Und der Hund…

Ich hab ja wirklich nichts dagegen, wenn Fahrgäste bei mir im Taxi telefonieren. Dann fahr ich halt einfach meinen Weg und gut ist.

Aber Leute, bitte: Wie kommt ihr auf die absurde Idee, dass ein Taxifahrer nicht mitbekommen würde, was ihr da quatscht? Und bei all der Vertraulichkeit der Gespräche, die ich so mitbekomme, gehe ich schon davon aus, dass ihr euch Gedanken machen solltet! Dass ich nicht laut lache, wenn ich ihn mit dem Taxi zum Puff fahre, und der Typ der Freundin erzählt, er gehe jetzt heim – das schulde ich dem Kunden im Rahmen meines professionellen Auftretens. Was ich von ihm halte, das wird dadurch allerdings nur wenig beeinflusst.

Aber derletzt hatte ich die eher niedliche Variante davon:

Ein Winker, der eine angenehm lange Tour für mich hatte, quasselte die Dame seiner Wahl über so absurde Belanglosigkeiten zu, dass es einfach herrlich war. So hat er etwa 5 Minuten damit verbracht, das Flirtverhalten zweier Hunde in einer Kneipe zu beschreiben und wie die Begegnung der beiden letztlich gescheitert ist.

(Wer es unbedingt wissen will: Der kleine und interessierte Hund war leider angeleint und der große hat sich irgendwann abgewandt.)

Da wird es dann schon wieder angenehm, einfach zu lauschen 🙂

Vielleicht richtig…

Tiefsinnige Unterhaltungen sind selten im Taxi. Das ist verständlich, denn schliesslich sind ich und mein Mitprotagonist zu Beginn noch nicht einmal miteinander bekannt. Manchmal geht es dann aber doch recht schnell, wie im Fall des folgenden Beamten:

Ein paar Fragen seinerseits, wie es so läuft – die angeblich häufigste Einstiegsfrage seitens der Fahrgäste – und als die Fahrt 10 Minuten später beendet war, waren wir bereits soweit, dass er mit mir seine Sorgen teilte, er wüsste nicht, was er seinen Söhnen heutzutage noch für einen Beruf nahelegen könnte.

Dass Taxifahrer nicht zur Debatte stand, wunderte mich nicht, aber es war sehr schön, am Ende von ihm anerkennend zu hören:

„Wissen sie, vielleicht haben sie es ja wirklich richtig gemacht mit ihrem Taxi!“

Dazu können sich nicht alle durchringen…

 

Der Taxi-Anti-Knigge

Nachdem Pharmama gestern diese herrlichen Verhaltensregeln für einen erfolgreichen Apothekenbesuch und für das Hochgefühl der dort beschäftigten Menschen veröffentlicht hat, dachte ich, ich sollte auch den Taxikunden ein derartiges Standard-Werk zur Verfügung stellen.

Also: Wenn Du ein Taxi brauchst…

1. Winke nie!
Wenn dir ein Taxi entgegenkommt, stehe möglichst uninteressiert an der Straße herum. Lasse dich nicht auf einen Blickkontakt mit Taxifahrern ein und winke keinesfalls. Erst wenn der Fahrer vorbeigefahren ist, signalisiere mit einem kurzen Handzucken, dass er gefälligst anzuhalten hat. Wenn der Taxifahrer deiner Bewegung Folge leistet und scharf bremst, kläre ihn gleich beim Einstieg darüber auf, dass derartig apruptes Anhalten auf keinen Fall durch die StVO gedeckt ist. Erfinde ggf. einen Verwandten im Polizeidienst, der seit Jahren mit Stasi-Methoden solche Rüpel gnadenlos verfolgt.

2. Besser bestellen!
An einem Taxistand gilt – wie an allen von vielen Taxen befahrenen Plätzen – das Taxi telefonisch zu ordern. Dies bietet eine umfassende Möglichkeit, dem Servicegedanken auf den Zahn zu fühlen. Sollte das Taxi dann nach 2 Minuten nicht da sein, winke das nächstbeste heran. Hierbei unbedingt wieder auf  Regel 1 achten!

3. Wähle deinen Sitz!
Fordere den Fahrer bereits mit der Sitzwahl zum Arbeiten auf! Sollte der Fahrer unerlaubterweise etwas auf dem Beifahrersitz liegen haben, setze dich einfach drauf. In Kleinbussen verlange, dass dir der Platz in der letzten Sitzreihe zugänglich gemacht wird.

4. Nenne nie ein Fahrtziel!
Nenne nie umgehend ein Fahrtziel! Taxifahrer sind an allem interessierte Menschen, und nichts entspannt in einer schwierigen Verkehrssituation (man steht in zweiter Reihe am Straßenrand einer Hauptstraße und alle nachkommenden Verkehrsteilnehmer hupen) mehr, als sich erst einmal anzuhören, weswegen man genau jetzt ein Taxi braucht und wie das eigentlich nochmal war mit dem Furunkel von Opa Erwin.

5. Beweise deine Ortskenntnis!
Sollte der Fahrer unverständlicherweise ein Fahrtziel verlangen, antworte grundsätzlich mit „Fahr erst mal los!“ Gute Taxifahrer leisten dieser Bitte auch an großen Kreuzungen mit abknickender Vorfahrt zielsicher Folge. Sollte der Fahrer einen Richtungswechsel vergessen, stell das umgehend klar: „Da hinten hätten wir aber rechts gemusst!“. Weise den Fahrer je nach Schwere seiner Verfehlung auf seine mangelnde Ortskenntnis hin und darauf, dass das früher niemals passiert wäre.

6. Verhandle und fahr billiger!
Beginne während der Fahrt mit dem Taxifahrer zu verhandeln. Taxifahrer betrügen sowieso sowohl ihren Chef als auch den Staat, also lass dir nicht erzählen, dass das illegal wäre. Jedes Nein bedeutet, dass du den Preis weiter senken kannst.

7. Du hast es eilig!
Vergiss nicht, immer wieder daran zu erinnern, dass du es eilig hast. Im Gegensatz zu einem Taxifahrer kannst du ja nicht den ganzen Tag im Auto rumsitzen, du hast schließlich eine wichtigere Arbeit. Sollte die von dir vorgeschlagene Strecke letztlich teurer sein als der Preis, den du im Sommer 2005 für eine Taxifahrt in Kairo ergoogelt hast, weigere dich, ihn zu bezahlen.

8. Mach es spannend am Ziel!
Füge am Ziel eine aufmunternte Schnitzeljagd ins Geschehen ein. Definiere den Platz zum Halten unter Einbeziehung der Umgebung. Nenne keine Meterangaben oder Hausnummern, sondern greife auf Formulierungen wie „das Auto“ in einer vollgeparkten Straße, „der Baum“ am Waldrand oder „der beleuchtete Hauseingang“ in einer belebten Straße zurück.

9. Halte mit Gepäck nie vor der Tür!
Wähle als Haltepunkt wenn möglich eine Feuerwehreinfahrt in 150 Meter Entfernung zum eigenen Haus. Der Taxifahrer wird verstehen, dass die Ladezone vor der Tür langjährigen Bewohnern vorbehalten ist und das Gepäck gerne die letzten paar Meter selbst tragen.

10. Zahle mit Großgeld!
Zahle ausschließlich mit 100- oder 200€-Scheinen! Viele Taxifahrer sind allergisch gegen Kleingeld, und sind froh, wenn sie bei der Fahrt für 5,20 € gleich 94,80 € weggeben können. Wenn dich der Fahrer unterwegs angemessen unterhalten hat, gib ihm nachträglich 20 Cent Trinkgeld mit dem Verweis, er solle damit auf sein nächstes Auto sparen.

11. Profi-Tipp: Drogen!
Alle oben genannten Regeln sind wesentlich einfacher einzuhalten, wenn man vor der Taxifahrt möglichst viele Drogen konsumiert. Je irrationaler das eigene Verhalten dabei wird, desto mehr wird sich der Taxifahrer freuen, ein wenig Abwechslung in seinem sonst ja eher eintönigen Job zu haben. Gerade die oft verpönten Nebenwirkungen wie Stimmungsschwankungen, Desorientierung und Brechreiz bereichern das Leben von Taxifahrern ungemein!

Ziellos im Taxi

Es gibt Zeichen dafür, dass Kunden nicht von der einfachsten Sorte sind. Zum Beispiel, wenn sie aus einem Taxi aussteigen und dann zum Taxistand kommen. Das muss natürlich nicht gleich das Schlimmste bedeuten, aber ein wenig komisch ist es im Allgemeinen schon. Im Extremfall hat der Kollege sie rausgeschmissen oder aus dem Auto rausdiskutiert, vielleicht haben sie aber auch einfach keine Ahnung.

