Ausgehen in Berlin

Nicht ins Berghain reinkommen – das passiert nun ja einigen Touristen. Die wenigsten sehen es so gelassen wie die fast noch jugendliche Truppe, die ich eine Stunde zuvor im Auto hatte. Sie hatten zwar nicht unbedingt jenen Plan B, den ich der harten Türpolitik wegen allen Leuten empfehlen würde, aber sie hatten sich bereits durchs halbe Internet gegoogelt und hatten jede Menge Ideen und Vorschläge. Einer davon war das Kitkat. OK. Wie wild es da wirklich zugeht, und ob an jenem Tag irgendeine besondere Veranstaltung war, weiß ich nicht. Wirklich überregional bekannt ist der Club allerdings vor allem wegen der dort gelebten sexuellen Freizügigkeit in allerlei Richtungen, und danach sahen die Jungs nun so eher weniger aus.
Gut, des Aussehens wegen braucht man keine Vorurteile haben – ich hab da bislang auch nur Leute hingebracht, bei denen es mich nicht wundern würde, sie morgen in der Bank als Kundenbetreuer zu sehen. Aber da mir als Alternativziele die üblichen Verdächtigen (Tresor, Watergate und sogar das Matrix) genannt wurden, war ich froh, dass sie sich letztlich zum Tresor bringen ließen. Was ja ohnehin direkt ums Eck war.

Wie der Zufall es so will, hatte ich nun, eine Stunde später, Kundschaft aus dem Berghain im Wagen, die ganz offensichtlich allerlei Abenteuern nicht abgeneigt war. Ob heute im Kitkat was los sei, wollten die beiden Kerle wissen. Ich verneinte, musste aber zur allgemeinen Belustigung anführen, wie ich kurz zuvor die Kiddies dort nicht hingebracht hatte. Einer der beiden fasste das dann so zusammen:

„Jaja, das Kitkat. Als ich das erste Mal da war, war ich etwas geschockt. Ich wollte nur kurz auf’s Klo und da lag dann ein Typ in Ganzkörper-Latexkostüm im Pissoir und hat mich angefleht, ihn anzupinkeln …“

Nein, ich schätze, das wäre doch etwas mehr gewesen, als sich die anderen vom „Ausgehen in Berlin“ so erhofft hatten. 😉

Wenn, dann richtig …

Ach herrje! Das war so ein Tag, der scheinbar nicht mehr zu retten war. Und er hatte gerade erst angefangen! Quasi. Ganze anderthalb Stunden stand ich doof am Bahnhof rum und kam einfach nicht weg. So sehr Wartezeit auch zum Job gehört, so wenig hab ich mich in den bislang knapp 5 Jahren daran gewöhnt. Um kurz vor 10 Uhr jedenfalls kam dann doch meine erste Fahrt zustande. Immerhin nicht gerade eine Kurzstrecke: Bis an die Grenze von Pankow sollte es herangehen. Nur die südliche, aber hey – immerhin 16 €!

Und dann überlegte ich, was ich tun sollte. Bahnhof lohnte sich offenbar (noch) nicht, aber auf den Straßen war viel los. Also vielleicht mal die Schönhauser, die Tor- und Oranienburger Straße entlanggurken …

Doof war das nicht, denn bereits in der Schönhauser zuckte ein Arm, woraufhin ich neben einem Mittfünfziger mit Schnauzbart, langen Haaren und Hut hielt. Cowboyesk lupfte er den Hut mit zwei Fingern, begrüßte mich und sagte, er müsse zum ZOB. Nee, is‘ klar! Eine gute 20€-Tour, ohne Wartezeit, nicht nach jwd, es war abgesehen von der katastrophalen Baustellenlage in Mitte absolut nichts, was an dieser Tour nicht perfekt gewesen wäre. Sogar der Typ war recht lustig. Neben seinem etwas kuriosen Auftreten war er nämlich auch noch Bayer mit entsprechendem Dialekt. Und was macht ein Bayer mit Cowboyhut nachts auf der Strecke? Richtig: Heimfahren. Er war auf dem Konzert einer Band, die älter war als er selbst, und nun ging es mit einem Nachtbus zurück zur Familie.

