Beachtlicher Blackout

Die Ortskundeprüfung in Berlin ist ja wahrlich kein Zuckerschlecken. Manchmal treffe ich unterwegs auf der Straße ja auch neue Kollegen, und ich freue mich immer, von ihnen zu hören, wie es bei ihnen gelaufen ist, wieviele Anläufe sie für die mündliche Prüfung gebraucht haben, welche Fahrten dran kamen etc.

Ich denke gerne mal ein bisschen an dieses knappe Jahr Arbeitslosigkeit zurück, während dem ich von Berlin noch gar nichts wusste, und die Straßen für mich ausschließlich Routen von Objekt zu Objekt waren.

Sicher: Jetzt nach über 2 Jahren hat auch die ein oder andere schöne Ecke ihren Reiz verloren und ist nur ein Verbindungsstück vom einen Stadtteil in den nächsten, aber mit meinem damaligen Ich, das sich mit Abbiegeverboten und Spezialatlanten geprügelt hat, will ich trotz fortgeschrittenen Alters eigentlich nicht tauschen.

Und dann stieg mir neulich eine Kundin an der Danziger Straße, Ecke Greifswalder, ins Auto. Ihr Ziel war so kompliziert nicht zu finden, sie wollte zur Warschauer Straße. Das ist einfach nur geradeaus. Aber sie schaffte es mir in den folgenden Minuten glaubhaft zu versichern, dass sie letzte Woche an einen Kollegen geraten ist, der den Weg nicht kannte.

Puh, also da frag ich mich dann wirklich, wie der die Prüfung geschafft hat. So klein und unwichtig sind die Straßen dann ja auch nicht wirklich…

Blaaaaah*

„Zum Lido?“

„Nee, ich glaub nicht, dass das das Lido war…“

Einigkeit unter potenziellen Fahrgästen ist stets schön 🙂

Das Lido war offensichtlich nicht wirklich die Adresse, zu der sie wollten, denn zumindest der eine behauptete felsenfest, sie müssten zum Kottbusser Tor. Um selbiges herum kenne ich vom Vorbeifahren zwar ein oder zwei Locations, wo es gelegentlich Schlangen von Partygästen gibt – einen Namen für irgendeinen Club dort kenne ich allerdings nicht. Die nächsten beiden, die ich im Umfeld kenne, sind eigentlich der Tresor und der Farbfernseher. Davon sollte es keiner sein.

So ein bisschen soll es schon wie Lido klingen, aber es geht ganz sicher nicht zum Schlesischen Tor, sondern zum Kottbusser.

Sind jetzt nicht gerade meine Lieblingsfahrten, wenn das Ziel nicht feststeht, aber die Jungs waren recht nett und erweckten auch nicht den Anschein, als würden sie es mir übelnehmen, dass ich auf die Frage nach einem namenlosen Club ohne sonstige Merkmale keine Antwort hatte. Sie würden es schon erkennen, wenn sie da wären. Aber erstmal zur Tanke!

Kaum eingestiegen kam die tollste aller Fragen:

„Machste Fuffzehn Festpreis?“

„Haha, im Ernst Jungs: Ich darf nicht. Aber 15 würde ich verdammt gerne machen!“

„Äh, na dann halt 12 oder so…“

Das Thema hatte sich schnell erledigt. Sollte die Fahrt am Kotti beendet sein, wären das mit Tankstellenstopp vielleicht 8 €.

„Willste auch was?“

„Nee danke, ich bin versorgt!“

Es ist immer eine nette Sache, wenn Kunden einen zu irgendwas einladen wollen – ich bin da trotzdem meist freundlich zurückhaltend.  Der eine ist dann mit zwei Bier im Gepäck zurückgekommen und es herrschte höchste Freude, als ich ihnen erlaubt habe, es aufzumachen. Mit dem netten Hinweis, dass ich nicht erpicht darauf bin, nachher die Kronkorken im Auto zu finden.

Am Kotti angekommen haben sie natürlich gar nichts wiedererkannt, und auch ein bisschen rumfahren half nicht wirklich. Letztlich hab ich sie dann doch vor dem Lido abgesetzt mit dem Verweis darauf, dass der Club der Visonäre auch noch in Fußweite liegt. Sie haben es wirklich bis zum Schluss nicht so recht geschafft, mir begreiflich zu machen, nach was sie eigentlich genau suchen würden – mal ganz abgesehen vom Lido am Kottbusser Tor.

