Zitat der Woche

Ich muss einleitend ein wenig erklären, worum es geht. Am vergangenen Wochenende war in Berlin die Hölle los und an fast allen Clubs war die Schlange lang. Teilweise sehr lang. Ich selbst verstehe ja ehrlich gesagt auch nicht, weswegen man anderthalb Stunden mit Anstehen rumbringen muss, um eine Party zu feiern – aber für Besucher angesagter Clubs ist das wohl Teil ihres Lifestyles.

Die Truppe, die ich im Auto hatte, hab ich am Sisyphos eingesammelt, von wo sie offenbar wegen der zu langen Schlange geflohen waren. Eine bunte Gesellschaft, in verschiedenfarbige Gewänder gehüllt, eine Frau und vier Männer. Dazu teilweise englischsprachig. Hier und da hörte ich Beschwerden, dass das mit dem Schlangestehen ja soooo doof sei und ob es nicht einen Club gäbe, der gut wäre und keine Schlange hätte. Ansonsten sei Heimfahren eben das Gebot der Stunde.

Und dann sagte die einzige Frau in der Runde folgenden Satz:

„Guys, sorry, I try to be honest: you wanna go out in Berlin? Then grow some fucking balls!“

🙂

Glück im Unglück?

Erste Schicht der Woche ist immer so eine Sache. Nach 3 freien Tagen freue ich mich meist wirklich, wieder im Auto zu sitzen und die – meist nur als halbe Schicht geplante – Zeit runterzurocken. Oder aber ich komme gar nicht so richtig los – wer kennt sowas nach dem Wochenende nicht auch?

Manchmal mischt es sich aber auch und ich hab voll Lust, aber draußen ist so richtig nix los. So in etwa war das gestern. Obwohl ich spät los bin. Aber das hatte andere Gründe. Mein Auto hatte wohl auch irgendwelche Gründe, sich nach einer Stunde Wartezeit batteriemäßig zu verabschieden. Just als die langersehnte Kundschaft im Auto saß. Is‘ klar!
Für die Kundin war es kein großes Ding – am Bahnhof sind schließlich auch andere Taxen. Für mich war es nun eher so mittel. Und während ich noch nach Kollegen telefonierte, kam einer, den ich wirklich nur vom Sehen her kenne, an und hat einfach mal so mir nix dir nix die Kabel gezückt und mir Starthilfe gegeben, bevor ich auch nur danach fragen konnte. Wow!

Und danke!

Sogar Kundschaft kam noch, obwohl zumindest alle ICEs schon raus waren für den Abend. Nach der Tour hatte ich dann 18 € auf der Uhr und war dafür seit fast drei Stunden auf der Straße. War der Lust nicht sehr zuträglich. Aus dem frustrierten Aufgeben wurde dann aber auch nix, denn wie zuvor der Kollege als Hilfe quasi aus dem Nichts aufgetaucht ist, hatte ich plötzlich binnen kurzer Zeit drei Winker, die mich schon mal etwas weiter gebracht haben. Als ich dann aber unweit des Abstellplatzes gelandet war und meine Bahn in nur 10 Minuten kommen sollte …

Manchmal hört man besser auf, wenn es am schönsten ist. Heute ist auch noch ein Tag.

Und jetzt rufe ich meinen Tagfahrer an und sag ihm, dass er eine neue Batterie besorgen soll.

Szeneprominenz

Die „ganz großen“ Promis landen bei mir ja selten im Auto. Die trauen sich ja nicht, sich ein Taxi ranzuwinken. Und da ich den Funk ausgeschaltet habe … ich denke, Ihr versteht den Zusammenhang. 😉

Umso erstaunter hab ich nun im Nachhinein festgestellt, dieses Wochenende mit Jurassica Parka die „Miss CSD 2014“ im Auto gehabt zu haben. Winkend am Straßenrand und kurz davor, doch noch einen Kollegen zu bestellen, weil ewig kein Taxi kam. Wieder mal eine Party gerettet, diesmal die Popkicker im SchwuZ.

Ich für meinen Teil kann mich aber auch bedanken für die Fahrt, denn zum einen war es eine ordentlich lange Winker-Tour, zum anderen ist die Drag-Queen wirklich nahe dran an der perfekten Kundschaft gewesen: nett, lustig, gesprächig. Darüber hinaus mit Interesse an Taxierlebnissen und voll des besonderen Lobes fürs hohe Dach der 72, das selbst für ihre gewagten Frisuren tauglich ist (zumal sie mit hohen Schuhen größer ist als ich!).

