Also bitte, Kollege!

Wir Taxifahrer eiern ja schon ziemlich abenteuerlich durch die Gegend auf der Suche nach Kundschaft. Im Großen und Ganzen verläuft das alles recht harmlos. Sicher, es gibt die notorischen Raser und Drängler (dazu in ein paar Tagen mehr), aber ich kann mich überwiegend nicht groß beschweren. Sicher beschwere ich mich hier und da mal, dass mich ebenso freie Kollegen überholen oder sich sonstwie mies verhalten, aber ich kann nur immer wieder sagen, dass ich auf der Straße wirklich überwiegend ein kollegiales Verhalten vorfinde.

Aber Ausnahmen bestätigen die Regel.

Bei der folgenden Begebenheit möchte ich auch gerne mal die Kollegen fragen, wie sie das einordnen, denn im Grunde möchte ich dem Fahrer der hellelfenbeinfarbenen E-Klasse gar nichts böses unterstellen. Ein wenig daneben fand ich es aber dann doch. Naja, vielleicht einfach mein persönliches subjektives Ungerechtigkeitsempfinden als „Verlierer“…

Ich bin zu später Stunde die Torstraße Richtung Osten langgegurkt. Ich war frei, hab aber des Verkehrsflusses wegen trotzdem die linke Spur gewählt. Außerdem wollte ich sowieso einen Kilometer weiter links abbiegen. Auf der rechten Spur einige Meter vor mir fuhr besagter Kollege, besetzt. Er setzte kurz hinter dem Rosenthaler Platz seinen Blinker, offensichtlich um seinen Fahrgast aussteigen zu lassen. So weit, so gut.

Er hatte sein Auto gerade gestoppt, da trat plötzlich eine Winkerin 100 Meter weiter auf den Plan. Sie stand dort rechts am Straßenrand und tat das, was Winker halt so tun: Winken 🙂
Ich hab mich gefreut, schon mal den Blinker gesetzt und wollte nun den Kollegen kurz überholen, während er seine Kundschaft auslädt. Nun aber ging die Türe wieder zu und der Kollege heizte kurz die 100 Meter weiter, verhinderte damit, dass ich an die Neukundin heranfuhr und winkte sie zu sich heran, während er nochmal eben schnell die Bezahlung mit seinem bisherigen Fahrgast regelte.

Also wenn ich ehrlich bin, finde ich, dass mir die Tour zugestanden hätte. Dem irritierten Gesicht der Winkerin nach, schien es ihr nicht anders zu gehen.

Aber gut, ich bin weitergefahren. Ich wollte weder den Verkehr komplett blockieren, noch mit einem Kollegen, der es so nötig hat, vor den Augen der Kundschaft irgendwelche Verbalgefechte austragen und mein Umsatz an dem Abend war auch ohne die Tour hervorragend. In die Kategorie Arschlöcher hab ich ihn dennoch gepackt, irgendwas muss man ja machen 😉

Die Fahrgäste da aufnehmen

…wo sie passieren.

Wochenende: Endlich mal wieder keine langen Wartezeiten!

Naja, eigentlich lief es den ganzen Monat nicht so sonderlich gut, und das reichte bei meinem Glück sogar bis in die Wochenendschichten hinein. Aber glücklicherweise gibt es an Freitagen und Samstagen eben doch die ein oder anderen Winker. Das bedeutet einmal mehr nicht länger leer zu einem Halteplatz gurken, nicht unbezahlt und unbesetzt irgendwo rumstehen und Zeit verschwenden – jeder Winker ist mir prinzipiell doppelt so lieb wie eine Tour vom Stand.

Und Winker sind tatsächlich immer gut. Seien es die in den hintersten Außenbezirken, die einem schöne Fahrten in die Stadt rein bescheren, oder die mitten in der Stadt, mit denen man gar nicht rechnet, weil man nur einer von zahlreichen kreisenden Geiern ist.