Zusätzlich zu einem netten Trinkgeld (der Betrag lag aber immer noch unter den 15 €) bekam ich dann sogar noch ein Snickers geschenkt, das mein Fahrgast wohl an der Tanke noch extra für mich geholt hat. Manchmal sind sie ja schon super, die Kunden!

Dummerweise lag die schokoladige Köstlichkeit dann ein oder zwei Minuten direkt vor dem Bildschirm des Navis. Offenbar vom dort gezeigten Kartenmaterial inspiriert, begann sie wegzulaufen. Vielleicht lag es auch an der Hitzeentwicklung in dem Bereich…
Ich hab das Problem dann gelöst, indem ich das Teil auf die Lüftungsschlitze für die Frontscheibe gelegt und die Belüftung auf Kalt gestellt habe. Man muss sich nur zu helfen wissen 😉

*Der Titel wurde im Rahmen der Kommentare meiner Facebook-Gruppe gefunden. El Programador hat den Vorschlag gemacht, ohne den Inhalt zu kennen.

Fahrer, Kunden, Missverständnisse

Mein Gott, was sich aus einer Kundenanfrage alles ergeben kann – oder wie rede ich aneinander vorbei. Drama am Ostbahnhof in 3 Akten.

Die Personen:

Die Kunden:
4 Rentnerinnen mit 4 kleinen Koffern.

Taxifahrer (nach Reihenfolge am Stand, vereinfacht):
Kollege 1, Fahrzeug Mercedes E-Klasse
Kollege 2, Fahrzeug Mercedes B-Klasse
Kollege 3, Fahrzeug Skoda Octavia Kombi
Kollege 4, Fahrzeug Opel Zafira
Kollege Sash, Fahrzeug Opel Zafira.

Sashs Fahrzeug steht als einziges auf der den Kunden gegenüberliegenden Straßenseite.

1. Akt (Prolog)

Die Kunden betreten den Bahnhofsvorplatz. 3 von ihnen bleiben weise dreinsehend am Taxistand neben den Fahrzeugen von Kollege 1 und 2 stehen. Eine Kundin stelzt über die Straße auf Sashs leeres Fahrzeug zu. Sash wird aufmerksam und gibt sich als Fahrer zu erkennen.

„Hallo, kann ich ihnen helfen?“

„Ja, wir bräuchten ein Taxi für 4 Personen mit Gepäck.“

2. Akt (Eskalation)

Sash sieht sich am Stand um. Jedes der Fahrzeuge bietet selbstverständlich Platz für 4 Personen zuzüglich des nicht sehr umfangreichen Gepäcks. Dies gibt er auch zu verstehen und meint:

„Das ist selbstverständlich machbar. Aber sehen sie: Die Kollegen haben doch auch Platz für sie.“

Damit will er nicht etwa die Rentner loswerden, sondern nur sicherstellen, dass sie nicht wegen falscher Vermutungen ein anderes Taxi vor ihm verschmähen. Die Kollegen 1 und 2 scheinen sich nicht zu interessieren und bleiben im Wagen sitzen, Kollege 3 meint auf Nachfrage verwundert:

„Wat weiss ich denn, warum die hier so einen Stress machen?“

Dann nimmt er einen Funkauftrag an und fährt davon.

Sash geht zu Kollege 2, in der Hoffnung, seine nette Geste, einem länger wartenden Fahrer die Tour zu ermöglichen, wird erkannt:

„Kollege, bei dir ist doch sicher auch Platz für das bisschen Gepäck der Damen, oder?„

Die Kunden sind sichtlich aufgebracht, schielen verächtlich auf das Fahrzeug und beharren auf folgendes:

„Aber wir wollten doch ein Auto für VIER Leute!“

Währenddessen schält sich Kollege 2 aus seinem Fahrzeug und fängt an, Sash anzupöbeln:

„Was ich nicht verstehe: Wieso gehen sie denn nicht zu ihm!?“

und deutet auf Kollege 1. Der bleibt weiterhin im Auto sitzen und ignoriert das ganze Geschehen. Inzwischen wittert Kollege 4 eine gute Chance und fragt nach, ob er eventuell helfen könne.

Während Sash Kollege 4 erklärt, was für ein Auto gesucht ist, redet sich Kollege 2 in Rage über Kunden, die keine Ahnung hätten, aus völlig unerklärlichen Gründen nach wie vor in Richtung Sash. Kollege 4 reagiert erfreut und ruft den Damen zu, sie mögen doch bitte zu ihm kommen, er würde sie gerne mitnehmen. Das wiederum ist für die Kundschaft zu viel. Die Wortführerin beschwert sich nun lautstark, dass sie überhaupt nicht daran denkt, ein anderes Auto als das von Sash zu nehmen und wie unverschämt es sei, dass ihr dieser Wunsch verwehrt würde.