Dass ich die genauen Koordinaten des SchwuZ nicht aus dem Kopf wusste, hat sie gar nicht gestört und mir unkompliziert die letzten Meter gezeigt. Ja, sicher, einmal war ich schon da. Aber wie meine Kundin treffsicher bemerkte:

„Ich vermute mal, Sie sind hetero, dann werden Sie da wohl auch nicht oft sein …“

Ja, könnte schon sein. 🙂

Ich würde das gerne als schöne Erinnerung stehen lassen. Tolle Fahrt, tolle Kundin, gutes Trinkgeld … alles toll. Aber eines muss ich noch loswerden:

Wenn mir eine Kundin bezüglich Taxifahrten sagt:

„Ach, als Transe biste einiges gewöhnt …“

und anschließend erzählt, dass viele Taxifahrer sie hassen, andere wiederum eine Chance wittern und sich gerne zur Begleichung der Fahrtkosten einen blasen lassen wollen …

Sorry, „Kollegen“!
Aber so lange es solche Arschlöcher wie Euch gibt, muss ich auch mal den Gutmenschen raushängen lassen und hier klipp und klar sagen, dass ich das widerlich finde! Wer nicht normal damit umgehen kann, dass in Berlin (anderswo natürlich auch, aber hier besonders!) auch Menschen ein Taxi besteigen, die irgendwie andere sexuelle Vorlieben haben, sollte sich mal überlegen, ob das dann nicht eventuell der falsche Job ist …

Was für eine Nacht!

Ich muss mal kurz zwischenreinschieben, dass es wirklich kein Fehler war, gestern nach dem Finale noch rausgefahren zu sein. Denn sobald es einen halbwegs in die innere City verschlagen hatte, war das das reinste Silvester. Feuerwerk, Party und unzählige Taxikunden. Ich bin hochzufrieden mit den 137 €, die ich in unter 5 Stunden eingefahren habe. Wobei der Schnitt der Kollegen wesentlich besser gewesen sein muss, denn ich hatte zum einen eine Fahrt ziemlich weit raus – und zum anderen stand ich letztlich für eine Fehlfahrt eine halbe Stunde im Stau. Das werde ich noch einmal extra bloggen. Hätte ich also alle Fahrten bezahlt bekommen, wäre ich bei ca. 160 € gelandet, da reden wir von 35 € Stundenumsatz, das ist über mehr als eine Stunde Zeitraum einfach der Hammer.

Vor allem aber muss ich sagen, dass es einfach schön war, mitten durchs Fest zu rauschen. Ich bin kein überragender Fußballfan und habe auch gute Gründe, immer wieder den Buhmann beim Thema Patriotismus zu spielen. Aber ebenso wie die deutsche Mannschaft meiner Meinung nach verdient Weltmeister geworden ist, waren meine Fahrgäste unglaublich angenehme Leute quer durch die Bank. Die unschönen Szenen wird es sicher gegeben haben – aber nicht bei mir. Und mein Lieblingseindruck von der Schicht ist ein kleiner, aber feiner:

An einer Hauptstraße in Lichtenberg stand eine Gruppe Deutschlandfans am Straßenrand. Klassisch mit Bier und Fahne in der Hand. Einer hat hin und wieder Feuerwerksraketen gezündet. Während ich an der Ampel stand und sie linker Hand beobachtete, brachen sie plötzlich in Jubel aus, was offenbar etwas mit der anderen Straßenseite zu tun hatte. Ich drehte mich um und sah einen einsamen argentinischen Fan, der nun auch mit seiner Freundin ansetzte, die Straße zu überqueren. Er grinste die schwarz-rot-goldenen Partyleute an und erhob die Hand mit nach oben gerecktem Daumen. Ein leicht trauriger und doch ehrlicher Gruß. Drüben wurde den beiden – bevor sie weitergehen durften – erst einmal ein Bier aus dem natürlich rumstehenden Kasten in die Hand gedrückt. So lange die Fußball-Parties SO aussehen, bin sogar ich für den Spaß zu haben. 🙂

Lob, papierförmiges.

