Netter Typ

Das bin ich angeblich ja. Sagte zumindest mein Kunde. Besser gesagt: Er hat mich gefragt, ob ich nett sei. Ich hab das vorläufig bejaht, aber angemerkt, dass die Untersuchungen dazu noch nicht abgeschlossen sind. Dass das ankommt, war klar 🙂

Ja, er hätte sich heute über drei meiner Kollegen geärgert.

Das ist natürlich nie so dolle, in dem Fall konnte ich allerdings auch nicht wirklich für den Kunden Partei ergreifen. Der wäre nämlich gerne mit einer Kurzstrecke an sein Ziel gefahren, die Taxifahrer indes standen dort. Vor einer Bar, nicht an einem Taxistand. Das ist nun eine gar nicht so einfache Geschichte, denn die Taxiordnung erwähnt bei der Kurzstrecke selbstverständlich keine illegalen Halten. Auf der anderen Seite ist unsere Verpflichtung, nur an Taxiständen zu warten, nachts ohnehin aufgehoben, so dass – nach meinem Rechtsverständnis – ein vor einem Club wartender Taxifahrer natürlich auch nicht zum Kurzstreckentarif fahren muss. Das ist auch – so wenig einem das als Kunde gefällt – im Sinne der Kurzstreckenregelung, denn der Einschub mit den Halten wurde ja eben gemacht, um uns nicht lohnende Touren zu ersparen, wenn wir auf sie warten müssen.

Die Diskussion mit meinem Fahrgast verlief also durchaus strittig. So richtig abzubringen war er von seiner Meinung nicht, als ich das mit dem nächtlichen Bereithalten erklärte, bestand er drauf, dass die Kollegen aber verkehrswidrig standen, bla keks. Man hat gemerkt, wie er ein Schlupfloch gesucht hat, um seinen Trotz begründen zu können.

Das wirklich schöne daran war allerdings, dass das alles völlig ruhig und nett verlief. Wir haben uns ausgetauscht, hatten unterschiedliche Meinungen, aber das war ok. Er hat sich beim Verabschieden entschuldigt, dass er jetzt eigentlich gar nicht so über Taxifahrer nörgeln wollte und ich hab meinerseits angefügt, dass ich ihn natürlich auch nicht persönlich anzugehen gedachte, aber eben anderer Meinung bin. Im Grunde hatten wir die Fahrt zwar streitend verbracht, am Ende war es eine nette Tour mit freundlichem Danke, einem bisschen Trinkgeld und gegenseitigem Händedruck. Und nett fand er mich trotzdem noch…

Na denn!

Taxi-Demo in Berlin

Falls irgendwer heute auf dieser Seite landet, weil er sich fragt, wofür oder wogegen die Taxifahrer in Berlin heute mit ihrer Sternfahrt demonstrieren:

Sie demonstrieren gegen die derzeit angedachten Regelungen für den neuen Flughafen BER in Schönefeld.

Diese Regelungen sehen nach derzeitigem Stand vor, dass die Fahrten vom Flughafen in die Stadt teurer werden als die in die umgekehrte Richtung. Sie sehen vor, dass jede Fahrt vom Flughafen (zusätzlich zum höheren Tarif) 1,50 € Gebühr kostet. Diese Gebühr wird erhoben, weil der Flughafen den Taxibetrieb an seinen Pforten neu regeln will und das Kosten verursacht. Diese Kosten sollen unsere Kunden tragen, die wahrscheinlich nichts davon haben.

Der Protest der Taxifahrer richtet sich ebenso gegen die damit einhergehende Möglichkeit, bis zu 400 Brandenburger Taxen auf Berliner Gebiet Kunden aufnehmen zu lassen.

In erster Linie sind das Anliegen, die unsere Kunden – also potenziell jeden von euch – betreffen!

Eine kurze (und sicher unvollständige) Erklärung:

Der neue Flughafen liegt (ebenso wie der alte) nicht in Berlin. Da die Taxen aber landkreisabhängig sind, haben wir andere Tarife als die Brandenburger Taxen. Da der Flughafen aber ebenso zu Berlin gehört wie zu Brandenburg und es ohnehin zu wenige Taxen im entsprechenden Landkreis gibt, dürfen Taxen aus Berlin und aus dem Landkreis Dahme-Spreewald (LDS) dort Kunden aufnehmen. Es gibt darüber seit Jahren Streit – der ist allerdings meist albern und von übergroßen Egos der Verantwortlichen getragen.

