Dass „Kollegen“ kurze (das könnte man auch in Anführungszeichen setzen) Fahrten ablehnen, ist ja leider nix neues. Nun ist das mit dem Ablehnen von kurzen Fahrten aber eine schwierige Sache. Nicht einmal wegen der formalen Verletzung der Beförderungspflicht und dem Verweigern der freien Taxiwahl für die Kunden. Nein, denn es wäre ja sogar machbar, dass kurze Fahrten bis xy km irgendwer von hinten macht. Könnte man ja kommunizieren, würde in ein paar Jahren sicher klappen.
Nun gibt es aber zwei Sorten Vollpfosten hinter Taxilenkrädern: Die einen, die glauben, sie müssten kurze Touren nicht fahren, weil sie schon so lange gewartet haben – und die anderen, die glauben, Kunden müssten gefälligst das erste Taxi am Stand nehmen. Eine ziemlich unschöne Situation könnte jetzt entstehen, wenn an einem Stand diese beiden …
Unwahrscheinlich? Zu hypothetisch?
Diese Message hat mir Christian gestern Abend via Facebook zukommen lassen:
Hey Sascha,
lange nicht mehr mit Dir gefahren! Ich schreibe Dir heute aufgrund einer Taxi-Geschichte, die meine Frau S. heute in Berlin erlebt hat und die Du vielleicht verbloggen möchtest. S. ist heute abend in einem Hotel in Nähe des Hbf eingecheckt und wollte anschließend mit dem Taxi zu Mr Vuong in der Alten Schönhauser Straße fahren. Zugegeben ist das nicht die allerlängste Route, aber immerhin. Sie geht also zum nächsten Taxistand, wo ein Großraumtaxi an erster Stelle steht. Der Fahrer lehnt die Fahrt aber ab – nur eine Person befördere er nicht. S. hat das verstanden, immerhin standen noch einige Kollegen mit normalgroßen PKW am Stand. Jetzt aber das Kuriose: alle weiteren Fahrer weigerten sich, meine Frau zu befördern, weil sie den Kollegen an erster Stelle nicht überholen wollten. Obwohl der sich wie gesagt geweigert hat zu fahren. Das Ende vom Lied: S. ist mit der S-Bahn zum Hackeschen Markt gefahren und von dort gemütlich gelaufen. Von weiteren Taxifahrten wird sie zumindest in Berlin erst einmal Abstand nehmen. Manchmal verstehe ich Deine Kollegen nicht (und freue mich, dass Du da anders denkst).
Beste Grüße von Deinem treuen Leser Christian
So, wieder ’ne Kundin verloren. Applaus!
Je nachdem, welches Hotel es genau war, müssten das immer noch 7 bis 10 € Umsatz gewesen sein. Der berlinweite Schnitt soll bei 12 € etwa liegen. Und dabei könnte es eigentlich so einfach sein: Lächeln, die Fahrgäste ans Ziel bringen und an ganz harten Tagen einfach erst am Ende der Schicht das Geld zählen.
PS:
Bevor der Einwand kommt: Dass der Kollege die Fahrt einzelner Personen ablehnt, ist erstens auch nicht ok und zweitens glaube ich das ohnehin erst, wenn das mal einer bei einer 40€-Tour passiert. Sowas hab ich seltsamerweise noch nie gehört …