Die Route, die ich mir gedanklich zurechtgepfrimelt hatte, war trotz Baustellen eigentlich ok. Dummerweise standen wir derentwegen ziemlich oft irgendwo in der Gegend rum. Doch während ich den Groll meines Fahrgastes befürchtete, taute der erst einmal auf und freute sich, wenigstens mal wieder kurz in Berlin zu sein. Damals, Studium, West-Berlin, diese Geschichten. Dafür kannte er sich noch ziemlich gut aus, erzählte mit blendender Laune diese und jene Anekdote und verwarf die Sorgen mit der Eile: um 23 Uhr sollte der Bus fahren. Und mehr als eine Dreiviertelstunde würden wir ja auch niemals brauchen.

Wohl wahr, aber ganz alltäglich blieb die Fahrt nicht. Wie schon letztes Mal war es am Ernst-Reuter-Platz, als fast unmittelbar vor meiner Nase abgesperrt wurde, um einer ausgedehnten Polizei- und Limousinenkolonne Platz zu machen. Dieses Mal allerdings dauerte das Ganze noch länger, so dass selbst mein Fahrgast anfing zu überlegen, ob man nicht „mit Wenden und dann da hinten und über die Kantstraße“ irgendwie anders ans Ziel käme. Aber wie immer: Sobald man sich gedanklich ernsthaft an eine Lösung macht, isses auch schon vorbei.

Am Ende waren es wirklich nur noch 10 Minuten, die mein Kunde bis zu seinem Bus hatte. Immerhin kein ewiges Warten. Ich bin auf dem Rückweg Richtung Osten der Kolonne nochmal über den Weg gefahren. Da kam sie gerade aus dem Spreeweg. War also wahrscheinlich der Bundespräsident. Der dürfte meinetwegen auch gerne mal irgendwo warten. Andererseits: Seine Kundschaft wünsche ich mir auch nicht unbedingt …

So’n Netter …

Ich hab den gestrigen Sonntagabend, während die meisten Berliner Tatort gesehen haben, dort abgehangen, wo ungefähr die zweitmeisten Leute in Berlin waren: am Berghain. Dass dort die Party dieses Wochenende bis Montag durchgeht, wusste ich und hab das mal genutzt. Mir war irgendwie auch mehr nach Partyleuten als nach Heimkehrern am Bahnhof. Zumal viele Leute sich sicher ein falsches Bild davon machen, wenn ich schreibe, dass da Leute am Sonntag Abend rauskommen, die da schon am Samstag rein sind. Ich hab beim Berghain meines Wissens nach noch nie dieses Horrorbild abgeratzter Vollsuffis gehabt. So gut wie jeder, der da rauskommt, sieht noch halbwegs gut aus, kaum einer hat irgendwie Schieflage. Da werden sicher das ein oder andere Mal aufputschende Drogen im Spiel sein, aber wenn ich als Außenstehender etwas vermute, dann, dass die Leute da wirklich hingehen, um sich beim Tanzen auszupowern, nicht um besoffen unterm Tisch ins eigene Hemd zu kotzen.

Aber gut. Auftritt mein Fahrgast. Er entsprach allem oben gesagten. Beschwingten Schrittes näherte er sich dezent gekleidet meinem Taxi und reißt die hintere Tür auf. Ein Lächeln, ein „Guten Abend“ und eine Adresse in Friedrichshain nahe der Rigaer.

„Die xy-Straße 8. Da könnteste dann 5 Minuten warten, dann fahren wir wieder zurück.“

BÄM! Die Adresse kennste! Das klingt jetzt vielleicht ein wenig unverständlich, aber ich meinte wirklich die Adresse inklusive Hausnummer. Ich weiß nicht einmal, ob das Berghain eine Hausnummer hat! Lieber eine Straße mehr im Gedächtnis als eine Hausnummer! Insofern war das wieder ein ziemlicher Zufall.

