Habe eine Katze wacht!

Sprachbarrieren gibt es ja nun öfter im Taxi. Klar, wir hatten letztes Jahr anscheinend 9 Millionen Touristen in Berlin. Da ist es kein Wunder, dass der ein oder andere davon auch mal bei mir im Wagen landet.

Ich hatte schon Anfragen in die „Zoostraße“, sie sich dann als Torstraße entpuppt hat. Kaum schlagbar ist der „Suhlischdagaaden“, den die Berliner dann wiederum als Zoo kennen, und einmal ist mir eine potenzielle Kundin dann sogar weggerannt, weil wir uns nicht weiter verständigen konnten. Ich glaubte (zu Recht), sie habe eigentlich ein Taxi bestellt, während sie nur in den „Weeehin“ wollte. Und dann ging sie „Na’ucken“ – wie sie es nannte.

Aber die Touristen sind nur die eine Seite der Sprachvielfalt in dieser Stadt. Auf der anderen Seite gibt es ja noch jede Menge zugewanderte Menschen. Meiner Herkunft sei Dank bin ich noch nicht aufgeschmissen, wenn jemand „zom Friedrisshoi“ will, manch andere Dinge sind dann wieder schwer zu entschlüsseln.

Mein netter Winker war in seinem früheren Leben wohl Holländer.

Das ist per se nicht schlimm, und in Anbetracht des steigenden Meeresspiegels würde ich mich in seinem Fall auch nicht darauf verlassen, dass es sich lohnt, in der Heimat eine Existenz aufzubauen. Es war nur eine Kurzstrecke, und er hat mir kurz recht problemlos auf deutsch erklärt, wo er hin müsse. Also hab ich die paar Pferde unter der Haube aufgescheucht, um ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Dann sagte er folgendes:

„Ich habe eine Katze wacht!“

Wie bitte?

„Ich habe eine Katze wacht!“

Klingt lustig, aber er meinte es offenbar ernst. Und nun will ich vor einer Auflösung mal ein paar Vorschläge hören, was der Kerl nun genau hatte 😀

Senti

Die erste Fahrt war mal wieder so ein richtig gelungener Treffer, eine Fahrt wie sie die meisten Kollegen davon abhält, sich an den Ostbahnhof zu stellen. Gerade mal 6,80 € sind auf dem Taxameter zusammengekommen, und wenn ich ehrlich bin, dann auch nur deswegen, weil mein Kunde die Hausnummer derart ungenau beschrieb, dass ich am Ende noch ein paar hundert Meter Umweg fahren musste.

Aber wenigstens war es eine nette Fahrt, der Kerl war gut drauf, ich auch… also was soll es?

Am Ziel zückte er trotz Monatsanfang auch nicht etwa einen Fuffi, sonder meinte zu meiner Freude:

„Ha! Endlich werd ich mein ganzes Kleingeld los!“

„Na dann immer her damit! Ich kann Kleingeld gebrauchen!“

Als er mir dann einen Fünfer reichte, wunderte mich das schon, aber er hat tatsächlich nochmal ganze 4 € mehr oder minder klein nachgelegt. Im Übrigen in durchaus brauchbaren Münzen, kein Rotgeld.

Beim Einwerfen ins Portemonnaie ist mir dann eine allerdings doch aufgefallen:

10 estische Senti, Quelle: Sash

10 estnische Senti, Quelle: Sash

Insbesondere da die Produktion dieser Münzen inzwischen eingestellt wurde, denke ich doch stark, dass es zugleich das erste und letzte Mal gewesen sein wird, dass ich 10 Senti aus Estland in der Fingern halten werde. Da die Münze umgerechnet nur etwa 0,64 Cent wert ist, werde ich mir einen Umtausch wahrscheinlich ersparen 🙂

Zweite Halbzeit

Manchmal ist der Zufall doch fies. Gerade wird hier noch über Geburten diskutiert, und jetzt hab ich heute Nacht eine Fahrt gehabt… naja. Ich hatte keine Geburt im Auto. Noch nicht einmal eine schwangere Frau. Genau genommen war gar keine Frau im Taxi. Nur ein Typ. Marke „Werdender Vater“

Und zwar ein ganz gefühlvoller!

Die Fahrt war unglaublich kurz, nicht einmal ein Kilometer. Während der ganzen Zeit hat der Kerl telefoniert. Und so (in etwa) klang das dann:

„Ja scheiße. Nee! Fahr ich jetzt nach Hause, hol ihren Mutterpass und dann zurück ins Krankenhaus. Ja, voll blöd, warum heute? Konnte nicht mal zweite Halbzeit Fußball sehen! Ja nee! Fahr nur kurz heim. Wenn ich dann da ankomm, vielleicht ist er schon da… ja mein Sohn, Alter! Ja! Naja, dann war ich wenigstens nicht dabei und hab mir den Stress erspart…“

Wenn das mal kein AK wird…

Arbeitsauffassung

Die Einstellung zur eigenen Arbeit: Ein prima Thema. Ich bin mir da mit so vielen Kollegen uneins, wahrscheinlich mit den meisten. Ich mache meine Arbeit gerne. Davon abgesehen empfinde ich sie durchaus auch als sinnvoll. Klar, mich im Speziellen bräuchte dieses Gewerbe sicher nicht – aber dass es Taxen und ihre Fahrer gibt, ist schon eine tolle Sache an und für sich.

Natürlich mache ich den Job auch zum Geldverdienen. Ich freue mich auch immer, mal nicht arbeiten zu müssen und es gibt auch Tage, an denen ich froh bin, mal nicht lauter fremde Menschen so nahe auf der Pelle zu haben.
Aber im Gegensatz zu vielen Kollegen sehe ich mich nicht in einem Scheißjob gefangen, nicht als Sklaven der Kunden oder – das ist wirklich das geilste, was ich in letzter Zeit am Stand gehört habe – als großes Opfer der Politiker, denen nichts anderes am Herzen liegt, als armen Autofahrern mit aufgezwungenem Biosprit den Garaus zu machen.

Ich biete eine Dienstleistung an und lasse mich dafür bezahlen. Meist endet das angenehm für mich und meine Kunden – und über die Ausnahmen lassen sich wenigstens wunderbare Geschichten schreiben. So würde ich das sehen.

Nun bin ich ja nicht alleine mit dieser Einstellung. Mir ist noch gut der Außendienstmitarbeiter eines großen Elektromarktes in Erinnerung, der so richtig happy war, dass er mit seiner Arbeit Menschen helfen konnte. Aber ja, bei manchen Branchen wundert mich diese Einstellung dann auch. Das mögen alles Vorurteile sein – aber die hat man nunmal.

So hab ich am Wochenende einen Mann in meinem Alter aufgegabelt, der sich nach Mitte bringen lassen wollte. Wie das so ist, sind wir schnell miteinander ins Gespräch gekommen, und er zeigte sich sichtlich erleichtert, mal frei zu haben:

„Normalerweise arbeite ich am Wochenende auch immer! Ist richtig cool, mal frei zu haben und auch mal Kollegen in ihren Läden besuchen zu können.“

Oha! Nachtigall, ick hör dir trapsen: Gastronomie. Nach wie vor stimmt die Vermutung fast immer, wenn es um Nacht- und vor allem Wochenend-Arbeit geht.

„Gastronomie?“

„Nee nee, Security!“

Hoppla. Aber klar, die haben auch so in etwa meine Arbeitszeiten 🙂

„Türsteher würden die meisten sagen. Ich betrachte mich eher als eine Art Gästebetreuer.“

DAS hatte ich so nun wirklich noch nicht gehört!

Es kam, wie es kommen musste: Wir unterhielten uns über nervige Kunden, und bedauerten einander mit zwinkerndem Auge ob unserer Arbeitszeiten. War eine echt angenehme Fahrt soweit. Er hat seinen Job dann klassifiziert als

„95% Psychologie und 5% körperliche Gewalt“

Trotz dieser fast noch brauchbaren Verhältnisse bin ich ja froh, dass bei mir der Gewaltanteil bisher nach 2 Jahren bei 0% liegt. Wirklich amüsant fand ich dann aber den folgenden Spruch:

„Weisste, wenn mir dann einer kommt mit „ey du Fotze!“, dann sag ich auch immer: „Lass uns bei SIE Fotze bleiben, dann haben wir wenigstens noch eine Verhandlungsbasis!““

Ich find den gut 😀

Mein Fazit lautet übrigens immer noch so, wie beim oben verlinkten Artikel: Diese Stadt würde nicht funktionieren ohne all die Menschen mit dieser Einstellung. Mir erzählen ja auch immer viele Kunden, sie könnten meinen Job nicht machen – das verstehe ich, und ich liebe ihn trotzdem. Immer wieder schön zu sehen, dass das teilweise auch bei Jobs so ist, über die ich das selbe sagen würde.

Unentschlossen

Als sie mir am Ostbahnhof ins Auto stiegen, wirkten sie wie ein Vorzeige-Pärchen. Waren sie gewissermaßen auch. Nur anders. Sie gab gleich den Kurs an:

„In die Oranienstraße bitte!“

Alles klar. Eine der üblichen  7€-Touren am Ostbahnhof. Einmal über den Fluss und gut is.

Im Fond begann sich aber der männliche Teil zu regen, tuschelte dann sogar mit ihr, und letztlich meinte sie genervt:

„Dann sag du doch!“

Das tat er auch:

„Ja, ähm… wir fahren dann in die Lichtenberger Straße xy.“

OK, das ist vom Anfang her die gleiche Richtung, nur geht es gar nicht erst bis über den Fluss. Eher so die Größenordnung 5 €. Es wäre gelogen zu behaupten, ich sei begeistert gewesen, aber so ist das Leben. Ich hab dann noch kurz klären wollen, wo die xy genau liegt. Alles kann man ja auch nicht wissen.

