Taxi-Demo in Berlin

Falls irgendwer heute auf dieser Seite landet, weil er sich fragt, wofür oder wogegen die Taxifahrer in Berlin heute mit ihrer Sternfahrt demonstrieren:

Sie demonstrieren gegen die derzeit angedachten Regelungen für den neuen Flughafen BER in Schönefeld.

Diese Regelungen sehen nach derzeitigem Stand vor, dass die Fahrten vom Flughafen in die Stadt teurer werden als die in die umgekehrte Richtung. Sie sehen vor, dass jede Fahrt vom Flughafen (zusätzlich zum höheren Tarif) 1,50 € Gebühr kostet. Diese Gebühr wird erhoben, weil der Flughafen den Taxibetrieb an seinen Pforten neu regeln will und das Kosten verursacht. Diese Kosten sollen unsere Kunden tragen, die wahrscheinlich nichts davon haben.

Der Protest der Taxifahrer richtet sich ebenso gegen die damit einhergehende Möglichkeit, bis zu 400 Brandenburger Taxen auf Berliner Gebiet Kunden aufnehmen zu lassen.

In erster Linie sind das Anliegen, die unsere Kunden – also potenziell jeden von euch – betreffen!

Eine kurze (und sicher unvollständige) Erklärung:

Der neue Flughafen liegt (ebenso wie der alte) nicht in Berlin. Da die Taxen aber landkreisabhängig sind, haben wir andere Tarife als die Brandenburger Taxen. Da der Flughafen aber ebenso zu Berlin gehört wie zu Brandenburg und es ohnehin zu wenige Taxen im entsprechenden Landkreis gibt, dürfen Taxen aus Berlin und aus dem Landkreis Dahme-Spreewald (LDS) dort Kunden aufnehmen. Es gibt darüber seit Jahren Streit – der ist allerdings meist albern und von übergroßen Egos der Verantwortlichen getragen.

Fakt ist: Mit der Eröffnung des neuen Flughafens wollte man sich auf einen gemeinsamen Tarif einigen – denn bisher hing der Preis einer Fahrt vom Kennzeichen des Taxis am Flughafen ab. Klingt komisch, ist aber so.

Da beide Seiten nun mit mehr oder weniger guten Argumenten ihren Tarif verteidigen konnten, soll es jetzt eine Sonderregelung geben: Vom Flughafen aus wird nach dem LDS-Tarif gefahren. Der ist auf den ersten Kilometern günstiger, jedoch für die Fahrten ins Zentrum Berlins – was die meisten vom Flughafen aus sein werden – teurer. Immerhin um ein paar Euro.
Auf dem Weg zurück – von Berlin zum Flughafen – soll weiter unser bisheriger Tarif gelten. D.h., die Berliner Taxifahrer müssten einen weiteren Tarif im Taxameter einspeichern. Das klingt zunächst nicht schlimm und ist es auch nicht wirklich – abgesehen von der bekloppten Unlogik aus Kundensicht. Aber die Preise sind für unsere Kunden ohnehin undurchsichtig. Keiner weiß so recht, was das Taxameter zählt, welcher Tarif nun was ist, etc…. Kontrollen gibt es ohnehin kaum. Leider!

Sprich: Betrügerische Taxifahrer hätten es künftig noch leichter, denn sie könnten einfach je nach Strecke den teureren Tarif wählen. Die ehrlichen Taxifahrer – und das sind die meisten, bitte glaubt mir das! – fordern seit Jahren mehr Kontrolle, doch nichts passiert! Deswegen will auch niemand, dass dieses Schlupfloch jetzt geöffnet wird!

Mit den LDS-Taxen ist es dasselbe: Es geht nicht darum, dass geschulte LDS-Fahrer in Berlin keine Kundschaft aufnehmen sollen, das Problem ist vielmehr, dass bislang keiner weiß, wie sichergestellt werden soll, dass die Fahrer, die das tun, auch tatsächlich eine Ortskundeprüfung für Berlin abgelegt haben und sich hier wenigstens halbwegs auskennen. Abgesehen davon haben wir tatsächlich schon jetzt genügend Taxen in der Stadt.