„Das ist dann gleich am Anfang, kurz …“

„…kurz nach, also das erste Haus hinter der Baustelle rechts.“

Statt anzugeben, hab ich ihm lieber den lustigen Zufall erklärt, vor gerade einmal drei Tagen eine Fahrt zu exakt diesem unspektakulären Wohnhaus gehabt zu haben.

„Wie sieht’s aus? Rauchen geht nicht, oder?“

Die Fragestellung dürfen die mitlesenden Kollegen gerne mal mit ihren Club-Kunden vergleichen. Natürlich geht rauchen im Taxi nicht! Mache ich ja auch nicht. Aber klar, im Wissen darum, wie viele Kollegen das nicht interessiert, kann ich die Frage verstehen. Vor allem, wenn sie so zurückhaltend formuliert ist. War dann auch kein Ding, sind ja ohnehin nur 5 Minuten Fahrt.

„Brauchste ’n Pfand oder vertraust Du mir?“

„Pfand wäre schon nett. Es sind ja auch immer die Guten … nicht wahr?“

„Klar. Hier haste mal’n Zwanni.“

„Super. Das reicht ja inklusive Rückfahrt.“

„Eben.“

„Ich kann im Gegenzug nur anbieten: Meine Taxinummer ist die 72, steht hinten in der Scheibe. Vertrauen ist ja was Gegenseitiges …“

„Ach weisste, passt schon!“

Er ist dann kurz ins Haus gesprungen, während ich ganz gemütlich bei laufender Uhr (worüber es keine Diskussion gab) meinerseits eine geraucht habe. Dann lief alles nach Plan. Ob er jetzt Geld, Drogen, Klamotten oder Kondome geholt hat … ich weiß es nicht mal. Ich bin ja auch nur der Fahrer. Der Fahrer, der am Ende mit 15,20 € auf der Uhr wieder vor dem Berghain stand und zum Abschluss gesagt bekam:

„Na, das hat ja alles prima geklappt. Und weil Du so’n Netter bist … stimmt das so.“

Das war natürlich auf die 20 € bezogen, die als Pfand von vorhin noch auf dem Armaturenbrett lagen.

Der Nachfüllknopf

Der Kunde hätte alleine auch nicht mehr wirklich auf der Straße rumlaufen dürfen. Können, naja, gerade so noch. Das Alter würde ich auf maximal 16 schätzen, Promille eher so einskomma. Find ich auch nicht so prickelnd, die Medienberichte über die versoffene Jugend scheinen auch bei mir langsam anzuschlagen. Allerdings muss ich auch mal sagen: Als ob ich mit 16 nicht auch nachts mit Freunden um die Häuser gezogen wäre! Man macht solchen Blödsinn halt und in den meisten Fällen geht es ja auch gut. Man ist manchmal halt ein wenig auf wohlwollende Menschen um sich herum angewiesen, und warum sollte ich als Taxifahrer das nicht auch mal für einen Fremden sein.

Immerhin hatte ich mit dem Jungen keine weiteren Probleme. Er sah nicht nach Kotzen aus, außerdem hat er sich auf den Beifahrersitz gesetzt. Da hab ich im Zweifelsfall ziemlich viel Einfluss auf das Geschehen. Die Beifahrertüre kann ich von mir aus öffnen und den Hänfling hätte ich auch mit Gewalt aus dem Auto schubsen können, sobald er zu sprudeln anfängt. Darüber hinaus war er eigentlich nett, hatte gute Laune und immerhin nix an meinem ausgerechneten Fahrpreis von rund 15 € zu meckern.

