegabelt und wollten in einen Club in Prenzl’berg. Mit dem haben sie mich eiskalt erwischt. Ich hatte keine Ahnung, wo er liegt. Da sie aber den Namen der Straße mehr oder minder nennen konnten, und ich zudem mal kurz die Gegenprobe via Robertha gemacht habe, sind wir kurz darauf mit guter Stimmung an Bord gen Nordwesten gebrettert.

Den Club zu finden, war keinerlei Problem, die Ecke war mir eigentlich nicht unbekannt. Aber man weiss ja nicht alles. Als wir ankamen, stand die Uhr auf 11,80 €, und die beiden suchten nach Geld. Der eine hatte zwei Fünfer, der andere fahndete nach Kleingeld, legte dann aber doch einen Fünfer drauf.

„Wieviel geben wir?“

fragte wieder der andere und wieder wurde im Kleingeld gegraben. Dann stellten sie fest, dass sie inzwischen 18 € in der Hand hielten. 3 Fünfer und 3 € in klein. Mir wurde das Ganze nach vorne gereicht mit der Bitte:

„Machste 13 und gibst uns einen Fünfer zurück.“

Ich hab keine Kamera gesehen, also hab ich ziemlich dumm geguckt und meine Verwunderung kundgetan. Die beiden haben allerdings selbst schon gelacht. Dass das albern war, war also durchaus nicht nur mir bewusst. Sie haben ihren Fünfer natürlich zurückbekommen, und obendrauf gab es eine Visitenkarte mit Blog-Adresse. Meine Worte dazu:

„Damit habt ihr euch qualifiziert!“

Na denn herzlich willkommen hier 🙂

Die kotzen zu selten!

Traumhaft ist es, wenn man die rettende Tour völlig unerwartet in einem Außenbezirk erwischt. Der Kunde pfiff, und ich brauchte eine Weile, um seiner gewahr zu werden. Fern ab der Straße kam er angesprintet und war ebenso erfreut wie ich.

Dass er zudem eine halbe Stadtdurchquerung plante, passte mir natürlich besonders gut. 🙂

Er war in der Gastronomie tätig und hatte seinen wohlverdienten Feierabend soeben begonnen.

„Stört dich nicht, wenn ich mein Feierabendbier hier…?“

„Nicht im Geringsten. Natürlich unter der Voraussetzung, es bleibt alles sauber hier drin.“

Vielleicht sollte ich bei Getränken etwas konsequenter sein. Aber letztlich kann ich in anderthalb Jahren Nachtschicht im Taxi nur von einem ärgerlichen Zwischenfall berichten, und selbst da ging es nur um etwas Flüssigkeit auf der Gummimatte, die genau deswegen da liegt.

Als Dienstleister mit der selben Zielgruppe sind wir schnell ins Gespräch gekommen, und letztlich haben wir uns die ganze halbe Stunde fast ausschliesslich über Leute unterhalten, die mir ins Taxi oder ihm in die Bar gereihert haben. Mit dem ein oder anderen Seitenschwenk zu anderen Körperflüssigkeiten hat sich da doch ein durchaus nicht uninteressantes Thema ergeben. Und ja, auch wenn es gerade um die negativsten Beispiele der eigenen Kundschaft ging, so kann ich doch sagen, dass ich irgendwie dennoch froh bin, meinen Job zu machen. Ich krieg zwar viele Kunden erst ins Auto, wenn sie ihm schon zu voll sind – dafür erspare ich mir aber auch einige traurige Momente davor…

Und ich hatte definitiv zu wenig zu erzählen 😀

Kennt noch jemand da draussen die Momente, wo man sich denkt: Schade, dass jetzt schon Schluss ist mit Arbeit?

Liebesbeweise, fragwürdige

Ein kleiner Nachschlag, wo doch der Holländer-Artikel so kurz war 🙂

Nicht zwingend komisch, aber zweifelsohne erwähnenswert war dann noch die junge Australierin, die ihren Mitreisenden freimütig verkündete:

„Of course I love my boyfriend! Guess why I’m wearin‘ panties in fucking Europe?“

Ich stelle mir das so als Erinnerungshilfe vor:

Er: „Ich zieh dir das Höschen aus, ja?“
Sie: „Höschen? Oh scheiße, ich hab ja nen Freund!“

Holländer beim Sex

Ich finde ja, dass grundsätzlich so einiges erlaubt ist, so lange es allen Beteiligten gefällt. So kann ich schon damit umgehen, wenn Holländer ihre Landessprache sprechen. Klar, nicht jeder ist da so tolerant wie ich, aber die Versuche auf Deutsch sind oftmals ja auch nicht weniger grausam.