„Natürlich können sie bei mir einsteigen, ich wollte doch nur…“

„Glauben sie, wir wollen in so ein tiefes Auto einsteigen? Da kommen wir doch nicht mehr raus. Eine Frechheit ist das hier!“

Mit Zähneknirschen murmelt Sash ein paar einladende Worte und geleitet die lustig erregte Truppe über die Straße zu seinem Auto. Kollege 1 verharrt weiterhin in seinem Fahrzeug und Kollege 2 ruft Sash beleidigt hinterher, dass er die Tour ruhig fahren soll. Kollege 4 gibt langsam sein Betteln um Aufmerksamkeit auf, während Sash unter empörtem Fluchen auf die ach so schlimmen Berliner Taxifahrer das Gepäck einlädt…

3. Akt (Auflösung)

Mit durchaus ambivalenten Gefühlen nimmt Sash zur Kenntnis, dass es sich um eine lukrative Tour bis nach Buckow handelt. Während der Fahrt gelingt dann die teilweise Aufdröselung des Durcheinanders, und Sash findet mit seiner Bitte Gehör, doch beim Schimpfen auf die bösen Taxifahrer wenigstens diejenigen auszuklammern, die versuchen, irgendwie zu helfen.

Das Schauspiel endet letztlich unblutig mit einem durchschnittlichen Trinkgeld für Sash und einer Truppe von Kunden, die ab jetzt der Meinung sind, die Taxifahrer am Ostbahnhof streiten sich, um zahlende Fahrgäste loszuwerden.

Kollege 1 wacht eine halbe Stunde später auf und erzählt von einem irren Traum mit vier Rentnerinnen. Kollege 2 ist die restliche Schicht noch sauer über die blöden Kunden und hofft vergeblich, die Fahrt wäre unter 8 Euro geblieben, während Kollege 4 sich fragt, was er eigentlich falsch gemacht hat.

Da soll mir nochmal einer sagen, dass das ja alles so einfach ist…

Öffnungszeiten

Ich bin ein bisschen geplättet vom Arbeiten. Spaß hin oder her, irgendwann isses mal gut. Aber mein Tagfahrer hat über Ostern ein paar freie Tage, da nutze ich es mal, das Auto mitnehmen zu können.

Für längere und geistig höherwertige Ergüsse fehlt mir, gerade frisch aus dem Bett gefallen, der Sinn. Deswegen nur ein kurzer Dialogfetzen von heute Morgen.

Die werte Kundschaft streitet sich über die Frage, ob sie noch was einkaufen sollen. Die Sonne war längst aufgegangen, ein strahlender Frühlingstag stand bevor. Und dann fragt mich jemand:

„Sagen sie, meinen sie, die Geschäfte haben schon offen? Wann glauben sie, machen die auf?“

„Am Ostersonntag?“

Ich glaube, tatsächlich den Begriff „fetter Fail“ von der Rückbank wahrgenommen zu haben.

Naja, letztlich haben wir dann an der Tanke angehalten…

Zu wenig

Ich bin manchmal wirklich eklig nett. Eigentlich völlig ungeeignet, um vernünftig Geschäfte zu machen. Also in vielen Punkten bin ich da ja schon stolz drauf, und ich finde nach wie vor, dass der Taxi-Branche ein wenig mehr Dienstleistung und etwas weniger Egoismus gut tun würde. Aber manchmal denke ich dann auch, dass ich eigentlich dämlich bin.

Die beiden Jungs am Frankfurter Tor schienen sich nicht so wirklich sicher zu sein, ob sie ein Taxi nehmen sollten. Eine Hand hat gezuckt, ich hab leicht gebremst, Blicke wurden ausgetauscht, ich löste die Bremse, das Gesicht wurde länger, ich bremste wieder stärker… manchmal hat man es ja auch nicht einfach. Dass der Kollege direkt vor mir die beiden nicht wahrgenommen hat, wundert mich nicht.