Die Gebühr von 1,50 € ist wieder eine ganz andere Baustelle. Die Betreibergesellschaft des Flughafens möchte keine Kosten für den Taxenverkehr haben. Irgendwie verständlich, aber hier wird einiges vergessen: Es ist wahr, dass wir unser Geld auch mit dem Flughafen verdienen. Aber wir sind Teil des öffentlichen Nahverkehrs und wir schließen die Lücke, die durch Bahn/Bus/BVG nicht bedienbar ist. Auch wenn es dem Flughafen nicht passt: Er braucht uns!
Anstatt aber einen Taxistand einfach bei den Unkosten einzuplanen, vergibt die Betreibergesellschaft einen Auftrag an die Firma Apcoa. Die bieten ein – sicher nicht unbedingt schlechtes – Leitsystem für Taxen an und kümmern sich gleich noch um die Versorgung und Organisation der Taxen und Taxifahrer. Nun ist sicher nichts dagegen einzuwenden, dass die Kosten durch einen Kiosk mit hohen Preisen eingetrieben werden, den die Taxifahrer mehr oder weniger zwangsläufig dort benutzen. Stattdessen aber wird das Ganze so teuer geplant, dass das – ohne Mehrwert für den Taxikunden – nur über eine Gebühr wieder reinzuholen ist. Diese Gebühr wollen sie nun von uns Taxifahrern verlangen und haben – damit wir nicht böse sind und wegbleiben – gleich mal mit der Stadt verhandelt, dass der Taxitarif künftig diese Gebühr beinhaltet. Sprich: Dass wir Taxifahrer die Gebühr für das Unternehmen einsammeln. Einzelne erinnern sich vielleicht an die ebenfalls von Taxifahrern bekämpfte „Servicegebühr“ in Tegel vor einem Jahr. Es ist das Selbe in Grün.

Gewiss: Versprochen wird viel von Kundenservice und Bevorzugung guter Taxen etc. Dabei darf man nicht vergessen, dass Apcoa einzig seinem Kassenbericht verpflichtet ist und sämtliche Gängelungen von uns Taxifahrern nur dann Sinn machen würden, wenn auf der anderen Seite eine sinnvolle Kontrolle stattfinden würde. Wenn das Apcoa-System beispielsweise Taxen mit Kreditkarte bevorzugt behandelt, hilft das aber z.B. nicht gegen die Fahrer, die einfach behaupten, das Lesegerät sei kaputt.

Wirklich: Wir Taxifahrer sind eine der wenigen Gruppen, die darauf hoffen, mal genauer angesehen zu werden! Aber dass das jetzt von Privatunternehmen geregelt werden soll, die sich – und das meine ich ernst – einen Scheißdreck um die wirklichen Probleme im Gewerbe kümmern und nur verdienen wollen, das ist keine Lösung!

Im Großen und Ganzen richtet sich die Demo also gegen höhere Preise für die Kunden und gegen Intransparenz!

Wenn ihr deswegen im Stau steht, nehmt es sportlich! Es ist echt für eine gute Sache, vielleicht sogar mal für euren eigenen Geldbeutel!

PS:
An die Kollegen aus LDS: Ich will euch nicht euren Tarif madig machen! Ich verstehe, dass ihr ihn behalten wollt. Und in Punkto Wartezeitunterdrückung sind sicher zumindest die Tagfahrerkollegen hier aus Berlin auch eurer Meinung. Aber unser Tarif hat einen großen Vorteil: Er ist übersichtlich und transparent! DAS ist es, was wir nicht opfern wollen. Meinetwegen können wir gerne ein paar Cent mehr hier und ein paar Cent weniger dort verlangen. Aber dieser blöde Mischmasch, den kein Kunde versteht, ist scheiße und er öffnet den ohnehin zu zahlreichen „Kollegen“ mit fragwürdigen Motiven Tür und Tor.
Ich persönlich bin strikt gegen diesen Fight Berlin vs. LDS und hoffe darauf, dass wir irgendwann mal einen für beide Seiten akzeptablen Gemeinschaftstarif haben!