Fakt ist: Mit der Eröffnung des neuen Flughafens wollte man sich auf einen gemeinsamen Tarif einigen – denn bisher hing der Preis einer Fahrt vom Kennzeichen des Taxis am Flughafen ab. Klingt komisch, ist aber so.

Da beide Seiten nun mit mehr oder weniger guten Argumenten ihren Tarif verteidigen konnten, soll es jetzt eine Sonderregelung geben: Vom Flughafen aus wird nach dem LDS-Tarif gefahren. Der ist auf den ersten Kilometern günstiger, jedoch für die Fahrten ins Zentrum Berlins – was die meisten vom Flughafen aus sein werden – teurer. Immerhin um ein paar Euro.
Auf dem Weg zurück – von Berlin zum Flughafen – soll weiter unser bisheriger Tarif gelten. D.h., die Berliner Taxifahrer müssten einen weiteren Tarif im Taxameter einspeichern. Das klingt zunächst nicht schlimm und ist es auch nicht wirklich – abgesehen von der bekloppten Unlogik aus Kundensicht. Aber die Preise sind für unsere Kunden ohnehin undurchsichtig. Keiner weiß so recht, was das Taxameter zählt, welcher Tarif nun was ist, etc…. Kontrollen gibt es ohnehin kaum. Leider!

Sprich: Betrügerische Taxifahrer hätten es künftig noch leichter, denn sie könnten einfach je nach Strecke den teureren Tarif wählen. Die ehrlichen Taxifahrer – und das sind die meisten, bitte glaubt mir das! – fordern seit Jahren mehr Kontrolle, doch nichts passiert! Deswegen will auch niemand, dass dieses Schlupfloch jetzt geöffnet wird!

Mit den LDS-Taxen ist es dasselbe: Es geht nicht darum, dass geschulte LDS-Fahrer in Berlin keine Kundschaft aufnehmen sollen, das Problem ist vielmehr, dass bislang keiner weiß, wie sichergestellt werden soll, dass die Fahrer, die das tun, auch tatsächlich eine Ortskundeprüfung für Berlin abgelegt haben und sich hier wenigstens halbwegs auskennen. Abgesehen davon haben wir tatsächlich schon jetzt genügend Taxen in der Stadt.

Die Gebühr von 1,50 € ist wieder eine ganz andere Baustelle. Die Betreibergesellschaft des Flughafens möchte keine Kosten für den Taxenverkehr haben. Irgendwie verständlich, aber hier wird einiges vergessen: Es ist wahr, dass wir unser Geld auch mit dem Flughafen verdienen. Aber wir sind Teil des öffentlichen Nahverkehrs und wir schließen die Lücke, die durch Bahn/Bus/BVG nicht bedienbar ist. Auch wenn es dem Flughafen nicht passt: Er braucht uns!
Anstatt aber einen Taxistand einfach bei den Unkosten einzuplanen, vergibt die Betreibergesellschaft einen Auftrag an die Firma Apcoa. Die bieten ein – sicher nicht unbedingt schlechtes – Leitsystem für Taxen an und kümmern sich gleich noch um die Versorgung und Organisation der Taxen und Taxifahrer. Nun ist sicher nichts dagegen einzuwenden, dass die Kosten durch einen Kiosk mit hohen Preisen eingetrieben werden, den die Taxifahrer mehr oder weniger zwangsläufig dort benutzen. Stattdessen aber wird das Ganze so teuer geplant, dass das – ohne Mehrwert für den Taxikunden – nur über eine Gebühr wieder reinzuholen ist. Diese Gebühr wollen sie nun von uns Taxifahrern verlangen und haben – damit wir nicht böse sind und wegbleiben – gleich mal mit der Stadt verhandelt, dass der Taxitarif künftig diese Gebühr beinhaltet. Sprich: Dass wir Taxifahrer die Gebühr für das Unternehmen einsammeln. Einzelne erinnern sich vielleicht an die ebenfalls von Taxifahrern bekämpfte „Servicegebühr“ in Tegel vor einem Jahr. Es ist das Selbe in Grün.