So gesehen war es wirklich ein Glücksgriff, ausgerechnet an der Boxhagener Straße – müsste Höhe Simon-Dach gewesen sein – rangewunken zu werden. Eine junge Frau, vielleicht 25. Sie winkte direkt vom Kneipeneingang aus, was mit der Grund gewesen sein mag, weswegen der Kollege 15 Meter vor mir auf der Straße sie nicht wahrgenommen hat. Zudem war sie dunkel und unauffällig gekleidet.

Sie stöckelte zu meinem aprupt angehaltenen Taxi und meinte:

„Meine Kolleg kommt sich gleich raus. Brauchen noch eine Minute!“

Na das nenne ich mal erträglich.

2 Minuten später kamen zwei Jungs aus dem Lokal, beide keiner meiner beiden Sprachen wirklich mächtig, und formulierten mit Hand und Fuß, dass es eine Minute dauern würde. Diese Zeit dauerte es etwa, bis die anfänglich beschriebene Dame wieder aus dem Laden gestürmt kam, dieses Mal wild gestikulierend und mit englischen Worten auf den Lippen:

„Sorry, I am so sorry! She will come soon!“

Sie stellte mir die beiden Jungs, Pedro und Sandro vor, was dazu führte, dass sie mich nervös anlächelten und so taten, als hätten sie mit sich selbst nicht das geringste am Hut. Sandro schien das tatsächlich unangenehm zu sein, und so begleitete er die Winkerin wieder ins Lokal, um den ominösen vierten Fahrgast aufzutreiben.

Pedro versuchte mit rotem Kopf erfolglos, sich in Luft aufzulösen.

In den folgenden 2 Minuten habe ich mir überlegt, vielleicht doch besser das Taxameter anzuschalten. Kurz mal ranfahren ist ja ok, aber inzwischen sind etwa 15 bis 20 Kollegen an der Ecke vorbeigefahren. Wenn jemand jetzt unbedingt noch einen letzten Drink nehmen will, dann kann man das Taxi doch auch danach erst anhalten. Oder eben den Preis zahlen, den die Bereitstellung kostet.

Aber ich hab es gelassen. Ich freu mich über Winker, ich weiss ja, dass man sich nicht immer schnellstens lösen kann und anderswo hätte ich sicher auch gewartet. Mal ganz abgesehen von dem Theater, den es bedeuten würde, wenn jemand einsteigt, und da schon 7 € auf der Uhr stehen…

Und darauf wäre es sicher beinahe rausgelaufen, denn auch Pedro verschwand noch einmal in der Bar. Dann allerdings kamen sie zu viert raus. Und wie! Die vierte Person war weiblich, und eine Vorzeige-Schnapsdrossel erster Güte. Die beiden Jungs stützten sie auf Geheiß der zweiten Dame, was allerdings nur bedingt fruchtete. Die junge Frau war offensichtlich recht hastig auf der Toilette eingesammelt worden, was ich erschreckenderweise nicht aus Erzählungen erfahren habe. Allzu sehr ins Detail gehen möchte ich nicht, darum stoppe ich hier.

Das Einsteigen hat dann auch keine ganze Minute mehr gedauert, wahrscheinlich weil ich das Taxameter umgehend beim ersten Kundenkontakt mit meinem Auto schnellstens angeschmissen habe. Am Ostbahnhof wäre ich in der Zeit sicher auch 5 Plätze vorgerückt…

„Wir gehen in die, äh the the A&O-Hostel…“

„Boxhagener Straße?“

„Yeah! Right! Must be somewhere nearby…“

Das hätte ich als Tourist unter einem Straßenschild mit der Aufschrift „Boxhagener Straße“ auch mutmaßen können 🙂

Also war die Tour entsprechend kurz. Knapp ein Kilometer um genau zu sein, oder anders ausgedrückt: Alle bis auf die letzte Kundin hätten in der Zeit auch laufen können. Naja, besser 4,80 € als gar kein Umsatz und außerdem eine Erinnerung mehr, die mich mahnt, das Taxameter doch schnell zu starten! Und immerhin weiss ich jetzt, dass es  Tamponschnüre auch in blauer Farbe gibt. Ach Mist, ich wollte doch nix mehr dazu sagen!

Zu wenig

Ich bin manchmal wirklich eklig nett. Eigentlich völlig ungeeignet, um vernünftig Geschäfte zu machen. Also in vielen Punkten bin ich da ja schon stolz drauf, und ich finde nach wie vor, dass der Taxi-Branche ein wenig mehr Dienstleistung und etwas weniger Egoismus gut tun würde. Aber manchmal denke ich dann auch, dass ich eigentlich dämlich bin.

Die beiden Jungs am Frankfurter Tor schienen sich nicht so wirklich sicher zu sein, ob sie ein Taxi nehmen sollten. Eine Hand hat gezuckt, ich hab leicht gebremst, Blicke wurden ausgetauscht, ich löste die Bremse, das Gesicht wurde länger, ich bremste wieder stärker… manchmal hat man es ja auch nicht einfach. Dass der Kollege direkt vor mir die beiden nicht wahrgenommen hat, wundert mich nicht.

Aber als ich dann dastand, war ja alles gut. Die Nacht lief bescheiden wie immer in den Osterferien, und hey: Winker! Also eigentlich ja eher Zucker…
Das nähere Betrachten der beiden weckte dann aber auch wieder Argwohn in mir. Mit Bierflaschen hab ich jetzt persönlich kein so großes Problem, das ist mit einer Ermahnung bisher immer gut gegangen. Aber die beiden hatten ausgerechnet noch Döner dabei. Verdammt! Und ich meine jetzt nicht eine stolz befüllte dünne Plastiktüte mit Dönern drin, sondern abgenagte Teigfladen ohne den Hauch einer Serviette. Hmm, was mach ich jetzt? Ich meine, ich Idiot hab ja auch noch selber angehalten…

„Entschuldigen sie, ist der dem vielleicht ok mit den Kebaap oder besser nicht?“

Nüchtern übrigens. Nur Schweden.

„Ist nicht wirklich gut, ist es nicht? Mit den Kebaap?“

Ach Jungs, für die nette Nachfrage und die niedliche Aussprache machen wir mal eine Ausnahme. Enttäuscht mich nicht!

Ich hab sie natürlich trotzdem nochmal eindringlich ermahnt, dass ich das nur so locker sehe, so lange davon nix an den Sitzen landet.

„Das ist sehr nett von ihnen. Viele Dank für nehmen uns mit den Kebaap! Wir müssen in den Koppenstraße nicht weit.“

Und was mach ich? Nach 40 € Umsatz in 5 Stunden? Bei zwei angetrunkenen Schweden mit Döner in der Hand?

„Machen wir Kurzstrecke, oder?“

Ich sag es ja: Manchmal ist es widerlich mit mir. Schlimmer noch: Die beiden wären von sich aus nie auf die Idee gekommen!
Allerdings war die Fahrt wirklich angenehm. Beide hielten sie ihre Döner ehrfurchtsvoll fest und dankten mir, dass ich sie trotzdem mitnehmen würde. Der Geruch hat mich dann auch noch hungrig gemacht, aber da wusste ich, dass der bei offenen Fenstern schnell wieder weg ist. Die beiden haben wirklich keinen Krümel hinterlassen, keinen Tropfen Bier, ja nicht einmal die obligatorische Haargel-Schleimspur an der Seitenscheibe.

„Was soll es jetzt kosten?“

„Vier Euro. Kurzstrecke eben.“

„Oha! Vier Euro. Das ist zu wenig!“

Meine Rede 🙂

Und so sind dann doch noch 6 € daraus geworden. Irgendwann werde ich es noch bereuen, so viele Zugeständnisse zu machen. Bei denen war es schon ok.

„Und haben sie den Dank, dass sie uns genommen haben mit…“

Mit Kebaap, ich weiss…

Habe eine Katze wacht!

Sprachbarrieren gibt es ja nun öfter im Taxi. Klar, wir hatten letztes Jahr anscheinend 9 Millionen Touristen in Berlin. Da ist es kein Wunder, dass der ein oder andere davon auch mal bei mir im Wagen landet.

Ich hatte schon Anfragen in die „Zoostraße“, sie sich dann als Torstraße entpuppt hat. Kaum schlagbar ist der „Suhlischdagaaden“, den die Berliner dann wiederum als Zoo kennen, und einmal ist mir eine potenzielle Kundin dann sogar weggerannt, weil wir uns nicht weiter verständigen konnten. Ich glaubte (zu Recht), sie habe eigentlich ein Taxi bestellt, während sie nur in den „Weeehin“ wollte. Und dann ging sie „Na’ucken“ – wie sie es nannte.

Aber die Touristen sind nur die eine Seite der Sprachvielfalt in dieser Stadt. Auf der anderen Seite gibt es ja noch jede Menge zugewanderte Menschen. Meiner Herkunft sei Dank bin ich noch nicht aufgeschmissen, wenn jemand „zom Friedrisshoi“ will, manch andere Dinge sind dann wieder schwer zu entschlüsseln.

Mein netter Winker war in seinem früheren Leben wohl Holländer.

Das ist per se nicht schlimm, und in Anbetracht des steigenden Meeresspiegels würde ich mich in seinem Fall auch nicht darauf verlassen, dass es sich lohnt, in der Heimat eine Existenz aufzubauen. Es war nur eine Kurzstrecke, und er hat mir kurz recht problemlos auf deutsch erklärt, wo er hin müsse. Also hab ich die paar Pferde unter der Haube aufgescheucht, um ihm diesen Wunsch zu erfüllen. Dann sagte er folgendes:

„Ich habe eine Katze wacht!“

Wie bitte?

„Ich habe eine Katze wacht!“

Klingt lustig, aber er meinte es offenbar ernst. Und nun will ich vor einer Auflösung mal ein paar Vorschläge hören, was der Kerl nun genau hatte 😀

Wenn das Glück außer Puste ist…

Das übliche Glücksspiel Taxifahren zeigte sich in meiner Schicht von seiner launischen Seite. Für eine Wochentagsschicht in den Ferien war sie zunächst eher gut, was mit zwei etwas längeren Touren zusammenhängt. Danach war aber erst einmal die Luft raus. Obwohl ich das Matrix erst sehr spät angefahren habe, stand ich dort eine geschlagene Stunde bei mittelschlechter bis weglaufenswerter Musik.

Dafür war mein Fahrgast dann ein sehr sympathischer. Ein junger Mann, Däne, mit guter Laune und recht wenig Drogen intus. Wir haben uns auf Englisch sehr gut unterhalten können, und die Tour sollte mit rund 11 € auch nicht allzu schlecht sein. Der Wartezeit wegen hätte es ruhig länger sein dürfen, aber nachträglich kann ich nur sagen, dass es so genau richtig war 🙂

Er wollte zu einem Hostel, das ich kannte, das zu finden aber auch so kein Problem gewesen wäre. Direkt an der Stelle, an der ich abbiegen musste um zu wenden, standen 2 Typen auf der Straße. Ich hätte an dieser Stelle hupen können, aber ich habe es gelassen. Sie winkten wie blöde und ich hab mich ein wenig geärgert:

Wenn ich meinen Kunden hier, 200 Meter vor dem Hostel, rausschmeissen würde, hätte ich gleich eine Anschlussfahrt!

Auf der anderen Seite hab ich mich auch gefragt, wie schwierig dieses Konzept mit den beleuchteten Dachschildern eigentlich ist. Wenn das Licht aus ist, dann sind wir besetzt oder bestellt. Das kann man sich doch merken, oder?

Als ich an der nächsten Ampel, keine 50 Meter weiter, aufs zweite Linksabbiegen wartete, stand einer der beiden schon wieder fast neben mir. Jetzt sind die meinem Auto hinterhergerannt! Argh! Deppen! Die Ampel war grün, ich trete aufs Gas und bin sie los.
Die Verabschiedung von meinem Fahrgast dauert nicht lange, ein kleines Trinkgeld gibt es noch und von mir ein zwei Sätze zu den Möglichkeiten, sich noch was zu Essen zu organisieren in der Umgebung.

Da reisst plötzlich der Typ von eben die Türe auf und fängt an meinen Fahrgast auf… ja, dänisch schätze ich, zuzulabern. WTF? Er hätte ja auch sagen können, dass er die beiden kennt – dann hätte ich sie gleich eingeladen! Es stellte sich raus, dass sie sich eigentlich nur flüchtig kennen, und es dem anderen durchaus auch darum ging, ein Taxi zu bekommen.

Im Laufe des kurzen Gesprächs kam auch sein etwas moppeliger Begleiter am Auto an, und mir wurde erklärt, dass sie gerne in einen Puff gehen würden. Na das war mal eine wunderbare Überraschung! Noch dazu kannte ich in direkter Umgebung keinen Laden, an dem ich schon mal war. Als dann auch noch feststand, dass sie nicht zu einem Billigladen mit Flatrate oder 35 €-Tarif wollten, hab ich die Chance gesehen, sie zu einem Laden zu bringen, der mir die Anlieferung auch entlohnt…

Und was soll ich sagen? Es hat geklappt. Die Jungs haben mir vor lauter Dankbarkeit satte 5,00 € Trinkgeld in mein zittriges Händchen geschüttet, und der „freundschaftliche“ Handschlag mit dem Türsteher ließ dann noch einmal zufällig 90 € an meiner Handinnenseite kleben. Damit war mir dann auch egal, dass der Umsatz diese Nacht nicht so wahnsinnig gut war – genau genommen lag er unter den sonstigen Zuwendungen 😀

Kurz und einfach

Auf der Straße für eine kurze Fahrt (meinetwegen auch eine Kurzstrecke) herangewunken zu werden, ist klasse. Das kann man gar nicht oft genug betonen. Alles ist besser und lukrativer, als sich am nächsten Stand die Räder platt zu stehen. Dass manche „Kollegen“ so ein Drama daraus machen, wenn Winker „in die falsche Richtung“ wollen, begreife ich einfach nicht.

Dennoch gerät man manches Mal ins Zweifeln, ob einen die Kundschaft nun irgendwie verschaukeln möchte. So kam es z.B., dass ich an der Straßenecke Modersohnstr. / Rudolfplatz Winker gefunden hab. Zwei Jungs, leicht verplant, ein bisschen schief dreinschauend, aber für Berliner Nachtschwärmer ausgesprochen fit.

„Einmal in die Korinnter Straße 22 bitte!“

wurde mir erklärt, nachdem die beiden ins Auto gekraxelt waren.

Aha. Humorvoll hätte ich mit „File not found“ antworten können, denn diese Straße gibt es nicht. Glaube ich zumindest zu wissen. Aber aufgrund der Ecke in der ich die beide aufgegabelt hatte, schien es sehr wahrscheinlich zu sein, dass sie zur Corinthstraße wollten. Das war so gesehen noch ein einfacher Fall. Just bezüglich dieser Straße – wahrscheinlich der ungewohnten Schreibweise wegen – hatte ich schon Anfragen von der „Zorintstraße“ bis hin zur „Korlinkstraße“. Wer den Einfallsreichtum bei Straßennamen in Berlin, und damit die vielen doppelten und ähnlichen Namen, auch nur erahnen kann, versteht vielleicht, warum ich das immer schnell korrigiere. Die könnten bei der nächsten Fahrt ja überall im Großraum Berlin-Brandenburg landen 😉

„Ihr meint sicher die Corinthstraße!“

„Äh? Ja? Kann sein.“

„Seid ihr euch bewusst, dass das nicht gerade weit ist?“

„Ja, tut uns auch…“

„Keine Sorge, ich bring euch da gerne hin – aber das ist nur hier einmal links ab, und…“

„Ja Mann, die haben uns ja hier abgesetzt! Aber jetzt finden wir es nicht!“

„Kein Problem. Die Hausnummer kenn ich jetzt nicht auswendig, also machen wir mal Kurzstrecke. Dann reicht das mit vier Euro.“

„Ja, passt! Bring uns einfach heim!“

Heim? So sehr zu Hause kann es nicht gewesen sein, denn der Weg ist wirklich nur… naja. Seht es euch an:


Größere Kartenansicht

Also bin ich nach links in die Corinthstraße eingebogen…

Bis die beiden gemerkt haben, wo sie sind, hat es eine wahrscheinlich neue Rekordzeit von etwa 8 Sekunden ab Einstieg gedauert. Viel Geld für ein paar Meter nur, selbst Trinkgeld gab es ja noch – aber eine wichtige Erkenntnis: Aus dem Taxi heraus sieht die Welt manchmal gleich ganz anders aus 🙂

Genervt

Eigentlich bin ich ja wirklich ein ganz Netter. Vom ein oder anderen bösen Gedanken mal abgesehen versuche ich mich im Job meist vorbildlich zu verhalten. Klappt nicht immer, Fehler passieren. Soweit, so gut! Aber neulich war ich mal wirklich genervt.

Die Fahrgäste selbst waren eigentlich ganz in Ordnung, aber den letzten Nerv gekostet haben sie mich trotzdem. Und somit war mein Abschied nicht unbedingt erste Sahne, aber das ist jetzt auch vorbei.

Angehalten haben sie mich an der Ecke Grünberger/Wedekind. Ich hab mich auch standesgemäß gefreut, schließlich hab ich die Abkürzung Richtung Ostbahnhof nur genommen, weil vor mir auf der Warschauer ein ganzes Bataillon leerer Taxen unterwegs war. Die Gruppe war jedoch recht groß, und beim Überfliegen stellte ich fest, dass ich selbst mit ausgeklappten Sitzen nicht alle unterkriegen würde. 8 Leute etwa. Plus minus 2, sie sind ständig durcheinandergewuselt.

Es waren durchweg junge Männer, der Sprache nach Spanier. Zunächst hatten sie nur eine Frage: Wo das Berghain ist. Gut, das ist Luftlinie nur 200 Meter entfernt, der Fußweg ist etwas länger – aber dennoch schnell geklärt. Mein Gesprächspartner sprach problemlos englisch, und so war die Sache in zwei Minuten geklärt. Ob ich sie hinbringen könnte? Klar. Aber nicht alle.

Der erste ist schon eingestiegen, da kam der zweite an und fragte mich, wie man denn nun genau hinkommt. Ich hab ihm das auch erklärt, woraufhin er meinte, sie würden dann laufen. Dann kam der Dritte und hat gefragt, wie viel das kosten würde. Ich hatte gute Laune, einen guten Umsatz und hab gemeint, ich drücke eine Kurzstrecke rein, würden 4 € Festpreis sein.

Dann kam ein weiterer der Gruppe an – er konnte sogar perfekt deutsch – und fragte, wie man denn genau hinkommt. Dann fragte er nach dem Preis.

Nun kam der fünfte der Gruppe und wollte wissen, wie weit das Matrix weg wäre und ob man da auch hinlaufen könnte. Ich hab erklärt, wie weit das etwa weg wäre und eine grobe Richtung genannt. Dann sollte es zum Matrix gehen, zu Fuß. Der bisher in meinem Wagen sitzende Typ stieg aus, dafür stieg einer der anderen ein und fragte, was es zum Berghain kosten würde. Ich hab ihm die Frage beantwortet, und er meinte, sie sollten doch alle mit dem Taxi fahren.

Daraufhin setzten sich zwei weitere ins Auto und der Deutschsprachige kam zu mir und fragte, ob es gehen würde, dass ich sie nacheinander abhole, wenn es nicht so weit ist. Ich hab gesagt, dass das kein Problem wäre, es allerdings sein könnte, dass die Kurzstrecke nicht reicht, und es am Ende vielleicht einen Zehner kosten würde. Den Preis fand er gut, ja sogar „nicht der Rede wert“. Er wollte nur noch mit den anderen reden.

Von denen kam dann auch einer zum Wagen und forderte einen der Insassen auf, auszusteigen, weil er gerne mit der ersten Fuhre am Club sein wollte. Daraufhin stiegen zwei Leute aus, während einer von draussen zu mir kam und mich fragte, wie weit es denn etwa zu dem Club sei.

zu diesem Zeitpunkt stand ich dann seit etwa 10 Minuten blöd in der Friedrichshainer Prärie herum und wartete darauf, loszufahren.