Das selbe gilt meines Erachtens nach auch für Sex. Meinetwegen können die Menschen sich gegenseitig die Genitalien anzünden, wenn beide das für sinnvoll erachten. Oder alle acht. Das soll mir egal sein, so lange ich nicht gezwungen bin, daran teilzunehmen.

Insofern war auch an den Holländern neulich im Wagen gar nichts per se Verachtenswertes, aber ich bin durchaus am Überlegen, ob ich meine liberale Haltung vielleicht durch ein paar Dummheits-Paragrafen einschränken sollte. Die Jungs haben mir relativ glaubhaft versucht klarzumachen, dass sie unlängst ihre Schwengel gegen die Berliner Mauer geklatscht haben.

An welche therapeutische Einrichtung kann ich mich wenden, um die Bilder wieder loszuwerden?

Beziehungen mit Chancen

Die montägliche absolute Totenruhe auf den Straßen hab ich ausgenutzt, um mir in einem unbeobachteten Moment ein dickes Stück Käsebaguette zwischen die Kiemen zu stopfen. Kunden waren so oder so keine in Reichweite, da ein Kollege mit eingeschalteter Fackel vor mir hergondelte und keine Anstalten machte, einen anderen Kurs einzuschlagen als ich. Mit vollem Mund genüßlich kauend schoss ich durch die Landschaft, als plötzlich zwischen mir und eben jenem Kollegen ein Arm emporschnellte.

In Gedanken begrüßte ich die – natürlich auch noch weibliche – Kundschaft schon mit den Worten:

„Bubbn Abmb! Wo barfff himbehmm?“

aber mit Mühe, Not und einer von der Eierschlange abgeguckten Würgetechnik hatte ich zwar Tränen in den Augen, war aber sprech… *räusper* sprechbereit!

War eine kurze Tour, nach einer halben Minute meinte sie:

„Rieche ich sehr nach Rauch?“

Ich dachte mir: „Was? Ich hab noch’n Viertelpfund Käse hinter den Backenzähnen, und du machst dir Sorgen ums Rauchen?“

„Ich darf nämlich offiziell nicht rauchen. Hihi. Mein Freund mag das nicht so. Der raucht mir zwar selber alle Kippen weg, wenn ich mal welche habe, aber ich darf nicht…“

Herzlich willkommen im 21. Jahrhundert!

Aber mit Mundspray, Lippgloss, Zähneputzen und Verstecken läuft es ganz prima…

So kann es auch gehen…

Ich hab meine Sachen vom Tresen genommen. Den Tankbeleg und die zugehörige Flottenkarte hielt ich in der linken Hand, der Autoschlüssel lag in meiner rechten.

Das Auto war soweit auf Vordermann gebracht und betankt, es fehlten nur noch 4,80 € bis zum obligatorischen Hunni – und mehr hatte ich gar nicht vor. Die Sonne war zwar noch nicht aufgegangen, aber eine eher schlechte Schicht schrie nach Beendigung. Wo kriege ich die 4,80 € jetzt her?

Vielleicht fahre ich ja über die Warschauer nochmal zum Matrix? Aber da stehen mindestens 10 Kollegen. Dauert Minimum eine halbe Stunde, wenn ich keinen Winker mehr abkriege.

Ostbahnhof lohnt um die Zeit gar nicht. Hat das Weekend vielleicht offen? Keine Ahnung, noch nicht dagewesen heute.

Bar 25 direkt gegenüber? Hmm, so 5 bis 6 Kollegen. Wie viele da jetzt wohl rauskommen? Wäre immerhin kein weiter Weg.

Als ich den Knopf der Fernbedienung drückte, um mein Auto zum Öffnen zu bewegen, war ich umringt von 5 jungen Leuten, die zum Alex wollten. Keine Monstertour – aber gute 7 €. Und ein kleines Bisschen was gutes tun konnte ich auch noch: Außer einem Taxifahrer hätte niemand mit deren Angaben das abgestellte Auto gefunden. 😉