Besprochen.

Man trifft ja nicht nur Leute in Feierlaune bei der Arbeit im Taxi. Ich versuche ja, die Quote recht hoch zu halten, aber man weiss ja nie, wie die Kunden so drauf sind. Manchmal trifft man auch auf ziemlich fertige Gestalten, die nicht nur Redebedarf haben, sondern auch sonst unter jeder Zuwendungsgrenze liegen und das wissen. Den wahrscheinlich schwierigsten dieser Fälle hatte ich Mitte letzten Jahres, das war die Geschichte mit Mike.

Ein bisschen harmloser gestaltete sich die Frau in den 50ern, die ich neulich aufgegabelt habe. Aber nachdem ich für sie in Lichtenberg eine Vollbremsung hingelegt habe, war die gute Laune aus meinem Auto auch schlagartig verflogen – und das nicht nur, weil ich die Musik ausmache, wenn Kunden einsteigen. Sie nannte das Fahrtziel nicht gleich und wollte mir zeigen, wo es lang geht. Während wir allerdings über die erste Kreuzung fuhren, bei der Rechtsabbiegen für den kürzesten Weg sinnvoll gewesen wären, war sie längst am Erzählen, wie sehr sie ihr Asthma plagt und dass sie nur deshalb jetzt schon heimgeht. Abgefüllt war sie bis Oberkante Unterlippe, das Reden fiel ihr schwer, aber sie tat es mit ausladenden Gesten, großer Lust und nicht zuletzt einer gehörigen Portion Verachtung gegenüber allen Themen, die sie ansprach. Ihr Mann, das Asthma, die Kneipe, die Wohnung, die Stadt, die anderen Menschen und eigentlich die ganze Welt…

Aus kleinen Satzfragmenten bastelte ich mir in Gedanken eine Zieladresse, die mir dann auch noch überhaupt nichts sagte. Das Navi wusste mal wieder mehr als ich, und so kam ich immerhin nicht in die Verlegenheit ihren ziemlich wirren Routenansagen folgen zu müssen, mit denen wir zwar sicher auch in Friedrichshain gelandet wären, allerdings eher mit einem dreistelligen Betrag auf dem Taxameter oder gleich nach einer Rundfahrt an den größten Sehenswürdigkeiten des Kontinents vorbei.

Ein paar total unehrliche „Ja sicher“ meinerseits später war sie immerhin wieder soweit, einen Witz zu machen. Gut, da waren wir schon am Ziel, aber immerhin. Wir standen in einer Sackgasse und ich fragte, ob ich hier halten solle. Daraufhin lallte sie schwungvoll, dass ich sie gerne auch noch bis in den vierten Stock fahren könne. Na also 🙂

Aber ich hab von ihr einen neuen Spruch gelernt, mit dem man Trinkgeld ansagt. Sehr beliebt ist ja das „Machen se eine Rechnung über…“ oder ganz simpel „Machen se…“. „Der Rest ist für sie“ ist mir verständlich und auch wenn jemand einen Betrag mit 3 Ausrufezeichen nennt, ist das Wink mit dem Zaunpfahl genug. Sie reichte mir allerdings einen Zehner mit den Worten:

„Das haben wir alles besprochen.“

Was eine glatte Lüge war, denn neben ihrem Monolog hätten wir nicht einmal Zeit gehabt, sowas wie das Trinkgeld oder den Fahrpreis zu besprechen. Wir haben es ja nicht einmal bei der Route geschafft 🙂

Aber als ich im Portemonnaie nestelte, meinte sie abermals mit Nachdruck:

„Das haben wir besprochen!!!“

Nicht fragen. Kunde, König und so weiter…

Prenzl’berger Nachteulen

Nach fast 3 Jahren Taxifahren merke ich doch so langsam Fortschritte bei der Ortskenntnis. Immer öfter müssen mir Kunden auch bei Wohnadressen nicht mehr helfen und in Extremfällen kenne ich sogar etwa die Hausnummern. Soweit zum positiven Teil.

