Zu jung…

Im Grunde bin ich sehr froh darüber, dass ich – manchmal nicht ganz unüberrascht – noch zu den jungen Leuten gezählt werde. Nicht nur sinkt damit die Wahrscheinlichkeit für mich, überfallen zu werden, nein es wirkt auch noch nicht gekünstelt, wenn ich mit ein paar Partygängern locker daher rede.

Es ist ein unbeschreiblicher Vorteil, manchmal mehr für den Blog als für mich, dass die Leute mir gerne ihre Drogengeschichten beichten, weil sie glauben, ich nehme selber welche. Die Anfragen nach den coolsten Clubs könnten zwar gerne nachlassen, aber bei vielem anderen weiss ich es zu schätzen.

In wenigen Einzelfällen leidet aber natürlich die Autorität darunter. Und die habe ich in meinem Auto zwangsläufig und auch sehr gerne. Das erspart mir nämlich eine Menge Arbeit. Spätestens beim Aufräumen. In der Regel ist das nicht schlimm, meist geht es darum, dass ich einmal mehr hartnäckig darauf bestehen muss, dass es keinen Festpreis gibt oder dass der Döner in Form einer bierkastengroßen explodierten Deckenleuchte nicht mit Stäbchen und balancierend auf dem Autodach gegessen werden darf.

Also bin ich nach wie vor gerne der nette und beratende Kumpel beim Taxifahren, wenn die Kunden es gerne so haben.

Und was passiert dann?

Dann wird man plötzlich von fremden Mädels gekitzelt, dazu aufgefordert, mit hinten in die letzte Sitzreihe* zu kommen und irgendein neu erworbener Kumpel gibt sein OK und meint, er fahre auch gerne für mich. WTF???

Da war aber schnell wieder Ruhe im Karton, das könnt ihr mir glauben!

Ist trotzdem noch eine nette und vergnügliche Fahrt geworden 😀

*da passe ich höchstens in Einzelteilen rein, und auch das nicht mit weiteren Leuten!

Todes-Deutscher

„Du sein eine Todes-Deutscher?“

So etwas kann herauskommen, wenn man sich in gefühlt 4 Sprachen unterhält. Ich selbst bin nach wie vor auf Englisch und Deutsch beschränkt, aber meine etwas überdrehte letzte Kundin plappert munter los. In Deutsch, Englisch, irgendetwas, das ich als Spanisch bezeichnen würde, und nicht zuletzt in ihrer Heimatsprache: Dänisch.

Dazu kam eine klassische Verplantheit, die sie aber ohne Drogen, lediglich mit „Limo“ erlangt haben will. Den Namen ihres Hotels weiss sie nicht mehr, aber sie kann mir ganz konkret eine Straßenkreuzung nennen. Na gut.

Das Gespräch war nervenaufreibend, weil es schwierig war, aber selten habe ich morgens um 6 Uhr eine derart gut gelaunte Person an Bord gehabt. Ob sie mit Karte zahlen kann? Leider nicht… na gut, dann an eine Bank! Von Sash noch vom Briefmarkenautomaten vor der Türe ins innere der Postbank gelotst, kam sie nach zwei Minuten freudestrahlen wieder heraus und kommentierte die Tatsache, dass sie mit einer Visa-Karte Geld abheben konnte, mit dem naheliegendsten aller Sätze:

„Ich liebe Berlin!“

Und bei der Atmosphäre ist auch klar, dass die Frage nach dem Todesdeutschen keineswegs eine nach einer etwaigen SS-Vergangenheit meinerseits war (Hey, ich sehe morgens um 6 Uhr manchmal ziemlich alt aus 😉 ), sondern auf meine Herkunft an sich bezogen:

„Where du bist genau Berlin von gewohnt leben hier?“

hat sie in etwa gefragt. Ich habe geantwortet, dass ich eigentlich aus Stuttgart komme, und daraufhin fragte sie eben, ob ich „Todes-Deutscher“ sei. Kurz darauf hat sie ihren Fehler bereits erkannt und herzhaft lachen müssen, sie hätte „Totale“ gemeint. Ich habe sie beruhigen können, dass ich mir das schon beinahe gedacht habe.