Dann kam ein zweites Taxi.

Der Fahrer wurde vom Rest umringt und es sind ein paar Leute eingestiegen. Daraufhin ist der verbleibende Fahrgast bei mir wieder raus, um auch in das andere Auto zu kommen. Der, der sich stattdessen bei mir in den Wagen setzte, fragte mich, ob ich nicht doch zum Matrix fahren würde. Dann kam einer aus dem anderen Auto angesprintet, und wies den Kerl an, er solle doch besser mit den anderen fahren.

Der glückliche Kollege lud den Kerl ein und brauste davon.

Mein Sprachgenosse kam an und fragte mich, ob wir jetzt ins Berghain fahren würden.

In den folgenden 2 Minuten setzten sich die Leute im Wagen dreimal um, dann konnte ich los. Endlich. Aus irgendeinem Grund sind 3 Leute übrig geblieben. Hatte der Fahrer vorher doch nur 2 mitgenommen? Oder 3? Naja, egal. Die Fahrt dauerte ja nur eine runde Minute, ich wollte das fast viertelstündige Vorspiel gnädig vergessen. Am Ziel angekommen wurde mir auch ein Fünfer gegeben, sogar Trinkgeld also. Ende gut, alles gut?

So halb.

Hinter mir saßen zwei Quasselstrippen, die mich übers Berghain ausfragten, wobei ich all mein Wissen zusammenkramen musste. Als einer von ihnen ausgestiegen ist, kam der andere wieder rein und fragte mich, wo genau der Eingang sei. Ich hab ihn ihm gezeigt. Daraufhin wollte er wissen, wie weit es denn etwa zum Matrix sei, falls sie hier nicht reinkommen würden. Während ich mit ihm redete, stieg mein letzter Fahrgast aus, nicht allerdings ohne die Tür sperrangelweit offenstehen zu lassen. Das sah der eben erst ausgestiegene Quasselpartner als seine Chance an, als er einen Anruf bekam.

Er setzte sich in meinen Wagen und telefonierte. 3 oder 4 Minuten lang. Letztlich fragte er mich dann, ob ich vielleicht die verbliebenen Hansel doch noch aufgabeln könnte. Das fand der andere natürlich unsinnig und sie gerieten in einen lebhaften Disput darüber. Ausgetragen wurde er natürlich in meinem Auto. Einer von den anderen kam auch zum Wagen zurück und warf ein, dass man dann doch gleich zum Matrix fahren könne, hier sehe es so dunkel aus. Der Vierte aber weigerte sich und beharrte darauf, hier zu bleiben.

Ich stand inzwischen auch gute 10 Minuten am Berghain und durfte den Kollegen zusehen, wie sie einer nach dem anderen mit zahlender Kundschaft ihres Weges zogen.

Völlig unerwartet zog nun einer der Streithähne eine Münze hervor, gab sie mir und meinte:

„Here. This is another 2 €. Pick up the others, they will pay you the rest!“

Alles klar. Aber natürlich kann man auch darüber nochmal diskutieren. Haben sie dann auch gemacht. Schwer genervt bin ich eine runde halbe Stunde nach Erstkontakt mit den Vögeln endlich losgekommen und bin den anderen entgegengefahren. Ich hab einfach die Kurzstrecke weiterlaufen lassen.

Die anderen habe ich nicht gefunden.

Weiß Gott, ob die sich inzwischen ein anderes Taxi – womöglich zum Matrix? – genommen haben oder sich verlaufen hatten. Als das Taxameter das Ende der Kurzstrecke verkündet hat, hab ich es ausgemacht und bin zum Bahnhof gefahren.

Natürlich hätte ich den Jungs besser noch Bescheid gesagt, bzw. ihnen die zwei Euro zurückgegeben. Aber ich hatte wirklich keinen Bock, die nochmal eine Viertelstunde im Auto zu haben!