Ouidesehn!

Reichlich origineller Schichtanfang: Eine fünfköpfige Familie, außerdem perfekt auf mein aktuelles Auto angepasst. 6 Leute kann ich dieses Wochenende nicht mitnehmen, da in der 89 die Tasche für Werkzeug, Putzmittel und co. so scheiße dimensioniert ist, dass sie nicht sinnvoll hinter die letzte Sitzreihe passen würde. Offenbar das Auto eines Kollegen, der sowieso was gegen Großraumfahrten hat. Was interessant ist, da das Auto laut Taxameterdaten deutlich (!) mehr Zuschläge als die 1925 oder die 72 zu verzeichnen hat. Werden wohl die Kartenzahlungen sein …

Aber gut, die Familie! Wie üblich wurde ich herangewunken und die Eltern haben sich nicht den Hauch eines Gedankens darüber gemacht, dass 5 Leute auf vier Sitzen vielleicht nicht ganz in Ordnung sein könnten. Da einer der Jungs aber groß genug war, ohne Kindersitz zu reisen, hab ich eine in den Augen jener Touristen vermutlich überkorrekten deutschen Großraumtouren draus gemacht. Ich hasse mich in dieser Prinzipienreiterrolle, aber ich will ja bloß Ärger und Schaden von mir und den Fahrgästen abwenden …

Am Ende waren aber auch alle zufrieden. Die Familie kam aus Frankreich, war aber wohnhaft in London. Und unterhielt sich meist über Brasilien. Nun gut. Sehr nette Leute, das erste Mal in Berlin, aber sichtlich gewohnt an fremdes Terrain. Untereinander haben sie meist französisch geredet, aber mein passiver Wortschatz in dieser Sprache wächst ja auch wieder, seit ich Taxi fahre. Ich konnte ihnen, vermutlich unbemerkt, also dennoch ganz gut folgen. Die Kommunikation mir mir lief – was mich erfreut hat – in sehr gutem Englisch. Bis auf eine Ausnahme.

Ausgerechnet der junge Mann ohne Kindersitz in der letzten Reihe versuchte sich beim Aussteigen gleich mal in der dritten Sprache und sagte zum Abschluss: „Au ouidesehn!“

Weit besser als ich bei meinem Schüleraustausch in Frankreich in der sechsten Klasse. Ich hab damals die Oma meines Austauschschülers noch mit „Aujourd’hui!“ statt „Au revoir!“ verabschiedet. Aber ein bisschen Schwund bei Fremdsprachen ist immer. Und ich hab den Mut des Kleinen ernsthaft bewundert.

4 Kommentare bis “Ouidesehn!”

  1. hrururur sagt:

    Das erste was ich als Kind im Urlaub konnte, waren die landestypischen Begrüßungen und Verabschiedungen. Und der Ländername in Landessprache. Lohnte sich bonbontechnisch einfach*hrhr

  2. elder taxidriver sagt:

    In den ‚Berliner Seiten‘ der FAZ wurde mal eine Szene geschildert, in der zwei Franzosen zu ihren deutschen Freunden hinzukommen, ins Einstein Unter den Linden:

    ‚Wir sind bin mit der Büs gekomme‘. Das war sserr eiß‘., sagt der eine und fächelt sich mit der Hand Luft zu. ‚Isch wolle etwas verspeise‘, sagt er ‚Ier ist Ssallatt mit Rükkolla. Das gefällt misch‘. ‚Isch nehme etwas mit der Tomatt‘, sagt der andere und studiert weiter die Speisekarte. ‚Aber es gibt nischt mit Tommatt. Vielleischt etwas mit Ündschen‘.
    Der Deutsche lacht und sagt:‘ Hündchen besser nicht. Das haben die hier nicht‘.

    Ouidesehn.

  3. Ana sagt:

    „Ist hier jemand, der gut französisch spricht?“
    „Je!“

  4. Andreas G sagt:

    @Ana: 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: