Diese besondere Wertschätzung

Ich hab das Auto mit 6 Leuten wirklich voll beladen bekommen. An der Biermeile. Den Trikots nach zu urteilen fünf Sportlerinnen und ihr Trainer. Er nahm vorne Platz, die Mannschaft (die Sportart weiß ich leider nicht) hinten. Während die Mädels gut gelaunt sangen und quatschten, fragte auch er mich wegen des Großraumzuschlags aus. Immerhin hätte ich ihnen damit ein weiteres Taxi erspart, da wäre das ja nicht so wild. Und überhaupt: Das koste jetzt nur so Pi mal Daumen 13 €? Wie würden wir Taxifahrer denn dann bitte ordentlich Geld verdienen? Ich hab ihm die Frage entsprechend unseres Gesprächs auf englisch beantwortet:

„Well, the secret is: we do not!“

Die Tour war wirklich nicht lang, es ging zum Radisson Blue am Alex, aber er brachte ein paar sehr pointierte Fragen unter zu meiner Arbeit und ihrer Bezahlung, dass ich es schon beachtlich fand. Er betrieb das beileibe nicht, um einfach eine Vorlage für Smalltalk zu finden, ihn haben die Berliner Taxifahrer wirklich interessiert.

Am Ende stand die Uhr bei 8,90 € plus eben dem einen Fünfer Zuschlag. Er kramte einen Zehner raus und meinte:

„This is for the ride.“

Dann legte er einen Fünfer obenauf und betonte:

„And this is for the other taxi we would normaly have taken too.“

Dann sammelte er ein wenig Kleingeld unter den Mädels ein und überreichte sie mir mit den Worten:

„And this is the tip. You’re doing a great job, I appreciate that. I couldn’t do that and you should be proud of what you’re doing. This is great. I enjoyed to meet you and I wish you a very succesful shift!“

Ich könnte jetzt pseudopathetisch damit schließen, dass diese Worte mir viel besser getan hätten als das Geld. Und ja, das haben sie vielleicht, das hat sich echt gut angefühlt. Aber als chronisch unterfinanzierter Taxifahrer muss ich doch auch mal anmerken, dass satte 11,80 € Trinkgeld einfach auch eine ziemlich geile Sache waren! 😀

Erst mal zur Aral …

Biermeile-Kundschaft. Zwei Kerle, gut einen im Tee, eher prollmäßig gekleidet – aber nach dem ersten Hallo zwei eigentlich gar nicht so unsympathische Gestalten. Sie waren jedenfalls die meiste Zeit damit beschäftigt, über ihre Freundschaft und die zu den anderen eben zurückgelassenen Leuten zu philosophieren. Und wo sollte es hingehen?

„Ersma zur Aral – ich will noch’n Bier. Und dann nach Hohenschönhausen!“

„Ähm, welche Aral denn?“

„Die auffer Brücke. Immer geradeaus, sag ick Dir dann.“

Die in Lichtenberg also. Kann man machen, ist halt ein „kleiner“ Umweg:

"Immerhin fast eine Gerade …" Quelle: osrm.at

„Immerhin fast eine Gerade …“ Quelle: osrm.at

Ich hab da jetzt aber auch nicht den Besserwisser raushängen lassen. Ich hätte zwar vermutet, die Total-Tanke an der Storkower hätte auch ein Beck’s und ein Berliner Kindl gehabt, aber was weiß ich schon …

Der Stopp an der Tanke dauerte. Der Ausgestiegene ließ es sich nicht nehmen, am Nachtschalter mit einer ebenfalls dort vorgefahrenen anderen Kundin zu flirten und überhaupt war die Stimmung angenehm entspannt. Wünscht man sich viel öfter genau so mit Partygängern. Nach dem Wiedereinstieg kam dann das Problem auf, dass die Bierflaschen ja geöffnet werden mussten. Die beiden verfielen in einen gewissen Sucheifer, den ich mir nicht lange angetan habe. Ich hab ihnen mein Feuerzeug gereicht. Der Erste öffnete sein Bier und war glücklich. Der Zweite im Grunde auch, nur stammelte er anschließend, dass das Feuerzeug nun wohl hinüber sei.

„Ach, wenn da Plastik abgesplittert ist – scheiß drauf!“

„Nee, Meista, ehrlich: Du brauchst ein neues! Hol ick Dir, keen Problem. Aber Du brauchst ein Neues!“

Und in der Tat, er hatte mal eben versehentlich den kompletten Kopf mit dem Zündmechanismus abgebrochen.

„Tut mir ehrlich leid, weeßte, eijentlich sind wir Profis im Bieraufmachen, ehrlich, ick schwör!“

Hätte ich nicht die traurigen Überreste meines Feuerzeugs in der Hand gehalten, ich hätte es geglaubt. Aber gut, so haben wir am Ende noch einen zweiten Tankstellenstopp gemacht. Dieses Mal war die Kassiererin diejenige, die sich einen langen Monolog mit sicher quälenden Entscheidungsfragen gefallen lassen musste, zumindest blickten sie und der Kunde hinter ihm interessiert in meine Richtung, wohl um zu sehen, wer denn dieser Taxifahrer ist, der so gewaltsam um sein Eigentum gebracht worden war. Freudestrahlend kehrte er dann zurück und überreichte mir feierlich gleich zwei Feuerzeuge.

„Eines von denen gefällt Dir hoffentlich!“

Eine gewagte Aussage bei zwei identischen. 😉 (Für ein Foto: Twitter)

Am Ende setzte ich sie beide an ihren Wohnungen ab und für die ohnehin reichlich teure Tour (29,90 €) gab es auch noch ein Trinkgeld von 2,10 € obenauf. Natürlich klappt das nicht immer – aber genau sowas erhoffe ich mir, wenn ich die Biermeile entlanggurke und auch mal anhalte, obwohl ich skeptisch bei den Fahrgästen bin.

Wie ich Fahrgäste lobe

Da kam er am Ostbahnhof auf mich zu. Mit einem Einkaufswagen und drei Kästen Bier darin. An der abschüssigen Halte musste er den Wagen halten, während ich kurz das Bier in den Kofferraum gewuchtet hab. Party-Nachschub, klassischer Fall. Kaum dass er unbeladen war, meinte er nur:

„Ich bring den Wagen nur kurz weg, ich bin gleich wieder da!“

… und sprintete davon.

Da hab ich nicht anders gekonnt und ihm hinterhergerufen:

„DAS NENNE ICH MAL VERTRAUEN, JUNGE! HUT AB!“

🙂

WTF, Kollegin?

Da hält ein Taxi am Ostbahnhof. Die Fahrerin steigt aus, lädt das Gepäck der beiden Kundinnen aus und die nehmen gleich mich ins Visier. OK, das ist seltsam. Dass man als Taxifahrer mal einen von mehreren Kunden mit unterschiedlichen Richtungen an einem Taxistand absetzt … passiert. Aber alle?

Da das alles friedlich passierte und ich mit den Koffern der beiden Seniorinnen zu tun hatte, sparte ich mir meine Gedanken vorerst und fragte erst, als sie im Auto saßen.

Nun, die Kollegin wollte oder konnte die beiden nicht ans Ziel bringen und hat sie deshalb lieber bei mir abgeliefert. Hä?

Man muss vor allem mal sagen, dass die beiden Kundinnen sich ausreichend artikulieren konnten und die beiden Fahrtziele in ungefähr 7 Kilometer Entfernung weder eine ablehnbare Umlandfahrt bedeuteten, noch eine kurze und nicht lohnende Strecke – und die Straßen waren jetzt auch nicht die allerkleinsten, die man auf keinen Fall kennen kann. Die beiden Damen haben sogar naheliegende U-Bahnhöfe mit angeben können. Und die Kollegin hatte die beiden offenbar an einer der Bushaltestellen des Ostbahnhofs aufgegabelt, ist ein paar Minuten mit ihnen umhergefahren, hat nicht zum eigentlichen Ziel passende Straßennamen gemurmelt und die beiden Damen am Ende ohne Geld zu verlangen bei mir abgesetzt.

Für mich waren das leicht verdiente 19 € und 2 € Trinkgeld. Trotzdem nochmal ganz klar und deutlich: What the Fuck?

PS: Das hat mich an diesen Kollegen erinnert, der „im Geld schwimmt“.

PS 2: Natürlich kann es sein, dass die Kundinnen ihr gegenüber unangenehm waren, die Kollegin nur nicht so gut darin war, ihre Beweggründe zu erklären. Und immerhin hat sie ja auch kein Geld genommen und war nicht unfreundlich. Das WTF von meiner Seite aus bleibt dennoch bestehen …

Hatte die Nase voll

Ich hab nur kurz jemanden am Ostkreuz abgesetzt, da winkte mich ein junger Kerl ran, dem ein blutiges Taschentuch in der Nase steckte. Und siehe da, er wollte zur Apotheke am Hauptbahnhof, die S-Bahn war mal wieder unterbrochen. Bei aller Kundenfreundlichkeit hab ich nicht angeboten, nun mal eben schnell zu googeln, ob es nicht eine nähere Notfallapotheke gäbe – was sehr sicher der Fall gewesen wäre. Aber er hatte sich wohl schon irgendwie erkundigt und ich will auch nicht unbedingt mehr Zeit investieren, um am Ende weniger Geld zu verdienen. Für ihn war die Fahrt so oder so ok. (Und am Hbf war sicher die Chance auf englische Beratung nochmal höher als sonstwo)

Ich erfuhr dann, dass er Norweger war, seit drei Tagen in der Stadt, volle Kanne Party und so. Und jetzt am letzten Tag hatte er „mal wieder“ eine Stunde lang Nasenbluten. Genetisch bedingt, seine Mutter hätte das auch. Und für ihn ein gutes Signal, das mit dem Feiern nun zu beenden. Irgendwann ist auch mal gut, das Wochenende war lang genug. Auch eine Philosophie.

Am Ende durfte ich ihn danach noch zum Generator-Hostel in der Storkower fahren, eine gute 30€-Tour. Und alles für ein paar Wattepfropfen, die während der Fahrt schon überflüssig wurden, weil die Blutung gestoppt war. Aber was will ich schon über Kunden sagen, die mal eben 30 € im Taxi liegen lassen, trotz blöder Rahmenbedingungen guter Laune und freundlich sind? Ach ja, natürlich:

„Thank you!“

🙂

Bart-Update

Es wird mal wieder Zeit für ein Update, was die Kundenmeinungen über meinen Bart angeht. Seit Bärte in sind, könnte ich GNIT ja eigentlich zu einem Styling-Blog machen. Aber gut, das war nur so eine Idee.

Mein Kinnbart hat derzeit wirklich ein Eigenleben entwickelt und ist bei jeder Rasur der letzten drei Monate unbehelligt davongekommen. Der hat die 10 cm so langsam voll. Grob geschätzt.

Und dann kam sie. Sie sprang mir vors Auto, als ich gerade einen Kunden abgesetzt hatte, und wollte mit mir fahren. Gleich, vielleicht, also sie müsste da noch kurz was klären, und:

„Sag mal bist Du vom IS?“

Och, bitte! Wir leben in einer Zeit, in der sogar halbwegs bekannt ist, dass man Nazis und Skinheads nicht gleichsetzen sollte – und dann kommt mir so eine Birkenstock-Stammkundin angelatscht und findet es schicklich, mich wegen drei ausbleibender Rasuren mit einem Haufen aggressiv-wahngestörter Vollpfosten zu verbinden? Ich nehme betrunkenes Gelalle ja gerne mal hin, aber sonderlich lustig ist das nicht.

Ich hatte ja aber ohnehin schon überlegt, ob sich das Gestrüpp gerade nicht wirklich in eine eher unschöne Richtung entwickelt. Also beim nächsten mal dann …

Und prompt hatte ich eine Truppe aus fünf aufgedrehten Touristen im Auto, Australier und Amerikanerinnen. Für eine kurze Tour nur, Berghain zum Tresor, dank 5 € Großraumzuschlag aber durchaus. beträchtlich im Umsatz. Alles lustig, nett, Trinkgeld stimmte, so muss das. Wie immer befreite ich ganz am Ende die Kleinste im Bunde aus der dritten Sitzreihe. Als sie rauskraxelte und mir ein Lächeln schenkte, das ungefähr viermal so attraktiv war wie das der komischen Eso-Schrulle eine Woche vorher, stammelte sie kurz:

„And … äh, by the way … I like your beard!“

Woraufhin sie sich verdrückt hat, wie ein kleines Schulkind, das gerade „Ich mag Dich!“ zu ihrem Schwarm (Zitat: Bravo) gesagt hat und das jetzt furchtbar bereut. Wie niedlich.

Ich hab mich gestern rasiert. Der Kinnbart blieb außen vor. 🙂

Da macht man sich doch gerne mal zum Müller!

Ich hatte Glück nach meiner kurzen Pause zu Hause. Am S-Bahnhof winkte Kundschaft. Na denn …

„Müller?“

„Wie bitte?“

„Müller?“

„…“

„Wurden Sie für Herr Müller angefordert?“

„Oh, nein, sorry. Dann kommt der Kollege sicher …“

„Alles kein Problem! Na, dann nehmen Sie halt diesen Herrn hier mit!“

Und er wies hinter sich, wo sich ein weiterer Fahrgast bemerkbar zu machen versuchte. Glück muss man haben!

Die Fahrt ging in den Norden Marzahns, eine Tour für knapp einen Zehner. So auf dem Silbertablett serviert sehr schön, aber ohne große Emotionen. Der Fahrgast war müde, sagte außer seiner Adresse kaum was … nun ja. Und dann stand ich da, in Marzahn-Nord, und wollte in die Innenstadt. Auf dem Weg wollte ich dann – hey, da standen eben zu nachtschlafender Zeit zwei Fahrgäste! – nochmal am Bahnhof vorbeischauen. Als ich heranrollte, sah ich … Herrn Müller, der auch schon wieder fleißig winkte.

Er erschrak ein bisschen, als er erkannte, dass schon wieder ich das war, aber ich fragte dann doch mal nach, ob er denn wirklich bis jetzt keine Info bekommen hätte. Je nach Zentrale kann es soweit draußen schon eine Weile dauern, aber ich war zwischenzeitlich ja auch mehr als zehn Minuten unterwegs gewesen. In dem Moment bekam Herr Müller dann die SMS, dass leider gerade kein Wagen verfügbar wäre.

„Na, da haben Sie ja Glück, dass ich gerade zufällig in der Nähe war …“,

scherzte ich und hab den fürs lange Warten erstaunlich gut gelaunten Herrn Müller mit einer sehr gemütlichen 20€-Tour bis nach Karlshorst gebracht. Quasi genau meine Richtung. Wie fast jeder Kunde. Und es gab sogar knackige 5 € Trinkgeld obenauf. Für irgendwas, was sich wie „Kulanz“ oder so anhörte … 😉