Ein Schatz!

Zugegeben: Ein bisschen hatte ich auf eine längere Tour gehofft. Meine Kundin war schon etwas betagt und auch wenn ich’s bisher nicht empirisch nachgewiesen habe, scheinen Menschen im Rentenalter zieladressenmäßig wesentlich eher zu den Außenbezirken zu tendieren. Nun war es also „nur“ eine Fahrt an die Grenze zwischen Lichtenberg und Prenzlauer Berg. Mir wurde eine Kreuzung genannt und eiligst wurde hinterhergeschoben:

„Auf dem kürzesten Weg bitte!“

„Ha, das ist – wenn man es genau nimmt – die einzige Ansage, die Sie nicht extra hätten machen müssen!“

klärte ich scherzhaft auf. Nicht, dass ich es falsch fand. Man kennt ja die lieben „Kollegen“.

Auf dem kürzesten Weg sind aber auch wir nicht zum Ziel gelangt, da dort seit Ewigkeiten eine Baustelle den Weg versperrt. Das immerhin wusste ich vorher schon und so kamen wir dennoch gut gelaunt dort an, wo sie hinwollte.

„Na, junger Mann, was kriegen Sie jetzt von mir?“

„Genau 9,20 € bitte.“

„Na Sie sind ja ein Schatz!“

Seltene Ansage bei einer Fahrt mit erklärtem Umweg. Aber auch sehr schön war folgender Satz zu den durchschnittlichen 80 Cent Trinkgeld:

„Es ist nicht viel, aber es freut sich der Mensch.“

Tut er. Selbstverständlich. 🙂

Wer hätte das gedacht!

„Nein, also wirklich! Hätten Sie das gedacht?“

„Was denn?“

„Na, dass wir in 10 Minuten schon da sind!“

„Äh … das hatte ich doch gesagt.“

„Ja ja, aber … nein, also sowas hab ich ja noch nie erlebt!“

Und ich denke manchmal, mein Leben sei unspektakulär. 0.o

Konkretisierungsprobleme

… oder wie immer man das sonst nennen soll.

„Ich möchte gerne nach Friedrichshain.“

„Wohin genau?“

„Muss ich erst raussuchen. Fahren Sie doch schon einmal in die Richtung!“

„Äh … wir sind schon in Friedrichshain.“

„Oh! Na das ist ja super!“

Allerdings. Hilft allerdings kein bisschen weiter. 😉

(Wir haben das natürlich hingekriegt.)

„Don’t worry, be happy!“

Der Januar ist eigentlich ein guter Monat, um sich gelegentlich mal wieder jenes titelgebende Lied von Bobby McFerrin reinzuziehen, das dieses Jahr im übrigen seinen 25. Geburtstag vermelden kann. Und spontan daran denken musste ich nach einer eigentlich sehr bescheidenen Tour. Die Räder am Ostbahnhof fast eckig werden lassend hatte ich ewig auf einen kleinen Stich für die üblichen Sechsirgendwas zum Boxhagener Platz gewartet.

Dann – einer dieser Taxifahrer-Blitzeingebungen folgend – bin ich nicht auf einem der kürzesten Wege zurückgefahren, sondern hab einen kleinen Abstecher nach Kreuzberg gemacht. Einen wirklich kleinen, nur einmal die Köpeniker wollte ich langfahren. Und siehe da! Winker! Tatsächlich war es eben jene Tour, die ebenfalls nicht sonderlich spektakulär war. Bis zum nhow-Hotel wollte das amerikanische Pärchen. Keine Kurzstrecke, juhu! Immerhin ein bisschen mehr Umsatz. Am Ende standen 5,60 € auf der Uhr.

Und wie bin ich jetzt auf Bobby McFerrin gekommen?

Als ich das Wechselgeld auf den Zwanziger rausgesucht habe, den ich bekam, meinte mein Fahrgast spontan:

„Don’t worry ‚bout the coins!“

Und auch wenn Geld nicht alles ist: An solchen Tagen machen 4,40 € Trinkgeld dann halt doch auch ein wenig happy. 😉

Die bessere Wahl

„Was nimmste nach Lichtenberg?“

„Wohin genau?“

„Hier, der komische Platz da an der Möllendorff …“

„Muss ich mal schauen. Vielleicht ’n Zehner.“

„EY JUNGS, DER MACHT ‚N ZEHNER!“

Und dann stehen da plötzlich sieben Leute. Das sind die Momente, wo man ein bisschen Selbstbewusstsein und Durchhaltevermögen braucht. Sicher, es ist Januar und man ist als Taxifahrer froh um jeden Euro. Und sechs Sitze hat mein Auto ja immerhin. Aber sieben? No way! Und noch dazu: Mit den Großraumzuschlägen war ein Zehner als Fahrpreis sowieso ad acta zu legen. Sorry Jungs, findet mich meinetwegen blöd, aber so isses nunmal!

Das war in dem Fall aber erst einmal gar nicht das Problem, sondern, dass die Jungs sich gar nicht einig geworden sind, ob sie jetzt auf die Bahn warten oder ein Taxi nehmen wollten.

Und dann stand da doch tatsächlich noch eine weitere potenzielle Kundin. Mitten in Friedrichsfelde, nachts um zwölf, einfach so. Die traute sich zwar nicht, die vorlaute Truppe Jugendlicher zu bedrängen, aber da konnte ich ja mal nachhelfen. Ihre Fahrt war sogar noch etwas weiter, auch wenn zunächst nicht klar war, ob sie bis ganz nach Hause oder nur zur U-Bahn fahren würde. Aber auch jenseits des Geldes war es schön, dass sie am Ende in meinem Auto saß. Die Kids konnten sich die Zeit ganz gut miteinander vertreiben, sie hingegen war wirklich etwas verloren und hatte zudem einen anstregenden Arbeitstag auf Probe hinter sich und war heilfroh, endlich da wegzukommen.

Ich verteidige die Kosten unserer Dienstleistung immer wieder, aber das war wieder einer dieser zwei Fälle im Jahr, bei denen ich trotz eigenem Hungerlohn ein Auge zugedrückt und die Uhr schon anderthalb Kilometer vorher ausgeschaltet hab. Freiwillig, einfach weil es ihr weit beschissener ging als mir und sie – obwohl sie so oder so noch Geld holen musste – bereits einen Kilometer vorher ausgestiegen wäre, um den Rest zu laufen, obwohl sie das kaum noch konnte. Und, um ganz ehrlich zu sein, ein bisschen hat sicher auch eine Rolle gespielt, dass sie mich vor den nervigen Preisverhandlungen mit den Kiddies gerettet hat 😉

Hotels werden überbewertet.

„Would you bring us to our hotel?“

„Of course. That’s what we are here for.“

„Ok, so … it is the …“

Weiter kam er nicht. Denn da fiel uns sein Kumpel ins Wort:

„Hotel, hotel, hotel! What about a good pub we can sit in and drink beer?“

Das Ganze ging immerhin soweit ins Detail, dass ich ohne weitere Probleme das Franken empfehlen konnte, mein Endziel bei bisher jedem ernsthaften Absturz in Berlin. Selbst das „Taxiblogger-Gipfeltreffen“ 2010 mit Torsten fand damals dort sein Ende, ich mag den Laden einfach.

Also landeten meine Fahrgäste dann im Franken anstatt im Hotel. Das hat zwar sicher kein gutes Ende genommen, aber ich bin ja schließlich nur Taxifahrer und kein Lebensberater. 😀

Gut abgesprochen …

Manchmal ist es komisch, an was die Leute so denken oder nicht. Ich bin ja beispielsweise selbst kein Vorzeigebeispiel für durchdachte Lebensplanung, aber als ich mit meinem Kunden vor dem Haus in der Weserstraße stand, wunderte ich mich doch. Bis hier hin war alles prima gelaufen und das war für die Umstände bereits super.

Mein Fahrgast war ein junger Kerl, kaum über 20 Jahre alt und Student aus Frankreich. Das freilich war nichts besonderes, aber ich nahm es schon einmal positiv auf, dass er zielsicher zu sagen wusste, er müsse in die Weserstraße in Neukölln. Doppelte Straßennamen sind hier ja immer wieder ein Problem, insofern war anzunehmen, dass er – das erste Mal in seinem Leben in Berlin – gut gebrieft wurde, bevor er hier aufschlug.

Und nun standen wir in der Weserstraße vor Nummer neununddrölfzig und mein Fahrgast fand auf dem Klingelschild den passenden Namen nicht. Sicher keine epochale Verfehlung, aber es war inzwischen 23.30 Uhr durch und das ist selbst in Berlin-Neukölln nicht unbedingt die Uhrzeit, in der man gerne mal bei den Nachbarn klingelt und munter drauflosfragt, wo denn Herr oder Frau XY wohnen.

„Könnte ich vielleicht … haben Sie ein Handy?“

wurde ich gefragt. Hmpf. Natürlich. Aber mein Handy bedeutet auch meine privaten Daten, mein Geld beim Telefonieren, meine Sorge, dass der Fahrgast damit abhaut. Was in Anbetracht seines etwa zwei Zentner schweren Koffers vielleicht ein wenig übertriebene Angst war. Aber wer gibt schon gerne sein Handy an Wildfremde weiter?

Naja, gutmütig wie ich bin, hab ich’s dann trotzdem getan. Und es war natürlich kein Problem. Der Fahrgast rannte damit nicht weg, das Gespräch dauerte keine halbe Minute und es ist ja auch nicht seine Schuld, dass Mobilfunkkonzerne es einem immer noch so schwer machen, ein Handy im Ausland halbwegs sinnvoll nutzen zu können. Da war ich als Taxifahrer es halt mal wieder, der ein paar Cent investiert hat, um einen gastfreundlichen Eindruck zu erwecken.

Und wenn man es so betrachtet, dann war es – Verplanung des Fahrgastes hin oder her – eigentlich auch in Ordnung so. 🙂

PS: Bitte bitte, erwartet das nicht von uns Taxifahrern! Ich hab Verständnis für jeden Kollegen, der das nicht macht und ich hab es auch schon hier und da abgelehnt. Wir sind als Taxifahrer geschäftlich unterwegs und haben wie alle anderen auch unsere Sorgen, wenn die Arbeit plötzlich ins Private geht. Und heilige Scheiße, was ist mein Handy privat! Würdet Ihr den Supermarktkassierer nach seinem Handy fragen oder euren Rechtsanwalt? Dachte ich mir.