Auf der anderen Seite erwische ich mich immer wieder dabei, dass ich Straßen in denen ich schon zig mal war, wieder vergesse. Bzw. sie nicht genau abspeicher. Auch wenn sie eigentlich in Stadtteilen liegen, von denen ich dachte, ich kenne sie gut. Das ist auch nicht immer schlimm, denn gerade wenn die Anfahrt ein bisschen länger ist, macht es ja auch mal nix aus, ob man jetzt nur weiss, dass das eine Querstraße unter dreien ist oder genau die erste. Je näher das Ziel ist, desto wichtiger wird das jedoch.

So ist mir die Heinrich-Roller-Straße in Prenzl’berg zweifelsohne ein Begriff. Aber mit der Marienburger und der Immanuelkirch bringe ich sie immer noch gelegentlich durcheinander. Doof, das!

Meine Kundschaft habe ich am Frannz-Club in der Kulturbrauerei eingeladen. Als der Name Heinrich Roller fiel, musste ich kurz überlegen. Aber klar, am Besten ist es, kurz 5 Meter zurückzusetzen, um dann rechts ab in die Sredzkistraße einzubiegen. Aber wie genau schlängel ich mich jetzt durch die ganzen Nebenstraßen am Kollwitzplatz? Mist!

Meine junge und äußerst lautstarke Beifahrerin bemerkte meine Unsicherheit, überschätzte diese allerdings maßlos.

„Erstmal fahren wir hier geradeaus!“

„Ähm… gut!?“

Eigentlich ist das Rechtsabbiegen in die Danziger gerade nicht erlaubt, ein kleiner Umweg wäre es so oder so, aber an das Abbiegeverbot hält sich keine Sau außer mir, da könnte ich sicher auch mal eine Ausnahme machen…

„Weiter geradeaus!“

„Ganz bestimmt nicht!“

„Wollen sie etwa mit mir streiten?“

fragte sie ziemlich keck.

„Nein, sicher nicht, aber die Heinrich-Roller liegt an der…“

„Prenzlauer!“

„Genau. Und die ist…“

„Da vorne links!“

„Nein, die ist eher so da hinten rechts.“

„Sie fahren jetzt geradeaus!“

„Ähm, nehmen sie bitte zur Kenntnis, dass ich das höchstens unter Protest tue!“

„Hey, ich hab Geburtstag und ich weiß, wo ich hinmuss.“

Wir waren inzwischen am Fahren. Richtung Pankow, Hamburg, Norden halt. Und die Heinrich-Roller-Straße, die ich so kenne, verschwand immer mehr hinter uns. Ich hab sie gebeten, wenigstens dem Navi zu glauben:

„Sehen sie mal hier: Heinrich-Roller-Straße, Prenzl’berg!“

„Ja, der will auch da vorne links!“

„Sicher will mein Navi das. Das will wenden! Weil wir genau in die entgegengesetzte Richtung fahren!“

„Fahren sie nur mal schön weiter!“

„Ich bitte sie: Lassen sie uns wenden. Ich weiss es sehr zu schätzen, dass sie die Tour zu meinen Gunsten so verlängern, aber sonst kommen wir sicher nie an.“

Das Spielchen dauerte bis zur Wichertstraße. Dann hat sie mich endlich wenden lassen. Puh! Der Rest der Strecke verlief dann so problemfrei wie nur möglich. Gut, sie hielt mir kurz noch vor, ich würde sie bezichtigen, ihr Sturheit zu unterstellen, aber das kann ich Anbetracht des Extra-Betrages gut verkraften. Gezahlt haben sie den Weg anstandslos. Sogar Trinkgeld gab es reichlich und das Whoiswho der nettesten Verabschiedungsfloskeln fehlte auch nicht. Alles in allem eine schöne Sache für mich. Für sie aber völlig unsinnig!

Das Bildchen zeigt recht eindrucksvoll, was ich meine:


Größere Kartenansicht

Ein bisschen weiter fahren?

Manchmal glaubt man einfach nicht, auf was für lustige Ideen die Kunden im Taxi so kommen. Letzte Woche hat es ja bisweilen mörderisch geschifft. Nicht nur tagsüber, sondern auch Nachts, als die meisten von euch wahrscheinlich friedlich im Bett lagen oder aber mit einer Tasse Tee am Fenster standen, um das Treiben zu beobachten. Da scheucht man echt nur Taxifahrer aus dem Haus! Genau in so eine Phase erhöhter Feuchtigkeit fällt meine Tour.

An Bord hab ich eine junge Frau, bei der die Kollegen am Stand schon neidisch waren, dass sie bei mir einsteigt. Die Zieladresse lag etwa 4 Kilometer weg, eine Fahrt für knapp unter 10 € also.

Als wir gerade kurz davor sind, auf den Parkplatz vor ihrem Haus einzubiegen, fragt sie mich etwas kleinlaut – wir haben davor kaum geredet, sie hat meist telefoniert – ob wir den Plan ändern könnten:

„Sagen sie, könnten wir auch ein Stückchen weiter fahren und dann hierher zurück?“

„Selbstverständlich. Wo soll es denn hingehen?“

Mir ist als erstes ein Spätkauf in den Sinn gekommen. Noch kurz Zigaretten, Getränke oder Essen holen und dann heim.

„Naja, äh nirgendwo hin. Ich muss hierher. Aber meine Freundin, die mir aufmachen sollte, ist noch nicht da. Die kommt erst in ein paar Minuten. Wir könnten doch einfach ein bisschen durch die Gegend fahren. Bis 20 € könnten wir machen!“

OK, des Regens wegen war Warten außerhalb des Taxis ein wenig blöd. Aber deswegen durch die Gegend fahren ist ja mehr als nur bekloppt!

„Wissen sie was: Wir fahren jetzt einfach zu ihnen auf den Parkplatz. Das Taxameter lasse ich an und dann berechnet das die Wartezeit. Das sind bei 10 Minuten 4 € – das sollte damit auch günstiger sein als sinnlos rumfahren. Ist das eine Idee?“

„Oh, sowas geht?“

Während das Taxameter lustig seinen Zähler nach oben schraubte, entschuldigte sie sich auch noch für die Umstände. Dabei ist der Wartezeittarif mit seinen 25 € pro Stunde für einen Tag unter der Woche eine wirklich ausgezeichnete Entschädigung 🙂

Insgesamt hat die Geschichte dann doch noch länger als erwartet gedauert. Die Uhr hab ich mit dem Auftauchen ihrer Freundin bei 16,20 € gestoppt (bei 9,40 € waren wir zu Beginn). Während der Zeit haben wir uns ein bisschen aufgezwungen unterhalten, aber wenigstens weiss sie jetzt, dass man ein Taxi auch zum Stehen verwenden kann. 18 € war ihr die Sache dann letztlich wert und somit waren sowohl Umsatz als auch Trinkgeld und Kilometerschnitt am Ende der Tour bestens. Und ein paar Taxigeschichten hab ich auch noch erzählen können.

Mein Liebling zum Erzählen ist ja der Klassiker…

Teure Currywurst

Ich hab über den vergangenen Samstag ja schon geschrieben, dass er gut war. Die meisten Touren waren dabei gar nicht so erwähnenswert, aber die letzte kann ich euch nicht vorenthalten.
Es war also Sonntag morgens irgendwann kurz nach 5 Uhr. Eigentlich arbeite ich ja eher bis 7 Uhr, aber ich war am Samstag ziemlich müde, und zudem hatte ich ja bereits einen guten Umsatz zusammen. Fast auf den Cent genau 200 € waren es, und somit habe ich das Auto schon mal sauber gemacht und betankt. Es war bereits hell draussen, und da stehe ich ja so oder so nicht drauf. Eine Tour vom Bahnhof noch, dann sollte es das gewesen sein.

Aber es kam anders.

Bereits an der Andreasstraße wurde ich herangewunken, und somit hatte ich meine Tour gleich ohne Warten. Spitze!

„Wir wolln zu der Currywurst an Ku’damm! Kennste? Beste Currywurst in Berlin!“

Aha. Noch eine. Das wird auch über mindestens zwei andere Buden behauptet. Die am Ku’damm hab ich tatsächlich noch nie angefahren, neulich hat mir ein Kollege überhaupt das erste Mal davon erzählt. Also wusste ich es nicht genau.

„Macht nüscht. Zeig ick dir!“

So hab ich das ja am Liebsten 🙂

Also im Normalfall finde ich ja so ziemlich jede Lokalität auch irgendwie anders, aber die Bedingungen dafür sind eben entweder ein Name oder eine Adresse. Der Laden scheint zwar eine gewisse Bekanntheit zu haben, aber „beste Currywurst am Ku’damm“ ist dann doch etwas schlecht, weil die Straße eben gute dreieinhalb Kilometer lang ist.

Naja, alles nicht so wild. Wir sind also losgefahren, und unterwegs kam das Gespräch auf die anderen „besten“ Currywürste.

„Hier jibt ja Mehringdamm, Curry 36 und dann in’n Osten. Wo war dat gleich?“

„Konnopke? Schönhauser Allee?“

„Ja, jenau! Du, das wär näher, wa?“

„Von hier aus gesehen definitiv.“

Das war wahr, denn wir steuerten gerade mehr oder minder auf den Alex zu. Meine vier Fahrgäste haben sich entweder aktiv oder durch Stillschweigen darauf geeinigt, das Fahrtziel zu ändern. Na gut, wird es halt keine 17€-Tour, sondern nur eine für 11 oder 12…

Von wegen!

Als wir bei Konnopke ankamen, war dort natürlich dicht. Ich selbst wusste nicht einmal, dass die überhaupt schon wieder offen haben, da der Laden ja komplett neu gebaut wurde, nachdem er im Rahmen der U-Bahn-Bauarbeiten letztes Jahr abgerissen wurde. Die Gesichter waren jetzt etwas länger als vorher, aber mein Beifahrer meinte, wir könnten am Döner an der Osloer Straße ranfahren. OK.

Im Nachhinein betrachtet, wäre das Curry 36 vielleicht von Anfang an von der Lage her besser gewesen – zumal die auch garantiert um 5 Uhr offen haben. Aber gut, nächster Halt: Döner.

Döner mit Dienstschluss.

Mein Beifahrer war eigentlich sehr gut drauf, nur einer Dame im Heck gefiel das gar nicht, weil sie einfach nur Hunger hatte. Und zum Ku’damm war es nun doch ziemlich weit.

„Keen Problem! Kennste die Currywurst-Bude Müller Ecke Seestraße?“

„Naja, ich fahr da gelegentlich vorbei…“

„Na, da jibts Döner und gejenüber Currywurst. Die ham sicher offen!“

Mir sollte es nur Recht sein. Das Taxameter kletterte lustig weiter und mich persönlich störte es nicht, dass die Dame von hinten so langsam sauer wurde wegen ihres Hungers.
Den Chefansager störte das aber auch nicht wirklich, und er meinte, dass er das Taxi alleine zahlt, wenn keine der Buden offen hätte.

5 Minuten später:

„Is ja keen Problem! Ick bin Spieler. Hab ick halt verlorn! Zahl ick die Taxe. Is ejal!“

„Ja, was machen wir nun?“

„Weeßte, fahr mal Ku’damm. Ick zahl dit ja!“

„Wie soll ich fahren? Gleich geradeaus über Autobahn?“

„Ja ja, soll ja schnell jehn!“

Ich muss zugeben, dass mir der Weg über die Putlitzbrücke auch gar nicht auf die Schnelle eingefallen wäre. Aber letztlich kann man sowieso nicht behaupten, dass das den Kohl noch fett gemacht hätte.

10 Minuten später standen wir dann endlich vor der „besten“ Currywurstbude in Berlin am Ku’damm 195. Die Fahrt endete mit 34,40 € auf der Uhr, locker das doppelte der direkten Strecke. Trinkgeld gab es auch noch ordentlich, beschweren kann ich mich nun wirklich nicht. Ein bisschen schade war allerdings, dass sie auf meinen letzten Vorschlag nicht eingegangen sind. Als wir nämlich noch ein paar Meter entfernt waren, vertat sich die Truppe mit der Hausecke und befürchtete, dass die Baustelle dort ihre geliebte Currybude ist. Was ich daraufhin gesagt hab, kann sich sicher jeder denken:

„Wissen sie, von hier aus liegt das Curry 36 eigentlich ganz praktisch – dann hätten wir die Stadtumrundung wenigstens vervollständigt.“

Man kann ja nicht alles haben 🙂

Die Kollegen, das Wochenende

…und der ganze Rest.

Es ist wahrlich kein sonderlich schöner Monat. Pah, Monat! Im Grunde läuft das Geschäft seit 3 Monaten durchgehend desaströs. Die meisten Kollegen meiner mir bekannten Kollegen bestätigen das, und die die es nicht tun haben meist ein- oder zwei Abende Glück gehabt. Hier mal ein Puffbesuch mit Prämie, da mal eine Ferntour.

Den Vogel bezüglich Ferntouren abgeschossen hat Kollege Paul. Der hat jetzt im März 5 Touren gehabt, die man immerhin so halbwegs als Ferntouren einordnen könnte: 2 mal Cottbus, 2 mal Fürstenwalde und einmal noch irgendein anderes brandenburgisches Nest.

Und ich? Naja, nix von alledem. Es war einfach ein beschissener Monat. Bestenfalls kamen die Kollegen zu mir gerannt und haben mit Freudentränen in den Augen geschildert, wie viel ihnen die Tour gebracht hat. Naja, es sei ihnen gegönnt, ich würde es wohl auch kaum anders machen.

Allerdings würde ich es definitiv anders machen als die Kollegen heute am Ostbahnhof. Just als ich mit einem der netteren Exemplare sprach, gerieten vor uns 2 Kollegen mit einem Fahrgast in Streit. Der Fahrgast beschwerte sich lautstark und fragte auf Englisch:

„What is the problem with Erkelenzdamm?“

Der entsprechende Kollege antwortete auch noch hämisch:

„Jaja, ick weeß ja wo der is. Deswegen fahr ick dir trotzdem nich!“

Das Dumme ist, dass ich im ganzen Trubel – der Fahrgast trat dann an mich heran – nicht nach der Konzessionsnummer dieses Kollegenschweins geschaut habe. Und irgendwie war der dann ziemlich schnell weg. Naja, ich hab dann trotz ebenso einstündiger Wartezeit nicht lange gefackelt und den armen Typen zu seinem Ziel gebracht. Ist ja nicht so, dass ich mir nicht auch mehr als 7,00 € auf der Uhr gewünscht hätte, aber ich halte nach wie vor nix vom Tourenablehnen aufgrund der Länge…

Glücklicherweise war das seit langem mal wieder ein besonderer Fall, so viel Stress gab es ja schon aufgrund mangelnder Kundschaft in letzter Zeit kaum.

Deswegen hab ich es mir dann am Samstag (Ja, da lief es dann plötzlich! Grrr….) rausgenommen, mich gemütlich auf zwei Kaffee mit Axel zu treffen, mit dem ich wegen der Kabel1-Geschichte seit langem mal wieder in Austausch getreten bin.
Und ich will meinen werten Lehrer und Kollegen jetzt nicht in den Himmel loben: Aber es hat verdammt gut getan, sich mal innerhalb des Gewerbes auf Augenhöhe mit jemandem unterhalten zu können. Bis auf ein paar ebenfalls bloggende Kollegen bescheren mir dieses Vergnügen nämlich wirklich nur die allerwenigsten…

Das Ende der Pause hat dann just Jo eingeläutet, indem er mich mal flugs ums Eck bestellt hat. Ich war dann zwar erst über eine Stunde später da, aber das schreibe ich nur, um die Zeitumstellung (die mir wie üblich keine Probleme gemacht hat) auch noch in diesem Artikel unterzubringen.
Jo hat dann noch eine „alte Rechnung“ beglichen, sodass es eigentlich gar nicht so schlecht aussah an dem Abend. Und ich glaube für die Route, die wir gefahren sind, lade ich ihn irgendwann dann doch noch mal auf ein Bier ein. Oder wenn es passt – des Anlasses wegen – auf einen „Kurzen“ – denn das ist so etwa das, was ich ihm schuldig geblieben bin in meiner frühsonntäglichen Verplanung 😉

Ansonsten gibt es nicht viel zu berichten von der Straße. Kaum Leute unterwegs, Schlaglöcher überall und die Bremsen an meinem Auto quietschen munter vor sich hin, obwohl der Hausschrauber die vor zwei Wochen genau aufgrund meines Verdachts für in Ordnung befunden hat. Doofe Geschichte, ich finde es nicht sehr angenehm, mit einem quietschenden Auto an Kunden ranzufahren…

Ach ja, die Kunden:

„Sie sind gewesen von den Fahren Taxi bisher besten alle!“

Na, immerhin 😀

Onneff (2)

„Onneff!“

Ich bin ja ehrlich sowas von froh, inzwischen mit der Aussprache von Touristen ganz gut zurecht zu kommen. Was war Onneff natürlich? Hönow!

Nun kann ich auch mal das Hotel aufklären: Das HEP in der Mahlsdorfer Straße 61a war es. Im Wissen, dass Hönow nun wirklich direkt an Mahlsdorf grenzt, bin ich also dorthin geschossen und hab die Mahlsdorfer Adresse eingegeben. Es ist natürlich mords der Umweg gewesen, sodass die Summe auf dem Taxameter inzwischen an den 30 € kratzte, während wir noch ein ganzes Stückchen vom Ziel entfernt waren.

Ich hab meinen immer noch feierwütigen Fahrgästen erklärt wie es aussieht, mich entschuldigt, dass ich auch nicht drauf gekommen bin und gefragt, wie wir das jetzt handhaben. Sie haben es mehr als nur locker genommen und gemeint, dass es jetzt ja noch nicht soo teuer sei, schließlich hätte man ihnen erzählt, 30 bis 35 € müssten sie für den Weg schon bezahlen. Herzlichen Dank an die Reiseleitung, da könnte man also quasi immer so fahren…

Naja, ich hab bei 32 € (was locker 5 € mehr waren, als der direkte Weg gekostet hätte) die Uhr ausgemacht und bin der Adresse entgegengeflogen. Bisher könnte man das vielleicht noch als dummen Fehler der Touris abtun – wieso stimmen drei Leute bei Köpenick zu? Wegen dem Ö? – aber natürlich fand sich an der angegebenen Adresse auch kein Hotel.

Das war jetzt gänzlich mein Fehler. Denn nicht nur weiss ich, dass mein Navi bei Hausnummern gerne mal einen Mittelwert berechnet und schon bei kurzen Straßen mal 100 Meter danebenliegt, vor allem aber kennt es keine Gnade bei Ortsgrenzen. Da mag die Adresse nur 100 Meter hinter der Stadtgrenze liegen, ich muss die richtige Gemeinde eingeben! Und genau das ist hier natürlich der Fall. Das Hotel liegt genau in der gleichen Mahlsdorfer Straße, in der ich inzwischen innerlich leicht panisch an einer Tankstelle angehalten habe, um mir zu überlegen, wie ich jetzt am besten diese Touristen loswerde, weil an der angeblichen Nummer 61 immer noch kein Hotel war.

Ein alter Mann war mir auch nicht wirklich eine Hilfe, der wies mir einen Weg, der so grob Richtung Berlin-Mitte lag, also entgegengesetzt des eigentlichen Ziels. Ich hab die Sache dann so angegangen, dass ich die Adresse nochmal in Hönow eingegeben habe – was dann auch gepasst hat.