Naja, selten so viel gelacht, wie in den paar Minuten. Weisheiten, die ich unbedingt allen mit auf den Weg geben muss:

„It is den richtig, wenn egal Arbeiten ist nur du bist glücklich!“

Wie wahr.

Ab in die Verlängerung!

Beim Testspiel der deutschen Nationalmannschaft vorgestern war es nicht notwendig, bei mir im Taxi kurz darauf dagegen umso mehr. Der Umsatz kränkelte trotz der Tatsache, dass ich nach der ersten Tour vom Bahnhof gleich 3 Winker hatte. Da stand ich also nun wieder und vertrieb mir die Zeit mit oberflächlichem Kollegenplausch.

Irgendwann traten dann – was ja glücklicherweise trotz Tageszeit, der Wahl der Halte und dem Fabrikat meines Autos unvermeidlich zu sein scheint – Kunden an mich heran.

Die Anbahnung eines Geschäftsverhältnisses beim Taxifahren ist ja mitunter sehr verschieden. Entgegen der Bestimmungen kommt es zum Beispiel durchaus mal vor, dass man fragt, ob der ziellos herumirrende Mensch am Stand ein Taxi brauche. Andere schmeißen sich ins Auto und bringen ihren Fahrtwunsch bestimmt vor. Wieder andere – so auch mein Fahrgast jetzt – wagen sich erstaunlich forsch ans Auto heran, und werden vorab von einem kurzen Zögern übermannt, dass ihnen die Beschreibung des Fahrtziels abringt.

„Bahnhof Friedrichstraße?“

hiess es in diesem Fall und ich signalisierte mein Einverständnis. Vom Ostbahnhof aus ist das eine gar nicht so schlechte Tour. Nichts, wofür man gerne länger als 45 Minuten warten möchte, aber bei Pi mal Daumen 12 € Umsatz, bzw. 5 € Eigenverdienst ist man sicher nicht beleidigt als Fahrer. Eine Durchschnittstour wie aus dem Bilderbuch.

Ich bin mit den insgesamt 2 Fahrgästen losgefahren, und wir haben uns eigentlich nicht groß unterhalten. Ich habe sie kurz gefragt, weswegen sie ein Taxi nehmen (immerhin fahren mehrere S-Bahnen die Strecke auch), aber außer ein bisschen Kauderwelsch in gebrochenem Deutsch über späte Bahnen kann ich auch nicht vermelden. Sie müssten noch weiter, aber von hier dauert das, bla keks, was man als Berliner Taxifahrer seit Beginn des S-Bahn-Ausfalls 2009 schon kennt.

Alles war soweit super, aber irgendwann meinte der ältere der beiden:

„Sorry, was würden es kosten, wenn sie uns fahren bis Wannsee?“

„Ich denke, so um die 30 €.“

hab ich verkündet. Er nannte mir eine Adresse und signalisierte seine Zustimmung, dass ich da hinfahren sollte. Na klasse! Schicht gerettet! Ich hab dann an den folgenden Ampeln das Ziel ins Navi eingegeben und festgestellt, dass es eher knapp wird. Also hab ich gleich gesagt, dass ich immer noch die Chance hätte, sie zur Friedrichstraße zu bringen, sie es sich also nochmal überlegen könnten, aber es wären wohl eher irgendwas um die 35 €.

Und dank meiner Offenheit haben sie es akzeptiert und sich ohne zu murren für 36,40 € bis ans Ziel bringen lassen. Nichts weltbewegendes, nichts Aufsehen erregendes. Aber in dem Moment sehr schön. Ganz ehrlich!

Warum man wachsam sein sollte…

Ich beherzige immer noch den Tipp einer Bedienung, die ich in der ersten Woche im Taxi hatte: Wenn Kunden zahlen, dann nie das Geld gleich ins Portemonnaie packen! Dadurch fallen auf jeden Fall die „Ich hab dir aber einen 1-Million-Dollar-Schein gegeben und keine 5 Euro!“-Geschichten weg, und auch man selbst kommt nicht durcheinander. Endgültig notwendig wird der Tipp spätestens, wenn ein paar Spinner je anteilig zahlen wollen.