Aber als ich dann dastand, war ja alles gut. Die Nacht lief bescheiden wie immer in den Osterferien, und hey: Winker! Also eigentlich ja eher Zucker…
Das nähere Betrachten der beiden weckte dann aber auch wieder Argwohn in mir. Mit Bierflaschen hab ich jetzt persönlich kein so großes Problem, das ist mit einer Ermahnung bisher immer gut gegangen. Aber die beiden hatten ausgerechnet noch Döner dabei. Verdammt! Und ich meine jetzt nicht eine stolz befüllte dünne Plastiktüte mit Dönern drin, sondern abgenagte Teigfladen ohne den Hauch einer Serviette. Hmm, was mach ich jetzt? Ich meine, ich Idiot hab ja auch noch selber angehalten…

„Entschuldigen sie, ist der dem vielleicht ok mit den Kebaap oder besser nicht?“

Nüchtern übrigens. Nur Schweden.

„Ist nicht wirklich gut, ist es nicht? Mit den Kebaap?“

Ach Jungs, für die nette Nachfrage und die niedliche Aussprache machen wir mal eine Ausnahme. Enttäuscht mich nicht!

Ich hab sie natürlich trotzdem nochmal eindringlich ermahnt, dass ich das nur so locker sehe, so lange davon nix an den Sitzen landet.

„Das ist sehr nett von ihnen. Viele Dank für nehmen uns mit den Kebaap! Wir müssen in den Koppenstraße nicht weit.“

Und was mach ich? Nach 40 € Umsatz in 5 Stunden? Bei zwei angetrunkenen Schweden mit Döner in der Hand?

„Machen wir Kurzstrecke, oder?“

Ich sag es ja: Manchmal ist es widerlich mit mir. Schlimmer noch: Die beiden wären von sich aus nie auf die Idee gekommen!
Allerdings war die Fahrt wirklich angenehm. Beide hielten sie ihre Döner ehrfurchtsvoll fest und dankten mir, dass ich sie trotzdem mitnehmen würde. Der Geruch hat mich dann auch noch hungrig gemacht, aber da wusste ich, dass der bei offenen Fenstern schnell wieder weg ist. Die beiden haben wirklich keinen Krümel hinterlassen, keinen Tropfen Bier, ja nicht einmal die obligatorische Haargel-Schleimspur an der Seitenscheibe.

„Was soll es jetzt kosten?“

„Vier Euro. Kurzstrecke eben.“

„Oha! Vier Euro. Das ist zu wenig!“

Meine Rede 🙂

Und so sind dann doch noch 6 € daraus geworden. Irgendwann werde ich es noch bereuen, so viele Zugeständnisse zu machen. Bei denen war es schon ok.

„Und haben sie den Dank, dass sie uns genommen haben mit…“

Mit Kebaap, ich weiss…

Bonne nuit!

Wenn ich eines mit Sicherheit sagen kann, dann dass es kein Fehler war, Französisch in der Schule abzuwählen. Französisch ist zweifellos eine wunderschöne Sprache, mir persönlich liegt sie allerdings gar nicht. Theoretisch hätte ich an meiner Schule sogar das französische Abi machen können, bei mir war es aber eher so, dass mich die ein oder andere Stunde histoire etliches Geschichtswissen gekostet hat, anstatt es mir näherzubringen.
Ich stehe im Allgemeinen mit der Grammatik ein wenig auf Kriegsfuß, und das wird der Grund sein, weswegen ich mich mit Englisch zwar anfreunden kann, Französisch aber immer einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt.*

Aber eines muss man dieser Sprache lassen: Richtig ausgesprochen ist es die beste Form, Einladungen ins Schlafgemach glaubhaft zu machen.

Nun, ganz so zügellos geht es meinem Taxi dann auch nicht zu. Aber ich hab mich dazu breitschlagen lassen, ein paar Worte auf französisch zu reden mit der reizenden jungen Dame, die in ihr Hotel gebracht werden wollte. Also sind wir ehrlich: Einen wirklich holperfreien Satz hab ich allenfalls zur Verabschiedung zustande gebracht (manche Dinge vergisst man halt doch nie) – aber es hat tatsächlich ein wenig Spaß gemacht. Und ein paar Worte haben die 7 Jahre Unterricht dann ja doch hinterlassen. Während ich in Spanien wirklich ausschließlich zwei Bier bestellen kann, kann ich in Frankreich schon erklären, dass ich mit dem Auto da bin und lieber etwas alkoholfreies hätte.

Aber wir (will heißen: Sie) hatten schon einiges zu lachen. Am Ende hat sie zusätzlich zu ihrem netten Trinkgeld noch im Geldbeutel gekramt, eine Münze rausgeholt und sie mir mit einem umwerfenden Lächeln in die Hand gedrückt:

„C’est pour toi, mon ami. Pour collectionner. Bonne nuit.“

Ganz ehrlich: Obwohl ich jedes Wort verstanden hab, ist es mir kalt den Rücken runtergelaufen. Rrrr!