Während der Fahrt ist er ein bisschen hibbelig geworden und hat gemeint, er müsse dieses und jenes antatschen, was in seiner Reichweite war, was darin gipfelte, dass ich ihm den Quittungsblock wieder entwenden musste, weil er meinte, er müsse sowas auch unbedingt haben und ich hätte ja sicher noch weitere. Da wusste ich dann wieder, wieso ich so viele pädagogische Seminare in meinem Leben besucht hatte …

Dann aber galt sein Interesse dem Auto und er stellte schnell fest, dass der Tank an diesem Morgen bereits ziemlich leergefahren war. Das ist nicht unbedingt ein Problem, denn ich weiß ja, wo in der Stadt ich tanken kann und zudem …
Da ist mir dann doch ein alter Gag eingefallen, den ich schon mal gebracht hatte. Und der hier würde sicher darauf reinfallen!

„Ja, ist schon ziemlich leer. Aber ist ja ein Erdgas-Auto.“

„Und?“

„Na, da kann ich ja nochmal ein bisschen Luft nachtanken und mit geringerer Dichte weiterfahren.“

„Hä?“

„Ja. Siehste den Knopf mit der Zapfsäule drauf? Damit kann ich Luft in den Tank pumpen. Dadurch wird das Gemisch zwar etwas niederenergetischer, aber es bringt deutlich was. Das Auto verbraucht dann halt etwas mehr, aber der Tank ist erst einmal wieder voll.“

Das ist natürlich vollkommener Bullshit. 🙂
Der besagte Knopf ist dazu da, zwischen Benzin- und Gastank zu wechseln. Und da ich natürlich nie auf Reserve fahre, wenn der andere Tank auch leer ist, war der Benzintank fast voll. Mein Fahrgast sah mich mit großen Augen an, woraufhin ich sagte:

„Probier’s. Ist eh langsam an der Zeit. Drück auf den Knopf!“

Er drückte und nach dem charakteristischen kleinen Ruck, der dabei durchs Auto geht, kletterte die Tankanzeige wie von Zauberhand auf Dreiviertelvoll.

„Krasse Scheiße! Ich wusste nicht, dass …“

„Das’n neues Patent von Opel. Wird derzeit versuchsweise nur in Taxen eingesetzt, das weiß kaum jemand.“

„Krass, Alter!“

„Ja, hat was.“

😀

Also falls Euch dieses Gerücht auf meine Seite gebracht hat: Es war nur ein Joke! Und ich hatte meinen Spaß damit. Ein Kollege am Stand hat geheult vor Lachen, als ich ihm das erzählt habe. Ich bin sonst ja echt niemand, der die Leute verarscht. Aber wenn es einem so leicht gemacht wird, wird man halt mal schwach. 😉

Aus der Reihe „Unterschiedliche Wahrnehmungen“

Ich hatte eine wirklich total fantastische Tour. Vom Berghain zu Tom’s Bar, der Klassiker schlechthin. Viel interessanter war aber der Typ, ein eigentlich recht typischer Vertreter der Kundschaft, die sich von diesem Club zu dieser Bar fahren lässt: Dunkel gekleidet, war sicher auch etwas Leder dabei. Dazu ein modischer Bart und dieses ultrarelaxte Auftreten, das im Taxi gefühlt nur die schwule Kundschaft an den Tag legt.

Netter Kerl jedenfalls, kam von der amerikanischen Westküste. Ich hab keine Ahnung, ob er nur zum Feiern hier war, jedenfalls war ihm die Schlange am Berghain zu lang und er wollte den Abend vor dem Heimflug dann lieber gemütlich ausklingen lassen und hat zu diesem Zwecke eine recht interessante Diskussion zur NSA-Affaire und der deutschen Innenpolitik angefangen. Und ja, auch jenseits des großen Teiches leben vernünftige Menschen!

Dann kamen wir an, er freute sich kurz über die schnelle Fahrt, mich, Gott und die Welt und drückte mir einen Zwanziger in die Hand:

„Keep the change!“

„Oh, well …“

Auf der Uhr standen 16,40 €.