7 Kommentare bis “Taxi-Demo in Berlin”

  1. Missac sagt:

    Was ist eigentlich mit Taxen aus den umliegenden Landkreisen (LOS, TF usw.) die nach BER fahren, dort abladen, einladen und nach Berlin rein wollen?

  2. Missac sagt:

    Also damit meine ich wenn neue Kunden nach Berlin rein wollen?

  3. Ursli sagt:

    Ich denke, bei den vielen „neuen LDS-Kollegen“ trifft das auf taube Ohren. Sieh Dir doch nur mal den Aufstellbereich in SXF für LDS an. Der hat so massive Ausmasse angenommen, das ich als Berliner Taxe da schon seit einiger Zeit nicht mehr zum Laden hinfahre.

    @ Missac: An BER dürfen (derzeit) nur LDS- und B-Taxen laden. Alle anderen müss(t)en leer wegfahren. Ausser sie sind vom Kunden bestellt.

  4. Petra Gansauge sagt:

    Hallo,
    erst einmal ein großes Kompliment, du hast dir wahrlich sehr viel Mühe gegeben. Eine Sache muss ich hinsichtlich der 1,50 € berichtigen, die sogenannten Kosten, die wir durch unseren Parkplatz und den „Security“ verursachen, wird von den 9,30 €, die jeder Fluggast zahlt, bereits eingeholt. Denn wir gehören zur Infrastruktur. Wenn man mal ein bisschen nachrechnet, stellt man fest, die – und damit ist die Flughafengesellschaft mit dem Vorstandsvorsitzenden „Herr Wowereit“ verdienen ein Schweinegeld. Sie verlangen vom zum erwartenden Gewinn 40 %!!!! Und vergiss bitte nicht das sehr kuriose Punktesystem. Ich bekomme Minuspunkte wenn meine Taxe zu schmutzig ist, ich auf dem Flughafengelände zu schnell fahre und zu sehr mit denen diskutiere. Und jetzt kommt es: Mein Nachtfahrer fährt ahnungslos auf das Gelände und muss 30 Minuten länger stehen, weil ich Bockmist machte! Gruß Petra

  5. Sash sagt:

    @Petra Gansauge:
    Moment. wer zahlt die 9,30 € wann und wo? Jeder Fluggast mit seinem Flug? Die Zahl ist mir fremd. Soweit ich weiß, sollen die 1,50 € bei uns im Taxameter landen – und später dann natürlich beim Flughafen oder Apcoa. Hast du da eine Quelle zu?
    Das Punktesystem sehe ich persönlich gemischt. Je nachdem, was da einfließt, kann es ja durchaus Sinn machen. Andererseits könnte man natürlich komplett darauf verzichten, wenn die Stadt einfach mal kontrollieren würde… 🙁

  6. Bernd K. sagt:

    Gerade lese ich in meinem süddeutschen Lokalblatt: Hauptstadtflughafen wird später eröffnet

    Also 2 Monate länger „Vorfreude“ auf die neuen Regelungen.
    Hätte ich nicht gedacht, dass Berlin die beim Schienenverkehrsausbau üblichen Verzögerungen auch beim Luftverkehr hinbekommt.

  7. […] an den Flughäfen mal eben Privatfirmen in den Taxitarif eingreifen lässt (zu diesem Thema hab ich hier noch ein paar Worte verloren). Es gibt offenbar ohnehin keinen, der sich wirklich für die Belange […]

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