Gewiss: Versprochen wird viel von Kundenservice und Bevorzugung guter Taxen etc. Dabei darf man nicht vergessen, dass Apcoa einzig seinem Kassenbericht verpflichtet ist und sämtliche Gängelungen von uns Taxifahrern nur dann Sinn machen würden, wenn auf der anderen Seite eine sinnvolle Kontrolle stattfinden würde. Wenn das Apcoa-System beispielsweise Taxen mit Kreditkarte bevorzugt behandelt, hilft das aber z.B. nicht gegen die Fahrer, die einfach behaupten, das Lesegerät sei kaputt.

Wirklich: Wir Taxifahrer sind eine der wenigen Gruppen, die darauf hoffen, mal genauer angesehen zu werden! Aber dass das jetzt von Privatunternehmen geregelt werden soll, die sich – und das meine ich ernst – einen Scheißdreck um die wirklichen Probleme im Gewerbe kümmern und nur verdienen wollen, das ist keine Lösung!

Im Großen und Ganzen richtet sich die Demo also gegen höhere Preise für die Kunden und gegen Intransparenz!

Wenn ihr deswegen im Stau steht, nehmt es sportlich! Es ist echt für eine gute Sache, vielleicht sogar mal für euren eigenen Geldbeutel!

PS:
An die Kollegen aus LDS: Ich will euch nicht euren Tarif madig machen! Ich verstehe, dass ihr ihn behalten wollt. Und in Punkto Wartezeitunterdrückung sind sicher zumindest die Tagfahrerkollegen hier aus Berlin auch eurer Meinung. Aber unser Tarif hat einen großen Vorteil: Er ist übersichtlich und transparent! DAS ist es, was wir nicht opfern wollen. Meinetwegen können wir gerne ein paar Cent mehr hier und ein paar Cent weniger dort verlangen. Aber dieser blöde Mischmasch, den kein Kunde versteht, ist scheiße und er öffnet den ohnehin zu zahlreichen „Kollegen“ mit fragwürdigen Motiven Tür und Tor.
Ich persönlich bin strikt gegen diesen Fight Berlin vs. LDS und hoffe darauf, dass wir irgendwann mal einen für beide Seiten akzeptablen Gemeinschaftstarif haben!

Feilschen wie beim Bäcker

Achtung! Dieser Artikel enthält 5% Bäckervergleiche.

Taxifahren zum Festpreis? Billiger als zum Taxitarif? In dem meisten Städten und Landkreisen in Deutschland ist das illegal. Gemacht wird es trotzdem immer wieder – und zwar mit folgenden total schlüssigen Begründungen. Zur Erklärung sind vergleichbare Anliegen in der Kundenbeziehung zwischen Bäcker und Brotkäufer angefügt. Diese sind im Einzelfall nicht 100%ig identisch, aber wenigstens völlig legal. Eine Möglichkeit, sich das Geld fürs Taxi zusammenzusparen?

Kommen wir zu den Begründungen, warum ich den Kunden teilweise bis zu 50% des Fahrpreises erlassen soll:

1. Du fährst doch eh in die Richtung!
(Das Brot ist doch eh schon gebacken!)

Ja, zugegeben: Es würde mir keine direkten Mehrkosten verursachen, einen Kunden mal so mitzunehmen. Zwei Gegenargumente gibt es dennoch: Zum einen wäre ich dann besetzt und müsste (den Normalpreis be-) zahlende Kundschaft ggf. stehenlassen. Zum anderen bin ich nicht zufällig vor Ort. Ein Teil meiner Arbeit besteht darin, zu gewissen Zeiten an gewissen Orten zu sein und diese Leistung ist in dem Moment schon erbracht. Das muss nicht immer viel sein, vielleicht bin ich nach dem letzten Kunden nur einmal ums Eck gefahren – aber diese Schwankungen des Arbeitsaufwandes pro Kunden sind normal. Dafür können wir am nächsten Tag 10 Kilometer Anfahrt für eine Fahrt in Kauf nehmen…

2. Aber letzte Woche hab ich das auch gemacht…
(Ich hab letzte Woche in der Bäckerei gegenüber aber Brötchen gefunden, die eigentlich…)

Ob etwas in Ordnung oder machbar ist, richtet sich (manchmal durchaus leider!) nicht danach, was irgendwann irgendwo mal irgendwie geklappt hat. Nur weil ein Kollege das Gesetz bricht, bin ich nicht auch dazu verpflichtet.

3. Fährste halt ohne Uhr. Der Chef merkt das nicht, dann haste sogar mehr davon!
(Back halt ein paar Brötchen nach, dann fällt das nicht auf!)

Vielleicht geht das im Trubel tatsächlich mal unter. Aber das geht einfach nicht dauernd. Vom moralischen Dilemma mal ganz abgesehen: Bei 100 Kilometern mehr oder bei 20 Kilogramm Mehl wird es dann eben doch auffällig. Denn die Kosten entstehen trotzdem, die Einnahmen entgehen uns ebenso in Realität und das Spielchen lässt sich nirgends ewig spielen.

4. Wenn du mich fährst, haste wenigstens was. Mehr verdienste so jetzt auch nicht…
(Den Kuchen kauft doch jetzt niemand mehr, ist schon 14 Uhr. Lieber halber Preis als gar kein Geld!)

Ja, aber wenn es schon so schlecht läuft, dann warte ich doch lieber auf eine richtige Tour, die mir vernünftige Umsätze beschert! Es ist ein Glückspiel für uns, das ist wahr. Aber nicht ohne Grund darf ich eine kurze Fahrt nicht ablehnen, nur weil ich auf eine lange Tour hoffe. Es läuft mal so und mal so – und vor allem: Es weiß keiner. Ja, vielleicht hat man durch so eine Tour wirklich mehr Geld am Ende. Vielleicht aber auch erheblich weniger. Ein Argument ist das nicht wirklich.

5. Aber ich bin doch nur armer Student…
(Aber ich bin doch nur armer Student…)

Ja, traurig. Und nichts gegen eine Erhöhnung des BaFöG, mehr Kindergeld usw. usf. Weswegen ich als armer Taxifahrer jetzt mein Einkommen deswegen schmälern soll, entzieht sich mir. Ich geb gerne was an Bedürftige ab, aber an manchen Stellen kann nicht groß gespart werden. Hey, dafür ist die Monatskarte für die BVG günstiger als meine und vielleicht gibt es beim Bäcker ja doch das Mittagsmenü zum Schülerpreis mit Studentenausweis. Und was zur Hölle machen wir, wenn ich nebenher studieren sollte?

6. Der Abend war schon so teuer, der Eintritt und der Alk – ich hab nur noch 10 Euro!
(Sorry, ich hab beim Metzger und im Supermarkt so viel eingekauft, kann ich die Brötchen billiger haben?)

Nö, zahl mir den Zwanni und zieh‘ es deinem Vermieter von der Miete ab!

7. Wenn du mich nicht für 10 fährst, nehm‘ ich einen anderen!
(Dann geh ich halt zum Bäcker um die Ecke!)

Das ist jetzt sicher nicht schön für uns. Aber mal ehrlich: Da kommt eine Anfrage nach einer Tour für 50 – 75% des Normalpreises. Laut meinem Chef bleiben am Ende des Monats rund 5 – 10 % Gewinn übrig bei einem Taxiunternehmen. Irgendwas sagt mir, dass ich auf den Kollegen kein bisschen neidisch sein sollte…

8. Mach mal billiger, weil wenn ich die Bahn nehme, kostet die auch nur 2,30 €!
(Warum soll ich für ein Käsebrötchen so viel zahlen? Ohne Käse kostet das nur 30 Cent?)

Muss ich das eigentlich ernst nehmen? Aber gut: Wir fahren dann in einer halben Stunde los, solange wartest du draußen. Dann nehmen wir noch diese 5 Typen nach Wannsee mit und ich lasse dich in anderthalb Stunden 1,2 km von deiner Haustüre entfernt raus. Deal? Man muss den Mehrwert einer Taxifahrt nicht schätzen. Ich fahre selbst oft genug Straßenbahn in Berlin. Aber Taxifahren ist ein Gesamtpaket. Da kann man nicht mal eben ein paar Dinge außen vorlassen. Wenn man keinen Fahrer braucht, ist Carsharing oder ein Mietwagen eine Lösung. Scheißt man auf Komfort, tut es ein Fahrrad. Hat man Zeit und ist noch fit, kommt man mit der Bahn fast überall hin. Kurze Strecken kann man laufen und der beste Kumpel trägt einen vielleicht umsonst sogar ein paar Meter. Aber gerade weil es das alles gibt, ist es doch nicht meine Aufgabe als Taxifahrer, alles anders zu machen…

Abschließende Worte

Ich weiß, dass das Gejammer über Festpreise bei vielen Taxikunden auf taube Ohren stößt. Und dass die Bäckervergleiche nicht immer zu 100% passen 😉
Aber es ist für mich als Nachtfahrer wirklich ein ständiges Ärgernis. Keine Nacht, in der ich nicht wenigstens eine Anfrage hätte! Taxifahren ist teuer, ja. Ein Teil der Kosten und ein Teil der Arbeit bleibt für Kunden dabei meist unsichtbar – aber das ist wie in jeder anderen Branche. Der Weizen und ein bisschen Strom für den Ofen lassen ein Brötchen auch keine 50 Cent kosten. Genausowenig wie Benzin für 5 Kilometer und ein Fahrerlohn für 10 Minuten eine Taxifahrt 11 € kosten lassen. Es hat sich eingebürgert, im Taxi zu handeln, ok finde ich das kein bisschen. Wir sind Teil des öffentlichen Nahverkehrs und unser Tarif wird alle paar Jahre aufs Neue mit der Stadt ausgehandelt. Meines Erachtens nach wird dabei auch mal zu viel draufgeschlagen, aber letztlich sind die jammernden Berichte der Fahrer, die kaum von dem Geld leben können, nicht erfunden. Der Bäcker kann viel freier und spontaner seine Preise anpassen oder Produkte die sich nicht lohnen wieder vom Markt nehmen. Wir können das nicht. Wir dürfen das nicht! Ich darf mir die Preise nicht aussuchen, rein rechtlich nicht einmal die Kundschaft.
Die Tarifbindung ist nicht immer schön – auch für uns Fahrer nicht. Wo es hinführt, wenn man sie nicht beachtet, kann man in Ansätzen auch hier sehen: Natürlich sind es dieselben Fahrer, die einerseits mal für 5 € schwarz ein paar Kilometer weiter fahren und am anderen Ende der Stadt einem Touristen 20 € für eine Zehner-Tour aus der Tasche ziehen! Anders lohnt es sich für die nämlich auch nicht. Ich bevorzuge da lieber faire und transparente Preise für alle – auch wenn das im Einzelfall mal ärgerlich sein kann.

Die Wahrheit über Festpreise im Taxi

Sie nerven!

Kollege Albert und ich hatten neulich mal wieder das Vergnügen mit ewig herumlamentierenden Typen, die uns überreden wollten, sie für einen Festpreis nach Spandau zu bringen. Egal, was wir sagten, es half alles nicht. Und am Ende hat sie dann ein „Kollege“ irgendwo von hinten in der Reihe mitgenommen…

Wie sind die allgemeinen Regeln zu Festpreisen?

In aller Regel ist ein Festpreis innerhalb unserer Pflichtfahrgebiete nicht erlaubt. Natürlich gibt es Ausnahmen wie z.B. die Kurzstrecke in Berlin oder spezielle Flughafen-City-Preise in anderen Städten. Ganz allgemein ist es jedoch so, dass sich der Preis für eine Taxifahrt nach der Strecke und dem Zeitaufwand bemisst – was das Taxameter uns freundlicherweise vorrechnet.
Taxis sind eine Form des öffentlichen Nahverkehrs und als solche an einen Tarif gebunden. Das alles ist gesetzlich festgelegt und auch wenn es viele (unwissende) Meinungsäußerungen zum Thema gibt, sind wir in diesem Punkt nicht so frei, wie das Gewerbe an und für sich erscheinen mag.

Warum machen dann manche Taxifahrer Festpreise und andere nicht?

Ganz ehrlich: Weil manche Taxifahrer Idioten sind und andere nicht.
Zum einen gibt es die Abzocker, die Festpreise gerne annehmen im Wissen, dass der Preis laut Taxameter günstiger wäre. Glaubt mir: Wir können Fahrten teilweise sehr genau einschätzen, auch wenn die Zählweise des Taxameters für Kunden manchmal undurchsichtig und unberechenbar erscheint.
Dann gibt es die Verzweifelten: Da die meisten Taxifahrer nach Umsatz bezahlt werden, haben sie auch was davon, eine Tour zu fahren. Manch einer, der befürchtet, ohne diese Tour noch lange unbezahlt zu warten, nimmt auch gerne mal eine Fahrt zu einem niedrigeren Preis an.
Das besondere Völkchen der Schwarzfahrer kommt dann noch dazu: Als Angestellter bekommt man nur rund die Hälfte pro (im Taxameter) verbuchter Fahrt, als Selbständiger muss man für jeden (protokollierten) Umsatz Steuern zahlen. Wenn man „die Uhr“ auslässt, kann das für ganz passable (Neben-)Einkünfte sorgen.
Ich vermittle gerne ein gutes Bild von uns Taxifahrern, Tatsache ist aber, dass ein Festpreis in der Regel nicht einfach akzeptiert wird, damit der Kunde ein besseres Gefühl hat oder weniger zahlt. Meist geht es schlicht ums eigene Geld und im Zweifelsfall wird der Chef oder der Staat beschissen bei dieser Rechnung. Da kann man geteilter Meinung zu sein, aber so ist es.

Ich will aber wissen, was ich bezahlen werde! Wie soll ich das ohne Festpreis denn machen?

Das Taxameter zählt keine Fantasiebeträge. Man kann es einschätzen. Auch wenn man das als gelegentlicher Kunde nicht unbedingt sehr gut kann: Wir Taxifahrer können das. Natürlich nicht unbedingt auf den letzten Cent genau, aber doch oft sehr akkurat. Und wenn es am Ende um den einen Euro geht, bleibt immer noch die Option, die letzten 500 Meter zu laufen.
Vor allem die verängstigten Wenignutzer von Taxen können doch am wenigsten einschätzen, wie hoch der Preis eigentlich sein müsste. Seid froh, dass es die ehrlichen Taxifahrer gibt, die ggf. auch mal sagen:

„Nein, ein Zehner Festpreis ist nicht drin, aber wir kommen laut Uhr sowieso nur auf acht Euro.“

Aber eine Ausnahme wird doch mal drin sein, oder? 😉

„Keine Regel ohne Ausnahme“ sagt ein bekanntes Sprichwort. Natürlich trifft das auch hier zu. Meist haben wir technisch die Möglichkeit, die Uhr während der Fahrt auszumachen und natürlich wird sowas auch mal von aufrichtigen Taxifahrern gemacht, wenn sie erkennen, dass ein Notfall vorliegt. Aber – und das hab ich auch zu den Festpreisverhandlern mit ihrer Spandau-Tour gesagt:

„Was macht euch zu einer besseren Ausnahme als die drei vor euch, die mich dasselbe gefragt haben?“

Taxifahren ist nicht günstig, aber auf der anderen Seite werde ich dennoch nicht reich damit. Die Verbilligung, die immer und immer wieder (in mancher Nacht fünf mal…) gefordert wird, ist nichts weiter als eine Bitte um eine Verringerung meiner Einkünfte. Da können wir schon finanziell nicht ständig nachgeben. Und ich persönlich hebe mir den kleinen eventuell vorhandenen Spielraum lieber auf, um irgendwann mal in einer kalten Regennacht einen frierenden Obdachlosen vom Wald zu einer Notunterkunft zu bringen als bei irgendwelchen Typen eine Ausnahme zu machen, die zwei Tage vor Monatsende ihr ganzes Geld versoffen haben und keine Lust haben, 20 Minuten auf die S-Bahn zu warten. Da ist man dann auch aus Überzeugung unnachgiebig!

Taxis am Ostbahnhof

In nächster Zeit werden wohl öfter mal Kunden am Ostbahnhof ein Taxi suchen und keines finden. Wieso das? Ganz einfach: Man hat uns versteckt. Direkt vor der Bahnhofshalle, an der Straße „Am Ostbahnhof“ befindet sich normalerweise (mit einigen Unterbrechungen) über die gesamte Länge ein Taxistand. Der ist zwar bezüglich der Reihenfolge für Kunden nur schwer zu durchschauen, aber immerhin sind Taxen da. In der Regel in rauher Menge. Das hat sich jetzt „ein Bisschen“ verändert…

Das Parkdeck neben dem Taxistand und den Bushaltestellen wurde abgerissen und wird wohl bis Sommer erneuert / umgebaut / abgeschafft, was weiß ich. Durch die großflächige Baustelle fällt eine Menge Platz für Busse und Taxen weg und so findet man uns jetzt mit viel Glück, wenn man aus dem Bahnhof kommt, irgendwo ganz weit rechts. Vergesst eure Ferngläser nicht! Nachts lässt sich der Schein unserer Fackeln noch ausmachen, wie die Tagfahrer das regeln, weiß ich nicht. Denn nicht einmal für ein kleines Hinweisschild auf den verschobenen Taxistand scheint es gereicht zu haben. Überhaupt kann man aus Taxifahrersicht ziemlich angepisst sein wegen der neuen Regelungen dort. Es ist schlicht nicht genug Platz für die übliche Menge an Taxen da – und was da ist, ist auch nur Murks. Ich hab mal ein paar Bilder gemacht:

„Legale“ Nachrücke? Quelle: Sash

Zugegeben: Hier erkennt man nicht viel – ich finde dennoch, dass dieses Bild schon einiges an Aussagekraft hat. Das ist wohl gerade als letzter legaler Taxihalt gedacht: Genau dort, wo man gemeinhin nicht halten darf, weil es „im Kreuzungsbereich“ ist.