Diese Freude hatte ich am Samstag Abend.

Die beiden betrunkenen Gestalten hab ich eben genau aus oben genanntem Grund erst einmal nicht wahrgenommen. Sie sind gerade aus einem vorgefahrenen Taxi ausgestiegen. Dass sie da an der Taxihalte vor sich hingeschwankt sind, schien ich erst einmal nicht für sonderlich interessant zu halten.
Als sie ihre tadellose Bewerbung zum Berufspendel allerdings direkt vor meine Wagentüre verlegt haben, hab ich sie doch mal näher angesehen.

Die beiden wirkten wie ein etwas alternatives Vorzeigepärchen beim Clubhopping. Die Klamotten in gedeckten Farben waren bereits leicht verdreckt, ansonsten sahen sie in ihrer Betrunkenheit geübt aus. Also schätzte ich, dass sie entweder freiwillig einen Teil ihrer Zeit auf dem Boden verbracht haben, oder auf einen unfreundlichen Türsteher gestoßen sind. Beide grinsen noch ziemlich zufrieden, und wenn man bedenkt, dass es den Abend über geregnet hat, könnte man in ihrem Zustand tatsächlich schlimmer aussehen.

„Was kossn zur Haburer Chaussee?“

„Harburger? Oder Haburer oder wie?“

„Harburger…“

„Hmm, ist mir jetzt erst mal unbekannt. Sorry, da müsste ich mein Navi fragen.“

Kollege Jürgen stand neben mir und überlegte auch fieberhaft. Ihm sagte die Straße auch nix. Ich hab mich also kurz in den Wagen geworfen und das Navi befragt. Aber: Möööp! Gibt es nicht. Zumindest nicht in meinem Navi. Ich hab ernsthaft überlegt, das erste Mal seit einem Jahr den Stadtplan rauszukramen, da der aktueller ist.

„Wo soll das denn genau liegen?“

fragte Jürgen.

„Inn Norden.“

„Also Pankow? Oder noch weiter? Außerhalb?“

Die Antwort schuldig geblieben stiegen sie bei mir ein und zwangen mich dazu, sie zu bitten, ihre Ansage zu konkretisieren.

„Fahr ersma los, wir zeigen dirs!“

„Ja, aber in welche Richtung denn genau? Seid ihr beim Straßennamen sicher? Harburger Chaussee?“

„Klar, da wohn ich doch!“

„Was ist denn da die nächstgrößere Hauptstraße in der Nähe? Mir sagt das nämlich wirklich nicht einmal grob etwas!“

„Ey sachma! Jeder Hamburger Taxifahrer kennt die Harburger.“

Ich hab sowas ja fast schon befürchtet:

„Ihr beiden Dösbaddl wisst aber schon, dass ihr in Berlin seid, oder?“

„Ja, is mir doch egal. Bring uns doch einfach hin. Wir zahlen das ja auch!“

„OK, mal Butter bei die Fische: Es gibt nichts, was ich lieber täte, als euch nach Hamburg zu fahren. Aber das wird eine verdammt lange Fahrt und die kostet ein Schweinegeld. Wenn ich das machen soll, dann ist gut. Dann brauche ich aber auch Geld. Und zwar zumindest zum Teil im Voraus! Bei so einer Strecke brauche ich einfach eine Sicherheit, nichts für ungut!“

„Ok, is kein Problem!“

flötete sie von hinten rechts und reichte mir aus einer neuen Schachtel zwei Zigaretten. Das wird haarsträubend! Ich bin mal wieder Trottelmagnet, super! Ich drückte ihr die zwei Zigaretten in die Hand, und bei der Entgegennahme zerknickte sie eine davon. Logischerweise wollte sie die gleich im Taxi entsorgen. Ich hab sie aus dem Fußraum gefummelt und ihr in die Hand gedrückt:

„Leute, so nicht! Steck die Kippen mal wieder ein! Nochmal von vorne: Ihr seid in Berlin. Deutsche Hauptstadt, knapp 300 Kilometer von Hamburg weg. Ich könnte… sach mal! Kannst du bitte aussteigen, wenn du eine rauchst. Ich rauch hier drin auch nicht!“

Der Typ mit den schon leicht speckigen Haaren sah mich ratlos an:

„Aber ich bin eingesperrt. Die Tür geht nicht auf…“

„Ja, das ist die Kindersicherung. Momentan vermute ich zwar eher, die sollte das Öffnen von außen verhindern, aber warte kurz…“

Nicht sonderlich begeistert ist er ausgestiegen und ich konnte meinen Monolog gegenüber der jungen Dame fortsetzen:

„So, also. Ich bringe euch beide gerne nach Hamburg, aber das wird teuer. Ich würde es nicht empfehlen.“

„Dann bring uns doch in nen Club!“

„Ein Club? OK, warum nicht? Welcher denn?“

„Hmm, wie is mit Fritz-Club?“

„Der Fritz-Club liegt hier direkt hinter uns. Da müssen wir nicht hinfahren.“

„Ehrlich?“

„Ja.“

„Egal, dann geb ich dir einen Euro und penn hier ne Stunde. Is ok?“

„Sorry, für einen Euro ist das nicht ok.“

„Wieviel dann? 10? 20? 30? 40? Is mir egal. Ich zahl, was du willst!“

Bei 40 € hab ich mir ja fast schon überlegt, einzuschlagen. Arg viel besser hätte ich es in der Stadt auch nicht erwischen können. Gemütlich ein paar Zigaretten rauchen, Fotos von schlafenden Betrunkenen im Taxi bei Facebook posten (verdammt, die haben doch neuerdings die Gesichtserkennung 😉 ). Ich stellte mir das eigentlich ganz lustig vor. Aber dann:

„Nee, du fährst uns jetzt einfach nach Hamburg!“

Ganz ruhig bleiben…

„OK, dann Klartext: Wir fahren nach Hamburg. Das kostet, hm… mal überlegen… sagen wir 500 €. Und die will ich nicht erst in Hamburg sehen, sondern hier schon! Wenn ihr mich fragt: Es würde sich lohnen, eine Stunde auf den Zug zu warten.“

Ich weiss nicht, ob das Mädel in dieser Sekunde einfach einen klaren Moment hatte oder eine Halluzination von biblischen Ausmaßen. Jedenfalls riss sie die Augen entsetzt auf und sagte mit einer verständnis- und liebevollen Stimme in bester Pädagogenmanier:

„Boah, das ist echt ziemlich teuer. Ey danke, dass du das gesagt hast. Das ist vielleicht, ich muss mal fragen. Bennniiiii?“

Ihr Begleiter schielte mitsamt Zigarette zum Fenster hinein und sie erzählte ihm von der unglaublichen Weisheit, dass die Fahrt nach Hamburg 500 € kosten würde. Auf die Frage, ob er ihr das zahlen könnte, reagierte er etwas unwirsch:

„Du, wir sind hier schon 4 mal Taxi gefahren. Ich hab bisher schon alles gezahlt. Glaubst du, ich hab noch 500 € dabei? Nee du, hab ich nicht! Müssen wir eben was anderes finden…“

Na bitte! Endlich! Hinter mir waren inzwischen 5 Kollegen, inklusive Jürgen, von der Halte weggekommen. Wurde auch Zeit, dass mein Auto wieder frei wird! Also zumindest, wenn es doch nicht nach Hamburg geht. Darauf hätte ich ja schon noch ein Weilchen warten können 🙂
Kaum dass sie das Taxi auch verließ, stieg mir vorne gleich neue Kundschaft ein und ich hatte eine bequeme 15€-Tour ein paar Kilometer ums Eck. Und ich war damit nicht sonderlich unzufrieden. Als dieser Fahrgast dann ausgestiegen ist, hab ich hinten auf den Rücksitzen erst einmal den halben Strand entfernt, den sie dank ihrer Klamotten auf meiner Rückbank verteilt hatten. Immerhin nur Sand und kein Seetang!

Und eine Schachtel Zigaretten. Eine, aus der genau 2 Stück fehlten.

Haie im Taxi

So langsam beginnt die Urlaubszeit, und nicht nur mein Tagfahrer hat sich in wärmere Gefilde verabschiedet. Allerlei Menschen zieht es in die weite Welt. Zwar wird im Urlaub sicher gerne mal Taxi gefahren, mit dem Taxi dorthin fahren sehr zu meinem Bedauern aber doch die wenigsten 🙂

Manch einer nutzt die gemütliche Atmosphäre in meinem Wagen aber dazu, über den Urlaub zu reden. Die meisten tun das im Nachhinein und erzählen, wo sie überall waren, was sie gesehen haben etc. Das ist das, was bei Erwachsenen davon übrig bleibt, wenn man in der Schule nach jeden Ferien einen Aufsatz über seine Erlebnisse schreiben muss.