Was die Münze angeht, hatte ich ja auf einen Franc gehofft, wäre ja wirklich nett, eine nicht mehr im Umlauf befindliche Münze zu erhalten. Aber leider war meine wohlwollende Kundin wohl aus der Schweiz.

Aber wenn ich gerade dabei bin:

Zut alors! Trop tard pour écrire des textes longues… Bonne nuit, mes copains!

Wer in den Sätzen Fehler findet, darf sie gerne behalten. Ich kann schließlich gar kein Französisch und hab es jetzt nicht überprüft.

*Hey, an diesem bewusst zweideutigen Wortspiel hab ich hart gearbeitet – also lacht bitte auch! 🙂

Trinkgeldversprechen

Im Allgemeinen halte ich mich wirklich daran, Trinkgeldversprechen nicht zu trauen. Ich habe vor einiger Zeit zwar schon ein nettes Gegenbeispiel verbloggt, aber im Allgemeinen gilt doch immer wieder, dass man sich auf Aussagen von Kunden nicht verlassen sollte. Warum das so ist, weiss ich selbst nicht. An Unzufriedenheit lag es nach meinem Wissen zumindest bei mir im Taxi noch nie.

Die längste Tour des Wochenendes war ein schönes Beispiel dafür. Eine Gruppe junger Leute hat am Ostbahnhof am frühen Morgen ein Großraumtaxi gesucht. Dann hieß es aber auf die fünfte Person warten und außerdem gedachten sie, noch eine Zigarette zu rauchen. Bei dem Spielchen mit dem Warten mache ich gerne mit – allerdings hat das Grenzen. Ich hab da keine feste Linie, dass ich nur eine Minute pro Euro Umsatz warten will oder so – aber diese Spinner damals haben es echt so sehr ausgereizt, dass ich es mir inzwischen überlege.

„Wo soll es denn hingehen?“

hab ich gefragt. Abgelehnt hätte ich sie so oder so nicht. Aber übers Taxameter einschalten darf man schon nachdenken, wenn es nur um einen Fünfer geht. Oder ich stehe eben doch anderen Kunden zur Verfügung. Bei aller Lockerheit will ich ja trotzdem ein wenig Geld verdienen.

„Nach Falkensee. Lohnt sich also.“

Hossa! Klar, es liegt außerhalb – aber dafür reden wir hier auch von 35 bis 40 € Umsatz.

„Und sagen wir mal so: Wenn du uns noch rauchen lässt, dann springt auch ein bisschen mehr Trinkgeld raus…“

Na klar.

Die Fahrt war tatsächlich sehr entspannt, und mir wurde immer klarer, dass es eine wirklich lange Tour werden würde. Sie mussten alle an unterschiedlichen Adressen raus, ich hatte also richtig viel Glück. Gott sei Dank hatte ich nicht irgendeinen Festpreis ausgemacht 🙂

Als die ersten Ratten das Schiff verließen, stand die Uhr bei knapp 30 €, allerdings geschah jetzt etwas recht seltenes. Auf einen Sammelaufruf zückten wirklich alle schnell ihr Portemonnaie, und der der zuletzt aussteigen sollte, bekam tatsächlich in Windeseile 55 € zusammen fürs Taxi. Normalerweise wird da erst mal rumgerechnet, wer jetzt wie viel zahlt, manchmal geht es da echt um Cent-Beträge. Hier nicht. Die 55 € schienen zunächst ein absurd hoher Betrag zu sein, aber es stellte sich heraus, dass der junge Mann sogar noch ein Dorf weiter wollte…

Nach und nach hab ich die Leute abgesetzt, und zu guter Letzt sind wir dann an einem Kaff unweit der B5 gelandet, die für mich die morgendliche Einflugschneise nach Berlin werden sollte. Mein inzwischen ziemlich müder Fahrgast lotste mich zu seinem Haus, und das Taxameter stoppte die Zählung bei 49,10 €. Wow!

Da kann man doch nur froh lächeln in Anbetracht der Tatsache, dass er 55 € fürs Taxi bekommen hat. 🙂

Denkste!

„Hier haste 50. Stimmt so – und eine angenehme Schicht noch!“

Zugegeben: Hier war die Fahrt schon Belohnung genug – aber man denkt sich seinen Teil. Die zweitlängste Tour an dem Abend hab ich übrigens quasi genauso beendet. Die Uhr stand auf 24,80 €.

„Das war jetzt aber eine echt nette Fahrt. Machen sie mal 25.“