Es erwischt einen ja immer unvorbereitet. Ich hatte gestern z.B. eine dieser schon hundertfach gefahrenen Kleinfahrten vom Ostbahnhof nach Kreuzberg. Zum Paul-Lincke-Ufer in die unmittelbare Nachbarschaft der bloggenden Kreuzberger Anwälte. Macht achtirgendwas.
Dann auf der Skalitzer sofort Winker. Nach Charlottenburg. Eine ausgesprochen gemütliche Fahrt mit einem etwas älteren Paar aus Norwegen. Und wir haben gequasselt und gequasselt. Über die Stadt, dieses jenes, teils privates. So eine Traumfahrt, bei der man am Ende wirklich noch was miteinander trinken gehen könnte, obwohl man sich erst seit einer Viertelstunde kennt.

Die beiden waren um Dank auch nicht verlegen und badeten mich in warmen Worten. Wirklich bemerkenswert war, dass sie deswegen tatsächlich ihr Trinkgeld angepasst haben. Letztlich bin ich natürlich trotzdem auf der Straße, um Geld zu verdienen. Und die beiden haben den Fahrpreis von 17,40 € nach anfänglichem Überlegen tatsächlich nicht mit 20, sondern mit sage und schreibe 30 € beglichen. Kleine Rechnerei: ohne Trinkgeld würde mir erst eine Tour ab 40 – 45 € einen ähnlichen Verdienst bescheren. Und die sind selten …

In die Top-10 kommen sie damit („leider“ will ich schon schreiben) nicht mehr, aber unter die obersten 1% ganz sicher. Und so explizit für die gute Arbeit gegeben fühlt sich das Trinkgeld auch gleich dreimal so gut an. 🙂

Lustige Feiern

Reichlich grenzwertig hat mich eine Kundin mitten an einer Ampel angehalten. Ich wollte noch rechts ranfahren, aber da war sie schon vors Auto gelaufen.

(Jens, warst Du das hinter mir? Sorry, ich konnte nix anderes machen!)

Entsprechend der waghalsigen Aktion war sie auch ein wenig angetüddelt. Eine Kurzstrecke zu einer kleinen Straße, die ich auch nur kenne, weil sie in der Gegend liegt, in der ich ständig fahre, 500 Meter vom Berghain entfernt.

„Na, Party vorbei. Oder Feierabend?“

„Beides. War so ’ne Firmenfeier.“

„Oh, ok. War’s denn wenigstens gut?“

„Kann man so sagen. Gut, dass ich jetzt erst mal eine Woche frei hab. Hab mich etwas danebenbenommen.“

„Oh, ok …“

„Ja, ich hab Hinternfotos gemacht und die dann rumgezeigt.“

Menschen. 🙂

Späti auf Rädern

Witzigerweise kriege ich gerade wegen meine nächtlichen Arbeitszeiten manches im Nachtleben nicht mit. Zum Beispiel, wie es um die Lebensmittelversorgung in Berlin zu später Abendstunde steht. Gut, ich selbst hab verschiedene Supermärkte in Laufnähe, die teilweise erst um 0 Uhr, bzw. 22 Uhr, schließen. Aber das Glück haben ja selbst hier in der Hauptstadt nicht alle.

Nun hatte ich neulich auf eine Kurzstrecke nette Kundschaft im Auto, mit der ich (ich wiederhole: Kurzstrecke!) sehr schnell auf das Thema Verdienst, Arbeit und alles weitere gekommen bin. Und einer der beiden ist wohl Gründer und Inhaber von chipity.com – einem Späti-Lieferdienst. Seiner Aussage nach der bisher erste. Ob das stimmt, weiß ich nicht – aber ich finde es eine gute Idee. Sicher liefert mancher Pizza-Service auch Kippen, aber z.B. bei Gummibärchen musste noch jeder passen …

Natürlich sind die Preise dort im Shop höher als die im Supermarkt. Man darf den Service dahinter nicht vergessen. Der kostet eben. Ob es einem das wert ist, muss sicher jeder selbst entscheiden. Und ich schreibe das hier auch nicht, weil ich dafür Geld kriege, denn das tue ich nicht. Ich schreibe das, weil die beiden Fahrgäste wirklich nett waren und ich den Gedanken prinzipiell ganz gut finde.

Was man halt so für Leute trifft …