Mein Fahrgast hingegen kann von der Regel ausgenommen werden. Zum einen stand ihm sein Urlaub erst noch bevor, zum anderen geht er sicher noch zur Schule. Er war etwa 8 Jahre alt. Ganz alleine tippelte er vor den Taxen an der letzten Rücke des Bahnhofs umher und traute sich nicht, einen Taxifahrer anzusprechen. Als der Kollege vor mir vorrückte und die Rücke damit verließ, war ihm seine Enttäuschung aber anzumerken, so dass ich ihn ansprach.

„Hey, brauchst du etwa ein Taxi?“

„Ja, weil ich muss nach Kreuzberg. Da muss ich…“

„Na, komm erst mal rein!“

Er log mir dann vor, dass er ja „laut gerufen“ hätte, aber der Kollege ihn leider nicht gehört hat. Schon klar 😉

Aber er nannte mir eine Straße, die nicht sonderlich weit weg lag, und dann ging es los. Er erzählte von einem Ferienlager, auf das er sich furchtbar freut, da sind dann hunderte Millionen von Kindern, quasi also alle. Ein riesiges Zeltlager und das direkt am Meer.

„Na, das ist ja dann sicher ziemlich weit weg, oder?“

„Ja, voll! Das ist auf jeden Fall glaub ich nicht mehr in Berlin!“

„Und wie kommt ihr da hin?“

„Mit dem Bus.“

„Wie lange fahrt ihr denn dann?“

„Mindestens eine Stunde! Ich glaub, sogar zwei!“

Ach Gottchen, wie niedlich!

„Und das ist direkt am Meer?“

„Ja, da ist so ein Bereich im Meer. Der ist abgesperrt. Da kann man dann schwimmen. Das ist abgesperrt, weil da auch Haie und so und alles ist!“

„Na, das klingt ja ganz schön spannend.“

„Ja, und der Kai und der Thorsten und der Umut, die kommen auch mit. Und dann… darf ich mal telefonieren?“

„Klar, warum nicht?“

Bevor wir am Ziel angekommen sind, hat er mich gebeten, an einer anderen Straße anzuhalten. Er hat gefragt, ob das teurer wird als 10 €, was ich guten Gewissens verneinen konnte. Dann hat er Umut angerufen und ihm gesagt, dass er mit dem Taxi vorbeikommt. Ein paar „Gucksdu! Hab ich gesagt, ich fahr Taxi!“ später konnten wir dann zu ihm nach Hause fahren. Dort hat er mir dann von seinem Kleingeld die 7,20 € gezahlt und mir noch ein Trinkgeld gegeben. Ich kann also nicht behaupten, dass ich als Taxifahrer irgendwie zu kurz gekommen wäre.

Aber ich muss zugeben, dass ich mir danach ein wenig gewünscht habe, auch nochmal so klein und naiv zu sein. Wahrscheinlich ist er inzwischen in irgendeinem Ferienlager an einem Baggersee in Brandenburg. Wenn es hochkommt an der Ostsee. Ich hab aber keine Zweifel, dass er seine Haie und all die anderen wilden Tiere, die er mir so genannt hat, zu sehen bekommt. Man muss ja nur wollen 😀

Umweg mit dem Taxi? Logo!

Eines sollte man als Taxifahrer ja nun wirklich nicht machen, wenn man einen ortskundigen Fahrgast im Auto hat: Einen Umweg fahren. Gut, nach der aktuellen Gesetzeslage sollte man Umwege so oder so nicht fahren, aber mit ortskundigen Leuten wird es gleich viel unangenehmer…

Sollte man meinen.

Viel häufiger allerdings ist es so, dass man von Kunden aufgefordert wird, Umwege zu fahren. Dazu gibt es verschiedenste Anlässe. Am seltensten sind die Fälle, wo es einen Sinn ergibt. Zum Beispiel, wenn man zwischendurch an einer Stelle halten soll, die nicht direkt auf der Route liegt. Seltener sind die Fälle, wo der Umweg dadurch entsteht, dass der Fahrgast einfach einen anderen Weg wünscht. Entweder ist das dann der Lieblingsweg, wo man nebenbei irgendwelche städtebaulichen Attraktionen bewundern kann, oder aber es ist die „Spezial-Abkürzung“ des Kunden, die zwar anderthalb mal länger ist als der kürzeste Weg, dafür aber zu seiner Arbeitszeit (also nicht nachts) der Ampeln oder des Staus wegen im Gegensatz zum naheliegendsten Weg halbwegs passierbar.