Korrektur: An diesem Punkt lag ich wohl falsch. Wie mir Kollegen geschildert haben, stellt dieses Schild – wenngleich nicht so betitelt – das Ende des Halteplatzes dar. Die Unsinnigkeit ist indes nicht arg viel weniger geworden: Das Anfangsschild steht schwer sichtbar unter der Brücke und der komplette Halteplatz ist entsprechend zugeparkt – sodass uns nur die zweite Reihe bleibt.

Aber kommen wir zu ein paar aufschlussreicheren Infos:

Der Taxistand in seiner ganzen Pracht, Quelle: Sash

Das ist gerade quasi der Taxistand. Er besticht durch eine gewisse Leere. Zur Erklärung habe ich einige Buchstaben eingefügt:

A) An dieser Ecke soll derzeit das erste Taxi der Reihe halten. Es ist damit der ungefähr am weitesten vom Haupteingang entfernte Platz in dieser ganzen Konstellation überhaupt. Bei aller Liebe für die freie Fahrzeugwahl: Kein Wunder, dass wir diesen Platz nicht besetzen, denn wer wartet schon gerne dreimal so lange als der Rest, bloß damit ihm am Ende doch nie ein Kunde einsteigt?
Deswegen ist die gesamte linke Seite hier auch leer – wenngleich das der Platz für die ersten 10 Taxen sein soll…

B) Die Leere auf dieser Seite ist auch lustig, denn hier herrscht (auch für uns) absolutes Halteverbot. Der Grund sind die vier Baken in der Straßenmitte, die ein Schlagloch umrahmen. Damit der Bus da noch vorbeikommt, haben wir eine Lücke im an sich sinnvollsten Teil des Taxistandes (das ist im Normalfall die dritte Nachrücke, so ca. für Taxe 16 bis 22 oder so…)

C) zeigt das Ende des Standes und die Position an, aus der ich das erste Foto gemacht habe. Ab dort beginnt der inzwischen viel genutzte und komplett illegale Nachrückplatz bis unter die Unterführung in der Koppenstraße.

Geht aber noch weiter:

Hier also die glücklichen ersten! Quelle: Sash

Das hier ist also die derzeitige „Spitze“ des Taxistandes. Zu den Buchstaben:

D) ist die Fortsetzung der ersten Halteplätze (A im letzten Bild) und zwar bis genau zum ersten Taxi.

E) Die ersten Taxen halten derzeit meist zu zweit illegal an der Bushaltestelle, weil das gerade noch so ein Bereich ist, in dem gelegentlich Kunden auftauchen nund nicht gleich allesamt hinten irgendwo einsteigen…

F) Dort beginnt die Baustelle und lässt nur eine schmale Durchfahrt, die komplett als Bushaltestelle genutzt wird, ebenso wie der Bereich davor bis zu unserem Stand.

G) markiert die Position des dritten in der Reihe, vor seinem Auto beginnt unmittelbar ebenfalls eine Bushaltestelle. Offiziell als Position 11 vorgesehen ist das der Taxihalteplatz der am nächsten zum Haupteingang des Bahnhofs liegt und dabei legal ist.

H) Der Bahnhofsvorbau markiert recht eindrücklich, wo sich tatsächlich die Ausgänge befinden – und wo sich auch normalerweise die ersten Taxen befinden würden. Im Laufe der Nacht werden dort am hinteren Ende der schmalen Baustellendurchfahrt übrigens durchaus (natürlich wieder illegal) ein paar Taxen bereitgehalten. Z.B. um Besucher aus dem Fritz-Club aufzunehmen, aus deren Blickfeld wir sonst völlig verschwunden wären.

