Tage wie diese Nacht

Autsch.

Ich hab mich gestern – mein Taxi-Wochenanfang – erst spät aufgemacht, die Straßen zu erobern. Das war auch ok, denn ich hatte prima ausgeschlafen, danach ein paar Dinge im Haushalt erledigt und war sowieso noch ziemlich guter Laune, weil mir in der Nacht zuvor endlich mein Buchvertrag zugegangen war. \o/

Um 21 Uhr statt 19 Uhr zu starten war da schon ok. Dann halt erst um 3 Uhr heim und nicht schon um 1 Uhr.

(Nicht wundern: Donnerstag ist bei mir immer nur eine halbe Schicht eingeplant!)

Danach folgte lange Zeit nix. Zwei Touren mit je rund 7 € und ein paar Cent Trinkgeld, die erste sogar gleich noch mit einem Hunderter beglichen … wahrlich zum Abgewöhnen!

Da man aber wie immer selten eine ganze (halbe) Schicht lang der Arsch vom Dienst ist, hatte ich in der Zeit wenigstens zwei Anfragen nach Touren – später am Abend. Eine von Marzahn aus, eine von Schönefeld aus, eine Anfrage via SMS, eine via Twitter. Und beide nur eine halbe Stunde hintereinander. Ja, puh …

Aber es hat geklappt. Mal abgesehen davon, dass ich Leerkilometer runtergerissen hab, die die Schicht an die Grenzen der Rentabilität geführt haben (gut, dass mein Schnitt sonst in Ordnung ist!), hab ich’s gepackt. Die erste Tour startete verfrüht, die zweite verspätet, und dazwischen war das Radio laut. Zwei nette Fahrgäste und außerdem mal eben 75% des Schichtumsatzes. Damit ist der Abend dann noch halbwegs sowas wie im Normbereich gelandet.

Bin ich froh, Leser zu haben! 🙂

Nichtwissen

Ich finde es immer schade, wenn ich mit den Ortsangaben meiner Fahrgäste nix anfangen kann. Man sollte ja besser alles und noch ein bisschen mehr wissen als Taxifahrer. Aber es gibt auch Bildung, der man sich ausgesprochen feierlich verweigert. So wurde ich die Tage allen Ernstes gefragt:

„WAAAS? GUCKEN SIE ETWA NIE BERLIN – TAG UND NACHT?“

Und ich war echt nett und hab nur gesagt, dass es mir reicht, nachts durch Berlin zu fahren. Bei allem, was ich über dieses Fernsehformat vom Hörensagen weiß, hätte ich mir bei der Erwähnung versehentlich schier selbst ins Taxi gekotzt. Entsprechend wusste ich leider leider leider auch wirklich nicht, wo genau am alten Osthafen dieses ominöse „Hausboot“ liegt.

Und ich bin auch froh, dass ich danach nicht suchen musste, sondern die Fahrgäste das dann am Hafen alleine erledigen wollten.

Kompetenzgefälle

Zwei Uhr, regennasse Fahrbahn, die Kreuzung Stralauer Allee/Markgrafendamm. Die Ampelschaltung, um geradeaus nach Stralau zu kommen, ist wie immer zu kurz. Aber es müsste noch reichen. Die beiden Wagen vor mir fahren flott an, ich drücke mich bei Dunkelgelb noch durch. Plötzlich setzt der erste den linken Blinker und bremst wegen Gegenverkehr. Notgedrungen bremst der hinter ihm und hinter selbigem auch ich. Ich stehe mitten auf der Kreuzung und inzwischen bekommt der Querverkehr grün. Mir bleibt nichts anderes übrig, ich rolle ein Stück zurück, muss ich halt aufs nächste eigene Grün warten.

Da das reichlich aprupte Bremsen, das Im-Weg-Stehen auf der Kreuzung und schließlich das Zurückfahren in meinen Augen nicht so wirklich professionell aussieht, entschuldige ich mich bei meinen Fahrgästen:

„Sorry, das war so nicht geplant.“

„Ach, war doch nicht dein Fehler! Oder doch? Ich hab keine Ahnung, ich fahr‘ ja nicht Auto …“

🙂

Die Tour zur Flasche

OK, so ganz unkommentiert will man ein Fläschchen Wodka als Trinkgeld ja dann auch nicht stehen lassen. Zumal es eine in alle Richtungen (im wahrsten Sinne des Wortes) angenehme Fahrt war.

Herangewunken wurde ich kurz vor dem Ostbahnhof, direkt an der Schillingbrücke. Zwei junge Kerle mit guter Laune und erkennbar wenig Lust auf nun endende Party.