„I know, it’s not much.“

Darauf ist mir dann auch nix mehr eingefallen. Ein paar Unterschiede gibt es dann wohl doch noch. 😀

Tour des Tages

Vorwort:

Um ehrlich zu sein, wollte ich diesen Artikel heute nicht schreiben. Ich hatte zwar genug Stichworte und Erinnerungen hier rumliegen, aber mir war danach, es an meinem Geburtstag mal gut sein zu lassen. Nicht ohne Grund höre ich an meinem Geburtstag immer als erstes dieses Lied. Ich bin ja immer da und mache dieses oder jenes, aber auf meinen Geburtstag freue ich mich immer noch wie ein Kind und lasse es mir gut gehen. Momentan trinke ich ein Bier und höre Musik, heute Abend geht’s dann ins Kino (Gravity – den man schon wegen dieses absolut grandiosen „Verrisses“ von Eugen Reichl ansehen muss.). Und dann mal sehen. Was leckeres kochen vielleicht.
Naja, Schreiben kam da eigentlich nicht drin vor. Aber während im großen Hohlraum unter meiner Schädeldecke die Beats von Lars Ulrich miteinander Fangen spielten, ist mir doch ein wenig unwohl geworden bei dem Gedanken. Dass ich da so sitzen konnte, verdankte ich dem Leser oder der Leserin, der/die mir die neuen Kopfhörer geschenkt hat. Ihr seid meinem Aufruf fleißig gefolgt und auch wenn ich dieses Vorwort hier ziemlich breittrete, kann ich gar nicht alle Geschenke aufzählen. Haufenweise interessante Bücher, daneben praktische Helferlein für die Küche, neue Spiele, Chilis, Socken, und und und … das sich über Geburtstage freuende Kind in mir ist jedenfalls überglücklich. Und es ist noch nicht einmal alles angekommen.
Naja, irgendwie kam ich mir jedenfalls doof vor, ausgerechnet heute nicht zu bloggen, wo mein heutiger Tag doch auch durch Euch so großartig ist. Also hab ich eben die Herren Hetfield und co. um eine Pause gebeten und den Tab mit WordPress geöffnet. Fühlt sich fast noch besser an. 🙂

So, jetzt aber! Blogeintrag:

Ich kam am Berghain an. War ein günstiger Zeitpunkt. Es lief dort gut, die Schlange am Eingang war lang. Ergo: Viele Leute, die abgewiesen werden und woanders hin müssen. Sicher, das sind nicht die dicken Touren, aber wenn man schnell wieder weg ist von der Halte … und manchmal sind ja auch Glücksgriffe dabei. Meiner war etwas sonderbar.

Eine fünfköpfige Truppe Jungs, meiner bescheidenen Interpretation nach Kanadier. Die Interpretation stützt sich vor allem darauf, dass sie französisch sprachen, mit mir aber in gutem Englisch reden konnten. Etwas, das ich bei Franzosen noch nie erlebt habe, der Akzent ist immer unter aller Sau – allerdings auch so unglaublich witzig! 🙂

Naja, ist ja auch egal. Die Jungs fragten mich, ob ich sie alle mitnehmen könnte, was ja kein Problem ist. Wie zu erwarten war, wollten sie in einen Club.

„Do you know the Twister?“

„No, sorry guys. Do you have a street for me?“

An dieser Stelle kann mich vielleicht ein Berliner Kollege aufklären. Ich hab noch nie von einem solchen Club gehört und auch die oberflächliche Google-Suche spuckte nur ein Tattoostudio aus.

„Well, no. I, I call my friend. He’s inside …“

Na gut. Soll mich ja mal nicht stören. Ich hab die Uhr noch nicht angemacht, bislang war ja wirklich noch nicht klar, ob das was werden würde. Bis auf einen der Jungs saßen schon alle im Auto, ich hab die Fackel mal ausgemacht, damit die anrückenden Kollegen vorbeifahren. Vor uns war inzwischen Platz frei geworden und ich stand blöd im Weg. Die folgenden Ereignisse auf ihrer Seite kann ich nicht so gut nachvollziehen, denn mein Französisch ist wirklich festgerostet inzwischen. Der Typ hinten rechts, der etwa so aussah wie Justin Bieber an einem Bad Hair Day, telefonierte zwar kurz mit seinem Kumpel, aber irgendwas klappte nicht. Dann wartete er darauf, zurückgerufen zu werden.