„OK, wo liegt die xy denn genau?“

„Ist gleich das große Haus da vorne.“

„Ah, dann fahr ich also am Besten über die Holzmarktstraße?“

„Ja.“

Das ist nun wirklich kein Weg. Links, rechts, links, fertig. Also setze ich den Blinker und…

„Nein! Hier rechts!„

Also doch nicht über die Holzmarkt. Wieso frage ich eigentlich? Ich bin also der Straße gefolgt, und hab mich schon halbwegs gefreut, weil das – wenn es wirklich das Haus sein sollte – ein ziemlicher Umweg sein müsste.
Meine Fahrgäste zankten sich inzwischen. Es ging irgendwie darum, warum sie jetzt nicht mit dem Taxi nach Kreuzberg fahren würden. Er wollte anscheinend selber fahren, sie wollte aber nicht mit ihm fahren. Ich war gerade dabei zu überlegen, ob es geschäftsbelebend wäre, mich auf ihrer Seite in die Diskussion einzumischen – da schrie es von hinten plötzlich:

„Links! Hier links!!!“

Also durch die Lange Straße? Hat das blöde Haus etwa einen Hintereingang?

„Entschuldigung! Aber wir streiten uns gerade ein bisschen…“

Ich hab also so mehr oder weniger gewendet und mich auf den Dienstleistungsgedanken zurückbesonnen:

„Das stört mich nicht, ich brauche bloß etwas Zeit, um auf eine Ansage zu reagieren.“

Ob das angekommen ist, weiss ich nicht. Die Diskussion auf der Rückbank ging gnadenlos weiter. Da ich an der nächsten Kreuzung aber wieder einen Richtungswechsel erwartete, hab ich mal besser vorher nachgefragt, ob ich rechts abbiegen soll.

„Nein, hier können sie uns rauslassen.“

Hier? Das bedeutet also, die Gesamtstrecke betrug etwa einen Kilometer, und die letzten 200 Meter laufen sie lieber. Manchmal verstehe ich meine Kunden nicht, ganz ehrlich. Aber gut, es gab ja letztlich noch ein Happy End. Also für mich. Bei den beiden bin ich mir nicht so ganz sicher.

„Stimmt so.“

meinte er und reichte mir einen Zehner nach vorne. Einen Zehner. Es gibt so Momente, da muss man das Erstaunen nicht einmal spielen. Super! Zu guter Letzt noch der Abschiedsspruch von ihr:

„Tut mir echt leid. Wir wollten dich nicht nerven!“

Äh? Ja. Wegtreten!

Kuriose Summe

Eine nette Kundin hatte ich zweifelsohne. Auch ihr Mann war mir sehr sympathisch, und die Tatsache, dass die Fahrt 22 € Umsatz brachte, machte die Sache dann endgültig angenehm. Nach einer relativ langen, wenn auch oberflächlichen Unterhaltung stehen wir dann bei den beiden vor der Türe und ich stoppe das Taxameter:

„So, dann wären wir bei genau 22 €.“

„So, hier… oder soll ich es ihnen lieber klein geben?“

„Klein ist immer super! Also wenn es keine Umstände macht…“

„Nein nein, hier!“

Sie reichte mir einen „Stapel“ Fünfer und gab mir dann 3 € Kleingeld hinzu. Ich hab mich für das Trinkgeld bedankt. Nicht überschwänglich, zugegeben. 1 € ist bei einer so langen Fahrt unter dem Durchschnitt, und damit – so schön Trinkgeld auch jedes Mal wieder ist – unter dem, was ich – insbesondere nach so einer Fahrt – erwartet habe.

Ich hab die Scheine gleich weggepackt. Mein Wechselgeld war ja nach wie vor komplett, und für den Fall aller Fälle ist nie mein ganzes Geld im Portemonnaie. Soweit, so normal. Ich hab die Tour gedanklich abgehakt, und mich weiter der Schicht gewidmet. Als ich allerdings meine Einnahmen irgendwann durchgesehen habe, bin ich auf 5 Scheine zu 5 € gestoßen – und das war die einzige Fahrt, die mir so bezahlt wurde.

Nun würde mich doch interessieren, ob ich bewusst 6 € für die Tour gekriegt habe, oder ob sich die werte Frau bei der Anzahl der Scheine ebenso vertan hat wie ich.

Im Übrigen war das wahrscheinlich das erste Mal im gesamten letzten Jahr, dass ich einen Haufen Scheine einfach eingesteckt habe, ohne genau nachzuzählen.

Zufälle gibt es…

Vorsicht, eklig!

Für alle fantasielosen Leser (ja, ich kümmere mich selbstverständlich auch um die Minderheiten!) wollte ich hier nochmal ein kleines Foto vom „Unglück am frühen Samstagmorgen anbringen:

Happy Hochwürging! Quelle: Sash

Happy Hochwürging! Quelle: Sash

Lasst euch nicht den Tag verderben. Ich hab es auch nicht getan 🙂