Ja, ich verstehe, dass das gerade schwierig ist dort – aber ein bisschen werde ich auch das Gefühl nicht los, dass an die Taxifahrer mal wieder zuletzt gedacht wurde. Und hey – es existiert hier ein Bedarf an Taxen!

Ich bin jedenfalls schon mal gespannt, wie sich das in den nächsten Wochen alles entwickeln wird und wie viel wir wegen Falschparken im Laufe des halben Jahres so an „Extrakosten“ haben werden, falls jemand auf die Idee kommen sollte, das alles zu ahnden.

Ich wünsche euch an schönes Wochenende, man liest sich am Montag wieder!

Top 3 Verkehrssünder 2012

OK, es ist zu früh, bereits jetzt diese Bestenliste zu schreiben. Aber ich könnte sie umbenennen in

Die Top 3 der Stoffel, die dieses Wochenende mindestens 3 Punkte eingefahren haben

Fehler machen wir alle mal, auch ich. Meine Schadenfreude hält sich meist in Grenzen, zumal ich ja auch schon einmal zu Unrecht 3 Punkte an einer Ampel kassiert habe, weil ein paar Cops das aus einer unmöglichen Perspektive so gesehen haben wollen. Über kleine Unachtsamkeiten brauchen wir nicht zu reden, nobody’s perfect! Aber 3 Leute haben sich während der Samstagsschicht in mein Gedächtnis eingebrannt. Kommen wir also zur Preisverleihung:

Platz 3

geht an den Fahrer eines Autos von außerhalb, das als vorderstes vor mir und einem A-Klasse-Fahrer am späten Abend am Tempelhofer Damm vor DER Ampel stand. Die Ampel (vor der Autobahnbrücke) ist deutlich sichtbar (!) mit zwei Ampelblitzern versehen, die keine 15 Meter vor der Haltelinie fast auf Augenhöhe stehen.
Der Führer des Fahrzeugs stand etwa eine halbe Minute an der Ampel, bis er schließlich Gas gibt und schräg rechts in die Kreuzung einfährt. Unmittelbar nach den zwei Blitzlichtern, die seine Übertretung sowie sein verkehrsrechtlich bedenkliches Halten mitten auf der Kreuzung dokumentierten, blieb er stehen. Bravo!

Platz 2

geht an den Fahrer einer dunklen A-Klasse, die sich hinter dem drittplatzierten Fahrer nach seinem Ausweichen über 2 Spuren zur Kreuzung vordrängelte und etwa 10 Sekunden nach dem in der Nacht deutlich sichtbaren Blitzen des Vordermanns ebenfalls ein Gewitterschauspiel inszeniert und weitere 2 Blitzerfotos von der kuriosen Kreuzungssituation anfertigen lässt.
Meine Vermutung, er hätte sich vielleicht vorbeigedrängelt, um sein Kind in Todesgefahr zu retten, ist an der nächsten Ampelkreuzung erstorben, wo er auf mich wartete, treudoof vor einer nicht blitzgesicherten Ampel und ohne Augenzeugen. Doppelter Respekt! Bravo!

Platz 1

geht an einen Kraftfahrzeuglenker, der sich ganz ganz besonders Mühe gegeben hat. Es war bereits in den frühen Morgenstunden des Sonntags und ich befuhr die Landsberger Allee stadteinwärts, kurz vor dem Platz der vereinten Nationen. Besagter Fahrer konnte nicht die 200 Meter bis zum Platz warten um dort zu wenden und in die Friedenstraße einzubiegen. Stattdessen bog er illegal links über die Straßenbahngleise, fuhr dann rechts entgegen der Fahrtrichtung auf die stadtauswärts führende Landsberger Allee, bog unter großzügiger Benutzung einer Sperrfläche abermals links ab und überfuhr dort noch eine Ampel bei Rot. Ich habe das Ganze verfolgen können, da ich etwa 40 bis 50 Meter hinter ihm fuhr (bin ihm natürlich nicht gefolgt).
Die wirkliche Glanzleistung des Fahrers besteht indes in der Situationseinschätzung. Denn zwischen ihm und mir befuhr ein weiteres Auto die Landsberger Allee, eines das durch die übliche Farbgebung, die reflektierenden Schriftzüge und nicht zuletzt das bereits nach dem ersten Abbiegevorgang eingeschaltete Blaulicht recht unschwer als Polizeifahrzeug zu erkennen war.
Insbesondere, wenn es direkt hinter einem fährt…

Ganz großes Kino, herrlich! 🙂