Vor uns wurde die Taxischlange kürzer und die Jungs begannen, sich zu entschuldigen. War alles noch im grünen Bereich, aber mit der Zeit wurde ich etwas genervter. Klar wäre es ok gewesen, das Taxameter schon anzumachen, aber das Geschrei wäre sicher groß gewesen, wenn das mit dem Club ausgefallen wäre und sie nur zum Ostbahnhof hätten laufen wollen. Nachdem das Schauspiel aus Telefonieren, Googeln und Warten fünf Minuten anhielt, hab ich einfach mal recht scharf dazwischengefragt, ob das noch was wird und dass ich zwar gerne die ganze Nacht warte, aber dann doch die Uhr anmachen würde.

Mir wurde wirklich aufrichtig geknickt mitgeteilt, dass das bestimmt gleich klappen würde und der schlacksige braunhaarige Typ auf dem Beifahrersitz legte mir eine Zwei-Euro-Münze aufs Armaturenbrett mit der Bitte, die Warterei zu entschuldigen. Eigentlich wirklich herzallerliebste Kerle. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sie allerhöchstens 20 waren und schon getankt hatten.

Das mit dem ominösen Twister, das sie „on the internet, damnit!“ gefunden haben wollen, löste sich in Wohlgefallen auf. Aber sie hatten eine neue Idee:

„You know a place called Fits? Fits Club?“

„Do you mean Fritz?“

„Yeah! Filitz-Club!“

Ich wollte, ich hätte mich verhört. Der Fritz-Club liegt – die meisten von Euch wissen das wahrscheinlich inzwischen – direkt am Ostbahnhof, keine 700 Meter entfernt. Wäre ich skrupellos gewesen, hätte sich da sicher was machen lassen, denn die Jungs hatten keine Ahnung:

„Would that be far?“

„You’re serious? This is 400 meters from here.“

Ich war nicht so angepisst, wie das niedergeschrieben vielleicht aussehen mag, aber offenbar war ihnen das selbst etwas unheimlich.

„Uh! That is bad! Shit, man! We let you wait and then …“

„Guys, keep cool. I’ll bring you there, no problem. But it will cost around 6 € for only a few meters …“

… und ich wäre schnell wieder hier, wo sich die Schlange so langsam auf wenige Wagen verkürzt hat. Als wir uns dann letztlich vom Acker gemacht haben, hatte ich sicher ein paar Minuten länger gewartet, als wenn ich einfach in der Schlange vorgerückt wäre. Aber: So ganz mein Schaden sollte es nicht sein. Denn in ihrer Sorge, das mit dem Fritz-Club wäre zumindest mal für mich scheiße, haben sie schnell noch das Ritter Butzke ins Spiel gebracht. Mit grob einem Zehner ist das zwar keine Hammer-Tour, aber immer noch besser als die üblichen Verdächtigen der abgelehnten Berghain-Kundschaft (Watergate, Tresor, Kater Holzig, RAW, Suicide Circus …)

Außerdem hatte ich ja noch die zwei Euro auf dem Armaturenbrett. 🙂

Wozu frage ich eigentlich?

Ja, wie ist das so mit den Gesprächsinhalten? Ernst nehmen – oder eher nicht?

„Wohin soll’s gehen?“

„Zum Schlesi.“

„Direkt zum schlesischen Tor, oder danach noch in eine Nebenstraße?“

„Nee, direkt zum Schlesi. Also ein bisschen weiter bis zum McDonald’s.*“

Hauptsache widersprochen, was? 😉

Funfact am Rande: Als wir gerade am Schlesischen Tor waren, fragte er, ob ich ihn nicht doch hier gleich rauslassen könnte. Hab für einen Moment überlegt zu sagen:

„Klar, kein Problem. Also ein bisschen weiter hinten, am McDonald’s.“

😉

*Der McDonald’s ist rund 300 Meter entfernt an der Ecke Skalitzer/Wrangelstraße