Wenn man den Teufel an die Wand malt …

Ich unterhalte mich mit Kollegen nur selten über Kotzer aller Art. An diesem Abend habe ich’s getan und wir gingen auseinander mit dem gegenseitigen Wunsch:

„Naja, möge der Kelch heute an uns vorrübergehen!“

Dann düste er weg zu einem Funkauftrag und mir stieg eine junge Frau ein.

„Ich hab’s leider gar nicht so weit …“

Eine gemütliche 8€-Tour. Bei ungefähr 7 € auf der Uhr aber merkte sie dann an:

„Mir ist eigentlich gar nicht mehr so gut gerade, deswegen bin ich so still. Wäre besser, wenn wir hier schnell anhalten.“

Da ich in der Situation sofort bremsen konnte, war das kein Ding. Zumal sie ja ohnehin zu jenen gehörte, die wenigstens noch was sagen konnten. Noch besser: Anstatt sofort rauszuspringen, bezahlte sie, wartete das Wechselgeld ab und stieg dann erst aus. Ich wurde direkt vor Ort von einem weiteren potenziellen Fahrgast in Beschlag genommen, der jedoch am Ende doch nicht mit mir fuhr. Und erst als ich danach weiterfuhr, sah ich meine Kundin in einen Hauseingang einbiegen und dort losreihern.

Alles, was ich dachte, war:

„Hmm, hätte im Taxi auch bis zur Haustüre gereicht …“

Hab ich schon mal gesagt, dass ich geringfügig pragmatisch veranlagt bin? 😉

2015

Ich kann jetzt nicht behaupten, dass ich sonderlich begeistert war, vom Ostbahnhof zum Berghain zu fahren. 5,30 € nach 30 Minuten Wartezeit. Aber wie immer ist das nix, was Kunden mitkriegen. Und der Kunde war zudem gut gelaunt, offenbar ein DJ aus Frankreich, der schon leicht angetrunken mit seinem Equipment zur Party tingelte. Sei’s drum.

„It’s a big party, a gay party. I am the first time in Berlin, the first time in Germany, should be a great night!“

„OK, that sounds great!“

Dann aber verfiel er in Gestotter und meinte:

„I, I am sorry. For the gay. I mean, I am gay, I’m so sorry, I just, I’m sorry.“

Da ist mir erst einmal gar nix mehr eingefallen. Ich hoffe, ich hab das „Problem“ halbwegs sauber gelöst:

„You’re WHAT!? C’mon guy, we’re in Berlin, it’s 2015, don’t be mad! Party on!“

Immerhin war der Handschlag bei Fahrtende so herzlich, dass ich glaube, es hat gepasst so.

Seltene Bezahlungen

Den Kunden geht’s wie mir: Sie können den aktuellen und noch etwas neuen Tarif noch nicht einschätzen. Und der Kunde, der mir so schnell ans Auto gesprintet kam, um mich dann zu seinem etwas weiter weg geparkten Fahrzeug zu lotsen, guckte am Ende für eine Sekunde sparsam, als ich 7,90 € als Preis ansagte. Denn er hatte sich schon etwas Kleingeld zurechtgezutzelt, kam damit aber nur auf 7,30 €.

Aber dann meinte er kurz entschlossen:

„Ach, dann gebe ich Dir einfach zehn und gut ist.“

Ich könnte Euch jetzt dreimal raten lassen, wie er das dann getan hat, aber auf Anhieb würde vermutlich niemand drauf kommen. Deswegen erspare ich mir dieses sadistische Spielchen und antworte gleich: Mit einer 10€-Münze:

Auch'n Zehner (Zweier nur zum Vergleich), Quelle: Sash

Auch’n Zehner (Zweier nur zum Vergleich), Quelle: Sash

Gut, wie selbst ein Nicht-Profi erkennt, ist die Münze nicht mehr in sammlertauglichem Zustand – also warum sie nicht einfach als das Zahlungsmittel einsetzen, das sie auch ist? Der Silberpreis ist wider Erwarten nach 2011 auch nicht weiter gestiegen, so dass einem auch das Einschmelzen keinen Gewinn verschaffen würde. Da Münzen nicht so mein Steckenpferd sind, wird die Münze also auch bei mir wohl relativ schnell wieder verschwinden.

Ist aber auf jeden Fall ein cooler Taxi-Notgroschen, muss ich schon mal sagen. Und meine erste Gedenkmünze im Taxi, soweit ich mich erinnere.

PS:
Wegen Falschgeld war das einerseits hoch gepokert (Wer kennt schon die Gedenkmünzen?) andererseits aber auch nicht (Wer fälscht schon unbekannte Münzen mit relativ niedrigem Wert?).

Sie sind schwach. So schwach.

Winker in der Wühlischstraße. Ob ich nicht auch – nur ganz kurz zur Revaler – sechs Leute mitnehmen könne. Na klar doch! Sitze kurz ausgeklappt und fertig. Kaum, dass ich das Taxameter anstelle, meint der Oberhipster neben mir, dass ich das ruhig auch sein lassen könne. Jetzt mal im Ernst, einfach so ein Zehner bar auf die Kralle, wäre ja kein Ding. Super für uns beide und so.

Ich hab mit dem üblichen „Danke, aber mein Chef ist kein Arschloch und braucht auch sein Geld“ etwas Ruhe ins Gespräch gebracht. Etwas. Denn es wäre ja nur eine Idee, und ich solle nur mal keinen Stress haben wegen ihnen, sei ja ohnehin scheiße, so eine kurze Fahrt, wo ich „keine Millionen“ verdienen würde. Wohl wahr, zumal wir selbst bei uns in der Firma seit diesem Jahr von den Zuschlägen nichts mehr sehen, die Tour mir also ohnehin nur rund 2,50 € brutto von den 5,30 €, mit Zuschlag 10,30 €, brachte. Mit dem Zuschlag gerechnet hatte Mister Sonnenbrille ohnehin nicht, also war er etwas erstaunt, als ich entgegen seines Vorschlages von 10 € bar auf die Kralle sogar 10,30 € haben wollte.

„Alter! Wegen Großraum? Ach komm, hättste mal nicht gedrückt, dann hätten wir hier 5,30 €, hätt‘ ick dir 4,70 € Trinkgeld gegeben – und zack, fertig!“

Wunder Punkt, keine Frage. Da beisst man sich schon mal auf die Lippen als Angestellter. Wenn es nicht wie folgt weitergegangen wäre:

„Aber jetzt, Alter, jetzt reicht das ja nicht mal! Dann machen wir das mal so, das ist ok, das stimmt so!“

Und reicht mir einen Fünfer zu dem Zehner dazu. Statt eines überaus exorbitant großartigen Trinkgeldes hatte ich nun also ein überaus exorbitant großartiges Trinkgeld PLUS den legalen Fahrpreis a.k.a. einen Fünfer Bonus für meinen Chef.

Unter sowas leidet die Überzeugungskraft der Kundschaft dann schon etwas. 😉

12,88€/km

Bei allerkürzesten Strecken wirkt sich die letzte Tariferhöhung besonders aus. Richtiggehend absurd wird es dann, wenn noch der neue Großraumzuschlag für mehr als 4 Personen obenauf kommt. Die Tour gestern Abend hat damit (für noch halbwegs plausible Fahrtstrecken) quasi Rekordniveau gehabt:

Mit 6 Leuten vom Ostbahnhof zum Berghain. 800 Meter etwa. Für mal eben flotte 10,30 €.

0.0

Aber ich hab dreimal nachgefragt: Sie wollten das wirklich.

Es mit der Kurzstrecke (nicht) genau nehmen

Ob ich ihn für eine Kurzstrecke in die XY-Straße bringen könne, fragte der Fahrgast. Ich war mir nicht sicher, ob es bis ganz ans Ziel reichen würde, sagte aber grundsätzlich zu. Unterwegs erzählte er mir dann:

„Ich fahre zu meiner Freundin. Eigentlich wollte sie ja hierher kommen, aber der Taxifahrer wollte keine Kurzstrecke machen …“

„Ja, das gibt’s leider auch.“,

entschuldigte ich mich stellvertretend für die ehrlichen Kollegen. Im weiteren Verlauf hat sich das ganze aber dann doch etwas verschoben, denn er erzählte mir, dass seine Freundin doch ganz normal bestellt hätte. Da bin ich dann natürlich doch nochmal eingestiegen:

„Na, dann hat der Kollege aber absolut richtig gehandelt!“

„Wieso?“

„Naja, die Kurzstrecke ist ja eben genau eine Vergünstigung dafür, dass sie ein Taxi an der Straße anhalten. Dafür, dass Sie uns keine Anfahrt oder Wartezeit kosten. Das ist ja der Sinn des Ganzen.“

„Oh, das wussten wir nicht. Danke für die Erklärung, das ist ja logisch, das erklärt einiges!“

Seine Verwunderung hat mich nicht überrascht, die meisten merken sich irgendwie nur den günstigen Preis, nicht die Einschränkungen. Manchmal frage ich mich dann aber schon, ob die Leute glauben, sie dürften günstiger fahren, nur weil sie sich ein Wort merken konnten. 🙂

Es hat bis zum Ziel gereicht, er hat sich insbesondere für die Erklärung bedankt und ich hab am Ende der Sackgasse gewendet. Da kam er dann nochmal angesprintet und meinte:

„Ähm, das ist jetzt vielleicht blöd, aber mir ist gerade eingefallen: Würden Sie uns beide jetzt vielleicht für eine Kurzstrecke wieder zurückfahren?“

Ich hab mit einem Augenzwinkern geantwortet:

„Gewöhnen Sie sich das nicht an, da fühlt man sich schnell verarscht als Taxifahrer! Aber von der Sache her haben Sie mich natürlich völlig korrekt beim Fahren rangewunken, also warum sollte ich es nicht machen?“

Seine Freundin war auch umgehend da und er hat mich gleich als total tollen Taxifahrer vorgestellt und ihr auch gleich haarklein erzählt, wieso der Fahrer vorher das mit der Kurzstrecke nicht gemacht hätte. Auch sie nörgelte keineswegs rum, sondern stellte fest, dass das irgendwie ja gar nicht so unsinnig sei. Die hatten es einfach nicht besser gewusst und keineswegs irgendwelche Probleme mit Taxifahrern. Und für mich war die Sache mit 1,8 km hin, 1,8 km zurück und am Ende nach nicht einmal 10 Minuten mit 8+2 € wieder am Ausgangspunkt auch ein guter Deal.

Das einzige, was ich mich danach gefragt habe: Warum hat eigentlich der Kollege nicht einfach mit diesen paar Worten die Sache selbst geklärt? Wir, die wir in dem Job arbeiten, sind doch die besten Ansprechpartner bei sowas. Es sollte doch selbstverständlich sein, dass man seine eigene Dienstleistung und damit auch die Preise erklären kann. Es wird zwar immer Leute geben, die das eigentlich gar nicht wissen wollen, aber zu denen haben die beiden netten Charlottenburger definitiv nicht gehört.

Schichtsalat

Was will man sonst sagen …

Zunächst mal: Ich hatte Unrecht. Die 1528 ist doch kein neuer Zafira Tourer, sondern ein normaler B-Zafira, nur deutlich neuer als die 2925 – kurz vor der 100.000km-Marke. Eine Umgewöhnung war also nicht wirklich nötig. Also mal abgesehen davon, dass sie eine funktionierende Kupplung hat. Hab die Kiste gleich zum Start mal an der Ampel abgewürgt wie so’n Fahranfänger. 🙂

Und dann begann die Schicht ultragrottig. Allenfalls ein Zehner pro Stunde. Richtig mies aber war das Trinkgeld. Aus welchen Gründen auch immer. Vielleicht hab ich komisch gerochen oder so. Also wenn selbst besoffene Engländer, die im Interconti hausen und nach eigener Aussage noch Chancen auf Karten fürs Championsleague-Finale heute Abend haben, kein Trinkgeld auf eine 6€-Tour geben, dann stimmt was nicht.

Umso schöner war dann der Russe, der mit schwer verständlichem Deutsch an der Frankfurter Allee stand und wollte, dass ich ihn in die neue Bahnhofstraße bringe. Er drückte mir gleich 15 € in die Hand, obwohl ich die Fahrt für eine Kurzstrecke hätte machen können. Am Ziel schaute er nochmal kurz aufs Taxameter, wo mickrige 6,60 € aufgelaufen waren und meinte:

„Daan is guut. Schöne Abend Du nooch!“

Und am Ende kamen dann doch noch genug Touren zusammen. Eigentlich wollte ich die notfalls am Sisyphos machen, genau da bin ich aber nicht einmal hingekommen, weil ich immer vorher rausgewunken wurde. Hach.