Im Übrigen erklärt das auch das Fehlen des Hotels im Robertha. Dort ist es nämlich ganz deutlich und richtig verzeichnet: Als Übernachtungsmöglichkeit im Umland – halt nicht in Berlin 😉

Es ist aber auch absurd, dass das Navi mir für die Mahlsdorfer 61 einen Haltepunkt in Mahlsdorf angibt, auf derselben Straße (nur in Hönow) allerdings einen anderen… da muss man ja durcheinanderkommen. Naja, letztlich war die kurze Umherzuckelei nachher nicht mehr zu Ungunsten der Kunden, und ab jetzt kenne ich das Hotel! Die Tatsache, dass es bereits in Hönow liegt, hat nachträglich sogar das Uhrausmachen legalisiert, da ich ja nach Außerhalb Festpreise nehmen darf. Dass der nächstes Mal etwas niedriger wird, ist natürlich auch klar.

Aber was war eigentlich mit den Kunden?

Die waren happy! Die haben sich kaputtgelacht darüber, dass sie so lange gebraucht haben, haben sich nettestens bedankt und haben mir das kein bisschen übel genommen. Also wesentlich weniger als ich selbst zumindest!

Der endgültige Hammer kam dann beim Trinkgeld. Sie haben die 32 € mit einem Lächeln bezahlt und auf volle 40 € (!) aufgerundet. Sie haben viel Spaß gehabt und außerdem wäre es ja so oder so eine Frechheit, ein Hotel so weit auf dem Land zu nehmen…

Ich weiss nicht, wie oft ich mich bedankt habe, aber mir kommt es jedes Mal vor, als sei es mindestens einmal zu wenig gewesen 😀

Onneff (1)

Ich gebe es ja nicht gerne zu, aber gelegentlich vergeige ich auch mal eine Fahrt. Ich hatte gehofft, das nächste Mal passiert so ungefähr im Winter 2061, wenn der Leichenwagen von der Straße abkommt, in dem mein Sarg transportiert wird – aber nun war es doch heute Nacht.

Mir stieg eine gut gelaunte Vierertruppe von Touris am Matrix ein, 2 Australier und 2 US-Amerikaner. Die waren auf der üblichen Europareise, sind aber in einem Hotel untergekommen, das ich nicht kannte. Bis jetzt. Da ich aus dieser Geschichte einen fiesen Cliffhanger machen werde, verrate ich mal nicht den Namen des Hotels.

Auf ihrem Ausdruck von der Reiseleitung standen der Name des Hotels, Berlin, die Straße und die Hausnummer. Das sollte meist ausreichen. Meist. Denn was passierte logischerweise, als ich mein Navi anschmiss: Es zeigte zweimal die entsprechende Straße an. Deswegen griff ich das Robertha und… fand nichts. Das sollte sich später allerdings noch aufklären.

Ich erklärte den feierwütigen Leuten mein Problem und gab ihnen die beiden Stadtteile Mahlsdorf und Köpenick zur Auswahl. Drei Stimmen für Köpenick und eine Enthaltung. Also los!

Die Laune war die kompletten 20 Minuten lang super, wir haben uns viel unterhalten und die beiden Jungs und die zwei Mädels stellten sich als äußerst wissbegierig bezüglich unseres Landes heraus. Nicht nur, dass die Australier stolz verkündeten, seit der Einführung im FreeTV bei ihnen jetzt regelmäßig Bundesliga zu sehen, nein sie kannten selbst den Unterschied zwischen den West- und den Ost-Ampelmännchen.

Und die Laune blieb auch so, als wir in den Punkt erreichten, an dem ihr Hotel stehen sollte. Ja, sollte. Nun war guter Rat teuer. Zumindest die Uhr meldete schon irgendwas von Ende 20. Und da kam von hinten der entscheidende Tipp:

„Onneff!“

Wer oder was Onneff ist, und ob wir das Hotel gefunden haben – das gibt es dann morgen zu lesen. Ich muss mich jetzt nämlich mal für die Arbeit rüsten! Wochenende und so!