Und es gibt Umwege, die so eine sonderbare Begründung haben, dass man sie als Taxiblogger aufgreifen muss…

Meinen Fahrgast habe ich an der Danziger Straße aufgenommen. Irgendwo zwischen der Greifswalder und der Prenzlauer Promenade. Er würde gerne nach Marzahn in die Allee der Kosmonauten. Super!
Das ist eine nicht gerade kurze Strecke, mein Umsatz an diesem Morgen würde locker um 20 € nach oben klettern. Vielleicht auch weiter. Die Allee der Kosmonauten ist lang und schlängelt sich durch den Osten von Berlin, sodass die Straße alleine nicht viele Rückschlüsse zulässt.

„Also erstmal die Landsberger lang?“

„Hmm, ich weiss nicht…“

Das ist kurios gewesen. Mir wäre kein Weg eingefallen, der nicht die Landsberger beinhaltet. Ich hatte durchaus Ideen, wann man letztlich abbiegen könne – aber sonst?

„Obwohl… du kannst ja auch über die Landsberger und dann links ab…“

„Links?“

Ich überlegte mir angestrengt, welchen Sinn es haben sollte, irgendwo an der Landsberger Allee links abzubiegen. Die komplette AdK liegt südlich der Landsberger, also rechts von uns aus.

„Na und dann hier nach Hohenschönhausen. Wie heisst die? Buschallee?“

„Ähm, das ist aber ein ziemlicher Umweg!“

„Naja, so würde ich jetzt fahren.“

„Aber über die Landsberger direkt ist es doch viel kürzer.“

„Ja, aber da stehen die Bullen nie.“

Hä? Ich rase ja nicht wie blöd durch die Gegend. Was will der Kerl mir bitte sagen?

„Immer wenn ich betrunken bin, fahre ich da lang. Dann erwischen die mich nicht. Da stehen die nie!“

„Ja, aber ich bin ja nicht betrunken…“

„Jaja, meinetwegen. Ich wollte es ja nur sagen…“

Während wir also gemütlich die Landsberger Allee entlanggegurkt sind, hat er mir dann weiter ausschweifend erzählt, dass hier manchmal Kontrollen stattfinden, und er deswegen lieber über die Buschallee fährt. Danach auf die Bitterfelder, und schon ist er quasi zu Hause. Könnte ich ruhig auch so machen!

„Aber ich trinke doch nix, wenn ich unterwegs bin.“

„Ich wollte es nur mal sagen!“

Äh, danke?

Falls hier Polizisten mitlesen: Stimmt das, dass ihr nie an der Buschallee oder der Bitterfelder Straße kontrolliert? Wenn ja: Ändert das mal! Ohne Führerschein fahren die noch viel öfter mit dem Taxi 😉

Prenzlauer, Ecke Pappelallee

„Können sie eine Kurzstrecke machen?“

„Selbstverständlich. Wo soll es denn hingehen?“

„Prenzlauer, Ecke Pappelallee.“

„Bitte was?“

„Ja, also Wichertstraße.“

„Ecke Prenzlauer?“

„Ja also eher Stahlheimer.“

„Also Wichert, Ecke Stahlheimer?“

„Genau genommen in die Rodenbergstraße.“

„Und was ist jetzt mit der Prenzlauer?“

„Ich dachte nur… also das ist da an der Stahlheimer.“

„Aber nicht Ecke Prenzlauer. Es wäre mir neu, dass es die gibt.“

„Wie kommen sie auf die Prenzlauer?“

„Na, ich…“

„Wir wollen zur Rodenbergstraße. Hab ich doch gesagt.“

„OK, also zur Rodenbergstraße?“

„Ja, das ist ja gleich da bei der Wichert. Also im Grunde Ecke Stahlheimer…“

Ich weiss, es ist hoffnungslos. Aber manchmal wünsche ich mir einfach nur, dass jemand sich in mein Taxi begibt, mir eine für Normalsterbliche verständliche Adresse nennt und mir den Rest überlässt… 😉