„Ins Sisyphos bitte!“

Schöne Tour, aber …

„Hat das nicht zu?“

„Wieso?“

„Naja, ich bin in letzter Zeit öfter dort und soweit ich weiß macht das nur alle zwei Wochen auf. Und da ich letzte Woche da war …“

Damit war ich natürlich der Launenverhagler vom Dienst. Also quasi. Wirklich übel nehmen einem Fahrgäste hilfreiche Tipps ja eher selten, aber davon hören wollten sie trotzdem nix:

„Na, fahr uns mal hin. Wenn nicht ist das About Blank ja da auch direkt ums Eck.“

Diese Form von Pragmatismus mag ich ja. 🙂

Unterwegs wurde mir der Wodka vermacht:

„Nimm‘ Du die mal. Verschenk‘ sie an irgendwen. Hab ich gerade gekauft, krieg‘ ich aber vor dem Club nicht mehr weggetrunken.“

Zwischenrein ein nettes Gespräch, viel Gescherze, es war die reinste Freude. Zumal ich davor ewig an der Halte gestanden war und mir eine Winkertour nur gelegen kam. Am Sisyphos angekommen habe ich natürlich Recht behalten. Es war zu. Statt nun aber zum About Blank zu fahren, kamen die beiden auf die Idee, lieber ins Ritter Butzke zu gehen. Da hätten sie wohl freien Eintritt. Ich an ihrer Stelle hätte mich richtig geärgert, denn nun waren wir rund vier Kilometer in den Nordosten gefahren und das Ritter Butzke liegt von der Schillingbrücke eher zwei Kilometer im Südwesten (Hab das jetzt nicht genau ausgerechnet). Die Fahrt hätte sie also statt der letztlich aufgelaufenen 23,20 € nur vielleicht 8 € kosten können. Von der Differenz wird man hier oder da sogar Eintritt zahlen können. Die beiden aber nahmen es locker.

Gut, einmal wäre mir (ohne dass es mich gestört hätte) der Wodka fast nochmal abgenommen worden, weil die Fahrt ja nun viel länger dauerte.  Aber wie gesagt: fast. Am Ende gab es Trinkgeld, Wodka und natürlich nur die besten Wünsche. Wenn ich wem noch eine angenehme Partynacht wünsche, dann doch solchen Kunden. 🙂

Ouidesehn!

Reichlich origineller Schichtanfang: Eine fünfköpfige Familie, außerdem perfekt auf mein aktuelles Auto angepasst. 6 Leute kann ich dieses Wochenende nicht mitnehmen, da in der 89 die Tasche für Werkzeug, Putzmittel und co. so scheiße dimensioniert ist, dass sie nicht sinnvoll hinter die letzte Sitzreihe passen würde. Offenbar das Auto eines Kollegen, der sowieso was gegen Großraumfahrten hat. Was interessant ist, da das Auto laut Taxameterdaten deutlich (!) mehr Zuschläge als die 1925 oder die 72 zu verzeichnen hat. Werden wohl die Kartenzahlungen sein …

Aber gut, die Familie! Wie üblich wurde ich herangewunken und die Eltern haben sich nicht den Hauch eines Gedankens darüber gemacht, dass 5 Leute auf vier Sitzen vielleicht nicht ganz in Ordnung sein könnten. Da einer der Jungs aber groß genug war, ohne Kindersitz zu reisen, hab ich eine in den Augen jener Touristen vermutlich überkorrekten deutschen Großraumtouren draus gemacht. Ich hasse mich in dieser Prinzipienreiterrolle, aber ich will ja bloß Ärger und Schaden von mir und den Fahrgästen abwenden …

Am Ende waren aber auch alle zufrieden. Die Familie kam aus Frankreich, war aber wohnhaft in London. Und unterhielt sich meist über Brasilien. Nun gut. Sehr nette Leute, das erste Mal in Berlin, aber sichtlich gewohnt an fremdes Terrain. Untereinander haben sie meist französisch geredet, aber mein passiver Wortschatz in dieser Sprache wächst ja auch wieder, seit ich Taxi fahre. Ich konnte ihnen, vermutlich unbemerkt, also dennoch ganz gut folgen. Die Kommunikation mir mir lief – was mich erfreut hat – in sehr gutem Englisch. Bis auf eine Ausnahme.

Ausgerechnet der junge Mann ohne Kindersitz in der letzten Reihe versuchte sich beim Aussteigen gleich mal in der dritten Sprache und sagte zum Abschluss: „Au ouidesehn!“

Weit besser als ich bei meinem Schüleraustausch in Frankreich in der sechsten Klasse. Ich hab damals die Oma meines Austauschschülers noch mit „Aujourd’hui!“ statt „Au revoir!“ verabschiedet. Aber ein bisschen Schwund bei Fremdsprachen ist immer. Und ich hab den Mut des Kleinen ernsthaft bewundert.

Was halt so passiert …

„Ey, das muss ich Dir erzählen …“

„Was denn?“

„Ich hab mir den Kopf gerade so übel an so ’ner Ampel angeschlagen!“

Und ich dachte, es wäre irgendwas besonderes. 😉