Aber manchmal wird man neben dem praktischen Nutzen her auch noch mit putzigster Verplanung überrascht:

Ich hab am frühen Morgen, es war bereits seit längerer Zeit wieder hell, ein paar junge Frauen zu verschiedenen Adressen gefahren. Die letzte hab ich an einem Bahnhof rausgelassen, und nun war es an ihr zu zahlen. Das war auch ok, die anderen beiden hatten ihr bereits etwas dazugegeben.

„Dann wären wir bei 21,40 €!“

Sie kramt in ihrem Geldbeutel umher, sucht zwei Münzen heraus, legt mir dann eine 2€-Münze und ein 50-Cent-Stück in die Hand, lächelt und meint:

„Stimmt so!“

Ich hab einen kurzen Moment gewartet, aber als sie anfing, das Portemonnaie zuzumachen, hab ich kurz folgendes gesagt:

„Ähm!?“

Sie blickte mich an, dann die Münzen, wieder mich, sehr fragend, und meinte:

„22,50. Ist doch ok, oder?“

Ich hab sie dann erlöst:

„N‘ Zwanziger hätte ich gerne noch…“

Ich liebe diese Augenblicke der Erkenntnis. Wenn jemand gerade noch vermutet, irgendwer will ihm was böses, und dann stellt es sich plötzlich als eigene Dummheit heraus. Gar nicht böse gemeint! Aber man hat ihr am Gesicht ablesen können, dass sie Angst hatte, ich wäre irgendwie mit dem Trinkgeld unzufrieden oder es wäre sonst irgendwas schlimmes passiert… diese Mischung aus Erleichterung und Selbstironie ist einfach was göttliches für Zuschauer. Immer wieder!

Voll schön!

Hatte ich also eine (besser gesagt: zwei) nette Abschlusstouren mit einem Vierertrupp gutgelaunter und schon leicht angeschlagener Mädels aus meiner alten Heimat Stuttgart. Auch wenn die Wege nicht ewig waren, sind wir doch ein bisschen zum Reden gekommen, und wie so oft schweifte das Thema irgendwann zum Taxifahren:

„Und, kann man da gut von leben?“

„Ach, ich bin zufrieden, aber eine Familie möchte ich damit nicht durchbringen müssen. Ansonsten ist Berlin ja eine günstige Stadt.“

„Echt? Was zahlst du denn so an Miete?“

„Das ist ein bisschen schwer zu beantworten, denn ich wohne zusammen mit einem Kumpel und meiner Freundin…“

Und dann alle im Chor:

„Ooooaaaahhhh!“

Ich bin ja auch froh, meine Freundin zu haben, auf so viel Mitgefühl war ich allerdings nicht vorbereitet. Und mir ist spontan ein alter nichtlustig-Cartoon dazu eingefallen:

Klick mich, wenn du gucken willst!

Unentschieden!

Sehr kurzes Gespräch über den Fahrpreis zwischen zwei Mädels und mir:

„Hey, können wir nen Abi-Sonderpreis machen?“

„Leider nicht, sonst müsste ich ja für meines auch einen Aufpreis verlangen.“

„Hmm, stimmt. Naja, versuchen kann man es ja mal…“

Netter Kontakt, gerne wieder.  Oh, falsche Website…

I’m back!

Hach, Taxifahren…

Ich habe in meinem Leben bisher fast alle Arbeiten zu schätzen gewusst, die ich gemacht habe. Verzichtet bei der Überprüfung dieser These besser darauf, mich auf „Textiles Werken“ in der Grundschule und meine sagenumwobene Tätigkeit als „Assistent Chief of Pneumo-Blasting“ bei Körber anzusprechen.

Aber Taxifahren ist irgendwie anders. Ich habe jetzt drei Tage frei gemacht. Einen geplant, einen weiteren vorgezogen und den letzten, weil ich einfach keinen Bock auf miese Umsätze und so oder so zu schlecht geschlafen hatte.

Aber als ich dann heute wieder auf der Piste war, kam nach 10 Minuten sofort wieder dieses „Wie hab ich’s nur so lange ohne ausgehalten?“-Gefühl. Aber dazu musste ich auch erst einmal anderthalb Stunden zu spät aus dem Haus gehen…

Die Schicht begann mit gemäßigtem Einsatz wie immer. Eine halbe Stunde am Ostbahnhof für eine Fahrt mit einem alten Bekannten (sind ja nicht nur immer die gleichen Fahrer dort). Kurze Strecke, 7,40 € und 1,60 € Trinkgeld. Was seichtes zum Wiedereinstieg.

Auf dem Rückweg eine Winkerin am Frankfurter Tor: Tempelhof, 16 €.

Auf dem Rückweg eine Winkerin am Mehringdamm: Bundesplatz, 13 €.

Auf dem Rückweg eine Winkerin an der Hauptstr…

Ja, da ist die Schicht dann ins Surreale gedriftet. Sie wollte zu einem Einkaufscenter, um dort für eine Freundin ihren Freund auszuspionieren. Undercover im Taxi… habe ich schon einmal erwähnt, dass es nichts gibt, was es nicht gibt in unseren hellelfenbeinfarbenen Kisten? Naja, der Freund wird wohl Ärger bekommen, ich hab 25 € bekommen. Lieber Taxifahrer als Freund 😉

Bei meinem zweiten Halt an meinem Lieblingsbahnhof wartete ich wieder eine gewisse Zeit, die ich ausgiebig zum gemütlichen Essen und Lesen nutzte. Danach ging es plötzlich schnell, 20 Fahrgäste kämpften um 10 Taxen und ich bekam ein nettes älteres Ehepaar, dass ich dann ganz relaxt nach Zeuthen gegurkt habe, bis mein Hunni voll war.

Dreieinhalb Stunden für 100 € – das war auch mein Silvesterschnitt…

Zurück bin ich allerdings leer gefahren. Keine Chance, kurz hinter der Stadtgrenze Leute zu finden.

Erst am Matrix gelang es mir, eine kurze Tour zum Tresor zu ergattern. Naja, 7 € sind ja besser als nichts.

Ich bin dann gleich zum Matrix zurück und habe ein paar Schweden ins „worst hostel in Berlin“ in der Brunnenstr. kutschiert, die mir mit lautstarkem Vorsingen von Abba-Evergreens ihre Heimat schmackhaft machen wollten. Nichts gegen musikalische Unterhaltung, aber ich war froh, als ich nach dem Aussteigen der 6 freundlichen Skandinavier meine Metallica-CD wieder lauter drehen konnte.

Neben einer Kurzstrecke stand alsbald auch vom Matrix aus eine der absurdesten Touren an. Ein Bundi, der zur Kaserne musste, mit dem sich eine lebhafte Diskussion über dies und das entspann, insbesondere weil unsere politische Diversität in anderem Umfeld das Auto gesprengt hätte. Umso erstaunlicher, dass es am Ende sage und schreibe 7,40 € Trinkgeld gab mit der Begründung „Das Gespräch war ja auch voll in Ordnung so!“

Bis zum Tanken sind mir noch dreimal Winker ins Auto gesprungen, und nachdem das Autochen wieder Gas hatte, und ich mit 179,80 € in der Tasche mehr als nur zufrieden war, habe ich mich noch ein drittes Mal ans Matrix gequält. Die Freude war allerdings nur von kurzer Dauer, da eine Delegation der Karnevalstruppe Party-Bus-Grün-Weiß Probleme damit hatten, dass wir Taxifahrer in zweiter Reihe standen. Da gab es zwar meines Erachtens nach noch nie Ärger mit denen in der ersten Reihe, weil wir immer fürsorglichst Lücken freiräumen, aber nach einem kleinen Überschuss Testosteron ob dieser Willkür (in 99% aller Fälle lassen sie uns ja stehen…) und dem Beweis, dass man es schaffen kann, auch mit 6000 U/min vom Hof zu fahren, ohne Geschwindigkeitsbegrenzungen zu übetreten, habe ich direkt ums Eck noch einen Winker eingesammelt, den ich so schnell niemals am Matrix bekommen hätte.

Das waren auch noch 13 € und zudem habe ich derart pünktlich auf 4.30 Uhr Feierabend machen können, dass ich mal keine Bahn verpasst habe.

Ich wüsste wirklich nicht, was an dieser Schicht hätte besser laufen sollen!